| Kriegstagebuch Oktober 1941 | |
| 6.9.194,1 | Gefechtsbericht
1.Geb.Div.:1) Am 6.9. steht die 1.Geb.Div. auf dem Nordufer des Dnjepr zum Übergang über den Fluß bereit. (Gliederung siehe Karte).Das XXX.Korps, das in den ersten Septembertagen gegen hartnäckigen Feindwiderstand den Brückenkopf von Berislawlj erkämpft hat, setzt am 6.9. in der Mitte des Brückenkopfes mit den Infanteriedivisionen etwa 14 km südlich Boljschaja Kachowka an. Auf dem linken Flügel ist zur Sicherung der Nordflanke die 170.Div. unter dem Befehl des XXXXIX.(Geb.) Korps eingesetzt. Sie hat am Abend des 6.9. die Linie Höhe 23,21 (Mogila Selenjanskaja) – Höhe 20,9 (Mogila Ostraja) erreicht. Auf dem linken Flügel der Division steht das I.R.401. 1.Geb.Div. hat den Auftrag am 7.9. mit einer verstärkten Regimentsgruppe den Dnjepr zu überschreiten und sich in der Nacht vom 7./8.9. mit dieser Gruppe hinter dem Rgt.401 so zum Angriff bereit zu stellen, dass sie am 8.9. in ostwärtiger Richtung, mit rechtem Flügel entlang der Strasse Boljschaja Kachowka – Antonowka, angreifen kann. Als erste Marschgruppe der Division wird das verstärkte Geb.Jäg.Rgt.98 (Oberst Picker) am 7.9. den Übergang beginnen und am 8.9. angreifen. Die Verbindungsaufnahme zu den von der Armee eingesetzten Übergangstab (Major i.G.Stephanus) ergibt, dass für den Übergang am 7.9. der Marschgruppe zur Verfügung stehen:2-Tonnen Fähre, auf der die Masse der Marschgruppe Picker, ohne schwere bespannte Fahrzeuge, mot.Teile und III./G.A.R.79 überzusetzen haben. 1 16-Tonnen Fähre, [unleserlich] IV./G.A.R.79 zur Verfügung steht. Auf der 8-Tonnen Brücke können frühestens ab 6.00 Uhr die restlichen Teile der Marschgruppe den Übergang beginnen. Da die Brücke als Hauptübergangsmittel nur in begrenztem Masse zur Verfügung steht, ist zweifelhaft, dass die Gruppe Picker am 7.9. mit allen Teilen das Südufer erreichen wird. In der Nacht vom 6./7.9. wird bei einem der zahlreichen Bomben- und Tieffliegerangriffe, die der Feind seit Tagen auf die Kriegsbrücke und Bereitstellungsräume führt, die Brücke getroffen und nachhaltig unterbrochen. Die Wiederherstellung wird nicht vor 9.00 Uhr möglich sein. |
| 7.9.1941 | Gefechtsbericht 1.Geb.Div.:1) Weit auseinander gezogen und auf der deckungslosen Steppe verstreut steht die Marschgruppe Picker am Morgen des 7.9. hart südlich Berislawlj zum Übergang bereit.Bis um 18.00 Uhr hat Gruppe Picker mit dem III./G.J.R.98, dem I./G.J.R.98 und der 7./G.J.R.98 ohne Fahrzeuge und der Masse der Regimentstruppen ohne Verluste das Südufer erreicht. Zum gleichen Zeitpunkt hat auch die IV./G.A.R.79 mit den notwendigsten Teilen den Übergang vollzogen. Diese geringen Kräfte reichen für einen Angriff nicht aus. Das Korps befiehlt daher am 8.9. den Übergang fortzusetzen. Als Angriffstag wird der 9.9. bestimmt. Ein Bombenangriff in der Nacht vom 7./8.9. auf die Bereitstellungsplätze nördlich Berislawlj fordert bei II./G.A.R.79 3 Schwerverwundete. |
