Artillerieregiment 45
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Kriegstagebuch Mai 1940
11.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Jetzt werden wir wohl den Feind zu sehen bekommen, denkt fast jeder; aber vorläufig sollte sich diese Vermutung nicht erfüllen. Nur können wir
in Rombach die Folgen des Kampfes, der sich um die dortige Brücke abgespielt hat, deutlich zu erkennen. Rechts an der Strasse liegen die ersten
deutschen Gefallenen; es sind Kameraden von den Panzern. Die Betonbrücke ist vollkommen zerstört; Drähte und Mäste der Telefonleitung liegen
wie umgeknickte Streichhölzer umher. Unsere Pionier hatten schon eine Notbrücke gebaut.Wir fahren hinüber und an der anderen Seite einen sanft
steilen Berg hocn um nach Fauvillers zu gelangen. Nach Neufchateau müßen wir einen Umweg machen, da auch dort fast alle Brücken zerstört sind.
Wir kommen durch Bertrix nach Bouillon, wo wir zum ersten Mal in Stellung gehen, ohne jedoch zu schießen. Dort belästigen uns auch die ersten
Feindflieger. Bei der B.-Stelle warfen sie Bomben ab; aber alles ohne Erfolg. Bei Anbrechen der Dunkelheit ist Stellungswecnsel.
Vollkommen ohne Licht treten wir eine Nachtfanrt nach Rochehaut an der Semois an. Auch dort hat man die Brücke gesprengt; aber warum sollen
wir immer über einen Fluß fahren? Wir können ja aucn mal durcn das Wasser fahren.
Wegekarte 4.Batterie
12.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Um 24 Uhr am 11. Mai fährt das erste Fahrzeug durch; und um 4 Uhr am nächsten Morgen das Letzte. Immer wieder blitzen Scheinwerfer auf, um die
französischen Bomber zu finden, die unsere Arbeit stören wollen. Gegen Morgen sind sie verschwunden„ Wir fahren an toten Franzosen, verreckten
Pferden und zerstörten Häusern vorbei. An einem Waldrand machen wir gut gegen Fliegersicht getarnt Rast, essen etwas und weiter geht's bis Bois
Baimont, wo wir auf der Straße in Bereitschaft stehen vom 12.Mai bis 14.Mai Nachmittags
13.5.1940  KTB 4./A.R.45.
Am 13. wird die Geschützstaffel vorgezogen, um kurz vor Sedan in Feuerstellung zu gehen. Aber noch immer durften wir nicht schießen. So seltsam
es klingt; auch im Kriege gibt es brillantes Feuerwerk. Am 13., Pfingstmontag, setzt um 16 Uhr die Bombardierung und Beschießung Sedans ein.
800 Stukas ht sind eingesetzt und ungefähr 30 Batterien. - Ich habe die Beschießung Sedans von einer Anhöhe 8 Kilometer rückwärts sehen können;
es war ein herrliches Bild. Die Stukas summten wie die Fliegen in dicht aufeinander folgenden Schwärmen und liessen ihre "Eier" fallen.
Rechts von mir beobachtete ein Fesselballon die Wirkung. Gegen 5 Uhr hatten die Bomber ihr Werk vollendet, und nun sollte die Artillerie sprechen.
Schuss um Schuss verließen die Rohre, der Horizont glich einem Flammenmeer. Armes Sedan! Dein Ende steht bevor! - So ist es denn auch.
(Kartenentfernung 75 Kilometer).
14.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Am Nachmittag kapituliert Sedan und weiter geht unser Vormarsch über gesprengte Straßen bis zur Maas. Unsere unermüdlichen Pioniere haben auch
dort schon eine Brücke geschlagen und schnell haben wir das andere Maasufer erreicht. Dort stehen links von uns die ersten Gefangenen, eine
unübersehbare Menge. Ein kurzes Stück fahren wir noch, um weiter bei Chehery auszuruhen.
15.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Gegen 4 Uhr gelangen wir nach Chehery, wo wir wiederum einige Stunden anhalten. Wahrscheinlich herrschen Unklarheiten ber den Weitermarsch.
