| Kriegstagebuch April 1944 | |
| 1.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Klärung des Feindbildes steht nach wie vor im Vordergrund des führungsmäßigen Interesses. Sie gewinnt angesichts der sich immer mehr bestätigenden Vermutung, daß der Gegner z.Zt. weiträumige Umgruppierungen vornimmt, die wahrscheinlich schon die ersten Vorbereitungen seiner Sommeroperationen darstellen, eine besondere, über den Rahmen der Armee hinausgehende Bedeutung. Wenn daher vom AOK heute den Gen.Kdos. noch einmal ausdrücklich aufgegeben wird, den Versuch zu machen, durch gesteigerte Aktivität der Aufklärung den Verbleib von Feindverbänden festzustellen, deren Anwesenheit vor der Armeefront seit Ende Februar nicht mehr durch Gefangene bestätigt worden ist, so hat dieser Befehl nicht nur das eigene, sondern ebenso das Gesamtinteresse der Ostfront im Auge (s. Anl. IV 1). An der Front verläuft auch der heutige Tag wieder ohne nennenswerte Kanpfhandlungen. Das Bandenuntermhnen "Winnetou" endet heute mit einem nochmaligen Durchkämmen der Wälder um Gorodez. Die Annahme, daß es den Banden rechtzeitig gelungen ist, nach Norden in das Gebiet der 4.Armee überzuwechseln, hat sich bestätigt. Außer der Einbringung einer weiteren Anzahl von Bandenverdächtigen meldet das (Gen.Kdo. LV.A.K. die Zerstörung der in den Wäldern gelegenen Ortschaften, wodurch man ein baldiges Zurückfließen der Banden zu verhindern hofft. - Im rückwärtigen Gebiet des XXXXI.Pz.K. nehmen unterdessen die Vorbereitungen für das neue Unternehmen "Auerhahn" ihren Fortgang. |
| 2.4.1944 | KTB 9.Armee. Es scheint, als ob der Winter, der in diesem Jahr so außergewöhnlich mild verlief, kurz vor Beginn des Frühjahrs doch wenigstens noch einmal seine von den beiden vergangenen Jahren her bekannte Strenge zeigen wollte; den ganzen Tag über tobt über dem gesamten Armeegebiet ein anhaltender schwerer Schneesturm, der nicht nur sehr bald die Wege durch mannshohe Verwehungen für die meisten Fahrzeuge unpassierbar werden läßt, sondern auch an der Front die Beobachtung des Vorfeldes außerordentlich erschwert. Wie nicht anders zu erwarten, nutzt der Gegner das unsichtige Wetter zu vermehrter Aufklärungstätigkeit und fühlt an mehreren Stellen in Stärke bis zu 2 Kpn. gegen die eigenen Linien vor. Dank der Wachsamkeit der Grabenposten wird er jedoch überall unter hohen Verlusten zurückgeschlagen (s. Anl. II und III). Die Entscheidung über das weitere Schicksal der 707.I.D. ist jetzt gefallen (s. Anl. IV 1). Die bisherigen Unterstellungsverhältnisse der Grenadier-Regimenter sowie der Art.Abt. und der Pz.Jäg.Kp. unter die 45. bzw. die 296.I.D. bleiben erhalten, während die Versorgungstruppen und Teile des Div.Kdos. den jeweils zuständigen Abteilungsleitern des AOK zur weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt werden. (Einzelheiten s. Anl. IV 1). |
| 3.4.1944 | KTB 9.Armee. Das Winterwetter hält an. Die Verwehungen haben infolge des anhaltenden Schneesturms ein derartiges Ausmaß angenommen, daß die meisten Wege trotz Einsatz von Schneepflügen jetzt selbst für Kettenfahrzeuge nur noch bedingt befahrbar sind. Vom AOK wird darauf hin die Verschiebung des Unternehmens "Auerhahn" angeordnet da es unter diesen Umständen nur mit größten Schwierigkeiten und wohl auch nur unvollständig durchgeführt werden könnte. Dem XXXXI.Pz.K. wird jedoch befohlen, durch Winterbeweglichmachung der Verbände den neuen Anfangstermin mögliche frühzeitig zu legen, da die Wegeschwierigkeiten naturgemäß auch die Bewegungen der Banden behindern werden (s.Anl. IV 1). Die Front verzeichnet heute außer einer etwas regeren Aufklärungstätigkeit des Feindes wieder keine besonderen Kampfhandlangen. Beim XXXXI.Pz.K. ist heute der erste Transportzug des für die 129.I D. bestimmten Feld-Ausb.-Rgts. eingetroffen. Die weiteren Transporte, auch der anderen beiden Regimenter, sind für die kommenden Tage angekündigt. In den vergangenen Großkämpfen hat der Mangel an Reserven immer wieder dazu gezwungen, Pioniereinheiten infanteristisch einzusetzen; dem dadurch bedingten Absinken ihrer Stärken stand jedoch nur eine unverhältnismäßig geringe Zuführung an Pionierersatz gegenüber. Im Hinblick darauf, daß vorläufig mit weiteren ausgebildetem Pionierersatz nicht zu rechnen ist, die Wichtigkeit der Pioniereinheiten aber gerade unter den besonderen Bedingungen des Ostkrieges ihre volle Einsatzfähigkeit erfordert, wird den Divisionen jetzt befohlen, durch Heranziehen geeigneter Soldaten aus allen Waffengattungen und Einrichtung von Pionierausbildungslehrgängen ihre Pionierbataillone selbst wieder auf mindestens 80 % der Sollstärke aufzufüllen (s.Anl. VII 1). |
| 4.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Heeresgruppe fordert von der Armee weitere Abgaben zur Verstärkung der 2.Armee, die heute zum entscheidenden Entsetzungsangriff auf den vom Feind eingeschlossenen Festen Platz Kowel angetreten ist (s. Anl. V 2). Nachdem gestern bereits die Abgabe der s.Art.Abt.422 angeordnet wurde (s. Anl. VII 3 v. 3.4.44), ergeht heute der Befehl zur Inmarschsetzung der Stu.Gesch.Brig. 600 nach Brest (Ia op.H.Gr./Ia, 23,00 Uhr; weitergegeben Ia/Kdr.Stu.Gesch.Brig. 600, 23,20 Uhr; s. dazu Anl. VII 2 V. 5.4.44). Vom AOK wird im Hinblick darauf, daß das Wetter sich wieder gebessert hat, die Zuführung der für das Bandenunternehmen "Auerhahn" bestimmten Kräfte zum XXXXI.Pz.K. nunmehr befohlen. Sie sollen bis zum 6.4. in den Versammlungsräumen eingetroffen sein. Das Gen.Kdo. hofft, am 7.4. mit dem Unternehmen beginnen zu können. Der Feldmarschall weilte heute zu einem kurzen Besuch beim AOK. |
| 5.4.1944 | KTB 9.Armee. Seit dem Aufhören der schweren Abwehrkämpfe, die in den vergangenen Tagen am Südflügel der 4.Armee stattfanden und mit einem vollen Erfolg der deutschen Truppen endeten, scheint der Feind im Abschnitt zwischen Wetrenka und Tschaussy größere Umgruppierungen vorzunehmen, und zwar deuten Bewegungen in südostwärtiger Richtung darauf hin, daß er Verbände abzieht (s. Anl. VII 11). Nach den Ergebnissen der Luftaufklärung fließen diese Verbände im wesentlichen über Dowsk nach Süden ab, und es erscheint möglich, daß sie zum Einsatz vor der Front der 2.Armee bestimmt sind, daneben aber liegen verschiedene Anzeichen vor, die auch im Abschnitt der 9. Armee auf eine feindl. Verstärkung hindeuten, die wohl z.T. mit der Auflockerung des bisher bei AOK 4 liegenden Schwerpunkts zusammenhängt Durch Luftbilder sind jenseits des Drut-Brückenkopfes (LV.A.K.) sieben neue Feindbatterien ermittelt und durch vorläufige Negativ-Auswertung heute erflogener Aufnahmen fünfzehn weitere im gleichen Raum festgestellt worden (s. Ic- Zwischenmeldung und Art.-Meldung, s. Anl. VII 1),. Darüber hinaus ist auch beim XXXV.A.K. eine gewisse Veränderung im Feindbild zu verzeichnen: nach s.Qu. befindet sich neuerdings ein Teilstab der 1. Weißrussischen Front in Gorwal (3 km nordwestl. der Beresina-Mündung), eine Tatsache, die man vielleicht - angesichts der noch immer zahlenmäßig starken Reserven der 48. und 65. Sowjetarmee -als eine vorbereitende Maßnahme für Angriffsabsichten nach Eintritt günstiger Geändebedingungen werten kann, wobei die Möglichkeit des Zusammenwirkens mit einem Angriff am Drut-Abschnitt wiederum offen bleibt. Notwendig und vordringlich erscheinen allerdings nur Gegenmaßnahmen gegen die Bildung des feindlichen Artillerieschwerpunktes vor der Front des LV.A.K., da beim XXXV.A.K. die eigenen Kräfte immer noch verhältnismäßig stark sind. Auf Vorschlag des Höh.Arko (Harko/Chef, 23,10 Uhr) wird deshalb zur Verstärkung der artilleristischen Abwehr vor dem Brückenkopf die sofortige Verschiebung der s.Kan.Bttr. 3./817 (17 cm) vom XXXXI.Pz.K. und der s.Art.Abt.858 (ohne 3./; Mrs.Abt.) vom XXXV.A.K. zum LV.A.K. befohlen, wobei die Abziehung von Artillerie aus dem Bereich des XXXV.A.K. deshalb tragbar erscheint, weil sich dort noch das s.Gr.W.Btl. 19 befindet. Darüber hinaus wird die s.Art.Abt. II./69 (10 cm), die beim XXXXI.Pz.K. eingesetzt ist, auf 3-stündige Abmarschbereitschaft gestellt, um ebenfalls unverzüglich dem LV.A.K. zugeführt werden zu können, falls die Lage dort dazu zwingen sollte (s. Anl.VII 3-5). . Unter diesen Umständen trifft die Nachricht, die