LVI.Panzerkorps
Kriegstagebuch    Befehle    Gliederungen    Zustandsmeldungen   Stellenbesetzungen   Ersatz/Verluste   Material/Ausrüstung

 

Kriegstagebuch Januar 1944
8.1.1944
KTB 9.Armee.
Der Gegner tritt heute zu dem erwarteten Angriff an. Am Nordflügel der 2.Armee kommt es zu schweren Kämpfen, die auch auf den Abschnitt der 134.I.D.
übergreifen, Mehrere nördlich der Armeegrenze in Btl.-Stärke vorgetragenen Feindangriffe werden in harten Gefechten zum Teil abgewiesen, zum Teil führen
sie zu örtlichen Einbrüchen, die jedoch durch sofort einsetzende Gegenstöße bereinigt werden können.
Weniger erfolgreich ist die Abwehr im nördlichen Abschnitt des LVI.Pz.K. (2.Armee). Zwischen Rylowitschi und der Armeegrenze, am linken Flügel der 4.Pz.Div.,
stößt der Gegner bis in die Gegend südlich Sabolotje durch. Das XXXXI.Pz.K. dadurch in seiner Flanke unmittelbar bedroht, beginnt unter Einsatz beschleunigt
herangezogener Reserven mit dem sofortigen Aufbau der geplanten Sicherungslinie längs der Armeenaht.
Um 21.50 Uhr meldet das Korps, laut Mitteilung der Pz.A.A.4 sei der rechte Nachbar im Ausweichen auf die Linie Rylowitschi -Sabolotje. Anfragen beim LVI.Pz.K.
ergeben keine eindeutige Klärung der Lage. Auch die Heeresgruppe, deren Fernsprechverbindungen zum AOK 2 ausgefallen sind, zeigt sich nicht orientiert.
Ihren Vorschlag, die 9.Armee solle den Abschnitt von Rylowitschi bis Sabolotje mit übernehmen, lehnt das AOK ab, da ihm keine Kräfte zur Verfügung stehen
(Ia/Ia H.Gr., 21.40 Uhr). Es schlägt vielmehr seinerseits vor, die Bereinigung des Einbruchs durch beiderseitigen Angriff - 134.I.D. von Norden, Pz.A.A. 4
von Süden - durchzuführen und auf diese Weise den Upa=Abschnitt wieder zugewinnen. Nach Eingang einer neuen Orientierung vom Gen.Kdo.XXXXl.Pz.K., wonach
zwischen den beiden genannten Orten z.Zt. eine 2 km breite Frontlücke bestehe, südlich davon nur schwache Sicherungskräfte vorhanden seien und das LVI.Pz.K.
erklärt habe, die stark angeschlagene Pz.A.A.4 sei zur Mitwirkung bei dem vorgesehenen Bereinigungsangriff nicht im Stande, sieht das AOK sich jedoch
gezwungen, seinen Vorschlag wieder fallen zu lassen, da ein nur von Norden geführter Gegenangriff zwecklos sein würde. Es wird der Heeresgruppe deshalb
nunmehr vorgeschlagen, auf diesen (an sich notwendigen) Gegenangriff zu verzichten und dafür die 2.Armee anzuweisen, mit ihrem Nordflügel unter allen Umständen
die Höhe 2 km südlich Sabolotje festzuhalten, die 9. Armee werde dann unter Einsatz letzter Kräfte dorthin während der Nacht Anschluß zu nehmen suchen.
Die Heeresgruppe ist einverstanden, woraufhin das XXXXI.Pz.K. den Befehl erhält, außer der Herstellung der Verbindung zur 2.Armee Eingreifreserven südlich
Sabolotje bereitzustellen, um einem weiteren Vorgehen des Feindes angriffsweise entgegenzutreten. Der Ausbau der geplanten Flankenschutzstellung soll sofort
begonnen werden. Das AOK ist der Ansicht, daß die Verbindung unter keinen Umständen abreißen dürfe und bringt diese Auffassung auch dem AOK 2 gegenüber
deutlich zum Ausdruck (Chef 9/Chef 2, 23,35 Uhr), unter dem Hinweis, die 2.Armee laufe andernfalls Gefahr, völlig isoliert zu werden. (Ihr rechter Flügel ist
bereits seit längerem ohne Verbindung zur Heeresgruppe Süd.) Infolgedessen sei es notwendig, daß die 2.Armee von sich aus starke Kräfte an ihren linken Flügel
schiebe, um hier der Gefahr eines feindlichen Durchbruchs vorzubeugen. Die 9.Armee ist zu einer zusätzlichen Schwerpunktbildung an der Armeenaht um deswillen
nicht in der Lage, weil allzu deutliche Vorzeichen auf die Möglichkeit eines "treppenweisen" Weiterschreitens der Feindangriffe nach Norden hinweisen
(s.Anl. II und III) und die Armее gegenüber dieser Gefahr gewappnet bleiben muß. Das AOK hält deshalb die von AOK 2 im Gegensatz zur Auffassung der 9.Armee
ausgesprochene Anschauung, das Schwergewicht der Abwehr habe allein auf deren freiem Südflügel zu liegen, für ausgesprochen gefährlich.
9.1.1944
KTB 9.Armee.
Die schweren Kämpfe am Nordflügel der 2. Armee dauern fort, und ihre Ausstrahlungen auf den Südflügel der 9.Armee verstärken sich.
Der Feind greift am Vormittag zwei Stützpunkte der 134.I.D. südostw. Sabolotje an, erzielt unter Ausnutzung des starken Schneetreibens und des unübersichtlichen
Waldgeländes Einbrüche, kann allerdings im Gegenstoß wieder zurückgeworfen werden. Unter Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte gelingt auch die Schließung
der noch zwischen beiden Stützpunkten bestehenden Frontlücke Weniger glücklich verlaufen wieder die Kämpfe bei der 2.Armee (s.Anl. V 4), die das AOK wegen ihrer
möglichen Auswirkungen auf den eigenen Südflügel besonders aufmerksam verfolgt, leider wird vom LVI.Pz.K. die Verbindung nicht so gehalten, wie es zur Wahrung
des Anschlusses wünschenswert und erforderlich wäre -so erfährt z.B. das XXXXI.Pz.K. nur auf Umwegen, daß der Nordflügel des Nachbarkorps Befehl habe, sich im
Falle überlegenen Feinddrucks auf eine Brückenkopfstellung um Osaritschi zurückzuziehen (Ia XXXXI/Ia 8.45 Uhr). Weder dem XXXXI.Pz.K. noch dem AOK ist diese
praktisch einem Befehl zum Absetzen und damit einer völligen Entblößung der eigenen Südflanke gleichkommende Anordnung bekanntgegeben worden. Das AOK wendet
sich deshalb unverzüglich an die Heeresgruppe (Chef/Ia H.Gr., 9.05 Uhr), mit der Bitte, eine Klärung herbeizuführen. Um für alle Fälle eine Eingreifreserve zur
Hand zu haben, befiehlt der Oberbefehlshaber, das Sich.-Btl.738, das an sich gestern zur 2. Armee abgegeben worden war, inzwischen jedoch - als Ersatz für das
abzugebende Btl. Brandenburg (s.Anl. V 1 und IV 2) - der 9. Armee wieder rückunterstellt wurde, beschleunigt in Podheresje, hinter dem Südflügel der Armee zu
versammeln.
Die Entscheidung der Heeresgruppe (FM/Chef, 9.40 Uhr) lautet: Die 9.Armee hat den Nordflügel der 2.Armee zu stützen. Dazu wird die Armeegrenze nach Süden bis
zum Nordrand Rylowitschi verschoben und der Armee aufgegeben, vorläufig mit eigenen Kräften, später unter Einsatz eines verst. Rgts. der 35.I.D., das der Armee
von der 4.Armee zugeführt wird (s.Anl. V 6), die in diesem Abschnitt befindlichen Teile der 4. Pz.Div. bereits in der kommenden Nacht herauszulösen. Das AOK 2
wird auf die Wahrung des Anschlusses noch einmal ausdrücklich hingewiesen (s. Anl. V2).
Das XXXXI.Pz.K. erhält daraufhin den Befehl, die Übernahme unter Heranziehung aller verfügbaren infanteristischen und artilleristischen Kräfte umgehend
durchzuführen und außerdem mit dem Bau einer Riegelstellung in allgemeiner Linie Sabolotje -nördl. Mal.Litwinowitschi sofort zu beginnen. Hierfür müssen dem
Korps noch zwei Sicherungsbataillone aus dem rückwärtigen Gebiet zugewiesen werden (s.Anl. IV 1) - eine Tatsache, die dazu zwingt, das geplante Bandenunternehmen
Choino - Karpilowka auf unbestimmte Zeit zu vertagen, da es mit den noch übrigbleibenden Kräften allein nicht mehr durchgeführt werden kann (s. Anl. IV 1 u. 2.
v. 10.1.44).
An der übrigen Armeefront verläuft der Tag bis auf einen örtlichen Feindangrif auf der Naht 36./253.I.D. - er dürfte als Erkundungs- oder Fesselungsvorstoß zu
werten sein - ruhig. An der linken Naht der Armee läßt die Zusammenziehung von Pionierbataillonen auf der Feindseite wieder einmal auf die feindlichen
Angriffsabsichten schließen, von denen Näheres allerdings noch nicht zu erkennen ist (Chef H.Gr./Ia 23.45 Uhr).
