134.Infanteriedivision
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Kriegstagebuch Januar 1944
7.1.1944
KTB 9.Armee.
Das Bevorstehen des Feindangriffs am äußersten Südflügel der Armee wird durch s.Qu.=Nachrichten bestätigt (s.Ic=Zwischenmeldung). In den Mittagstunden
greift der Gegner auch beiderseits der Armeenaht erstmalig etwa in Btl.Stärke an. Die im Abschnitt der 134.I.D. hart nördlich der Armeegrenze vorgehende
Feindkompanie wird schon vor Erreichen des Upa=Abschnittes durch Art.-Feuer zerschlagen, beim rechten Nachbar allerdings gelingt dem Gegner ein örtlicher
Einbruch. Zur Abriegelung setzt die 134.I.D. eine Pi.Kp. an der Armeenaht ein. — Vor der Front der 253.I.D. hat der Gegner einen Teil seines
Drahthindernisses südwestl. Schazilki beseitigt. Man wird weiterhin mit feindlichen Angriffen auf beiden Flügeln des Korps rechnen müssen; der heutige
Angriff düfte lediglich als Aufklärungsvorstoß zu werten sein.
Zur Aufbesserung der Gefechtsstärken — man kann angesichts der Tatsache, daß auf 100 m Grabenlänge kaum noch 4 Mann Infanterie in der HKL stehen,
eigentlich nur noch von einer Sicherung des Verteidigungsabschnittes der Armee sprechen - hat das AOK die Heeresgruppe nochmals um Rückführung der noch
bei der 4.Armee befindlichen Restteile der 9.Armee gebeten (s.Anl. V 1).
8.1.1944
KTB 9.Armee.
Der Gegner tritt heute zu dem erwarteten Angriff an. Am Nordflügel der 2.Armee kommt es zu schweren Kämpfen, die auch auf den Abschnitt der 134.I.D.
übergreifen, Mehrere nördlich der Armeegrenze in Btl.-Stärke vorgetragenen Feindangriffe werden in harten Gefechten zum Teil abgewiesen, zum Teil führen
sie zu örtlichen Einbrüchen, die jedoch durch sofort einsetzende Gegenstöße bereinigt werden können.
Weniger erfolgreich ist die Abwehr im nördlichen Abschnitt des LVI.Pz.K. (2.Armee). Zwischen Rylowitschi und der Armeegrenze, am linken Flügel der 4.Pz.Div.,
stößt der Gegner bis in die Gegend südlich Sabolotje durch. Das XXXXI.Pz.K. dadurch in seiner Flanke unmittelbar bedroht, beginnt unter Einsatz beschleunigt
herangezogener Reserven mit dem sofortigen Aufbau der geplanten Sicherungslinie längs der Armeenaht.
Um 21.50 Uhr meldet das Korps, laut Mitteilung der Pz.A.A.4 sei der rechte Nachbar im Ausweichen auf die Linie Rylowitschi -Sabolotje. Anfragen beim LVI.Pz.K.
ergeben keine eindeutige Klärung der Lage. Auch die Heeresgruppe, deren Fernsprechverbindungen zum AOK 2 ausgefallen sind, zeigt sich nicht orientiert.
Ihren Vorschlag, die 9.Armee solle den Abschnitt von Rylowitschi bis Sabolotje mit übernehmen, lehnt das AOK ab, da ihm keine Kräfte zur Verfügung stehen
(Ia/Ia H.Gr., 21.40 Uhr). Es schlägt vielmehr seinerseits vor, die Bereinigung des Einbruchs durch beiderseitigen Angriff - 134.I.D. von Norden, Pz.A.A. 4
von Süden - durchzuführen und auf diese Weise den Upa=Abschnitt wieder zugewinnen. Nach Eingang einer neuen Orientierung vom Gen.Kdo.XXXXl.Pz.K., wonach
zwischen den beiden genannten Orten z.Zt. eine 2 km breite Frontlücke bestehe, südlich davon nur schwache Sicherungskräfte vorhanden seien und das LVI.Pz.K.
erklärt habe, die stark angeschlagene Pz.A.A.4 sei zur Mitwirkung bei dem vorgesehenen Bereinigungsangriff nicht im Stande, sieht das AOK sich jedoch
gezwungen, seinen Vorschlag wieder fallen zu lassen, da ein nur von Norden geführter Gegenangriff zwecklos sein würde. Es wird der Heeresgruppe deshalb
nunmehr vorgeschlagen, auf diesen (an sich notwendigen) Gegenangriff zu verzichten und dafür die 2.Armee anzuweisen, mit ihrem Nordflügel unter allen Umständen
die Höhe 2 km südlich Sabolotje festzuhalten, die 9. Armee werde dann unter Einsatz letzter Kräfte dorthin während der Nacht Anschluß zu nehmen suchen.
Die Heeresgruppe ist einverstanden, woraufhin das XXXXI.Pz.K. den Befehl erhält, außer der Herstellung der Verbindung zur 2.Armee Eingreifreserven südlich
Sabolotje bereitzustellen, um einem weiteren Vorgehen des Feindes angriffsweise entgegenzutreten. Der Ausbau der geplanten Flankenschutzstellung soll sofort
begonnen werden. Das AOK ist der Ansicht, daß die Verbindung unter keinen Umständen abreißen dürfe und bringt diese Auffassung auch dem AOK 2 gegenüber
deutlich zum Ausdruck (Chef 9/Chef 2, 23,35 Uhr), unter dem Hinweis, die 2.Armee laufe andernfalls Gefahr, völlig isoliert zu werden. (Ihr rechter Flügel ist
bereits seit längerem ohne Verbindung zur Heeresgruppe Süd.) Infolgedessen sei es notwendig, daß die 2.Armee von sich aus starke Kräfte an ihren linken Flügel
schiebe, um hier der Gefahr eines feindlichen Durchbruchs vorzubeugen. Die 9.Armee ist zu einer zusätzlichen Schwerpunktbildung an der Armeenaht um deswillen
nicht in der Lage, weil allzu deutliche Vorzeichen auf die Möglichkeit eines "treppenweisen" Weiterschreitens der Feindangriffe nach Norden hinweisen
(s.Anl. II und III) und die Armее gegenüber dieser Gefahr gewappnet bleiben muß. Das AOK hält deshalb die von AOK 2 im Gegensatz zur Auffassung der 9.Armee
ausgesprochene Anschauung, das Schwergewicht der Abwehr habe allein auf deren freiem Südflügel zu liegen, für ausgesprochen gefährlich.
