| Kriegstagebuch Okotber 1944 | |
| 1.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Anfang Oktober ist der Feindbeschuss mässig. Auch die Kampftätigkeit beschränkt sich im Ganzen auf beiderseitige Spähtrupptätigkeit. Diese führt z.T. erstaunlich weit ins Vorgelände, so über den 5 km westl. Aachen gelegenen holländischen Ort Vaals hinaus. Unerfahrenheit der Bunkerbesatzungen führt am kommenden Tage zu unnötigen Verlusten durch starkes feindliches Artl.Feuer. Der Schaden macht die Besatzungen Klug. Die tägliche nächtliche Spähtrupptätigkeit im Süd- und Westabschnitt stärkt des Selbstbewusstsein der jungen Soldaten. Am linken Flügel der Division in Gegend Forst südl. Bahnhef Rote Erde ist die Feindberührung enger. Hier liegen sich die Fronten nahe gegenüber. Hier ist auch erhöhte Aufmerksamkeit vonnöten. Mit einigen Verlusten muss die junge Truppe Lehrgeld zehlen. Minen und Verdrahtungen helfen die Stellungen verstärken. Rechts an die 246.Div. schliesst die 49.I.D., links die 12.V.Gren.Div, an. Während die erste,durch die Kämpfe in Frankreich stark mitgenommen und stark dezimiert, keinen grossen Kampfwert mehr hat, macht der linke Nachbsr einen zuverlssigen Eindruck mit gutem Kampfgeist. Die Beurteilung der Lage des Div.Führers geht nach Kennenlernen seines Kampfabschnittes dahin: Aachen, eine offene Stadt, tief gelegen, bildet einen vorspringenden Sack in der Front. Der Nordausläufer des Westwalls, aus einzelnen Bunkern bestehend, schliesst Aachen ein. Die westl. Linie, sogenannte Vorwestwallstellung, ist südl. der Stadt in Feindeshand, während sie westl. Aachen bei Laurensberg, Richterich, Kohlscheid und nördl. die derzeitige H.K.L. bildet. Da ein Stellungssystem oder künstliche Geländeverstärkungen, bis auf vereinzelte Panzersperren, weiter nicht vorhanden sind, ist der Wert dieser bei Aachen auslaufenden Westbefestigung nicht gross. Der Feind ist durch den Besitz des hochgelegenen Aachener Stadtforstes mit guten Übersichtspunkten gegenüber der deutschen Stellung im Tal im Vorteil. Der Aachener Stadtwald lässt keine Sicht in das Feindgelände zu. Das Vorgelände bietet günstige Annäherungsmöglichkeiten und Deckungen. Im Nordwesten der Stadt ist das Höhenplateau mit den Vorwallbunkern bei Laurensberg in eigener Hand. Es ist weithin zu übersehen und von den eigenen Waffen gut beherrscht. Ein Feindangriff, auch mit Panzern, ist dort wenig wahrscheinlich, da der tief eingeschnittene, unübersichtliche Wurm-Abschnitt nördl. Aachen ein natürliches Panzerhindernis bildet. Ein direter Angriff auf die Großstadt wird zunächst nicht für wahrscheinlich gehalten, da der Häuserkampf ansich, für den Angreifer jedoch grosse Gefehren und Tücken mit sich bringt. Seine Hauptwaffe, die Panzer kann in dem Häusergewirr nicht zur Geltung gebracht werden. Die Unübersichtlichkeit erschwert die Führung. Umso grösser ist die Sorge einer Umfassung Aachens, die sich geradezu für den Gegner anbietet. Infolgedessen ergibt sich der Schwerpunkt des infanteristischen Einstzes am Südrand und im Südosten der Großstadt. Die artilleristische Unterstützung ist auch in diesem unübersichtlichen Verteidigungsabschnitt durch ein lückenloses, von vorgeschobenen Beobachtern geleitetes Sperrfeuer der Inf.Geschütze, Granatwerfer und der eigenen wie zahlreicher weiterer Artillerie (A.R.12, Artl.Abt.992, I./A.R.149, mot. II./60, II./68, 634 ) gewährleistet. Art.Rgt.12 war die Divisionsartillerie der 12.V.G.D., I./A.R.149 gehörte zur Divisionsartillerie der 49.I.D.. Beide waren ihren Divisionen unterstellt, hatten aber ihre Feuerstellungen im Abschnitt der 246.V.G.D. Die Art.Abtellungen 992, II.(mot)/60, II./68 und 634 waren Heeresartillerie und unterstanden dem LXXXI.A.K. Feindbeobachtungen, die in den ersten Einsatztagen durch eigene Spähtrupptätigkeit und kleine Stosstruppunternehmengen gemacht werden, deuten nicht auf unmittelbar bevorstehende Angriffsabsichten. Ausser der 30. und 1.amerik.Inf.Div., die zwei verschiedenen Korps unterstehen, werden keine neuen Truppenteile festgestellt. Die teilweise Sorglosigkeit, mit der die Amerikener abends ihre vorgeschr)benen Posten beziehen, kostet sie unnötige Verluste ued Kriegsgefangene. Ihre Zahl wächst in den ersten 14 Oktobertagen auf 60 an. Sie machen einen guten soldatischen Eindruck. Bei Tage ist zwischen den Fronten vor Aachen, bis auf den linken F1ügel, ein weites Niemendslend vorhanden. Die eigenen Spähtrupps stellen keine besonderen Abwehrstellungen mit Gräben und Draht fest. Diese Tatsache lässt den Schluss zu, dass der Feind 1.) keine stärkeren deutschen Gegenstösse oder Angriffe erwertet und sich hierin recht sicher fühlt. 2.) mit baldiger Vorwärtsbewegung rechnet. Die eigene Abwehrstellung ist in den ersten Oktobertagen infanteristisch und artilleristisch als stark zu bezeichnen. In dem Gefechtsabschnitt mit einer H.K.L. von 20km sind von rechts im Anschluß an I./149 eingesetzt: M.G.Btl.34, Luftwaffen-, Fallschirm-, Jagdkommando 19, Gren.Rgt.404 bis einschl.Westbahnhof am Westrand Aachen, anschliessend Gren.Rgt.689, südl.Bahnhof Rote Erde Gren.Rgt.352 auf der linken Naht zwischen 12. und 246.V.Gren.Div. bis Eilendorf das Füsilier-Bt1.246. Die Breite je eines Btl. beträgt nach Ausscheiden der Reserven durchschnittlicheefflad 3,5 km. Die drei Inf.Regimenter haben je ein verstärktes Btl.eingesetzt und je ein bis zwei Kompanien als Reserve ausgeschieden. Die Division verfügt zum jederzeitigen Einsatz über das gut ausgebildete Pionier-Btl., des zu Verstärkungsarbeiten der H.K.L. anfallweise den Regimentern zugeteilt wird, und über das Feld-Ersetz-Btl., das weit im Hintergelände ostw. Jülich Unterführer und Sturmtrupps schulen kann. So werden Anfang Oktober Verteidigungsstellungen ausgebaut, Panzerhindernisse geschaffen, vorgeschobene Gefechtsstände eingerichtet. Zusammenarbeit mit der Artillerie und den anderen schweren eaffen sicher gestellt. Die Gefechtsbereitscheft wird überall durch laufende Ausbildung hinter der Front gefestigt. Die Truppe wird lediglich durch ständiges Artillerie- und Grenatwerferfeuer sowie durch häufige Jaboangriffe beunruhigt. Doch mit der zunehmenden Gewöhnung an die Front und die Feuerüberfälle wächst das Selbstvertrauen und die gute Stimmung. |
| 2.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: 1.) nordlich der Stadt vom 2. - 8.10.44. Leider dauert die für die junge Truppe so erfreuliche und für die weitere Ausbildung begrüssenswerte Zeit der Ruhe an der Front nur wenige Tage: Am 2.10. greifen Truppen und Panzer des XlX.amerik.Korps überraschend bei Geilenkirchen die deutsche 183. und den rechten Nachbarn, die 49.Inf.Div. an. Sie erzielen bei Palenberg am 3.10. einen tiefen Einbruch. |
| 3.10.1944 | |
| 4.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Für die eigene Division tritt die Frage auf: Geht der Stoss in grader Richtung ostwärts im freien Gelände auf den Rhein zu und lässt er Aachen und den unübersichtlichen Ausläufer der Eifel zunächst liegen, oder dreht er nach Süden zur Einschliessung von Aachen ein? Obwohl mit dem zweiten Fall gerechnet werden muss, zumal die südostw. Aachen stark vorspringende Front zu einem Stoss mit guten Ausgangsstellungen nach Norden herausfordert, erhält am 4.10. die Div. den Befehl, das Gren.Regt.404 eine Artl.Abt. und die Pak.Komp. der Pz.-Jg.Abt. an die 183.Inf.Div. abzugeben. Die Artillerie wird nicht nur nicht eretzt, sondern durch Entzug von stationären Pak-und Haubitz-Batterien der Artl.Abt. 992 noch geschwächt. Für das vorzügliche Inf.Rgt.404 unter seinem zuverlässigen tapferen Kommandeur, Major Heimann wird als Ersatz das Landesschützen-Btl.1421 zugeführt. Sein Kommandeur, der bejahrte rechtschaffene Major Kummerow, reicht sofort nach dem Einsetz eine Denkschrift über den ungenügenden Kampfwert seiner Truppe ein: Das Durchschnittsalter der fast unausgebildeten Mannschaften beträgt 40 - 50 Jahre; es fehlt an schweren Waffen; kein Arzt kein Nechschubgerät, keine Feldküchen sind vorhanden; die Bewaffnung ist uneinheitlich; es mangelt an der nötigsten Ausstattung für eine Feldtruppe. Etwa, ähnlich sieht das bereits eingesetzte Fallschirm-Jagd-Kdo. unter Hauptmann Mues aus. |
