Artillerieregiment 69
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Kriegstagebuch April 1944
5.4.1944
KTB 9.Armee.
Seit dem Aufhören der schweren Abwehrkämpfe, die in den vergangenen Tagen am Südflügel der 4.Armee stattfanden und mit einem vollen Erfolg der deutschen Truppen
endeten, scheint der Feind im Abschnitt zwischen Wetrenka und Tschaussy größere Umgruppierungen vorzunehmen, und zwar deuten Bewegungen in südostwärtiger Richtung
darauf hin, daß er Verbände abzieht (s. Anl. VII 11). Nach den Ergebnissen der Luftaufklärung fließen diese Verbände im wesentlichen über Dowsk nach Süden ab, und es
erscheint möglich, daß sie zum Einsatz vor der Front der 2.Armee bestimmt sind, daneben aber liegen verschiedene Anzeichen vor, die auch im Abschnitt der 9. Armee auf
eine feindl. Verstärkung hindeuten, die wohl z.T. mit der Auflockerung des bisher bei AOK 4 liegenden Schwerpunkts zusammenhängt Durch Luftbilder sind jenseits des
Drut-Brückenkopfes (LV.A.K.) sieben neue Feindbatterien ermittelt und durch vorläufige Negativ-Auswertung heute erflogener Aufnahmen fünfzehn weitere im gleichen Raum
festgestellt worden (s. Ic- Zwischenmeldung und Art.-Meldung, s. Anl. VII 1),. Darüber hinaus ist auch beim XXXV.A.K. eine gewisse Veränderung im Feindbild zu
verzeichnen: nach s.Qu. befindet sich neuerdings ein Teilstab der 1. Weißrussischen Front in Gorwal (3 km nordwestl. der Beresina-Mündung), eine Tatsache, die man
vielleicht - angesichts der noch immer zahlenmäßig starken Reserven der 48. und 65. Sowjetarmee -als eine vorbereitende Maßnahme für Angriffsabsichten nach Eintritt
günstiger Geändebedingungen werten kann, wobei die Möglichkeit des Zusammenwirkens mit einem Angriff am Drut-Abschnitt wiederum offen bleibt.
Notwendig und vordringlich erscheinen allerdings nur Gegenmaßnahmen gegen die Bildung des feindlichen Artillerieschwerpunktes vor der Front des LV.A.K., da beim
XXXV.A.K. die eigenen Kräfte immer noch verhältnismäßig stark sind. Auf Vorschlag des Höh.Arko (Harko/Chef, 23,10 Uhr) wird deshalb zur Verstärkung der artilleristischen
Abwehr vor dem Brückenkopf die sofortige Verschiebung der s.Kan.Bttr. 3./817 (17 cm) vom XXXXI.Pz.K. und der s.Art.Abt.858 (ohne 3./; Mrs.Abt.) vom XXXV.A.K. zum LV.A.K.
befohlen, wobei die Abziehung von Artillerie aus dem Bereich des XXXV.A.K. deshalb tragbar erscheint, weil sich dort noch das s.Gr.W.Btl. 19 befindet. Darüber hinaus
wird die s.Art.Abt. II./69 (10 cm), die beim XXXXI.Pz.K. eingesetzt ist, auf 3-stündige Abmarschbereitschaft gestellt, um ebenfalls unverzüglich dem LV.A.K. zugeführt
werden zu können, falls die Lage dort dazu zwingen sollte (s. Anl.VII 3-5). .
Unter diesen Umständen trifft die Nachricht, die der Armeechef heute von einer Besprechung bei der Heeresgruppe mitbringt, daß das AOK sich auf eine Abgabe der 20.Pz.Div.
werde einstellen müssen, die Armee besonders hart, denn der Abschnitt des LV.A.K. wird damit eine Schwächung erfahren, für die selbst die demnächst zu erwartende
Zuführung des für die 134.I.D. bestimmten Feld-Ausb.Rgts. keinen ausreichenden Ausgleich bieten kann. Das AOK sieht deshalb dieser Planung nicht ohne Bedenken entgegen
und hofft, sie werde nicht eher zur Ausführung kommen, als die Feindlage am Drut sich geklärt habe.
