| Kriegstagebuch Mai 1944 | |
| 1.5.1944 | KTB 9.Armee. In mehreren Besprechungen mit dem Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K. wird die Planung zu der befohlenen Herauslösung der 110.I.D. festgelegt. Sie soll bis zum 10.Mai beendet sein; als teilweisen Ausgleich beabsichtigt das AOK, dem XXXXI.Pz.K. das G.R.727 (707.I.D.) zuzuführen, das zur Zeit noch beim XXXV.A.K. eingesetzt ist (OB/K.G.XXXXI, 10,00 Uhr), allerdings wird dies erst nach dem 10.Mai möglich sein, so daß die Herauslösung der Division vom XXXXI.Pz.K. mit eigenen Kräften bestritten werden muß. Während der Tag - von weiterer lebhafter feindlicher Fliegertätigkeit im Abschnitt des XXXXI.Pz.K. abgesehen - an der Front wieder keine Kampfhandlungen von Bedeutung bringt, nehmen die beiden Bandenunternehmen "Wirbelwind" und "Maiglöckchen" im rückwärtigen Gebiet einen erfolgreichen Verlauf (Einzelheiten s. Anl. II und III). |
| 7.5.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind verstärkt seine nun schon seit einigen Tagen in vermehrtem Umfang betriebene Späh- und Stoßtrupptätigkeit weiter. Auffällig ist dabei wieder die starke Feuerunterstützung der an sich infanteristisch schwachen Vorstöße (s.Anl. II und III, ferner Ic-Zwischenmeldung). Der Gegner dürfte mit ihnen die Absicht ver folgen, die eigenen Kräfte zu beunruhigen und zu binden, um die deutsche Führung von der Bildung eines starken und seinen Absichten hinderlichen Abwehrschwerpunktes am Südflügel der Heeresgruppe Mitte weitmöglichst abzuhalten. Darüber hinaus scheint die feindliche Luftaufklärungstätigkeit aber auch die Feststellung deutscher Absichten zum Ziel zu haben, über die der Feind sich offenbar nicht im klaren ist. Nach V-Mann-Meldungen rechnet er auf Grund einer (anscheinend bewußt falschen) Behauptung eines deutschen Gefangenen mit einem starken Panzerangriff aus dem Frontbogen der 9.Armee in Richtung Gomel, also in den Rücken seines Aufmarschraums (s. Ic-Zwischenmeldung und Anl. VII 1). - |
| 14.5.1944 | KTB 9.Armee. Nach lebhaften Artillerie- und Granatwerferfeuer auf Mitte und Südflügel des XXXXI.Pz.K. während der Nacht unternimmt der Feind mehrere kp.- bis btl.-starke Vorstöße gegen den Nordflügel des Korps, die sämtlich abgewiesen werden. (Einzelheiten s.Anl. II und III). Mehr als örtliche Bedeutung dürfte, ihnen nicht zuzumessen sein, und man wird auch an anderen Stellen der Armeefront ähnliche Fessellungs- (und gleichzeitig Aufklärung-) Unternehmen zu erwarten habein (s.Anl. VII 1). Vor dem Südflügel des XXXV.A.K. haben die Feindbewegungen nachgelassen. Wie das Gen.Kdo.XXXV.A.K. meldet (Chef XXXV/Ia, 17.55 Uhr, s.a.Anl. III), ist aus Gefangenenaussagen und s.Qu.-Nachrichten zu entnehmen, daß der Feind tatsächlich mit deutschen Angriffsunternehmungen rechnet - offenbar ein Erfolg der in den letzten Tagen durchgeführten Täuschungsmaßnahmen. Zur Bekämpfung feindlicher Artillerienester vor der Südfront des Korps erhält das Gen.Kdo. heute eine zusätzliche Zuweisung von Mrs.-Munition (s.Anl. VII 4). Am Nachmittag trifft der nicht überraschend kommende Befehl der Heeresgruppe zur Abgabe der 20.Pz.Div. ein (s.Anl. V 2), deren Verlegung in den Raum Brest vom OKH nunmehr genehmigt worden ist und in der Naeht vom 15./16.5. beginnen wird (s.Anl. IV 1). Der heute ergehende Armeebefehl zur Durchführung des Unternehmens "Moorbad" (Befriedung des Raumes Luban. - Milkowicze -Tscherwonoje=See) unterstellt dem Korück ein Rgt.