| Kriegstagebuch Mai 1944 | |
| 1.5.1944 | KTB 9.Armee. In mehreren Besprechungen mit dem Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K. wird die Planung zu der befohlenen Herauslösung der 110.I.D. festgelegt. Sie soll bis zum 10.Mai beendet sein; als teilweisen Ausgleich beabsichtigt das AOK, dem XXXXI.Pz.K. das G.R.727 (707.I.D.) zuzuführen, das zur Zeit noch beim XXXV.A.K. eingesetzt ist (OB/K.G.XXXXI, 10,00 Uhr), allerdings wird dies erst nach dem 10.Mai möglich sein, so daß die Herauslösung der Division vom XXXXI.Pz.K. mit eigenen Kräften bestritten werden muß. Während der Tag - von weiterer lebhafter feindlicher Fliegertätigkeit im Abschnitt des XXXXI.Pz.K. abgesehen - an der Front wieder keine Kampfhandlungen von Bedeutung bringt, nehmen die beiden Bandenunternehmen "Wirbelwind" und "Maiglöckchen" im rückwärtigen Gebiet einen erfolgreichen Verlauf (Einzelheiten s. Anl. II und III). |
| 2.5.1944 | KTB 9.Armee. Zwei örtliche Erkundungsvorstöße, die der Feind heute gegen die inneren Flügel der 45. und 383.I.D. unternimmt, kommen weder der Armee (s.KTB v. 30.4.44) noch dem Gen.Kdo.XXXV.A.K. unerwartet. Auffällig bei diesen Vorstößen, durch die nach Gefangenenaussagen Waffen und Gefangene eingebracht werden sollten, ist die in Verhältnis zum infanteristischen Einsatz starke Feuervorbereitung durch Artillerie und Granatwerfer, wobei die Breite des Vorbereitungsfeuers offenbar die Ansatzpunkte des Unternehmens hat verschleiern sollen. Die feindlichen Stoßtrupps, die in die eigenen Stellungen eingedrungen waren, werden im sofortigen Gegenstoß noch am Vormittag wieder geworfen (Chef XXXV/la, 11.30 Uhr). Der Zeitplan zur Herauslösung der 110.I.D., der der Heeresgruppe heute vorgelegt wird (er sieht vor, daß die Div. bis zum 10.5. aus der Front gezogen, ihre Artillerie allerdings noch in Stellung bleiben soll; s.Anl. V 1), wird von dieser gutgeheißen (Ia H.Gr.Mitte/Ia, 16.10 Uhr). Die Heeresgruppe teilt außerdem mit, daß die Armee auf Grund eines OKH-Befehls ein starkes, bewährtes Inf.-Btl. für eine Sonderverwendung abgeben müsse (Ia XXXXl/Ia 9, 16.30 Uhr). Generaloberst Harpe verläßt heute das A.H.Qu. Er wird vor Übernahme des Oberbefehls über die 1.Pz.Armee noch einen kurzen Urlaub im Reich verbringen. |
| 3.5.1944 | KTB 9.Armee. Die feindliche Unruhe vor der Armeefront hält an. Abgesehen von einem etwa kp.-starken Vorstoß im Abschnitt des XXXXI.Pz.K. der schon vor der HKL im zusammengefaßten Abwehrfeuer zum Stehen gebracht wird, macht sie sich vor allem wieder im Abschnitt des XXXV.A.K. bemerkbar (Einzelheiten s. Anl. II und III), wo sich u.a. das feindliche Art.- und Gr.W.-Feuer auf die inneren Flügel der 45. und 383.I.D. heute fühlbar verstärkt hat. Dies veranlaßt das AOK, die 2./Sturmgeschütz-Brigade 244 als Armeereserve in den Raum nordostw. Plessowitschi (lk.Flügel 45.I.D.) vorzuziehen, um sie für alle Fälle als wirksame Gegenstoßreserve sofort zur Hand zu haben (s.Anl. IV 4). Vom AOK ergeht heute auf Grund des bereits festgelegten Zeitplans der endgültige Befehl über die Herauslösung der 110.I.D. und ihre Bereitstellung als Armeereserve im Raum Protassy - Paritschi. Dem XXXXI.Pz.K. wird, um die Herauslösung der Division zu erleichtern, vom Korück das I./87 und der G.Rgt.Stab 118 am 7.5. wieder zugeführt und das D.F.B.45 bis zum Eintreffen des G.R.727 belassen werden; für. den Fall, daß auch das Art.Rgt. der 110.I.D. sollte herausgezogen werden müssen, ist an die Zuführung des z.Zt. beim XXXV.A.K, eingesetzten A.R.36 gedacht (s.Anl. IV 1 und IV 2, ferner Anl. VII 3 vom 4.5.44). Es wird ferner befohlen, daß das für eine Sonderverwendung abzugebende Btl. von der 110.I.D. gestellt und am 4.5. mit Ziel Konstanza (rumän.- Schwarzmeerhafen) verladen werden soll (s.Anl. IV 3). Die unter Ausnutzung der ruhigen Kampflage an der Front im rückwärtigen Gebiet in verstärktem Umfang durchgeführten Bandenaktionen zeitigen erfreuliche Erfolge. Die Unternehmen "Maiglöckchen" (XXXV.A.K.A.K.) und "Wirbelwind I und II" (Korück) sind mit dem heutigen Tage abgeschlossen worden. Insbesondere "Wirbelwind" hat ein beachtliches Ergebnis gebracht: mehrere hundert Feindtote, zahlreiche Gefangene und größere Beute an Waffen. Vieh und Nahrungsmitteln (Einzelheiten s.Anl. II und VII 2 v.4.5.44). General der Infanterie Wiese, Komm.Gen. des XXXV.A.K., der die stellvertretende Führung der Armee bis zum Eintreffen des neuen Oberbefehlshabers übernimmt, trifft um 11.30 Uhr im A.H.Qu. ein und meldet um 15.20 Uhr die erfolgte Befehlsübernahme an die Heeresgruppe. General Oberst Harpe wird die Führung über die 1.Pz.Armee am 20.5. übernehmen; mit Wirkung vom gleichen Tage ist Gen.d.Inf.Jordan, Komm.Gen. des VI.A.K. (Pz.AOK 3), mit der Führung der 9.Armee beauftragt (s.Anl. VII 4). |
| 4.5.1944 | KTB 9.Armee. Die erfolgreiche Durchführung des Unternehmens "Wirbelwind" findet ihre Anerkennung in einem Befehl des AOK an den Korück, nach dem endgültigen Abschluß des Unternehmens einen seiner Verbände als Lehrtruppe für die Ausbildung von Offizieren und Unteroffizieren im Bandenkampf zu bestimmen (s.Anl. IV 1). Mit Hilfe dieser Lehrtruppe sollen in erster Linie die Bandenjagdkomandos der Divisionen, die in den Unterkunftsräumen der Div.-Versorgungstruppen in einer Stärke bis zu 50 Mann dauernd unterwegs sind, eine zusätzliche Schulung erhalten. Der heute von der Heeresgruppe eingegangene Befehl, die sofortige Abgabe zweier Bau- oder Straßenbau-Pi.Btl. vorzubereiten (APiFü/Ia, 16.25 Uhr), wird von der Armee besonders hart empfunden, weil zum Ausbau der rückwärtigen Stellungen und zur Beseitigung von Winterschäden an Straßen und Stellungen ohnehin bei weitem nicht genug Arbeitskräfte. zur Verfügung stehen, so daß die erneute Abgabe von Baueinheiten eine fühlbare Lücke in der Durchführung der geplanten Arbeiten entstehen lassen würde. Im Hinblick auf die Wichtigkeit des Ausbaus zahlreicher rückwärtiger Linien für die weitere erfolgreiche Führung des Abwehrkampfes kann das AOK einer weiteren Verringerung der dafür zur Verfügung stehenden Kräfte deshalb nur mit Besorgnis entgegensehen. An der Front verläuft der Tag ruhig. Das zum Abtransport nach Konstanza bestimmte Btl. der 110.I.D. (Rgt.Gr.589) ist kriegsgliederungsmäßig. aus der Div. ausgeschieden und bereits verladen worden. |