Wie die Heeresgruppe mitteilt, steht eine Verbreiterung des Armeeabschnittes auch nach Norden in Aussicht, um den Kampfraum Now.Bychoff, der möglicherweise das
Ziel dieser Angriffsabsichten darstellt - die Gewinnung von Dnjepr=Brückenköpfen ist ja seit längerer Zeit als feindliches Vorhaben bekannt - führungsmäßig in
eine Hand zu geben. Die Armee rechnet damit, daß ihr hierbei wahrscheinlich die am Südflügel der 4.Armee stehende zur 110.I.D. gehörige Div.Gr. 321, deren
Rückunterstellung schon mehrfach beantragt worden ist unter gleichzeitiger Verlegung der Armeegrenze nach Norden unterstellt werden wird - eine Lösung, die in
Bezug auf die Mitübernahme des Verteidigungsabschnittes der Div.Gr. von der Armee nur mit Bedenken betrachtet wird, da man gehofft hatte, die Div.Gr. ohne
Frontverbreiterung zurückzuerhalten, um sie als Verstärkung und zur Herauslösung anderer Einheiten an anderen Stellen der Armeefront zu verwenden.
13.1.1944
KTB 9.Armee.
Unter starkem Feinddruck beginnt die 2.Armee die Absetzbewegung in die Pripjet=Upa=Stellung. An ihrem Nordflügel droht der mit überlegenen Kräften nach
Südwesten stoßende Gegner den ausweichenden eigenen Truppen den Rückweg über die Upa zu sperren. Auf Bitten des LVI.Pz.K. hat das XXXXI.Pz.K. sich bereit
erklärt, seinen rechten Flügel bis zum Nordrand Kaplitschi zu strecken.
Auf Grund einer Meldung des AOK 2, es sei bereits in der kommenden Nacht mit einem Feindangriff auf Kaplitschi zu rechnen, befiehlt die Heeresgruppe die
Abgabe von Sturmgeschützen vom XXXXI.Pz.K. zur 4.Pz.Div., und zwar erfolgt, mit Rücksicht auf die Abschnittsübernahme, die Abgabe nur einer Batterie der
Abteilung 909.
Vor der Armeefrcnt finden heute keine besonderen Kampfhandlungen statt. Es muß jedoch weiterhin damit gerechnet werden, daß der Feind, der aus dem Raum
Gomel - Retschiza ständig Verstärkungen heranführt, nach gelungener Absetzbewegung der 2.Armee mit den dann freiwerdenden nördlich des Pripjet stehenden
Kräften nach Westen und Nordwesten eindreht und zu einem erneuten Vorstoß auf Bobruisk antritt. Mit einem Wiederaufleben der Angriffe an der ganzen Front
des XXXXI.Pz.K. ist infolgedessen schon sehr bald zu rechnen. Im Abschnitt des LV.A.K. bleibt der Feind auch heute an der Front so gut wie untätig, starke
Truppenbelegungen im Hintergelände, im Raum um Dowsk,. deuten jedoch auch hier auf ein Fortbestehen seiner Angriffsabsichten hin. Die zur Ordnung der
Verbände von der Heeresgruppe befohlene Zuführung der noch im ehemaligen Abschnitt der Div.Gr. 321 stehenden Artillerie der 267.I.D. zur 4.Armee
(s. Anl. V 1)  hält das AOK deshalb gerade jetzt für sehr gefählich. Es wird notwendig sein, Aushilfsmaßnahmen zu treffen. Eine Entscheidung darüber fällt
jedoch heute noch nicht.
   
   
   
   
18.1.1944

KTB 9.Armee.
Mit unverminderter Wucht, z.T. unter Einsatz frischer Verbände greift der Feind das XXXXI.Pz.K. weiter an. Die Schwerpunkte liegen wiederum auf den beiden
Flügeln (s.Ic=Zwischenmeldung).
Die Beseitigung des feindlichen Brückenkopfes westlich der Wischa gelingt auch heute nicht. Südlich Osaritschi stehen schwache Sicherungsbataillone in
ungleichem Kampf mit weit überlegenem Gegner. Der Oberbefehlshaber, der beim XXXXI.Pz.K. weilt, befiehlt zur Stützung der Abwehr in diesen Abschnitt die schnelle
Zuführung zweier Bataillone von LV. und XXXV.A.K. (Chef/Ia XXXV, 10.30 Uhr; Chef/Chef LV, 10.35 Uhr); beide Korps verlieren damit ihre letzten eigenen Reserven.
Angesichts des bereits jetzt eingetretenen hohen eigenen Kräfteverbrauchs und des unvermindert starken Feinddrucks im Raum südlich Osaritschi hält der
Oberbefehlshaber, um ein Aufbrechen der Front zu vermeiden, die Zurücknahme der HKL auf einen Brückenkopf um Osaritschi (in allg. Linie Ssytschitschi - Ostroff)
für notwendig (OB/Chef, 12.30 Uhr) und läßt dies der Heeresgruppe melden (Chef/Chef H.Gr., 12.55 Uhr). Der Feldmarschall versagt jedoch sein Einverständnis zu dem
geplanten Ausweichen und fordert das Halten der  bisherigen Stellung (Chef/Chef H.Gr., 13.15 Uhr). Schon um 13.25 Uhr muß allerdings das AOK der Heeresgruppe
mitteilen, daß inzwischen der linke Flügel der 35.I.D. durch neue Feindeinbrüche bis fast auf Osaritschi zurückgeworfen worden sei (01/01 H.Gr.). Zwischen ihm und
dem stehengebliebenen rechten Flügel der 134.I.D;, der die feindlichen Angriffe hat abweisen können, klafft eine Lücke. Um eine einheitliche Befehlsführung
sicherzustellen, bildet das Gen.Kdo. aus der 35. und 134.I.D.die "Gruppe Schlemmer" unter Führung des Div.Kdr. 134.I.D. und unter Zusammenfassung aller überhaupt
greifbaren Soldaten gelingt es bis zum Abend, den linken Flügel der 35.I.D. im Gegenstoß wieder bis in die heute vormittag als Brückenkopf vorgeschlagene Linie
vorzudrücken und den Einbruch damit zu verengen.
Besonders ernst gestaltet sich die Lage am linken Korpsflügel, wo der Feind einen tiefen Einbruch westl. Rossowo erzielt und bis zur Rollbahn durchstößt
(Einzelheiten s.Anl. II und III). Unter Einsatz letzter Reserven kann die Rollbahn wieder freigekämpft und der Einbruch abgeriegelt werden. Um Rossowo tobt ein
erbitterter Kampf, der sich bis in die Nacht hinein fortsetzt. Der Oberbefehlshaber hat sich entschlossen, morgen das bisher als Armeereserve zurückgehaltene
G.R.58, durch Sturmgeschütze verstärkt, an dieser Stelle zum Gegenangriff einzusetzen (s.Anl. IV 1).
Die zunehmende Ausdehnung der Kämpfe südlich der Beresina und die Erwartung, daß sie wohl noch einige Zeit in unverminderter Härte andauern werden, läßt eine
Änderung- der Befehlsverhältnisse in diesem Abschnitt zweckmäßig erscheinen. Die Zugehörigkeit des Kampfraumes teils zur 9., teils zur 2.Armee erschwert die
Einheitlichkeit der Führung. Mit Rücksicht auf die am Pripjet liegende Hauptfront der 2.Armee beabsichtigt die Heeresgruppe, den Befehlsbereich der 9. Armee
weiter nach Süden auf den Ab schnitt der 4.Pz.Div., gegebenenfalls auch der 5.Pz.Div. zu erstrecken. Man denkt dabei gleichzeitig an eine Freimachung des
Gen.Kdo.LVI.Pz.K. zum Einsatz am rechten Flügel der 2.Armee, und ferner, da der Gesamtabschnitt südlich der Beresina für eine Führung allein durch das
Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. zu breit erscheint, an eine Erweiterung des Befehlsbereichs des Gen.Kdos. XXXV.A.K. auf den Abschnitt der 253.I.D. (Chef H.Gr./Chef, 15.30 Uhr).
Das AOK weist darauf hin, daß bei dieser Lösung eine Zerreißung des derzeitigen Brennpunktabschnittes an der Grenze 36./253.I.D.. eintreten würde, und schlägt
seinerseits vor, gleichzeitig mit der 4.Pz.Div. auch das Gen.Kdo.LVI.Pz.K. der 9.Armee zu unterstellen. Diesem Vorschlag entspricht die Entscheidung des
Feldmarschalls (s.Anl. V 2). Die Unterstellung soll um 24.00 Uhr in Kraft treten. Dem LVI.Pz.K., das im wesentlichen für den Bereich des südlichen Brennpunktes
(Osaritschi) befehlsführend werden soll, während das XXXXI.Pz.K. die Führung in dem an der Beresina anschließenden Abschnitt mit dem Brennpunkt Rossowo behält
(s.Anl. IV 1 und 2), wird auch die 35.I.D. unterstellt werden.