der Armeechef heute von einer Besprechung bei der Heeresgruppe mitbringt, daß das AOK sich auf eine Abgabe der 20.Pz.Div. werde einstellen müssen, die Armee besonders hart, denn der Abschnitt des LV.A.K. wird damit eine Schwächung erfahren, für die selbst die demnächst zu erwartende Zuführung des für die 134.I.D. bestimmten Feld-Ausb.Rgts. keinen ausreichenden Ausgleich bieten kann. Das AOK sieht deshalb dieser Planung nicht ohne Bedenken entgegen und hofft, sie werde nicht eher zur Ausführung kommen, als die Feindlage am Drut sich geklärt habe. Die Heeresgruppe hat noch eine weitere Abgabe befohlen: die letzte Rgt.Gruppe der Korpsabt. Es muß jetzt ebenfalls dem AOK 2 zugeführt werden (s. Anl. V 1). Das XX.A.K. kann den freiwerdenden Abschnitt nicht mit eigenen Kräften decken, deshalb erhält das XXXXI.Pz.K. Befehl, an seinem Südflügel einen Btl.Abschnitt des XX.A.K. zu übernehmen (Ia/Chef XXXXI, 23,00 Uhr; s.Anl. IV 3). Da die Abgabe der Rgt.Gruppe für sofort befohlen ist, ist das XXXXI.Pz.K. gezwungen, sein Korpsreserve-Btl. dazu einzusetzen, um nicht auf Kräfte zürückgreifen zu mussen, die für das Unternehmen "Auerhahn" bereitstehen (Chef XXXXI/Chef, 23.25 Uhr), das übermorgen beginnen wird (s. Anl. IV 1).. Die zahlreichen Abgaben, die der Armee in letzter Zeit auferlegt worden sind haben eine immer stärkere Bindung der eigenen Kräfte an ihre Frontabschnitte hervorgerufen und damit die Herauslösung von Reserven immer schwieriger gemacht. Das bedeutet - vor allem im Hinblick auf die mit Sicherheit noch weiter zu erwartenden Abgaben - für die Führung eine zunehmende Erschwerung der vorausschauenden Bildung von Abwehrschwerpunkten, die andererseits gerade jetzt, bei der allgemein schwachen Besetzung der Front und der daraus sich ergebenden Notwendigkeit, jede feindl. Kräftezusammenziehung sofort und unter rücksichtsloser Schwächung anderer Abschnitte ebenfalls mit einer Kräftezusammenziehung zu beantworten, von entscheidender Wichtigkeit für die Standfestigkeit der Abwehr ist. Insbesondere gilt das für die Bildung von Artillerieschwerpunkten durch Verschiebung von Verbänden der Heeresartillerie, von denen schon eine erhebliche Anzahl hat abgegeben werden müssen. Diese Lage zwingt das AOK-jetzt zu einer Maßnahme, die eine Parallelerscheinung zu der infanteristisch bereits zur Gewohnheit gewordenen Praxis der "Reservengewinnung aus der Front" darstellt: den Gen.Kdos. wird aufgegeben, in jeder Division eine le.Art.Abt. zur "Verfügungs-Artillerie-Abteilung" zu bestimmen, die - voll beweglich gemacht - unter Mitnahme einer 3/4 Erstausstattung jederzeit innerhalb des Korpsbereichs oder notfalls auch in die benachbarten Div.- Abschnitte verschoben werden kann, ferner in jedem Korps eine Heeresartillerie-Abteilung (mot) zur jederzeitigen Verschiebung in andere Abschnitte innerhalb und außerhalb des Korpsbereichs vorzusehen. Die in Frage kommenden Abteilungen sollen, damit ihre Herauslösung keine Lücke im Feuerplan entstehen läßt, schon jetzt möglichst überlagernd eingesetzt werden. Bei der Wichtigkeit, die angesichts der großen infanteristischen Überlegenheit des Feindes der Artillerie zukommt, werden die Gen.Kdos. ferner heute einerseits darauf hingewiesen, dem Schutz der Art.-Feuerstellungen gegen feindl. Luftangriffe besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden (s. Anl. VII 8), andererseits die Kampfkraft der Artillerie unter Ausnutzung der derzeit ruhigen Kampflage durch kurzfristige Herauslösung und Auffrischung einzelner Einheiten zu stärken (s. Anl. VII 7). |
| 6.4.1944 | KTB 9.Armee. Die nunmehr auf Grund der endgültigen Luftbildauswertung einwandfrei festgestellten insgesamt 46 Feindbatterien in Raum nördl. Rogatschew stellen einen artilleristischen Schwerpunkt dar, der über den Rahmen der Stellungsverbände erheblich hinausgeht. Da nach dem bisherigen Feindbild vor den inneren Flügeln der 9. und 4.Armee kein Anhaltspunkt dafür vorliegt, daß es sich bei dieser Verdichtung ausschließlich um Heeresartillerie-Verbände handelt, ist der Einsatz von mindestens zwei neuen Feinddivisionen wahrscheinlich, wobei allerdings auch nicht ausgeschlossen ist, daß der Gegner vorerst lediglich die Artillerie vorgezogen hat, um zu Ende der Schlammperiode mit deren Aufmarsch fertig zu sein (Ic/Chef, 12.10 Uhr). Trotzdem muß man, angesichts der erfahrungsgemäß guten Tarnung feindl. Umgruppierungen, mit einer raschen Veränderung der Lage in diesem Raum jederzeit rechnen. Deshalb befiehlt das AOK die Zuführung noch weiterer Verstärkungen bzw. ihre Näherziehung oder Bereitstellung auf Abruf zum Einsatz in dem vermutlichen Schwerpunkt. Dem LV.A.K. selbst wird als erstes befohlen, ein Btl. von seinem rechten Flügel (296.I.D.) als Korpsreserve bereitzustellen. Darüber hinaus sollen noch weitere Einheiten aus der Front herausgelöst werden (und zwar im Hinblick auf die bevorstehende Abgabe der 20.Pz.Div. Teile dieser Division), wobei jedoch dem Korps angesichts der Schwierigkeit, die bei der Durchführung der damit erforderlich werdenden Frontdehnung entstehen, eine zeitliche Staffelung der Herauslösung zugestanden wird (Chef/Chef LV, 17.20 Uhr): bis zum 9.4. sollen das II./Pz.G.R.59 (SPW), bis zum 12.4. starke Teile des I./Pz.G.R.59 als Korpsreserve aus der Front gezogen werden (Einzelheiten s. Anl. IV 2), ferner wird dem Gen.Kdo. außer der Bildung einer starken Sf-Reserve befohlen, den Einsatz zweier Pionierbataillone in einer rückwärtigen Auffanglinie vorzubereiten. Das XXXV.A.K. erhält Befehl, dem LV.A.K. ein Btl. (III./58) als Armeereserve nach Dworez (an der Dg. VII) zuzuführen; dem XXXXI.Pz.K. wird die Verschiebung der Stu.Gesch.Brig.244 (ohne 1 Bttr.) als Armeereserve nach Krassny Bereg sowie eines Gren.Btl. nach Paritschi befohlen (s. dazu Anl. IV 3). Auf die beiden letztgenannten Verbände gedenkt das AOK erst im Falle einer ernsthaften Verschärfung der Lage beim LV.A.K. zurückzugreifen ihre vorsorgliche Bereitstellung soll lediglich eine schnelle Heranziehung gewährleisten. Das AOK ist sich durchaus im klaren darüber, daß Umgruppie-rungen, wie sie gestern und heute notwendig wurden, wahrscheinlich nur ein kleines Beispiel der Normalereignisse in den kommenden Monaten sein dürften. Es wird im Hinblick auf die größere Lage, nach der der Schwerpunkt der Abwehr im Abschnitt der Heeresgruppe wohl noch lange auf deren rechtem Flügel liegen wird, für die 9.Armee darauf ankommen, mit geringsten Kräften den Gegner so lange wie möglich jeden Erfolg streitig zu machen, wobei versucht werden muß, die strategische Überlegenheit des Feindes einerseits durch den taktischen Abwehrvorteil, andererseits durch höchste Querbeweglichkeit der eigenen Kräfte wettzumachen. Die Notwendigkeit schnellster Verschiebungen wird dabei ein weitgehende Motorisierung der Reserven und der Artillerie erfordern und dem Ausbau des Straßennetzes, mit dem Ziel, zahlreiche brauchbare Rochadelinien hinter der Front zu erhalten, wird erhöhte Bedeutung zukommen. Da der Feind zufolge seiner Überlegenheit in der Lage sein wird, die Brennpunkte des Kampfes zu bestimmen, wird eine einwandfreie und sorgfältige Aufklärung von größter Wichtigkeit sein. Das AOK gedenkt, um ihre Planmäßigkeit zu fördern, deshalb in Zukunft laufend Aufklärungsforderungen an die Gen.Kdos. herauszugeben (Chef in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Ergänzend zu den für das morgen beginnende Unternehmen "Auerhahn" getroffenen Maßnahmen ergeht heute an den Korück die Anordnung, nordwestl. des Gebietes, in dem das Unternehmen stattfinden wird, noch eine zusätzliche Sicherungslinie zu bilden (s.Anl. IV 5). |