| 5.5.1944 | KTB 9.Armee. Die Beurteilung der derzeitigen Lage der Armee, die heute der Heeresgruppe auf deren Anforderung vorgelegt wird, geht davon aus, daß trotz der augenblicklichen Kampfruhe mit einem Festhalten des Feindes an seinen alten Angriffszielen Paritschi, Shlobin und Bobruisk und außerdem mit der Möglichkeit eines gegnerischen Vorstoßes gegen die Süd - und Südostfront der Armee zur Unterbrechung der Bahn Nowosselki - Starushki auch weiterhin gerechnet werden muß. Das AOK weist dabei erneut darauf hin, daß das Vorhandensein von etwa dreißig Feinddivisionen vor der Armeefront den Gegner jederzeit die kurzfristige Bildung von Angriffsschwerpunkten und - infolge seines günstigen Bahn- und Wegenetzes - die schnelle Verstärkung bzw. Nährung dieser Schwerpunkte gestattet. Das täglich fortschreitende Abtrocknen bisher versumpfter Abschnitte vor der HKL eröffnet dem Gegner überdies in vermehrtem Umfang die Möglichkeit örtlicher Angriffe und zwingt die Armee zur Verstärkung ihrer Abwehrmaßnahmen. Durch Aufstellung der beweglichen Gr.W.-Kpn., Schaffung der "Verfügungs-Artillerie-Abteilungen", Zusammenfassung der div.-eigenen Flak, Forcierung des Stellungsbaus, weitgehende Schwächung nicht unmittelbar angriffsbedrohter Abschnitte zugunsten der Bildung von Abwehrschwerpunkten und Ausscheiden möglichst zahlreicher Reserven hat das AOK versucht, dieser Lage Rechnung zu tragen, dennoch kann kein Zweifel daran bestehen, daß bei der augenblicklichen dünnen Besetzung der HKL (Durchschnittsgrabenstärke: 45 Mann pro km) im Falle von stärkeren feindlichen Angriffen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, Einbrüche fast unvermeidlich sein dürften. Um eine erfolgreiche Verteidigung durch Bereinigung oder zum mindesten durch Abriegelung derartiger Einbrüche zu gewährleisten, hält die Armee deshalb die Bereithaltung einer Division als Armeereserve für unbedingt erforderlich. Das AOK weist infolgedessen darauf hin, daß, falls die Heeresgruppe sich gezwungen sehen sollte, die 110.I.D. abzuziehen, die Armee ihrerseits zur Herauslösung einer weiteren Division genötigt sein würde; infolge der dadurch entstehenden weiteren Schwächung der Front sei dann allerdings eine erfolgreiche Verteidigung nur mehr bei rechtzeitiger Zuführung von Verstärkungen gewährleistet. Andernfalls hält das AOK eine Vermeidung feindlicher Durchbrüche nur in hinhaltender Kampfführung für möglich, diese aber hat angesichts des schwierigen rückwärtigen Wald- und Sumpfgeländes wiederum den frühzeitigen verstärkten Einsatz von Pi- und Baukräften zur Voraussetzung (s Anl. V 1). Hierzu teilt die Heeresgruppe mit, sie teile die Ansicht der Armee zwar im Grundsatz, verweise jedoch darauf, daß sich die Armee auch weiterhin auf die Abgabe auch der 20.Pz.Div. einstellen müsse (Ia H.Gr./Ia, 7.55 Uhr). Auf den Einwurf des den Chef vertretenden Ia 9, daß das AOK auf Grund der bisherigen Mitteilungen der Heeresgruppe an sich mit einer vorläufigen Belassung der 20.Pz.Div. im Armeebereich gerechnet habe, wird erwidert, daß die Planung der Heeresgruppe von vornherein auf eine Abgabe in erster Linie der 20.Pz.Div. und erst in zweiter Linie der 110.I.D. gerichtet gewesen sei. Den Antrag, im Falle einer Abgabe der 20.Pz.D. wenigstens eine Südverlegung der linken Armeegrenze um zwei Btls.- Abschnitte vorzunehmen, lehnt die Heeresgruppe unter Hinweis auf die ohnehin schon überdehnte Front der 4.Armee ab - es wird infolgedessen nichts anderes übrig bleiben, als durch Verbreiterung der 296.I.D. und 134 I.D. nach Norden einen Ausgleich zu schaffen, sobald die Herauslösung der Division gefordert werden sollte. Die Frage, ob der Armee die Abgabe der. 20.Pz.Div. unter Belassung der 110.I.D. bei der derzeitigen Lage tragbar erscheint, wird vom Ia bejaht. An der Armee verläuft der Tag wieder ruhig. Lediglich aus dem Abschnitt der 383.I.D. wird feindliche Fliegertätigkeit mit vereinzelten erfolglosen Bombenwürfen gemeldet. Die Ablösungsbewegungen der 110.I.D. dagegen verlaufen planmäßig und vom Feinde ungestört. Trotzdem weist das AOK das Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K. noch einmal auf die erhöhte Bedeutung eines ausreichenden Flakschutzes hin - besonders gilt das für die Bahnlinie. Tschernyje Brody - Nowosselki als Hauptversorgungsweg des südlichen Armeeabschnitts (Ia/Ia XXXXI., 9.30 Uhr). |
| 6.5.1944 | KTB 9.Armee. Lebhafte nächtliche feindliche Luftwaffentätigkeit mit Bombenwurf auf die Frontmitte des XXXV.A.K., in den Morgenstunden ein Angriff von 40 Feindmaschinen auf Tschernyje Brody mit Abwurf von 500 kleinen Bomben, der geringe Zerstörungen in dem dort befindlichen Armee-Munitions- und Betriebsstofflager zur Folge hat, und endlich ein Fliegerargriff im frontnahen Raum der 35.I.D. werfen erneut die Frage des Flakschatzes wichtiger Objekte auf, wozu der Armee leider z.Zt. nur geringe Kräfte zur Verfügung stehen. Die Meldung des Gen.Kdo.LV. A.K., daß die Abziehung der Luftwaffenflak von dem Hauptversorgungsbahnhof des Korps Muljarowka bevorstehe, ist unter diesen Umständen eine besonders unangenehme Nachricht. Das AOK wendet sich deshalb mit der Bitte an die Heeresgruppe, für die Belassung dieser Flakeinheit einzutreten (Ia/Ia H.Gr., 17.50 Uhr). An der Front kommt es außer etwas lebhaft gewordener feindlicher Stoßtrupptätigkeit und örtlich auflebendem Art.-Feuer zu keinen Kampfhandlungen von Belang. Im Abschnitt des XXXV. A.K. wird eine Brücke, die der Feind nördl. Mal. Konopliza über den Drut gebaut hat, von einem vorgezogenen Geschütz der 20.Pz.Div. wirksam unter Feuer genommen und zerstört. Im rückwärtigen Gebiet ist das Bandenunternehmen "Wirbelwind III" heute erfolgreich beendet worden (Erfolgsmeldung s. Anl. II v. 7.5.44). |
| 7.5.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind verstärkt seine nun schon seit einigen Tagen in vermehrtem Umfang betriebene Späh- und Stoßtrupptätigkeit weiter. Auffällig ist dabei wieder die starke Feuerunterstützung der an sich infanteristisch schwachen Vorstöße (s.Anl. II und III, ferner Ic-Zwischenmeldung). Der Gegner dürfte mit ihnen die Absicht ver folgen, die eigenen Kräfte zu beunruhigen und zu binden, um die deutsche Führung von der Bildung eines starken und seinen Absichten hinderlichen Abwehrschwerpunktes am Südflügel der Heeresgruppe Mitte weitmöglichst abzuhalten. Darüber hinaus scheint die feindliche Luftaufklärungstätigkeit aber auch die Feststellung deutscher Absichten zum Ziel zu haben, über die der Feind sich offenbar nicht im klaren ist. Nach V-Mann-Meldungen rechnet er auf Grund einer (anscheinend bewußt falschen) Behauptung eines deutschen Gefangenen mit einem starken Panzerangriff aus dem Frontbogen der 9.Armee in Richtung Gomel, also in den Rücken seines Aufmarschraums (s. Ic-Zwischenmeldung und Anl. VII 1). - |
| 8.5.1944 | KTB 9.Armee. Die Gelegenheit, die Unklarheit und Unsicherheit des Feindes über mögliche deutsche Angriffsabsichten zu steigern und damit eine Bindung sowjetischer Kräfte an der Armeefront zu erreichen, läßt das AOK nicht ungenützt vorübergehen. Um den Feind in der Vermutung eigener Angriffsvorbereitungjen im Abschnitt Osaritschi -Rogatschew mit Zielrichtung Gomel zu bestärken, wird die sofortige Durchführung von Täuschungsmaßnahmen durch vermehrte Späh- und Stoßtrupptätigkeit, Artillerieeinschießen, Durchführung von Erkundungen, Geräuschtarnungen und Bewegungen von Panzern und Sturmgeschützen befohlen (s.Anl. IV 1). An der Front sind außer geringer feindlicher Fliegertätigkeit im Abschnitt des XXXXI.Pz.K. keine Kampfhandlungen von Bedeutung zu verzeichnen. Die frontwärts verlaufenden feindlichen Bewegungen vor den inneren Flügeln der 6. und 383.I.D. allerdings, die auch heute Nacht wieder zu beobachten waren, veranlassen das AOK, eine weitere Verstärkung der Abwehr bei Mormal durch Verschiebung einer Battr. der s.Art.Abt.858 (Mrs.) aus dem Nordabschnitt des XXXV. A.K. in den Raum südwestl. Shlobin anzuordnen (s.Anl. VII 3). Die 110.I.D. ist nunmehr nahezu ganz aus der Front herausgezogen. Im Zusammenhang damit, daß das AOK im Falle einer weiteren Zuspitzung der Lage bei der 2. Armee mit der Abgabe dieser Division ebenso wie der 20.Pz.Div.rechnen muß, taucht wieder einmal die Frage nach dem weiteren Schicksal der 707. I.D. auf, deren Herauslösung aus dem Fronteinsatz von der Heeresgruppe offenbar nicht zuletzt deshalb gewünscht wird, um auch diese Division erforderlichenfalls noch an anderer Stelle einsetzen zu können. Das AOK sieht sich jedoch gezwungen, darauf hinzuweisen, daß schon das Herauslösen der 110.I.D. den Einsatz eines Gren.Rgts. der 707.I.D. (G.R.727) erforderlich gemacht hat und daß eine Abgabe der 20.Pz.Div. nur bei weiterem Verbleib des anderen Gren.Rgts. der Division (G.R.747) in der Front möglich erscheint, so daß eine Herauslösung ihrer kämpfenden Teile z.Zt. unerwünscht ist. Allenfalls könnte die Armee einen Teil der Versorgungstruppen abgeben, sofern sie nicht, wie die. Div.-Nachschubtruppen, zu wichtigen Strassenbauarbeiten eingesetzt sind. Eine solche Teilabgabe würde allerdings im Widerspruch zu den Bestrebungen stehen, die Division als Sicherungs-Division geschlossen zu erhalten und auch ihre später gegebenenfalls notwendige Zusammenziehung erschweren (s.Anl. V 1). Die Abgabe zweier Straßenbau-Pi.Btle. ist trotz den Gegenvorstellungen der Armee befohlen worden (vergl. KTB v.4.5.44 und.Anl. VII 1 und 2). Beide Btle. sollen zur 2. Armee in Marsch gesetzt werden. Die Durchführung der Bauvorhaben im Armeebereich erleidet dadurch eine erhebliche Einbuße. |
| 9.5.1944 | KTB 9.Armee. An der gesamten Armeefront kommt es zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen. Hinsichtlich der Beurteilung der Feindabsichten gegenüber der Südfront des XXXV. A.K. ergeben sich keine neuen Gesichtspunkte. Mit einem feindlichen Angriff rechnet das Gen.Kdo.XXXV.A.K. im Augenblick noch nicht; es hat mehr den Anschein, als ob der Gegner noch warten wolle, möglicherweise um eine zeitliche Übereinstimmung mit dem Raum Kowel (Südflügel der Heeresgruppe) vorbereiteten Großangriff zu erzielen. Zur Bekämpfung einwandfrei aufgeklärter Feindbatterien bei Mormal und im Nordabschnitt des Korps, vornehmlich am Brut-Brückenkopf, erhält das Gen.Kdo. XXXV. A.K. eine einmalige Sonderzuweisung von 2500 Schuß s.F.H.-Munition. Die Herauslösung der 110.I.D. und ihre Bereitstellung im vorgesehenen Raum als Armeereserve ist beendet; heute um 7.00 Uhr haben die 35. und 36.I.D. anteilig den Befehl im bisherigen Abschnitt der 110.ID. übernommen. Im rückwärtigen Gebiet nähert sich das Unternehmen "Wirbelwind" mit dem Beginn der vierten und letzten Teilunternehmung seinem Abschluß. Sie gilt der Säuberung der Waldgebiete südlich Tscherwen (30 km nordostw. Marina Gorka). Da es angesichts der verschlechterten Wegeverhältnisse nicht mehr zweckmäßig erscheint, das II./Pz.Gr.Rgt.59 (SPW-Btl. der 20.Pz.Div.) weiter im Einsatz zu belassen, wird seine Rückkehr in den Raum Bobruisk befohlen, wo es dem XXXV.A.K. als Armeereserve wieder unterstellt werden wird. |
| 10.5.1944 | KTB 9.Armee. Gegenüber der Südfront des XXXV..A.K. deutet das Anhalten der feindlichen Bewegungen zur Front daraufhin, daß der Gegner seine Vorbereitungen offenbar noch nicht abgeschlossen hat. Trotzdem weist der OB das Gen.Kdo. XXXV. A.K. nochmals auf höchste Wachsamkeit und die Herstellung größtmöglicher Abwehrbereitschaft hin. Da es aber auch nicht ausgeschlossen ist, daß der Feind seinerseits noch immer mit deutschen Angriffsvorbereitungen rechnet, soll diese Vermutung durch eigene aktive , Kampfführung wach gehalten werden (OB/Chef XXXV, 8.50 Uhr). Im rückwärtigen Gebiet ist das Bandenunternehmen nordostwärts Marina Gorka nunmehr beendet. "Wirbelwind IV" hat wiederum eine Anzahl Feindtote und Gefangene erbracht. Mehrere Versorgungslager sowie Waffen und Munition sind erbeutet und zahlreiche Bunker zerstört worden (siehe Anl. II vom 11.5.44). Die Abschlußmeldung über das Gesamtunternehmen steht noch aus. Kurz vor Mitternacht trifft der Befehl der H.Gr. zur Herauslösung der 20.Pz.Div aus der Front ein (Ia H.Gr./Ia, 25.35 Uhr). Der Armeechef, (der heute mittag von seiner Dienstreise zurückgekehrt ist) ordnet dann an, alle Ablösungen und Bewegungen so durchzuführen, daß sie den Feinde so weit wie möglich verborgen bleiben (Chef/Ia, 23.40 Uhr) In der augenblicklichen Lage, in der sich die Fronten zwar in äußerlicher Ruhe, aber dafür in aufs höchste gespannter Aufmerksamkeit gegenüber stehen, kommt der Tarnung von Truppenverschiebungen und der Verschleierung der Kräftegliederung erhöhte Bedeutung zu. Auch der Feind bemüht sich, der deutschen Führung den Einblick in seine Maßnahmen weitgehendst zu verwehren: Seit gestern sind gegenüber der gesamten Front der Heeresgruppe Funkbeschränkungen in Kraft getreten, die die Nachrichten aus s.Qu. nahezu zum Versiegen gebracht haben; eine Maßnahme, die naturgemäß auch der Armeeführung die Beurteilung des Feindbildes erheblich erschwert (siehe Anl VII 1). Die H.Gr. hat mitgeteilt, daß die Armee anstelle der für eine Sonderverwendung des OKH nach, Konstanza abtransportierten Rgts.-Gruppe 589 ein Jäger-Btl. erhalten soll (Ia H.Gr./Chef, 17.20 Uhr). |
| 11.5.1944 | KTB 9.Armee. Unter den allgemein etwas lebhafter gewordenen Feindbewegungen sind die vor den inneren Flügeln der 383. und 6.I.D. weiterhin besonders auffällig. Um auf einen stärkeren Vorstoß in diesem Abschnitt unverzüglich reagieren zu können, wird vom AOK dem Gen.-Kdo.XXXXI.Pz.K. befohlen, ein im Raum Paritschi untergebrachtes Btl. der 110.I.D. mit Hilfe von divisionseigenem Kolonnenraum auf 4-stündige Alarmbereitschaft zu stellen, so daß es erforderlichenfalls in kürzester Frist in den Bereich des XXXV. A.K. verschoben werden kann (s.Anl. IV 2). Die befohlene Herauslösung der 20.Pz.Div. aus der Front beginnt heute. Die Division wird vorerst, bis der endgültige Befehl zum Abtransport zur 2.Armee eintrifft, im rückwärtigen Raum des XXXV. A.K. zur späteren Verladung in Bobruisk bereitgestellt werden (s.Anl. IV 1). Im Zuge des Aufbaus der beweglichen Gr.W.-Kpn. wird nunmehr die Aufstellung der s.Gr.W.-Kpn. befohlen. Da eine ähnliche Maßnahme demnächst für das gesamte Ostheer zu erwarten ist, werden diese Kompanien - ohne Änderung ihrer Einsatzorte - auch bis auf weiteres gliederungsmäßig bestehen bleiben, während die m.Gr.W.-Kpn. deren Aufstellung von den Divisionen ebenfalls kalendermäßig vorbereitet worden ist, zunächst nur zu einer Alarmübung zusammengezogen und anschließend wieder aufgeteilt werden sollen (s.Anl. IV 3) |