Das AOK hat heute den Antrag an die Heeresgruppe gerichtet, am nördlichen Armeeflügel den Frontabschnitt bis Now.Bychoff, d.h. den erst vor kurzem von der 4.Armee
übernommenen Abschnitt der 4.Armee wieder zurückzugeben, um dadurch die geplante Herauslösung der 110.I.D. zu erleichtern (s.Anl. IV 3).
19.1.1944
KTB 9.Armee.
Am Südflügel der Armee beginnt sich die Überlegenheit des Feindes gegenüber der eigenen durch die harten Kämpfe stark beanspruchten Truppe mehr und mehr bemerkbar
zu machen. Sehr ungünstig wirkt sich die geländebedingte Unmöglichkeit eines vollen Einsatzes der Artillerie aus, die ja sonst - angesichts der geringen
infanteristischen Starken - den wesentlichen Faktor der deutschen Abwehr zu bilden pflegt. Zu häufigem Stellungswechseln gezwungen vermag sie in dem unübersichtlichen
Waldgelände den Grenadieren, die gegenüber dem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner einen schweren Stand haben, nur wenig zu helfen.
Der geplante eigene Gegenangriff bei Rossowo, das seit gestern 11 mal den Besitzer gewechselt hat, muß aufgegeben werden (s.Anl. IV 1), da neben den bisher schon im
Kampf um den Ort eingetretenen Ausfällen die für den Angriff noch zu erwartenden Verluste in keinem Verhältnis zu dem erstrebten Erfolg stehen würden.
Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb, in einer brauchbaren Linie zur Verteidigung überzugehen (OB/Ia, 9.50 Uhr). Im Abschnitt der 36.I.D., an der Stelle, wo seinerzeit
die nicht gelungene Schließung des "Nikolaus=Kessels zum Aufbau einer Stützpunkt=HKL im Sumpfgebiet nordwestl; Sagorje zwang, sind Feindteile bis an die Straße
Tschirkowitschi - Welikij Bor durchgesickert, die sich laufend verstärken. Um einen weiteren Durchstoß zu verhindern, werden Kräfte aus dem Abschnitt Medwedoff
freigemacht und zum Gegenangriff gegen den ein gebrochenen Feind eingesetzt.
Besonders kritisch entwickelt sich die Lage im Abschnitt des LVI.Pz.K. Hier erzwingt der Feind unter Ausnutzung seines Brückenkopfes den Übergang über die Wischa in
breiter Front, nimmt die Orte Ugly und Wischa und nähert sich der Straße Kolki - Osaritschi. Im Wald südlich Krjukowitschi kämpfen an eigenen Teilen nur noch versprengte
Gruppen: der Zusammenhang der Front ist bis Teruscha unterbrochen (KG LVI/Chef, 15.55 Uhr). Es besteht, um ihn wiederherzustellen, nur die Möglichkeit, aus dem
Upa=Abschnitt zwischen Kaplitschi und Krotoff starke Kräfte herauszulösen und sie dem Feind, der nach Westen und Norden weiter vorstößt, vorzulegen. Da jedoch dadurch die
Upa-Pront so geschwächt werden würde, daß sie zur Abwehr eines stärkeren Feindangriffs nicht mehr in der Lage wäre, erbittet das AOK auf Antrag des LVI.Pz.K. von der
Heeresgruppe die Zuführung von Kräften des rechten Nachbarn zur 4.Pz.Div., um einem Zurückeerfen des rechten Flügels der Division und damit einem Abreißen des Anschlusses
zur 2.Armee vorzubeugen (Chef/ Ia H.Gr., 16.45 Uhr). Der Feldmarschall entscheidet, daß die 5.Pz.Div. ein Rgt. in den Abschnitt Kaplitschi - Krotoff stellen soll
(s..Anl. V 4), genehmigt das Herausziehen von Teilen der 4.Pz.Div. zur Abriegelung des Einbruchs, fordert aber, daß die Front an der Upa ohne Rücksicht auf den weiter
nördlich eingebrochenen Gegner auf alle Fälle an der jetzigen Linie stehenzubleiben habe (FM/ОВ 17.30 Uhr). Die Auffassung des LVI.Pz.K., das (s.dazu Anl. IV 4) darauf
hinweist, der doppelte Auftrag, den Einbruch abzuriegeln und gleichzeitig an der Upa=Front festzuhalten, übersteige nicht nur die Kräfte des Korps, sondern werde auch ohne
Zweifel sehr bald von der Entwicklung überholt sein, erscheint dem AOK zwar nicht ganz unbegründet, im Hinblick auf den strikten Befehl des Feldmarschalls weist der
Oberbefehlshaber jedoch selbst noch einmal ausdrücklich darauf hin, daß die Front zwischen Kaplitschi und Krotoff unter allen Umständen verteidigt werden müsse; die Aufhebung
dieses Befehls behält er sich selbst vor (OB/KG LVI, 23.20 Uhr; OB/Chef, 00.20 Uhr; Chef/Ia LVI, 00.25 Uhr). Darüber hinaus aber befiehlt er dem ХХXXI. und LVI.Pz.K. den
beschleunigten Ausbau einer Riegelstellung in allgemeiner Linie Myssloff Rog - Nekraschi - Verlauf der Tremlja (s.Anl. IV 6).
Auch beim XXXV.A.K. greift der Feind im Abschnitt der 45.I.D. heute erstmalig wieder mit schwächeren Kräften an. Es dürfte sich um einen Begleitstoß zu dem mit der Masse der
Verbände südlich der Beresina geführten, auf Bobruisk zielenden Hauptangriff handeln. Seine Wiederholung in den nächsten Tagen erscheint nicht ausgeschlossen
(s.Ic=Zwischenmeldung). Der heutige Angriff kann abgewiesen, ein örtlicher Einbruch im Gegenstoß bereinigt werden.
Entsprechend dem gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernahme des Frontabschnittes am Nordflügel der Armee bis einschießlich. Now.Bychoff durch AOK 4
(s.Anl. V 1). Sic soll nach erfolgter Ablösung der dort stehenden Teile der 31.I.D. am 21.1 , 4.00 Uhr erfolgen. Das AOK gibt daraufhin dem LV.A.K. den Befehl, die 110.I.D.
(vorerst ohne 1 verst.Rgt.Gruppe) nunmehr abschnittsweise herauszulösen und zum Südflügel der Armee in Marsch zu setzen. (s.Anl. IV 3). Um die ganze Division herauslösen zu
können - und das AOK hält den Einsatz auch der zunächst noch beim LV.A.K. zurückbleibenden Rgt.Gruppe am Südflügel für unbedingt erforderlich - wird bei der Heeresgruppe die
Übernahme noch eines weiteren Abschnittes der 31.I.D. durch Kräfte der 4.Armee beantragt (s. Anl. V 2).
Von der Heeresgruppe ist die Inmarschsetzung der z.Zt. noch beim Pz.AOK 3 befindlichen 129.I.D. in den Raum Bobruisk befohlen worden. Die Division - mit Eintreffen als
Heeresgruppenreserve dem AOK 9 unterstellt - soll dort eine kurze Auffrischungszeit durchmachen (s.Anl. V 1).
20.1.1944
KTB 9.Armee.
Absicht des Feindes scheint zu sein, durch möglichst rasches Nachschieben von Verstärkungen in die Einbruchsräume den Aufbau neuer Widerstandslinien zu vereiteln und ohne
Zeitverlust die wichtigen Übergänge über die Tremlja bei Kolki und der Upa bei Dubrowa in die Hand zu bekommen.
Beim LVI.Pz.K. nimmt der Gegner Kaplitschi, den Eckpfeiler der noch an der Upa stehen gebliebenen Front, durchbricht die längs der Straße Kaplitschi - Kolki aufgebaute
Sicherungslinie und stößt auf Dubnjaki vor. Ein Versuch, die Straße unter Einsatz von Panzern wieder freizukämpfen, mißlingt. Damit rückt die Möglichkeit eines Zerreißens
der jetzt schon aufgebrochenen Front ostw. des Tremlja=Sunpfes in bedrohliche Nähe; die noch dort befindlichen, zum Teil schon vom Feind umgangenen Stützpunkte laufen Gefahr,
entweder in den Sumpf zurückgeworfen zu werden oder in Gefangenschaft zu geraten. Das Sumpfgebiet, etwa 15 km breit und bis zu 8 km tief, ist bei der augenblicklichen Wetterlage
höchstens für Fußgänger durchschreitbar. Um ein Abdrängen der noch südlich Dubnjaki stehenden eigenen Teile zur 2.Armee zu verhindern (die Armeegrenze verläuft quer durch den
Sumpf), erbittet das LVI.Pz.K. die Genehmigung zur Zurücknahme seines rechten Flügels auf die Linie Dubnjaki - Ssawitschi. Dieser Antrag, vom AOK sofort zur Heeresgruppe
weitergegeben, findet allerdings nicht deren Zustimmung. Die Heeresgruppe betont vielmehr, es müsse versucht werden, den Zusammenhang der Front unter allen Umständen, gegebenfalls
sogar angriffsweise, ostwärts des Sumpfes wieder herzustellen. Sie unterstellt alle südlich der Linie Ssetowka - Dubnjaki stehenden Teile der 2.Armee, die gleichzeitig beauftragt
wird, ein weiteres Feindvorgehen zwischen Upa und Tremlja möglichst weit nördlich zu verhindern - im übrigen wird beiden Armeen befohlen, alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung bzw.