| 5.10.1944 | Erinnerungen
Oberst Wilck: Gren.Rgt.404 erleidet in den Tagen vom 5.-9.10. in dem Abwehrkampf der 183.Inf.Div. bei Immendorf, 4 km südostwärts Geilenkirchen, wo es sich sehr tapfer schlägt und den durchgebrochenen Feind aufhält, schwerste Verluste. Es sollte als ein Torso von 250 Mann an der tragischen Schlussphase des hoffnungslosen Endkampfes von Aachen teilnehmen. Auch der 5.10. bringt noch keine Klarheit über die Absichten beim Feind. Der Angriff bei Palenberg gewinnt über Uebach hinaus Boden. Gleichzeitig werden die eigenen Vorstellungen südwestl. Herzogenrath beim rechten Nachbern der Division, dem Gren.Rgt.149, vom Feind genommen. Trotz heftigem Sträuben und Einspruch seitens der Division werden unverständlicherweise an diesem Tage weitere wertvolle Kräfte der Div.-Front bei Aachen entzogen. Die Gren.Regimenter 352 und 689 müssen je ein Bataillon, das Artl.Rgt. einen Teil der unentbehrlichen I.Pak-unleserlich- zu anderer Verwendung nördl. der Stadt abgeben. Diese Teile sind für den eigentlichen Endkampf um Aachen selbst verloren. Diese Teile (I./362, I./689 und Teile I./A.R.246) wurden zunächst Korpsreserve und dann zur Stützung der zusammengebrochenen Front der 49.I.D. dieser vorübergehend unterstellt. Sie traten später zur 246.V.G.D. rurusek. Der genaue Zeitpunkt war, nicht mit Sicherheit festzustellen. An ihre Stelle tritt das zugeführte Marsch-Btl.984, ein zuchtloser, unorganischer Haufen von Versprengten, die im Hintergelände aufgegriffen sind. Ausstattung ähnlich schlecht, wie die beiden vorerwähnten Bataillone. Dies Bataillon hat später, wie nicht anders zu erwarten, kaum Widerstand geleistet, sondern sich beim ersten Anpacken des Gegners diesem fast kampflos ergeben. So ist die Masse und Kaepfkraft der Div. kurzsichtig aus dem wichtigen Frontbogen herausgezogen, in dessen Mittelpunkt die deutsche Grossstadt mit ältester historischer Tradition steht. Der Grund für diese fast unfassbare Massnahme ist der Mangel an Reserve und anderen Kräften an den z.Zt. brennenden Frontabschnitten. Trotzdem ist sie als Missgriff, ja Fehler der oberen Führung zu werten. Denn der heute noch unangegriffene Frontteil kann morgen Brennpunkt des Kampfes werden. Und er wird es in kürzester Zeit. |
| 6.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 6.10. wird der feindliche Einbruchsraum mit deutlicher Richtung nach Süden auf Alsdorf zu erweitert. |
| 7.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Als am 7.10. ausser Baesweiler der Ort Alsdorf in harten Kämpfen vom Feind genommen ist, ist die Absicht des Gegners, Aachen einzuschliessen, zweifelsfrei. Zwei starke Missstände ergibt dis Lage am 7.10. abends für die Division: 1.) Die Stellungen der Artillerie die mit der Masse im Raum südl. Alsdorf steht, sind unmittelbar gefährdet; 2.) eine der Hauptzufahrtsstrassen für den Nachschub der kämpfenden Teile der Division ist in Feindeshand. Zum Gegenangriff werden die Korpsreserve II./48 und das herausgezogene 1./352 unter Führung des Kommandeurs Gren.Rgt.352, des Major Eggersdörfer, von Höngen und Mariadorf, vom Kdr.General des LXXXI.A.K. angesetzt. Unmittelbar unterstützt wird der Angriff von einer Sturmpanzerkompanie der 12.Div. und der Masse der Artillerie. Der Div.Gef Stand wird am 7.10. von Langweiler nach Mariadorf verlegt. Der Auftrag für den Gegenangriff lautet: "Wiedernahme der Orte Bettendorf, Oidtweiler, Schaufenberg, Alsdorf. Nach Freikämpfen der Strasse Baesweiler-Alsdorf übergang zu Verteidigung in einer Linie Westrand Baesweiler-Westrand-Alsdorf. Anschluss-Btl. ist das lks. eingesetzte I./352 ." Das Pi.Btl. war seit dem 6.10. Div. Reserve, in Mariadorf zusammengezogen. Als am 7.10. die Absicht des Feindes, nach Süden vorzustossen, klar erkannt war, hatte das Pi.-Btl. den Befehl erhalten, diesen Grund mit allen verfügbaren Mitteln für Panzer und Infanterie zu sperren. Noch in der Nacht 7./8. und am 8.10. hatten die Pioniere diesen Auftrag durchgeführt. Leider war nur beschränktes Sperrmaterial an Draht und Minen zur Verfügung. Die Pioniere verteidigten am 8. und 9.10. mit Erfolg diesen Grund. Erst am 10.10. gelingtedem Feind in einem wuchtigen Angriff bis Bardenberg und Kohlscheid durchzustossen. Er trifft hier das bisher wenig in seinen Bunkerstellungen berührte I./Gren.Rgt.149 in seiner ganzen Wucht. Dies Bataillon gehörte ursprünglich zur 49.Inf.Div., ist aber seit dem Feindeinbruch in Baesweiler-Alsdorf, am 7.10. von seinen Verbindungen abgeschnitten, der 246. unterstellt worden. Da das Bataillon gut von der Divisionsartillerie, besonders der I., mit 18 Rohren ausgestatteten Pak Abteilung unter ihrem ausgezeichneten Kommandeur, Major Knörz, aus grosser Nähe unterstützt werden kann, kann der Amerikaner erst am Abend des 10.10. in Kohlscheid eindringen. Hier wie bei Bardenberg, wo das I./32 kämpft, wird heiss gerungen. immer wieder werden die Amerikaner abgewehrt. Die zugeführte Sturm-Geschützbrigade 219 unterstjtzt den Abwehrkampf. |
| 8.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Der Gegenangriff wird am 8.10. morgens mit großem Schwung vorgetragen, die Orte ostwärts der Strasse genommen. I./352 dringt in Alsdorf ein. Die Gegenstösse der Amerikaner, durch starken Panzereinsatz der 2.amerikan.Panzer-Div. unterstützt, sind so überlegen und für die deutschen Kräfte so Verlustreich, dass am Abend des 8.10. Oidtweiler, Schaufenberg und Alsdorf wieder in Feindeshand sind. Immerhin hat der Gegenstoss dieser Kampfgruppe eine örtliche Entlastung gebracht. Denn in der erreichten Atempause kann die Front bei der 49.Inf.Div. gestützt und gehalten werden. Der Feind geht nicht nach Osten weiter vor. Auch ist die unmittelbare Gefahr für die Artillerieetellungen und der Zugriff auf den noch einzigen Nechschubweg Jülich-Aachen gebannt. Während nördlich von Aachen heftige Kämpfe im Gange sind ist die Front bei Aachen ruhig geblieben. Nur in der "unruhigen Ecke" südlich Eilendorf-Rote Erde sind nachts Bewegung und Unruhe beim Feind wahrnehmbar. Starkes Geräusch von Kettenfahrzeugen, Minenräumen werden festgestellt. Bei Tage schiesst sich feindliche Artillerie mit Nebel auf erkannte B-Stellen und bestimmte Übersichtspunkte ein. Neue Batterien werden erkannt. Lebhafte Luftaufktärung ist bemerkbar. Abgehörte Funksprüche von feindlichen Flugzeugen geben wertvolle Aufschlüsse für feindliche Absichten in diesem Raum. Leider fehlt die eigene Luftaufklärung. Die Anzeichen deuten euf einen dicht bevorstehenden Angriff. Mit grösster Sorge sieht die Division diesem Angriff entgegen. Mit Erbitterung konstatiert der Kampfkommandant die um die Hälfte geschwächte Front ohne Reserven die auch bei der Division fehlen. Die eingeschobenen Teile sind unzuverlässig und kriegsmüde. Am 8.10. setzt um 