-Gruppe der 110.I.D., das Sturm-Rgt. der AWS, Teile der Nachr.-Abt. 707.I.D. und eine SD-Einheit. Das Unternehmen soll voraussichtlich am 19.5. beginnen, es verfolgt den Zweck, das westlich der im Ausbau begriffenen Bahnstrecke Starushki - Uretschje liegende Waldgelände von Banden zu säubern und wird sich deshalb zum erheblichen Teil im rückwärtigen Gebiet der 2.Armee abspielen. Es ist geplant, je nach den Ergebnissen der Aufklärung im Anschluß daran auch in den Wäldern ostwärts der Bahn noch ein weiteres Unternehmen durchzuführen (s.Anl. IV 2 und 3). In Verfolg der vom AOK geplanten Maßnahmen zur Erfassung einheimischer Jugendlicher durch Schaffung von Jugenddörfern (siehe KTB vom 19.4.44) wird nunmehr der Befehl zur Errichten des ersten dieser Dörfer im Bezirk der Ortskommandantur Marina Gorka gegeben. Etwa 1000 aus dem Gefechtsgebiet zu evakuierende 8-14 jährige Jugendliche sollen darin untergebracht und vorwiegend in handwerklichen Fächern ausgebildet werden. Ihre Betreuung wird der "Kampfbund gegen den Bolschewismus" übertragen erhalten, eine Einheimischen=Organisation, die vor kurzem vom AOK ins Leben gerufen wurde (s.Anl. VII 6). |
| 17.5.1944 | KTB 9.Armee. Der Armee scheint die Abgabe noch einer weiteren Division bevorzustehen, und zwar der 707.I.D. Die Heeresgruppe hat sich zwar noch nicht endgültig dazu geäußert, sie hält jedoch daran fest, daß auf jeden Fall die Wiederzusammenfassung der Division unter Zurückziehung ihrer kämpfenden Teile aus dem Fronteinsatz baldigst erfolgen müsse. (Ia/Ia'XXXXI, 20.00 Uhr; Ia/Ia XXXV., 20.05 Uhr). Darüber hinaus hält es das AOK für richtig, sich im Hinblick auf den zu erwartenden Großangriff bei Kowel und das Nichtvorhandensein größerer feindlicher Angriffsvorzeichen vor der eigenen Front schont jetzt auf die Abgabe noch weiterer Verbände einzustellen. Es scheint allerdings nicht mehr möglich zu sein, falls noch eine weitere Division gefordert werden sollte, die jetzige HKL im vollen Umfang aufrechtzuerhalten, so daß gegebenenfalls die Genehmigung zu einer Frontverkürzung höheren Orts beantragt werden müßte, um nicht eine Überdehnung der Armeefront, herbeizuführen, die eine erfolgreiche Abwehr selbst bei schwächeren feindlichen Angriffen nicht mehr gewährleisten würde (Chef in der Chefbesprechung 16.5.44, 18.00 Uhr). Aus diesen Überlegungen wird heute vorsorglich die beschleunigte Vervollkommnung und Herrichtung einer an sich im wesentlichen bereits ausgebauten Sehnenstellung zwischen der Beresina und Rogatschew (Elch-Primel-Stellung) befohlen (s. Anl, VII 1 und Stellungsbaukarte in der Beilage des A.Pi.Fü. zum KTB). Die Geschäfte des Ia der Armee sind heute vom Ic, Major i.G. Kesselheim übernommen worden. |
| 18.5.1944 | KTB 9.Armee. Im Zuge der beabsichtigten Wiederzusammenfassung der 707.I.D. wird dem Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. befohlen, das in seinem Abschnitt eingesetzte G.R.727 bis zum 20.5. aus der Front herauszulösen. Das beim XXXV.A.K. befindliche G.R.747 bleibt dagegen - im Einverständnis mit der Heeresgruppe - vorläufig noch im Einsatz (Chef/ Chef H.Gr., 19 Uhr). Infolge des beträchtlichen Ausfalls an s.Qu.-Nachrichten und mangelnder Luftaufklärungsergebnisse ist die Feindlage vor der Armeefront teilweise undurchsichtig geworden. Das AOK gibt deshalb heute wieder einmal Aufklärungsforderungen an die Gen.-Kdos. heraus, wonach durch kampfstarke Stoßtrupps versucht werden soll, den Verbleib der in letzter Zeit nicht mehr bestätigten Feinddivisionen festzustellen (s.Anl. IV 3 und 4). |