Wiederherstellung des Anschlusses zu treffen (s. dazu Anl. V 2 und IV 6).
Auch im Angriff auf die inneren Flügel des LVI., und XXXXI.Pz.K. erringt der Feind neue Erfolge. Nach erbittertem Kampf gehen Osaritschi und Pischelniki verloren. Angriffe auf
Lessez und Ssolowcika können abgeschlagen werden.
Im zweiten Brennpunkt der Kämpfe, beim XXXXI.Pz.K. , gelingt die Schließung der Lücke zwischen 134. und 36.I.D. nicht. Gegenangriffe haben nur teilweisen Erfolg. Zwischen Upa und
Welikij Bor kann eine zusammenhängende HKL auch heute nicht wiederhergestellt werden. Da der Feind - etwa 2 Divn. stark - immer neue Verstärkungen in die Einbruchslücke nachführt,
hat sich das Korps zur Heranführung weiterer Kräfte aus der Front der 36. und 134.I.D. gezwungen gesehen, was bei der 36.I.D. zum Zurückwerfen der stehengebliebenen schwachen Teile
führt, als diese (im Abschnitt Medwedoff - Kremena) vom Feind ebenfalls angegriffen werden. Für die Front der 134.I.D., die in einen weit vorspringenden Bogen zum Teil noch an Upa
steht, ist Gleiches im Falle eines Feindfagriffs zu befürchten. Der Oberbefehlshaber erbittet deshalb von der Heeresgruppe die Genehmigung zur vorbeugenden Zurücknahme dieses
Frontbogens unter Belassung von Nachtruppen an der Upa, wodurch gleichzeitig (infolge der dann eintretenden Verkürzung der HKL) Weitere Kräfte zur Abriegelung des Einbruchs bei
Welikij Bor freiwerden sollen. Die Genehmigung wird erteilt. Das AOK befiehlt daraufhin, da mit einer Fortsetzung starker feindlicher Angriffe auf Welikij Bor gerechnet werden muß,
mit den freiwerdenden Teilen der 134.I.D. den dortigen Abwehrschwerpunkt weitmöglichst zu verstärken. Ob die feindlichen Pläne in diesem Abschnitt auf eine Wegnahme von Dubrowa und
damit auf die Öffnung der von dort nach Piritschi führenden Straße zielen oder ob man auf der gegnerischen Seite hauptsächlich an einen Stoß auf Tschirkowitschi denkt, kann auf Grund
des derzeitigen Frontbildes noch nicht gesagt werden.
Auf den gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernehme eines weiteren Btl.-Abschnittes am linken Armeeflü-gel (bis Wotnja) durch die 4.Armee. AOK 9 erhält die
Auflage, unter weiterer Verdünnung der Front des LV.A.K. nunmehr auch die letzter, dort noch im Einsatz befindlichen Teile der 110.I.D. zur geschlossenen Verwendung am Südflügel der
Armee herauszulösen (s. Anl. VI und IV 1 und 2).
Das im Raum südllich Bobruisk liegende, als Bandenzentrum bekennte Gebiet um Karpilowka, dessen Bereinigung nach Beendigung des "Nikolaus"=Unternehmens zu Jahresbeginn schon einmal
geplant war, aber infolge deг Kampflage, die den teilweisen Einsatz an der Front forderte, damals nicht durchgeführt werden konnte, hat nach Unterstellung des LVI.Pz.K. dazu gezwungen,
die dorthin führenden Versorgungswege verhältnismäßig frontnah durch den Bereich des XXXXI.Pz.K. verlaufen zu lassen. Mit dem schrittweisen Heranrücken der Front an diese Straße ist
die Schaffung anderer Versorgungswege immer notwendiger geworden. Das AOK beabsichtigt daher, in den nächsten Tagen ein größeres Unternehmen im Raum Karpilowka durchzuführen, mit dem
Ziel, einen von Glusk aus unmittelbar zum LVI.Pz.K. führenden Versorgungsweg. Um die dazu erforderlichen Kräfte zu erhalten, wird heute - in der schon damals geplanten Art - die
Ablösung von zwei im Sicherungsdienst stehenden Landesschützenbataillonen durch neu aufzustellende Alarmeinheiten, und die Bereitstellung weiterer Sicherungskräfte befohlen.
Als Führungsstab ist zunächst der Brigadestab z.b.V.4 (Treptow) vorgesehen,
21.1.1944  KTB 9.Armee.
Die Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K. stehen auch heute wieder in schweren, wechselvollem Abwehrkampf gegen den hartnäckig weiter angreifenden Feind.
Am äußersten rechten Armeeflügel geht am Vormittag Dubnjaki verloren, kann jedoch im Gegenangriff mit Unterstützung von Sturmgeschützen wiedergenommen werden, wobei der Feind schwere
Verluste erleidet. Die erstrebte Wiedergewinnung des Anschlusses zur 2.Armee ostw. des Tremlja=Sumpfes allerdings gelingt nicht.
Nördlich Osaritschi sind schwere Kämpfe um Lessez und Ssolowejka im Gange. Der Feind, der sich nach mehreren vergeblichen Angriffen in den Besitz beider Orte hat setzen können, wird in
verlustreichen Häuserkämpfen wieder auf die alte HKL zurückgeworfen. Am Abend geht Ssoloweika erneut verloren.
Die Nachtruppen, die noch in der bisherigen HKL der 134.I.D. an der Upa stehengeblieben sind, werden von überlegenem Feind durchbrochen und auf die Linie Sabolotje - Mechowtschina -
Salje zurückgeworfen. Auch die Front der 36.I.D., die durch Abziehung von Kräften zur Abriegelung der Einbruchsstelle Welikij Bor stark überdehnt ist, wird vom Gegner an mehreren Stellen
durchstoßen.
In einzelnen Widerstandsgruppen zersprengt, erleidet die Division erhebliche Verluste. Erst südlich der Straße Welikij Bor - Tschirkowitschi kann der Feind unter Heranziehung dort
eingesetzter Baukräfte wieder zum Stehen gebracht und eine neue Abwehrfront gebildet werden.
Die Absichten des Feindes in diesem Raum scheinen, nach dem Schwerpunkt der heutigen Angriffe zu urteilen, nun doch in erster Linie auf die Gewinnung der Straße Tschirkowitschi - Paritschi
gerichtet zu sein, was den Oberbefehlshaber dazu veranlaßt, die sofortige Bildung eines Abwehrschwerpunktes auf dem rechten Flügel der 253.I.D. zu befehlen, um ein Abgeschnittenwerden der
im Brückenkopf Schazilki stehenden Teile der Division zu vermeiden. Daß dies nicht ohne Schwächung der Abwehrkraft des Brückenkopfes geschehen kann, ist bei den vorhandenen geringen Kräften
unvermeidlich, zwingt aber andererseits dazu, die Möglichkeit eines Eindrückens des Brückenkopfes schon jetzt ins Auge zu fassen (s. dazu Anl. IV 1).
In einer Besprechung, die am Vormittag beim Armeechef stattfindet, wird die Anlage des Bandenunternehmens südlich Bobruisk im einzelnen festgelegt (s. dazu den Befehl Anl. IV.2).
Am 23.1. soll, in Erweiterung eines vom LVI.Pz.K. durchgeführten Unternehmens, mit dem Freikämpfen des Versorgungsweges für das LVI.Pz.K. über Karpilowka - Ratmirowitschi nach Glusk begonnen
werden. Der Kampfauftrag geht dahin, das Bandenzentrum um Karpilowka zunächst von Norden im Zuge der Eisenbahn und von Osten her anzugreifen, um die Banden nach Westen über den Ptitsch
zurückzuwerfen. Der Versuch einer Einschließung und Vernichtung der Banden soll unterlassen, nach Säuberung des Gebietes um Karpilowka vielmehr unverzüglich zum Freikämpfen eines Weges nach
Nordwesten auf Glusk und nach Südosten auf Kurin und Grabje abgetreten werden (Einzelheiten s.d.Anl.).
22.1.1944
KTB 9.Armee.
Die schweren Kämpfe, die seit dem 16.1. auf dem Südflügel der Armee entbrannt sind, stehen, wie jetzt, allmählich immer klarer hervortritt, unter dem Zeichen eines neuen sowjetischen
Großangriffsverfahrens. Der Feind berennt nicht, wie er еs sonst vielfach tut, auf breiter Front die deutschen Stellungen, sondern greift unter scharfer Bildung örtlicher Schwerpunkte einzelne
Stellen der HKL mit starken Kräften an und versucht, wenn ihm der Durchbrach gelingt, in sofortigen Eindrehen die Front aufzurollen. Gelingt ihm der Durchbruch nicht, so pflegt er nach
verhältnismäßig rascher Verlagerung seiner Schwerpunkte an anderer Stelle erneut anzugreifen. Es ist dies eine taktisch außerordentlich geschickte Angriffsart, die аn den Verteidiger
führungsmäßig größte Anforderungen stellt; sie verlangt eine in höchstem Maße wendige Anpassung an die Kampfweise des Gegners durch vorausschauende und schnelle Bildung von Abwehr Schwerpunkten
in den jeweils bedrohten Abschnitten. Von der Truppe fordert sie - gerade hier, in dem fast -überall unübersichtlichen und für den Artillerieeinsatz besonders ungünstigen Gelände - äußerste
Anstrengungen und Leistungen. Die. Tatsache, daß es bisher gelang, die fast immer mit erheblicher Überlegenheit geführten Angriffe nach kurzer Zeit wieder zum Stehen zu bringen und die Front
geschlossen zu halten, ferner, daß im ganzen gesehen - doch nur ein im Verhältnis zum Kräfteeinsatz des Feindes geringfügiger Geländestreifen verloren wurde, stellt Führung und Truppe ein
hervorragendes Zeugnis aus.
