| Kriegstagebuch Februar 1944 | |
| 26.2.1944 | KTB 9.Armee. Unterstützt von starken Schlachtfliegerverbänden, tritt der Feind beim LV.A.K. nach trommelfeuerartiger Art.-Vorbereitung mit weit überlegenen Kräften zwischen Lutschin und Oserane zu dem erwarteten Großangriff an. Mit Spannung verfolgt man beim AOK den Kampfverlauf, der die erste, vielleicht entscheidende Bewährungsprobe der neuen Verteidigungsfront am Drut darstellt. Der Schwerpunkt der feindlichen Angriffe liegt im Abschnitt hart nordwestlich Rogatschew, wo der Gegner auch an mehreren Stellen Einbrüche erzielen kann. Erbitterte Nahkämpfe entbrennen, in denen es jedoch gelingt, den Angreifer überall wieder zurückzuwerfen. Seine Verluste sind ungewöhnlich hoch: allein im Abschnitt zwischen Kolossy und Blisnezy liegen etwa 1600 gefallene oder schwerverwundete Sowjets im Vorfeld. In Kostjazchowo eingedrungene starke Feindkräfte werden im sofortigen Gegenstoß über die HKL zurückgetrieben. Ebenso scheitern alle Angriffe des Gegners zwischen Werischew und Ozerane, auch gegen den Brückenkopf Chomitschi gerichtete Vorstöße werden abgeschlagen. Daß dieer beachtliche Abwehrerfolg des LV.A.K. nicht ohne Auswirkungen auf die weitere Angriffsführung des Feindes sein wird, ist zwar anzunehmen, dennoch muß damit gerechnet werden, daß der Gegner seine Durchbruchsabsicht nicht aufgeben wird, zumal ihm noch weitre Verbände, deren Aufschließen er heute offenbar nicht abgewartet hat, zur Nahrung des Angriffs zur Verfügung stehen. Insbesondere ist nunmehr auch mit dem Beginn größerer Kampfhendlungen im nördlichen Drut=Abschnitt zu rechen. Dort übernimmt heute der Stab der 20.Pz.Div. den Befehl über den bisherigen Abschnitt des Div.Kdo. 4.Pz.Div. Die Heeresgruppe beabsichtigt, nachdem nunmehr auch am Südflügel der.4.Armee eine gewisse Festigung der neuen Front zwischen Drut und Dnjepr eingetreten ist, die noch beim XII.A.K. befindlichen Teile der 31.I.B. der 9.Arme wieder zuzuführen. Als Endziel der Umgruppierung ist daran gedacht, nach erfolgter Ablösung der 20.Pz.Div. durch die 211.I.D. deren Nordflügel etwa bis Jeswa zu strecken und die 31.I.D. später entweder als Reserve hinter dem LV.A.K. bereitzuhalten oder zur Herauslösung der 5.Pz.Div. zu verwenden (s. dazu Anl. V 1). Im Gegensatz zu dem erfolgreichen Abwehrkampf am linken Armeeflügel hat die Lage südlich der Beresina eine weitere, unangenehme Verschärfung erfahren. Auf dem rechten Flügel, der 253.I.D. kann der Gegner, der wieder mit scharf zusammengefaßten Kräften, von starker Artillerie unterstützt, in mehreren Wellen angreift, den Einbruchsraum Jaswin um etwa 4 km Tiefe und Breite nach Nordosten erweitern, so daß er nunmehr ganz dicht an der Straße nach Tschirkowitschi steht. Erneute Vorstöße des Gegners nördlich der Beresina haben wieder abgewehrt werden können. Angesichts der immer näher heranrückenden Gefahr einer Abschnürung des linken Flügels der 253.I.D. erwartet das AOK mit Ungeduld das Eintreffen der Genehmigung zur Zurücknahme der HKL beiderseits des Flusses. Endlich, im Laufe des Abends, trifft sie ein, woraufhin unverzüglich ein Vorbefehl an beide beteiligten Korps ergeht: Die Absetzbewegung soll bereits in der Nacht vom 26./27.2.44 begonnen werden (s. Anl. 5 а und b). Die Führungsabteilung des AOK hat heute ihren Gefechtsstand gewechselt. Das neue A.H.Qu. befindet sich im Waldlager 3 km westl. Bobruisk. |