Ein Kradfahrer bringt die Meldung, wir seien zur II.Panzerdivision (Heeresgruppe Krüger) abgeschwenkt. Es treffen noch andere Meldungen ein,
worauf gegen Abend Vendresse und Singly durchfahren werden und wir nach Poix-Terron kommen, um dort in Feuerstellung zu gehen.
(Kartenentfernung 40 Kilometer)
16.5.1940 KTB 4./A.R.45.
16. Mai Das ist der Tag, an dem wir das erste Mal schießen sollten! Es war hinter Poix-Terron. Der Vormarsch stockte, weil oben auf der Höhe
noch ein M.G. funkt. Es wird kurzerhand zum Seiweigen gebracht. Als wir die Höhe erreichen, sehen wir deutsche Soldaten grauenhaft zugerichtet
mit entsetzten Gesichtern blutüberströmt daliegen. Es können nur Marokkaner gewesen sein, die sich so tierisch benehmen konnten. Die paar Häuser
auf der Höhe haben wir bald gesäubert, und eine Anzahl gefangene Marokkanner eingebracht.
Einen schwer verwundeten Offizier haben wir noch verbunden, und mit seinen Leuten zum Gefangenentransport geführt. Hinter Bouvellemont ziehen wir
in Feuerstellung. Das erste Feuerkommando kommt. Im Ganzen geben wir 56 Schuß ab; alles A.Z. Stellungswechsel! Weiter über Norvion, Chaumont,
Montcornet nach St.Pierremont. Dort rasten wir von 25 Uhr bis nach Mitternacht. (Kartenentfernung 100 Kilometer)
17.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Um 2 Uhr machen wir weiter nach Marle und geraten in einen Fliegerangriff. Es sind Stukas. Unser M.G. schiesst und schon lassen die Bomber ihre
verderbliche Last fallen; jedoch 200 Meter seitswärts richten sie keinen Schaden mehr an. Bei Ribemont gehen wir in Feuerstellug und schießen
36 AZ. ab. Auch in der Nacht bleiben wir noch dort. (Kartenentfernung 40 Kilometer)
18.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Morgens um 9 Uhr überqueren wir den Oise-Kanal. Rancourt (Itancourt?), Urvillers und Serancourt (Seraucourt le Grand?), durchfahren wir und
kommen um 16 Uhr zur Somme. Hinter dem Fluß, werden 2 Geschütze zur Panzersicherung vorgezogen und bei Bimall(?) an beiden Seiten der Straße
in Stellung gebracht. Abgegeben werden 42 Schuß AZ. In der Nacht rasten wir bei Bouvincourt. (Kartenentfernung 50 Kilometer)
19.5.1940 KTB 4./A.R.45.
In Bouvincourt fahren wir gegen morgen ab. Kommen nacn Boucly und Tincours (Tincourt Boucly?) und lassen Peronne südwestlich liegen.
Dann gelangen wir nach Bouchavesnes, wo wir bis zum nächsten Tag bleiben.

( Kastenentfernung 15 Kilometer )
20.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Auf dem Wege von Combles nach Manetz (Carnoy-Mametz?) sehen wir die ersten englischen Gefangenen. Das ist das, was uns mal so richtig erfreut.
Es sind ungefähr 30-35 Mann. Das wir mit den Engländern nicht besonders sanft umgehen, dufte ja wohl klar sein. Sie "marschieren"
auch ganz nett in Reih und Glied - aber nur etwas zu langsam.- Seid ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt.- Also fährt hinter
ihnen ein sogenannter "Sarg", und schiebt den letzten Mann immer wieder unsanft vor. So kommt die ganze Gefangenenkolonne im Laufschritt
an, uns murrende und teils mitleiderregende Blicke zuwendend. Das aber lässt uns kalt, im Gegenteil, - wenn wir ja gedurft hätten...
nah dann!!!... In Albert begegnen uns die ersten Rückwanderer. Einige bessere Leute fahren mit ihrem Auto; andere, die nicht solch hohe Kapitalisten
sind, begnügen sich mit Pferdekarren, noch ärmere kommen mit kleinen Handkarren an. Auch gibt es solche, die ihr "Gepäck" auf Fanrrädern verstaut
haben. 
21.5.1940  
22.5.1940  
23.5.1940 KTB 4./A.R.45.
Fdl.Panzerangriff auf die Abteilung.
 
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