Am heutigen Tag steht die Front südlich der Beresina wiederum in äußerster Anspannung, Um den heftigen feindlichen Angriffen sandzuhalten. Abgesehen von zwei örtlichen Einbrüchen bei Dubnjaki
und bei Sakletnoje (4.Pz.Div. bzw. 253.I.D.), um die am Abend noch gekämpft wird, bleibt die HKL überall in eigener Hand (Näheres s.Anl. II und III). Besonders schwer sind die Kämpfe beim
XXXXI.Pz.K. (36. und 253.I.D.). Der Oberbefehlshaber hat deshalb befohlen, eine Rgt.Gruppe der an sich zum Einsatz am Korpsflügel des LVI.Pz.K. bestimmten 110.I.D., vorläufig am linken Flügel
des XXXXI.Pz.K. in der 2.Stellung einzusetzen, um zu verhindern, daß der Feind bei einem plötzlichen Einbruch diese eher als die eigene Truppe erreicht, denn er hofft, falls die Front noch
weiter zurückgeworfen werden sollte, die stark abgekämpften Verbände wenigstens für einige Tage in dieser Stellung sich setzen zu lassen.
Der Verbleib des I.Gde.Pz.K., mit dessen Auftreten ja nun schon seit Tagen gerechnet wird, ist nach wie vor zweifelhaft; das Vorhandensein einzelner Panzer in verschiedenen Frontabschnitten
gibt noch kein endgültiges Bild. Das AOK hält jedoch sein Auftauchen im Abschnitt des LVI.Pz.K. für besonders wahrscheinlich. Es wird deshalb befohlen, die erste soeben fertig aufgestellte
- Kompanie des Armee=Pz.=Zerstörer=Btl. dem LVI.Pz.K. zuzuführen. Die Kp. ist mit der neuen R=Panzerabwehrwaffe, dem sog. "Ofenrohr" ausgestattetj die hier erstmalig im Armeebereich zum Einsatz
kommen soll (s.Anl. IV 1).
23.1.1944
KTB 9.Armee.
Nach vorübergehendem Abflauen der Kämpfe an der Front des LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. in den Morgenstunden tritt der Feind kurz nach 11 Uhr schlagartig erneut zum geschlossenen Angriff an.
Auch heute gelingt es, unter schwierigsten Kampf- und Geländeverhältnissen, die entscheidungsuchenden sowjetischen Angriffe unter Abriegelung örtliche Einbrüche abzuweisen.
Zu besonderer Härte steigern sich die feindlichen Angriffe beim XXXXI.Pz.K, im Abschnitt der 36.I.D., wo der Feind nach heftiger Feuervorbereitung in mehreren Rgt.-starken Angriffen mit
Unterstützung von 20 Panzern die HKL bei Welikij Bor durchbricht, den Ort nimmt und erst an den Waldrändern westl., nördlich und ostwärts davon wieder aufgefаngen werden kann. 14 Panzer werden
abgeschossen. An der übrigen Front der Division kann der feindliche Ansturm ebenso wie bei der 134.I.D., die heute insgesamt 16 Feindangriffen in Btl.-Stärke und darüber standzuhalten hat,
abgewiesen werden. Die Bereinigung einzelner Einbrüche ist allerdings nur unter rücksichtsloser Herauslösung von Kräften aus nicht angegriffenen Abschnitten möglich gewesen.
Auch bei der 36.I.D. ist eine Stützung der Abwehr durch Zuführung neuer Kräfte zwingende Notwendigkeit geworden. Um diese Kräfte zu gewinnen, wird dem XXXXI.Pz.K. eine Begradigung seiner Front
durch Zurücknahne vorspringender Teile der HKL befohlen, jeweils unter Belassung von Nachtruppen in den alten Stellung, die nur vom Feinde gedrängt ausweichen dürfen (s.Anl. IV 1). Es handelt
sich dabei noch nicht um ein Beziehen der in allg. Linie Ssemenowitschi - Kobylschtschina - Jaswin - Tschirkowitschi=Ost. ausgebauten, im Norrden als Riegel zur Beresina abgebogenen 2.Stellung,
sondern um eine Zwischenlinie, die über Ssemenowitschi - Mechowtschina - nördl. Welikij Bог - nördl. Moltscha-Süd -südl. Rudnja - Kakel verläuft (s.Anl. I).
Die Versammlung der für das morgen beginnende Bandenunternehmen im rückw. Gebiet des LVI.Pz.K. vorgesehenen Kräfte ist beendet. Da das vom LVI.Pz.K, durchgeführte, bereits im Gang befindliche
Teiluntetnehmen heute nur auf schwachen Widerstand gestoßen ist (die Banden sind anscheinend zum großen Teil bereits nach Westen über den Ptitsch ausgewichen) und am Abend bereits die Einnahme
von Kerpilowka gemeldet wird (Ia Korück/Ia,. 20.20 Uhr), erhält die Kampfgruppe Treptow, der die Teile des LVI.Pz.K. unterstellt werden, in Abänderung des bisherigen Kampfplanes Befehl, nach
Säuberung des Waldgebietes nördlich Karpilowka zwischen der Bahnlinie und dem Ptitsch alsbald Kräfte auf das Westufer des Flusses vorzutreiben, die Wegeverbindung Karpilowka - Glusk zu öffnen
und zur späteren Sicherung dieser Verbindung ein entsprechendes Vorfeld nach Südwesten zu schaffen (s. Anl. IV 2, 2a, 3).
Im Raum Bobruisk sind heute erste Teile der aufzufrischenden 129.I.D. eingetroffen.
24.1.1944
KTB 9.Armee.
Mit weit überlegenen Kräften, unterstützt durch seine Luftwaffe, greift der Gegner auch heute wieder mit Schwerpunkt beim XXXXI.Pz.K, an. Die nun schon über acht Tage andauernden schweren Kämpfe,
verschärft durch das Fehlen ausreichend ausgebauter Stellungen, die Auswirkungen der Witterung und den Aufenthalt im Sumpfgelände heben die Abwehrkraft der Truppe bedenklich absinken lassen.
Dank seiner Überlegenheit kann der Feind mehrere Einbrüche in die Front der 134., 36. und 253.I.D. erzielen, deren Bereinigung trotz sofort geführter Gegenstöße in der Mehrzahl der Fälle nicht
gelingt. Der Zusammenhang der HKL geht an zahlreichen Stellen ganz verloren, zuweilen können sich isolierte Teile nur durch Ausweichen nach Norden bzw. Nordwesten der drohenden Einschließung
entziehen.
Der Oberbefehlshaber, der sich beim XXXXI.Pz.K. befindet, hält auf Grund dieser Lage die Zurücknahme in die ausgebaute 2.Stellung (bei 253.I.D.) in die Riegelstellung bei Tschirkowitschi) nunmehr
für unbedingt erforderlich. Er erbittet infolgedessen vom Feldmarschall die grundsätzliche Genehmigung zum Absetzen, weist darauf hin, daß nur so ein geordnetes Beziehen dieser Stellung und eine
zureichende Anbringung von Hindernissen und Minensperren gegen den nachdrängenden Feind gewährleistet sei und betont, die Genehmigung nur insoweit ausnutzen zu wollen, als der feindliche Druck
dazu zwinge (OB/Chef H.Gr., 12.15Uhr). Der Feldmarschall ist einverstanden, allerdings nur unter der Bedingung, daß der Brückenkopf Schazilki weiterhin gehalten werde (Chef H.Gr./OB, 12.45 Uhr),
da durch eine Zurücknahme der dortigen HKL auf den Riegel bei Tschirkowitschi eine neue Front am Norrdufer der Beresina entstehe, die, angesichts der Unmöglichkeit, sie mit ausreichenden Kräften
zu besetzen, die Gefahr dort mit Sicherheit zu erwartender erneuter Feindangriffe und =einbrüche heraufbeschwöre (s. auch Anl. V 2). Der Oberbefehlshaber verweist demgegenüber darauf, daß bei
Belassung des Brückenkopfes die darin stehenden Teile mit größter Wahrscheinlichkeit bald abgeschnitten werden würden und angesichts der aufgetauten Beresina keine Aussicht hätten, notfalls, bei
überlegenem Feindangriff, auf das Nordufer des Flusses auszuweichen. Mit einem Angriff des Gegners über den Fluß sei zum mindesten solange nicht zu rechnen, als dieser nicht wieder zugefroren sei,
bis dahin aber werde das Nordufer ausreichend gesichert sein. Unter dem Eindruck neuer Angriffe gegen den linken Flügel der 253.I.D., die wieder zu tiefen Einbrüchen führen, gibt der Feldmarschall
daraufhin sein Einverständnis zur Räumung auch des Brückenkopfes (FM/OB, 14.40 Uhr).