| 7.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Anzeichen für ein Wiederaufleben der alten feindlichen Angriffsplanung gegen das XXXV. and LV. A.K. verstärken sich weiter: nach s.Qu. befinden sich jetzt vor der Front der beiden Korps auch zwei neue Sowjet. Flak-Divisionen, die bisher bei der 50. Sowjetarmee, d.h. also vor dem Südflügel der 4. Armee eingesetzt waren, ferner ist der Stab des I.sowj.Gde.Pz.K-. wieder im Raum nördlich der Beresina aufgetreten. Der Oberbefehlshaber entschließt sich deshalb, die Abwehrfähigkeit der eigenen Front in den voraussichtlichen Brennpunktabschnitten noch weiter zu verstärken (OB/Chef, 19.20 Uhr). Das LV. A.K. erhält Befehl, nunmehr das gesamte Pz.Gr.Rgt.59 (20.Pz.Div.) schon bis zum 11.4. aus der Front zu ziehen and ferner das Herauslösen eines Rgt.Stabes und eines weiteren Gren.Btl. der 296.I.D. so vorzubereiten, daß sie innerhalb 12 Stunden zum Einsatz an anderer Stelle zur Verfügung stehen (s.Anl. IV 1). Das XXXV.A.K. soll weitere Verstärkungen vom XXXXI.Pz.K. erhalten, dem aufgegeben wird, dem XXXV.A.K. bis zum 9.4. ein Gren.Btl. und bis zum 10.4. einen Rgt.Stab mit Rgt.Einheiten zuzuführen und sich ferner auf die Abgabe eines weiteren Btl. nach Abschluß des Unternehmens "Auerhahn" einzustellen (s.Anl. IV 2). Das XXXV.A.K. selbst erhält Anweisung, da das bisherige Feindbild den Schwerpunkt eines Feindangriffs in erster Linie beiderseits Mormal erwarten läßt, Abwehrvorbereitungen vor allem an den inneren Flügeln der 383. und 6.I.D. zu treffen, die gegenseitige Unterstützung der Artillerie Sicherzustellen und einen Einsatz des noch beim Korps befindlichen Sicherungsbataillons sowie des Armee-Panzerzerstörbataillons in diesem Abschnitt ins Auge zu fassen (s.Anl. IV 5). Zur Verstärkung des Luftschutzes der Artillerieräume beantragt das AOK ferner bei der Heeresgruppe die Rückführung der seinerzeit abgegebenen Flakverbände; dies geschieht mit dem besonderem Hinweis darauf, daß der Feind z.Zt. im frontnahen Raum nördlich der Beresina zahlreiche neue Flugplätze anlegt und teilweise auch schon fertiggestellt hat (s.Anl. V 1). Zur Bekämpfung der vor dem LV.A.K. aufgeklärten Feindbatterien erhält das Gen.Kdo.IV. A.K. eine zusätzliche s.F.H.-Munitionszuweisung (s.Anl. VII 1). Das Unternehmen "Auerhahn" ist in den frühen Morgenstunden planmäßig angelaufen. Die konzentrisch vorgehenden Kampfgruppen erreichen gegen zumeist geringen Feindwiderstand die vorgesehenen Angriffsziele. Der Gegner, offenbar überrascht, scheint sich mit seinen Hauptkräften auf die Sumpfinseln Albinsk und Dobryj Ostroff, also in das Innere des Kessels, zurückzuziehen. |
| 8.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Tatsache, daß die durch Luftaufklärung erkannten anhaltenden. Feindbewegungen aus dem Raum südostw. Tschaussy zum erheblichen Teil über Gomel - Kalinkowitschi in den vermuteten Aufmarschraum vor der Front der 2.Armee auszulaufen scheinen, erschwert eine sichere Bewertung der Feindverstärkung vor der Front der 9.Armee. Den Standpunkt der Heeresgruppe, die die Bildung eines Feindschwerpunktes in diesem Abschnitt nicht annehmen zu müssen glaubt und den verstärkten Flakschutz eher als Marschsicherung denn als Aufmarschanzeichen deutet (s.Anl. V 1 und VII 3), kann das AOK nicht teilen; dazu ist allein schon die Artilleriemassierung vor dem LV.A.K. zu erheblich. Vermehrte Luftaufklärung vor allem über diesem Raum soll deshalb die weitere Entwicklung des Feindbildes sorgfältig überwachen (Ia/Ic Lw, 9.40 Uhr). Beim Unternehmen "Auerhahn" nimmt die planmäßige weitere Verengung des Kesseln ihren Fortgang. Die Banden weichen im allgemeinen nach geringem Widerstand aus, lediglich die von Norden her vorgehenden Truppen sind auf stärkeren Widerstand gestoßen. Heute findet beim AOK eine Besprechung des Oberbefehlshabers mit den Kommandierenden Generalen statt; bei der alle die Armee z.Zt. berührenden Fragen behandelt und Richtlinien für die weitere Führung des Abwehrkampfes gegeben werden. Die Abteilungsleiter sprechen in Einzelreferaten über ihre Sachgebiete (Besprechungsunterlagen 3.Anl. VI). |
| 9.4.1944 | KTB 9.Armee. Im Unternehmen "Auerhahn" schreitet die Verengung des Einschließungsringes weiter fort. Wenn auch an der nördlichen Kesselfront, bei Bajanitschi, das Ausbrechen einer etwa 120 Mann starken Bandengruppe wegen der Unübersichtlichkeit des Geländes nicht hat verhindert werden können, so befindet sich die Masse des Gegners, dessen Stärke auf etwa 1000 Mann geschätzt wird, doch noch im Kessel. Die Hauptkräfte der Banden scheinen sich auf die Waldinseln westlich Albinsk zurückgezogen zu haben. Von der Front werden heute keine Kampfhand1ungen von Bedeutung gemeldet. Die 255.I.D. ist nunmehr mit sämtlichen Teilen aus dem Armeebereich ausgeschieden. |
| 10.4.1944 | KTB 9.Armee. In Fortführung des Unternehmens "Auerhahn" werden die Sperrlinien gegen örtlichen Feindwiderstand weiter vorgeschoben Die eigene Truppe hat in dem sumpfigen Waldgelände mit erheblichen Geländeschwierigkeiten zu kämpfen. An der Westfront des Kessels ist in der verganger Nacht ein Ausbruchsversuch einer Bandengruppe gescheitert.(s.Anl. III). An der Front konmt es außer zwei erfolglosen kp.-starken Feindvorstößen gegen den rechten Flügel der 110.I.D. wieder zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen. |
| 11.4.1944 | KTB 9.Armee. Beim Unternehmen "Auerhahn" sind die Banden durch weitere Verengung des Kessels nunmehr auf der Waldinsel südwestlich Starossek zusammengedrängt worden. Der Widerstand des inbesondere auf dem Süd- und Südwestteil der Insel befindlichen Feindes hat sich versteift. Nach Gefangenenaussagen haben die Banditen Befehl, sich in kleinen Gruppen von 2-3 Mann durch die deutschen Linien durchzuschlagen. Erhöhte Aufmerksamkeit und größtmögliche Verdichtung der Sperrfronten wird erforderlich sein, um dieses Vorhaben zu verhindern, das durch das unwegsame Gelände begünstigt wird. Für morgen ist beabsichtigt, unter starker Abschirmung im Westen die Insel von Osten her durchzukämmen. Die Front verzeichnet bei zeitweise lebhafterer feindlicher Artillerietätigkeit in Abschnitt der 110.I.D. und 45.I.D. wieder keine Kampfhandlungen von Bedeutung. Nachdem das zur 129.I.D. tretende F.A.Rgt. sich schon seit einigen Tagen bei seiner Division befindet und bereits zur Abschirmung der Südfront beim Unternehmen "Auerhahn" eingesetzt worden ist, ist das für die 134.I.D. bestimmte F.A.Rgt. nunmehr ebenfalls mit allen Teilen eingetroffen. Damit rückt der Termin zur Abgabe der 20.Pz.Div. (zu der ein Befehl bisher noch nicht vorliegt), allmählich näher. Das Gen.Kdo.LV.A.K., dem vorgestern die Vorlage eines Zeitplans für die Herauslösung der noch in der Front befindlichen Teile der Division aufgegeben worden ist (Ia/Ia LV, 9.4.44, 23.00 Uhr), stellt dazu heute den Antrag, bei der Heeresgruppe die Übernahme eines Abschnitts seiner Front durch die 4.Arrmee zu erwirken, da es sonst unvermeidlich sein werde, die neue Grenze zwischen der 296. und 134.I.D. mitten durch den feindlichen Drut-Brückenkopf zu legen, was vom Gesichtspunkt einer einheitlichen Kampfführung in diesem Abschnitt zweifellos ungünstig wäre (Chef LV/Ia, 10.50 Uhr). |
| 12.4.1944 | KTB 9.Armee. Von der Heeresgruppe trifft der Befehl zur Abgabe eines weiteren Generalkommandos an die 2.Armee ein (Ia H.Gr./Chef, 19.30 Uhr). Die Entscheidung, welches Gen.Kdo. das sein wird, ist beim AOK, dem schon vor einigen Tage bekanntgegeben worden ist, daß es mit dieser Forderung zu rechnen habe, bereits gefallen: unter Verschiebung des Gen.Kdos. LV. A.K. an den Südflügel der Armee und Mitübernahme seines Abschnitts durch das Gen.Kdo. XXXV.A.K. wird das Gen.Kdo. XX.A.K. abgegeben werden. Die Verlegung des Gen.Kdo. LV. A.K. und die Übernahme der Geschäfte sollen baldmöglichst beginnen (Chef/Chef LV, 19.35 Uhr) (s.dazu Anl. V 1 und IV 1 v. 13.4.44). Zu dem heute weitergegebenem Antrag des Gen.Kdo.LV. A.K. auf Übernahme eines Abschnitts an seinem linken Flügel durch Kräfte der 4.Armee hat die Heeresgruppe mitgeteilt, es bestehe kaum Aussicht, daß diesem Antrag stattgegeben werden könne, da beim AOK 4 die Herauslösung und Abgabe der 342.I.D. bevorstehe und die 4.Armee deshalb wahrscheinlich nicht in der Lage sein werde, sich weiter nach Süden zu strecken (Ia H.Gr./Chef, 19.30 Uhr). Das Unternehmen "Auerhahn" nähert sich allmählich seinem Höhepunkt. Während in Nordteil des Kessels die Durchkämmung der Waldinsel unter größten Geländeschwierigkeiten langsam fortschreitet, werden die eigenen Postierungen der Einschließungsfront von starken Banden angegriffen und vorübergehend von ihren Verbindungen abgeschnitten, so daß ihnen Munition durch Flugzeuge zugeführt werden muß. Teile der auf den Sumpfinseln stehenden Sicherungen müssen sogar, nachdem sie