| Kriegstagebuch Juni 1944 | |
| 3.6.1944 | KTB 9.Armee. Die Anzeichen für das Vorlieben feindlicher Angriffsabsichten vor der Nordflügel der Armee verdichten sich. Abgesehen von den Aufklärungsmeldungen über die Heranführung stärkerer Kräfte auf den nach Gomel führenden Eisenbahnlinien (s.Ic-Zwischenmeldung), deren Auslauf wegen Schlechtwetter leider nicht hat festgestellt werden können, liegen nunmehr auch V-Mann-Nachrichten vor, die von einem Eintreffen von Panzern und Kavallerie im Raum ostwärts Shlobin - Rogatschew sprechen. Wenn diese Nachrichten auch noch der Bestätigung bedürfen, so dringt sich doch immer mehr die Vernutung auf, daß der feindliche Aufmarsch vielleicht schon weiter fortgeschritten ist, als man aus den bisher vorliegenden Aufklärungsergebnissen folgern konnte. Unter dieser Feindbeurteilung entschließt sich der Oberbefehlshaber, da die vorhandenen Armeereserven als unzureichend angesehen werden müssen und mit einer Kräftezuführung von seiten der Heeresgruppe schon deshalb nicht zu rechnen ist, weil diese das Vorhandensein einer operativen feindlichen Stoßgruppe nicht, annimmt, sondern der Verstärkung des Gegners nur örtliche Bedeutung beimißt (s.Anl.V 4 und VII 4), zu einschneidenden Maßnahmen: er ordnet an, die Herauslösung der 129.I.D. beim XXXXXI.Pz.K. und ihre Verschiebung zum XXXV.A.K. sofort vorzubereiten und mit Teilen bereits zu beginnen. Es wird dazu dem LV.A.K. und dem XXXXI.Pz.K. aufgegeben, unverzüglich Vorbereitungen für eine anteilige Übernahme des Divisionsabschnitts zu treffen. Eine le.Art.Abt. und die Stu.Gesch.Abt. der Division sollen sofort in Marsch gesetzt und ferner ein Gren.Rgt.verladebereit gemacht werden Das XXXXI.Pz.K. muß dazu die noch eingesetzten Teile des G.R.430 aus der Front ziehen, ohne das Eintreffen des D.F.B. 129 abwarten zu können s.KTB von 29.5.44). Das LV.A.K. erhalt Befehl, die le.Art.Abt.616 (RSO) entsprechend den für diesen Fall getroffenen Vorkehrungen (s.KTB vom 30.5.44) ebenfalls sofort zum XXXV.A.K. zu verschieben und das XXXV.A.K. wird angewiesen, alle ihm zugeführten Kräfte (zu denen voraussichtlich auch noch die Armee-Pz.Jg.Abt.743 treten wird) im Raum Pristan - Dworez als Armeereserve bereitzustellen (s.im einzelnen Anl. IV 1 und 5). Die Verschiebung so starker Kräfte aus dem Frontabschnitt südlich der Beresina bedeutet zweifellos ein erhebliches Risiko, zumal mit der Bildung eines örtlichen Feindschwerpunktes auch vor dem Nordflügel des XXXXI.Pz.K. weiterhin gerechnet werden muß. Der Oberbefehlshaber richtet deshalb den Antrag an die Heeresgruppe, der Armee die 707.I.D. wieder zur Verfügung zu stellen, wobei er darauf hinweist, daß die Armee zwar von sich aus bestrebt sei, unter gewagter Entblößung erst in zweiter Linie bedrohter Frontabschnitte starke Reserven freizumachen, daß aber dennoch auf die 707.I.D. als. zusätzliche Reserve nicht verzichtet werden könne (s.Anl. V 2). Beim Unternehmen "Pfingstrose" wird die Einengung des Kessels fortgesetzt. Die Nordgruppe stößt dabei mehrfach auf zum Teil stärkeren Feindwiderstand, während vor der Südgruppe die Banden meist nach Norden ausweichen (Einzelheiten s.Anl. II). |
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