| 8.9.1941 | Gefechtsbericht 1.Geb.Div.:1) In den Vormittagsstunden des 8.9. überschreiten die letzten Teile der Marschgruppe Picker den Dnjepr. Um 10 Uhr kann das II./G.J.R.99 den Übergang beginnen.Marschgruppe Kress (verst.Geb.Jäg.Rgt.99) und Vorausabteilung Lang (verst.Geb.Pz.Jäg.Abt.44 schließen auf Berislawlj auf. Das Korps befiehlt den Angriff für 9.9.: „1.Geb.Div. greift mit 1 verst. Rgt.Gruppe über das I.R.401 hinweg an und nimmt Hf. Tschakrak. Gruppe Lang übernimmt die Sicherung der Nordflanke der 1.Geb.Div. Hierzu ist sie unter Aufrollung und Brechen feindlichen Widerstandes am Dnjepr auf Hf. Marjanoff anzusetzen. Es ist wichtig festzustellen, ob Gegner Kräfte aus der Dnjepr-Front gegen die Nordflanke des Korps vorführt. Das 2.verstärkte Geb.Jäg.Rgt. der 1.Geb.Div. erreicht nach erfolgtem Uferwechsel zur Verfügung des Korps den Raum Ljubimowka.“ Der Divisionskommandeur bespricht am Nachmittag mit den Kommandeuren des Geb.Jäg.Rgt.99 und Geb.Art.Rgt.79 den Angriff und weist sie im Gelände ein. Angriff ist mit Schwerpunkt auf dem rechten Flügel entlang der Trennungslinie zu führen und wird durch II., III. und IV./G.A.R.79 (ohne 11.Battr.) unterstützt. Die 11.Batterie wird der Gruppe Lang unterstellt. Zur Unterstützung der Gruppe Lang ist eine schwere Abteilung der 3.rum.Armee von Westufer aus auf Zusammenarbeit mit Gruppe Lang angewiesen. Unmittelbare Verbindung ist durch Funk sichergestellt. Am Abend wird bei einem Bombenangriff die Brücke wieder unterbrochen. Wiederherstellung ist frühestens um 21.00 Uhr möglich. Damit ist der Uferwechsel und die rechtzeitige Bereitstellung der Gruppe Lang zum Angriff verzögert. Zur Sicherung der linken Flanke hat daher auf Befehl des Korps das Rgt.401 solange bei Höhe 20,9 zu verbleiben, bis die Gruppe Lang die Sicherungslinie des Rgts. überschritten hat. |
| 9.9.1941 | Gefechtsbericht 1.Geb.Div.:1) Erst am Morgen des 9.9. kann die Gruppe Lang mit dem Übersetzen beginnen. Trotzdem gelingt es noch rechtzeitig, so viel Teile auf das Ostufer zu ziehen, dass Gruppe Lang 9.30 Uhr zum Angriff antritt. Die linke Flanke des Rgt.98 ist gesichert. Nach rechts besteht zum linken Flügelregiment der 170.Div. (Rgt.391), das von Mogila Selenjanskaja angreift, eine Lücke von 5 km. Am 9.9. 8.30 Uhr tritt das Geb.Jäg.Rgt.98 mit III. und I.Btl. in vorderer Linie, das II.Btl. links rückwärts gestaffelt, planmäßig zum Angriff an. Der anfängliche infanteristische Widerstand des Feindes ist gering. Gegen 9.00 Uhr setzt besonders gegen das auf dem Südflügel vorgehende III.Btl. starkes Artilleriefeuer von zwei leichten und 1 bis 2 schweren Batterien ein. Auch der Widerstand der feindlichen Infanterie verstärkt sich. Auf dem Südflügel hat sich der Feind in einem Gehöft (x) eingenistet und flankiert von dort das III./G.J.R.98. Gut liegendes Artilleriefeuer zwingt ihn nieder. Der Stützpunkt im Süden wird vom III./G.J.R.98 genommen. Nach Überwindung dieses Widerstandes gewinnt der Angriff rasch Boden. Das feindliche Artilleriefeuer hat merklich nachgelassen. Reiter (xx) und Infanterie auf Lkw. weichen nach Osten aus. (x) Wäldchen mit Windmeter und einigen Häusern. (xx) Nach Gefangenenaussagen handelt es sich um besonders zusammengestellte Reiterabteilungen, die als „Polizei“ den Auftrag haben, jedes Zurückweichen der russischen Infanterie mit der Waffe zu verhindern. Erst am Nachmittag, als sich der Angriff der Ortschaft südlich Hf.Tschakrak nähert (auf der Karte nicht verzeichnet), stösst das Rgt.wieder auf hatrnäckigen Widerstand. Das feindliche Artlleriefeur hat sich wesentlich verstärkt. Trotzdem wird der Feind in zügigem Angriff geworfen. Er versucht sich nach Osten abzusetzen. Das Rgt.98 hat damit am 9.9. 