sie sich den ganzen Tag über gehalten haben, gegen Abend wegen überlegenen Feinddrucks zurückgenommen werden. Mit Ausbruchsversuchen des Gegners, der sich zäh und verbissen verteidigt, ist weiterhin zu rechnen. Der in den letzten Monaten zugeführte Ersatz brachte eine wesentliche Hebung der Gefechtsstärken, da die Verluste infolge der ruhigen Kampflage verhältnismäßig gering waren. Bei einigen Divisionen erscheint die Wiederaufstellung des dritten Regiments möglich und ratsam. Der z.Zt. vom AOK angesichts des scharfen Absinkens der Gefechtsstärken gegebene Befehl, der die Auflösung der dritten Regimenter verfügt bezw. ihre Wiederaufstellung verboten hatte, wird deshalb jetzt insoweit aufgehoben, daß den Divisionen eine Wiederaufstellung gestattet wird, sofern sechs Btle. mit einer Mindestgefechtsstärke von je 300 Mann gebildet werden können. (Weitere Einzelheiten s. Anl. IV 2). Im gleichen Befehl wird angeordnet, daß in Zukunft die Versorgungstruppen und Trosse jeder Division nur noch eine Höchststärke von 1500 Mann haben dürfen. Diese Begrenzung geht auf die Feststellung zurück, daß die Stärke der Versorgungstruppen bei den Divisionen erhebliche Unterschiede aufweist. Die befohlene Verringerung entspricht etwa der demnächst zu erwartenden Neufestsetzung der KStN. Durch sie soll gleichzeitig eine weitere Hebung der Gefechtsstärken erzielt werden. |
| 13.4.1944 | KTB 9.Armee. Vom Unternehmen "Auerhahn" wird ein weiterer Ausbruchsversuch einer Teilgruppe von etwa 150 Mann gemeldet, der es gelungen ist, unter dem Schutz des dichten Hebels die eigenen Postierungen südl. Syssloff zu überrennen und ostw. des Ortes nach Süden vorzudringen. Auch sonst versuchen die Banditen während des Tages mehrfach, in kleine Gruppen aufgelöst, nach Osten durchzusickern, wobei sie hohe Verluste erleiden. Die Säuberung des Kessels süd-westl. Starossek wird unterdessen fortgesetzt. An der Front sind außer geringer beiderseitiger Aufklärungtätigkeit keine besonderen Kampfhandlungen zu verzeichnen. |
| 14.4.1944 | KTB 9.Armee. Bei weiterer Säuberung des "Auerhahn"=Kessels werden zahlreiche kleinere Bandengruppen gestellt und vernichtet, eine weitere Anzahl von Zivilisten aufgegriffen und größere Mengen an Vieh , landwirtschaftlichen Vorräten, Waffen und Munition sichergestellt . Das Unternehmen nähert sich damit seinem Abschluß; das Bandenzentrum um Albinsk kann schon jetzt als im wesentlichen zerschlagen angesehen werden. Genaue Erfolgsmeldung steht noch aus. Inzwischen hat jedoch die Aktivität der im Raum nördlich Ossipowitschi - Marini Gorka befindlichen Banden erheblich zugenommen. Nachdem dort schon in der Nacht vom 12./13.4. zwei Ortschaften angegriffen und niedergebrannt worden sind, haben die Banden in der vergangenen Nacht eines der nordostw. Marina Gorka gelegenen Wehrdörfer (d.s. Ansiedlungen von OD-Leuten mit ihren Familien) überfallen. Da die Erhaltung der erst seit einiger Zeit im Aufbau begriffenen Wehrdörfer nicht zuletzt eine Frage von propagandistischer Bedeutung ist, wird vom AOK die beschleunigte Durchführung eines Bandenunternehmens in diesem Raum befohlen. Es soll - unter Leitung des Korück - sogleich nach Abschluß des Unternehmens "Auerhahn" und unter Einsatz des dort beteiligt gewesenen Sturm-Rgts. der AWS, verstärkt durch Teile der 20.Pz.Div. und weiterer Reserven aus dem Bereich des LV. A.K. durchgeführt werden, während andere Teile der beim Unternehmen "Auerhahn" eingesetzten Kräfte den Auftrag erhalten, anschließend die Bahnlinie Wittschiny - Uretschje freizukämpfen (s.Anl. IV 1, 2, 3, 4). Für das Unternehmen bei Marina Gorka erbittet das AOK eine Beteiligung von Kräften der 4.Armee (Chef/Chef H.Gr., 20.00 Uhr), um zu verhindern, daß - wie beim Unternehmen "Winnetou" - die Banden lediglich abgedrängt, nicht aber vernichtet werden. An der Front ist der Tag wieder ruhig verlaufen. Vor dem rechten Armeeflügel zeichnet sich jetzt allmählich eine gleichmäßige Verteidigungsgliederung auf der Feindseite ab: bei der 129.I.D. ist durch einen Überläufer ein sowjetisches MG-Art.-Btl.festgestellt worden, also eine jener Formationen, die der Gegner nur dort einzusetzen pflegt, wo er keine Angriffsabsichten hat. Bei unverändertem Feindbild in den bisherigen Schwerpunkten sind im ganzen gesehen aus dem frontnahen Verhalten des Feindes Vorbereitungen für nahe bevorstehende größere Angriffsoperationen nicht zu erkennen, die ohnehin bei den derzeitigen Geländebedingungen nahezu unmöglich sein dürften. Mit örtlichen Vorstößen muß jedoch weiterhin gerechnet werden; denn nach übereinstimmenden Gefangenenaussagen bemüht sich der Feind nach wie vor, die Kräftegliederung der deutschen Front lückenlos aufzuklären. |
| 15.4.1944 | KTB 9.Armee. 15.4.1944 Im Zuge der Vorbereitungen für das neue Bandenunternehmen teilt AOK 4 mit, es werde sich mit einem Rgt.Stab und zwei Sich.-Btln. an dem Unternehmen beteiligen (Id 4/Ia, 14.00 Uhr). Dessen Beginn ist allerdings nun doch noch um einige Tage hinausgeschoben worden, da das Sturm-Rgt. der AWS, durch die schweren und auch verhältnismäßig verlustreichen Kämpfe in den Sümpfen westl. Albinsk stark beansprucht, dringend einiger Tage Ruhe und Auffrischung bedarf, bevor es wieder vollkampfkräftig zur Verfügung steht. Es wird deshalb zunächst nicht, wie gestern befohlen, unmittelbar in den neuen Versammlungsraum gefahren werden (s.Anl. IV 4 v.14.4.44), sondern zunächst erst einmal wieder in seine Unterkunft in Star. Dorogi (Ia/Id, 18.50 Ihr). Von der Heeresgruppe ist mitgeteilt worden, daß von den nach der neuen Gliederung der Inf.-Divisionen vorgesehenen divisionseigenen Sturmgeschütz-Abteilungen noch im Laufe des April weitere vier eintreffen werden, nachdem die erste dieser Abteilungen bereits vorgestern eingetroffen ist. Mit der Zuweisung dieser Sturmgeschütze verbindet die Heeresgruppe den Befehl, nach Ankunft der zweiten Abteilung eine der beiden noch im Armeebereich befindlichen Sturm-Gesch.Brigaden abzugeben (s.Anl. V 2),. Das AOK hat sich für die Abgabe der Sturm-Gesch.-Brig. 185 entschieden. Um jedoch infolge der dadurch eintretenden engeren Bindung der Sturmgeschützeinieiten, die in der Verteidigung eine außerordentlich wertvolle Gegenstoß- und Gegenangriffswaffe darstellen, an einzelne Divisionen die Gesamtbeweglichkeit der Abwehr nicht leiden zu lassen, befiehlt das AOK, daß diese Div.-Stu.-Gesch.-Abteilungen allgemein als Korpsreserve zu gelten haben und so bereitgehalten werdet sollen, daß sie jederzeit und schnell auch in andere Abschnitte verschoben werden können. Im gleichen Befehl (s.Anl. IV 2) wird den Gen.Kdos. aufgegeben, die Möglichkeit rascher Bildung von Abwehrschwerpunkten durch kommandoweise Aufstellung einer Granatwerfer-Kompanie je Division weiter zu fördern. Es ist daran gedacht, diese Kompanie, die entweder ohnehin voll mot.beweglich ist oder schnell mot.beweglich gemacht werden kann, gegebenenfalls auch außerhalb des Korpsbereichs einzusetzen, um jederzeit schnell Feuerschwerpunkte bilden zu können. Das Gen.Kdo.LV A.K. hat. heute den Befehl über seinen bisherigen Abschnitt an das Gen.Kdo. XXXV. A.K. übergeben. Zur Vereinfachung des Befehlswesens sind gleichzeitig die 134.I.D. und 20.Pz.Div. unter Führung des Kdrs. der 20.Pz.Div. zur "Gruppe von Kessel" zusammengefaßt worden. |
| 16.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Kampfruhe der letzten Wochen wird durch einen überraschenden Vorstoß des Feindes beim XXXXI.Pz.K. unterbrochen, wo der Gegner nach starker Gr.W.Feuervorbereitung in den frühen Morgenstunden mit etwa 5 Bataillonen die inneren Flügel der 110. und 36.I.D. anrgreift und auch einen örtlichen Einbruch erzielen kann. Sofortiger Gegenstoß dringt nicht durch, dagegen führt ein planmäßig angesetzter Gegenangriff noch am Vormittag zur Wiederinbesitznahme der HKL. Erneute Bereitstellungen des Gegners werden durch Artillerie zerschlagen (s.Anl. II und III). Obwohl dieser Angriff kräftemäßig über das Maß eines normalen Erkundungsvorstoßes hinausging, dürfte man ihm dennoch als solchen zu werten haben. Der vermehrte Ansatz feindlicher Kräfte verfolgte dabei anscheinend den Zweck, die gesamte eigene Abwehrkraft in diesen Abschnitt auszulösen und zu erproben. Die durch Gefangene festgestellte Anwesenheit von vier feindlichen Divisionen macht jedoch auch eine erneute Schwerpunktbildung und ein Wiederaufleben von Angriffsabsichten unter Ausnutzung der Waldbrücke nördlich Jaswin nicht unwahrscheinlich, wenn auch vorerst weitere Anzeichen dafür nicht vorliegen. Überhaupt geben - im großen gesehen - die derzeitige Feindlage und die voll unter dem Zeichen der Frühjahrsschlammperiode stehenden Geländeverhältnisse keinen Anlaß, größere feindliche Angriffsabsichten als nahe bevorstehend anzanehmen. Vom AOK ergeht deshalb heute der Befehl an die Generalkommandos, die Zeit voraussichtlicher Kampfruhe in vermehrtem Maße zur Auflockerung der in vorderer Front eingesetzten Truppen nach der Tiefe und zu Auffrischungs- und Ausbildungszwecken auszunutzen, wozu bis ins einzelne gehende Richtlinien für alle Waffengattungen gegeben werden (s. Anl IV 1). |