9.1.1944
KTB 9.Armee.
Die schweren Kämpfe am Nordflügel der 2. Armee dauern fort, und ihre Ausstrahlungen auf den Südflügel der 9.Armee verstärken sich.
Der Feind greift am Vormittag zwei Stützpunkte der 134.I.D. südostw. Sabolotje an, erzielt unter Ausnutzung des starken Schneetreibens und des unübersichtlichen
Waldgeländes Einbrüche, kann allerdings im Gegenstoß wieder zurückgeworfen werden. Unter Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte gelingt auch die Schließung
der noch zwischen beiden Stützpunkten bestehenden Frontlücke Weniger glücklich verlaufen wieder die Kämpfe bei der 2.Armee (s.Anl. V 4), die das AOK wegen ihrer
möglichen Auswirkungen auf den eigenen Südflügel besonders aufmerksam verfolgt, leider wird vom LVI.Pz.K. die Verbindung nicht so gehalten, wie es zur Wahrung
des Anschlusses wünschenswert und erforderlich wäre -so erfährt z.B. das XXXXI.Pz.K. nur auf Umwegen, daß der Nordflügel des Nachbarkorps Befehl habe, sich im
Falle überlegenen Feinddrucks auf eine Brückenkopfstellung um Osaritschi zurückzuziehen (Ia XXXXI/Ia 8.45 Uhr). Weder dem XXXXI.Pz.K. noch dem AOK ist diese
praktisch einem Befehl zum Absetzen und damit einer völligen Entblößung der eigenen Südflanke gleichkommende Anordnung bekanntgegeben worden. Das AOK wendet
sich deshalb unverzüglich an die Heeresgruppe (Chef/Ia H.Gr., 9.05 Uhr), mit der Bitte, eine Klärung herbeizuführen. Um für alle Fälle eine Eingreifreserve zur
Hand zu haben, befiehlt der Oberbefehlshaber, das Sich.-Btl.738, das an sich gestern zur 2. Armee abgegeben worden war, inzwischen jedoch - als Ersatz für das
abzugebende Btl. Brandenburg (s.Anl. V 1 und IV 2) - der 9. Armee wieder rückunterstellt wurde, beschleunigt in Podheresje, hinter dem Südflügel der Armee zu
versammeln.
....
12.1.1944
KTB 9.Armee.
Die immer weiter zunehmende Verschärfung der Lage bei der 2.Armee veranlaßt das AOK zu weiterer, insbesondere artilleristischer Verstärkung des neu übernommenen
Südabschnitts, in dem sich lediglich schwache Teile der 4.Pz.Div. und einige Sicherungseinheiten befanden. (Einzelheiten s. Ziff. 3 der Tagesmeldung, Anl. II).
Erste Teile der in Zuführung begriffenen 35.I.D. sind in den beiden Ausladebahnhöfen Krassnyj Bereg und Teluscha eingetroffen und werden im Kfz.=Marsch
beschleunigt in ihren neuen Einsatzraum gebracht. Den Befehl über diesen Abschnitt hat das XXXXI.Pz.K. dem Div.Kdo. 707.I.D. bis zum Eintreffen des
Div.Kdos. 35.I.D. übergeben, da es als Führungsstab geeigneter erscheint als der zunächst vorgesehene Brigadestab Treptow. Dieser erhält die bisherige Aufgabe
des Div.Kdos.707.I.D., den
Bau. der Riegelstellung, zugewiesen.
Über die weitere Kampfführung der 2.Armee fällt heute eine wichtige Entscheidung. Der Führer hat die Zurücknahme der Front auf die Pripjet=Upa=Linie genehmigt
(s. Anl, IX). AOK 2 teilt mit, daß Vorbereitungen für die Ausweichbewegung bereits in vollem Gange seien (Chef 2/Chef 9, 17.00 Uhr). Im Endergebnis wird sie
zur Aufgabe von Kalinkowitschi und Mosyr führen; das bedeutet leider, im größeren Rahnen gesehen, für den Feind die Gewinnung einer durchgehenden
Eisenbahnverbindung von Retschiza und Gomel über Kalinkowitschi nach Shitomir und Berditschew. Andererseits wird aber jetzt das Anschlußhalten zur 2. Armee,
auf dessen Wichtigkeit der Feldmarschall heute noch einmal ausdrücklich hingewiesen hat (FM/Chef, 9.50 Uhr), erheblich erleichtert werden, wenn auch damit zu
rechnen sein dürfte, daß der Feind mit verstärkten Angriffen auf der Upa=Front reagieren wird, sobald nach der Frontzurücknahme die jetzt zum Zangenangriff
von Süden und Nordosten auf die 2. Armee angesetzten Kräfte freigeworden sind. Dieser Abschnitt wird also aller Voraussicht nach Brennpunktabschnitt bleiben.
An Kampfhandlungen bringt der Tag örtliche Gefechte bei XXXXI.Pz.K., wo der Feind am Südflügel der 134.I.D. und bei Rossowo (253.I.D.) mehrfach in Kp.-Stärke
angreift. In den Morgenstunden hat der Gegner auch wieder einmal beim XXXV.A.K. einen Angriffsversuch unternommen, der erfolglos bleibt. Beim LV.AK. an der
Dnjepr=Front sind außer geringer feindlicher Aufklärungstätigkeit keine Gefechtshandlungen zu verzeichnen.
