| Kriegstagebuch Januar 1944 | |
| 1.1.1944 | KTB 9.Armee. "Das Jahr 1944 wird harte und schwere Forderungen stellen. Das ungeheure Kriegsgeschehen wird sich in diesem Jahre der Krise nähern. Wir holen das volle Vertrauen, daß wir sie erfolgreich überstehen." Diese V/orte aus dem Neujahrsaufruf des Führers sind auch die Gedanken, mit deren die 9.Armee ihren Blick in das neue Kriegsjahr richtet. Sie nimmt es dabei als gutes Omen, daß gerade heute der Name ihres Oberbefehlshabers im Wehrmachtbericht genannt wird; in Verbindung mit der Erfolgsmeldung über die Abwehrkämpfe bei Mormal und das Angriffsunternehmen "Nikolaus" im vergangenen Dezember. An der Front finden auch heute wieder nur örtliche Gefechte statt. Beim XXXXI.Pz.K. drängt der Gegner in überraschendem Vorstoß die eigenen schwachen Sicherungen aus Petschischtsche (nordostw. Sagorje) zurück und setzt sich in den Besitz des Dorfes. Bereits am Nachmittag wird der Ort in planmäßigem Gegenangriff wieder zurückgewonnen. Von der übrigen Armeefront wird im wesentlichen nur Späh- und Stoßtrupptätigkeit gemeldet (s. Anl. II und III). .... |
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| 5.1.1944 | KTB 9.Armee. Beim linken Nachbar ist der Feind der Absetzbewegung auf die Uchljast=Stellung nur mit schwachen Kräften gefolgt und greift heute nicht an. Unter eingehender Darlegung der in ihrer möglichen Weiterentwicklung noch undurchsichtigen Feindlage vor dem LV.A.K.hat das AOK die H.Gr. darauf hingewiesen, daß es seiner Ansicht nach notwendig sei, sowohl das als Eingreifreserve bereitgestellte BtL der 31.I.D. im Armeebereich verfügbar zu lassen als auch die St.Gesch.Abt.185 bald wieder zurückzuunterstellen (Anl. V 1). Die H.Gr. befiehlt darauf dem AOK 4, die St.Gesch.Abt. ohne ausdrückliche Genehmigung nur auf dem Westufer des Dnjepr einzusetzen, im Hinblick auf eine gegebenenfalls notwendig werdende Rückführung der Abt. zur 9.Armee (Anl. V 2). Deutlicher als in der nördlichen Armeenaht beginnen sich allmählich die feindl. Angriffsabsichten am äußersten rechten Flügel der Armee abzuzeichnen. Es sind jetzt insgesamt 12 feindl.Schtz.-Divn. vor dem XXXXI.A.K., im Raum Ostaschkowitschi (hart südl. der Areegrenze) drei Flak-Divn. versammelt. Ergebnisse der Erd-und Luftaufklärung (Entminen in Frontnähe, lebhafte Bewegungen im Hintergelände) deuten auf einen bevorstehenden Angriff in südwestlicher Richtung (auf den Nordflügel der 2.) hin, wobei die dichte Frontbesetzung vor dem XXXXI.Pz.K. als Rückendeckung für einen Vorstoß auf Kalinkowitschi gedacht sein könnte. Möglich wäre allerdings auch, daß der Feind gleichzeitig oder in erster- Linie Angriffsabsichten südwestl. der Beresina hegt. Genaueres ist noch nicht zu erkennen - auf jeden Fall ist mit Fortdauer der fdl. Aktivität vor dem XXXXI.A.K. zu rechnen. Es wird deshalb dem XXXV.A.K. befohlen, die St.Gesch.Abt.244, das Div.Kdo.707.I.D.und einen Erkundungstrupp des Gr.W.Btl.19 zum XXXXI.Pz.K. in Marsch, zu setzen(Ia/Chef XXXV.,24,00 Uhr). Weitere Maßnahmen sollen folgen. Die Kampfhandlungen an der Front beschränken sich im wesentlichen auf beiderseitige Aufklärungstätigkeit (s.Anl.II und III). |