| 17.4.1944 | KTB 9.Armee. Feindbewegungen vor dem linken Flügel des XXXXI.Pz.K. lassen in Verbindung mit Meldungen aus s.Qu. (s.Anl. VII 1) eine Wiederholung der gegnerischen Vorstöße in den nächsten Tagen möglich erscheinen. Die Bewegungen werden laufend durch eigene Artillerie unter Feuer genommen; darüber hinaus hat das Korps vorbeugende Maßnahmen für den Fall eines erneuten Angriffs getroffen. Nachdem das Unternehmen "Auerhahn", das in den letzten Tagen mit den noch verbliebenen Kräften weitergeführt wurde, nach nochmaliger Durchkämmung der Wälder gestern seinen endgültigen Abschluß gefunden hat, wird vom AOK heute die Zuführung weiterer an dem Unternehmen beteiligter Einheiten in den Versammlungsraum des neuen Bandenunternehmens bei Marina Gorka befohlen, während andere Teile, die dort nicht mehr eingesetzt werden sollen, in ihre Unterkünfte zurückkehren (s.Anl. IV 1). Das Gen.Kdo.LV.A.K. hat heute den Befehl über den bisherigen Abschnitt des XX.A.K. übernommen. |
| 18.4.1944 | KTB 9.Armee. Von der Heeresgruppe ist der Befehl eingegangen, die Stu.Gesch.Brig. 185, die an sich erst nach Eintreffen der zweiten Divisions-Sturmgeschütz-Abteilung abgegeben werden sollte (s.KTB vom 15.4.44), sofort zu AOK 2 in Marsch zu setzen, ohne das Eintreffen der Abteilung abzuwarten (Ia H.Gr.Mitte/Ia, 00.05 Uhr; s.dazu Anl. IV 1). Auch diese Abgabe steht wieder im Zusammenhang mit dem immer deutlicher erkennbar werdenden großen Feindaufmarsch vor dem Südflügel der Heeresgruppe Mitte und dem Nordflügel der Heeresgruppe Nordukraine, wo die Zahl der feindlichen Frontverbände inzwischen auf 25 Divisionen, darunter 4 Pz.Div. und 6 Kav.Div., angewachsen ist, während im gleichen Raum zu Anfang März lediglich drei Schtz.Div. standen (Näheres s.Anl. VII 1). An der Front der Armee verläuft der Tag wiederum ruhig. Die heute vom XXXXI.Pz.K. zum Bandenunternehmen "Auerhahn" vorgelegte Erfolgsmeldung zeigt dessen beachtliches Ergebnis. Die sechs im Raume Albinsk befindlichen Bandenbrigaden verloren, bei einer Gesamtstärke von durchschnittlich 400 Mann je Brigade, etwa 1000 Tote und über 700 Gefangene. Sie können damit als zerschlagen angesehen werden, zumal auch einige der Brigadeführer den Tod fanden. Reiche Beute an Waffen, Gerät, Material, Vieh und Pferden wurde eingebracht, ferner konnten über 2000 Zivilisten dingfest gemacht werden. Mit der Zerstörung von etwa 100 kleineren und größeren Waldlagern mit weit mehr als 1000 Bunkern und Erdhütten und den dazubefindlichen Vorräten büßten die Banden gleichzeitig ihre Ernährungsgrundlage ein, so daß man auf eine nachhaltige Befriedung des Gesamtgebietes hoffen kann (genaue Zahlen: s.d. Morgenmeldung vom 19.4.44, Anl. II). |
| 19.4.1944 | KTB 9.Armee. Die derzeitige Kampfruhe an der Front gibt der Armeeführung Gelegenheit, sich mehr als bisher Aufgaben zu widmen, die während der Zeit der Abwehrkämpfe notwendig in den Hintergrund treten mußten. Diese Aufgaben stehen unter zwei beherrschenden Gesichtspunkten: der Vorbereitung der Armee auf kommende Kampfhandlungen und der Organisation des rückwärtigen Armeegebietes. Die Durchführung der ersten Aufgabe wird durch die laufenden Truppenabgaben, durch die der Armee fast täglich Kräfte entzogen werden, stark beeinträchtigt. Es gilt deshalb vor allem, der personellen und waffenmäßigen Minderung der Abwehrkraft durch eine Steigerung der Abwehrfähigkeit weitmöglichst entgegenzuarbeiten. Diesem Ziel dienen einerseits taktische Maßnahmen zur Beweglichmachung der Abwehr und zur Erleichterung rascher Schwerpunktbildungen, wie die Schaffung der "Verfügungs-Artillerie-Abteilungen" und die Aufstellung der Granatwerferkompanien, andererseits eine große Zahl von Ausbildungslehrgängen aller Waffengattungen, mit deren vor allem dem Mangel, an guten Kompanie-und Zugführern (s. dazu Anl. IV 3), Unterführern und Spezialisten aller Dienstzweige, der sich schon seit langem sehr empfindlich bemerkbar gemacht hat, abgeholfen werden soll. Auch der allgemeine Ausbildungsstand der Truppe, Insbesondere der des neu zugeführten Ersatzes, bedarf der Hebung. Neben diesen rein militärischen Dingen eröffnet sich jetzt ein besonders weites Betätigungsfeld für die Maßnahmen der nationalsozialistischen Führung, der vom AOK ebenso wie der geistigen und materiellen Betreuung der Truppe größte Aufmerksamkeit zugewandt wird, wobei die Betreuung der Grabenkämpfer im Vordergrund steht. Die zweite Aufgabe, die Organisation dos Armeebereichs, hat die Ausräumung und Befriedung der Bandengebiete zur Voraussetzung. Mehrere neue Unternehmen sind geplant: außer der z.Zt. vorbereiteten Aktion "Wirbelwind”, die in drei Phasen durchgeführt werden und das gesamte Gebiet nordostw. Marina Gorka bis zur Beresina erfassen soll, und den im südlichen Armeegebiet vorgesehenen kleineren Unternehmungen zum Freikämpfen der Eisenbahnlinien erhält das XXXV.A.K. Anweisung, die Wälder um Gorodez durch ein zweites Unternehmen "Winnetou” nunmehr endgültig von Banditen zu säubern (Ia/Chef XXXV, 18.30 Uhr). Weiterhin ist das Problem der Menschenbewirtschaftung eine vorerst nur teilweise gelöste Frage. Es wird hier nicht nur darauf ankommen, im Dienst der rein kriegsmäßig bedingten Ausschöpfung des zivilen Arbeitspotentials die vom Reich geforderten sowie die von der Armee für die Zada benötigten Arbeitskräfte zu erfassen und daneben die landwirtschaftliche Ausnutzung des Bodens trotzdem sicher zustellen, es soll darüber hinaus auch versucht werden, zu einer dauerhaften neuen Bevölkerungsordnung zu gelangen. Das AOK gedenkt hier z.T. neue Wege zu beschreiten: es ist u.a. beabsichtigt, die Familien, deren Angehörige in deutschen Diensten stehen, in der Nähe der Hauptverkehrslinien geschlossen anzusiedeln, ferner ist an die Schaffung von Jugenderziehungslagern gedacht, in denen minderjährige Kinder aufgenommen und im Sinne eines zukünftigen unter deutscher Verwaltung stehenden Weißruthenien erzogen werden sollen (Chef in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Zu all diesen Aufbaumaßnahmen haben die Kriegsereignisse bisher kaum Zeit gelassen, es wird jedoch notwendig sein, sie nunmehr beschleunigt in Angriff zu nehmen. Weitere Umsiedlungen werden im Zuge der Evakuierung der frontnahen Zone, die vor allem in dem neu übernommenen Abschnitt des ehem. XX. A.K. noch keineswegs restlos durchgeführt ist, erforderlich werden; das AOK gedenkt dabei gegebenenfalls wieder von der Methode des Abschubs Unbrauchbarer und Kranken zum Feind Gebrauch zu machen. An der Front ist es heute wieder zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen gekommen. Der Zustand der Nachschubstraßen und -wege hat sich inzwischen derartig verschlechtert, daß in vielen Fällen Straßensperrungen haben ausgesprochen werden müssen (s. z.B. Anl. VII 3-5). Zur Instandhaltung der Hauptstrecken werden in vermehrtem Maße Baueinheiten und Zivilarbeitskräfte angesetzt (s.z.B.Anl. VII 2 und 6). |