18.1.1944
KTB 9.Armee.
Mit unverminderter Wucht, z.T. unter Einsatz frischer Verbände greift der Feind das XXXXI.Pz.K. weiter an. Die Schwerpunkte liegen wiederum auf den beiden
Flügeln (s.Ic=Zwischenmeldung).
Die Beseitigung des feindlichen Brückenkopfes westlich der Wischa gelingt auch heute nicht. Südlich Osaritschi stehen schwache Sicherungsbataillone in
ungleichem Kampf mit weit überlegenem Gegner. Der Oberbefehlshaber, der beim XXXXI.Pz.K. weilt, befiehlt zur Stützung der Abwehr in diesen Abschnitt die schnelle
Zuführung zweier Bataillone von LV. und XXXV.A.K. (Chef/Ia XXXV, 10.30 Uhr; Chef/Chef LV, 10.35 Uhr); beide Korps verlieren damit ihre letzten eigenen Reserven.
Angesichts des bereits jetzt eingetretenen hohen eigenen Kräfteverbrauchs und des unvermindert starken Feinddrucks im Raum südlich Osaritschi hält der
Oberbefehlshaber, um ein Aufbrechen der Front zu vermeiden, die Zurücknahme der HKL auf einen Brückenkopf um Osaritschi (in allg. Linie Ssytschitschi - Ostroff)
für notwendig (OB/Chef, 12.30 Uhr) und läßt dies der Heeresgruppe melden (Chef/Chef H.Gr., 12.55 Uhr). Der Feldmarschall versagt jedoch sein Einverständnis zu dem
geplanten Ausweichen und fordert das Halten der  bisherigen Stellung (Chef/Chef H.Gr., 13.15 Uhr). Schon um 13.25 Uhr muß allerdings das AOK der Heeresgruppe
mitteilen, daß inzwischen der linke Flügel der 35.I.D. durch neue Feindeinbrüche bis fast auf Osaritschi zurückgeworfen worden sei (01/01 H.Gr.). Zwischen ihm und
dem stehengebliebenen rechten Flügel der 134.I.D;, der die feindlichen Angriffe hat abweisen können, klafft eine Lücke. Um eine einheitliche Befehlsführung
sicherzustellen, bildet das Gen.Kdo. aus der 35. und 134.I.D.die "Gruppe Schlemmer" unter Führung des Div.Kdr. 134.I.D. und unter Zusammenfassung aller überhaupt
greifbaren Soldaten gelingt es bis zum Abend, den linken Flügel der 35.I.D. im Gegenstoß wieder bis in die heute vormittag als Brückenkopf vorgeschlagene Linie
vorzudrücken und den Einbruch damit zu verengen.
Besonders ernst gestaltet sich die Lage am linken Korpsflügel, wo der Feind einen tiefen Einbruch westl. Rossowo erzielt und bis zur Rollbahn durchstößt
(Einzelheiten s.Anl. II und III). Unter Einsatz letzter Reserven kann die Rollbahn wieder freigekämpft und der Einbruch abgeriegelt werden. Um Rossowo tobt ein
erbitterter Kampf, der sich bis in die Nacht hinein fortsetzt. Der Oberbefehlshaber hat sich entschlossen, morgen das bisher als Armeereserve zurückgehaltene
G.R.58, durch Sturmgeschütze verstärkt, an dieser Stelle zum Gegenangriff einzusetzen (s.Anl. IV 1).
Die zunehmende Ausdehnung der Kämpfe südlich der Beresina und die Erwartung, daß sie wohl noch einige Zeit in unverminderter Härte andauern werden, läßt eine
Änderung- der Befehlsverhältnisse in diesem Abschnitt zweckmäßig erscheinen. Die Zugehörigkeit des Kampfraumes teils zur 9., teils zur 2.Armee erschwert die
Einheitlichkeit der Führung. Mit Rücksicht auf die am Pripjet liegende Hauptfront der 2.Armee beabsichtigt die Heeresgruppe, den Befehlsbereich der 9. Armee
weiter nach Süden auf den Ab schnitt der 4.Pz.Div., gegebenenfalls auch der 5.Pz.Div. zu erstrecken. Man denkt dabei gleichzeitig an eine Freimachung des
Gen.Kdo.LVI.Pz.K. zum Einsatz am rechten Flügel der 2.Armee, und ferner, da der Gesamtabschnitt südlich der Beresina für eine Führung allein durch das
Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. zu breit erscheint, an eine Erweiterung des Befehlsbereichs des Gen.Kdos. XXXV.A.K. auf den Abschnitt der 253.I.D. (Chef H.Gr./Chef, 15.30 Uhr).
Das AOK weist darauf hin, daß bei dieser Lösung eine Zerreißung des derzeitigen Brennpunktabschnittes an der Grenze 36./253.I.D.. eintreten würde, und schlägt
seinerseits vor, gleichzeitig mit der 4.Pz.Div. auch das Gen.Kdo.LVI.Pz.K. der 9.Armee zu unterstellen. Diesem Vorschlag entspricht die Entscheidung des
Feldmarschalls (s.Anl. V 2). Die Unterstellung soll um 24.00 Uhr in Kraft treten. Dem LVI.Pz.K., das im wesentlichen für den Bereich des südlichen Brennpunktes
(Osaritschi) befehlsführend werden soll, während das XXXXI.Pz.K. die Führung in dem an der Beresina anschließenden Abschnitt mit dem Brennpunkt Rossowo behält
(s.Anl. IV 1 und 2), wird auch die 35.I.D. unterstellt werden.