| 12.5.1944 | KTB 9.Armee. Wie zu erwarten bleibt die 110.I.D. in ihrer Eigenschaft als Armeereserve. nicht lange unangetastet. Die Heeresgruppe, die mit der Möglichkeit eines starken Feindangriffs im Raum Mogilew rechnet (s.Anl. V 1 und VII 6 v. 11.5.44 - s.a.Anl. V.1), teilt mit, daß sich die Armee auf eine kurzfristig auszuführende Verlegung einer Regimentsgruppe der Division in den Bereich des AOK 4 einstellen müsse und bereits jetzt entsprechende Transportvorbereitungen zu treffen habe (s.Anl. V 2, IV 1 u.Anl. X: Ia/Qu 1, 17.00 Uhr). Für das AOK gibt dieser Befehl Veranlassung, die Vorbereitungen für ein im Gebiet des Tscherwonoje-Sees geplantes Bandenunternehmen des Korück zu beschleunigen (s.dazu Anl. IV 3), da sich an ihm Teile der 110.I.D. beteiligen sollen und der bereits jetzt erfolgte Rückgriff der Heeresgruppe auf ein Regiment der Division nicht nur die baldige Abziehung dieses Regiments wahrscheinlich macht, sondern darüber hinaus mit der Möglichkeit einer Verlegung der ganzen Division rechnen läßt. An der Front verläuft der Tag ruhig, abgesehen von zeitweise lebhafterem Störungsfeuer an der Südfront, des XXXV.A.K. (wo auch wieder verstärkte Bewegungen in den Feindstellungen sichtbar sind) und schwächerer feindlicher Fliegertätigkeit im Südabschnitt des XXXXI.Pz.K. (s.Anl. II und III). |
| 13.5.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind hat während der Nacht an der Südfront des XXXV.A.K. wieder sehr viel Unruhe gezeigt, die erst in den Morgenstunden abebbt. Ein eigener Stoßtrupp ist auf stark besetzte Stellungen gestoßen. Im Hinblick auf die im einzelnen noch unübersichtliche Lage in diesem Abschnitt gibt das AOK dem Gen.Kdo.XXXV. A.K. zur vermehrten Bekämpfung von Feindzielen bis auf weiteres eine erhöhte Menge an M.G.-Munition frei (s.Anl. VI 2). Ein heute ergehender allgemeiner Befehl des AOK betrifft die Behandlung von Zivilisten, die bei der Durchsuchung von Bandenuntemehmen in den Bandengebieten ergriffen werden. Man ist bereits seit einiger Zeit davon abgegangen, gefangene Banditen, Bandenhelfer und Bandenverdächtige als irregulär Kämpfende zu erschießen; wegen des hohen Bedarfs an Arbeitskräften im Reich werden sie vielmehr als Kriegsgefangene behandelt und dem bewachten Arbeitseinsatz in Deutschland zugeführt. Von dieser Erfassung der arbeitsfähigen Bevölkerung hat man bisher Frauen mit Kleinkindern ausgenommen da ihr Arbeitseinsatz die Trennung der Kinder von ihren Müttern zur Voraussetzung gehabt hätte. Diese Sonderbestimmung wird nunmehr aufgehoben, da sich gezeigt hat, daß bei Bandenüberfällen sich immer wieder Frauen mit der Waffe in der Hand beteiligen. Es geht aber nicht an, dem Feind bei der Auskämmung der Bandengebiete auf Wehr- und Arbeitsfähige Menschen zurückzulassen, die er erneut gegen uns ansetzen kann. Deshalb wird für die Zukunft auch die Erfassung von Frauen mit kleinen Kindern angeordnet, wobei die Kinder dem nichtarbeitsfähigen Rest der Bevölkerung übergeben und dort zurückgelassen werden sollen. Die weiterhin getroffene Bestimmung, die Nichtarbeitsfähigen wieder in die Bandengebiete abzuschieben, entspricht den Notwendigkeiten der Ernährungslage, die es nicht zuläßt, die deutsche Versorgung mit ihnen zu belasten (s.Anl. VII 6). |
| 14.5.1944 | KTB 9.Armee. Nach lebhaften Artillerie- und Granatwerferfeuer auf Mitte und Südflügel des XXXXI.Pz.K. während der Nacht unternimmt der Feind mehrere kp.- bis btl.-starke Vorstöße gegen den Nordflügel des Korps, die sämtlich abgewiesen werden. (Einzelheiten s.Anl. II und III). Mehr als örtliche Bedeutung dürfte, ihnen nicht zuzumessen sein, und man wird auch an anderen Stellen der Armeefront ähnliche Fessellungs- (und gleichzeitig Aufklärung-) Unternehmen zu erwarten habein (s.Anl. VII 1). Vor dem Südflügel des XXXV.A.K. haben die Feindbewegungen nachgelassen. Wie das Gen.Kdo.XXXV.A.K. meldet (Chef XXXV/Ia, 17.55 Uhr, s.a.Anl. III), ist aus Gefangenenaussagen und s.Qu.-Nachrichten zu entnehmen, daß der Feind tatsächlich mit deutschen Angriffsunternehmungen rechnet - offenbar ein Erfolg der in den letzten Tagen durchgeführten Täuschungsmaßnahmen. Zur Bekämpfung feindlicher Artillerienester vor der Südfront des Korps erhält das Gen.Kdo. heute eine zusätzliche Zuweisung von Mrs.-Munition (s.Anl. VII 4). Am Nachmittag trifft der nicht überraschend kommende Befehl der Heeresgruppe zur Abgabe der 20.Pz.Div. ein (s.Anl. V 2), deren Verlegung in den Raum Brest vom OKH nunmehr genehmigt worden ist und in der Naeht vom 15./16.5. beginnen wird (s.Anl. IV 1). Der heute ergehende Armeebefehl zur Durchführung des Unternehmens "Moorbad" (Befriedung des Raumes Luban. - Milkowicze -Tscherwonoje=See) unterstellt dem Korück ein Rgt.-Gruppe der 110.I.D., das Sturm-Rgt. der AWS, Teile der Nachr.-Abt. 707.I.D. und eine SD-Einheit. Das Unternehmen soll voraussichtlich am 19.5. beginnen, es verfolgt den Zweck, das westlich der im Ausbau begriffenen Bahnstrecke Starushki - Uretschje liegende Waldgelände von Banden zu säubern und wird sich deshalb zum erheblichen Teil im rückwärtigen Gebiet der 2.Armee abspielen. Es ist geplant, je nach den Ergebnissen der Aufklärung im Anschluß daran auch in den Wäldern ostwärts der Bahn noch ein weiteres Unternehmen durchzuführen (s.Anl. IV 2 und 3). In Verfolg der vom AOK geplanten Maßnahmen zur Erfassung einheimischer Jugendlicher durch Schaffung von Jugenddörfern (siehe KTB vom 19.4.44) wird nunmehr der Befehl zur Errichten des ersten dieser Dörfer im Bezirk der Ortskommandantur Marina Gorka gegeben. Etwa 1000 aus dem Gefechtsgebiet zu evakuierende 8-14 jährige Jugendliche sollen darin untergebracht und vorwiegend in handwerklichen Fächern ausgebildet werden. Ihre Betreuung wird der "Kampfbund gegen den Bolschewismus" übertragen erhalten, eine Einheimischen=Organisation, die vor kurzem vom AOK ins Leben gerufen wurde (s.Anl. VII 6). |
| 15.5.1944 | KTB 9.Armee. Die derzeitige Feindlage, vor der Armeefront, einmal in ihrer Gesamtheit betrachtet, steht in steigendem Maße unter dem Eindruck des nunmehr im wesentlichen abgeschlossenen sowjetischen Aufmarschs im Großraum Kowel in der tiefen Flanke der Heeresgruppe Mitte. Der Begin der feindlichen Offensive wird dabei anscheinend von der Gesamtkriegslage beeinflußt; die außerordentliche Funkbeschränkung, die der Gegner sich auferlegt, deutet jedoch an, wie weit seine Vorbereitungen schon gediehen sind. Vor der Armeefront ist - im Zusammenhang damit - mit Wahrscheinlichkeit eine Reihe von Begleitangriffen zur Fesselung deutscher Kräfte zu erwarten und zwar beim XXXXI.Pz.K. in erster Linie aus dem Raum westlich Poganzy (36.I.D.) über die Waldbrücke in Richtung Paritschi, beim XXXV.A.K. voraussichtlich an der Südfront zwischen Ola und Dnjepr mit Stoßrichtung auf Shlobin und westlich und an der Ostfront aus dem Drut-Brückenkopf nach Südwesten zur Unterbrechung der Rollbahn Rogatschew - Bobruisk. Daneben muß mit Versuchen des Feindes gerechnet werden, zur Sicherung und Abschirmung seiner großen Angriffsoperation nach Norden die Querbahn nördlich des Pripjet (LV.A.K.), die schnelle Kräfteverschiebungen an der Südfront der Armee ermöglicht, durch einen örtlichen Angriff zu unterbrechen und auszuschalten. Endlich sind auch beiderseits der nördlichen Armeenaht Beunruhigungs- und Fesselungsangriffe nicht unwahrscheinlich (Einzelheiten dazu siehe Anlage VII 1 vom 14.5.44). Das Maß der insgesamt zu erwartenden Feindangriffe kann vorläufig noch nicht beurteilt werden. Operative Reserven in der Tiefe des feindlichen Hintergeländes sind bisher nicht bekannt geworden. Die festgestellten Stellungsverbände (16 Schtz.Divn. und 3 Verteidigungsabschnitte) und die taktischen Reserven (14 Schtz.Divn.) reichen zwar aus, um bei straffer Zusammenfassung örtliche Erfolge zu erzwingen; für entscheidungsuchende Angriffe dagegen dürften sie nicht genügen. Der Beginn des Großangriffs bei und südlich Kowel steht vermutlich bald bevor und es ist denkbar, daß die Begleitangriffe gegen die Front der Armee vorweg im ersten Tempo geführt werden, wobei man die gestrigen Vorstöße beiderseits Poganzy (XXXXI.Pz.K.) als Anzeichen einer planmäßig zunehmenden Aktivität ansehen darf , die der Feind übrigens auch heute fortsetzt: diesmal führt er nach z.T. starker Artillerievorbereitung in den Morgenstunden mehrere kp.