| 20.4.1944 | KTB 9.Armee. Das AOK hat es sich stets angelegen sein lassen, in kampfruhigen Zeiten wie jetzt den Verschuß von Artilleriemunition weitmöglichst zu drosseln, teils um die Bildung eigener Munitionsreserven zu ermöglichen, teils im Interesse anderer im Großkampf stehender Frontabschnitte. Es geschah dies bisher im allgemeinen durch eine am die Generalkommandos und deren Artilleriekommandeure ergehende Weisung, den Führern der Artillerieeinheiten weitgehendste Sparsamkeit im Munitionsverbrauch aufzuerlegen, wobei das AOK seinerseits bewußt darauf verzichtete, zahlenmäßige Grenzen zu setzen, um der unterschiedlichen Lage an den einzelnen Frontabschnitten gerecht zu werden. Auch jetzt, seit dem Aufhören der Kämpfe, sind wieder mehrfache Hinweise der genannten Art an die Truppe ergangen. Da sich jedoch der Verschuß in den letzten Tagen trotzdem in einer Weise gesteigert hat, die in keinem Verhältnis zur derzeitigen Feindlage und der gebotenen sparsamen Bewirtschaftung steht (s. die Art.-Meldungen), werden vom AOK heute erstmalig bis auf weiteres Höchstverbrauchssätze befohlen und gleichzeitig angeordnet, in erster Linie leFH-, und sIG-Munition zu verschießen, da sie reichlicher vorhanden ist. Die Verschußsätze sind unter Berücksichtigung der Abschnittsbreiten der Korps und der jeweiligen Artillerielage verschieden festgelegt worden. SGrW-Munition, die schon seit langem Mangelmuntion ist, wird vorläufig ganz gesperrt (s.Anl. VII 4). Der heutige Geburtstag des Führers, zu dessen Gedenken sich die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des AOK zu einer schlichten und würdigen Feierstunde zusammenfinden, bringt dem AOK die mit besonderer Freude und Genugtuung begrüßte Beförderung des Oberbefehlshabers zum Generaloberst und des Chefs des Generalstabes zum Generalmajor. |
| 21.4.1944 | KTB 9.Armee. Der zur Zeit in Gang befindliche große Feindaufmarsch vor dem Südflügel der Heeresgruppe drückt den Ereignissen auch bei der 9.Armee weiterhin seinen Stempel auf. Nicht nur, daß ihr neue Aufgaben auferlegt werden (die Inmarschsetzung einer Art.-Abt. - II./47 - zu AOK 2 ist angeordnet worden; s.Anl. IV 5), es scheint ihr jetzt auch eine noch weitere Erstreckung ihres Befehlsbereichs im Süden bevorzustehen. Die Heeresgruppe teilt mit, es werde im Hinblick auf die Inanspruchnahme des AOK2 auf seinem rechten Flügel die Unterstellung des an seinem linken Flügel stehenden XXIII.A.K. unter das AOK 9 erwogen (Ia H.Gr./ Chef, 10.35 Uhr). Zwar sei die Frage noch nicht spruchreif, da nach den Plänen des AOK vielleicht auch die Einschiebung eines neuen AOK auf der Naht zwischen Heeresgruppe Mitte und Heeresgruppe Nord-Ukraine in Frage komme, - immerhin möge sich das AOK bereits jetzt auf die Möglichkeit einer Übernahme des Korps einstellen. - Die unverzüglich zu Informationszwecken eingeholten Führungsunterlagen des Gen.Kdos. zeigen, daß eine solche Übernahme der Armee neue und nicht leichte Verpflichtungen auferlegen würde: die völlig im Gebiet der Pripjet-Sümpfe verlaufende Front des Korps, das leider nur über wenige Pionier- und Baueinheiten verfügt, ist nur stützpunktartig und mit außergewöhnlich schwachen Kräften besetzt (7.I.D., 203.Sich.Div. und Brig.Verband 17), und es sind so gut wie keine Reserven vorhanden. Wenn auch - nach der augenblicklichen Feindlage - in diesem Abschnitt, wo der eigenen Front vielfach nicht einmal reguläre Sowjettruppen, sondern Banden gegenüberstehen, mit größeren feindlichen Angriffsoperationen nicht zu rechnen ist, so würde doch schon ein mit stärkeren Kräften geführter örtlicher Vorstoß des Gegners verhältnismäßig leicht zu einem Erfolg kommen können und die Armee im Hinblick auf die Gefahr einer Unterbrechung der frontnahen Bahnlinie, die praktisch den einzig voll brauchbaren Versorgungsweg darstellt, zu Gegenmaßnahmen zwingen, die notwendig mit einer Abziehung eines Großteils der vorhandenen Reserven der anderen Korps verbunden sein müßten. Aus diesem Grunde wird die Aussicht auf eine Unterstellurg des XXIII.A.K. vom AOK nicht gerade begrüßt. Mit neuen Anordnungen werden die Maßnahmen zur weiteren Hebung der Abwehrfähigkeit und zur Ordnung des Armeegebiets fortgesetzt. Auf der Linie der Vorbereitung rascher Schwerpunktbildungen liegt der heute an die Gen.Kdos. ergehende Befehl, alle vorhandenen Heeres-Fla-Geschütze zu einer im Kommandowege aufzustellenden Heeresflak-Abteilung zusammenzufassen (s.Anl.IV 1 ). Das AOK beabsichtigt, sich mit dieser Zusammenziehung der bisher verstreut bei der Div.-Pz-Jg-Abteilungen eingesetzten Geschütze einen gewiesen Ersatz für die zumeist zur 2.Armee abgezogene Luftwaffen-Fak zu schaffen, dessen Bereithaltung insbesondere zum Schutz der Artillerieräume vor allem deshalb so vordringlich erscheint, weil damit gerechnet werden muß, daß der Feind nach dem Ende der Schlammperiode seine vor der Armeefront gebauten Flugplätze zu vermehrten Einflügen ausnutzen wird. Auch die Vorbereitungen der neuen Bandenunternehmen, deren Beginn im wesentlichen lediglich durch die derzeitigen witterungsbedingten Straßen- und Geländeverhältnisse noch hinausgezögert wird, werden weiter vorangetrieben: Das Unternehmen "Moorexpreß" (Bahnlinie Wittschiny - Uretschje) soll am, 23.4. beginnen (s.Anl. IV 5), der Antransport des Sturm-Rgts. der AWS für das Unternehmen "Wirbelwind" (nordostw. Marina Gorka) soll zum 25.4. vorbereitet werden (s. Anl. IV 2, ferner s. dazu Anl. IV 7 und IV 4), und für die Durchführung des Unternehmens "Winnetou 2" (Gorodez) wird dem XXXV. A.K. (wie beim Unternehmen "Winnetou 1") ein westl. der Olssa stehendes Sicherungs-Btl. des Korück zu Abschirmung der Olssa-Linie zeitweilig unterstellt; das Unternehmen selbst wird voraussichtlich am 25.4. anlaufen. Mit der herannahenden Zeit der Frühjahrsbestellung ist ferner eine Neuregelung der bisher stark eingeschränkten Bewegungsfreiheit der Zivilbevölkerung notwendig geworden: unter Auflockerung der bisherigen Bestimmungen, die den Zivilverkehr außerhalb geschlossener Ortschaften nahezu völlig verboten, wird der einheimischen Bevölkerung jetzt wieder eine begrenzte Bewegungsfreiheit zugestanden, allerdings unter Ausweiszwang, um einem Aufleben der Agenten- und Bandenkundschaftertätigkeit vorzubeugen (s.Anl. VII 2). |
| 22.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Feindbewegunjen vor der Front der 110.I.D., die schon vor einigen Tagen beobachtet wurden, halten an. Man wird sie als örtliche Kräftezuführungen zu deuten und damit zu rechnen haben, daß der Gegner demnächst wieder einmal versuchen wird, die Abwehrkraft der eigenen Front und ihre Fähigkeit zu Gegenmaßnahmen durch einen plötzliche Vorstoß erneut auf die Probe zu stellen (s. Ic-Zwischenmeldung). In Fortführung der Vorbereitungen für die geplanten Bandenunternehmen finden weitere Besprechungen mit dem AOK 4, diesmal über eine Beteiligung am Unternehmen "Winnetou", statt. Leider wird sie voraussichtlich nur verhältnismäßig gering sein (Chef 4/Chef, 10,57 Uhr; Chef XXXV/Chef, 18.55 Uhr). Für das Unternehmen "Moorexpreß" (LV.A.K.) ergehen weitere Einzelanordnungen (s.Anl. IV 1 und IV 2). Den Hauptpunkt der Tagesereignisse bildet die Mitteilung der Heeresgruppe, das AOK werde, sobald das für die 45.I.D. bestimmte Feld-Ausb.Rgt. eingetroffen sei, mit dem Befehl zur Herauslösung einer weiteren Division aus der Front und ihrer Bereitstellung als Armeereserve rechnen müssen (Chef H.Gr./ Chef, 11.00 Uhr). Diese Ankündigung ruft beim AOK ernste Bedenken hervor. Der OB betont dem Feldmarschall gegenüber, daß er eine solche Maßnahme so lange nicht verantworten zu können glaube, als der unbedingte Verteidigungsauftrag der Armee bestehen bleibe; es gehe nicht an, die Front immer weiter zu schwächen, gleichzeilig aber zu fordern, sie unter allen Umständen zu halten, m.a.W., im Falle eines feindlichen Erfolges, den zu erzielen für den Gegner damit immer leichter werde, die Armeeführung trotz schwerster Abgaben nicht Von dem Vorwurf der Nichterfüllung des gegebenen Verteidigungsbefehls von vornherein zu entbinden (OB/FM, 12.00 Uhr). Die Heeresgruppe hat gleichzeitig mitgeteilt, daß mit einer Unterstellung des XXIII.A.K. unter das AOK vorläufig noch nicht zu rechnen sei. Auch ein Befehl zur Abgabe der 20.Pz.Div. werde voraussichtlich in nächster Zeit noch nicht erfolgen. |
