Abschlußbericht
über die Vorgänge auf der Krim im April 1 9 4 4 .
I. Darstellung des Sachverhaltes.
A. Zeit der Vorbereitungen.
1.) Die 17.Armee übernahm nach Räumung des
Kuban-Brückenkopfes den Befehl auf der Krim, die bis dahin unter einem
Befehlshaber Krim der
Heeresgruppe A
unmittelbar unterstanden hatte.
Ein Befehl der
Heeresgruppe, der der 17.Armee ihre nächsten und späteren Aufgaben, weitere
Absichten und Planungen eindeutig zuwies,
ist in den
Unterlagen nicht vorhanden, der Oberbefehlshaber der 17.Armee gibt an, daß er
einen solchen Befehl auch nicht erhalten habe.
Trotzdem bestand
für ihn kein Zweifel darüber, daß der 17.Armee die Verteidigung der Krim als
Aufgabe zufiel. Er hatte den festen Willen,
diese Aufgabe zu
lösen und war der Überzeugung, daß dies aus militärpolitischen Gründen,
insbesondere mit Rücksicht auf die Auswirkungen
auf den Balkan und
die Türkei, auch notwendig sei.
Die Armee hielt
aber für eine aussichtsreiche Verteidigung der Krim gewisse Voraussetzungen für
erforderlich, sie lagen in einer
entsprechenden
Ausstattung mit personellen und materiellen Kräften.
Vor der
Befehlsübernahme durch die Armee spielten Fragen der Krim-Verteidigung keine
vordringliche Rolle, da praktisch nur die Abwehr
von
Landungsversuchen in Frage kam. Für die Verteidigung der Halbinsel wie sie
später erforderlich wurde, war daher nichts vorbereitet,
selbst in der
Festung Sewastopol waren die früheren Verteidigungsanlagen nicht wieder
instandgesetzt.
2.) Im Gegensatz zu dar Einstellung und dem
Willen dar Armee waren bei der Heeresgruppe andere Auffassungen und Störungen
vorhanden.
Die Heeresgruppe
beurteilte die Lage dahin, daß ein Angriff des Gegners auf die Krim ein
operativer Fehler sei und rechnete daher nicht mit
ihm.
Der
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe brachte im Gedankenaustausch und
Schriftwechsel wiederholt zum Ausdruck, daß er die Bemühungen der
17.Armee zur
Verstärkung der Krim-Verteidigung nicht verstehen und anerkennen könne. Er
machte dem Oberbefehlshaber der Armee gewissermaßen
Vorwürfe, daß er
sieh für die Verteidigung stark mache, anstatt sich auf die Räumung
einzustellen.
Das Interesse der
Heeresgruppe galt in erster Linie anderen Stellen ihrer Front, die sie für
wichtiger hielt, und die sie mit allen ihr zur
Verfügung stehenden
Mitteln zu stärken bestrebt war. Bei einer Besprechung am 22.5. äußerte sich der
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe noch
einmal dahin, daß
er an Stelle des Oberbefehlshabers auf der Krim sich vor allen darauf einstellen
würde, die günstigsten Voraussetzungen für
eine früher oder
später voraussichtlich doch notwendig werdende Räumung zu erhalten und dafür
alle verfügbaren Kräfte zu sparen (vgl.Anl.1,
Schreiben des
Oberbefehlshabers der 17.Armee vom 23.5.44, Ia Mr. 26/44 g.K.Chefs. unter Ziff.1
d).
Diese
gegensätzlichen Auffassungen von Heeresgruppe und Armee kamen im Laufe der
folgenden Monate in verschiedenen Auseinandersetzungen immer
wieder zum Ausdruck
und führten zum Teil zu erheblichen Spannungen.
Inwieweit dieser
Standpunkt der Heeresgruppe durch die Gesamtlage im Heeresgruppen-Bereich
begründet und daher berechtigt war, kann von hier
aus abschließend
nicht beurteilt werden; es ist dies eine Frage der obersten Militärischen
Führung und nur von ihr endgültig zu entscheiden.
3.) Immerhin liegt aber in dieser
gegensätzlichen Einstellung der Heeresgruppe der Grund, daß die Armee für die
Krim-Verteidigung nicht die Stütze
an der Heeresgruppe
finden konnte, die sie für die ihr gestellte schwere Aufgabe für notwendig
hielt. Kräfte, die zugesagt waren und mit denen
die Armee rechnete,
kamen zum Teil nicht, sondern wurden an anderer Stelle eingesetzt (vgl. Anl.2,
Aktennotiz über Vortrag Armee-Chef bei Chef
Gen St d H von
28.2.44 unter I Abs.3).
Urlauber und
Genesene aus Truppenteilen der Krim wurden auf dem Festland durch die
Heeresgruppe festgehalten und anderen Divisionen zugewiesen.
Es wurden z.B.
allein in die 370.I.D. 2500 Urlauber der 17.Armee eingereiht, die bis heute noch
nicht wieder zurückgekehrt sind.
Bei geschlossen auf
die Krim überführten Verbänden blieben Teile auf dem Festland zurück
(vgl.Anl.3). Die 73.und 111.I.D. wurden ohne Teile
der Artillerie und
ohne Kraftfahrzeuge in die Krim hineingeflogen.
Ein auf Antrag der
Armee bereits zugesagtes und im Antransport befindliches Polizei-Regiment wurde
im letzten Augenblick anderweitig eingesetzt.
Bei dieser
Entwicklung konnte es nicht ausbleiben, daß sich die Armee enttäuscht,
benachteiligt und als Nebenkriegsschauplatz, auf den es nicht
so sehr ankomme,
behandelt fühlte.
Auch die äußerst
seltene persönliche Fühlungnahme der maßgebenden Persönlichkeiten der
Heeresgruppe mit der Armee wurde in zunehmendem Maße als
bitter empfunden.
4.) Trotzdem blieb die Armee aus ihrer
Überzeugung heraus bei der früheren Auffassung, die Krim mit allen Mitteln zu
verteidigen. Sie versuchte, aus
den vorhandenen
Kräften herauszuholen, was möglich war, um in weitgehendem Maße zu
improvisieren. Wie sehr sie sich bemühte, die Verteidigung
der Krim auf allen
Gebieten zu stärken, insbesondere die Vorbedingungen hierfür zu verbessern,
ergibt sich u.a. aus folgendem:
a) Die
Armee beantragte mehrmals, den Siwash-Brückenkopf zu bereinigen. Sie erblickte
besonders in diesen Landekopf des Gegners eine ständige,
besonders bedrohliche Gefahr. Diese Gefahr wuchs im Laufe der Zeit mit den
zunehmenden Angriffsvorbereitungen des Feindes. Die Armee wollte
nicht passiv abwarten, sondern durch Angriff eine aussichtsreiche Grundlage für
die Verteidigung der Nordfront schaffen (vgl.Anl.4, AOK.17
v.14.3.44 Ia Nr.22/44 g.K.Chefs. unter Ziff.4 und 5).