16.45 Uhr das Tagesziel erreicht. Der Divisionskommandeur, der den Angriff begleitet hat, befiehlt, noch am heutigen Tge mit dem I.Btl. weiter auf Konstantinowka vorszustossen. Das Btl. erreicht gegen 18.00 Uhr die Gegend Mogila Wyssokaja. Nach Konstantinowka, das die Aufklärung als feindfrei meldet, wird eine satrke Sicherung vorgeschoben. Das II.Btl. erreicht zum Schutz der linken Flanke Raum Mogila Morachowskaja das III.Btl. sicher südostwärts Hf.Tschakrak nach Süden und hält Verbindung mit dem Nachbar. Der Angriff der Gruppe Lang hat am 9.9. 9.30 Uhr, mit Radfahrabteilung Lawall voraus antretend, 17.30 Uhr gegen schwachen Gegner das Tagesziel beiderseits Hf.Marjanoff gewonnen. Südostwärts Mogila Malaja Raskopa und iM Abschnitt der Vorausabteilung Lang sind Verluste durch Minen eingetreten. Die Minen werden durch Geb.Pi.Btl.54 aufgenommen und das versecuhte Gebiet bezeichnet. Die feidnliche Luftwaffe führte am Tage verschiedene Bomben- und Tieffliegerangriffe gegen die Gruppe Picker. Ein russischer Jäger wird hierbei durch Infanteriefeuer abgeschossen. (III./98). Die rechte Nachbardivision kam zu Beginn gut vorwärts, stiess bei Satissoff auf stärkeren Widerstand und drang am Abend in eine Ortschaft westlich Antonowka ein. Weiter südlich ist es noch nicht gelungen Dmitrijewka zu nehmen. Der Feind leistet im Raum Antonowka - Dimitrijewka zähen Widerstand. 4km sotwärts Antonowka schanzt der Feind, das Instellunggehen russischer Langrohrgeschütze ist beobachtet worden. Marschgruppe Kress hat am 9.9. um 19.15 Uhr mit letzten Teilen den Uferwechsel vollzogen. Sie ist im Raum Ljubimowka zur Verfügung des Korps versammelt Für 10.9. hat 1.Geb.Div. den Auftrag: Um 9.00 Uhr antretend den Dangriff nach Osten fortzusetzen. Angriffsziel für Gruppe Picker Hf.Tschitintschi. Angriffsziel für Gruppe Lang Raum um Gornostajewka. Geb.Jg.Rgt.99 erreicht zur Verfügung des Korps Mogila Ossmajskaja. Der Divisionskommandeur befiehlt, dass Vorausabgteilung Lang mit je einer Gefechtsgruppe den Raum Br.(10km ostwärts Hf.Marjanoff) und Gornostajewka gewinnt. Verbindung von links nach rechts und zu Gruppe Picker ist zu halten. |
| 10.9.1941 | Gefechtsbericht 1.Geb.Div.:1) In der Nacht zum 10.9. wieder starke Tätigkeit der feindlichen Luftwaffe. Der Angriff des Geb.Jg.Rgt.98 durchstösst am Morgen des 10.9. den feindlichen Widerstand, wobei feindliche Kavallerie im Zurückgehen festgestellt wird. Artilleriefeuer aus südlicher Richtung liegt besonders auf dem Südflügel. Die mangelhaften Kartenunterlagen erschweren die Orientierung im Gelände. Die auf der Karte eingezeichneten Wege und Ortschaften sind häufig im Gelände nicht vorhanden, oder tragen andere Namen. Zahlreiche Ortschaften, Strassen und Wege, die im Gelände vorhanden sind, sind auf der Karte nicht verzeichnet. Die Truppe orientiert sich in dem weiten, flachen Gelände, das wenig Anhaltspunkte bietet, nach dem Kompass. 