Dem XXXXI.Pz.K. wird befohlen, in der kommenden Nacht seine Front in die 2.Stellung bzw. den Tschirkowitschi=Riegel zurückzunehmen. Um Kobylschtschina und Sarotschje sollen brückenkopfertige
Stellungen gehalten werden, im übrigen durch Nachtruppen und Sperrarbeiten das Folgen des Gegners möglichst länge verzögert werden, um noch weitere Zeit für den Stellungsbau zu gewinnen.
Das XXXV.A.K. erhält Befehl, seinen Südflügel längs der Beresina bis zur Fährstelle nordostw. Tschirkowitschi zu verlängern und Vorbereitungen für eine weitere Verlängerung bis nördl. Studitschi,
dem Anschlußpunkt zur eigentlichen 2.Stellung des XXXXI.Pz.K., zu treffen. Die Besetzung des Beresina=Nordufers muß zunächst mit alarmmäßig aufgestellten Einheiten durchgeführt werden, zum 26.1.
ist die Rückführung des Div.Füs.Btl.45 vorgesehen, das dann den Abschnitt endgültig übernehmen soll.
Beim LVI.Pz.K. hat die Kampftatigkeit nachgelassen. Lediglich auf den linken Korpsflügel greifen die Angriffe über; dort geht Ssemenowitschi vorübergehend verloren. Der eigene Gegenangriff, durch
den der Feind wieder geworfen werden kann, kostet den Gegner außerordentlich hohe Verluste.
Im rückwärtigen Gebiet des LVI.Pz.K. nimmt das Bandenunternehmen gegen verhältnismäßig geringen Feindwiderstand seinen planmäßigen Fortgang (Einzelheiten s. Morgenmeldung v. 25.1.44).
   
26.1.1944
KTB 9.Armee.
Nach einstündiger, äußerst starker Artillerievorbereitung tritt der Feind, unterstützt von zahlreichen Panzern, mit massierten Kräften zu dem erwarteten Großangriff gegen die Front des
LVI.Pz.K. an. Während es der 4.Pz.Div. und der 110.I.D. (deren Div.Kdо. heute den Befehl über den linken Anschnitt des Korps übernommen hat) gelingt, alle Angriffe unter hohen Feindverlusten
abuschlagen - auch ein Umfassungsversuch am äußersten rechten Korpsflügel wird erfolgreich abgewehrt -, erzielt der Gegner im Abschnitt Ssawitsschi - Krjukowitschi einen breiten und tiefen Einbruch.
Sofort eingeleitete Gegenmaßnahmen des Korps, die bis zum Abend noch keinen Erfolg, gehabt haben, sollen in die Nacht hinein fortgesetzt werden, da ein Gegenangriff in der Frühe des morgigen Tages,
nachdem der Feind Zeit gehabt hat, sich in der Einbruchsstelle zu verstärken, weit weniger Aussicht auf Erfolg bieten würde.
Beim XXXXI.Pz.K. kommt es an mehreren Stellen zu örtlichen Gefechten. Die noch vorwärts der HKL haltenden Sicherungen werden zurückgeworfen. Im übrigen schließt der Feind vor der gesamten Korpsfront
auf - alle Anzeichen deuten darauf hin, daß er seine starken Angriffe auch hier in Kürze wieder Aufnahmen wird. Der Brückenkopf Kobylschtschina geht in den Abendstunden nach wechselvollem Kampf
verloren.
Schwache Feindteile, die heute am Südflügel des XXXV.A.K, die Beresina nördl. Schazilki übergesetzt sind, können nach kurzem Gefecht wieder zurück geworfen werden. Die Tatsache, daß dieser Vorstoß
überhaupt möglich war, zeigt jedoch, daß die hier stehenden eigenen schwachen Kräfte -zu einer ausreichenden Überwachung des Flussabschnitts nicht in der Lage sind. Der Oberbefehlshaber befiehlt
deshalb, noch eine Alarmeinheit aus rückwärtigen Diensten zusammenzustellen und in diesen Abschnitt zur Verstärkung einzusetzen (OB/ Chef, 13.10 Uhr).
Heute um 16.00 Uhr hat der als Chef des Generalstabes zum LV.A.K. versetzte Ia der Armee, Oberst i.G. Hölz, die Dienstgeschäfte an seinen Nachfolger, Oberstlt.i.G. Ulms, übergeben. Mit dem Wirken
seines bisherigen Ersten Generalstabsoffiziers verbindet das AOK Erinnernugen an schwere, aber auch an stolze Zeiten.
Nach den Großschlachten im Kampfraum Rshew, an deren Generalstabsmäßiger Vorbereitung und Durchführung er maßgeblichen Anteil hatte, war sein eigentliches organisatorisches Meisterstück die
"Büffelbewegung", jene mit uhrwerkmäßiger Genauigkeit geplante und abgelaufene erste große Absetzbewegung der Armee. Auch im neuen Kampfraum Orel, bei der Vorbereitung des "Zitadelle"=Unternehmens,
dann später bei der Durchführung der Absetzbewegungen auf die Hagen-und Pantherstellung und endlich bei den Abwchrkämpfen im Dnjepr-Raum dankt die 9.Armee seiner Arbeit viel, und es sind hohe Worte
der Anerkennung, mit denen der Oberbefehlshaber und der Chef des Generalstabes ihrem ersten Mitarbeiter anläßlich seines Scheidens diesen Dank aussprechen.
27.1.1944
KTB 9.Armee.
Wider Erwarten haben die feindlichen Angriffe auf den rechten Armeeflügel heute etwas nachgelassen. Grund dafür dürften wohl Versorgungsschwierigkeiten beim Feind sein - das anhaltende Tauwetter
läßt die Straßen von Tag zu Tag grundloser werden, Daß der Gegner seine Angriffsabsichten keineswegs aufgegeben hat, zeigt allein schon die Tatsache, daß er eine bisher zwischen Beresina und Dnjepr
stehende Division über die Beresina nach Süden (vor den linken Flügel der 36.I.D.) аbgezogen hat.
Der gestrige Einbruch beim LVI.Pz.K. kann bis auf eine noch verbleibende Lücke, um deren Schließung erbitterte Kämpfe im Gange sind, verengt werden. Beim XXXXI.Pz.K. werden zahlreiche Feindangriffe,
die am Nachmittag an Heftigkeit zunehmen, abgewiesen; nur nördlich Ssemenowitschi, im Abschnitt eines Sicherungsbataillons, das sich zwar in den vergangenen Tagen hervorragend geschlagen, dessen
Kampffähigkeit jedoch infolge der pausenlosen Beanspruchung stärkstens gelitten tat, gelingt dem Gegner ein Einbruch, zu dessen Bereinigung die Kräfte des Bataillons nicht mehr ausreichen.
Dieser Fall zeigt schlaglichtartig, wie untragbar allmählich der fortdauernde Einsatz von Sicherungseinheiten in vorderster Linie geworden ist. Erzwungen durch den Mangel an anderen Kräften, stellt
er immer mehr eine ernsthafte Gefährdung für die Standfestigkeit der Abwehr dar. Einige der Sicherungsverbände haben bereits, um nicht völlig zerschlagen zu werden, aus der Front herausgelöst werden
müssen, die noch verbliebenen nähern sich der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Der Oberbefehlshaber ist entschlossen, nunmehr auch diese herauszulösen (OB/Chef, 21.00 Uhr). Schwierigkeiten macht
allerdings die Frage, wie ein Ausgleich für die dadurch eintretende Schwächung der Front geschaffen werden kann. Der Armeechef schlägt der Heeresgruppe eine Erstreckung des linken Flügels der
2.Armee nach Norden vor, was diese jedoch als z.Zt. undurchführbar ablehnt, seiner Bitte um Beschleunigung der Ersatzzuführung verspricht der Chef der Heeresgruppe dagegen nach Möglichkeit entsprechen
zu wollen. Darüber hinaus verweist er darauf, daß der Feldmarschall beabsichtige, die 129.I.D. nach beendeter Auffrischung zur Entlastung der Kampffront südlich der Beresina einzusetzen; es sei
allerdings notwendig, an ihrer stelle eine andere, abgekämpfte Division aus der Front zu ziehen (Chef/Chef H.Gr., 21.05 Uhr). Welche Division das sein wird, steht noch dahin.
Der Verbleib des I.sowjet.Gde.Pz.K., mit dessen Auftauchen beim LVI.Pz.K. oder XXXXI.Pz.K. das AOK immer gerechnet hat und auf Grund der vorliegenden s.Qu.=Nachrichten auch noch hat rechnen müssen,
scheint sich ellmählich zu klären: Die Heeresgruppe teilt mit, das Korps sei im Süden der Ostfront aufgetreten; die Meldungen darüber sind allerdings noch nicht so eindeutig, als daß man sie für
unumstößlich sicher Ansehen könnte (s.Anl. X: Chef H.Gr./Chef, 23.50 Uhr; Ic/Chef, 00.30 Uhr). Wie die Heeresgruppe ferner mitteilt, hat der Führer die -Zurücknahme des vorspringenden linken Flügels
der 2.Armee genehmigt. Das Absetzen erfolgt in 2 Sprüngen, heute nacht werden die dort stehenden Verbände hinter die Tremlja, morgen nacht hinter den Ptitsch ausweichen. Dem LVI.Pz.K. wird daraufhin
befohlen, im unmittelbaren Einvernehmen mit seinem rechten Nachbarn, dem XX.A.K., für die Wiederherstellung des Anschlusses zur 2. Armee westlich der Tremlja Sorge zu tragen (s.Anl. IV 7 und Anl. I).