Die Heeresgruppe verbot den Angriff. Die Armee fügte sich schweren Herzens.
Die Armee hatte sogar beabsichtigt, nach Bereinigung des Siwash-Landekopfes auch
die Einbruchsstelle auf der Perekop-Enge südlich des
Tataren-Grabens durch Angriff zu beseitigen.
b) Die
Armee sorgte dafür, daß die Engen am Nordrand der Krim zu einem tiefgegliederten
Stellungssystem ausgebaut wurden.
Sobald erkannt war, das der Gegner an der Nordfront auch Panzer bereitstellte,
wurden Panzergräben angelegt und gut ausgebaut (vgl.Anl.5,
Stellungbaukarte im Abschnitt der Gruppe Konrad, Stand vom 29.3.44).
Die Verteidigung der Stellungen wurde durch Einbau von Minen verstärkt. Die
Armee befahl, alles, was an deutschen Minen zur Verfügung stand,
in den vorderen Stellungen einzubauen. Bei Sewastopol wurden keine deutschen,
sondern nur mit großen Schwierigkeiten und Gefahren aus alten
feindlichen Feldern ausgebaute feindliche Minen wieder verwendet. Ein als
nachteilig empfundener Mangel blieb bestehen.
Die Armee forderte eine Mineur-Kompanie an; sie wurde im Januar 1944 zugesagt,
kam aber nicht.
c) Die
Armee stellte wiederholt Anträge, ihr Verbände neu zuzuführen. Noch in der
Beurteilung der Lage vom 14.5.1944 forderte sie erneut
2 Divisionen, davon möglichst einen Panzerverband, an; eie konnte sie aber nicht
erhalten (vgl.Anl.4, AOK.17 Ia Nr.22/44 g.K.Chefs, unter
Ziff.5, letzter Absatz und Anl.6, Hinweise des Armeechefs vom 17.5.44 für
Vortrag Major i.G.Siebert unter Ziff.2).
d) Die
Armee beantragte verschiedentlich bis in die letzte Zeit, die Fernaufklärung der
Luftwaffe von der Krim aus anzusetzen. Den Anträgen
wurde nicht stattgegeben.
Auf diese Weise gelang es in den letzten Wochen vor Beginn der feindlichen
Offensive nicht, in die Tiefe des Bereitstellungraumes des
Gegners hinein aufzuklären. Die vorliegenden Ergebnisse, die sich nur auf den
unmittelbar vor der Nordfront liegenden Raum erstreckten,
sah die Armee als unzureichend an.
e) Der
Armee gelang es nicht, das erhebliche Waffenfehl der Divisionen herabzumindern.
Mitte März fehlten bei 5 deutschen Divisionen
z.B. 2844 le.M.G.34 bzw.42, 165 s.M.G., 159 7,5cm Pak usw. (vgl.Anl.7, AOK.17
v.13.3.44,Az.Ia Nr. 1345/44 g.Kdos.)
f) Die
Heeresgruppe befahl, Pferde von der Krim abzutransportieren. Kraftfahrzeuge
wurden nicht mehr zugeführt. Dadurch wurde die Beweglichkeit
der Truppe eingeschränkt.
g) Die
Armee bemühte sich, die Ausbildung der Truppe zu heben. Die Möglichkeiten waren
sehr beschränkt, da alle Teile der Armee eingesetzt
waren und die Inf.Bataillone z.T. Kompanien aus Kanonieren und Troßfahrern
hatten. Erst der Anfang März 1944 erfolgte Antransport der
111.Inf.Division schuf auf weite Sicht bessere Möglichkeiten. Zunächst mußte
diese stark abgekämpfte Division jedoch selbst aufgefrischt
und ausgebildet werden. Nachdem dies Anfang April erreicht war, sollte sie die
98.I.D., die in den Abwehrkämpfen bei Kertsch schwer gelitten
hatte und schon seit den Kämpfen im Kuban-Brückenkopf eingesetzt war, ablösen.
Diese sollte alsdann nach einiger Zeit die 50.I.D. freimachen.
h) Die
Armee wies mit Nachdruck darauf hin, daß die Rumänen Kräfte aus der Krim
zurückzogen. Die Gefechtsstärken der rum.Divisionen sanken im
Laufe der Zeit auf 50% herab. Neue Kräfte wurden nicht zugeführt.
i) Der
Oberbefehlshaber der Armee sorgte von Anfang an dafür, daß sich die von ihm
vertretene Auffassung, die Krim unter allen Umständen zu halten,
bis zum letzten Mann durchsetzte. Er schuf eine reibungslose und außerordentlich
enge Zusammenarbeit mit der Luftwaffe, der Kriegsmarine und
den Rumänen. Er erreichte dadurch, daß alle auf der Krim eingesetzten Teile von
einem einheitlichen Willen beseelt waren und in steter
Hilfsbereitschaft sich gegenseitig stützten. Die Stimmung auf der Krim war als
einwandfrei zu bezeichnen.
k) Die
Armee führte wirtschaftliche Maßnahmen auf weite Sicht durch.
Die Frühjahrsbestellung dieses Jahres wurde auf breiter Grundlage in die Wege
geleitet. Die Armee beantragte am 8.3.44, eine selbständige
Krim= Regierung zu bilden. Sie baute den Selbstschutz der Bevölkerung aus.
„Wehrdörfer" wurden gebildet.
Weitere Planungen lagen auf baulichem Gebiete. So sollte z.B. das Bad Eupatoria
ausgebaut werden. Die große Weinernte des Jahres 1943 und die
Alkoholherstellung wurde nicht verausgabt. Sie mußte jetzt vernichtet werden.
5.) Alle Bemühungen der Armee, die
Kampfkraft der Krim entscheidend zu stärken, blieben bei dem eben geschilderten
Standpunkt der Heeresgruppe ohne
Erfolg.
Deshalb versuchte die Armee sogar über den Kopf der Heeresgruppe hinweg bei
höheren Stellen zum Ziel zu kommen. Auch das mißlang; denn die
Heeresgruppe
verbot, als sie von diesen Versuchen erfuhr, der Armee in schärfster Form, mit
höheren Dienststellen unter Umgehung der Heeresgruppe
zu verkehren.