8.30 Uhr führt der Feind einen Tieffliegerangriff auf die Artilleriestellungen im Abschnitt der Gruppe Picker. Um 10.9. 10.45 Uhr hat Gruppe Picker mit I./98 Konstantinowka genommen. Wiederantreten sobald die Artillerie den Stellungswechsel beendet hat. 13.00 Uhr setzt die Gruppe Picker den Angriff fort. Feind weicht unserem Angriff auf Lkw. nach Osten aus. Das Artilleriefeuer aus südlicher und südostwärtiger Richtung, teilweise auch schweren Kalibers, hält an. 14.30 Uhr hat Gruppe Picker das Tagesziel erkämpft. Gruppe Lang steht am 10.9. 12,45 Uhr ebenfalls am Tagesziel. Am Nachmittag meldet die Aufklärung vor Gruppe Lang Sawodowka vom Feind besetzt. Ein Angriff am Nachmittag auf Sawodowka auf eigene Sicherungen in Stärke von 1 bis 2 Kompanien wird abgewiesen. An Artillerie sind bisher 2 leichte Batterien aufgetreten. Das Geb.Jäg.Rgt.99 hat gegen Mittag des 10.9. vom Korps Befehl erhalten, den Raum Hf. Telenik zur Verfügung des Korps zu erreichen. Die Bewegung wird am Nachmittag durch einen neuen Korpsbefehl angehalten. Beim rechten Nachbar hat der Feind erbitterten Widerstand geleistet und ist bei Antonowka zum Gegenangriff übergegangen. Die 170.Div. liegt seit dem Morgen unter schwerem Artilleriefeuer (etwa 12 Bttr. mittleren und schweren Kalibers). Rgt.391 liegt in den am Vortag erreichten Stellungen im Abwehrkampf. Nach Fliegermeldungen und Erdbeobachtung ist das Heranführen von Verstärkungen im Raum Antonowka und Dmitrijewka beobachtet. Auf dem Südflügel ist es nicht gelungen, Dmitrijewka zu nehmen. Zur Brechung des feindlichen Widerstandes erhält 1.Geb.Div. den Auftrag, sich in der Nacht vom 10./11.9. und am 11.9. morgens im Raum um Konstantinowka zum Angriff in die Flanke des Gegners vor 170.Div. bereitzustellen. Zur Durchführung dieses Auftrages wird das Geb.Jäg.Rgt.99 der 1.Geb.Div. wieder unterstellt. Der Angriff der Division ist in südlicher Richtung so anzusetzen, dass er die feindliche Artillerie im Rücken fasst und soweit nach Süden zu führen, bis der bei Antonowka – Dmitrijewka stehende Feind geschlagen ist. Den Rücken- und Flankenschutz übernimmt die Gruppe Lang. Damit hat diese den Auftrag, einen 25 km breiten Abschnitt zu decken. Der Divisionskommandeur befiehlt für den Angriff des 11.9.: Die Division stösst aus dem Raum Konstantinowka und ostwärts um 9.00 Uhr antretend in Keilform nach Südsüdosten. Gefechtsgruppe Kress erreicht Marsch bis 7.00 Uhr den Raum Konstantinowka und greift rechts mit 2 Btl. in vorderer Linie, mit 1 Btl. rechts rückwärts gestaffelt an. Gefechtsgruppe Picker links im engen Anschluss an Gruppe Kress mit 1 Btl. in vorderer Linie, die beiden anderen Btl. links rückwärts gestaffelt. Schwerpunkt auf dem inneren Flügel der Regimenter. Gruppe Picker übernimmt den Schutz der linken Flanke. Angriffsziel ist die Strasse Dmitrijewka – Nowo-Rapjewka. Gefechtsgruppe Lang belässt schwache Sicherungen in der am 10.9. erreichten Linie und sammelt 6 km nördlich Konstantinowka zur Sicherung von tiefer Flanke und Rücken der Division. Das Geb.Jäg.Feld.Ers.Btl.54 erreicht am 11.9. bis 9.00 Uhr den Raum Hf. Tschakrak als Divisionsreserve. Die gesamte Divisions-Artillerie, unter dem Kommandeur Geb.Art.Rgt.79 zusammengefasst, ohne 11.Bttr., (die sich bei Gruppe Lang befindet) unterstützt den Angriff der beiden Regimentsgruppen. In der Nacht führt der Feind einzelne Vorstösse in Kompaniestärke aus südlicher Richtung in den Raum Konstantinowka. Er wird abgewiesen. |