| 6.1.1944 | KTB 9.Armee. Bei fortdauernder Kampfruhe an der Front nimmt die Bedrohung des rechten Armeeflügels allmählich immer deutlichere Formen an. Nach Luftaufklärungs- und s.Qu.Meldungen steht ein feindlicher Angriff auf den Nordflügel der 2. Armee unmittelbar bevor, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch das XXXXI.Pz.K., zum mindesten sein Südflügel, von den Ausstrahlungen dieses Angriffs betroffen werden wird. Der Oberbefehlshaber begibt sich zum XXXXI.Pz.K., um die Lage an Ort und Stelle zu prüfen. Zur Herstellung eines Abwehrschwerpunktes auf dem rechten Korpsflügel befiehlt er, diesen durch Verlagerung von Inf.= und Art.=Kräften innerhalb des Korps zu verstärken, u.a. soll die Stu.Gesch.Abt.909 an die Armeenaht verschoben werden. Das XXXV.A.K. erhält Befehl, dem XXXXI.Pz.K. das Gr.W.Btl. 19 zuzuführen, ferner, das verst. Res.Btl. des Korps, dessen Herauslösung aus der Front am 5.1. befohlen worden war - (s. KTB v. 5.1.44) im Raum Paritschi bis zum 8.1. abends bereitzustellen und ein weiteres verst. Gren.Btl. als Armeereserve bei Garmowitschi zu versammeln. Vom LV.A.K. wird eine RSO=Abt. dem XXXXI.Pz.K. zugeführt werden. Als Ausgleich für die Stu.Gesch.Abt.244, deren Inmarschsetzung zum XXXXI.Pz.K. bereits gestern befohlen wurde, ist die Stu.Gesch.Abt.185 als Armeereserve im Bereich des XXXV. und LV.A.K. vorgesehen; ihre Rückführung von der 4. Armee hat die Heeresgruppe heute befohlen (FM/OB, 19,15 Uhr). Das Div.Kdo. 707.I.D. hat Auftrag erhalten, den Bau einer Riegelstellung an der rechten Armeenaht vorzubereiten (s. Anl. IV 1 und 2). Die 9.Armee steht zur Zeit zwischen zwei feindlichen Schwerpunkten. Auch nördlich der linken Armeenaht, wo der Gegner erst vorgestern die 267. und 95.I.D. (AOK 4) auf die Uchljast=Stellung zurückwarf, ist ein Wiederaufleben seiner Angriffe nicht unwahrscheinlich. Da infolge der eigenen Abwehrschwerpunktbildung keine Kräfte zur Verfügung stehen, um eine personelle oder waffenmäßige Verstärkung auch des linken Flügels herbeizuführen, die Gefahr eines feindlichen Angriffs mit den Ziel eines Vorstoßes über den Dnjepr zudem auch zeitlich nicht so dicht bevorstehend wie die an der südlichen Armeenaht erwarteten gegnerischen Angriffe, entschließt sich der Oberbefehlshaber, nach dem er gestern die zur Sicherstellung des Anschlusses zum linken Nachbarn getroffenen Maßnahmen hat überprüfen lassen, die nördliche Armeenaht durch verstärkten Stellungsbau und Anlegung von Riegelstellungen zu sichern. Hierzu befiehlt er die Gestellung von zweimal 1000 Zivilarbeitskräften durch den Standortkommandanten von Bobruisk (s.Anl. IV 6) und ihren Einsatz zu Stellungsbauarbeiten bei der 31.I.D. durch das LV.A.K. (s.Аnl. IV 5). Die für die Durchführung des Bandenunternehmens im rückwärtigen Gebiet in Aussicht genommene Beteiligung der Luftwaffenverbände ist auf Widerspruch der Lw.=Dienststellen gestoßen, die eine Beteiligung mit 10% der Verpflegungsstärke für nicht tragbar erklärt heben. Da die Heeresgruppe bestätigt hat, daß eine Heranziehung der Luftwaffe in dem vom AOK vorgesehenen Ausmaß nicht angängig sei, verzichtet das AOK auf deren Teilnahme (s.Anl.IV 4). |