6.) Am 26.10.1943 gab die
Heeresgruppe - als Folge des feindlichen Durchbruchs bei Melitopol - den Befehl,
die Krim sofort zu räumen. 2 Stunden später
drängte die
Heeresgruppe nochmals auf größte Beschleunigung. Dieser Befehl kam völlig
überraschend, für die Armee war er unfaßbar. Er löste Panik
aus. Lager
wurden vernichtet, ein Kohlenbergwerk bei Kertsch gesprengt.
Im Laufe der
folgenden Nacht wurde nach den Aufzeichnungen im Kriegstagebuch der Heeresgruppe
(vgl. Anl.8) auf Einspruch des Chefs Gen St d H der
Befehl
rückgängig gemacht, da er an höchster Stelle nicht gebilligt worden war. Eine
gewisse Auswirkung blieb aber bestehen.
7.) Am 28.10.1943 wurde die 6.Armee
aus den bisherigen -Stellungen zurückgenommen. Der rechte Flügel (XXXXIV.A.K.)
stand in den Engen nördlich der Krim
und wollte
räumen, ohne etwas zurückzulassen.
Der 17.Armee
standen eigene Kräfte hierfür nicht zur Verfügung, zumal sie Teile der 50.I.D.
in diesen Tagen abgeben mußte. Sie forderte deshalb bei
der
Heeresgruppe ausreichende Kräfte oder, wie bisher, Sicherung der Engen durch
6.Armee. Der Vorschlag der Armee, das XXXXIV.A.K. nach Süden in die
Engen zu
nehmen, wurde abgelehnt.
Im Laufe
verschiedener Ferngespräche meldete schließlich der hingehaltene
Oberbefehlshaber der 17.Armee dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, daß
er befohlen
habe, die Krim zu räumen. Der Grund für diese Eigenmächtigkeit lag, wie er
berichtet, darin, die Heeresgruppe damit zu zwingen, der
Armee die
nötigen Kräfte zu geben. Ernstlich will der Oberbefehlshaber nach seiner Angabe
an die Räumung der Krim nicht gedacht haben.
Wenn auch
diese Episode auf den späteren Verlauf keine ausschlaggebende Bedeutung gewann,
so verdient sie festgehalten zu werden, da der
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, der nunmehr die ausdrückliche Führerweisung
des Haltens der Krim durchzusetzen hatte, aus dem Verhalten des
Armee-Oberbefehlshabers folgern zu müssen glaubte, er habe infolge der
Erinnerung an und infolge der Belastung durch Stalingrad die Nerven verloren.
8.) Anscheinend veranlaßt durch die
Einstellung der Heeresgruppe hatte die Armee vorsorglich 2 Fälle für die Räumung
der Krim gedanklich vorbereitet.
Diese Fälle
waren in Denkschriften niedergelegt und den Kommandobehörden bekannt; die Truppe
hatte jedoch keine Kenntnis davon. Für sie bestand
einzig und
allein der Befehl: Jeder bleibt und kämpft an der Stelle, wo er steht.
Der 1.Fall
betraf die freiwillige Räumung („Gleitboot"), der 2. die Räumung nach Durchbruch
in den Landengen ("Adler"). Die Heeresgruppe war über
beide Fälle
unterrichtet.
Die Räumung
war auf dem Gedanken aufgebaut, in großen Sprüngen sofort bis nach Sewastopol
zurückzugehen, ohne in Zwischenstellungen längeren
Widerstand zu
leisten.
Diese Lösung
ergab sich aus dar Beurteilung des Geländes und dem beiderseitigen
Kräfteeinsatz. Südlich der Landengen befindet sich der sogenannte
"weite Raum"
der Krim, in dem Abschnitte und Flüsse fehlen. Die ganze ungegliederte Steppe
ist eine einzige Rollbahn. Bei trockenem Wetter sind
Bewegungen
nicht an Straßen gebunden. Panzer können überall fahren. Mit den vorhandenen
Kräften der Armee war es wohl möglich, die Landengen zu
halten; im
freien Raum der Krim konnte sie aber einen durchgebrochenen Gegner nicht
abwehren. Für einen solchen Kampf waren die Kräfte nicht
bemessen.
Diese
Auffassung wurde in allen Berichten ausgesprochen. Die Heeresgruppe billigte
sie.
Für die
Führung war es so ein feststehender Begriff geworden, sich so rasch wie möglich
nach Sewastopol abzusetzen, sobald der Gegner an der
Nordfront
wirklich durchgebrochen war. Auf der langen Strecke bis dahin sollte wohl
versucht werden, den Gegner vorübergehend kurz zu stoppen;
es war aber
niemals beabsichtigt, irgendwo längeren Widerstand zu leisten.
Die
Gneisenau-Linie - bewußt „Linie", nicht „Stellung" genannt - sollte eine kurze
Atempause zum Auffangen der eigenen Kräfte ermöglichen.
Ein längerer
Widerstand in ihr war nicht beabsichtigt. Dem entsprach ihre Anlage. Sie bestand
aus einem System von Panzer-Abwehr-Stützpunkten
ohne Tiefe.
Es war keine durchgehende Linie. Der Ausbau war noch weit zurück.
Die
Alma-Linie war überhaupt nicht ausgebaut. Sie sollte dem gleichen Zweck wie die
Gneisenau-Linie dienen.
Beide Linien
waren also nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zu dem Zweck: schnell die
Verteidigungsanlagen der Festung Sewastopol zu erreichen.
Gleiche
Gedanken waren in den Denkschriften und wiederholten Berichten zum Ansdruck
gebracht. Die Heeresgruppe billigte diese Auffassung.
B.Verlauf der Kämpfe vom 8.-13.4.1944.
I.Kurze Lagebeurteilung.
1.) Anfang April 1944 verteidigte die
17.Armee die Krim als Schwerpunkten an den Landfronten bei Kertsch (Landekopf
des Feindes) und in den Engen
im Norden.
An der
Kertsch-Front stand das V.A.K. mit 2 deutschen (73.und 98.) und Teilen von 2
rumänischen Divisionen.
2 deutsche (50.und
336.) und 2 rumänische (10. und 19.)Divisionen waren unter dem XXXXII.Geb.Korps
an der Nordfront eingesetzt; hinter dieser Front
stand als
Armee-Reserve in 2 Regimentsgruppen die 111.I.D. Eine 3.Regimentsgruppe dieser
Division stand mit einer Sturmgeschütz-Batterie im
Flaschenhals von
Feodosia.