| 23.4.1944 | KTB 9.Armee. Zu der gestrigen Mitteilung der Heeresgruppe nimmt das AOK heute in einem ausführlichen Fernschreiben noch einmal Stellung (s.Anl. V 2), Es wird darin wiederholt, daß sich die Armee nach eingehender Prüfung der Lage gezwungen sähe, zu dem geplanten Herausziehen einer weiteren Division ihre Bedenken geltend zu machen. Wenn sich auch das Kräfteverhältnis zum Gegner in den letzten Wochen infolge der Abziehung von Kräften auch auf der Feindseite scheinbar nur geringfügig geändert habe, so sei es doch insofern wesentlich ungünstiger geworden, weil - operativ betrachtet - die Initiative des Angreifers sich um so entscheidender zu seinem Vorteil auswirke, je breiter der Verteidigungsabschnitt im Vergleich zur Verteidigungskraft sei, und weil - taktisch gesehen - mit dem Absinken der Grabenstärke unter 40 Mann je km ein Zustand erreicht werde, bei dem allein schon der feindlichen Aufklärung beobachtungs- und waffenmäßig keine genügende Sperrwirkung mehr entgegengesetzt werden könne. Das derzeitige Kräfteverhältnis, während der Schlammperiode noch tragbar, werde schon eine erhebliche Verschlechterung bei Abgabe der 20.Pz.Div. erfahren, die durch den angekündigten infanteristischen Ersatz nur teilweise ausgeglichen werde. Nach Aufhören der Schlammperiode müsse zudem mit einer Wiederaufnahme der Feindangriffe gerechnet werden. - Weiterhin bittet das AOK darum, sofern für den Fall einer Feindoffensive auf Brest daran gedacht sei, das XXIII.A.K. der 9. Armee zu unterstellen, diese Unterstellung sofort vorzunehmen, um nicht im Augenblick der operativen Spannung kurzfristig vor eine Aufgabe gestellt zu werden, auf die das AOK dann nicht vorbereitet sei. Ergänzend zu diesen Ausführungen richtet der OB ein weiteres Fernschreiben an den Feldmarschall, in dem er seiner Überzeugung Ausdruck gibt, daß, je stärker und tiefer sich der feindliche Schwerpunkt vor dem Südflügel der Heeresgruppe abzeichne, die Wahrschein1ichkeit eines Angriffs auch auf der Front der Armee immer größer werde. Bei Durchführung der in Aussicht genommenen Abgaben sei deren Haltbarkeit nicht mehr gewährleistet. Er halte deshalb, falls der Gefahr im Raume Brest-Litowsk nicht anders als durch Herausziehen weiterer Kräfte aus der Front der 9.Armee begegnet werden könne, die rechtzeitige Einstellung der Führung und aller Kampfmittel auf die dann zu erwartenden Folgen für notwendig. Hierzu bedürfe es einer Änderung der Kampfanweisung, da es nur so möglich sein werde, das zwangsläufige Abgleiten in eine bewegliche Kampfführung derart in der Hand zu behalten, daß Lagen, wie sie im Süden der Ostfront eingetreten seien, vermieden würden (s.Anl. V 1). - An der Front sind wieder keine besonderen Kampfhandlungen zu verzeichnen, lediglich an der Pripjetfront des LV.A.K., wo der Feind schon seit einigen Tagen ein unruhigeres Verhalten gezeigt hat, ist es wilder zu einem örtlichen Gefecht gekommen (s.Anl. II und III). Auffällig ist dabei die heute erstmalig lebhafte Fliegertätigkeit in diesem Abschnitt, die zu mehreren Bomben- und Bordwaffenangriffen auf die Orte Petrikoff und Ilitsch führt und besondere Aufmerksamkeit deshalb erweckt, weil der Ansatz von Fliegerkräften im allgemeinen Sache höherer Kommandostellen ist, so daß es scheint, als ob es sich hier doch um mehr als örtliche Absichten beim Feind handele. Bevor jedoch ein sicheres Urteil möglich ist, wird man zunächst weitere Aufklärungsergebnisse abzuwarten haben. |
| 24.4.1944 | KTB 9.Armee. Die feindliche Fliegertätigkeit im Abschnitt des LV.A.K. hält an, wenn auch in geringerem Umfange als gestern, und auch Bewegungen im frontnahen Hintergelände sind wieder zu beobachten (s.Anl. III). Dem Gen.Kdo wird daraufhin befohlen, die Frage einer Heranziehung von Reserven in die Nähe der Bahn unter gleichzeitiger Bereitstellung eines Verfügungsbestandes an rollendem Material zu prüfen, um ihre schnelle Verschiebbarkeit durch behelfsmäßigen E-Transport der Kampfteile trotz der Verschlammung der Wege zu gewährleisten (OB/Chef, 19.35 Uhr; Chef/ Chef IV, 20.05 Uhr). Das AOK beabsichtigt, dem LV. A.K., das selbst nur über ein Btl. als Korpsreserve verfügt, noch ein Btl. vom XXXXI.Pz.K. zuzuführen, um von vornherein die Reserven für, einen gegebenenfalls notwendigen Gegenstoß möglichst stark zu machen; beide Btl. sollen durch Verstärkung mit Pionieren und Pak als Sperrverbände ausgerüstet werden. Die katastrophale Wegelage hat eine weitere Hinausschiebung des Beginns des Bandenunternehmens "Wirbelwind" nötwendig gemacht, obwohl die vom AOK 4 dafür zugesagten Kräfte gestern bereits eingetroffen sind und auch das Sturm-Rgt. der AWS auf Abruf wartet. Das AOK gedenkt das Unternehmen zu beginnen, sobald der Straßenzustand den Antransport der Verbände nur irgend gestattet. |
| 25.4.1944 | KTB 9.Armee. Im Hinblick auf die fortdauernde feindliche Unruhe an der Pripjet-Front (LV. A.K.), wo es heute wieder zu örtlichen Gefechten gekommen ist, wird dem Gen.Kdo.LV.A.K. befohlen, sein Reservebataillon im Raum Petrikoff alarmbereit zu halten; darüber hinaus ist beabsichtigt, dem Korps einige Tage nach Abschluß des Unternehmens "Moorexpreß" ein Btl. der 129.I.D. als Verstärkung (Chef/Chef LV, 22.50 Uhr; s.Anl. IV 2) zuzuführen. Ferner erhält das XXXXI.Pz.K. Befehl, die 3./Sturmgesch.Brig.244 im E-Transport zum LV.A.K. zu verschieben, wobei allerdings durch Belassung der sS - Wagen am Ausladebahnhof Muljarowka die Möglichkeit einer schnellen Rückverlegung sichergestellt bleiben soll (Chef/ Chef XXXXI., 23.05 Uhr; s.Anl. IV 1). Es handelt sich bei diesen Befehlen, da die Ergebnisse der bisherigen Erdaufklärung und auch die Geländeverhältnisse gegen die Wahrscheinlichkeit eines stärkeren Feindvorstoßes sprechen, lediglich um Vorsichtsmaßnahmen, die das AOK für notwendig hält, um jede Überraschung auszuschliessen. Von der Heeresgruppe geht die Antwort auf die vorgestern vom AOK gegen die Abgabe einer weiteren Division erhobenen Bedenken ein (s.Anl. V 1). Der Feldmarschall betont darin, daß er sich des Risikos voll bewußt sei, das man mit der Dehnung der Ostfront zugunsten des bedrohten rechten Flügels eingehe. Dieses Risiko müsse jedoch in Kauf genommen werden, um die Forderung des Führers, die jetzigen Stellungen unbedingt zu halten, zu erfüllen. Er müsse deshalb auch im Gründe auf der Herauslösung einer weiteren Inf.-Div. bestehen, diese Division solle jedoch im frontnahen Bereich der Armee als Armeereserve verbleiben, und ihre Verlegung werde nur bei einer weiteren erheblichen Abziehung von Feindkräften vor der Front der 9.Armee in Frage kommen. Überdies sei mit einer Abgabe der 20.Pz.Div in allernächster Zeit nicht zu rechnen, und er sei deshalb damit einverstanden, wenn die z.Zt. eingesetzten Teile dieser Division vorläufig noch in der Front verblieben. Mit dem Herauslösen der Inf.Div. allerdings müsse so begonnen werden, daß bis Anfang Mai wenigstens eine Regimentsgruppe verfügbar sei. -Der OB wird sich voraussichtlich für die Herauslösung der 36. oder 45. I.D. entscheiden (OB/Chef, 23.50 Uhr). Das Unternehmen "Moorexpreß" hat in den Morgenstunden begonnen. Die Bildung des Einschließungsrings und seine Verengung erfolgen zwar planmäßig, es scheint jedoch, als ob wenigstens Teile der Bänden bereits nach Westen ausgewichen seien. Ausbruchsversuche der eingeschlossenen Banditen werden abgeschlagen. |
| 26.4.1944 | KTB 9.Armee. Das unruhige Feindverhalten im Abschnitt des LV.A.K. dauert an. Auch heute kommt es bei reger feindlicher Fliegertätigkeit, die sich auch auf den Abschnitt des XXXXI.Pz.K. erstreckt, wieder zu Bomben- und Bordwaffenangriffen. Darüber hinaus sind stärkere Bewegungen im frontnahen Hintergelände zu beobachten; auch die gegnerische Artillerietätigkeit ist lebhafter geworden (s.Anl. II und III). Ob es sich hier wirklich um die ersten Anzeichen eines feindlichen Angriffsvorhabens oder nur um aktive Flankendeckungsmaßnahmen zum Schutze des großen Aufmarsches vor dem Südflügel der Heeresgruppe handelt, ist vorerst immer noch nicht klar zu übersehen. Mit örtlichen Vorstößen muß also auch weiterhin gerechnet werden, |