4.00 Uhr morgens südostw. Aachen stärkstes Artl.Feuer auf die eigene Inf.Stellung ein. Gleichzeitig werden alle B-Stellen der Artillerie und schweren Waffen durch Nebel geblendet. Der Hauptstoss des feindlichen Angriffes, der mit starken Panzer- und Infanteriekräften vorgetragen wird, trifft mit grosser Wucht den linken Divisionsflügel, das bei Rote Erde eingesetzte II./352 und das Füsilier-Btl.bei Eilendorf auf der Naht zur 12.Division. Der Feind ist die nicht nur der Nummer nach 1.amerikanische Division. Trotz tapferer Gegenwehr werden die beiden Bataillone nach Norden schrittweise zurückgedrängt. Grosse Sorge macht die ganz dünne, teilweise nur aus Verbindungspatrouillen bestehende Sicherungslinie im Südosten und Osten der Stadt zwischen den Regimentern 689 und 352. De die Verteidigungsfront im Süden und Westen der Stadt aufgebaut ist und Reseren zur Besetzung des Ostrandes nach Abzug von zwei Regimentern nicht vorhanden sind, klafft nach Zurückdrücken des II./352 nach Norden zum II./689 bei Hauptbahnhof und Burtscheid eine sich ständig erweiternde Lücke. Der linke Nachbar, das Inf.Rgt.27, das mit schwächeren Kräften angegriffen ist hält seine Stellungen. Die Verbindung dorthin wird nachts wieder hergestellt. Der Anschluss nach rechts und links bleibt noch lose erhalten. Bei Burtscheid und südlich von Aachen werden die Gefechtsvorposten teilweise auf die H.K.L. längs der Bahninie mit verlängertem linken Flügel zurückgenommen. Diese H.K.L. wird in den folgenden Tagen vom II./689 gegen alle Vorstösse gehalten. Dies Bataillon aus jungen Mannschaften hat hier seine Feuerprobe bestanden und seinen guten Kampfgeist erwiesen. An diesem ersten Angriffstag der feindlichen Südgruppe vernichtet ein Terrorangriff mit einem Bombenterpich das bisher unzerstörte Jülich mit viel Lazaretten und Verwundeten. |
| 9.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 9.10. werden die Angriffe mit derselben Heftigkeit, ja Steigerung fortgesetzt. Der Bahnhof Rote Erde wird tapfer verteidigt. Am Abend dieses Tages geht Eilendorf verloren. Die front verläuft längs der Bahn südl. Haaren. Die Verluste sind schwer. Die beiden linken Bataillone schreien nach Eratz und Hilfe. Das aus Aachen hernusgezogene I./689 wird am linken Flügel zur Stützung der schwer angeschlagenen, Bataillone eingesetzt. Es wird der 12.Division unterstellt und von dieser zu mehreren Gegenstössen zur Wiederherstellung der alten H.K.L. bei Verlautenheide eingesetzt. Das Korps het Hilfskräfte angefordert. Zur Zeit ist die Division auf sich selbst angewiesen. |
| 10.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 10.10. verkünden amerikanische Lautsprecher vom Aachener Stadtwald aus die Einschliessung der Stadt und fordern die Ubergabe. Ebenso werden über der Stadt Flugblätter mit dem Text des "Ultimatums" und einem Aufruf an die Bevölkerung und die deutschen Truppen abgeworfen. Der Kampfkommandant Oberstleutnant Leyherr, wie die deutschen Soldaten reagieren nicht weiter darauf. An diesem Tage verstärkt der Feind seinen Angriff in der alten Richtung Bahnhof Rote Erde wird von ihm genommen. Ein tiefer Einbruch erfolgt in den Südostteil der Stadt. Das II./352 wird auf den Schlachthofkomplex im Nordosten der Stadt auf den Bahnhof Nord zurückgeworfen. Am Ostrand Aachens werden einzelne kleine Gruppen der Westfront, der Rgts.Radfahrzug und der Pi.-Zug 689 als Kampfgruppe Hauptmann Gros eingesetzt, um die drohende Lücke zwischen II./689 und II./352 zu füllen und die Verbindung zu gewährleisten. Das Füsilier-Btl. weicht mit Teilen auf Haaren, mit Teile Richtung Verlautenheide aus, nachdem die beherrschende Höhe 239, das Haarener Steinkreuz, 1 km nordostw. Haeren‚ nach blutigen Kämpfen, in denen die Höhe mehrmals den Besitzer wechselt, gegen Abend endgültig in amerikanischer Hand ist. Mit dem Besitz dieser Höhe ist 1.) die 246.Division von ihrem linken Nachbarn, der 12.Div. getrennt, 2.) die Jülicher Strasse und das Gelände bis Würselen und ostw. davon einzusehen und auf nahe Entfernung mit Feuer zu beherrschen. Durch die klaffende Lücke zwischen den zwei deutschen Divisionen drohen die 1.amerik.Inf.Div. und die Panzer der 3.Panzer-Div. des VII.Korps durchzustossen, um die Verbindung mit der amerikan.Inf.Div. und der 2.Panzer-Division vom XIX. Korps, deren Gefechtslärm nur einige km weiter deutlich hörber ist, herzustellen. Es sollte noch drei weitere Tage dauern, bis der Ring um Aachen sich endgültig schliesst dank den hier Rücken gegen Rücken mit grosser Bravour kämpfenden jungen Grenadieren der Regimenter 352 und 689 und der ausgezeichneten Artilleriewirkung aller Kaliber. Inzwischen ist jedoch am 10.10. ein Stosskeil von feindlichen Panzern mit aufgesessener Infanterie auf und längs der Strasse von Alsdorf auf Würselen durchgestossen und hat diesen wichtigen Ort erreicht. Die Pioniere, auf das Wegekreuz bei Birk, 2 km nördlich Würselen, zurückgedrängt, halten dies. Sie sind durch den Stoss auf Warselen vom Feind überrollt. Verbindung mit der Division besteht. Die Masse der zwei Pi.-Kompanien (Pi.Btl.246) wird nun längs der Bahn Buchen-Würselen eingesetzt. Verbindung zur 49.Inf.Div. mit linkem Flügel ostw. Schaufenberg wird durch Spähtrurps mühelos aufgenommen. Der Feind setzt dort trotz der klaffenden Lücke von 4 - 5 km erstaunlicherweise nicht einmal Erkundungstrupps nach Osten ein. Schwieriger ist der Anschluss zum linken Nachbarn, dem bei Kohlscheid kämpfenden 1./149. Doch auch dorthin gelangen, durch Feindabteilungen sich hindurchwindend, mutige Snäbtrupps der Pioniere und nehmen die Verbindung auf. Das I./352 war nach seinem Abwehrkampf bei Bardenberg herausgezogen, um zusammen mit einem Rgt einen Gegenangriff auf diesen Ort zu führen. Zur Stützung der Kampffront nach Norden und Schliessung der Lücke bei Würselen wird das ostwärts Jülich liegende Feldersatz-Bt1. 246 herangeholt. Es trifft am 10.10. abends beim vorgeschobenen Div.Gefechtsstend ostw. Weiden ein und wird noch in der Nacht durch Würselen hindurchgezogen. Es soll rechts vom I./149 im Anschluss an dieses eingesetzt werden. Es ist für die Fushrer nicht leicht, sich in dem unbekannten, durchschnittenen und schwierigen Gelände zurechtzufinden. So gerät das Bataillen mit dem I./149 durcheinander. Nur Teile treffen rechts vom I./149 ein. Sie haben losen Anschluss nach links, zunaechst jedoch keinen Anschluss nach rechts. Die Masse des Bataillons findet sich links vom I./149. Inzwischen ist Gren.Rgt.404 aus den schweren, kraeftezehrenden Kaempfen bei der 183.1nf.Div. suedostw.Geilenerchen abgeloeet und am 10.10. der Division wieder unterstellt worden. Es hatte nach ermuedendem Nachtmarsch bei strömendem Regen in einzelnen Gruppen am Vormittag des 10.10. befehlsgemäss den Raum bei Weiden, ostw.Würselen erreicht. Das Reginent wird nach Eintreffen auf Druck des Korps am Spätnaehmittag des 10.10. zum Angriff auf Würselen angesetzt. Dazu werden einige Panzer der Panzerbrigede 109 unterstellt. Die Bemühungen des Divisionsfuehrers, diesen Angriff auf den naechsten Morgen zu verschieben und der überanstrengten Truppe etwas Ruhe zu gönnen werden abgelehnt. Das Regiment gerät mit vordersten Teilen durch Verrat einiger Elemente der in Würselen verbliebenen Bevölkerung in einen Hinterhalt. (SchriftI.Bericht des Regimentskommandeurs Gren.Rgt.404) Bei Einbruch der Dunkelheit sind diese Teile von Amerikanern, durch deutsche Zivilisten geführt, umzingelt. Bei den Kämpfen Menn gegen Mann entsteht grosse Verwirrung, zumal mehrere Offiziere ausfallen. Dem persönlichen Eingreifen des Rgts.Kommandeurs mit seinem Stäbe gelingt es, zurückflutende Teile aufzufangen und um den Bahnhof Würselen ein Widerstandsnest aufzubauen. Im Laufe der Nacht vermögen Offizier-Stosstrupps weitere Kräfte um den Bahnhof zu gruppieren. In der Nacht wird diese Gruppe wiederholt von Amerikanischen Panzern und Infenterie eingeschlossen. Die Verbindung zur Division ist abgerissen. In den Morgenstuneen des 11.10. ziehen sich die Amerikaner in Richtung Bardenberg vorübergehend zurück. Es gelingt, im Nordteil von Würselen etwa im Zuge der Eisenbahnlinie nach Kohlscheid eine Abwehrfront aufzubauen und Anschluss an das Feld-Ersatz-Batl.146 zu gewinnen, sodass die Front nun bis Kohlscheid durchgehend besetzt ist. Panzer der 108.Panzerbrigede und die Sturmgeschützbrigaden 394 und 982 werden hier auf Zusammenarbeit mit der 246.Div. angewiesen. |