| 11,9,1941 | Gefechtsbericht 1.Geb.Div.:1) Am 11.9. um 9.00 Uhr treten die Regimenter aus der Bereitstellung zum Angriff an. Der infanteristische Widerstand des Feindes wird trotz zunehmenden feindlichen Artilleriefeuers gebrochen. Der Raum um Konstantinowka wird lebhaft von der feindlichen Artillerie beschossen. Die Überraschung des Gegners ist geglückt. Erst allmählich schwenkt die feindliche Artillerie mit der Masse ihres Feuers gegen unseren Angriff ein. Schon 11.45 Uhr überschreiten die Btl. vorderer Linie die von Antonowka nach Osten führende grosse Strasse. Das feindliche Artilleriefeuer verstärkt sich immer mehr und zeigt eine auffallend wendige Feuerleitung. Im rechten Regimentsabschnitt (Gruppe Kress) wird der Feindwiderstand immer hartnäckiger. Der Feind versucht offenbar unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte unseren Einbruch in seine tiefe Flanke zu verhindern. Die Gehöfte bei Br. (4 km ostwärts Antonowka) werden zum Brennpunkt der feindlichen Abwehr. Aber auch sie werden von den Jägern in unwiderstehlichem Angriff genommen. Feindliche Vorstösse aus dem Raum Antonowka, die mit verbissener Hartnäckigkeit geführt werden, ändern die Lage nicht; sie werden von dem rechts rückwärts folgenden III./G.J.R.99 unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen. Trotz unseres Bemühens kann mit dem linken Flügel der 170.Div. keine Verbindung gefunden werden. Nach Erreichen der Strasse Antonowka – Torgajewka werden die Angriffsverbände wieder geordnet und die Artillerie nachgezogen. Starke feindliche Gegenangriffe bis zu Btl.-Stärke werden gegen 14.00 Uhr abgewiesen. Kurz darauf treten die Regimenter 98 und 99 wieder zum Angriff an. Der Feind führt immer noch einzelne Gegenangriffe aus südlicher und südwestlicher Richtung. Im weiteren Vorgehen nach Süden verstärkt sich der feindliche Widerstand. Auch die feindliche Artillerie hat jetzt mit Masse nach Norden und Osten eingeschwenkt. Die durch den Angriff sich ständig verlängernde rechte Flanke des Rgt.99 muss durch den Einsatz der Divisionsartillerie in besonderem Masse geschützt werden. Dagegen ist der linke Angriffsflügel (Rgt.98) weniger gefährdet, obwohl auch hier jederzeit mit feindlichen Angriffen zu rechnen bleibt. So stösst der Angriffskeil der Division von beiden Seiten bedroht immer tiefer in den Rücken des Feindes, um die Entscheidung zu erzwingen. Der Angriff der 170.Div. trifft offenbar auf harten Widerstand. Infolge starker feindlicher Gegenangriffe, unterstützt von Artillerie und Panzern, geht die Division zur Verteidigung über. Da bis 18,00 Uhr immer noch keine Verbindung mit dem linken Flügel der 170.Div. hergestellt werden konnte, wächst die Gefahr eines feindlichen Durchbruches bei Nacht zwischen den beiden Divisionsflügeln. Der Divisionskommandeur befiehlt deshalb nach Erreichen des Angriffszieles die gewonnenen Stellungen zu halten und zum Schutze des rechten Flügels das III./G.J.R.99 nach Br. (4 km ostwärts