In der Festung
Sewastopol waren 7 rumänische Bataillone und 2 deutsche Bau-Bataillone.
2.) Der Gegner bereitete seit Monaten
systematisch und gründlichst den Angriff auf die Nordfront vor. Von Anfang
Januar ab gab die Armee in kurzen
Abständen immer
wieder Hinweise auf das Fortschreiten und die Stärke des feindlichen
Aufmarsches. Die Meldungen nahmen laufend an Eindringlichkeit
und Ernst zu.
Besonders Ende Februar und Anfang März wurde schon die starke Gefährdung der
Front am Siwash-Landekopf und an den Landengen betont.
Der Schwerpunkt des
Angriffs schien sich nach Auffassung der Armee gegen die Perekop-Enge zu
richten. Ausbau von Bereitstellungsräumen,
Artillerie-Stellungen, Panzerboxen und Feuerstellungen für schweres Wurfgerät
wurden erkannt. In den südlich des Tatarengrabens vorspringenden
Sack auf Armjansk
schob der Gegner Artillerie heran.
An den beiden in
den Siwash-Landekopf führenden Dämmen wurde gebaut. Meist vernebelte der Gegner
diese Zufahrtstellen,so daß kein einwandfreies
Bild über den Stand
der Arbeiten zu gewinnen war. Man hatte aber doch den Gesamteindruck, daß
dauernd Bewegungen zur Front heranführten und
besonders starke
Kräfte einschl.Panzer bereitgestellt wurden. Die im Siwash-Brückenkopf
eingesetzten Divisionen wurden noch in letzter Zeit um
2 weitere
verstärkt.
Die allgemeine
Munitionslage und der laufende Nachschub, dabei vor allem die Sorge, sich nicht
frühzeitig zu verausgaben und bei Angriffsbeginn
über einen genügend
großen Vorrat zu verfügen, gestattete nicht, vor dem eigentlichen Angriffsbeginn
die feindl.Vorbereitungen und Bereitstellungen
mit einem
Masseneinsatz an Munition laufend zu bekämpfen und zu zerschlagen.
3.) Am 7.4.1944 war dar neuernannte
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe auf der Krim. Er hatte den Eindruck, daß alles
gut vorbereitet und die
Verteidigung der
Krim auf längere Zeit gewährleistet sei. Er nahm keinen Aniaß, in die von der
Armee getroffenen Vorbereitungen irgendwie
einzugreifen; er
hielt sie für ausreichend.
Der
Oberbefehlshaber der 17.Armee war fest entschlossen,in den eingenommenen und
ausgebauten Stellungen die Krim bis zur letzten Möglichkeit zu
verteidigen.
Die auf Grund des
vermutlichen Feindverhaltens möglichen Fälle waren durchgearbeitet, mit den
Kommandebehörden abgesprochen und die erforderlichen
Vorbereitungen
getroffen.
II. Die Kämpfe, wie sie - vom Standpunkt der 17.Armee
aus gesehen - abliefen.
1.) Nach schwächeren Vorstößen am 6.und 7.4.
begann am 8.4.1944 der seit langem erwartete, entscheidungsuchende Angriff auf
die Nordfront. Der Zeitpunkt
des Angriffs überraschte.
Dies beruhte mit auf der unzureichenden eigenen Aufklärung, die trotz aller
Gegenvorstellungen der Armee nicht von der
Krim, sondern vom
Festland geflogen wurde.
Der Schwerpunkt des
Angriffs lag ursprünglich in der Perekop-Enge bei der 50.I.D. Die im
Siwash-Landekopf stehende 10.rum.Division wurde am 8.4.
zunächst nur schwächer
angegriffen. Nach Abschuß schwerer Wurfkörper in massierter Form und in
stärkster Konzentration (6 - 800 Raketen wurden auf
einmal gezündet) brach
der Gegner in die Mitte der 50.I.D. ein. Die H.K.L. war eingeebnet. Der Gegner
brach in 7 km Breite 2 km tief ein. Armjansk
ging verloren. Die Flügel
der Div. hielten. Die 111.I.D. wurde sofort herangezogen und der Gruppe Konrad
(XXXXIX.Geb.Korps) unterstellt.
Das bereits an der
Ostfront befindliche Regiment der Div. wurde im E-Transport herangefahren. Die
gesamte 111.I.D. sollte die Lage bei der 50.I.D.
wiederherstellen. Der
Südrand von Armjansk wurde von Tellen wieder erreicht, der Angriff blieb dann
aber liegen.
Nachdem die
10.rum.Division bis zum frühen Nachmittag des 8.4. alle Angriffe abgeschlagen
hatte, verlor sie spätnachmittags durch massierten
feindlichen Panzereinsatz
die H.K.L. Ein Versuch, den Feindangriff durch ein Bataillon der 111.Div.
aufzufangen, gelang nur vorübergehend. Das im
Antransport von Feodosia
her befindliche Regiment der 111.Div. wurde deshalb sofort zur Stützung der
10.rum.Div. abgezweigt.
2.) Am 9.4. wurde die 50.I.D. örtlich durchstoßen
und in mehrere Kampfgruppen zersplittert; diese blieben aber stehen, obwohl der
Gegner durch die
Frontlücken durchstieß.
Die Armee hielt die Division in dieser Stellung nicht mehr für abwehrfähig und
befahl daher, sie in der Nacht zum 10. in
den Ishun-Riegel (A I -
Stellung) zurückzunehmen.
Die rum. 10.Division
wurde am 9.4. weitgehend zerschlagen. Nördlich Karanki brachen Panzer durch und
durchstießen auch die Artillerie.
Das rum.Inf.Rgt.23 wich
10 km nach Süden aus. Dem am rechten Flügel der 10.rum.Div. eingesetzten
Pi.Btl.lll gelang es nur vorübergehend, den
Vorstoß des Gegners
aufzuhalten. Das Bataillon wurde hierbei restlos vernichtet.
Die Armee zog ihre letzte
greifbare Reserve, das Jäger-Rgt.Krim, von Feodosia heran, das in die Gegend
südlich Tomaschewka transportiert wurde.
3.) Am 10.4. setzte sieh der Durchbruch bei der
10.rum.Div. fort. Die Div. gab auch den Apelt-Riegel nördl. Tomaschewka
vorzeitig auf. Dadurch wurde
ein Loch aufgerissen,
durch das sofort starke feindliche Panzerkräfte (nach Angabe des Kommandeurs
Jäger-Rgt. Krim 150 Panzer) dichtauf gefolgt
von verlasteter
Infanterie nach Süden und Südosten vorstießen.