| 23.5.1944 | KTB 9.Armee. Im gesamten rückwärtigen Armeegebiet hat in der letzten Zeit die Bandentätigkeit wieder in erheblichem Maße zugenommen; sogar aus der unmittelbaren Nähe von Bobruisk werden Überfälle gemeldet (s.Anl. VII 6), bei denen es sich zweifellos um Ausstrahlungen des wieder erstarkter Bandenzentrums in den Wäldern um Klitschew und Gorodez handelt, dessen Ausräumung nun schon mehrmals mit den zur Verfügung stehenden beschränkten Kräften versucht wurde, infolge des Ausweichens der Banden in das rückwärtige Gebiet der 4.Armee aber stets ohne nachhaltiges Ergebnis geblieben ist. (Ähnliches gilt für die Säuberung des Gebiets nördlich Marina-Gorka). Des AOK wendet sich deshalb mit der Bitte an die Heeresgruppe, für eine ausreichende Mitwirkung der 4.Armee an dem demnächst im Raume Gorocez geplanten Unternehmen Sorge zu tragen, was auch zugesagt wird (Chef/Chef H.Gr. 19.35 Uhr). Zur vorläufigen Abschirmung des Befestigungsbereichs Bobruisk nach Nordosten wird eine Verlegung der Unterkunftsbereichsgrenze zwischen dem XXXV.A.K. und dem Bezirk des Festen Platzes vorgenommen, wodurch eine dichtere Belegung der Ortschaften herbeigeführt und damit eine Verstärkung der Sicherungen zwischen der Beresina und der Straße Bobruisk - Mogilew ermöglicht wird (Einzelheiten s.Anl. VII 7). Beim Unternehmer "Moorbad" kommt es auch heute wieder nur zu geringer Gefechtsberührung mit den Banditen, deren Mehrzahl nach Einwohneraussagen - offenbar wieder einmal rechtzeitig durch ihren Kundschafterdienst gewarnt - angeblich bereits am 18.5., also schon einen Tag vor Beginn des Unternehmens nach Süden abgezogen sein soll. Der neue Armeeführer, Gen.d.Inf. Jordan, begrüßt heute in einem kurzen Appell die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Armeeoberkommandos. Morgen wird er sich zu einer Besprechung der Oberbefehlshaber zur Heeresgruppe begeben, wobei u.a. auch die Frage der 707.I.D. nunmehr endgültig entschieden werden soll. |
| 25.5.1944 | KTB 9.Armee. Kurz nach Mitternacht trifft die fernschriftliche Bestätigung des bereits gestern bei der Armeeführerbesprechung gegebenen Befehls der Heeresgruppe zur Wiederzusammenfassung der 707.I.D. unter Herauslösung der noch eingesetzten kämpfenden Teile aus der Front ein (s.Anl. V 1). Die Division soll zur Verfügung der Heeresgruppe versammelt und dann einer anderen Verwendung zugeführt werden. Das AOK befiehlt daraufhin - abgesehen von der nunmehr notwendig werdenden Ablösung des G.R.747 beim XXXV.A.K. - die Versammlung der Division in den Räumen Bobruisk, Sluzk, Minsk und Ossipowitschi (s.Anl. IV 1), da beabsichtigt ist, sie, wenn möglich, vor ihrem Abtransport noch zu einem im Raum südl. Marina Gorka geplanten größeren Bandenunternehmen einzusetzen (Chef/Chef H.Gr.,10.40 Uhr). Leider teilt die Heeresgruppe schon am Abend mit, daß ein Regiment der Division zur Überbrückung einer Ablösung am Südflügel der 4.Armee benötigt werde und unverzüglich dorthin in Marsch gesetzt werden müsse (Chef H.Gr./Chef, 23.35 Uhr). Das AOK bestimmt dazu das beim XXXXI.Pz.K, befindliche G.R.727, da dieses Rgt. nicht mehr in der Front steht und deshalb trotz größerer Entfernung schneller verladebereit sein wird, als das noch eingesetzte G.R.747. Morgen in aller Frühe soll der Abtransport stattfinden (s.Anl. X: Ia/O.Qu., 26,5.44, 0.00 Uhr; Id/01 XXXXI, 1.05 Uhr).Das Bandenunternehmen gelenkt das AOK trotzdem durchzuführen (Id/ Korück, 1.10 Uhr; s. dazu Anl. IV 1a). Die Wegnahme der 707.I.D. aus ihrem bisherigen Einsatz in bezw. dicht hinter der Front hat zwangsläufig eine erneute Verringerung der Reserven zur Folge, die gerade in der derzeitigen Lage der Armee als besonders bedenklich angesehen werden muß. Es ist dabei nicht allein die dünne Besetzung der HKL, die ein Vorhandensein möglichst zahlreicher, zum sofortigen Einsatz bereitstehender Reserven fordert, sondern auch die Tatsache, daß mit feindlichen Fesselungsvorstößen an sehr zahlreichen Stellen der Armeefront gerechnet werden muß, wobei erschwerend hinzukommt, daß die bisher als wahrscheinlichste Ansatzpunkte des Gegners erkannten Frontabschnitte sich fast über die gesamte Armeefront verteilen. Die im Hinblick auf die bevorstehende Abgabe der 707.I.D. heute vom AOK befohlenen Maßnahmen verfolgen deshalb wieder den Zweck, die damit verbundene Einbuße an Abwehrkraft durch Erhöhung der Querbeweglichkeit der noch vorhandenen Kräfte weitmöglichst auszugleichen. Dazu wird den Gen.Kdos. aufgegeben, in jedem Divisionsabschnitt Stellungen für je 2 leichte und eine schwere Verstärkungsartillerie-Abt. schon jetzt vorausschauend zu erkunden, zu vermessen und auszubauen, um im Falle einer Verschiebung von Artillerieeinheiten deren baldige Feuerbereitschaft zu gewährleisten (s.Anl. VII 2). Weiterhin wird dem Z.Zt. an der Südfront des XXXV.A.K. eingesetzten s.Gr.W.Btl.19 befohlen, Stellungs- und Wegeerkundungen im Raume des Brut-Brückenkopfes und im Schwerpunktabschnitt südl. der Beresina durchzuführen. Die Gen.Kdos. erhalten ferner die Weisung, die Frage einer weiterer Herauslösung von infanteristischen Reserven aus der HKL zu prüfen und sie vorzubereiten: unter den gegenwärtigen Umständen muß zugunsten der Reservenbildung sogar eine neuerliche Schwächung der Front mit in Kauf genommen werden (s.Anl. IV 2). Das AOK richtet heute einen Antrag an die Heeresgruppe, in dem auf die Bedenklichkeit der schon seit Monaten bestehenden Verknappung der MG-Munition nochmals hingewiesen und vorgeschlagen wird, lieber auf eine gewisse Menge von Art.Munition zu verzichten, als die derzeitige Knappheit an Inf.Munition weiter andauern zu lassen, d.h. gegebenenfalls für eine Verlagerung in der heimischen Munitionsfertigung einzutreten. Es wird darin betont, daß durch die infolge des Mangels an MG-Munition vorhandene Behinderung des infanteristischen Abwehrkampfes eine offensive Führung der Abwehr immer mehr in Frage gestellt und deshalb auf die Dauer eine Beeinträchtigung des Überlegenheitsgefühls der Grenadiere unvermeidbar sein würde. Um wenigstens eine vorläufige Besserung zu erzielen, bittet das AOK um eine einmalige Sonderzuweisung an MG-Munition (s.Anl. V 2) . Im rückwärtigen Gebiet wird das Unternehmen "Moorbad" mit einem nochmaligen Durchkämmen der Wälder beendet. Die erzielten Erfolge sind wiederum nur gering. |
| 27.5.1944 | KTB 9.Armee. Das heute nacht beim XXXV.A.K. herausgelöste G.R.747 (707.I.D.) befindet sich auf dem Eisenbahntransport nach Minsk. Die endgültige Festlegung des Kampfplanes für das Bandenunternehmen südlich Marina Gorka soll morgen in einer Besprechung bei Korück, an der außer den Führern der beteiligten Einheiten auch der Armeechef teilnehmen wird, erfolgen. |