| 11.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: In der Nacht 10./11.10. trifft das mot.Sturm-Pi.Rgt.1 auf der Naht zwischen 246. und 12.Division ein. Es wird dem LXXXI.A.K. direkt unterstellt.ne. Es tritt am 11.10. um 11.00 Uhr vormittags nach kurzer Bereitstellung in Gegend Weiden-Südwestausgeng Würselen zum Angriff auf eine beherrschende Höhe Haarener Steinkreuz und den Nordrand Verlautenheide an. Die Ziele werden zwar erreicht. Doch hat der Amerikaner mit seinen überlegenen Kräften, von der ersten Überraschung erholt, am Abend des Tages alle Punkte wieder in seiner Hand. Überanstrengung der Truppe, unzulängliche Kräfte, unzureichende Mittel, andererseits die materielle Überlegenheit des Gegners sind immer wieder die tragischen Gründe, weshalb den deutschen Truppen trotz vorbildlicher Führung, Haltung und Einsatzwillen der Erfolg in diesen letzten Kriegsmonaten versagt bleibt. Immerhin ist zunächst durch den Einsetz der Sturmpioniere der Zusammenhalt der Front gewahrt und das weitere drohende Vorstossen des Feindes an dieser Stelle für die nächsten Tage verhindert. I./149: Die Nacht vom 11./12. wird benutzt, un Orinung in die Verbände zu bringen. Feld-Ersatz-Bt1.246 übernimmt jetzt den Abschnitt links vom I./149, zwischen diesem und dem M.G.Bt1.34. Das Batl. hatte bald Feindberührung und hat in den nächsten Tagen brav seinen Mann gegen grosse Übermacht gestenden. Am 11.10. Vormittags trifft ein aus Würselen heraus über, das Gren.Rgt.404 hinweg angesetzter Angriff der SS-Kampfgruppe Bucher von der Leibstandarte zusammen mit dem heruasgezogenen I./352 auf einen wuchtigen Angriff der Amerikaner aua Bardenberg heraus. Der eigene Angriff bleibt im Nordteil Wuerselen liegen. In der erreichten Linie geht I./352 im Ansehluss an I./149 zur Verteidieung über. Das Gren.Rgt.404 wird in der Nacht vom 11./12.10. herausgezogen und am Abend dee 12.10. nach Aachen in Marsch gesetzt. Inzwischen hatte der Div.Führer, als am 8.10. die drohende Gefahr der Einschliessung Aachens klar erkennbar war, dem Oberbefehlsheber der Heeresgrupne B dringend vorgeschlagen, die Front durch Aufgabe und Aussparung Aachens zu verkürzen. Er hielt die sinnlos gewordene Verteidigung der offenen Grossstadt mit den üblen Erscheinungen, die jeder Kampf um Ortschaften mit sich bringt, militärisch für falsch, während wenige Kilometer rückwärts die Westwalllinie sich zum sinnvollen und aussichtsreichen Widerstend mit wesentlich weniger Kräften anbot. Hinzu kam der Wunschgedanke, die noch intakten Teile der historischen Stadt zu schonen. Die Vorsehläge wurden brüsk abgelehnt mit der Erklärung, dass nach Hitlers Befehl kein Fussbreit Boden freiwillig preisgegeben werden dürfe und hier die erste Grossstadt des Deutschen Reiches aus besonderen Prestigegründen nach Hitlers Willen um jeden Preis in deutscher Hand bleiben solle. Auf höchsten Befehl sei Aachen bis zum Letzten zu verteidigen trotz der Gefahr, dass die 246.Volks-Gren.Div. dabei verloren gehe. Deshalb war Aachen zum "Festen Platz" ernannt worden, ein Begriff, den die Truppe und seine Führung nicht allein aus psychologischen Gründen ablehnte. Denn die Hoffnung, dass Feindkräfte damit gebunden wurden, war meist trügerisch wie im vorliegenden Fall. Dagegen wog der Verlust starker uhd bester deutscher Kräfte, die an anderer Stelle der Abwehrfront fehlten, ungleich schwerer; oft tödlich. Zu einer heftigen Aussprache und dramatischen Auseinandersetzung über diese Frage kam es am 11.10. zwischen dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, Generalfeldmarschall Model und dem Div.Führer, Oberst Wilck, auf dem vorgeschobenen Div.Gefechtsstand, als dieser ihn wiederholt beschwor, die deutschen Kräfte aus dem noch offenen Sack von Aachen zurückzunehmen. Seine Tragik war es, dass seine schon nach dem ersten entsprechenden Vorschlag am 9.10. erwirkte Abberufung und Ablösung als Div. Führer erst eintraf, als der Ring um Aachen sich geschlossen hatte und Oberst Wilck inzwiachen kurz vor Toresschluss, am 12.10. vom Oberbefehlshaber der 7.Armee, Gen.der Panzertrupaen Brandenberger, zum Kampfkommandanten von Aachen mit dem schriftlichen Hinweis auf das unbedingte halten bis zum letzten Mann verrflichtet worden war. Das gleiche Schicksal der Kaltstellung hatte aus etwa denselben Gründen den verantwortungsbewußten Kommandeur der bei Aachen abgelösten 116.Panzer Div., Generallt.Graf v.Schwerin getroffen. Für die unmittelbare Abwehr der nun die Stadt selbst bedrohenden feindlichen Angriffe werden dem Kampfkommandanten ausser der bereits unterstellten Sturmgeschützbrigade 219 noch die Sturmgeschützbrigade 341 zugeführt. Die erste besteht bei dem hochtrabenden Namen noch aus 2 brauchbaren Geschützen auf Selbstfahrlafette. Sie haben sich am 15.10.bereits verschossen und fallen aus. Die letzte bringt 6 Geschütze mit recht beschränkter Munition und wenig Betriebsstoff mit, einem Mangelartikel erster Ordnung. |
| 12.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Doch nun wendet sich die ganze Macht des Angriffs auf die Division in Aachen, die mit ihrem linken Flügel bei Haaren noch südlich der Jülicher Strasse hält. Am 12.0ktober steigern sich die Angriffe mit Schwerpunkten auf Haaren und den Nordostrand Aachens. Auch im Süden der Stadt drückt der Gegner mit schwächeren Kräften, wird jedoch mühelos abgewehrt. Haaren geht bis zum Nachmittag nach zermürbendem Häuserkampf verloren. Die Reste der dort kämpfenden Füsiliere Krallen sich an der höhe 1 km nördlich Haaren, dem Revelsberg an. Diese mit Buschwerk bestandene Höhe beherrscht beide von Nordosten nach Aachen führenden Straßen. Sie ist das letzte Bollwerk zwischen den zwei Feindteilen. Die Häusergruppe mit dem Schlachthof zwischen Haaren und dem Nordosteingang von Aachen wird von der 1.amerikan.Division besetzt. Einzelne Gruppen des verbissen kämpfenden II./352 halten sich noch tagelang in den Häusern und verhindern durch ihr tapferes Ausharren einen allzuschnellen Durchbruch auf die Strasse Würselen-Aachen, die bis zum 14.10. hier noch feindfrei bleibt. Nördlich von Burtscheid dringt der Feind von rote Erde aus in die Häuser ein, die dem inneren Stadtring vorgelagert sind. Er erreicht mit seinen Panzerspitzen den Bahnhof Nord und den grossen Ostfriedhof. Damit beginnt der so gefürchtete Häuserkampf um die alte Kaiserstadt selbst. Der eigenen Truppe kommt die Kenntnis des Ortes zugute, sodass der Erfolg und Bodengewinn des Feindes, auch in den folgenden Tagen, trotz überlegenen Kräften und Waffen nicht sehr gross ist. Am 12.10. um 17.45 Uhr wird vorübergehend durch einen deutschen starken Stosstrupp der Bahnhof Rote Erde wieder zeitweilig genommen und besetzt. Auch um den Besitz des Hauetbahnhofes wird heftig gerungen. Noch bleibt er zwei Tage in eigener Hand. Während im Osten Aachens die 1.amerikan.Inf.