Die Armee versuchte, die
entstandene Lücke mit allen Mitteln zu schließen. Sie zog noch 2 weitere
Bataillone des V.A.K. in Richtung Dsankoi heran,
infolge Zerstörungen an
der Bahn durch feindliche Einwirkung kamen diese Btle. jedoch zu spät. Die
111.I.D. sollte von Westen her, das nördl.
Dsankoi sich
bereitstellende Jäger-Rgt.Krim von Süden angreifen. Dieser Angriff kam nicht
mehr zur Entwicklung. Er erfolgte um Stunden zu spät und
blieb liegen. Ein
starker, in den ersten Morgenstunden des 11.4, mit großer Geschwindigkeit
durchgeführter Panzerangriff des Gegners überrollte
das Jäger-Rgt.Krim. Nur
25 Mann fanden sich später wieder zusammen. Der Gegner, der die schwache Stelle
anscheinend erkannt hatte und seine
Verstärkungen dorthin
nachführte, stieß in einem Zuge bis an die Bahnlinie Dsankoi - Ishun vor. Die
vorhandene Abwehr reichte gegen diese in
schnellster Fahrt
angreifenden Panzer-Massen nicht aus. Die Abwehr war vor allen durch fehlende
Sicht (Staub) behindert.
Der Versuch, die
Nordfront zu halten, war nunmehr bis zum letzten ausgeschöpft. Die Armee hatte
alle Reserven verausgabt. Der übermächtige Druck
des Gegners erstickte
nacheinander alle eigenen Versuche, ihn zum Stehen zu bringen. Infolge seiner
größeren Beweglichkeit war der Feind stets
schneller wirksam als die
eigenen zum Gegenstoß angesetzten Reserven.
Zum Auffangen des
feindlichen Stoßes bei der 10.rum.Division wurden insgesamt nacheinander
eingesetzt: 7 deutsche und 3 rum.Bataillone, 7 Batterien,
25 Flakbatterien, 1 4.5cm
und 1 2cm Batterie, 22 Sturmgeschütze.
Die in die Enge von Jshun
zurückgenommene 50.I.D. wurde aM 11.4. ebenfalls stark angegriffeN, sie war fest
in der Hand ihrer Führer und hielt ihre
Stellungen. Auch die
336.i.D. wies in der Tarchan-Stellung alle Angriffe erfolgreich ab.
4.) Durch das Vordringen in die Gegend südlich
Tomaschewka hatte der Gegner bei der 10.rum.Div. den Austritt ans den Engen
erzwungen. Der freie Raum
der Krim lag vor ihm.
Die Armee mußte sich
nunmehr schlüssig werden, ob die Voraussetzungen für die Durchführung des
Unternehmens „Adler" (erzwungene Räumung) gegeben
waren. In der
entstandenen Lage erschien ihr der Entschluß, mit den noch haltenden Teilen
weiter an der Nordfront stehen zu bleiben, einer
Vernichtung
gleichzukommen. Sie entschied deshalb am 11.4., das Unternehmen „Adler" anlaufen
zu lassen. Die Heeresgruppe stimmte zu. Der Führer
genehmigte diese Absicht.
Die Heeresgruppe befahl
darauf (Ia Nr.1449/44 g.K. v. 12.4.44): "Der Führer hat den Anlauf der Bewegung
„Adler"genehmigt. Damit treten die in der
Studie "Adler" d.h. die
erzwungene Räumung der Krim- festgelegten Maßnahmen in Kraft. Die Überführung
aller Angehörigen der 17.Armee erfolgt auf
dem Seeweg mit Masse nach
Buzau."
Damit hatte die
Heeresgruppe über die Zurücknahme auf die erweiterte Festung Sewastopol und
einen entscheidenden Kampf in ihr hinaus den
Abtransport der 17.Armee
nach dem Festland befohlen.
Der Ablauf der
Absetzbewegungen am 11. und 12.4. verlief gemäß der Vorbereitung im allgemeinen
planmäßig.
Die trotz starker
Angriffe haltende 50. und 336.I.D. wurden befehlsgemäß zurückgenommen.
Wie in der Stadie "Adler"
festgelegt, ging die Absicht dahin. In großen Sprüngen zunächst in die Festung
Sewastopol zurückzugehen, um rechtzeitig,
d.h. vor dem Gegner, dort
einzutreffen. Hierfür wurde alles mit größter Energie eingesetzt. Soweit es
möglich war, wurde die Truppe noch
improvisiert beweglich
gemacht; infolge Fehlens von ausreichendem Transportraum konnten jedoch nicht
alle Planungen durchgeführt werden.
Die Absetzbewegung wurde
erschwert und gefährdet durch den starken feindlichen Druck längs der großen
Straße Dsankoi-Simferopol. Es gelang wohl,
durch verschiedene
Kampfgruppen (so Gruppe Schroeder, Gruppe Heidelberg, Gruppe Sixt) dem Gegner
sich mehrmals vorzulegen. Trotz hoher Verluste,
insbesondere
Panzer-Einbußen, umfloß jedoch der Gegner diese Widerstandsgruppen. Unerwartet
starke Panzerkräfte drangen beiderseits der Straße
nach Süden vor. Insgesamt
griffen nach Auffassung bezw. Schätzung der Armee etwa 750 Panzer - meist Kw 1 -
an. Die Armee schoß mit den geringen
eigenen Mitteln in der
Zeit vom 8. - 14.4. 464 Panzer ab.
Am 13.4. wurden die im
Westteil der Krim zurückgehenden Verbände der Gruppe Konrad in der
Gneisenau-Linie nur kurz aufgefangen. Da der Feind an
diesem Tage aber bereits
auf Simferopol vorstieß, bestand die Gefahr, südlich umgangen zu werden. Die
Gruppe Konrad wurde deshalb zum Gegenangriff
südlich Alatsch nach
Südosten angesetzt, um sich Luft zu schaffen und den weiteren Rückweg
freizukämpfen. Die Absicht den Gegner zum Eindrehen nach
Westen zu zwingen und
dadurch von seinen Stoß nach Süden wenigstens vorübergehend abzuziehen, gelang.
Dadurch wurde es der Gruppe Konrad möglich,
am 14.4. über die
Alma-Linie gerade noch rechtzeitig vor dem Gegner die äußeren
Verteidigungslinien der Festung zu erreichen und sie zu besetzen.
Die Eisenbahnlinien
wurden durch Eisenbahnpioniere zu 80% zerstört.
7.) Die Armee betrachtet es als Leistung, daß es
ihr gelungen ist, sieh rasch abzusetzen und möglichst starke Kräfte in die
Festung hineinzufuhren.