Das AOK hat heute den Antrag an die Heeresgruppe gerichtet, am nördlichen Armeeflügel den Frontabschnitt bis Now.Bychoff, d.h. den erst vor kurzem von der 4.Armee
übernommenen Abschnitt der 4.Armee wieder zurückzugeben, um dadurch die geplante Herauslösung der 110.I.D. zu erleichtern (s.Anl. IV 3).
19.1.1944  
20.1.1944
KTB 9.Armee.
Absicht des Feindes scheint zu sein, durch möglichst rasches Nachschieben von Verstärkungen in die Einbruchsräume den Aufbau neuer Widerstandslinien zu vereiteln und ohne
Zeitverlust die wichtigen Übergänge über die Tremlja bei Kolki und der Upa bei Dubrowa in die Hand zu bekommen.
Beim LVI.Pz.K. nimmt der Gegner Kaplitschi, den Eckpfeiler der noch an der Upa stehen gebliebenen Front, durchbricht die längs der Straße Kaplitschi - Kolki aufgebaute
Sicherungslinie und stößt auf Dubnjaki vor. Ein Versuch, die Straße unter Einsatz von Panzern wieder freizukämpfen, mißlingt. Damit rückt die Möglichkeit eines Zerreißens
der jetzt schon aufgebrochenen Front ostw. des Tremlja=Sunpfes in bedrohliche Nähe; die noch dort befindlichen, zum Teil schon vom Feind umgangenen Stützpunkte laufen Gefahr,
entweder in den Sumpf zurückgeworfen zu werden oder in Gefangenschaft zu geraten. Das Sumpfgebiet, etwa 15 km breit und bis zu 8 km tief, ist bei der augenblicklichen Wetterlage
höchstens für Fußgänger durchschreitbar. Um ein Abdrängen der noch südlich Dubnjaki stehenden eigenen Teile zur 2.Armee zu verhindern (die Armeegrenze verläuft quer durch den
Sumpf), erbittet das LVI.Pz.K. die Genehmigung zur Zurücknahme seines rechten Flügels auf die Linie Dubnjaki - Ssawitschi. Dieser Antrag, vom AOK sofort zur Heeresgruppe
weitergegeben, findet allerdings nicht deren Zustimmung. Die Heeresgruppe betont vielmehr, es müsse versucht werden, den Zusammenhang der Front unter allen Umständen, gegebenfalls
sogar angriffsweise, ostwärts des Sumpfes wieder herzustellen. Sie unterstellt alle südlich der Linie Ssetowka - Dubnjaki stehenden Teile der 2.Armee, die gleichzeitig beauftragt
wird, ein weiteres Feindvorgehen zwischen Upa und Tremlja möglichst weit nördlich zu verhindern - im übrigen wird beiden Armeen befohlen, alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung bzw.
Wiederherstellung des Anschlusses zu treffen (s. dazu Anl. V 2 und IV 6).
Auch im Angriff auf die inneren Flügel des LVI., und XXXI.Pz.K. erringt der Feind neue Erfolge. Nach erbittertem Kampf gehen Osaritschi und Pischelniki verloren. Angriffe auf
Lessez und Ssolowcika können abgeschlagen werden.
Im zweiten Brennpunkt der Kämpfe, beim XXXXI.Pz.K. , gelingt die Schließung der Lücke zwischen 134. und 36.I.D. nicht. Gegenangriffe haben nur teilweisen Erfolg. Zwischen Upa und
Welikij Bor kann eine zusammenhängende HKL auch heute nicht wiederhergestellt werden. Da der Feind - etwa 2 Divn. stark - immer neue Verstärkungen in die Einbruchslücke nachführt,
hat sich das Korps zur Heranführung weiterer Kräfte aus der Front der 36. und 134.I.D. gezwungen gesehen, was bei der 36.I.D. zum Zurückwerfen der stehengebliebenen schwachen Teile
führt, als diese (im Abschnitt Medwedoff - Kremena) vom Feind ebenfalls angegriffen werden. Für die Front der 134.I.D., die in einen weit vorspringenden Bogen zum Teil noch an Upa
steht, ist Gleiches im Falle eines Feindfagriffs zu befürchten. Der Oberbefehlshaber erbittet deshalb von der Heeresgruppe die Genehmigung zur vorbeugenden Zurücknahme dieses
Frontbogens unter Belassung von Nachtruppen an der Upa, wodurch gleichzeitig (infolge der dann eintretenden Verkürzung der HKL) Weitere Kräfte zur Abriegelung des Einbruchs bei
Welikij Bor freiwerden sollen. Die Genehmigung wird erteilt. Das AOK befiehlt daraufhin, da mit einer Fortsetzung starker feindlicher Angriffe auf Welikij Bor gerechnet werden muß,
mit den freiwerdenden Teilen der 134.I.D. den dortigen Abwehrschwerpunkt weitmöglichst zu verstärken. Ob die feindlichen Pläne in diesem Abschnitt auf eine Wegnahme von Dubrowa und
damit auf die Öffnung der von dort nach Piritschi führenden Straße zielen oder ob man auf der gegnerischen Seite hauptsächlich an einen Stoß auf Tschirkowitschi denkt, kann auf Grund
des derzeitigen Frontbildes noch nicht gesagt werden.
Auf den gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernehme eines weiteren Btl.-Abschnittes am linken Armeeflü-gel (bis Wotnja) durch die 4.Armee. AOK 9 erhält die
Auflage, unter weiterer Verdünnung der Front des LV.A.K. nunmehr auch die letzter, dort noch im Einsatz befindlichen Teile der 110.I.D. zur geschlossenen Verwendung am Südflügel der
Armee herauszulösen (s. Anl. VI und IV 1 und 2).