Antonowka) heranzuführen. Gleichzeitig erhält die Artillerie Befehl, sich auf die Abwehr eines feindlichen Angriffs von Antonowka nach Norden einzurichten. Das Geb.Jäg.Felders.Btl.54 ist in den ersten Nachmittagsstunden als Divisionsreserve nach Konstantinowka herangezogen worden. Es wird von dort aus, ebenfalls zum Schutze der Lücke auf dem rechten Divisionsflügel, nach Nikolajewka (südlich Konstantinowka, auf der Karte nicht verzeichnet) vorgeführt. Noch mehr als am Vortage haben die ungenauen Kartenunterlagen die Kampfführung erschwert. Die widersprechendsten Meldungen über den Standpunkt der 170. und den linken Flügel der 170.Division sind die Folge. Das Nichtzustandekommen des Anschlusses zur 170.Division ist grossen Teils darauf zurückzuführen. Erst gegen Abend gelingt es, Klarheit über den Verlauf der vorderen Linie zu erlangen. Es ergibt sich folgendes Bild: III./G.J.R. 99 steht nach Wegnahme von Antonowka südostwärts der Ortschaft mit Front nach Südwesten. Zu dem rechten Flügel der 170.Div. besteht eine Lücke von etwa 2 km. I./G.J.R. 99 ist weit nach Süden vorgestossen. Es steht südlich der Strasse, die von Dmitrijewka nach Osten führt, (im Gelände nicht vorhanden) mit Front nach Südwesten. II./G.J.R. 99 hat nach Wegnahme einer feuernden Flak-Batterie unmittelbar neben I.Btl. das Tagesziel, die Strasse Dmitrijewka - Nowo Repjewka erreicht. Es hat Anschluss links an III./G.J.R. 98, das etwa auf gleicher Höhe von ihm steht. I./G.J.R.98, das auftragsgemäss links rückwärts gestaffelt gefolgt war, hält mit Front nach Süd-Osten, etwa 1 km nordwestlich Höhe 20,26. Das II./G.J.R.98, das als letzte Flankenstaffel des Regiments vorgegangen war, ist inzwischen, wie schon erwähnt, auf den rechten Flügel herangeführt worden. Die Artillerie der Division steht in dem schmalen Angriffsstreifen mit ihrer Masse feuerbereit nach Westen und Südwesten. Eine Abteilung wirkt nach Süden und Osten. Gruppe Lange hat auf dem Nordflügel der Division am 11.9. 10.00 Uhr die befohlene Sicherungslinie besetzt. Die Aufklärung ergibt in der Ost- und Nordflanke folgendes Bild: Im Osten auf 15 km Tiefe bis Kolonie Wosnessenka und Hf. Melkije Ssarai schwache feindliche Sicherungen. Rubanowka dagegen vom Feinde stark besetzt. Feindliche Spähtrupps, die von Sawadowka in der Nacht vom 10. auf 11.9. und am Morgen des 11.9. gegen Gornostajewka vorfühlten, wurden abgewiesen. Feind bei Sawadowka gräbt sich ein. Am 11.9. gegen 19.00 Uhr liegt schweres feindliches Artilleriefeuer auf Gornostajewka und Höhe 30,8. St. Blishnaja und Höhe 32,3 (Mogila Rubanskaje), die am 10.9. feindfrei gemeldet waren, sind nunmehr vom Feinde besetzt. Zur Schliessung der Lücke zwischen 170.Div. und 1.Geb.Div. befiehlt das Korps die Heranführung der Gruppe Lang. Mit Rücksicht auf die Lage auf dem Nordflügel bittet die Division die Gruppe Lang in ihrem jetzigen Abschnitt zu belassen, um die 45 km lange Flanke zu schützen. Dies wurde genehmigt. Die Luftaufklärung am Nachmittag des 11.9. meldet eine lange Lkw.