-starke Vorstöße gegen die inneren Flügel der 45.I.D. und 383.I.D., die unter hohen Verlusten für den Gegner abgeschlagen werden (s.Anl. II und III). Am Nordflügel des XXXV.A.K. hat heute um 6 Uhr unter Auflösung der Gruppe v. Kessel das Div.Kdo. 134.I.D. den Befehl über den. bisherigen Abschnitt der 20.Pz.Div. übernommen. Die Herauslösung der 20.Pz.Div. schreitet fort; die zur Übernahme ihres Abschnitts erforderlichen Ablösungen sind im Gange (s.Anl. II, Ziff. 3). |
| 16.5.1944 | KTB 9.Armee. Während die Kampfruhe an der Armeefront weiter andauert, haben die Anzeichen eines bevorstehenden Feindangriffs im Abschnitt des AOK 4 inzwischen derart zugenommen, daß die Heeresgruppe die vorbeugende Heranziehung stärkerer Reserven dorthin für notwendig hält. Sie gibt infolgedessen den Befehl zur sofortigen Abgabe der ganzen 110.I.D. zur 4.Armee (s.Anl. V 1). Mit dem ersten Transport wird bereits heute begonnen (s.Anl. IV 1). Für die Armee bedeutet diese Abgabe eine neue erhebliche Schwächung ihrer Kampfkraft, die im Verlauf der letzten zwei Monate nunmehr um insgesamt 5 Divn. und zahlreiche Heerestruppen vermindert worden ist. Die Herauslösung der Artillerie der 110.I.D., die sich noch in Stellung befindet, macht die bereits in Aussicht genommene Verschiebung des A.R.36 (ohne 1 le.Art.Abt.) vom XXXV. A.K. zum XXXXI.Pz.K. nunmehr notwendig (s.Anl.VII 1 und 2); als Ersatz für das Gren.Rgt. der Div., das zur Teilnahme am Unternehmen "Moorbad" vorgesehen war, wird das XXXXI.Pz.K. ein Reserve-Btl. und ein Alarmbtl. zur Verfügung stellen (Chef XXXXI/Chef, 16.00 Uhr), damit das Unternehmen zum vorgesehenen Zeitpunkt durchgeführt werden kann, wenn jetzt auch mit geringeren Kräften. |
| 17.5.1944 | KTB 9.Armee. Der Armee scheint die Abgabe noch einer weiteren Division bevorzustehen, und zwar der 707.I.D. Die Heeresgruppe hat sich zwar noch nicht endgültig dazu geäußert, sie hält jedoch daran fest, daß auf jeden Fall die Wiederzusammenfassung der Division unter Zurückziehung ihrer kämpfenden Teile aus dem Fronteinsatz baldigst erfolgen müsse. (Ia/Ia XXXXI, 20.00 Uhr; Ia/Ia XXXV., 20.05 Uhr). Darüber hinaus hält es das AOK für richtig, sich im Hinblick auf den zu erwartenden Großangriff bei Kowel und das Nichtvorhandensein größerer feindlicher Angriffsvorzeichen vor der eigenen Front schont jetzt auf die Abgabe noch weiterer Verbände einzustellen. Es scheint allerdings nicht mehr möglich zu sein, falls noch eine weitere Division gefordert werden sollte, die jetzige HKL im vollen Umfang aufrechtzuerhalten, so daß gegebenenfalls die Genehmigung zu einer Frontverkürzung höheren Orts beantragt werden müßte, um nicht eine Überdehnung der Armeefront, herbeizuführen, die eine erfolgreiche Abwehr selbst bei schwächeren feindlichen Angriffen nicht mehr gewährleisten würde (Chef in der Chefbesprechung 16.5.44, 18.00 Uhr). Aus diesen Überlegungen wird heute vorsorglich die beschleunigte Vervollkommnung und Herrichtung einer an sich im wesentlichen bereits ausgebauten Sehnenstellung zwischen der Beresina und Rogatschew (Elch-Primel-Stellung) befohlen (s. Anl, VII 1 und Stellungsbaukarte in der Beilage des A.Pi.Fü. zum KTB). Die Geschäfte des Ia der Armee sind heute vom Ic, Major i.G. Kesselheim übernommen worden. |
| 18.5.1944 | KTB 9.Armee. Im Zuge der beabsichtigten Wiederzusammenfassung der 707.I.D. wird dem Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. befohlen, das in seinem Abschnitt eingesetzte G.R.727 bis zum 20.5. aus der Front herauszulösen. Das beim XXXV.A.K. befindliche G.R.747 bleibt dagegen - im Einverständnis mit der Heeresgruppe - vorläufig noch im Einsatz (Chef/ Chef H.Gr., 19 Uhr). Infolge des beträchtlichen Ausfalls an s.Qu.-Nachrichten und mangelnder Luftaufklärungsergebnisse ist die Feindlage vor der Armeefront teilweise undurchsichtig geworden. Das AOK gibt deshalb heute wieder einmal Aufklärungsforderungen an die Gen.-Kdos. heraus, wonach durch kampfstarke Stoßtrupps versucht werden soll, den Verbleib der in letzter Zeit nicht mehr bestätigten Feinddivisionen festzustellen (s.Anl. IV 3 und 4). |
| 19.5.1944 | KTB 9.Armee. An der Front verläuft der Tag wieder ruhig. Der heute an das Gen.Kdo.LV. A.K. ergehende Befehl zur Verlegung der 3./Sturmgesch.Brig. 244 in den Bereich des XXXV.A.K. (s.Anl. IV 1) gehört einerseits noch zu den vorn AOK zur Bildung eines Abwehrschwerpunkts im Raum Shlobin eingeleiteten Maßnahmen, er hat andererseits seinen Grund darin, daß von den div.-eigenen Sturmgesch.Abteilungen, die der Armee zur Zeit laufend zugeführt werden, inzwischen je eine für die 102. und 129.I.D. eingetroffen ist, so daß der Südflügel der Armee auch ohne 3./244 ausreichend gedeckt erscheint. Darüber hinaus hat die Verlegung den Vorteil einer Wiedervereinigung der Batterie mit ihrer Brigade. Im rückwärtigen Gebiet ist das Unternehmen "Moorbad" planmäßig angelaufen. |
| 20.5.1944 | KTB 9.Armee. In den Morgenstunden führt der Gegner insgesamt. 4 kp.-starke Vorstöße gegen die inneren Flügel der 296. und 134.I.D., die abgewiesen werden. Ein dabei eingebrachter Gefangener spricht von feindlichen Angriffsvorbereitungen im Raum nördlich Rogatschew, nennt den 20., 21. oder 25 5. als angebliches Angriffsdatum und behauptet die Anwesenheit von Panzern sowie von erst kürzlich aus Kiew eingetroffenen Truppen (s. Ic-Zwischenmeldung). Diese Aussage löst, obwohl das Gen.Kdo. XXXV.A.K. ihr wenig Glaubwürdigkeit beimißt, mehrere Abwehrmaßnahmen des AOK aus, obwahl man sich durchaus darüber im klaren ist, daß sie sich vielleicht als unbegründet herausstellen werden. Das derzeitige Kräfteverhältnis verlangt jedoch, daß schon auf den geringsten Verdacht vorgebeugt wird (Chef/Chef XXXV, 19.50 Uhr). Dem Gen.Kdo. XXXV.A.K. wird infolgedessen eine sofortige Verschiebung infanteristischer und artilleristischer Reserven aus dem südlichen Korpsabschnitt in den Raum Tichinitschi (nordwestl. Rogatschew) noch.in der Nacht vom 20./21.5. aufgegeben und das Gen.Kdo.XXXXI. Pz.K. erhält Befehl, 1 Btl. des G.R.727 und 1 Kp. der Armee-Pz.Jg.Abt. im Lkw.-Transport dem XXXV.A.K. zuzuführen - ebenfalls in der kommenden Nacht - und sich für den Fall eines Feindangriffs bei Rogatschew auf den Abruf auch des zweiten Bataillons und des Rgts.-Stabes 727 einzustellen (s.Anl. IV 1 und VII 1). Beim Unternehmen "Moorbad" erreichen die eigenen Kräfte trotz sehr schwieriger Wegeverhältnisse bei geringem Feingwiderstand die vorgesehenen Linien. Da die Banden nach Aussage Verwundeter/beabsichtigen sollen, nach Osten durchzubrechen, wird dem Gen.Kdo.LV. A.K. befohlen, dem Korück noch 1 Btl. zur Verstärkung der Absperrlinie längs der Bahn zuzuführen (s.Anl. IV 2). |