Das im Raum südllich Bobruisk liegende, als Bandenzentrum bekennte Gebiet um Karpilowka, dessen Bereinigung nach Beendigung des "Nikolaus"=Unternehmens zu Jahresbeginn schon einmal
geplant war, aber infolge deг Kampflage, die den teilweisen Einsatz an der Front forderte, damals nicht durchgeführt werden konnte, hat nach Unterstellung des LVI.Pz.K. dazu gezwungen,
die dorthin führenden Versorgungswege verhältnismäßig frontnah durch den Bereich des XXXXI.Pz.K. verlaufen zu lassen. Mit dem schrittweisen Heranrücken der Front an diese Straße ist
die Schaffung anderer Versorgungswege immer notwendiger geworden. Das AOK beabsichtigt daher, in den nächsten Tagen ein größeres Unternehmen im Raum Karpilowka durchzuführen, mit dem
Ziel, einen von Glusk aus unmittelbar zum LVI.Pz.K. führenden Versorgungsweg. Um die dazu erforderlichen Kräfte zu erhalten, wird heute - in der schon damals geplanten Art - die
Ablösung von zwei im Sicherungsdienst stehenden Landesschützenbataillonen durch neu aufzustellende Alarmeinheiten, und die Bereitstellung weiterer Sicherungskräfte befohlen.
Als Führungsstab ist zunächst der Brigadestab z.b.V.4 (Treptow) vorgesehen,
21.1.1944  KTB 9.Armee.
Die Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K. stehen auch heute wieder in schweren, wechselvollem Abwehrkampf gegen den hartnäckig weiter angreifenden Feind.
Am äußersten rechten Armeeflügel geht am Vormittag Dubnjaki verloren, kann jedoch im Gegenangriff mit Unterstützung von Sturmgeschützen wiedergenommen werden, wobei der Feind schwere
Verluste erleidet. Die erstrebte Wiedergewinnung des Anschlusses zur 2.Armee ostw. des Tremlja=Sumpfes allerdings gelingt nicht.
Nördlich Osaritschi sind schwere Kämpfe um Lessez und Ssolowejka im Gange. Der Feind, der sich nach mehreren vergeblichen Angriffen in den Besitz beider Orte hat setzen können, wird in
verlustreichen Häuserkämpfen wieder auf die alte HKL zurückgeworfen. Am Abend geht Ssoloweika erneut verloren.
Die Nachtruppen, die noch in der bisherigen HKL der 134.I.D. an der Upa stehengeblieben sind, werden von überlegenem Feind durchbrochen und auf die Linie Sabolotje - Mechowtschina -
Salje zurückgeworfen. Auch die Front der 36.I.D., die durch Abziehung von Kräften zur Abriegelung der Einbruchsstelle Welikij Bor stark überdehnt ist, wird vom Gegner an mehreren Stellen
durchstoßen.
In einzelnen Widerstandsgruppen zersprengt, erleidet die Division erhebliche Verluste. Erst südlich der Straße Welikij Bor - Tschirkowitschi kann der Feind unter Heranziehung dort
eingesetzter Baukräfte wieder zum Stehen gebracht und eine neue Abwehrfront gebildet werden.
Die Absichten des Feindes in diesem Raum scheinen, nach dem Schwerpunkt der heutigen Angriffe zu urteilen, nun doch in erster Linie auf die Gewinnung der Straße Tschirkowitschi - Paritschi
gerichtet zu sein, was den Oberbefehlshaber dazu veranlaßt, die sofortige Bildung eines Abwehrschwerpunktes auf dem rechten Flügel der 253.I.D. zu befehlen, um ein Abgeschnittenwerden der
im Brückenkopf Schazilki stehenden Teile der Division zu vermeiden. Daß dies nicht ohne Schwächung der Abwehrkraft des Brückenkopfes geschehen kann, ist bei den vorhandenen geringen Kräften
unvermeidlich, zwingt aber andererseits dazu, die Möglichkeit eines Eindrückens des Brückenkopfes schon jetzt ins Auge zu fassen (s. dazu Anl. IV 1).
In einer Besprechung, die am. Vormittag beim Armeechef stattfindet,, wird die Anlage des Bandenunternehmens südlich Bobruisk im einzelnen festgelegt (s. dazu den Befehl Anl. IV.2).
Am 23.1. soll, in Erweiterung eines vom LVI.Pz.K. durchgeführten Unternehmens, mit dem Freikämpfen des Versorgungsweges für das LVI.Pz.K. über Karpilowka - Ratmirowitschi nach Glusk begonnen
werden. Der Kampfauftrag geht dahin, das Bandenzentrum um Karpilowka zunächst von Norden im Zuge der Eisenbahn und von Osten her anzugreifen, um die Banden nach Westen über den Ptitsch
zurückzuwerfen. Der Versuch einer Einschließung und Vernichtung der Banden soll unterlassen, nach Säuberung des Gebietes um Karpilowka vielmehr unverzüglich zum Freikämpfen eines Weges nach
Nordwesten auf Glusk und nach Südosten auf Kurin und Grabje abgetreten werden (Einzelheiten s.d.Anl.).
   
   
23.1.1944
KTB 9.Armee.
Nach vorübergehendem Abflauen der Kämpfe an der Front des LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. in den Morgenstunden tritt der Feind kurz nach 11 Uhr schlagartig erneut zum geschlossenen Angriff an.
Auch heute gelingt es, unter schwierigsten Kampf- und Geländeverhältnissen, die entscheidungsuchenden sowjetischen Angriffe unter Abriegelung örtliche Einbrüche abzuweisen.
Zu besonderer Härte steigern sich die feindlichen Angriffe beim XXXXI.Pz.K, im Abschnitt der 36.I.D., wo der Feind nach heftiger Feuervorbereitung in mehreren Rgt.-starken Angriffen mit
Unterstützung von 20 Panzern die HKL bei Welikij Bor durchbricht, den Ort nimmt und erst an den Waldrändern westl., nördlich und ostwärts davon wieder aufgefаngen werden kann. 14 Panzer werden
abgeschossen. An der übrigen Front der Division kann der feindliche Ansturm ebenso wie bei der 134.I.D., die heute insgesamt 16 Feindangriffen in Btl.-Stärke und darüber standzuhalten hat,
abgewiesen werden. Die Bereinigung einzelner Einbrüche ist allerdings nur unter rücksichtsloser Herauslösung von Kräften aus nicht angegriffenen Abschnitten möglich gewesen.