| 29.5.1944 | KTB 9.Armee. Um dem Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. die .befohlene Herauslösung weiterer infanteristischer Reserven zu ermöglichen, erhält das LV.A.K. Befehl, in der Nacht vom 30./31.5. einen Btl.-Abschnitt am Südflügel des XXXXI.Pz.K. zu übernehmen. Nach Rückkehr des DFB 129, das an dem Bandenuternehmen "Pfingstrose" teilnimmt, soll dann ein ganzes Rgt. der 120.I.D. (G.R.430) aus der Front gezogen werden (siehe Anl. IV 1). Am späten Abend ruft der Chef der Heeresgruppe den Armeechef an und teilt mit, daß das OKH die Abgabe des Kampfraumes Kowel (LVI.Pz.K.) ar die Heeresgruppe Nordukraine angeordnet habe. Durch diese Grenzverlegung verliere die Heeresgruppe Mitte die Masse ihrer Reserven. Um deren Neubildung zu ermöglichen, werde die Herauslösung weiterer Verbände, aus der Heeresgruppenfront erforderlich sein; die 9. Armee müsse sich deshalb auf die Herauslösung, einer Division schon jetzt einstellen, und zwar sei an die 102.I.D. gedacht, da bei dem gegenwärtigen Feindbild eine Schwächung des südlichsten Armeeabschnitts noch am ehesten tragbar erscheine. Der Armeechef antwortet, daß das AOK in diesem Falle zur wenigstens teilweisen Deckung des entstehenden Ausfalls die Belassung bezw. Zuführung der 707.I.D. sowie von Artillerie-, Pionier- und Baueinheiten für dringend notwendig halte. Eine Entscheidung sowohl über die Abgabe der Division als auch über die Möglichkeit eines Teilausgleichs fällt noch nicht, sie dürfte wohl auch erst in einigen Tagen zu erwarten sein. |
| 30.5.1944 | KTB 9.Armee. Bei fortdauernder Kampfruhe vor der Armeefront scheint sich - vorerst allerdings nur im-unvollständigen Mosaik einzelner Gefangener- und Überläuferaussagen erkennbar - im Feindbild eine neue Entwicklung abzuzeichnen: mehrere Nachrichten, die in erster Linie aus dem Raum nördl. Rogatschew stammen, deuten darauf hin, daß der Gegner neue Verbände heranführt, die angeblich von den ukrainischen Fronten kommen und Angriffsauftrag haben sollen (s. im einzelnen die Ic-Zwischenmeldung). In Verbindung mit Bandenmeldungen über einen bevorstehenden Angriff einer ukrainischen Armee verdienen diese Nachrichten besondere Aufmerksamkeit. Sie sind jedoch, vor allen örtlich, noch keineswegs eindeutig genug, um schon jetzt bestimmte Abwehrmaßnahmen der Armee auslösen zu können. Das AOK beschränkt sich daher vorerst darauf, seine Vorbereitungen zur raschen Bildung von Abwehrschwerpunkten für diejenigen Frontabschnitte fortzusetzen, die nach der bisherigen Feindbeurteilung am ehesten mit einem Feindangriff zu rechnen haben. Dem LV.A.K. wird deshalb aufgegeben, die schnelle Verschiebung der le.Art.Abt.616 (RSO) sowohl zum Drut-Brückenkopf als auch in den Raun zwischen Beresina und Dnjepr kalendermäßig vorzubereiten. Die Frage der Herauslösung der 102.I.D. kommt heute noch einmal zwischen dem Chef der Heeresgruppe und dem Armeechef zur Sprache (Chef/Chef H.Gr., 11.40 Uhr). Der Chef der Heeresgruppe teilt mit, daß eine Entscheidung des Feldmarschalls auch jetzt noch nicht gefallen sei. Er halte es jedoch für möglich, daß im Falle eines Befehls zur Herauslösung der 102.I.D. der Armee die 707.I.D. belassen werde, da durch die Abgabe des Kampfraumes Kowel ihre geplante Verwendung um Raum Lublin nunmehr entfalle. Auf den Antrag des AOK auf Zuführung von Artillerie als Ausgleich dafür, daß dann das Art.Rgt. der 102.I.D. nur durch eine Art.Abt. der 707.I.D. ersetzt werde, glaubt die-Heeresgruppe allerdings höchstens die Zuführung einer RSO-Abt. in Aussicht stellen zu können. |