| 21.5.1944 | KTB 9.Armee. Zu dem erwartenden Feindangriff bei Rogatschew kommt es nicht, jedenfalls heute noch nicht. Die vom XXXXI.Pz.K. herbeibefohlenen Verstärkungen, die wegen Verzögerungen in der Zuführung des Kw.-Transportraumes erst heute morgen ihren Marsch hätten antreten können (1 Btl. G.R.727 und 1 Kp. A.Pz.Jg.Abt.743) werden daraufhin vorläufig angehalten, sollen aber zunächst weiterhin auf Abruf bereitstehen. Das Unternehmen "Moorbad” läuft planmäßig weiter. Der Feindwiderstand ist wiederum nur gering, Ausbruchsversuche kleinerer Gruppen können abgeschlagen werden. |
| 22.5.1944 | KTB 9.Armee. An der gesamten Armeefront verläuft der Tag ruhig. Das Unternehmen "Moorbad" bringt bei weiterhin nur geringfügigen -Kampfhandlungen immer noch nicht den erwarteten Zusammenstoß mit größeren Bandengruppen, obwohl nach wie vor angenommen wird, daß die Masse des Feindes sich noch im Kessel befindet. Der Einschliessungsring soll morgen weiter verengt werden (s.dazu Anl. III). General der Infanterie Jordan, der als Nachfolger des Generaloberst Harpe mit der Führung der 9.Armee beauftragt worden ist, trifft heute beim AOK ein. Generaloberst Harpe hat, wie inzwischen bekannt wurde, nicht den Oberbefehl über die 1., sondern über die 4.Pz.Armee erhalten. |
| 23.5.1944 | KTB 9.Armee. Im gesamten rückwärtigen Armeegebiet hat in der letzten Zeit die Bandentätigkeit wieder in erheblichem Maße zugenommen; sogar aus der unmittelbaren Nähe von Bobruisk werden Überfälle gemeldet (s.Anl. VII 6), bei denen es sich zweifellos um Ausstrahlungen des wieder erstarkter Bandenzentrums in den Wäldern um Klitschew und Gorodez handelt, dessen Ausräumung nun schon mehrmals mit den zur Verfügung stehenden beschränkten Kräften versucht wurde, infolge des Ausweichens der Banden in das rückwärtige Gebiet der 4.Armee aber stets ohne nachhaltiges Ergebnis geblieben ist. (Ähnliches gilt für die Säuberung des Gebiets nördlich Marina-Gorka). Des AOK wendet sich deshalb mit der Bitte an die Heeresgruppe, für eine ausreichende Mitwirkung der 4.Armee an dem demnächst im Raume Gorocez geplanten Unternehmen Sorge zu tragen, was auch zugesagt wird (Chef/Chef H.Gr. 19.35 Uhr). Zur vorläufigen Abschirmung des Befestigungsbereichs Bobruisk nach Nordosten wird eine Verlegung der Unterkunftsbereichsgrenze zwischen dem XXXV.A.K. und dem Bezirk des Festen Platzes vorgenommen, wodurch eine dichtere Belegung der Ortschaften herbeigeführt und damit eine Verstärkung der Sicherungen zwischen der Beresina und der Straße Bobruisk - Mogilew ermöglicht wird (Einzelheiten s.Anl. VII 7). Beim Unternehmer "Moorbad" kommt es auch heute wieder nur zu geringer Gefechtsberührung mit den Banditen, deren Mehrzahl nach Einwohneraussagen - offenbar wieder einmal rechtzeitig durch ihren Kundschafterdienst gewarnt - angeblich bereits am 18.5., also schon einen Tag vor Beginn des Unternehmens nach Süden abgezogen sein soll. Der neue Armeeführer, Gen.d.Inf. Jordan, begrüßt heute in einem kurzen Appell die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Armeeoberkommandos. Morgen wird er sich zu einer Besprechung der Oberbefehlshaber zur Heeresgruppe begeben, wobei u.a. auch die Frage der 707.I.D. nunmehr endgültig entschieden werden soll. |
| 24.5.1944 | KTB 9.Armee. Das AOK setzt seine Maßnahmen zur weiteren Aktivierung der Bandenbekämpfung fort. Um die bisher gesammelten Erfahrungen einem möglichst weiter Kreis von Offizieren und Unteroffizieren der rückwärtigen Dienste zu vermitteln, werden ab 1.6. von Korück laufend 14-tägige Lehrgänge zur Ausbildung im Bandenkampf durchgeführt werden (s.Anl IV 1). Die sich aus dem bisher so unerwartet geringen Feindwiderstand ergebende Vermutung, daß das Unternehmen "Moorbad” nicht zu dem erhofften Erfolg führen werde, scheint sich zu bestätigen. Wie heute durch Einwohneraussagen bekannt wird, sollen die Banditen bereits vor einigen Tagen die Bevölkerung aufgefordert haben, mit ihrer Habe nach Süden abzurücken, was auch geschehen sei - allerdings habe die Ungangbarkeit der Sumpfgebiete westl. des Tscherwonoje-Sees zur Zurücklassung des Viehs gezwungen. Die Tatsache, daß grössere Mengen an Pferden, Vieh und Fahrzeugen von der Truppe erbeutet worden sind, während es nach wie vor kaum zu Gefechtsberührung mit den Banditen gekommen ist, gibt dieser Aussage einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit. Unter den außerordentlich schwierigen Geländeverhältnissen hat auch das Vorgehen der eigenen Truppe erheblich zu leiden (siehe Anl. VII 1 und Anl. II vom 25.5.44). |
| 25.5.1944 | KTB 9.Armee. Kurz nach Mitternacht trifft die fernschriftliche Bestätigung des bereits gestern bei der Armeeführerbesprechung gegebenen Befehls der Heeresgruppe zur Wiederzusammenfassung der 707.I.D. unter Herauslösung der noch eingesetzten kämpfenden Teile aus der Front ein (s.Anl. V 1). Die Division soll zur Verfügung der Heeresgruppe versammelt und dann einer anderen Verwendung zugeführt werden. Das AOK befiehlt daraufhin - abgesehen von der nunmehr notwendig werdenden Ablösung des G.R.747 beim XXXV.A.K. - die Versammlung der Division in den Räumen Bobruisk, Sluzk, Minsk und Ossipowitschi (s.Anl. IV 1), da beabsichtigt ist, sie, wenn möglich, vor ihrem Abtransport noch zu einem im Raum südl. Marina Gorka geplanten größeren Bandenunternehmen einzusetzen (Chef/Chef H.Gr.,10.40 Uhr). Leider teilt die Heeresgruppe schon am Abend mit, daß ein Regiment der Division zur Überbrückung einer Ablösung am Südflügel der 4.Armee benötigt werde und unverzüglich dorthin in Marsch gesetzt werden müsse (Chef H.Gr./Chef, 23.35 Uhr). Das AOK bestimmt dazu das beim XXXXI.Pz.K, befindliche G.R.727, da dieses Rgt. nicht mehr in der Front steht und deshalb trotz größerer Entfernung schneller verladebereit sein wird, als das noch eingesetzte G.R.747. Morgen in aller Frühe soll der Abtransport stattfinden (s.Anl. X: Ia/O.Qu., 26.5.44, 0.00 Uhr; Id/01 XXXXI, 1.05 Uhr).Das Bandenunternehmen gelenkt das AOK trotzdem durchzuführen (Id/ Korück, 1.10 Uhr; s. dazu Anl. IV 1a). Die Wegnahme der 707.I.D. aus ihrem bisherigen Einsatz in bezw. dicht hinter der Front hat zwangsläufig eine erneute Verringerung der Reserven zur Folge, die gerade in der derzeitigen Lage der Armee als besonders bedenklich angesehen werden muß. Es ist dabei nicht allein die dünne Besetzung der HKL, die ein Vorhandensein möglichst zahlreicher, zum sofortigen Einsatz bereitstehender Reserven fordert, sondern auch die Tatsache, daß mit feindlichen Fesselungsvorstößen an sehr zahlreichen Stellen der Armeefront gerechnet werden muß, wobei erschwerend hinzukommt, daß die bisher als