28.1.1944
KTB 9.Armee.
Gegen äußerst zähеп Feindwiderstand, nach schweren und beiderseits verlustreichen Waldkämpfen, gelingt nach Heranführung neuer Kräfte die Bereinigung des gestern nördlich Ssemenowitschi erzielten
Einbruchs, nachdem der bereits zum weiteren Angriff aus der Einbruchsstelle nach Norden angetretenen Gegner im Morgengrauen durch zusammengeraffte Troßteile der 134.I.D. aufgehalten werden konnte.
Beim XXXXI.Pz.K, beschränkt sich der Feind heute im übrigen auf zahlreiche, über die ganze Front verteilte Angriffe und Vorstöße, die, obwohl sie an me mehreren Stellen, vor allem bei der 36.I.D.,
zu harten Gefechten, bei der 134.I.D. sogar zu einem vorübergehenden Einbruch führen, doch im wesentlichen nur als starke Aufklärung zu werten sein dürften, mit der der Feind die neue Stellung
abtastet (s.Anl. II und III). Mit dem baldigen Wiederbeginn größerer Angriffe muß jedoch gerechnet werden: vor dem XXXXI.Pz.K. ist heute noch eine zweite der bisher zwischen Dnjepr und Beresina,
stehenden Divisionen festgestellt worden. Damit steht im Raum südl. Shlobin nur noch eine einzige bekannte feindl. Schtz.Div. in Front; welche Verbände der Gegner z.Zt. außerdem dort noch eingesetzt
hat, ist im Augenblick ungeklärt. Es ist allerdings anzunehmen, daß noch weitere Kräfte vorhanden sind - eine geringere Besetzung der Gräben hat bisher nicht festgestellt werden können und Spähtrupps
des XXXV.A.K. sind nach wie vor auf lebhaften Widerstand gestoßen. Vermehrte Aufklärung ist befohlen (s. Anl. IV 11).
Der Schwerpunkt der Kämpfe liegt heute wieder beim LVI.Pz.K., wo der Gegner im Abschnitt der 35.I.D. erneut angreift, die mangels ausreichender Kräfte nur unzulängliche Abriegelung der alten
Einbruchsstelle sprengt und einen tiefen. Einbruch erzielen kann. Versuche, die entstandene Lücke zu schließen oder wenigstens das feindliche Vorgehen aufzufangen, scheitern: der Feind dringt bis auf
das Höhengelände 2 km südsüdwestl. Mewed vor. Der Oberbefehlshaber, der sich entschlossen hat, dem rechten Armeeflügel unter Rückgriff auf letzte Möglichkeiten des XXXV. und LV.A.K. noch weitere
Verstärkungen zuzuführen (insgesamt 2 Btle.; s. Anl. IV 1), hält angesichts der offenbaren Aussichtslosigkeit, mit den vorhandenen Kräften einen Gegenengriff zu führen, eine Zurücknahme der Front der
35.I.D. zum Aufbau einer neuen HKL für notwendig, um einem Weiterstoßen des Feindes bis zur 2.Stellung vorzubeugen und zu verhindern, daß den noch vorn stehenden schweren Waffen der Division der
Rückweg abgeschnitten wird. Nach erfolgter Genehmigung dieser Absicht durch den Feldmarschall (FM/ОВ, 20.50 Uhr) erhält das LVI.Pz.K. Befehl, sich in allgemeiner Liпіе ostw. Ssawitschi -Ssawin Rog -
südl. Gora erneut zur Abwehr zu gliedern (OB/KG LVI, etwa 21.00 Uhr).
Infolge der für die jetzige Jahreszeit so ungewöhnlich warmen Wetters hat die Verschlammung der Wege die sich schon in den letzten Tagen verschiedentlich sehr unangenehm bemerkbar machte, im Bereich
des LVI.Pz.K, inzwischen ein derartiges Ausmaß angenommen, daß das Korps binnen kurzem eine Lahmlegung seines gesamten mot=Versorgungsverkehrs befürchtet, auf den es umso mehr angewiesen ist, als die
Bahn von Ratmirowitschi nach Süden z.Zt. erst gebaut wird (KG LVI/Chef, 10.10 Uhr). Leider verfügt das dem AOK je erst seit kurzem unterstellte LVI.Pz.K. noch nicht über eine genügende Anzahl von
Zivil-Arbeitsabteilungen, die sich bei den übrigen Korps inzwischen bestens bewährt haben. Um beschleunigte Abhilfe zu schaffen, veranlasst das AOK die Zuführung von insgesamt 1600 Kriegsgefangenen,
Zivilisten und Angehörigen des OD zum LVI.Pz.K., teils zum Wegebau, teils zum Weiterbau der Bahnstrecke. Die Heeresgruppe hat die Rückgabe der zum AOK 2 gehörigen Sicherungsbataillone, die sich noch
beim LVI.Pz.K. befinden und auf Grund ihrer stark abgesunkenen Gefechtsstärken bereits aus der Front gezogen worden
sind (Chef/Chef H.Gr., 17.1.44, 2.1.05 Uhr), zur 2.Armee befohlen (Anl. V 1). Auch das AOK ordnet an, die eigenen Sicherungsbataillone den Korück zur Auffrischung zuzuführen (s. Anl. IV 3).
29.1.1944
KTB 9.Armee.
Die Kämpfe südlich der Beresina dauern in unverminderter Härte an. Sie stellen die Abwehrkraft der Truppe, die bei dem derzeitigen naßkalten Wetter außer den Kampfverlusten auch sehr starke,
zahlenmäßig z.T. sogar überwiegende Ausfälle durch Erkältungskrankheiten aller Art zu verzeichnen hat, auf eine schwere Probe.
Beim LVI.Pz.K. setzt der Feind seine Angriffe aus der gestrigen Einbruchsstelle heraus fort und kann erneut Gelände gewinnen. Während die 4.Pz.Div. starke Feindangriffe unter Bereinigung eines
örtlichen Einbruchs abwehren, die 35.I.D. sogar durch einen eigenen erfolgreichen Gegenangriff den scharf nachdrängender Feind zeitweilig zurückwerfen kann, wird der bei Gora stehende rechte Flügel
der 110.I.D. durch starke Angriffe des Feindes durchbrochen und auf die Linie Cholina - Medwed zurückgeworfen. Hier erst kann nach beiderseits verlustreichen Kämpfen der feindliche Stoß aufgefangen
werden. Der Gegner führt laufend Verstärkungen in den Einbruchsraum nach.
Gegen Abend meldet das LVI.Pz.K., daß die gespannte Lage in diesem Raum keineswegs seine einzige Sorge für den morgigen Tag sei. S.Qu.-Nachrichten und Luftaufklärungsmeldungen zufolge müsse mit
einem unmittelbar bevorstehenden Versuch des Gegners gerechnet werden, durch Umgehung von Kolki von Süden her auf das Westufer der Tremlja zu gelangen. Gleichzeitig seien Fesselungsangriffe gegen
die Ostfront des Korps zu erwarten. Ein Gelingen dieser feindlichen Umfassungsаbsicht bedeute aber eine erhebliche Bedrohung der noch ostw. der Kolki=Enge stehenden 4.Pz.Div. denn für den Fall, daß
dann ihre Zurücknahme hinter die Tremlja erforderlich werden sollte, sei nur eine einzige für Fahrzeuge geeignete Brücke bei Kolki vorhanden, zu der auch nur ein einziger Fahrdamm führe.
Der linke Flügel der 2.Armee stehe aus Geländegründen ohnehin erst bei Ssubischtsche (südwestl.- Kolki befinden sich nur schwache Sicherungen), deshalb bittet das Korps darum, um ein geordnetes
Abfließen der 4.Pz.Div. sicherzustellen, sich mit seinem rechten Flügel in der Nacht vom 30./31.1. in die als Stellung vorbereitete Linie Ssubischtsche - Kolki- Ssawin Rog absetzen zu dürfen.
Hier glaube man endgültig halten zu können, während ein längeres Verbleiben in der sehr ungünstigen, auf die Dauer unhaltbar jetzigen Linie nicht möglich sein werde (Chef LVI/Chef, 19.50 Uhr).