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| 8.1.1944 | |
| 9.1.1944 | KTB 9.Armee. Die schweren Kämpfe am Nordflügel der 2. Armee dauern fort, und ihre Ausstrahlungen auf den Südflügel der 9.Armee verstärken sich. Der Feind greift am Vormittag zwei Stützpunkte der 134.I.D. südostw. Sabolotje an, erzielt unter Ausnutzung des starken Schneetreibens und des unübersichtlichen Waldgeländes Einbrüche, kann allerdings im Gegenstoß wieder zurückgeworfen werden. Unter Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte gelingt auch die Schließung der noch zwischen beiden Stützpunkten bestehenden Frontlücke Weniger glücklich verlaufen wieder die Kämpfe bei der 2.Armee (s.Anl. V 4), die das AOK wegen ihrer möglichen Auswirkungen auf den eigenen Südflügel besonders aufmerksam verfolgt, leider wird vom LVI.Pz.K. die Verbindung nicht so gehalten, wie es zur Wahrung des Anschlusses wünschenswert und erforderlich wäre -so erfährt z.B. das XXXXI.Pz.K. nur auf Umwegen, daß der Nordflügel des Nachbarkorps Befehl habe, sich im Falle überlegenen Feinddrucks auf eine Brückenkopfstellung um Osaritschi zurückzuziehen (Ia XXXXI/Ia 8.45 Uhr). Weder dem XXXXI.Pz.K. noch dem AOK ist diese praktisch einem Befehl zum Absetzen und damit einer völligen Entblößung der eigenen Südflanke gleichkommende Anordnung bekanntgegeben worden. Das AOK wendet sich deshalb unverzüglich an die Heeresgruppe (Chef/Ia H.Gr., 9.05 Uhr), mit der Bitte, eine Klärung herbeizuführen. Um für alle Fälle eine Eingreifreserve zur Hand zu haben, befiehlt der Oberbefehlshaber, das Sich.-Btl.738, das an sich gestern zur 2.Armee abgegeben worden war, inzwischen jedoch - als Ersatz für das abzugebende Btl. Brandenburg (s.Anl. V 1 und IV 2) - der 9. Armee wieder rückunterstellt wurde, beschleunigt in Podheresje, hinter dem Südflügel der Armee zu versammeln. Die Entscheidung der Heeresgruppe (FM/Chef, 9.40 Uhr) lautet: Die 9.Armee hat den Nordflügel der 2.Armee zu stützen. Dazu wird die Armeegrenze nach Süden bis zum Nordrand Rylowitschi verschoben und der Armee aufgegeben, vorläufig mit eigenen Kräften, später unter Einsatz eines verst. Rgts. der 35.I.D., das der Armee von der 4.Armee zugeführt wird (s.Anl. V 6), die in diesem Abschnitt befindlichen Teile der 4. Pz.Div. bereits in der kommenden Nacht herauszulösen. Das AOK 2 wird auf die Wahrung des Anschlusses noch einmal ausdrücklich hingewiesen (s. Anl. V2). Das XXXXI.Pz.K. erhält daraufhin den Befehl, die Übernahme unter Heranziehung aller verfügbaren infanteristischen und artilleristischen Kräfte umgehend durchzuführen und außerdem mit dem Bau einer Riegelstellung in allgemeiner Linie Sabolotje -nördl. Mal.Litwinowitschi sofort zu beginnen. Hierfür müssen dem Korps noch zwei Sicherungsbataillone aus dem rückwärtigen Gebiet zugewiesen werden (s.Anl. IV 1) - eine Tatsache, die dazu zwingt, das geplante Bandenunternehmen Choino - Karpilowka auf unbestimmte Zeit zu vertagen, da es mit den noch übrigbleibenden Kräften allein nicht mehr durchgeführt werden kann (s. Anl. IV 1 u. 2. v. 10.1.44). An der