| 27.2.1944 | KTB 9.Armee. Der Absetzbewegung am rechten Flügel des ХXXV.А.К. ist der Feind nur mit schwachen Kräften gefolgt Südlich der Beresina . hat sich die 253.I.D., deren linker Flügel ja erst heute nacht zurückgenommen werden soll, noch einmal heftiger Feindangriffe zu erwehren. Sie sind von starker Artillerie und mehreren Panzern unterstützt und richten sich vor allem gegen die HKL westl. Poganzy. Auch Rakschin und den Frontvorsprung Tschirkowitschi greift der Gegner an. Alle Angriffe werden - unter Abschuß von fünf Feindpanzern - аbgeschlagen (s. Anl. II und III). An der Drut=Front hat der neue Angriff noch nicht begonnen. Der Gegner streut wieder die HKL der 5.Pz.Div. mit. Art.- und Gr.W.-Störungsfeuer ab und schießt sich im Raum nördlich Weritschew ein. Ein Angriff von drei Kompanien auf Chomitschi kann abgewiesen werden. Seit einigen Tagen hat sich der feindliche Druck auf den nach Südwesten zurückgenommenen rechten. Flügel der 4.Pz.Armee verschärft. Zufluß neuer Feindkräfte auf das Westufer des Dnjepr läßt eine Ausdehnung der feindlichen Angriffstätigkeit auf die Fгоnt bei Chomitschi wahrscheinlich werden. Um dadurch einheitliche Kampfführung beiderseits der Armeegrenze der Gefahr eines erneuten Aufreißens der Naht zu begegnen, hat die Heeresgruppe mit Wirkung vom 28.2. mittags die Bildung einer "Nahtgruppe Chomitschi" befohlen, bestehend aus allen im Abschnitt der 31.I.D. und im nördlichen Abschnitt der 20.Pz.Div eingesetzten Truppen, unter Führung des Kdr. der 20.Pz.Div. (später des Kdr. der 211.I.D.), Die Nahtgruppe wird, da ihr weitere Verstärkungen, vor allem Artillerie und Pz.Abwehrwaffen, von der 4.Armee zugeführt werden sollen, dem AOK 4 unterstellt (s. Anl. V 1). Das LV.A.X. erhält daraufhin den Befehl, die südlich der rechten Nahtgruppengrenze stehenden Teile der 20.Pz.Div. vorerst der 5.Pz.Div. zu unterstellen. (weitere Einzelheiten, der durch die neue Grenzziehung erforderlich werdenden Umgruppierungen s..Anl. IV 1). |
| 28.2.1944 | KTB 9.Armee. Die weitere Absetzbewegung beiderseits der Beresina - das XXV.A.K. befindet sich jetzt bereits in der endgültigen Stellung .-ist wieder planmäßig verlaufen. Der Feind. ist nur zögernd und mit schwächeren Kräften gefolgt; eigene Gefechtsvorposten stehen noch vorwärts der neuen HKL. Im Einbruchsraun nördlich Jaswin verhält sich der Feind wider Erwarten ruhig. Dafür tritt er aus seinem alten Schwerpunkt vor den inneren Flügeln des LVI. und XXXXI.Pz.K. an mehreren Stellen erneut zu Angriffen an, die jedoch, ohne nennenswerte Art,Vorbereitung geführt, der Geschlossenheit entbehren und zumeist schon im Abwehrfeuer zusammen brechen. Nur beiderseits Pruschinischtsche und bei Korma kommt es zu erbitterten Nahkämpfen, in deren Verlauf es dem Gegner gelingt, einen örtlichen Einbruch zu erzielen, die allerdings unter Beteiligung von Surmgeschützen wieder bereinigt wird. Gegen Abend kommt es auch nördlich Jaswin noch einmal zu