Der Armeechef erklärt dazu, er halte es keineswegs für richtig, die Front der 4.Pz.Div. ohne Feinddruck zurückzunehmen, angesichts der Feinddrohung müsse im Gegenteil deren rechter Flügel auf Kosten
der übrigen Front verstärkt werden, damit die Stellungen vorwärts Kolki gehalten werden könnten. Da auch der Gegner z.Zt. an bestimmte Bewegungslinien, gebunden sei, könne man den erwarteten Angriffen
von Osten durch Bildung örtlicher Abwehrschwerpunkte an den Straßen-und Wegen sehr wohl begegnen. Im übrigen dürfe man sich erst dann absetzen, wenn der Feinddruck dazu zwinge, denn nur dadurch sei
eine Abnutzung der gegnerischen Kräfte zu erzielen. - Die Entscheidung des Oberbefehlshabers über den Antrag lautet aus den gleichen Erwägungen ablehnend; dem LVI.Pz.K. wird, das Halten der jetzigen
Stellung unter Verstärkung der Abwehr südlich Kolki befohlen (s.Anl.IV 2). Die Heeresgruppe hat zugesagt, daß auch die 2.Armee ihren linken-Flügel durch Bereitstellung von Eingreifreserven verstärken
wird, um der Gefahr eines feindl. Durchbruchs auf der Armeenaht vorzubeugen. -
Auch an der Front des XXXXI.Pz.K. kommt es wieder zu harten Kämpfen. Die Angriffe des Gegners können zumeist abgeschlagen, eingebrochene Feindteile im Gegenstoß zurückgeworfen werden. In seinem
Angriffsschwerpunkt, bei Kobylschtschina, hat der Feind allerdings einen größeren Einbruch erzielt, dessen Bereinigung trotz mehrfacher, von Sturmgeschützen unterstützter Gegenangriffe noch nicht
gelungen ist. Vorereitungen zur Wiederholung des Angriffs mit verstärkten Kräften sind im Gange.
Im Hinblick auf die im Laufe der Kämpfe stark abgesunkene Abwehrkraft der Truppe hält das AOK es für notwendig, zur Gewährleistung einer weiteren erfolgreichen Kampfführung die baldige Freigabe
der 129.I.D. zum Einsatz im Kampfraum südl. der Beresina bei der Heeresgruppe zu beantragen. Dem AOK ist bekannt, daß die Heeresgruppe an einen Austausch, der 129.I.D. mit der 4.Pz.Div. denkt, es
hält diese Lösung jedoch nicht für zweckmäßig, weil nach seiner Ansicht in erster Linie ein feindlicher Durchbruch über Paritschi verhindert und deshalb vor allem das XXXXI.Pz.K. in seiner Kampfkraft
gestärkt werden muß. Es wird daher der Heeresgruppe vorgeschlagen, mit der 129.I.D. zunächst die beim XXXXI.Pz.K.im Brennpunkt der Abwehr stehende 36.I.D. abzulösen, sie kurze Zeit aufzufrischen und
dann, zur herauslösung der 4.Pz.Div. zu verwenden. Zur sofortigen Verstärkung der 36.I.D. und zur Beschleunigung der späteren Ablösung stellt das AOK ferner den Antrag, schon jetzt da Art.Rgt. der
129.I.D. zusätzlich im Abschnitt der 36.I.D. einsetzen zu dürfen.
Der ehemalige Oberbefehlshaber der 9.Armee, Gen.Oberst Model, weilt heute zu einen kurzen Besuch beim AOK.
30.1.1944
KTB 9.Armee.
Der Feind setzt seine schweren Angriffe gegen das LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. fort.
Der ѵош Gen.Kdo. LVI.Pz.K. am Südflügel des Korps erwartete Angriff bleibt aus. Der Gegner greift vielmehr mit starken Kräften die Mitte der Korpsfront an und erzielt, während seine insbesondere
im Abschnitt zwischen Ssawin Rog und Cholina sehr heftigen Angriffe an der zähen Abwehr der eigenen Truppe scheitern, auf der Naht 4.Pz.Div./35.I.D. einen Einbruch, der zum Verlust von Krjuscha und
Kurgan führt (Karte 1 : 100 000). Der eigene Gegenangriff bleibt in starkem feindlichen Abwehrfeuer unter hohen eignen Verlusten liegen. Da es darauf ankommt, ein Weiterstoßen des Feindes nördlich
der Straßen Kolki - Osaritschi zu verhindern (wodurch die noch vorwärts der Enge stehenden Teile abgeschnitten werden würden), befiehlt das AOK, eine starke Abriegelungsfront zwischen Straße und
Tremlja herzustellen, und zwar durch Heranziehung von Kräften aus dem Südteil des Brückenkopfes (s.Anl. IV 11). Der rechte Flügel der 35.I.D. wird hinter die Tremlja zurückgenommen.
Beim XXXXI.Pz.K gelingt es, den Einbruch bei Kobylschtschina im wesentlichen zu bereinigen, Der Schwerpunkt der Feindangriffe hat sich heute in den Abschnitt der 36.I.D. verlagert, wo gegen Mittag
zwei Divisionen, mit je einem Schtz.Rgt. in Front, zwischen Keltscho und Jaswin unter stärkster Feuerunterstützung durch Artillerie und Granatwerfer zum Angriff antreten. Der Gegner wird unter
sehr hohen Verlusten abgewiesen - angesichts der beträchtlichen Unterlegenheit der eigenen Kräfte ein -ausgesprochener Abwehrerfolg. Erneute Bereitstellungen, vor allem ostw. Weltescho, lassen
jedoch baldige Wiederaufnahme der Angriffe erwarten.
Hinsichtlich des Einsatzes der 129.I.D. ist von Seiten der Heeresgruppe eine Entscheidung noch nicht gefallen. Der Antrag des AOK, das Art.Rgt. der Div. schon jetzt im Abschnitt der 36.I.D.
zusätzlich einsetzen zu dürfen, wird dagegen bereits heute genehmigt (Ia H.Gr./ Chef, 10.55 Uhr).
Da im Kampfraum südlich der Beresina mit einem Abflauen der sowjetischen Angriffe vorerst nicht zu rechnen ist, hat sich der Oberbefehlshaber zu einem nochmaligen Rückgriff auf Kräfte des XXXV.А.K.
zur Gewinnung neuer Reserven entschlossen. Das Korps erhält Befehl, den Rgt.Stab und das I./533 (383.I.D.) aus der Front herauszulösen und als Armeereserve in den Raun nördlich Paritschi in Marsch
zu setzen (s.Anl. IV 1). (Das III./533 ist bereits gestern beim XXXXI.Pz.K. zur Bereinigung des Einbruchs bei Kobylschtschina eingesetzt und inzwischen der 134.I.D. unterstellt worden).
Das Gen.Kdo.LV.A.K., das Anweisung erhalten hat, die Frage der Herauslösung eines weiteren Btl. ebenfalls zu prüfen, meldet, daß bei Rückführung des z.Zt. abgegebenen, noch beim LVI.Pz.K.
befindlichen Alarm-Btl. ein Btl. der 296.I.D. zur Verfügung gestellt werden könne (Chef LV/Ia, 19.30 Uhr). Diese weitere Schwächung des XXXV.A.K. und LV.A.K. glaubt der Oberbefehlshaber deshalb
vornehmen zu können, weil der Feind vor beiden Korps ausgesprochene Verteidigungsformationen in seine Front eingeschoben hat; vor dem LV.A.K. ist im Abschnitt der 296. I.D. das 115.Befestigungsrayon,
vor den XXXV.A.K. nordostw. Mormal durch einen eigenen erfolgreichen Stoßtrupp das 383. M.G.-Art.Btl., also ein ähnlicher. Verband, festgestellt worden (s. Ic=Morgenmeldung). Mit Angriffsabsichten
des Gegners in diesen Abschnitten dürfte deshalb kaum zu rechnen sein. Ob allerdings die vor dem LV.A.K. frei gewordenen Divisionen ebenso wie die vorher im Raum zwischen Dnjepr und Beresina
eingesetzten nach Süden abgezogen worden sind, läßt sich z.Zt. noch nicht sagen.
Zur Erinnerung an die Wiederkehr des Tages der nationalsozialistischen Revolution sind heute die Angehörigen des AOK zu einer schlichten Feierstunde zusamnengetreten. In einer Ansprache, in der der
Oberbefehlshaber die Bedeutung dieses Tages würdigt, erneuert er das Treuegelöbnis der 9.Armee ihrem obersten Befehlshaber gegenüber, nicht eher zu ruhen, bis das Ziel, das der 30.1.1933 allen
Deutschen gesetzt hat, erreicht sein wird.
31.1.1944
KTB 9.Armee.
Erstmalig nach 15=tägigem, härtesten Ringen ist südl. der Beresinp eine Kampfpause eingetreten. Das Nachlassen der feindlichen Angriffstätigkeit dürfte auf die erheblichen Verluste der letzten Tage,
wohl sich auf Nachschabschwierigkeiten zurückzaführen sein. Es liegen indessen keinerlei Anzeichen dafür vor, daß der Feind etwa seine Angriffsabsichten aufgeeben hätte; vielmehr ist damit zu
rechnen, daß er nach erfolgter Auffüllung und Munitionierung seiner Verbände mit der bisherigen Zielsetzung erneut antreten wird, möglicherweise schon morgen.
Heute beschränkt sich der Feind auf einige schwächere Angriffe beim LVI.Pz.K., vor allem wiederum im Abschnitt Ssawin Rog - Cholma (s.Anl. II und III). Sie werden sämtlich abgewiesen.
Beim XXXXI.Pz.K. herrscht Ruhe.
Entsprechend der gestern von der Heeresgruppe erteilten Genehmigung zum Einsatz des Art.Rgt. 129 befiehlt das АOK heute seine Inmarschsetzung zur 36.I.D., wo es als Verstärkung der
Divisionsartillerie verwandt werden wird (s.Anl. IV 1 und 2).
 
<< Dezember 1943                                                Februar 1944 >>