Auch bei der 36.I.D. ist eine Stützung der Abwehr durch Zuführung neuer Kräfte zwingende Notwendigkeit geworden. Um diese Kräfte zu gewinnen, wird dem XXXXI.Pz.K. eine Begradigung seiner Front
durch Zurücknahne vorspringender Teile der HKL befohlen, jeweils unter Belassung von Nachtruppen in den alten Stellung, die nur vom Feinde gedrängt ausweichen dürfen (s.Anl. IV 1). Es handelt
sich dabei noch nicht um ein Beziehen der in allg. Linie Ssemenowitschi - Kobylschtschina - Jaswin - Tschirkowitschi=Ost. ausgebauten, im Norrden als Riegel zur Beresina abgebogenen 2.Stellung,
sondern um eine Zwischenlinie, die über Ssemenowitschi - Mechowtschina - nördl. Welikij Bог - nördl. Moltscha-Süd -südl. Rudnja - Kakel verläuft (s.Anl. I).
Die Versammlung der für das morgen beginnende Bandenunternehmen im rückw. Gebiet des LVI.Pz.K. vorgesehenen Kräfte ist beendet. Da das vom LVI.Pz.K, durchgeführte, bereits im Gang befindliche
Teiluntetnehmen heute nur auf schwachen Widerstand gestoßen ist (die Banden sind anscheinend zum großen Teil bereits nach Westen über den Ptitsch ausgewichen) und am Abend bereits die Einnahme
von Kerpilowka gemeldet wird (Ia Korück/Ia,. 20.20 Uhr), erhält die Kampfgruppe Treptow, der die Teile des LVI.Pz.K. unterstellt werden, in Abänderung des bisherigen Kampfplanes Befehl, nach
Säuberung des Waldgebietes nördlich Karpilowka zwischen der Bahnlinie und dem Ptitsch alsbald Kräfte auf das Westufer des Flusses vorzutreiben, die Wegeverbindung Karpilowka - Glusk zu öffnen
und zur späteren Sicherung dieser Verbindung ein entsprechendes Vorfeld nach Südwesten zu schaffen (s. Anl. IV 2, 2a, 3).
Im Raum Bobruisk sind heute erste Teile der aufzufrischenden 129.I.D. eingetroffen.
24.1.1944
KTB 9.Armee.
Mit weit überlegenen Kräften, unterstützt durch seine Luftwaffe, greift der Gegner auch heute wieder mit Schwerpunkt beim XXXXI.Pz.K, an. Die nun schon über acht Tage andauernden schweren Kämpfe,
verschärft durch das Fehlen ausreichend ausgebauter Stellungen, die Auswirkungen der Witterung und den Aufenthalt im Sumpfgelände heben die Abwehrkraft der Truppe bedenklich absinken lassen.
Dank seiner Überlegenheit kann der Feind mehrere Einbrüche in die Front der 134., 36. und 253.I.D. erzielen, deren Bereinigung trotz sofort geführter Gegenstöße in der Mehrzahl der Fälle nicht
gelingt. Der Zusammenhang der HKL geht an zahlreichen Stellen ganz verloren, zuweilen können sich isolierte Teile nur durch Ausweichen nach Norden bzw. Nordwesten der drohenden Einschließung
entziehen.
Der Oberbefehlshaber, der sich beim XXXXI.Pz.K. befindet, hält auf Grund dieser Lage die Zurücknahme in die ausgebaute 2.Stellung (bei 253.I.D.) in die Riegelstellung bei Tschirkowitschi) nunmehr
für unbedingt erforderlich. Er erbittet infolgedessen vom Feldmarschall die grundsätzliche Genehmigung zum Absetzen, weist darauf hin, daß nur so ein geordnetes Beziehen dieser Stellung und eine
zureichende Anbringung von Hindernissen und Minensperren gegen den nachdrängenden Feind gewährleistet sei und betont, die Genehmigung nur insoweit ausnutzen zu wollen, als der feindliche Druck
dazu zwinge (OB/Chef H.Gr., 12.15Uhr). Der Feldmarschall ist einverstanden, allerdings nur unter der Bedingung, daß der Brückenkopf Schazilki weiterhin gehalten werde (Chef H.Gr./OB, 12.45 Uhr),
da durch eine Zurücknahme der dortigen HKL auf den Riegel bei Tschirkowitschi eine neue Front am Norrdufer der Beresina entstehe, die, angesichts der Unmöglichkeit, sie mit ausreichenden Kräften
zu besetzen, die Gefahr dort mit Sicherheit zu erwartender erneuter Feindangriffe und =einbrüche heraufbeschwöre (s. auch Anl. V 2). Der Oberbefehlshaber verweist demgegenüber darauf, daß bei
Belassung des Brückenkopfes die darin stehenden Teile mit größter Wahrscheinlichkeit bald abgeschnitten werden würden und angesichts der aufgetauten Beresina keine Aussicht hätten, notfalls, bei
überlegenem Feindangriff, auf das Nordufer des Flusses auszuweichen. Mit einem Angriff des Gegners über den Fluß sei zum mindesten solange nicht zu rechnen, als dieser nicht wieder zugefroren sei,
bis dahin aber werde das Nordufer ausreichend gesichert sein. Unter dem Eindruck neuer Angriffe gegen den linken Flügel der 253.I.D., die wieder zu tiefen Einbrüchen führen, gibt der Feldmarschall
daraufhin sein Einverständnis zur Räumung auch des Brückenkopfes (FM/OB, 14.40 Uhr).
