| Kriegstagebuch Juni 1940 | |
| 5.6.1940 |
11./Inf.Rgt.185. Obschtz.Sachs Walter, gefallen Villers-Bretonneuse, konnte nicht geborgen werden, lag zuletzt am Bahndamm; |
| 13.6.1940 |
Der Einmarsch der Panzer-Jäger-Abteilung 187
in Paris: Am Morgen des 13.6. ist die Schutzstellung vor Paris beiderseits Senlis genommen. Panzer-Jäger-Abteilung 187 - zur Verfügung der Division ostwärts Creil bereitgestellt - erhält den Auftrag, mit einer verstärkten Kompanie als Vorausabteilung über Senlis durch den großen Forst von Chantilly bis La Chapelle durchzustoßen. Der Division kommt es darauf an, daß der Austritt aus dem Forst frühzeitig in unserer nand ist. Noch während des Überschreitens des Nonette-Baches in Senlis erhält der Abteilungskommandeur vom Kommandierenden General persönlich einen neuen, zusätzlichen Auftrag: über La Chapelle hinaus vorzustoßen. Dem Korps kommt es darauf an, das Höhengelände bei St.Witz frühzeitig in die Hand zu bekommen. Kurz hinter La Chapelle, auf der großen breiten Straße nach Paris - 30 km vor Paris! - überholt der Armeeführer die Vor=ausabteilung. Nochmals wird der Auftrag erweitert: Der Armee kommt es darauf an, sich heute noch in Besitz eines Ourcq-Uberganges ostwärts Paris zu setzen. Am Abend des 13.6. hat die Abteilung auch diesen letzten Auftrag erfüllt: Nach Beseitigung schwächeren feindlichen Widerstandes vor Louvres, in Roissy-en France und vor Villepinte ist es der Vorausabteilung gelungen, am späten Nachmittag in Sevran einzudringen. Kurz vor Mitternacht ist nach stundenlangem Kampf mit einem sich zäh und geschickt verteidigenden Gegner die Brücke über den Ourcq-Kanal südlich Sevran in unserer Hand. Die Abteilung selbst wird für die Nacht in Villepinte zusammengezogen und steht bereit, um am 14.6. weiter nach Süden auf die Marne vorzustoßen. Die 2.Kompanie hat die 1. in Utran abgelöst und hält den Ourcq-Übergang offen. Der Gegner ist ausgewichen. In der Dacht vom 13./14. kommt der überraschende Befehl: "Die Division setzt am 14.6. den beabsichtigten Vormarsch nach Süden nicht fort. Sie dreht nach Westen ab und besetzt Paris!" |
| 14.6.1940 |
Der Einmarsch der Panzer-Jäger-Abteilung 187
in Paris: Paris! Mit stolzer Freude haben wir es schon gestern nachmittag weit rechts von uns liegen sehen. Das schlanke Gitterwerk des Eifelturms, das sich mit jedem Kilometer, den wir weiter nach Süden vorstoßen, höher am Horizont emporreckt, die mächtige grellweiße Kuppel der Sacre Coeur. Und nun soll uns selbst die Ehre und Freude zuteil werden, als erste Truppe einzuziehen in die Hauptstadt des Feindes! ln den frühen Morgenstunden stehen die Kompanien bei Sevran und Bondy bereit. Und das Wasser desselben Kanals, um dessen Besitz die Panzerjäger noch vor wenigen Stunden gekämpft und geblutet haben, dient jetzt dazu, die dicke Staubkruste der letzten gewaltsamen Vormarschtage von Mann und Fahrzeug abzuspülen. Um 900 Uhr gibt der Divisionskommandeur in Bondy persönlich die Einmarschbefehle an die versammelten Kommandeure der Divi=sion aus. Die Panzer-Jäger-Abteilung erhält den Auftrag, als erste in das Zentrum von Paris vorzustoßen und die wichtigsten Gebäude zu besetzen. Geschlossen tritt die Abteilung in langer Marschkolonne, Reihenfolge Stab, 1., 2., Gefechtstroß, 3.Kompanie, ihren Marsch an. Die östlichen Vorstädte Noisy le LEc, und Montreuil werden in rascher Fahrt durchquert. Überall das gleiche Bild: Die Bevölkerung starrt staunend und ungläubig auf die anrollende Kolonne, wie erstarrt vor Schreck. Dann ein allgemeines Flüchten. Die Mütter reißen ihre Kinder von der Straße, Türen und Fenster werden zugeschlagen. Und als nichts geschieht, kein Schuß fällt, die Kolonne ruhig weiterrollt, kommt es wieder aus allen Gassen und Türen neugierig hervorgequollen und Menschen umsäumen rechts und links die Straße. Place de la Nation, Place de la Bastille - wir nähern uns dem Stadtkern. Vor dem Rathausplatz (Hotel de Ville) fährt die Abteilung geschlossen auf. Der Abteilungskommandeur begibt sich ins Rathaus zum Präfekten. Offenbar