| 27.4.1944 | KTB 9.Armee. Die in den letzten Tagen so bemerkenswert reger gewordene feindliche Fliegertätigkeit am rechten Flügel, die zu zahlreichen Angriffen auf die eigenen Stellungen, frontnahe Ziele, Straßenknotenpunkte und Bahnanlagen geführt hat und auch heute wieder anhält, veranlaßt das AOK, mit einem Antrag auf Verstärkung des Flakschutzes in diesem Raum an die Heeresgruppe heranzutreten, da eine Abziehung von Flakkräften von anderen Stellen des Armeebereichs, insbesondere von dem wichtigen Schutzobjekt Bobruisk, nicht vertretbar erscheint (s.Anl. V 1) . Auf Grund eines Befehls der Heeresgruppe (s.Anl. V 2 vom 25.4.44), der im Hinblick auf die günstige Entwicklung der Gefechtsstärken der Frontdivisionen infolge der guten Ersatzzuführung und der geringen Verluste in den vergangenen Wochen die Zurückziehung der noch in der Front stehenden Sich.-Einheiten gefordert hat, wird heute vom AOK die Herauslösung des noch beim XXXV.A.K. in vorderer Linie eingesetzten Sich.Btl. 684 befohlen (s.Anl. IV 1). Es befindet sich damit kein Sich.Btl. mehr im Fronteinsatz; nur die 707.I.D., die nach ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung und ihrer Waffenausstattung ebenfalls als Sicherungsverband angesprochen werden muß und an sich von dem Befehl der Heeresgruppe mit betroffen wird, ist mit ihren beiden Gren. Rgtrn. nach wie vor in vorderer Linie. Die Armee sieht sich jedoch vorläufig noch nicht in der Lage, diesen Zustand zu ändern. Beim Unternehmer "Moorexpreß" ist der nördliche Teil des Kessels planmäßig durchkämmt worden. Dadurch, daß Teile der Banden vor ihrer Einschließung rechtzeitig entweichen konnten, ist das Ergebnis an Gefangenen und Beute allerdings nur gering (s.Anl. VII 1). |
| 28.4.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind setzt seine Luftwaffentätigkeit über dem Südabschnitt der Armee fort, erzielt jedoch mit seinen Bomben-und Bordwaffenangriffen, die vorwiegend den Bahnhöfen auf den Strecken Bobruisk - Staruschki und Muljarowka gelten, nur geringfügige Beschädigungen eines kleineren Bahnhofs (s.Anl. II und III). Es dürfte sich bei den seit einigen Tagen so auffällig vermehrten Einflügen doch wohl in erster Linie um bewaffnete Luftaufklärung handeln, mit der der Gegner die tiefe Flanke seines Aufmärschs vor dem Südflügel der Heeresgruppe Mitte überwachen und feststellen will, ob seine starken, an der Armeefront nach Südwesten vorbeifließenden Umgruppierungen zu irgendwelchen Rückwirkungen bei der Armee führen. Sein besonderes Interesse gilt dabei natürlich der nach Süden führenden Bahnlinie (s.Anl. I). In Ausführung des Befehls der Heeresgruppe vom 25.4., der zur Bildung einer neuen Reserve die Herauslösung einer weiteren Division, und zwar vorerst der Bereitstellung eines verst. Rgts. als Armeereserve bis Anfang Mai gefordert hatte (s.KTB v.25.4.), wird heute dem XXXXI.Pz.K. befohlen, ein Rgt. der 110.I.D.(der OB hat sich an Stelle der 35. bezw. 45.I.D. für diese Division entschieden) bis zum 2. Mai aus der Front zu ziehen und als Armeereserve. im Raum Katschai - Protassy - Ugly bereitzustellen (s.Anl. IV 2). Zum teilweisen Ausgleich wird dem Korps- vorübergehend das Div.Füs.Btl. 45 (XXXV. A.K.) zugeführt und unterstellt werden. Der Chef des Generalstabes ist heute zu einer vom NS.-Führungsstab des OKW durchgeführten Tagung auf der Ordensburg Sonthofen abgeflogen |
| 29.4.1944 | KTB 9.Armee. Während die Luftangriffe auf die Bahnhöfe im Bereich des XXXXI. Pz.K. weiter anhalten, hat im Abschnitt des LV. A.K. zwar die Fliegertätigkeit nachgelassen, dafür aber machen sich stärkere Bewegungen des Gegners im frontnahen Raum bemerkbar, wobei nach Norden fahrende Lkw. mit angehängten Geschützen besonders auffallen. Das Gen.Kdo. LV hält diese Bewegungen zwar lediglich für eine Reaktion des Feindes auf eigene art. Umgruppierungen und glaubt deshalb nicht mit Angriffsabsichten rechnen zu müssen (Chef LV / Ia, 15.35 Uhr); trotzdem fordert das AOK für morgen eingehendere Luftaufklärung über diesem Raum an (Ia/IcLw, 18.40 Uhr). Im rückwärtigen Gebiet ist es in der vergangenen Nacht zu einem offensichtlich planmäßig angelegten Überfall einer starken Bande auf zwei Ortschaften nordostw. Bobruisk gekommen (s.Anl. III). Dabei ist es den Banditen gelungen, nach mehr als zweistündigem Feuerkampf mit der Ortsbesatzung, zahlreiche Pferde und Vieh zu rauben. Zur Verstärkung der von der Sandortkommandantur Bobruisk unverzüglich auf die Fährte der Banden gesetzten Jagdkommandos alarmiert das AOK das z.Zt. im Waldlager Bobruisk liegende Armee-Pz.Zerst.Btl.475 (OB/Ia, 10.00 Uhr; Ia/Kdr.Pz.Zerst.Btl., 10.15 Uhr), das noch im Laufe des Tages abrückt, um die Banden zu stellen. Leider bleibt sofort angesetzte Luftaufklärung, die den Verbleib der Banditen feststellen sollte, ohne Ergebnis (Ic Lw/Ia, 16.40 Uhr); sie scheinen sich in die naheliegenden Wälder zurückgezogen zu haben. Dieser Überfall lat erneut bewiesen, daß die Alarmbereitschaft und die Sicherung der im rückwärtigen Gebiet untergebrachten Einheiten infolge der allzu großen Sorglosigkeit leider immer noch unzulänglich ist. Der OB sieht sich deshalb veranlaßt, in einem scharfen Befehl noch einmal auf die Notwendigkeit des beschleunigten Ausbaus einwandfreier Verteidigungsanlagen nachdrücklich hinzuweisen und darüber hinaus regelmäßig Spähtruppaufklärung in die Umgebung der Unterkünfte, sowie der Aufstellung von Alarmplänen und die Durchführung von Alarmübungen zu fordern (s.Anl. IV 1). Ferner befiehlt der OB, um Bobruisk eine Zone zu schaffen, die von Zivilisten ganz f reigehalten werden soll (OB/Ia, 10.55 Uhr; Ia/Chef XXXV., 15.35 Ihr). Zur endgültigen Säuberung des Gebiets nordostwärts Bobruisk zwischen der Straße nach Mogilew und der Olssa wird das XXXV.A.K. morgen ein neues Bandenunternehmen beginnen (Decknamen "Maiglöckchen"). |
| 30.4.1944 | KTB 9.Armee. Die gestern angesetzte Jagd auf die Banden nordostwärts Bobruisk ist leider ergebnislos verlaufen. Dafür beginnt heute das XXXV.A.K. mit dem Unternehmen "Maiglöckchen", das der s.Zt. beim Unternehmen "Winietou" nach Norden ausgewichenen und später wieder in den Raum um Gorodez zurückgekehrten Bandengruppe gilt. Das von Korück angelegte große Unternehmen "Wirbelwind" im Raum-Marina-Gorka läuft heute ebenfalls an. Das Unternehmen "Moorexpreß" (Freikämpfen der geplanten Bahnlinie Staruschki -Uretschje) hat leider nicht den erhofften Erfolg gehabt, da die vorhandenen eigenen Kräfte zu gering waren, um die Banditen einzukesseln; sie sind zwar teilweise vernichtet, mit der Masse jedoch lediglich nach Westen abgedrängt worden, so daß mit einer nachhaltigen Wirkung der Aktion kaum gerechnet werden kann. An der Front ist die feindliche Luftaufklärung über dem XXXXI.Pz.K. und auch über dem linken Flügel des XXXV.A.K. wieder sehr rege; es kommt auch zu vereinzelten Bombenwürfen. Lebhaftere Bewegungen des Gegners im frontnahen Raum meldet das XXXV.A.K. von der Front zwischen Beresina and Dnjepr; man rechnet hier mit der Möglichkeit von feindlichen Erkundungsvorstößen in den nächsten Tagen. Im übrigen dürften die Bewegungen im feindlichen Hintergelände als Ablösungen oder örtliche Umgruppierungen zu erklären sein. Nach Eingliederung je eines Feld-Ausb.-Rgts. in der 129.I.D. und 134.I.D. ist nunmehr auch die geschlossene Eingliederung des F.A.R.637 als G.R.130 in die 45.I.D. erfolgt (s.Anl. V 1). überraschend und hart trifft die Armee der im Laufe des Nachmittags bekannt werdende Befehl, daß der OB, Generaloberst Harpe, auf persönlich in Befehl des Führers den Oberbefehl über die 1.Panzerarmee (Heeresgruppe Nordukraine) übernehmen wird, um an die Stelle des am 21.4. tödlich verunglückten Generalobersten Hube zu treten. Der OB wird am 2.5. die Armee verlassen, die er seit dem 4.11.43 führte. Auf dem heutigen Abschiedsabend aller Offiziere und Beamten des Oberkommandos würdigt Generalleutnant Lindig (Harko) die Verdienste und mit den Namen Orel, Ssosh, Beresina verknüpften Waffentaten des OB, der bereits als Kommandierender General des XXXXI. Pz.K. zu dem Ruhm der 9.Armee in hohem Maße beigetragen hat. Generalleutnant Lindig überreicht dem OB den Ring der 9.Armee. Oberstleutnant i.G. Ulms versichert für den abwesenden Chef des Generalstabes, daß "Truppe und Oberkommando traurig im wahrsten Sinne des Wortes" ihren bewährten und verehrten Oberbefehlshaber scheiden sehen, aber auch stolz sind auf seine in die Zukunft weisende Berufung an die Spitze einer Armee, die im Brennpunkt der gegenwärtigen und zukünftigen Kämpfe an der Ostfront steht. |
| << März 1944 Mai 1944 >> | |