Bucher
Obstlt.u.1.Genst.Offz.
          I.A.K.                                                                                                          K.Gef.St.Sulejowek den 18.9.1939.


Betr.: Abholung poln.Parlamentäre.

                                                                     B e r i c h t
                                                        über die Durchführung des Sonderauftrags
                                                              in der Nacht von 17./18.9.39.




Auftrag: Empfang je eines Parlamentärs des Befehlshabers der polnischen Truppen in Warschau u. des diplomatischen Korps in Warschau
         bei den vordersten deutschen Sicherungen am 17.9. 22.00 Uhr an der Straße Minsk Maz.- Praga und ihren Transport zum Korps-Gef.St.I.A.K. in Sulejowek.
         Die Parlamentäre sollten nach 20.00 Uhr eingetretener Waffenruhe in einer Zone 2 km südl.u.nördl. der genannten Straße sich 22.00 Uhr in 2 Kraftwagen
         mit weißer Fahne und mit vollem Scheinwerferlicht der deutschen vorderen Linie nähern.


Ausführung: Ich traf mit 4 Pkw. u. 2 Krädern, Rittm.Habedanck u. Dolmetscher v.Breitenstein, sowie einen Kriegsberichterstattertrupp 21.53 Uhr an der vordersten
         deutschen Sicherung ein. Diese wurde für diesen Zweck durch Lt.Krüger,7.I.R.151, geführt und hatte den Auftrag, die zu erwartenden polnischen Fahrzeuge
         und Fahrer während der Verhandlungen zu bewachen u. einen Verkehr mit deutschen Wehrmachtangehörigen zu verhindern.

         Lt.Krüger meldete mir, daß 20.00 Uhr hier an der Straße noch lebhafte Schießerei gewesen wäre und erst 20.30 Uhr, nachdem auf polnischer Seite Signale
         geblasen worden seien, die Waffenruhe langsam eingetreten sei. Auf der schnurgeraden Straße lag die polnische Sicherung uns etwa auf 200 m gegenüber.
         Sie zeigte zeitweise schlecht abgeblendet Licht, so daß ihr Aufstellungsort deutlich zu erkennen war.


         Etwa 22.00 Uhr traf Major Kiewitz -unleserlich-/I.R.151, bei uns mit einem weiteren Pkw.ein -unleserlich- sollte den Vertreter des Diplomatischen Korps
         besonders betreuen. In der Zeit von 21.53 bis 22.12 Uhr herrschte an der Straße völlige Waffenruhe. Nördl. der Straße lebte ab 22.00 Uhr die
         Gefechtstätigkeit auf und zog sich immer mehr nach der Straße zu hin.

         In der Zeit von 22.12 bis 22.15 Uhr schoß eine poln.Batterie 6 Schuß unmittelbar hinter die vordersten deutschen Sicherungen an der Straße, so daß die Pkw.,
         die ungedeckt auf der Straße standen, und wir in Kegel der Splitterwirkung waren.

        
         Ab 22.15 Uhr lebte die Kampftätigkeit an der Straße immer mehr auf. Sperrfeuer wurde in dem Komp.-Abschnitt unmittelbar nördl. u. südl der Straße angefordert
         und es begann eine lebhafte M.G.Schießerei.

         Der polnische Posten an der Straße hat nicht geschossen. Die Straße selbst lag auch nicht unter fdl.M.G.Feuer.
        
         Um 22.30 Uhr habe ich mich entschlossen, zum Stab der ll.Div. mit allen Kraftfahrzeugen zurückzufahren. Eine Annäherung polnischer Parlamentäre während dieses
         lebhaften Gefechts an die deutschen Sicherungen war nicht zu erwarten.

         Der Chef der Komp. vorderster Linie an u. nördl. der Straße, Oblt.Kreuztaler, 6./J.R.151, meldete mir später, daß die Polen 22.15 Uhr etwa in Zugstärke ein
         Stoßtruppunternehmen gegen seine Komp. durchgeführt hätten u. dieses abgewiesen worden sei.


         Etwa 22.50 Uhr traf ich beim Stab ll.Div. ein und meldete fernmdl. an den Chef des Generalstabes I.A.K. den Vorfall.

         Inzwischen lagen bei ll.Div. Meldungen des südl. der Straße liegenden Rgts. vor, daß dieses angegriffen wurde.
        
         23.30 Uhr teilte mir der Adjt.I.R.2 mit, daß an der Front wieder Ruhe eingetreten sei und das Rgt. Weisung gegeben hätte, nach Abwehr das Feindangriffs
         wieder das Feuer einzustellen.

         Daraufhin fuhr ich nochmals in vordere Linie vor u. traf 23.57 Uhr bei Lt.Krüger ein. Die Fahrzeuge stellte ich diesmal in Deckung.
         Nur ein Fahrzeug ohne Fahrer ließ ich auf der Straße mit Front zum Feinde stehen und zeigte mit diesem Fahrzeug volles Scheinwerferlicht, einschl.
         Handscheinwerfer. Das Licht reichte fast bis zum polnischen Posten hin. Dieser schoß nicht.


         0.07 Uhr schoß, einwandfrei festgestellt, 1 fdl.Bttr. 2 Schuß etwa 100 - 200 m rückwärts etwas südl. der Straße hinter das leuchtende Kraftfahrzeug.

         Ab u. zu feuerte ein M.G. innerhalb der 2 km Zone auf deutscher u. polnischer Seite, ohne die Straße selbst zu gefährden.

         0.40 Uhr schoß eine polnische Bttr. 4 Schuß in Straßennähe weiter rückwärts.


         1.04 Uhr erhielt ich den Befehl des I.A.K. mit allen zum K.Gef.St. zurückzukehren. Es geschah dieses reibungslos.

        
         Der Kriegsberichterstattertrupp war bei der zweiten Frontfahrt, ohne sich abzumelden, zurückgeblieben.


         Mein Gesamteindruck ist, daß auf polnischer Seite versucht wurde, die Waffenruhe einzuhalten. Hierfür sprechen die 20.30 Uhr auf polnischer Seite
         gegebenen Hornsignale u. das Nichtschießen der polnischen Jnfanterie auf den deutschen Kraftwagen mit Scheinwerferlicht trotz einer Entfernung von nur 200 m.

         Die 20.00 Uhr u. 22.15 Uhr durchgeführten Stoßtruppunternehmen in den Komp.Abschnitten beiderseits der Straße u. das Schießen der polnischen
         Artillerie auf die vordersten Sicherungen am ausgemachten Eintreffpunkt der Parlamentäre zeigen aber, daß die polnischen Truppen nicht mehr in dar Hand der
         obersten polnischen Führung sind.