Die Heeresgruppe hat noch eine weitere Abgabe befohlen: die letzte Rgt.Gruppe der Korpsabt. Es muß jetzt ebenfalls dem AOK 2 zugeführt werden (s. Anl. V 1). Das XX.A.K.
kann den freiwerdenden Abschnitt nicht mit eigenen Kräften decken, deshalb erhält das XXXXI.Pz.K. Befehl, an seinem Südflügel einen Btl.Abschnitt des XX.A.K. zu
übernehmen (Ia/Chef XXXXI, 23,00 Uhr; s.Anl. IV 3). Da die Abgabe der Rgt.Gruppe für sofort befohlen ist, ist das XXXXI.Pz.K. gezwungen, sein Korpsreserve-Btl. dazu
einzusetzen, um nicht auf Kräfte zürückgreifen zu mussen, die für das Unternehmen "Auerhahn" bereitstehen (Chef XXXXI/Chef, 23.25 Uhr), das übermorgen beginnen wird
(s. Anl. IV 1)..
Die zahlreichen Abgaben, die der Armee in letzter Zeit auferlegt worden sind haben eine immer stärkere Bindung der eigenen Kräfte an ihre Frontabschnitte hervorgerufen
und damit die Herauslösung von Reserven immer schwieriger gemacht. Das bedeutet - vor allem im Hinblick auf die mit Sicherheit noch weiter zu erwartenden Abgaben - für
die Führung eine zunehmende Erschwerung der vorausschauenden Bildung von Abwehrschwerpunkten, die andererseits gerade jetzt, bei der allgemein schwachen Besetzung der
Front und der daraus sich ergebenden Notwendigkeit, jede feindl. Kräftezusammenziehung sofort und unter rücksichtsloser Schwächung anderer Abschnitte ebenfalls mit einer
Kräftezusammenziehung zu beantworten, von entscheidender Wichtigkeit für die Standfestigkeit der Abwehr ist. Insbesondere gilt das für die Bildung von
Artillerieschwerpunkten durch Verschiebung von Verbänden der Heeresartillerie, von denen schon eine erhebliche Anzahl hat abgegeben werden müssen. Diese Lage zwingt das
AOK-jetzt zu einer Maßnahme, die eine Parallelerscheinung zu der infanteristisch bereits zur Gewohnheit gewordenen Praxis der "Reservengewinnung aus der Front" darstellt:
den Gen.Kdos. wird aufgegeben, in jeder Division eine le.Art.Abt. zur "Verfügungs-Artillerie-Abteilung" zu bestimmen, die - voll beweglich gemacht - unter Mitnahme einer
3/4 Erstausstattung jederzeit innerhalb des Korpsbereichs oder notfalls auch in die benachbarten Div.- Abschnitte verschoben werden kann, ferner in jedem Korps eine
Heeresartillerie-Abteilung (mot) zur jederzeitigen Verschiebung in andere Abschnitte innerhalb und außerhalb des Korpsbereichs vorzusehen. Die in Frage kommenden Abteilungen
sollen, damit ihre Herauslösung keine Lücke im Feuerplan entstehen läßt, schon jetzt möglichst überlagernd eingesetzt werden. Bei der Wichtigkeit, die angesichts der großen
infanteristischen Überlegenheit des Feindes der Artillerie zukommt, werden die Gen.Kdos. ferner heute einerseits darauf hingewiesen, dem Schutz der Art.-Feuerstellungen
gegen feindl. Luftangriffe besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden (s. Anl. VII 8), andererseits die Kampfkraft der Artillerie unter Ausnutzung der derzeit ruhigen Kampflage
durch kurzfristige Herauslösung und Auffrischung einzelner Einheiten zu stärken (s. Anl.
VII 7).
 
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