Bei einen Stehenbleiben
oder hinhaltenden Widerstand im freien Gelände wäre dem Gegner bei den
Möglichkeiten der Umgehung die handstreichartige
Einnahme der Festung
gelungen.
Nachdem der Gegner durch
die Engen an der Nordfront in den weiten Raum der Krim durchgebrochen war,
erfolgte die weitere Absetzbewegung nach den
gegebenen Anordnungen.
Eine Rückzugspsychose ist nicht in Erscheinung getreten.
II. Würdigung des Sachverhaltes.
A. Stellungnahme zum Verlauf.
1.) Auf Grund der Ermittlungen ist festzustellen,
daß die Armee in den Vorbereitungen alles getan und nichts unterlassen hat, um
dem gestellten
Auftrag, die Krim zu
verteidigen, unter allen Umständen gerecht zu werden.
Die für diese Aufgabe
erforderlichen Maßnahmen und die Innere Beeinflussung und Ausrichtung aller
Angehörigen der Armee, der Übrigen
Wehrmachtteile und des
Gefolges sind erschöpfend vorbereitet und trotz bestehender Schwierigkeiten klar
und zielbewußt durchgeführt worden.
Es muß hervorgehoben
werden, daß die Armee zu keiner Zeit bei der Durchführung des Auftrags
Schwankungen in ihren Auffassungen geneigt hat,
obwohl die Heeresgruppe
eine gegenteilige Auffassung vertrat und die Verteidigung der Krim innerlich als
„verlorenes Geschäft" ansah.
Die wiederholten
Bemühungen der Armee um personelle und materielle Kräfte zeigen den Willen, sich
für die gestellte Aufgabe stark zu machen.
Auch die wiederholt
vorgetragene Bitte, vor allem den Siwash-Landekopf ab einen großen Gefahrenpunkt
durch Angriff zu beseitigen, ist ein Beweis
dafür, daß die Armee
bemüht war, mit allen Mitteln eine brauchbare Grundlage für eine erfolgreiche
Verteidigung zu schaffen.
Auch als diese Anträge
abgelehnt werden mußten, ist die Armee nicht etwa im Gefühl der Resignation von
dem Gedanken der Verteidigung abgegangen;
sie hat vielmehr immer
wieder nach Aushilfen gesucht.
Sie war von der
Überzeugung durchdrungen, trotz der beschrankten Mittel, die ihr zur Verfügung
standen, die Verteidigung der Krim mit Aussicht
auf Erfolg durchzuführen.
Sie faßte die Kräfte auf Schwerpunkte der Verteidigung zusammen. Sie sorgte für
Ausbau der Stellungen in großer Tiefe.
Sie hat u.a. besonders
die Eisenbahn in ihrer Leistungsfähigkeit aufs höchste gesteigert, um als Ersatz
für fehlenden mot. Transportraum
Verschiebungen von
Reserven schnell durchführen zu können.
Ob die Kräftegliederung,
wie sie zu Beginn der Kämpfe von der Armee befohlen und eingenommen war, den
tatsächlich eintretenden Ereignissen in
jeder Hinsicht
entsprochen hat, wird später erörtert. Auf jeden Fall trug sie den in Frage
kommenden Möglichkeiten Rechnung, die sich für die
Armee aus den
vorliegenden Aufklärungsergebnissen und Nachrichten, sowie aus der
Lagebeurteilung ergaben und auch eintreten konnten.
Stimmungsmäßig hatte die
Armee alles darauf abgestellt, die Krim zu verteidigen. Die Truppe kannte nur
den Befehl und lebte in der Überzeugung
die Krim muß bis zum
letzten Mann gehalten werden.
2.) Im Ablauf der Kämpfe blieb der Einbruch des
Gegners in die Mitte der 50.I.D. ohne unmittelbaren Einfluß auf die Verteidigung
der Krim. Es gelang,
den Einbruch zunächst
abzuriegeln. Die Flügel der 50.I.D. blieben stehen.
Die Zurücknahme der
50.I.D. in den A I Riegel entsprach der Lage, denn bei der Aufsplitterung der
Abwehr in verschiedene Kampfgruppen war es
notwendig geworden, die
Division in eine Stellung zu nehmen, aus der sie abwehrfähig weiter die
Perekop-Enge sperren konnte. Es gelang der
Division, in der
Jshun—Stellung alle Angriffe des Gegners abzuwehren.
Von entscheidender
Bedeutung war aber das völlige Versagen der bisher als gut beurteilten und
bewährten 10.rum.Div. am 9.und 10.4. Durch die
frühzeitige und nicht
gerechtfertigte Aufgabe des Apelt-Riegels wurde ein Loch aufgerissen, durch das
der Gegner schell nach Süden tief
durchstoßen konnte.
Die Führung war bestrebt,
unter Heranziehung auch der letzten Reserven und rücksichtsloser Entblößung
nicht angegriffener Frontteile die Enge
wieder zu sperren und
damit ein weiteres Durchströmen des Gegners durch diese Enge in den freien Raum
der Krim zu verhindern. Trotz aller
Bemühungen der Führung
und besten Willens der Truppe gelang dies nicht mehr. Die Panzerkräfte, die der
Gegner hier einsetzte und auf Grund
des ersten örtlichen
Erfolges schnell nachschob, waren unerwartet stark. Infolge seiner größeren
Beweglichkeit war er schneller zur Stelle,
als die herangeführten
eigenen Reserven. Diese mußten einen Kampf mit ungleichen Mitteln führen. Sie
harrten aus und schlugen sich tapfer,
wurden aber - wie die
Verlustziffern beim Pi.Btl.lll, beim Jäger—Rgt.Krim und beim Gren.Rgt.70 zeigen,
- durch die feindliche Überlegenheit
buchstäblich aufgerieben.
3.) Aus der Lage, wie sie nach Durchbruch der
10.rum.Div. in ihrer ganzen Tiefe eingetreten war, entstand die Gefahr, daß die
westlich stehenden
Kräfte (50.und 33.I.D.)
abgeschnitten wurden und damit für den weiteren Kampf der Verteidigung der
Festung überhaupt ausfielen. Daraus ergab
sich für die Armee
zwangsläufig die Notwendigkeit, diese noch haltenden Telle der Nordfront
zurückzunehmen. Da mit den noch vorhandenen Kräften
der Kampf auf breiten
Fronten in der deckungslosen Ebene der Krim noch viel weniger aussichtsreich zu
führen war, als in den schmalen Fronten
der Engen, trat die
Notwendigkeit ein, alles darauf abzustellen, - die schmale und deshalb mit den
vorhandenen Kräften besser verteidigungsfähige
Front der Festung
Sewastopol schnell und rechtzeitig zu erreichen.