-Kolonne auf der von Dmitrijewka nach Südosten führenden Strasse, mit Fahrtrichtung Osten. Korpsbefehl für den 12.9.41: Am 12.9. setzt das Korps Angriff zur Umfassung bis zur völligen Einkreisung und Vernichtung etwa noch haltender Feindes fort. 1.Geb.Div. greift zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf Dmitrijewka an. Die Division sichert sich im Rücken und klärt wie am 11.9. nach Westen und Nordosten auf. Der Divisionskommandeur befiehlt hierzu bei Tagesanbruch kampfkräftige Aufklärung nach Westen auf Dmitrijewka anzusetzen und festzustellen, ob Feindkräfte sich dort noch befinden. Der Angriff auf Dmitrijewka ist mit III./G.J.R. 99 von Norden, II./G.J.R. 99 von Osten und I./G.J.R. 99 von Süden beabsichtigt. Das III./G.J.R.98 hat dabei den Schutz der linken Flanke zu übernehmen. I./G.J.R.98 wird mit der Sicherung nach Süden und Südosten beauftragt. |
| 12.9.1941 | Gefechtsbericht 1.Geb.Div.:1) In der Nacht 11./12.9. fühlt der Feind auf dem äussersten linken Flügel der Division gegen 23,00 Uhr mit stärkeren Spähtrupps gegen Gornostajewka vor. Es folgt ein starker feindlicher Angriff gegen die am Nordrand Gornostajewka stehenden schwachen Sicherungen. Trotz äusserster Gegenwehr gelingt es dem etwa 10-fach überlegenen Feind in die Ortschaft einzudringen. Nur mit Mühe können die dort befindlichen Teile der 1./G.J.R. 99 der nächtlichen feindlichen Umklammerung entzogen werden. Gruppe Lawall weicht auf den Nordrand Kairy Sapadnye aus. Auf dem rechten Flügel der Division werden vom I./G.J.R.99 und II./G.J.R.99 feindliche Angriffe abgewiesen. Die am frühen Morgen des 12.9. auf Dmitrijewka angesetzte Aufklärung meldet dort nur noch schwachen Feind. Dem um 7,30 Uhr ergangenen neuen Korpsbefehl zufolge werden nur das I. und III./G.J.R. 99 auf Dmitrijewka angesetzt, das sie um 9,15 Uhr ohne wesentlichen Widerstand erreichen. Die übrigen Btl.verbleiben in ihren Stellungen. Das Geb.Jäg.Felders.Btl. 54 nimmt mit einer halben Kp. Hf. Gornostajewskije und sichert dort nach Nordosten. Im Laufe des Vormittages des 12.9. erhält die Division Befehl im Raum Antonowka – Konstantinowka zu sammeln. Nachmittags führt die Division die befohlene Versammlung durch. Die am Morgen des 12.9. nach Osten und Nordosten angesetzte Aufklärung ergibt, dass der Feind seit dem vorhergehenden Tage seine Sicherungen entlang der gesamten Ost- und Nordfront um etwa 10 km gegen die Division vorgeschoben hat. In Nowo Repjewka, Torgajewka und 3 km ostwärts und nordostwärts Hf. Gornostajewskije stehen feindliche Sicherungen mit Infanterie, Reitern und vereinzelt Kampfwagen. Am frühen Nachmittag wird Feind in Btl.-Stärke von Rubanowka im Marsch nach Südwesten gemeldet. Es besteht die Möglichkeit, dass der Gegner die in weit gespannten Bogen von Hf. Gornostajewskije bis Kairy Sapadnyja stehenden schwachen Sicherungen der Division erkannt hat. Es muss damit gerechnet werden, dass er in der Nacht vom 12./13.9.41 den Angriff gegen unsere Sicherungen mit stärkeren Kräften wiederholt. Da die Kräfte der Gruppe Lang zur Abwehr eines planmässig geführten Angriffes nicht ausreichen, befiehlt die Division: Das II./G.J.R.99 ist in Gegend Hf. Kowaljoff zu versammeln, eine Kp. nach Hf.Tschakrak seitlich herauszuschieben. Eine Kompanie des Geb.Jäg.Rgt.98 sichert in Gegend "Hürde" (4 km nordostwärts Konstantinowka). Eine schwere Batterie der III./Geb.Art.R.79 