ist der Besuch erwartet. Diener reißen die breiten Flügeltüren auf: Der Herr Präfekt läßt bitten! Ein kurzer, knapper Gruß auf beiden Seiten: "Ich habe die Ehre, als Kommandeur der ersten, die Stadt Paris besetzenden Truppe, Ihnen Herr Präfekt einen Befehl meines Divisionskommandeurs zu überbringen". Monsieur, der Präfekt, ein kleiner schmächtiger Mann, kalkbleich und nur mit Mühe die Fassung bewahrend, nicht kurz und hastig mit dem Kopf. Der begleitende Dolmetscheroffizier tritt vor und setzt ihm im höflichsten Philologen-Französisch auseinander, daß er zu einer bestimmten Zeit auf dem Divisionsgefechtsstand erwartet würde. Eine knappe Verbeugung auf der einen, ein ebenso knapper militärischer Gruß auf der anderen Seite. Ein Augenblick von historischer Bedeutung ist vorüber - Inzwischen hat die 2.Kompanie auf dem Rathausplatz ihre Geschütze in Stellung gebracht und sichert die Nordausgänge und die Brücke zur Seine-Insel. Der Kompaniechef läßt auf dem Rathaus die Trikolore niederholen und feierlich wird die Hakenkreuzfahne gehißt. Kopf an Kopf drängt sich die Menschenmenge um den Rathausplatz und sieht mit einer merkwürdigen.Mischung von Neugierde und Trotz diesem egschichtlicnen Schauspiel zu. Als das Hakenkreuz langsam am Flaggstock hochsteigt, geht es wie ein halblautes Stöhnen durch die Menge. Am Pont d'Arcole Befehlsausgabe. Die einzelnen Kompanien werden - in Ermangelung von Stadtplänen - "nach dem Gelände" in ihre Besetzungsaufgaben eingewiesen. Die 2.Kompanie erhält außer dem Rathaus noch die Ile de la Cite mit Justizpalast und Polizeipräsidium zugewiesen. 3.Kompanie besetzt den Quai d'Orsa.y und das Regierungsviertel mit Abgeordnetenhaus (Chambre des Departes) und den zahlreichen Ministerien. Vor der deutschen Botschaft zieht eine Ehrenwache auf. 1.Kompanie besetzt die Kriegsakademie, die Kasernen am Camp de Mars und den Eiffelturm. Abteilungsgefechtsstand ist befehlsgemäß der Invalidendom. Die Kompanien rücken in die ihnen zugewiesenen Räume ab. Der Abteilungskommandeur begibt sich zum Polizeipräsidenten. Dort spielt sich etwa die gleiche Szene wie beim Präfekten ab. Um 1200 Uhr meldet der Abteilungskommanduer auf dem Platz de la Concorde dem Divisionskommandeur die vollzogene Be=setzung der Innenstadt. Im Gebäudekomplex des Invalidendoms befindet sich auch das Stabsquartier des Gouverneurs von Paris. Diesen sucht der Abteilungskommandeur im Auftrag des Chefs des Stabes beim Militärbefehlshaber Paris gegen 1400 Uhr auf und überbringt ihm die Aufforderung, sich 1600 Uhr beim Divisionskommandeur zur Durchführung der Übergabeverhandlung zu melden. General Dentz, der erst vor wenigen Tagen sein Amt übernommen hat, windet sich in formellen Bedenken. Er stehe mindestens im Range eines Kommandierenden Generals. Wenn er nun auch seinerseits bereit sei, dann ergeben sich dennoch weitere Schwierigkeiten. Führe er in seinem Dienstwagen mit seiner Dienstflagge als Gouverneur von Paris durch die Stadt, dann sage die Bevölkerung von Paris: ein französischer General in Freiheit? Das ist ein Verräter! Den Vorschlag, des Abteilungskommandeurs, in seinem deutschen Dienstwagen zum Hotel Grillon zu fahren, lehnt er ab: Dann glaube die Bevölkerung von Paris, er sei ein Gefangener, und das sei er nicht. Er sei freiwillig in PAris zurückgeblieben, um die offene Stadt zu übergeben. Einen annehmbaren Gegenvorschlag ist er nicht imstande zu machen. Er erschöpft sich immer wieder in Bedenken formeller Natur und bittet um Rücksichtnahme auf seine peinliche Lage. Die Versuchung liegt nahe, ihn hinzuweisen auf die unwürdige Behandlung des Generals von Winterfeld vor 22 Jahren im Wald von Compiegne. Nach verschiedentlichem Hin und Her wird ihm eine Verschiebung der Übergabeverhandlung auf 2200 Uhr - nachdem die Straßen von Paris nach Zapfenstreich von der Zivilbevölkerung geräumt sein müssen zugebilligt. Auf seinen Wunsch begleitet ihn der Abteilungskommandeur auf der Fahrt ins Hotel Grillon. |
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