wahrscheinlichste Ansatzpunkte des Gegners erkannten Frontabschnitte sich fast über die gesamte Armeefront verteilen. Die im Hinblick auf die bevorstehende Abgabe der 707.I.D. heute vom AOK befohlenen Maßnahmen verfolgen deshalb wieder den Zweck, die damit verbundene Einbuße an Abwehrkraft durch Erhöhung der Querbeweglichkeit der noch vorhandenen Kräfte weitmöglichst auszugleichen. Dazu wird den Gen.Kdos. aufgegeben, in jedem Divisionsabschnitt Stellungen für je 2 leichte und eine schwere Verstärkungsartillerie-Abt. schon jetzt vorausschauend zu erkunden, zu vermessen und auszubauen, um im Falle einer Verschiebung von Artillerieeinheiten deren baldige Feuerbereitschaft zu gewährleisten (s.Anl. VII 2). Weiterhin wird dem Z.Zt. an der Südfront des XXXV.A.K. eingesetzten s.Gr.W.Btl.19 befohlen, Stellungs- und Wegeerkundungen im Raume des Brut-Brückenkopfes und im Schwerpunktabschnitt südl. der Beresina durchzuführen. Die Gen.Kdos. erhalten ferner die Weisung, die Frage einer weiterer Herauslösung von infanteristischen Reserven aus der HKL zu prüfen und sie vorzubereiten: unter den gegenwärtigen Umständen muß zugunsten der Reservenbildung sogar eine neuerliche Schwächung der Front mit in Kauf genommen werden (s.Anl. IV 2). Das AOK richtet heute einen Antrag an die Heeresgruppe, in dem auf die Bedenklichkeit der schon seit Monaten bestehenden Verknappung der MG-Munition nochmals hingewiesen und vorgeschlagen wird, lieber auf eine gewisse Menge von Art.Munition zu verzichten, als die derzeitige Knappheit an Inf.Munition weiter andauern zu lassen, d.h. gegebenenfalls für eine Verlagerung in der heimischen Munitionsfertigung einzutreten. Es wird darin betont, daß durch die infolge des Mangels an MG-Munition vorhandene Behinderung des infanteristischen Abwehrkampfes eine offensive Führung der Abwehr immer mehr in Frage gestellt und deshalb auf die Dauer eine Beeinträchtigung des Überlegenheitsgefühls der Grenadiere unvermeidbar sein würde. Um wenigstens eine vorläufige Besserung zu erzielen, bittet das AOK um eine einmalige Sonderzuweisung an MG-Munition (s.Anl. V 2) . Im rückwärtigen Gebiet wird das Unternehmen "Moorbad" mit einem nochmaligen Durchkämmen der Wälder beendet. Die erzielten Erfolge sind wiederum nur gering. |
| 26.5.1944 | KTB 9.Armee. Die Vorbereitungen für das Bandenunternehmen südlich Marina Gorka sind indessen fortgesetzt worden (s.Anl.IVv.25.5.44). Um diesmal nach Möglichkeit zu vermeiden, daß die Banditen durch ihr ausgedehntes Kundschafternetz wieder vorzeitig Kenntnis von dem vorgesehenen Aufmarsch der eigenen Kräfte und ihren Absichten erhalten, werden die beteiligten Einheiten über die Gesamtplanung vorläufig nicht unterrichtet und die Marschbefehle lauten nur auf Teilziele (s.Anl. IV 1 und 3). Darüber hinaus ist angeordnet, daß Ferngespräche über das Unternehmen überhaupt nicht geführt werden sollen. Diese Befehle stehen einerseits mit Erfahrungen im Zusammenhang, die bei der Vorbereitung früherer Bandenunternehmen vom AOK gemacht wurden, andererseits sind sie ein Teil der z.zt. in verstärktem Maße gegebenen Hinweise zur strengeren Wahrung der Geheimhaltungsbestimmungen (s.dazu Anl. VII 6 vom 25.5.44), die leider in der letzten Zeit in einigen Fällen nur unzureichend beachtet worden sind, was sich auch bereits praktisch fühlbar gemacht hat (So erscheint es z.B. nicht ausgeschlossen, daß das seit einiger Zeit festzustellende fast völlige Versagen der s.Qu.-Nachrichten auf bestimmte unvorsichtige öffentliche Verlautbarungen über die Arbeitsweise und Erfolge der deutschen Nachrichtenaufklärung zurückzuführen ist). Der Oberbefehlshaber hat heute die Kommandierenden Generale, den Korück und den Kommandanten des Festen Platzes Bobruisk zu einer Besprechung zusammengerufen. Ihr Gegenstand sind Fragen der Kampfführung, der Ausbildung und der Versorgung, wie sie sich aus der augenblicklichen Lage der Armee und im Hinblick auf deren mögliche Weiterentwicklung ergeben. Der OB weist dabei ganz besonders auf die hohe Bedeutung des Stellungsbaues hin. Aus der Forderung des Führers, die jetzige HKL unter allen Umständen zu halten, hebe sich insofern eine Änderung der bisherigen Großplanung ergeben, als der Ausbau weit abgesetzter rückwärtiger Stellungen entfalle bezw. eingestellt werde. Die Armee müsse und werdedaher ihre gesamten Kräfte für den Ausbau eines operativen Hauptkampffeldes bis zu 40 km Tiefe einsetzen (Einzelheiten s.Anl.VIII 1). |
| 27.5.1944 | KTB 9.Armee. Das heute nacht beim XXXV.A.K. herausgelöste G.R.747 (707.I.D.) befindet sich auf dem Eisenbahntransport nach Minsk. Die endgültige Festlegung des Kampfplanes für das Bandenunternehmen südlich Marina Gorka soll morgen in einer Besprechung bei Korück, an der außer den Führern der beteiligten Einheiten auch der Armeechef teilnehmen wird, erfolgen. |
| 28.5.1944 | KTB 9.Armee. Ziel des neuen großen Bandenunternehmens (Deckname:"Pfingstrose") ist die Säuberung des Gebietes Marina Gorka - Ossipowitschi -Star. Dorogi - Ssluzk - Schazk, also eines mehr als 2000 qkm grossen Raumes. Der Kampfplan sieht - im großen gesehen - den Aufbau einer Sperrfront im Nordosten und Südosten (Marina Gorka - Ossipowitschi - Star. Dorogi) vor, während der Stoß in das Bandengebiet von Südwesten (Ssluzk) und Mordwesten (Schazk) her geführt werden wird. Die südwestliche Kräftegruppe (bei der sich das Sturm-Rgt. der AWS befindet) soll nach Zusammentreffen mit den von Nordwesten angreifenden Einheiten (darunter das G.R.747) im weiteren Vorgehen nach Osten als zweites Treffen folgen, einerseits um eine nochmalige Durchkämmung vorzunehmen, andererseits um etwa nach Westen durchbrechende Feindteile aufzufangen (s. dazu Anl. I op). Das G.R.747, das nunmehr mit allen Teilen nach Minsk abgefahren ist, wird von dort aus den Marsch nach Schazk im Lkw.-Transport antreten (siehe Anl. V 1 vom 29.5.44). Der Umweg ist gewählt worden, um eine vorzeitige Beunruhigung der Banden zu vermeiden. In Fortführung der Maßnahmen zur vermehrten Aktivierung der einheimischen Bevölkerung für Kriegsaufgaben, mit denen das AOK bewußt neue Wege beschreitet, ergeht heute ein Befehl zur Erfassung aller im Gefechtsgebiet befindlichen Jugendlichen im Alter von vollendetem 10. bis zum vollendeten 14. Lebensjahr. Von der Erkenntnis ausgehend, daß der Gegner Jugendliche unmittelbar hinter der Front als Arbeitskräfte zum Stellungsbau und zu Unterstützung der kämpfenden Truppe , als Kundschafter und Zuträger für die Banden und ältere Jugendliche sogar als Waffenträger einsetzt, erscheint es notwendig, sie ebenso wie die waffen- und arbeitsfähige Zivilbevölkerung nicht mehr als außerhalb des Kriegsgeschehens stehend zu betrachten, sondern ihre Arbeitskraft dem deutschen Interesse nutzbar zu machen und sie dabei gleichzeitig dem gegnerischen Einfluß zu entziehen. Es ist deshalb nach Verhandlungen mit der Reichsjugendführung die Möglichkeit geschaffen worden, diese Jugendlichen in Lagern im Reich aufzunehmen, wo sie - ähnlich wie in dem innerhalb des Armeebereichs geschaffenen Jugenddorf -nicht nur im antibolschewistischen Sinne erzogen, sondern auch in der Landwirtschaft und im Handwerk als zusätzliche Arbeitskräfte eingesetzt werden sollen (Einzelheiten s.Anl. VII 6 und KTB des O.Qu.). |