- und 5.Panzer-Div. in den 5 Tagen seit Beginn des Angriffes rund 3 km Boden gewonnen hat, allerdings nunmehr in die Stadt einzudringen anfängt, hat die 30.amerik.Inf.Div. mit der 2.Panzer Div. im Norden in zähem Angriff beachtliche und für die Aachenfront gefährliche Erfolge erzielt. Der zunächst nach Osten vorgetragene Angriff ist seit dem 8.10. ganz nach Süden abgedreht. An dem ostwärts Herzogenrath sich hinziehenden Grund war es für die Panzer zu einem vorübergehenden Stop gekommen. Der vorgeschobene Div.Gefechsstand war seit dem 8.10. in einen. Bunker halbwegs Euchen-Weiden verlegt. Am 12.10. wird das Gren.Rgt.404, aus der Front bei Würselene herausgezogen und dem Kampfkommandanten von Aachen zugeführt und unterstellt. Es erreicht in der Nacht vom 12./13. bei völlig ungeklärter Feindlage unangefochten die Innenstadt. In dieser Nacht geht durch einen überraschenden Nachtangriff mit Panzern der südlichen amerikan. Angriffsgruppe aus Haaren heraus auf die dort haltenden Teile der 246.Div. die überragende Höhe 231, 1 km nördlich Haaren, der Ravelsberg, verloren. Das ist ein schwerer Schlag gegen die Aachenverteidiger. In derselben Nacht trifft der Div.Führer Oberst Wilck, in Würselen in den Abendstunden mehrere Mal, angeschossen und von Jabos gejagt, in Aachen ein. Der bisherige Kampfkommandant, Oberstlt.Leyherr, weist ihn im Quellenhof einem der ehemals schönsten Kurhotels, in die besondere Lage Aachens und seine letzten Massnahmen ein. |
| 13.12.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: An Truppen stehen in dem eingeschlossenen Kampfraum am 13.12.44 zur Ferfügung: Bei Richterich I../Gren.Regt.149, bei Laurensberg Feldersatz—Btl.246 (in der M.G:Btl.34 aufgegangen ist) anschließend Luftwaffen—Jagd-Kdo.19, Marsch—Btl.984, Landesschützen—Btl.1421, II./Gren.Rgt.689, Rest II./Gren.Rgt.352, Rest Gren.Rgt.404, ab 15.10. SS-Abteilung Rink, Sturmgeschützbrigade 341 und vier Batterien Artl.Rgt.246 . Oberstlt.Leyherr, ein hervorragender, fähiger, pflichtbewußter Offizier und Mensch mit Herz und Kopf, geschätzt von seinen Vorgesetzten und Kameraden, geachtet und verehrt von seinen Untergebenen, ist als Schwiegersohn des in Ungnade gefallenen derzeitigen Chefs des Gen.Stabes, Gen.Oberst Halder, aus diesem politischen Grunde plötzlich abgelöst. Während des 13.10. sind heftige Kämpfe in Würselen im Gange. Bei der Südgruppe wird um den Ravelsberg hart gerungen. Der Ostteil Aachens wird stark bedrängt. Hier ist durch das Einschieben von Teilen des Gren.Pgt. dass auf halbe Btl.Stärke zusammengeschmolzen ist, eine erwünschte Verstärkung erfolgt. Die Vereinigung der zwei Feindgruppen zur Schliessung des Ringes hat noch nicht stattgefunden. Für die Orte kundigen ist der Zugang zur Stadt über den Südrand von Würselen, die Wolfsfurt 1km -unleserlich- und die Sörs bei Nacht noch möglich. Während am 13.10. das Gren.Rgt.404 zur Aufnahme dieser Teile (I./G.R.404) in Richtung Nordost vorgeht, greift der Feind entlang der Jülicher Strasse in breiter Front mit Panzern an. Der Angriff stösst in das vorgehende Gren.Rgt.404. Ein Teil wird zersprengt und aufgerieben. Ein bis zum Hansemannplatz (Hansemannplatz ist die Strassenspinne an der Einmündung der Jülicher Strasse in den inneren Stadring.) vorgedrungener amerikan.Angriffskeil wird von der Kampfreserve unter dem zuverlässigen tapferen Hauptmann Wullenweber, Btl.Kdr. des II./404, dem 4 Sturmgeschütze unterstellt sind, zerschlagen und zurückgedrückt. Erbittert wird in den Häuserblocks gekämpft. Drei feindliche Panzer werden im Nahkampf vernichtet. Die schweren Waffen des Gegners fügen der eignen Infanterie hohe blutige Verluste zu. Gegen Mitteg hat er mit Panzern und aufgesessener Infanterie von der Jülicher Straße nach Nordwesten abdrehend den Stadtpark erreicht, dort stehende Sicherungen vernichtet. Der Weg zum Gefechtsstand des Kampfkommendanten im Quellenhof ist für den Gegner frei. In dieser kritischen Lage sammelt der Kampfkommandant alle Offiziere und Soldaten seines Stabes und geht zusammen mit Teile des Gren.Rgt.404 unter Major Heimann zum Gegenstoss über den Wingertsberg am Stadtpark vor. Im entschlossenen Einsatz dieser letzten Kräfte wird der Stoss des Gegners 200 m vor dem Gefechtsstand aufgefangen. Besonders hart wird der Kampf um den Turm der Wetterwarte, die für die weitere Kampfführung infolge seiner Höhe von entscheidender Bedeutung ist. In schweren und beiderseits verlustreichen Nahkämpfen wechselt die Höhe und der Turm bis zum Abend 4 mal seinen Besitzer. Durch Funkspruch werden dringend Verstärkungen angefordert. Vor Allem ist die Zuführung panzerbrechender Waffen Voraussetzung für eine wirksame Verteidigung gegen die sehr zahlreichen Panzer des Gegners. Immer wieder tritt der Feind erneut an. Zäh und verbissen halten die Grenediere die Stellungen. Durch die Wirkung der schweren Waffen des Gegners treten laufend hohe Verluste ein. Nach wie vor wird die Westfront westlich Richterich-Laurensberg-Aachen nicht angegriffen. Dort wird herausgezogen, was möglich erscheint. Der Feind weiss Schwerpunkte zu bilden. Die Artillerie hat einzelne Geschütze an den Brennpunkten der Strassenkämpfe eingesetzt. Sie nehmen im direkten Beschuß auf kürzeste Entfernung die Feindziele unter Feuer. Der Div.Führer verspricht sich eine Entlastung der bedrohlichen Lage im Osten der Stadt von dem eigenen Angriff gegen die Feindfronten bei Würselen und Haaren-Eilendorf zum Aufbrechen des fest geschlossenen Ringes und zur Entlastung der eingeschlossenen und tödlich bedrohten Truppe. |
| 14.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 14.10. geht zwischen Haaren und Würselen das Ringen um die letzte und endgültige Klammer weiter. Die Landbrücke betagt noch 1,5 km Breite. Aber auch der Druck auf Aachen, besnders von Süden und Westen, wird stärker. Der Kampfkommandant zieht die noch ostwärts auf Haaren zu befindlichen Teile des II./352 nach Aachen heran. Sie haben etwa noch die Stärke einer schwachen Kompanie. Ihr Einsetz erfolgt später im Ostteil Aachens. Am 14.10. nachmittegs 18.55 Uhr treten die schon sterk mitgenommene 116.Panzer Div. mit der Panzerbrigade 108 auf Würselen und die 3.Pz.-Gren.Div. mit der schweren Panzerebteilung 506 über Verlautenheide, Rote Erde mit linkem Flügel an der Bahnlinie Eschweiler Aachen auf den Ostrand Aachen an. Der ungewöhnliche Angriffsbeginn am Nachmittag ist wegen des Fehlens eigener Luftunterstützung und der feindlichen Luftüberlegenheit gewählt. Diese soll infolge der beld einsetzenden Dämmmerung jedenfalls behindert werden. Die Schwierigkeiten eines Angriffs in die Dunkelheit hinein in unbekanntem Gelände werden in Kauf genommen. Der Angriff scheitert bereits in den Anfängen. Der Amerikaner beherrscht mit seinen überlegenen Abwehrmitteln und seinem Feuer das Kampffeld. Es war nicht gelungen, seine Artilerie auszuschalten. Er greift seinerseits flankierend an. Mit schweren Verlusten an Menschen und Material müssen beide deutschen Divisionen am 16.10. nach harten Kämpfen, vornehmlich in Verlautenheide, in ihre Ausgangsstellungen zurück. |