übrigen Armeefront verläuft der Tag bis auf einen örtlichen Feindangrif auf der Naht 36./253.I.D. - er dürfte als Erkundungs- oder Fesselungsvorstoß zu werten sein - ruhig. An der linken Naht der Armee läßt die Zusammenziehung von Pionierbataillonen auf der Feindseite wieder einmal auf die feindlichen Angriffsabsichten schließen, von denen Näheres allerdings noch nicht zu erkennen ist (Chef H.Gr./Ia 23.45 Uhr). Wie die Heeresgruppe mitteilt, steht eine Verbreiterung des Armeeabschnittes auch nach Norden in Aussicht, um den Kampfraum Now.Bychoff, der möglicherweise das Ziel dieser Angriffsabsichten darstellt - die Gewinnung von Dnjepr=Brückenköpfen ist ja seit längerer Zeit als feindliches Vorhaben bekannt - führungsmäßig in eine Hand zu geben. Die Armee rechnet damit, daß ihr hierbei wahrscheinlich die am Südflügel der 4.Armee stehende zur 110.I.D. gehörige Div.Gr. 321, deren Rückunterstellung schon mehrfach beantragt worden ist unter gleichzeitiger Verlegung der Armeegrenze nach Norden unterstellt werden wird - eine Lösung, die in Bezug auf die Mitübernahme des Verteidigungsabschnittes der Div.Gr. von der Armee nur mit Bedenken betrachtet wird, da man gehofft hatte, die Div.Gr. ohne Frontverbreiterung zurückzuerhalten, um sie als Verstärkung und zur Herauslösung anderer Einheiten an anderen Stellen der Armeefront zu verwenden. |
| 12.1.1944 | KTB 9.Armee. Die immer weiter zunehmende Verschärfung der Lage bei der 2.Armee veranlaßt das AOK zu weiterer, insbesondere artilleristischer Verstärkung des neu übernommenen Südabschnitts, in dem sich lediglich schwache Teile der 4.Pz.Div. und einige Sicherungseinheiten befanden. (Einzelheiten s. Ziff. 3 der Tagesmeldung, Anl. II). Erste Teile der in Zuführung begriffenen 35.I.D. sind in den beiden Ausladebahnhöfen Krassnyj Bereg und Teluscha eingetroffen und werden im Kfz.=Marsch beschleunigt in ihren neuen Einsatzraum gebracht. Den Befehl über diesen Abschnitt hat das XXXXI.Pz.K. dem Div.Kdo. 707.I.D. bis zum Eintreffen des Div.Kdos. 35.I.D. übergeben, da es als Führungsstab geeigneter erscheint als der zunächst vorgesehene Brigadestab Treptow. Dieser erhält die bisherige Aufgabe des Div.Kdos.707.I.D., den Bau. der Riegelstellung, zugewiesen. Über die weitere Kampfführung der 2.Armee fällt heute eine wichtige Entscheidung. Der Führer hat die Zurücknahme der Front auf die Pripjet=Upa=Linie genehmigt (s. Anl, IX). AOK 2 teilt mit, daß Vorbereitungen für die Ausweichbewegung bereits in vollem Gange seien (Chef 2/Chef 9, 17.00 Uhr). Im Endergebnis wird sie zur Aufgabe von Kalinkowitschi und Mosyr führen; das bedeutet leider, im größeren Rahnen gesehen, für den Feind die Gewinnung einer durchgehenden Eisenbahnverbindung von Retschiza und Gomel über Kalinkowitschi nach Shitomir und Berditschew. Andererseits wird aber jetzt das Anschlußhalten zur 2. Armee, auf dessen Wichtigkeit der Feldmarschall heute noch einmal ausdrücklich hingewiesen hat (FM/Chef, 9.50 Uhr), erheblich erleichtert werden, wenn auch damit zu rechnen sein dürfte, daß der Feind mit verstärkten Angriffen auf der Upa=Front reagieren wird, sobald nach der Frontzurücknahme die jetzt zum Zangenangriff von Süden und Nordosten auf die 2. Armee angesetzten Kräfte freigeworden sind. Dieser Abschnitt wird also aller Voraussicht nach Brennpunktabschnitt bleiben. An Kampfhandlungen bringt der Tag örtliche Gefechte bei XXXXI.Pz.K., wo der Feind am Südflügel der 134.I.D. und bei Rossowo (253.I.D.) mehrfach in Kp.