| 31.5.1944 | KTB 9.Armee. Die von der Heeresgruppe vorgesehene Herauslösung der 102.I.D. - es ergeht heute bereits der Befehl, ein Rgt. der Division aus der Front zu ziehen (s.Anl. V 1) - würde im Verwirklichungsfalle nach Ansicht des AOK nicht allein eine weitere Verschlechterung des allgemeinen Kräfteverhältnisses zwischen Freund und Feind nach sich ziehen, wie es bei der bisherigen Abgaben von Divisionen der Fall war, sondern wegen der schon großen Abschnittsausdehnung die Sperrwirkung der Front so schwächen, daß eine operative Gefährdung der Armeeflanke einträte, zumal jetzt von der Heeresgruppe betont wird, daß nicht nur kein Ersatz für das erste herauszulösende Regiment zu erwarten, sondern daß auch mit einer Belassung der 707.I.D. nicht zu rechnen sei (Ia H.Gr.Mitte/Ia, 17.05 Uhr). Angesichts der vorhandenen und vermutlich in Bildung begriffenen Feindschwerpunkte, die die Aufrechterhaltung der bisher getroffenen Vorbeugungsmaßnahmen gegen überraschende Angriffe unbedingt fordern (ins besondere gegen einen Angriff auf die Sperrstellung, die das XXXV.A.K. an der Bahnlinie Gomel - Kalinkowitschi durch das Festhalten am Knotenpunkt Shlobin einnimmt), und insbesondere im Hinblick auf die wahrscheinliche, wenn auch in ihrer Bedeutung noch nicht voll zu übersehende Neubildung eines größeren feindlichen Angriffsschwerpunkts durch Heranführung der ukrainischen Verbände, würde sich das AOK nach einer Abgabe der 102.I.D. vor die Alternative gestellt sehen, entweder seine Reserven in die Front zu stellen, um eine gewisse Mindestdichte der HKL zu erreichen, oder aber seine Südflanke weitgehend entblößt zu lassen, wobei die letztere Möglichkeit allerdings nur für beschränkte Zeit Aussicht auf Erfolg bietet, denn es muß damit gerechnet werden, daß der Gegner die Flankendeckung seines Großaufmarschs südlich des Pripjet offensiv führen wird und dann kraft seiner zahlenmäßigen Überlegenheit in den Sumpfwäldern nördl. des Pripjet nur zu leicht zu Erfolgen kommen kann, die für die Gesamtfront schwerwiegende Auswirkungen haben würden (Chef in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Aus diesen Erwägungen und insbesondere im Hinblick darauf, daß z.Zt. zwischen dem OKH und der Heeresgruppe noch Besprechungen im Gange sind, die allgemein die Frage der Neubildung von Reserven hinter der Heeresgruppenfront zum Gegenstand haben, schlägt das AOK seinerseits der Heeresgruppe vor, es. zunächst an Stelle der ganzen 102.I.D. mit der Herauslösung je eines Rgts. aus den Abschnitten des XXXXI.Pz.K. und des XXXV.A.K. bewenden zu lassen und darüber hinausgehende Maßnahmen erst nach weiterer Klärung des Feindbildes anzuordnen. Zur Frage der Aufstellung der Granatwerferkompanien wird den Gen.Kdos. heute eine die bisherigen Weisungen schärfer formulierende Anordnung des neuen Oberbefehlshabers bekanntgegeben, des Inhalts, daß an eine Zusammenziehung der m.Gr.W.Kpn. im Hinblick auf die dabei sich ergebenden taktischen Schwierigkeiten nur in ganz besonderen Notlagen gedacht sei, dh., daß das AOK zur Schwerpunktbildung im allgemeinen nur auf die s.Gr.W.Kpn. zurückzugreifen gedenke. Zur Sicherstellung eines genügend großen Munitionsvorrats für diese wird gleichzeitig eine scharfe Drosselung des Verschusses von schw. Wurfgranaten befohlen (s.Anl. IV 1). |
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