| 15.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Der Ring um Aachen ist am 15.10. abends endgültig geschlossen. Die deutsche H.K.L. verläuft in diesem Kessel am Ostrand der Innenstadt einschliesslich Hauptbahnhof. Der Bahnhof Rote Erde ist verloren und im Norden die Jülicher und die Krefelder Strasse vom Feind erreicht und beherrscht. Doch hatten noch einzelne vorgeschobene Stützpunkte tagelang in den äusseren Stadtrandgebieten. Im Westen und Norden der Stadt erstreckt sich die Front bis fast zu dem holländischea Ort Vaals - 2 km westlich Laurensberg - 2km nörd1ich Richterich - südlich Kohlscheid bis zum Wurmebschnitt, einem gegen Kampfwagen natürlichen Hindernis. Am 10.10. war der vorletzte, am 14.10. der letzte Munitionsnachschub durchgekommen. Ab 14.10. hört jede Versorgung zu Lande eue. Der letzte Transport von 20 Lkw. unter Leutnant Wegner wird auf der Krefelder Str. am 14.10. südlich Würselen zerschossen und fällt später in amerikan. Hand. Die Verpflegung bereitet zunächst keine Schwierigkeiten, da ein kleiner Vorrat vorhanden ist und sie auch aus den vorgefundenen Beständen der geräumten Grossstadt ergänzt werden kann. Die Munitionslage der schweren, besonders der panzerbrechenden Waffen macht grosse Sorge. Sie ist bei den folgenden Nahkämpfen allzu berechtigt. Denn der zweimalige Versuch der Versorgung nachts aus der Luft missglückt zu 75%: Der eine Abwurf fällt in Feindes Hand, der andere wird nur zur Hälfte gefunden und geborgen. In der Nacht zum 15.10. trifft die Abteilung Rink der SS Kampfgruppe Diefenthal vom I.SS-Korps mit 150 Mann ein. Sie wird sofort mit den Resten des Gren.Pgt.404 zum Gegenstoss nach Osten eingesetzt, um die Linie vom 13. früh wieder zu nehmen. Unter hohen blutigen Verlusten wird der Angriff schwungvoll vorgetragen. An der Wetterwarte und im Kurpark, einem Teil der Sternwarte am Nordrand der Stadt, hat sich der Gegner so verstärkt dass der Angriff zu schweren, wechselvollen Kämpfen führt. Die Sturmgeschütze unterstützen in vorbildlicher Zusemmenarbeit das schwere Ringen der Grenadiere und der SS Abteilunng, die eich sehr tapfer schlägt. |
| 16.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Nach dem Fehlechlagen des Entlastungsstosses bei Würselen-Haaren zeichnet sich ab 16.10. deutlich die Absicht ab, durch massierten Einsatz von neuen Kräften und neuen Waffen Aachen zu stürmen. Diee Schlussphase des fast hoffnungslos erscheinenden Abwehrkampfes bricht ein. Die Auerikaner fuhren mit ihren schweren Strassenpanzern auf nächste Entfernung an die Verteidigungsnester heran. Oft genügt ein Schuss, um des Nest sturmreif zu haben. Selten nur finden die Panzer einen geichwertigen Gegner. Diese einzelnen deutschen Geschütze werden oft von sechsfacher Übermecht, Panzern und Pak auf Selbstfahrlafette, niedergekämpft. Die feindlichen Angriffe am 16.10. bringen erneute Einbrüche. Durch die mangelnde Kampferfahrung der eingesetzten Landesschützen gelingt es immer wieder, kleinere Gruppen einzuschliessen und aus der Abwehrfront herauszubrechen. Nur durch eine ständige Verschiebung einzelner Gruppen, die aus z.Zt. weniger gefährdeten Punkten herausgezogen werden, wird des Vorkommen des Gegners verzögert. Langsem und vorsichtig unter dem Schutz seiner Panzer und schweren Waffen geht der Feind vor. Der Gefechtsstend des Kampfkommandanten, der ständig unter schwerem Artl.- und Granatwerfer-Feuer liegt, wird in den Bunker Rütscherstraße am Fusse des Lousberges verlegt. Am gleichen 16.10. stossen massierte Kräfte von Norden aus Kohlscheid ostw. Richterich vorbei gegen Aachen vor. Sie werden durch gutgezieltes Abwehrfeuer vom Lousberg, jener überragenden langgestreckten Höhe im Norden der Stadt zum Abdrehen gezwungen. Der vom Kampfkommandanten erbetene Einsatz des Landesschützen-Btl. II./6 zur Abriegelung nach Norden zwischen Richterich und Würselen war, nicht mehr gelungen, da das Bataillon beim ersten feindlichen. Vorstoss zersprengt wurde. |
| 17.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 17.10. stürmen starke ameriken. Kräfte das Dorf Richterich das verloren geht. So wird der Ring immer enger. Im Osten und ab 17.10 auch vom Süden her kämmt der überlegene Gegner einen Strassenzug nach dem anderen durch. Da keine Sprengmittel und Minen vorhanden sind, ist seinen schweren Panzern kein Mittel mehr entgegen zu setzen.Panzerfäuste werden in den Strassen von wagemutigen Einzelkämpfern zur Geltung und manch Panzer durch sie zur Strecke gebracht. Doch scheint der feindliche Nachschub unerschöpflich. Der an die Armee gesendte Funkspruch leutet "Aachen wehrt mit letzter Kraft ringsum angreifenden Feind unter beiderseitigen starken Verlusten ab" |
| 18.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Als misslich hat sich die befohlene Führung durch die 7.Armee ebenso wie em 18.10. bei dem wiederholten Entlastungsengriff durch das I.SS-Korps erwiesen, da sie beide ortsfremd sind, ebenso wie die angreifende Truppe. Am 18.10. abends hat der Feind etwa zwei Drittel der Stadt in seiner Hand. Leider wird immer wieder erbittert von den ausweichenden Soldaten und Führern gemeldet, dass die zurückgebliebene Zivilbevölkerung den Amerikanern durch Keller und Häuser Wege zur Annäherung und Wegnahme deutscher Postierungen und Stützpunkte zeigten. So geraten die unersetzlichen Btl.Führer Oberleienaet Breindl, Hauptmann Gross und Hauptmann Bichler durch Handstreiche, deren Initiatoren einheimische Zivilelemente sind, in Hinterhalt und Gefangenschaft. An der Tagesordnung ist die Aufforderung unsere Soldaten, ihre Posten zu verlassen um überzulaufen. Man bietet ihnen Zivil an, und versteckt sie. Wenn auch die Kriegsmüdigkeit allgemein ist und der Kampf in der eingeschlossenen Grossstadt seinen Sinn verloren zu haben scheint, so sind und bleiben diese Tatsachen im schweren Abwehrkempf um deutsche Erde, bei dem der deutsche Soldat nichts a1s seine Pflicht tut, ein trübes Kapitel. Ein Problem wird neben der Versorgung die Betreuung der Verwundeten. Zwei Trecks, die versuchen herauszukommen geraten in amerikan.Hand. Sie werden gut behandelt und versorgt. Oberst Wilck, der durch eine unterirdiche im Zuge des Westwallbaues angelegte Leitung nach ruckwärts verbunden ist, macht täglich dringender den Vorschlag zum Ausbrechen der eingeschlossenen Truppe. Er wird jedesmal mit der Vertröstung abgelehnt, dass der Ring um Aachen von aussen durch starke eigene Kräfte aufgebrochen würde. * Der missglückte Einsatz des Landesschützenbataillons II./6 wird in einem Gefechtsbericht des Kampfkommandanten von Aachen vom 18.10.1944 erwähnt. Es ist nicht gelungen, zu klaeren, woher dieses Bataillon kam und wie es angesetzt war. Himmler lässt im Auftrage Hitlers der Besetzung sagen, ihr Opfer würde des deutsche Schicksal wenden. Der Oberbefehlsheber, Feldm.Modell sendet den, Funkspruch "Halten bis zum letzten Mann, notfalls unter Trümmern begraben lassen." Von Tag zu Tag steigt die Erbitterung der eingeschlossenen Truppe über solche "Trostworte" von Oben. Die deutschen Soldaten in Aachen erleben den gleichen mitleidlosen Opfergang, wie die Kämpfer von Stalingrad. Ein geschickter wuchtiger Angriff im Norden hat am 18.10. den Stadtgarten zwischen Jülicher-und Krefelderstrasse, den Kurpark und den bisherigen Gefechtsstand des Kampfkommendenten in Feindeshand gebracht. Die Gefechtsstärke ist an diesem Abend auf 1000 Mann gesunken. Am selben Tage ist ein erneuter Angriff der beiden Panzerdivisienen, der 116.Panzer- und 3.Panzer-Gren.Div. erfolgt mit dem Ziel, zwischen den beiden Haupteinfallstrassen von Linnich und Jülich nach Aachen vorzustossen und Verbindung mit den eingeschlossenen Teilen der 246.Div. aufzueehmen. Um die Höhe zwischen Würselen und Haaren, den Ravelsberg mit seinem buschbestandenem unübersichtlichen Gelände, wird zwei Tage lang heftig gerungen. Das Freikämpfen Aachens gelingt nicht. Damit ist am 19.10. das Schicksal der alten Kaiserstadt und ihrer Verteidiger endgültig besiegelt. Noch bleibt ihnen eine kurze Atempause. |