| 29.5.1944 | KTB 9.Armee. Um dem Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. die .befohlene Herauslösung weiterer infanteristischer Reserven zu ermöglichen, erhält das LV.A.K. Befehl, in der Nacht vom 30./31.5. einen Btl.-Abschnitt am Südflügel des XXXXI.Pz.K. zu übernehmen. Nach Rückkehr des DFB 129, das an dem Bandenuternehmen "Pfingstrose" teilnimmt, soll dann ein ganzes Rgt. der 120.I.D. (G.R.430) aus der Front gezogen werden (siehe Anl. IV 1). Am späten Abend ruft der Chef der Heeresgruppe den Armeechef an und teilt mit, daß das OKH die Abgabe des Kampfraumes Kowel (LVI.Pz.K.) an die Heeresgruppe Nordukraine angeordnet habe. Durch diese Grenzverlegung verliere die Heeresgruppe Mitte die Masse ihrer Reserven. Um deren Neubildung zu ermöglichen, werde die Herauslösung weiterer Verbände, aus der Heeresgruppenfront erforderlich sein; die 9.Armee müsse sich deshalb auf die Herauslösung, einer Division schon jetzt einstellen, und zwar sei an die 102.I.D. gedacht, da bei dem gegenwärtigen Feindbild eine Schwächung des südlichsten Armeeabschnitts noch am ehesten tragbar erscheine. Der Armeechef antwortet, daß das AOK in diesem Falle zur wenigstens teilweisen Deckung des entstehenden Ausfalls die Belassung bezw. Zuführung der 707.I.D. sowie von Artillerie-, Pionier- und Baueinheiten für dringend notwendig halte. Eine Entscheidung sowohl über die Abgabe der Division als auch über die Möglichkeit eines Teilausgleichs fällt noch nicht, sie dürfte wohl auch erst in einigen Tagen zu erwarten sein. |
| 30.5.1944 | KTB 9.Armee. Bei fortdauernder Kampfruhe vor der Armeefront scheint sich - vorerst allerdings nur im-unvollständigen Mosaik einzelner Gefangener- und Überläuferaussagen erkennbar - im Feindbild eine neue Entwicklung abzuzeichnen: mehrere Nachrichten, die in erster Linie aus dem Raum nördl. Rogatschew stammen, deuten darauf hin, daß der Gegner neue Verbände heranführt, die angeblich von den ukrainischen Fronten kommen und Angriffsauftrag haben sollen (s. im einzelnen die Ic-Zwischenmeldung). In Verbindung mit Bandenmeldungen über einen bevorstehenden Angriff einer ukrainischen Armee verdienen diese Nachrichten besondere Aufmerksamkeit. Sie sind jedoch, vor allen örtlich, noch keineswegs eindeutig genug, um schon jetzt bestimmte Abwehrmaßnahmen der Armee auslösen zu können. Das AOK beschränkt sich daher vorerst darauf, seine Vorbereitungen zur raschen Bildung von Abwehrschwerpunkten für diejenigen Frontabschnitte fortzusetzen, die nach der bisherigen Feindbeurteilung am ehesten mit einem Feindangriff zu rechnen haben. Dem LV.A.K. wird deshalb aufgegeben, die schnelle Verschiebung der le.Art.Abt.616 (RSO) sowohl zum Drut-Brückenkopf als auch in den Raun zwischen Beresina und Dnjepr kalendermäßig vorzubereiten. Die Frage der Herauslösung der 102.I.D. kommt heute noch einmal zwischen dem Chef der Heeresgruppe und dem Armeechef zur Sprache (Chef/Chef H.Gr., 11.40 Uhr). Der Chef der Heeresgruppe teilt mit, daß eine Entscheidung des Feldmarschalls auch jetzt noch nicht gefallen sei. Er halte es jedoch für möglich, daß im Falle eines Befehls zur Herauslösung der 102.I.D. der Armee die 707.I.D. belassen werde, da durch die Abgabe des Kampfraumes Kowel ihre geplante Verwendung um Raum Lublin nunmehr entfalle. Auf den Antrag des AOK auf Zuführung von Artillerie als Ausgleich dafür, daß dann das Art.Rgt. der 102.I.D. nur durch eine Art.Abt. der 707.I.D. ersetzt werde, glaubt die-Heeresgruppe allerdings höchstens die Zuführung einer RSO-Abt. in Aussicht stellen zu können. |
| 31.5.1944 | KTB 9.Armee. Die von der Heeresgruppe vorgesehene Herauslösung der 102.I.D. - es ergeht heute bereits der Befehl, ein Rgt. der Division aus der Front zu ziehen (s.Anl. V 1) - würde im Verwirklichungsfalle nach Ansicht des AOK nicht allein eine weitere Verschlechterung des allgemeinen Kräfteverhältnisses zwischen Freund und Feind nach sich ziehen, wie es bei der bisherigen Abgaben von Divisionen der Fall war, sondern wegen der schon großen Abschnittsausdehnung die Sperrwirkung der Front so schwächen, daß eine operative Gefährdung der Armeeflanke einträte, zumal jetzt von der Heeresgruppe betont wird, daß nicht nur kein Ersatz für das erste herauszulösende Regiment zu erwarten, sondern daß auch mit einer Belassung der 707.I.D. nicht zu rechnen sei (Ia H.Gr.Mitte/Ia, 17.05 Uhr). Angesichts der vorhandenen und vermutlich in Bildung begriffenen Feindschwerpunkte, die die Aufrechterhaltung der bisher getroffenen Vorbeugungsmaßnahmen gegen überraschende Angriffe unbedingt fordern (ins besondere gegen einen Angriff auf die Sperrstellung, die das XXXV.A.K. an der Bahnlinie Gomel - Kalinkowitschi durch das Festhalten am Knotenpunkt Shlobin einnimmt), und insbesondere im Hinblick auf die wahrscheinliche, wenn auch in ihrer Bedeutung noch nicht voll zu übersehende Neubildung eines größeren feindlichen Angriffsschwerpunkts durch Heranführung der ukrainischen Verbände, würde sich das AOK nach einer Abgabe der 102.I.D. vor die Alternative gestellt sehen, entweder seine Reserven in die Front zu stellen, um eine gewisse Mindestdichte der HKL zu erreichen, oder aber seine Südflanke weitgehend entblößt zu lassen, wobei die letztere Möglichkeit allerdings nur für beschränkte Zeit Aussicht auf Erfolg bietet, denn es muß damit gerechnet werden, daß der Gegner die Flankendeckung seines Großaufmarschs südlich des Pripjet offensiv führen wird und dann kraft seiner zahlenmäßigen Überlegenheit in den Sumpfwäldern nördl. des Pripjet nur zu leicht zu Erfolgen kommen kann, die für die Gesamtfront schwerwiegende Auswirkungen haben würden (Chef in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Aus diesen Erwägungen und insbesondere im Hinblick darauf, daß z.Zt. zwischen dem OKH und der Heeresgruppe noch Besprechungen im Gange sind, die allgemein die Frage der Neubildung von Reserven hinter der Heeresgruppenfront zum Gegenstand haben, schlägt das AOK seinerseits der Heeresgruppe vor, es. zunächst an Stelle der ganzen 102.I.D. mit der Herauslösung je eines Rgts. aus den Abschnitten des XXXXI.Pz.K. und des XXXV.A.K. bewenden zu lassen und darüber hinausgehende Maßnahmen erst nach weiterer Klärung des Feindbildes anzuordnen. Zur Frage der Aufstellung der Granatwerferkompanien wird den Gen.Kdos. heute eine die bisherigen Weisungen schärfer formulierende Anordnung des neuen Oberbefehlshabers bekanntgegeben, des Inhalts, daß an eine Zusammenziehung der m.Gr.W.Kpn. im Hinblick auf die dabei sich ergebenden taktischen Schwierigkeiten nur in ganz besonderen Notlagen gedacht sei, dh., daß das AOK zur Schwerpunktbildung im allgemeinen nur auf die s.Gr.W.Kpn. zurückzugreifen gedenke. Zur Sicherstellung eines genügend großen Munitionsvorrats für diese wird gleichzeitig eine scharfe Drosselung des Verschusses von schw. Wurfgranaten befohlen (s.Anl. IV 1). |
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