Dem XXXXI.Pz.K. wird befohlen, in der kommenden Nacht seine Front in die 2.Stellung bzw. den Tschirkowitschi=Riegel zurückzunehmen. Um Kobylschtschina und Sarotschje sollen brückenkopfertige
Stellungen gehalten werden, im übrigen durch Nachtruppen und Sperrarbeiten das Folgen des Gegners möglichst länge verzögert werden, um noch weitere Zeit für den Stellungsbau zu gewinnen.
Das XXXV.A.K. erhält Befehl, seinen Südflügel längs der Beresina bis zur Fährstelle nordostw. Tschirkowitschi zu verlängern und Vorbereitungen für eine weitere Verlängerung bis nördl. Studitschi,
dem Anschlußpunkt zur eigentlichen 2.Stellung des XXXXI.Pz.K., zu treffen. Die Besetzung des Beresina=Nordufers muß zunächst mit alarmmäßig aufgestellten Einheiten durchgeführt werden, zum 26.1.
ist die Rückführung des Div.Füs.Btl.45 vorgesehen, das dann den Abschnitt endgültig übernehmen soll.
Beim LVI.Pz.K. hat die Kampftatigkeit nachgelassen. Lediglich auf den linken Korpsflügel greifen die Angriffe über; dort geht Ssemenowitschi vorübergehend verloren. Der eigene Gegenangriff, durch
den der Feind wieder geworfen werden kann, kostet den Gegner außerordentlich hohe Verluste.
Im rückwärtigen Gebiet des LVI.Pz.K. nimmt das Bandenunternehmen gegen verhältnismäßig geringen Feindwiderstand seinen planmäßigen Fortgang (Einzelheiten s. Morgenmeldung v. 25.1.44).
25.1.1944
KTB 9.Armee.
Dem XXXXI.Pz.K. ist der Aufbau einer neuen Verteidigungsfront in der 2.Stellung gelungen. Der Feind, der die Nachtruppen der 134.I.D. an mehreren Stellen angreift, wird abgewiesen, die Brückenköpfe
Kobylschtschina und Saretschje können, gehalten werden. Vor der Front der 36. und 253.I.D. schließt der Gegner mit starken Kräften auf, wobei er durch zahlreiche Verminungen und Sperren aufgehalten
wird. Eigene Luftwaffe bekämpft feindliche Ansammlungen und Bereitstellungen (s. dazu Anl. II u. III).
Auch beim LVI.Pz.K. ist die Kampftätigkeit heute wieder nur gering. Der Feind benutzt die Zeit zu umfangreichen Umgruppierungen. Westlich der Wischa hat er sich durch Zusammenziehung von 7
besonders kampfkräftigen Schtz.Div., die anscheinend durch Heranführen von Verbänden aus dem Raum Osaritschi noch verstärkt werden, eine Kräftegruppe von erheblicher Stoßkraft geschaffen,
offensichtlich mit der Absicht eines Durchbruchs über die Tremlja. Auch das I.Gde.Pz.K. scheint er hier herangezogen zu haben. Man muß deshalb in diesen Abschnitt mit einem baldigen Wiederaufleben
heftiger Kämpfe rechnen.
Auf bauend auf den Erfahrungen des bisherigen Kampfverlaufs und in der Erwartung, daß der Feind seine Durchbruchsversuche südlich der Beresina weiter fortsetzen wird, läßt der Oberbefehlshaber an
die beteiligten Korps eine grundsätzliche Kampfanweisung ergehen (Anl. IV l). Davon ausgehend, daß der Feind seine Erfolge in erster Linie der in dem größtenteils unübersichtlichen Waldgelände
besonders unangenehm fühlbaren zahlenmäßigen Schwäche der eigenen Infanterie verdankt, wird befohlen, durch vermehrten Einsatz schwerer Waffen in Geländeabschnitten mit guter Beobachtungsmöglichkeit
dort infanteristische Kräfte einzusparen und und diese dann zur Verdichtung der Front in unübersichtlichen Abschnitten einzusetzen. Um dem neuen feindlichen Angriffsverfahren, der plötzlichen und
überraschenden Bildung örtlicher Angriffsschwerpunkte, wirksam entgegentreten zu können (was vor allem dann Erfolg verspricht, wenn Gegenstöße sofort geführt werden und nicht erst dann, wenn schon
größere Einbrüche erzielt sind), wird die Zurückhaltung zahlreicher kleiner Stoßgruppen befohlen, denen die Aufgabe zufällt, die feindlichen Angriffsspitzen im Gegenstoß solange aufzuhaltcn, bis
stärkere Reserven zur Stelle sind - hierzu soll je Schwerpunktabschnitt ein durch Sturmgeschütze verstärktes Btl. bereitgehalten werden. Endlich wird angeordnet, unter Einsatz aller Mittel den Ausbau
von Riegel- und rückwärtiger Stellungen so zu fördern, daß in Falle eines Feindeinbruchss mindestens eine als Auffanglinie geeignete Stellung als Rückhalt für den Neuaufbau der Verteidigung vorhanden
ist. Das geschieht in der klaren, Einsicht, daß es in dem gegenwärtigen Kampf darauf ankommt, unter allen Umständen einen feindlichen Durchbruch zu verhindern und gleichzeitig die größtmögliche
Abnützung der gegnerischen Kräfte zu erreichen. Wenn in Anbetracht der eigenen zahlenmäßigen Unterlegenheit bei dieser dieser Art der Kampfführung einzelne Geländestreifen verloren gehen, so muß dies
- wenn auch ungern - in Kauf genommen werden. Zu diesem Zweck soll, hinter der derzeitigen HKL ein dichtes Netz neuer Stellungen entstehen (srAnl. I op. und IV 1 v. 27.1.44).