| 19.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Bis zum 19.10. hat der Feind den grössten Teil der Stadt einschliesslich der grossen Ringstrassen Heinrich-,Monheim-, Ludwigallee nach heftigsten Kämpfen in seinem Besitz. Diese hatten 3 Tage lang besonders hartnäckig am Kaiserplatz, Hansemannplatz und im Kurpark getobt. An ihnen sind neben der SS Abt. Rink die geringen Reste der Gren.- Regimenter der 246.Div. beteiligt. Am 19. gibt es nur noch 2 eigene intakte Sturmgeschütze und 2 leichte Inf.Geschütze, die bis zum 20.10. ihre Munition verschossen haben. Im Westen hat der Gegner bis zu diesem Tage die schwachen eigenen Truppen (Luftwaffen-Fallschirm-Jagdkommando, Marsch-Btl.984 und Landesschützenbtl.1421) übber die Eisenbahnlinie bis in die Innenstadt zurückgedrängt. Sie haben nur geringen Widerstend geleistet und geraten im Ganzen vor der Beendigung des Kampfes in Gefangenschaft. Anders das Feld-Ers.-Btl.246, das mit dem M.G.Btl. 34 verschmolzen ist, unter seinem tüchtigen Kommandeur Hauptmann Neubert. A1s die gut ausgebauten Stellungen um Laurensberg zum Teil umgangen sind, zum Teil in direktem Angriff unhaltbar werden, führt er befehlsgemäss sein geschickt in die Gegend des Klosters Zum guten Hirten. Die letzten zwei Tage vom 19. - 21.10. verteidigt die Kampfgruppe Wilck in Aachen mit den Resten der 246.Div. und 1./149 die Linie Lousberg-Ponttor- Westbabnhof-Kloster Zum guten Hirten (am Nordwestausgang von Aachen Richtung Laurensbger). Es ist noch etwa 1 km im Quadrat. Immer wieder treffen bis zum letzten Tage einzelne Truppe oder Soldaten in der eigenen Linie ein, die brav am Südrend oder sonst einer Stelle der grossen Stadt abgeschnitten ihre Stellung ohne Verbindung, ganz auf sich gestellt, gehalten und bis zur letzten Patrone verteidigt haben. |
| 20.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Eine ausgezeichnete Stellung haben zwei Pak der I./Artl.Rgt.246 an der Nordwestspitze des Lousberges, die bis zuletzt alle Annäherungsversuche des Feindes mit Panzern und Schützen von Norden und Nordosten abechlagen. Am 20.10. werden sie niedergekämpft. Mit ihnen geht der Lousberg verloren. Eine kleine Kampfgruppe des 1./149 unter seinem Btl.Führer, Oberlt.Stach und dem Komp.Führer der 13./149, Leutnant Drechsel, versucht sich nachts durchzuschlagen. Den zwei Offizieren gelingt es, nach Tagen und abenteuerlichen Erlebnissen die eigene Front bei Würselen zu erreichen. Die SS-Abt.Rink, ursrünglich 150 Mann stark, führt, besonders in den letzten Tagen nach Aufgabe des Quellenhofes, ihren eigenen Krieg. Trotz der ausdrücklichen Verpflichtung durch den Kampfkommendenten, nur nach seinen Befehlen zu handeln, sendet und empfängt der Sturmbannfuhrer eigene taktische Funksprüche, die keineswegs mit der Gesamt-Kampfführung in Aachen immer in Einklang stehen. Nach tapferem Kampf und starken Verlusten im Kurpark verschwindet diese kämpferisch gute SS Truppe spurlos am 19.10. von der Bildfläche. Die Amerikaner fahndeten vergebens nach ihnen. Ihr eigentlicher Auftrag ist nicht geklärt. Vermutlich bestand er nicht allein darin, die Abwehrfront in Aachen materiell zu verstärken. Dem Sturmbannführer Rink gelang es, auf eigene Faust mit einer kleinen Gruppe aus dem Ring auszubrechen. Sein schriftlicher Bericht als einziges autentisches Zeugnis ergibt nicht den geringsten Anhaltspunkt für ein etwaiges Versagen des Kampfkommandanten und der Truppe. Vorwürfe, die vonseiten des 0.K.W. und des SS Führers Himmler bezüglich mangelnder Standhaftigkeit unbillig und ungerecht erhoben wurden. (Notiz des West vom 24.10.44) Der 20.10. ist verhältnismässig ruhig, nur Infanterie und Stosstrupp-Kämpfe sind, hauptsächlich am Lousberg, im Gange. Es ist eine Ruhe vor dem Sturm. Oberst Wilck gibt am 20.10. von seinem Befehlsstend die Meldung an die Armee "Allee zum letzten Kempf eingesetzt. Auf engsten Raum zusammengedrängt, stehen die letzten Verteidiger Aachens im Endkampf." Er entlässt 70 amerikan.Kriegsgefangene, die noch in seiner Hand sind. Da der Div.Führer am 20.10. endgültig die Hoffnung schwinden sieht, dass ein Gegenengriff von Aussen Erfolg haben könnte, da die Munition ausgegengen ist und es in allem am Notwendigsten fehlt, teilt er jenen mit, den nunmehr aussichts- und sinnlos werdenden Kampf beenden zu wollen. |
| 21.01.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 21.10. gegen 9.00 Uhr kommen drei der Amerikaner zurück, mit der Mitteilung, dass ein Grossangriff euf die Reste der Verteidiger bevorstände. Es ist eine faire Geste. Um 11,50 gehen zwei letzte Funksprüche an die Armee: "Wir Verteidiger der deutschen Kaiserstadt stehen im Endkamf um Gefechtsstand" und " abgemeldet 11,38 Uhr." Der Kampfkommandant, zum Führer des amerikan, Inf.Rgt.26 geführt, bittet gegen Mittag um Beendigung der Kampfhandlungen. Er unterschreibt die bedingungslose Kapitulation. Die letzten 300 Mann gehen nach übermenschlichen Anstrengungen mit ihm zusammen in Gefangenschaft. Mit Aachen war die erste deutsche Grossstadt gefallen. Ein Tor nach dem Osten ins Reich war aufgestossen. Es wer ein Sieg der Stärke, der Überlegenheit an Waffen und Material. Denn gegen gepanzerte Flammenwerfer, Artillerie mit Nebelmunition und Phosphorgranaten, gegen Schaufelpanzer und Selbstfahrpaks aller Kaliber war deutscherseits Gleichwertiges kaum entgegenzusetzen. General Eisenhower irrt allerdings, wenn er auf Seite 367 der deutschen Übersetzung seiner Memoiren "Kreuzzug in Europa" über Aachen unter anderem schreibt: "Der Feind wurde unaufhaltsem in sein letztes Bollwerk, ein massives Gebäude, im Stadtkern zurückgedrückt. Dieses wurde einfach dadurch genommen, dass man 15,5 cm Geschütze, sogenannte Lange Toms bis auf 20 m Entfernung an das Gebäude heranbrachte, und die Mauern systematisch umlegte. Nachdem ein paar Granaten durch das ganze Haus hindurchgegangen waren leitete der deutsche Kommandeur am 21.Oktober die übergabe mit den Worten ein, "Wenn die Amerikaner anfangen, mit 15,5 cm Kanonen ein Scharfschiessen zu veranstalten, dann ist es Zeit zum Aufgeben." Wenn auch weder die Begründung zur Kapitulation noch der zitierte Ausdruck des Kampfkommandanten zutreffen, so kennzeichnet der Bericht des amerikanischen Oberkommandierenden doch mit dieser kleinen Episode gut die Situation der amerikanischen Waffenüberiegenheit über die fast wehrlose deutsche Truppe in der letzten Kampfphase in Aachen. Eigene Fliegerunterstützung fehlte ganz. Vollbeherrscht war dagegen der Luftraum von feindlichen Flugzeugen aller Art. Eine Abwehr deutscherseits war fest garnicht vorhanden. Die wenigen 8,8 cm Flugabwehr-Kanonen rückwärts Aachen waren im Erdkampf gegen Panzer gebunden. Bei Tage wurde das einzelne Krad, der einzelne Mensch aus der Luft aufgespürt und gejagt. Bei Aachen selbst hatte die 1.amerikanische Division von Anfang an durch den Besitz des überhöhten Randes des Aachener Stadtforstes eine ausgezeichnete Ausgangsstellung und eine überragende Sicht weit ins flache