einem Feindangriff in Stärke, von 2-3 Bataillonen gegen den rechten Flügel der 4.Pz.Div. Er bleibt schon vor der HKL im zusammengefaßten Feuer aller Waffen liegen. Der linke Flügel des XXXXI.Pz.K. wird heute noch nicht zurückgenommen werden, sondern morgen, abend in der bisherigen Linie stehen bleiben, damit die endgültige Stellung, die erst in der Nacht vom 29.2./1.3. bezogen werden soll, noch einen Tag länger ungestört vom Feind ausgebaut werden kann. Im Gesamtbild der Lage südlich der Beresina scheinen sich nunmehr doch allmählich die hohen Verluste des Gegners bei seinen Tag für Tag wiederholten Angriffen bemerkbar zu machen und man darf wohl die in der letzten Zeit besonders bemerkbare Bildung nur einzelner, scharf begrenzter Schwerpunkte als ein Zeichen dafür ansehen, wie sehr seine Angriffskraft durch Verluste gelitten hat. Es muß allerdings angenommen werden, daß der Feind bald wieder Verstärkungen heranbringen und inzwischen, zu örtlicher Schwerpunktbildung nach wie vor in der Lage, noch mehrmals versuchen wird, wie heute in überraschenden Einzelaktionen den Durchbruchserfolg, der ihm bisher versagt blieb, doch noch zu erringen. Anders stellt sich das Feindbild am Nordflügel der Armee dar. Hier deuten - die Kampfpause hält auch heute noch an - das Auftreten eines vierten Schtz.Korps vor dem LV.A.K. und die durch Nachtluftaufklärung festgestellten erheblichen mot=Zuführungen aus der Tiefe auf eine zunehmende feindliche Kräftekonzentrierung hin, die einen erneuten Großangriff erwarten läßt, und zwar möglicherweise beiderseits Rogatschew bis zur linken Armeegrenze. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Feind das derzeitige unsichtige Wetter dazu benutzen wird, um überraschend zum Angriff anzutreten, deshalb läßt der Oberbefehlshaber in einem Befehl noch einmal ausdrücklich auf größte Wachsamkeit der Grabenbesatzungen und höchste Alarmbereitschaft der im Hauptkampffeld eingesetzten Waffen, insbesondere der Artillerie, hinweisen (s. Anl. IV 2.). Für die weitere Durchführung der Umgruppierungen am linken Armeeflügel hat das AOK befohlen, daß die 20.Pz.Div. nach erfolgter Ablösung durch die 211.I.D. geschlossen am Nordflügel eingesetzt bleiben soll, gleichzeitig ist die Herauslösung von noch beim LV.A.K. befindlichen Teilen des XXXV.A.K. und ihre Rückführung dorthin angeordnet werden. Dieser Befehl liegt im Zuge der Bemühungen des AOK um eine allgemeine Wiederordnung der Verbände, die allerdings angesichts der im Laufe der vergangenen Kampfhandlungen so zahlreich erfolgten Verschiebungen einzelner Teileinheiten aus nicht angegriffenen Abschnitten zu den Abwehrbrennpunkten auch weiterhin noch verhältnismäßig komplizierte Umgruppierungen erfordern wird. Die Wahrscheinlichkeit eines neuen sowjetischen Großangriffs beim LV.A.K. und die immer noch angespannte Lage südlich der Beresina läßt es dabei geraten erscheinen, mit der Rückführung dieser Einheiten zu ihren Stammdivisionen nur sehr allmählich und vorsichtig zu Werke gehen, um die Standfestigkeit der Abwehr nicht zu gefährden (s,dazu Anl. IV 1, ferner auch Anl. IV 3 und IV 10). |
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