4.) Die schnelle Absetzbewegung war also nicht
Ausdruck eines Versagens oder Verzichts der Führung oder gar einer Panik der
Truppe, sondern
entsprach den gegebenen
Anordnungen. Kräftebemessung und Eigenart des Steppengeländes auf der Krim
zwangen zu dieser für sonstige Fülle sicher
auffälligen Lösung. Sie
wurde von allen Konmandobehörden gleichmäßig als richtig anerkannt. Auch die
Heeresgruppe vertrat und vertritt die
Auffassung, daß die Front
sofort bis Sewastopol zurückgenommen werden mußte, nachdem die Engen
durchbrochen waren.
Ein abschnittsweises
Zurückkämpfen schied aus weil die Krim bei trockenem Wetter eine einzige
Rollbahn ist. Haltende Widerstandsgruppen wären
einfach umfahren worden;
für eins zusammenhängende Abwehr fehlten die Kräfte,
Der Verlauf der Kämpfe
nach Aufgabe der Engen hat bei rückschauender Betrachtung der gewählten Lösung
wohl recht gegeben. Bel längerem Kampf
in Zwischenstellungen
bestand die Gefahr, daß der stark bewegliche Gegner unter Durchstoßen oder
Umfassung solchen Widerstandes eher in die
Festung hineinstieß, als
die sich zurückkämpfenden Divisionen sie erreichen konnten. Auch ein längeres
Halten in der Gneisenau-Linie hätte
für den entscheidenden
Kampf um die Festung keine Vorteile gebracht.
B. Zusammenfassung.
Abschließend ist die Frage zu beantworten, auf welchen Ursachen der
Zusammenbruch der Verteidigung der Krim-Nordfront beruht. Die Gründe werden in
Folgendem erblickt:
1.) Bei der gegensätzlichen Einstellung von Heeresgruppe und Armee
zu der Aufgabe, die Krim zu verteidigen, hat die Armee an Kräften personeller
und materieller Art nicht das erhalten, was
sie erwartete und was sie brauchte, um die Verteidigung aussichtsreich
durchzuführen.
Wäre die Heeresgruppe in der Lage gewesen,
mit ganzem Herzen and aller Kraft sich hinter die Armee in ihren Bemühungen um
Verstärkung der Krim
zu stellen, wären die Ereignisse
höchstwahrscheinlich anders abgelaufen.
2.) Die Kräftegliederung entsprach nicht der tatsächlich
eingetretenen Lage. Wenn auch nicht verkannt wird, daß eine
verantwortungsbewußte Führung
sich auf alle Möglichkeiten, die eintreten
können, in irgendeiner Weise einstellen muß, so lag es im damaligen Zeitpunkt
doch nahe, die eigenen
Kräfte von vornherein schärfer als
geschehen an der Nordfront, als dem erkannten Schwerpunkt der feindlichen
Angriffe, zusammenzuhalten.
Nach der monatelangen Vorbereitung des
Gegners war damit zu rechnen, daß der Angriff dicht bevorstand. Wenn auch der
Zeitpunkt des Angriffs
überraschte, die Tatsache, daß der Gegner
in naher Zeit angreifen wollte und würde, war bekannt.
Es wäre deshalb richtiger gewesen,die
111.I.D. an der Nordfront festzuhalten und nicht mehr die Ablösung der 98.I.D.
betreiben zu wollen.
Das eine Regiment der 111.I.D., das bereits
zur Kertsch-Front abgefahren war, ist zwar sofort nach Beginn des Gegenangriffs
zurückbefohlen
worden, es war aber um Stunden später zur
Stelle, als wenn es einsatzbereit an der Nordfront gestanden hätte. Diese
wenigen Stunden sind bei
der wesentlich größeren Beweglichkeit der
feindlichen Kräfte höchstwahrscheinlich mitentscheidend dafür gewesen, daß es
nicht mehr gelang, die
durch den völligen Ausfall der
10.rum.Division aufgerissene Lücke wieder zu schließen.
Auch das Jäger-Rgt.Krim wäre zweckmäßiger
näher an der Nordfront bereitzustellen gewesen. Die zu diesem Regiment erst
kürzlich zusammengefaßten
Bataillone waren bisher an der Nordfront
eingesetzt und kannten die dortigen Verhältnisse. Der Zeitverlust, der durch den
Antransport von Feodosia
her entstand, ließ sich, nicht einholen.
Die Armee betrachtete die Stelle bei
Feodosia als wichtig und gefährdet. Nach F-Qu.-Meldungen beabsichtigte der
Gegner hier zu landen. Angesichts
der Lage an der Nordfront hätte es aber
genügen müssen, hier zunächst mit schwächeren, möglichst rumänischen Kräften aus
der Küstensicherung
auszukommen und durch herantransportierte
deutsche Kräfte (von Kertsch her) gelandeten Feind, erforderlichenfalls im
Gegenstoß, wieder ins Meer
zu werfen.
Ungünstig hat sich auch ausgewirkt, daß die
Gedanken und Maßnahmen der Armee zunächst auf die am 8.4. vormittags
eingetretenen Ereignisse bei
der 50.I.D. eingestellt waren. Durch den
späteren Einbruch bei der 10.rum.Division am 8.4. spätnachmittags und am 9.4.
war eine Umstellung
notwendig. Das führte zu einer weiteren
Verzögerung im Einsatz an Reserven an der Stelle, die sich schließlich durch das
über Erwarten schnelle
Versagen der 10.rum.Division als die
gefährlichste und entscheidende herausstellte.
3.) Führungsmäßig wirkte sich
nachteilig aus, daß unter dem Zwang der Verhältnisse jedes Bataillon sofort in
den Kampf geworfen werden mußte, sobald
es herangekommen war. Die verhältnismäßig
starken eigenen Kräfte,die am 10.und 11.4.bei der 10.rum.Division eingesetzt
wurden, schmolzen -
nacheinander eingesetzt -schnell hin.
Wären diese Kräfte früher zur Stelle
gewesen und schärfer zusammengefaßt worden, wäre es wahrscheinlich gelungen,
durch einen einheitlichen
geschlossenen Angriff, unterstützt durch
Artillerie, Sturmgeschütze usw., den Gegner abzuwehren bezw. durchgebrochene
Teile zu vernichten, bevor
er mit starken Kräften aus den Engen in den
freien Raum dar Krim hineinstoßen konnte.