-Stärke angreift. In den Morgenstunden hat der Gegner auch wieder einmal beim XXXV.A.K. einen Angriffsversuch unternommen, der erfolglos bleibt. Beim LV.AK. an der Dnjepr=Front sind außer geringer feindlicher Aufklärungstätigkeit keine Gefechtshandlungen zu verzeichnen. |
| 13.1.1944 | KTB 9.Armee. Unter starkem Feinddruck beginnt die 2.Armee die Absetzbewegung in die Pripjet=Upa=Stellung. An ihrem Nordflügel droht der mit überlegenen Kräften nach Südwesten stoßende Gegner den ausweichenden eigenen Truppen den Rückweg über die Upa zu sperren. Auf Bitten des LVI.Pz.K. hat das XXXXI.Pz.K. sich bereit erklärt, seinen rechten Flügel bis zum Nordrand Kaplitschi zu strecken. Auf Grund einer Meldung des AOK 2, es sei bereits in der kommenden Nacht mit einem Feindangriff auf Kaplitschi zu rechnen, befiehlt die Heeresgruppe die Abgabe von Sturmgeschützen vom XXXXI.Pz.K. zur 4.Pz.Div., und zwar erfolgt, mit Rücksicht auf die Abschnittsübernahme, die Abgabe nur einer Batterie der Abteilung 909. Vor der Armeefrcnt finden heute keine besonderen Kampfhandlungen statt. Es muß jedoch weiterhin damit gerechnet werden, daß der Feind, der aus dem Raum Gomel - Retschiza ständig Verstärkungen heranführt, nach gelungener Absetzbewegung der 2.Armee mit den dann freiwerdenden nördlich des Pripjet stehenden Kräften nach Westen und Nordwesten eindreht und zu einem erneuten Vorstoß auf Bobruisk antritt. Mit einem Wiederaufleben der Angriffe an der ganzen Front des XXXXI.Pz.K. ist infolgedessen schon sehr bald zu rechnen. Im Abschnitt des LV.A.K. bleibt der Feind auch heute an der Front so gut wie untätig, starke Truppenbelegungen im Hintergelände, im Raum um Dowsk,. deuten jedoch auch hier auf ein Fortbestehen seiner Angriffsabsichten hin. Die zur Ordnung der Verbände von der Heeresgruppe befohlene Zuführung der noch im ehemaligen Abschnitt der Div.Gr. 321 stehenden Artillerie der 267.I.D. zur 4.Armee (s. Anl. V 1) hält das AOK deshalb gerade jetzt für sehr gefählich. Es wird notwendig sein, Aushilfsmaßnahmen zu treffen. Eine Entscheidung darüber fällt jedoch heute noch nicht. |
| 14.1.1944 | KTB 9.Armee. An der Front des XXXXI.Pz.K. nimmt die Kampftätigkeit allmählich zu. Bei Nowosselki und Zidoff (707.I.D.) fühlt der Feind erstmalig mit Spähtrupps vor, bei Medwedoff (36.I.D.) greift er mit schwächeren Kräften an und wird abgewiesen. Bei Rossowo gelten seine mit starker Feuervorbereitung geführten Vorstöße der Gewinnung von Petschischtsche und eines Stützpunktes nördlich Rossowo, von wo aus er einen tiefen Einblick in das Gelände nordwestlich des Ortes heben würde. Auch hier brechen die Angriffe im Feuer der eigenen Waffen zusammen. Die Absetzbewegung der 2.Armee auf die Pripjet=Upa=Linie ist beendet (s.Anl. V 2). Die Heeresgruppe erwägt nunmehr eine