geht dort in Stellung. Das Geb.Jäg.Felders.Btl.54 erreicht sofort antretend den Raum "Tenne" (6 km nordostwärts Konstantinowka) und übernimmt dort die Sicherung nach Nordosten. Gruppe Rathgeber gewinnt sofort Anschluss an Gruppe Lawall und sichert in der Linie Mogila Bolschaja – Br. (8 km nordostwärts Marjanoff). Am Abend des 12.9. haben die Sicherungen die obige Linie erreicht. Die Division hat am 9.9. und 10.9. den Feind vor der Front im Angriff geworfen. Ab 11.9. nach Süden einschiebend, hat sie den Widerstand durch Stoss in die tiefe Flanke des vor 170.Div. haltenden Feindes gebrochen und ist ohne Rücksicht auf die Bedrohung im Norden und die ungeschützte Flanke im Osten bis ostwärts Dmitrijewka durchgestossen. Sie hat damit ihren Auftrag erfüllt und in der Schlacht von Antonowka die Entscheidung erzwungen. Ihre Verluste betrugen: gefallen verwundet vermisst ---------------------------- Offiziere 4 8 – Uffz. u. Mannschaften 54 296 39 An Gefangenen und Beute wurden eingebracht: Gefangene: 4 Offiziere. 1 444 Uffz. und Mannschaften. Beute: 4 Flak-Batterien (3 Geschütze) 7,6 cm Kaliber, mit Kdo.-Gerät und Messgerät, 1 15 cm Geschütz, 1 Pak 4,5 cm, 2 Panzerspähwagen (1 vernichtet), 2 Traktoren, 20 Lkw. (davon 16 vernichtet), 20 Bespannfahrzeuge |
| 14.9.41 | aus Fotoalbum
II./Geb.A.R.79 Zug der 4.Battr.mit der Kampfgruppe Hirschfeld im Vorgehen. |
| 17.9.41 | aus Fotoalbum
II./Geb.A.R.79 Der Marsch durch die Steppe geht weiter über Nowo Alexandrowka-Woronzowka-Kosakowka nach Nordosten. |
| 19.9.41 | aus Fotoalbum
II./Geb.A.R.79 Das II.Btl. (vermutl.GJR.98) welches bereits ab Hellwerden in Richtung Tarasowka Aufklärung bis zum Panzerabwehrgraben vorgetrieben hat, meldet starke Feindbesetzung am Panzergraben. Die Batterien beziehen sofort Feuerstellung am Panzergraben. |
| 20.9.41 | aus Fotoalbum
II./Geb.A.R.79 4.Battr.F.Stellung, Verwundete werden verbunden - Dem eigenen Angriff geht eine starke Art.Vorbereitung sämtlicher Bttr.voraus. Der Angriff der Jäger stößt auf sehr starken Widerstand und geht nur langsam vorwärts. Heftiges Art.Feuer mit teilweise sehr schwerem Kaliber. |
| 21.9.41 | aus Fotoalbum
II./Geb.A.R.79 Abt.B.Stelle an einem Strohschober nordostwärts P.43,9 Abt.Kdr.in der Mitte der beiden rum.Offz. |
| 23.9.41 | aus Fotoalbum
II./Geb.A.R.79 Der Div.Kdr.begrüßt den rum.Brig.Kdr.- Die Div. soll in der Nacht vom 23./24.9. durch eine rum.Gebirgs-Brigade abgelöst werden und andere Verwendung fnden. |
| 24.9.1941 | 10./Geb.Jg.Rgt.98. Jg.Heuwieser Hermann, verstorben Feldlaz.54 Nyschni Sirohosy, Duschsch.l.O.Schenk.,O.Arm,Kopf (Jg.); Grab nordost.Ortseingang im Park gegenüber Theater; |
| 30.9.41 | aus Fotoalbum
II./Geb.A.R.79 Das II./GJR.98 erreicht den großen Graben Balka Belosjorka. Der Angriff kann wegen zu großem Feindwiderstand nicht mehr weiter vorgetrieben werden. Oblt.Gebhard, Chef 5.Bttr., 2 Unteroffiziere und 1 Mann auf der B-Stelle der 5.Battr.durch Art.Volltreffer gefallen. Ständiges Art.Feuer auf B.Stellen und Feuerstellungen zwingen zum nochmaligen Stellungswechsel. |
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1) GermanDocsInRussia – Digitalisierte deutsche Originaldokumente aus russischen Archiven.