Ein schärferes Heranhalten aller Kräfte an
die Nordfront, die für den damaligen Zeitpunkt als die entscheidende angesehen
werden mußte, hätte
sicher ein Wagnis für andere, weniger
bedrohliche Fronten bedeutet. Dieses Wagnis mußte aber wohl in Kauf genommen
werden, um an der entscheidenden
Stelle so stark wie nur irgend möglich zu
sein.
Diese Beurteilung fußt allerdings zum Teil
auf der Kenntnis des tatsächlichen Ablaufs der Ereignisse, von der man sich
nachträglich nicht ganz
freimachen kann.
4.) Für den Verlauf des Kampfes in den Engen ist noch von
Bedeutung, daß eine Truppe, die längere Zeit unter ruhigeren Kampfbedingungen
eingesetzt ist,
einer plötzlich eintretenden schweren
Belastung und Beanspruchung durch massierte feindliche Feuerwirkung oder
massierten feindlichen Panzereinsatz
sich zunächst in ihrer Standfestigkeit
empfindsamer und anfälliger, in ihrem Kampfverhalten weniger wendig zeigt, als
eine selbst durch Ausfälle
geschwächte, aber doch innerlich und
äußerlich kampfgewohnte andere Truppe. Diese wiederholt beobachtete Erscheinung
mag auch bei der Haltung der
50.Division zu Beginn des Kampfes und bei
der 10.rum.Division vollends vorgelegen haben. Während es bei der 50.Division
verhältnismäßig schnell
gelang, diesen Zustand zu überwinden und
die Division krisenfest zu machen, ist die 10.rum.Division unter der Belastung
zusammengebrochen.
Daran konnte auch die Tatsache nichts
ändern, daß die Armee bemüht war, in der Zeit vor dem Angriff die Truppe nicht
abstumpfen zu lassen.
Ein Vorwurf, die Truppe sei des Kämpfens
entwöhnt gewesen, ist in dieser scharfen Form nicht berechtigt. Es hat vielmehr
in der Armee rege
Betriebsamkeit geherrscht, um sie auf die
Höhe zu bringen, bezw. auf ihr zu halten.
5.) Die Seele der Betriebsamkeit war der Oberbefehlshaber der Armee
selbst, unterstützt durch seinen frischen und tatkräftigen Chef des
Generalstabes.
Man hat den bestimmten Eindruck, den man im
übrigen im Armeebereich überall bestätigt findet, daß beide Persönlichkeiten in
einer positiven
Grundeinstellung stets festen, klaren
Willen zeigten. Aus langen Unterhaltungen und eingehenden Rücksprachen mit
Befehlshabern und Kommandeuren
hat sich kein Anzeichen dafür ergeben, daß
sie etwa damals oder heute die Nerven verloren hätten oder In der Erfüllung der
gestellten Aufgabe
schwankend geworden sind.
6.) Es haben sich keine Anzeichen dafür ergeben, daß die Führung
den Befehlshabern zu irgendeinem Zeitpunkt entglitten wäre. Es besteht vielmehr
der Eindruck, daß die Führung in jeder
Phase das Kampfes ihren Befehlen Geltung zu verschaffen gewußt und die Truppe
fest in der Hand gehabt hat.
III. Ergebnis.
Aus den gesamten Feststellungen ergibt sich
hinsichtlich der Schuldfrage an dem Zusammenbruch der Nordfront der
Krim-Verteidigung folgendes
Schlußergebnis:
1.) Der Oberbefehlshaber der 17.Armee hat an der Heeresgruppe durch
ihre Beanspruchung an anderer Stelle in der Zeit der Vorbereitung der Abwehr
eines entscheidenden feindlichen Angriffs
auf die Krim nicht die Unterstützung gefunden, die ihm die gestellte Aufgabe
erleichtern konnte.
Er hat selbst alles getan und nichts
unterlassen, um seinem Auftrag gerecht zu werden. Der Oberbefehlshaber hat sich
nach dem vollendeten
Durchbruch des Gegners bei der
10.rum.Division entschlossen, die Armee schnell nach der Festung Sewastopol
zurückzunehmen. Die Heeresgruppe hat
diesen Entschluß gebilligt und
entsprechenden Befehl gegeben.
Daß der Durchbruch gelang, ist auf das
Versagen der 10.rum.Division und auf das verspätete und nacheinander
Wirksamwerden der eigenen
Gegenmaßnahmen an der entscheidenden Stelle
zurückzuführen. Dies hat seinen Grund in der gewählten Aufstellung der Reserven,
die der Lage nicht
gerecht wurde. Diese Gruppierung ist als
Führungsfehler anzusehen.
Danach hat der Oberbefehlshaber weder gegen
gegebene Befehle verstoßen noch Dienstpflichten verletzt.
2.) Der Kommandierende General des XXXXIX.Geb.Korps hat in keinem
Fall gegebene Befehle mißachtet. Er hat die Schwächen der Aufstellung der
Reserven
erkannt und ist rechtzeitig, aber ohne
Erfolg dagegen vorstellig geworden.
Durch die ersten Ereignisse bei der 50.Div.
hat er die ihm zur Verfügung gestellten Reserven der 111.Division an die dort
zunächst entstandene
Einbruchstelle angesetzt und damit
teilweise hier festgelegt. Daraus haben sich später Verzögerungen in den eigenen
Gegennaßnahmen ergeben, als
der Gegner die 10.rum.Division mit dem
Hauptangriff tief durchbrach. - Auch in seinem Verhalten liegt weder ein
Ungehorsam noch eine
Dienstpflichtverletzung.
3.) Der Kommandeur der 50.Infanterie-Division hat mit Teilen seiner
Division vorübergehend eine Krise erlebt, die aber schnell überwunden wurde. Es
ist ihm gelungen, alsbald die Division in
einer neuen Stellung noch in der Perekop-Enge zusammenzufassen und dort
feindliche Angriffe mit Erfolg
abzuwehren. Absetzbewegungen hat er nur auf
Befehl durchgeführt.
Die Voraussetzungen für ein
strafrechtliches Einschreiten liegen daher bei ihm nicht vor.
4.) Dem Kommandeur der 111.Infanterie-Division war infolge
Aufteilung seiner Division in Regiments-Gruppen nicht mehr die Möglichkeit
gegeben, sie
zu einem einheitlichen Gegenangriff
zusammenzuführen und einzusetzen. Er kann daher nicht dafür verantwortlich
gemacht werden, daß ein
zeitgerechtes Auffangen des feindlichen
Durchbruchs nicht mehr gelang.