Aachener Land hinein, das zum Teil 100 m tiefer lag. So stand der gesamte Nachschub wie jede Bewegung nach Aachen hinein bei Tage unter der Kontrolle und dem Beschuss des Feindes. Nchteilig waren fur den Kampf in Aachen die dort zurückgebliebenen Einwobner. Sie waren zum Teil wohl nicht die besten Elemente. Wenn auch ihre zum Ausdruck gebrachte Sympathie den Amerikanern gegenüber, in dem Wunsch den Krieg bald uberstanden zu haben, etwas verständlich war, wenn sie auch aus ihrer Kellerperspektive heraus im Amerikaner den "Befreier" und im deutschen Soldaten den "Kriegsverlängerer" sahen so war ihr Verhalten, oft zum Schaden des deutschen Soldaten, doch nicht zu billigen. Ihr Dasein erschwerte die Kampfführung, ihre Einstellung wirkte sich psychologisch deprimierend auf die Verteidiger der Stadt aus. Nicht ganz wirkungslos auf die Kampfmoral der deutschen Truppe blieb such die mehrfach gut vernehmbare, feindliche Lautpsprecherpropaganda. Sie fand besonders bei den zugeteilten Btaillonen 19 , 984 , und 1421 ein williges Ohr, da ihre Zusammensetzung aus älteren, wenig geschulten, kriegsmüden und physisch erschöpften Jahrgängen bestand. Dieser in jeder Hinsicht unvollkommene und unzulängliche "Ersatz" für eine in damaliger Zeit als hochwertig anzusprechende Truppe von junge Kräften mit Elan und bestem Wollen, wie sie die zahlreich herausgezogenen Teile der 246.Dnvision (I./352, I.R.404, I./689, Pak-Kp., 2 Ab Artillerie) darstellten, drückte die Aachener Besatzung zum Torso einer Kampftruppe herab. Die Massnahmen der höheren Führung, den gerade von ihr für so wichtig erklärten Punkt Aachen zum entscheidenden 2eitpunkt stark zu schwächen und ihr die besten Kampfkräfte zu nehmen, ist unverständlich. Bot sich doch der vorspringende Frontbogen um diese offene Stadt jederzeit zu einem Feindengriff an. Und war es doch nur eine frage der Zeit und der Feindkräfte, dass dieser Angriff geführt wurde. Die Wegnahme des Gros der Division aus dem Frontbogen am Vorabend des Angriffs auf ihn war ein wesentlicher Grund für den hier verhältnismässig rasch errungenen Sieg des Amerikeners. In der ursprünglichen Besetzung von Anfang Oktober wären Gegenstösse selbst noch aus dem umklammerten Raum Aachen, gleichzeitig mit den Entsatzversuchen von aussen, möglich und aussicht reich geseesen. Das Endschicksal, wäre bei der feindlichen Überlegenheit allerdings nicht zu vermeiden gewesen. Dasselbe Kapitel der ungenügenden Kräfte an entscheidender Stelle, das leider seit Stalingrad die Tragik der deutschen Kampfführung war, traf euch auf den zweimal geführten Gegenengriff zur Öffnung des Aachener Ringes zu. War schon eine deutsche Panzer—Division, wie hier die 116., zu diesem Zeitpunkt in Ausrüstung und Ausstattung auch nicht annähered gleichwertig einer amerikanischen wie der 2. oder 3., so musste ein Angriff zweier materiell unterlegenen Divisionen (116.Pz. u. 3.Pz.Gren.) die durch vorhergehende Kämpfe schon geschwächt waren, gegen amerikanische Divisionen (1. u 30. Inf., 2. u. 3.Pz.) und Unterstützende stärkste Heeresartillerie von vornherein zum Scheitern verurteilt sein Auch das Misstrauen der obereten Führung hat sich gerächt: Anstatt das eingespielte und mit der Kampflage vertraute LXXXI.Korps mit der Führung der Gegenangriffe zu beauftraeen, wurden die entfernte 7.Armee und des ortsfremde 1.SS Korps dazu befohlen. Verhängnisvoll war auch die angesetzte Zeit des Gegenangriffs in die Dunkelheit hinein. Degegen ist die nächtliche Fortnahme des entscheidenden Ravelsberges eine Glanzleistung des Feindes. Sie war gut vorbereitet und entschlossen durchgeführt. Die Kämpfe um Aachen haben gezeigt, dass der Westwall mit hohen Kosten entstanden, nicht viel Stütze war, sondern daß allein der Mensch, der Soldat, über Sieg oder Niederlage entscheidet. Nicht nur die hohen blutigen Ausfälle, sondern auch eine Anzahl von Überläufern schwächten die Kamefstärke. Der Grund zum Überlaufen war neben den erwähnten Momenten weniger ein moralischer als vielmehr ein physischer und psychischer: Überforderung der Kräfte, vö1ige Erschöpfung durch dauernde Angriffe und die Erkenntnis bezw. das Bewusstsein der hoffnungslosigkeit des Kampfes infolge der gegnerischen materiellen Überlegenheit. Die deutsche Infanterie mit ihren Schwesterwaaffen, besonders der Artillerie, war in ihrem Kampf um Aachen genau so tapfer und pflichttreu, wie an anderen Fronten. Ihre Tragik war, dass sie neben zu kurzen Ausbi1dungszeiten, mangelndem innerem Gefüge und Unerfahrenheit der Unterführer mit Fäusten gegen Panzer nichts ausrichten konnte und endlich unterlag. |
| 22.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Vom 21.10. ab herrscht Ruhe an der gesammten Korpsfront. Amerikener und Deuteche ordnen ihre Verbände, die bei den vorangegangenen Kämpfen stark durcheinander geraten und dezimiert sind. Dies gilt besonders für die 246.Volks-Gren.Div.. Über die Hälfte ihrer Kraft ist in Aachen geblieben. Draussen steht ein Teil des Führungsstabes mit dem Ia, Major i.G.Heyd. Er erhält als neuen Kommandeur am 21.10. Oberst Körte. In dem ursprünglichen verengten Div.-Gefechtsstreifen, mit Mittelpunkt und Frontspitze Würselen, ist seit dem 18.10. die 3.Panzer-Gren.-Div. eingesetzt. Ihr sind zeitweilig neben anderen Splittergruppen die dort befindlichen Restteile der 246.Division unterstellt. Seit dem 20.10. ist eine Zusammenlegung der Reste der 49.Inf.Div. und der verbliebenen Einheiten der 246.Volks-Gren.-Div. geplant. Die Auswirkung erfolgt vom 21. - 31.10. In die neue 246.Division werden in dieser Zeit folgende Resteinheiten eingegliedert: Gren.Regt.352 (o.II.), II./689, Füs.Btl.246, Gren.Rgt.148, schnelles Regiment v.Fritschen, Marsch-Btl. Cuppinger, Festungs-Btl. "Trier", Landesschützen-Bt1.771 und ab 5.11. M.G.Btl.54. Die einzelnen Gruppen sind nicht mehr voll kriegsverwendungsfähig. So ist das Durchschnittselter des M.G.Btl.54 über 40 Jahre. Zahlenmässig entsprechen die als "Bataillon" bezeichneten Formationen im Durchschnitt etwa einer kriegsstarken Kompanie. Aus diesen Teilen und einzelnen am Feind verbliebenen Splittern der 49.Inf.Div. entstehen bis zum 5.11. wieder die drei Infanterie-Regimenter. In diesen Tagen wird auch die Ausstettung mit neuen Waffen und Gerät vervollständigt. Des Artl.Rgt.246 wird aus 3 statt aus 4 Abteilungen gebildet: Die I.Abt. zu 8, später 12 ArtlPak. 7,5 cm oder 7,62 cm und die II. und IV.Abteilung zusammen zu 18 Rohren 10,5 cm. Die Auffü1lung der Panzerjäger, Pioniere, der Nachrichtenabteilung und der Versorgungstruppen machen keine Schwierigkeiten, da die entsprechenden Teile der 49.Division hinzukommen und eine gute Ergänzung bilden. |
| 23.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 23.10. wird des LXXXI.Korps dem Panzer-A.O.K.5 unterstellt. |
| 24.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 24.10. übernimmt die neue Volks-Gren.Div.246 den Gefechtsabschnitt der bisherigen 49.Inf.Div. mit rechter Grenze zur 183.Division Puffendorf-Linnich, linke Grenze zu 3.Panzer Gren.Div.: 1 km südlich Euchen-Jülich einschliesslich. Die Restteile der 49.Division werden am 26.10. zum Ausbau von Stellungen in der Tiefe ostwärts der Roer und Erft (selber Fluss, der Autor verwendet versch.Schreibweisen wie auf den amerik.Karten.) herausgezogen. |
| 29.10.1944 |
Erinnerungen Oberst Wilck: Am 29.10. wechselt der Ia Major i.G.Heyd wird durch Major i.G. Hiltrop ersetzt. |
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