Dem XXXV.A.K. wird aufgegeben, seine neu entstandene Beresina= Flanke durch Einsatz von Alarmeinheiten zu verstärken und dafür Sorge zu tragen, daß auch artilleristisch die sofortige Bekämpfung
übergesetzter Feindteile sichergestellt ist - auch hier kommt es entscheidend darauf an, jeden gegnerischen Vorstoß schon im Keime zu ersticken. Als Führungsstab für diesen Abschnitt hat das AOK dss
Div.Kdo. 707.I.D. zur Verfügung gestellt.
28.1.1944
KTB 9.Armee.
Gegen äußerst zähеп Feindwiderstand, nach schweren und beiderseits verlustreichen Waldkämpfen, gelingt nach Heranführung neuer Kräfte die Bereinigung des gestern nördlich Ssemenowitschi erzielten
Einbruchs, nachdem der bereits zum weiteren Angriff aus der Einbruchsstelle nach Norden angetretenen Gegner im Morgengrauen durch zusammengeraffte Troßteile der 134.I.D. aufgehalten werden konnte.
Beim XXXXI.Pz.K, beschränkt sich der Feind heute im übrigen auf zahlreiche, über die ganze Front verteilte Angriffe und Vorstöße, die, obwohl sie an me mehreren Stellen, vor allem bei der 36.I.D.,
zu harten Gefechten, bei der 134.I.D. sogar zu einem vorübergehenden Einbruch führen, doch im wesentlichen nur als starke Aufklärung zu werten sein dürften, mit der der Feind die neue Stellung
abtastet (s.Anl. II und III). Mit dem baldigen Wiederbeginn größerer Angriffe muß jedoch gerechnet werden: vor dem XXXXI.Pz.K. ist heute noch eine zweite der bisher zwischen Dnjepr und Beresina,
stehenden Divisionen festgestellt worden. Damit steht im Raum südl. Shlobin nur noch eine einzige bekannte feindl. Schtz.Div. in Front; welche Verbände der Gegner z.Zt. außerdem dort noch eingesetzt
hat, ist im Augenblick ungeklärt. Es ist allerdings anzunehmen, daß noch weitere Kräfte vorhanden sind - eine geringere Besetzung der Gräben hat bisher nicht festgestellt werden können und Spähtrupps
des XXXV.A.K. sind nach wie vor auf lebhaften Widerstand gestoßen. Vermehrte Aufklärung ist befohlen (s. Anl. IV 11).
Der Schwerpunkt der Kämpfe liegt heute wieder beim LVI.Pz.K., wo der Gegner im Abschnitt der 35.I.D. erneut angreift, die mangels ausreichender Kräfte nur unzulängliche Abriegelung der alten
Einbruchsstelle sprengt und einen tiefen. Einbruch erzielen kann. Versuche, die entstandene Lücke zu schließen oder wenigstens das feindliche Vorgehen aufzufangen, scheitern: der Feind dringt bis auf
das Höhengelände 2 km südsüdwestl. Mewed vor. Der Oberbefehlshaber, der sich entschlossen hat, dem rechten Armeeflügel unter Rückgriff auf letzte Möglichkeiten des XXXV. und LV.A.K. noch weitere
Verstärkungen zuzuführen (insgesamt 2 Btle.; s. Anl. IV 1), hält angesichts der offenbaren Aussichtslosigkeit, mit den vorhandenen Kräften einen Gegenengriff zu führen, eine Zurücknahme der Front der
35.I.D. zum Aufbau einer neuen HKL für notwendig, um einem Weiterstoßen des Feindes bis zur 2.Stellung vorzubeugen und zu verhindern, daß den noch vorn stehenden schweren Waffen der Division der
Rückweg abgeschnitten wird. Nach erfolgter Genehmigung dieser Absicht durch den Feldmarschall (FM/ОВ, 20.50 Uhr) erhält das LVI.Pz.K. Befehl, sich in allgemeiner Liпіе ostw. Ssawitschi -Ssawin Rog -
südl. Gora erneut zur Abwehr zu gliedern (OB/KG LVI, etwa 21.00 Uhr).
Infolge der für die jetzige Jahreszeit so ungewöhnlich warmen Wetters hat die Verschlammung der Wege die sich schon in den letzten Tagen verschiedentlich sehr unangenehm bemerkbar machte, im Bereich
des LVI.Pz.K, inzwischen ein derartiges Ausmaß angenommen, daß das Korps binnen kurzem eine Lahmlegung seines gesamten mot=Versorgungsverkehrs befürchtet, auf den es umso mehr angewiesen ist, als die
Bahn von Ratmirowitschi nach Süden z.Zt. erst gebaut wird (KG LVI/Chef, 10.10 Uhr). Leider verfügt das dem AOK je erst seit kurzem unterstellte LVI.Pz.K. noch nicht über eine genügende Anzahl von
Zivil-Arbeitsabteilungen, die sich bei den übrigen Korps inzwischen bestens bewährt haben. Um beschleunigte Abhilfe zu schaffen, veranlasst das AOK die Zuführung von insgesamt 1600 Kriegsgefangenen,
Zivilisten und Angehörigen des OD zum LVI.Pz.K., teils zum Wegebau, teils zum Weiterbau der Bahnstrecke. Die Heeresgruppe hat die Rückgabe der zum AOK 2 gehörigen Sicherungsbataillone, die sich noch
beim LVI.Pz.K. befinden und auf Grund ihrer stark abgesunkenen Gefechtsstärken bereits aus der Front gezogen worden
sind (Chef/Chef H.Gr., 17.1.44, 2.1.05 Uhr), zur 2.Armee befohlen (Anl. V 1). Auch das AOK ordnet an, die eigenen Sicherungsbataillone den Korück zur Auffrischung zuzuführen (s. Anl. IV 3).
29.1.1944 4./G.R.446: gefallen in Wischa, A.G.Kopf.
   
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