Neuregelung der Befehlsverhältnisse im Upa=Abschnitt, verbunden mit einer Wiederordnung der im Laufe der letzten Tage durcheinander geratenen Verbände. Es wird - unter vorläufiger Aufrechterhaltung der Grenze bei Kaplitschi - entschieden, daß die ganze 35.I.D. der 9.Armee zugeführt werden soll, mit der Auflage, ein Btl. als Armeereserve in die Gegend von Peski, d.h. also in den gestern Vereinbarung sgemäß vom LVI.Pz.K. zeitweise übernommenen Abschnitt zu stellen, Die noch am Südflügel der 9.Armee eingesetzten Teile der 4.Pz.Div. und 2 RSO=Abteilungen sollen dafür der 2. Armee zugeführt werden. Gegen die ebenfalls befohlene Abgabe der z.Zt. noch in Front stehenden Sicherungskräfte wendet sich das AOK mit dem Hinweis, daß infolge der Аbschnittsverbreiterung eine Vergrößerung des rückwärtigen Gebiets um den als starkes Bandenzentrum bekannten Raum Choino-Karpilowka erfolge. Die Heeresgruppe erklärt dazu, die endgültige Grenze werde so nach Nordwesten gezogen werden, daß eine wesentliche Vergrößerung des rückwärtigen Gebiets nicht eintrete; infolgedessen bleibt es bei dem Befehl zur Abgabe (s.Anl. V 1 und IV 1). Eine endgültige Grenzziehung erfolgt noch nicht, doch dürfte anzunehmen sein, daß die Armee den jetzigen Befehlsbereich behalten wird. An der Front des LV.A.K. tritt der Feind im Abschnitt der 296.I.D. zu einem plötzlichen Vorstoß in Kp.-Stärke an. Der Angriff bleibt zwar schon vor dem eigenen Drahthindernis im zusammengefaßten Feuer liegen, weitere Ansammlungen des Gegners im gleichen Raum lassen jedoch auf die Möglichkeit einer Fortsetzung der Angriffe schließen. Um, falls der Feind morgen früh erneut angreifen sollte, auch stärkeren Vorstößen gewachsen zu sein, befiehlt der Oberbefehlshaber, zur Bildung eines örtlichen Abwehrschwerpunktes noch heute nacht das z.Zt. als Armeereserve in Rogatschew stehende Alarmbtl. des LV.A.K. nebst einer Bttr.Sturmgeschützen zur 296.I.D. in Marsch zu setzen (s.Anl. IV 3). Zur Festigung ler Abwehr am Nordflügel der Armee, wo leider eine fühlbare artilleristische Schwächung durch die befohlene Wegziehung der noch im Abschnitt der 31.I.D. stehenden Artillerieteile der 267.I.D.). eintreten wird, ordnet das AOK enges Fühlunghalten der Artilleriekommandeure des LV.A.K. und der 31.I.D. mit den entsprechenden Kommandeuren im Nachbarabschnitt (4.Armee) an (s.Anl. IV 2). |
| 15.1.1944 | KTB 9.Armee. Die nach Zurücknahme der 2.Armee erwarteten feindlichen Umgruppierungen zwischen Pripjet und Beresina haben begonnen (s. Ic=Zwischenmeldung und Anl. VII 1). Wenn auch Umfang und Ziele dieser Umgruppierungen noch nicht voll zu übersehen sind, so kann doch bereits als wahrscheinlich angenommen werden, daß der Feind die zahlreichen zwischen beiden Flüssen freigewordenen Verbände nicht zur Währung seiner Offensive südlich des Pripjet in den großen Durchbruchsraum zwischen Heeresgruppe Mitte und Heeresgruppe Süd verschieben, sondern zu neuen Angriffen gegen die Ostfront der 2.Armee und den Südflügel der 9.Amee verwenden wird. Eine ausgesprochene Schwerpunktbildurig ist noch nicht klar erkennbar, möglich erscheint sie am rechten Flügel des XXXXI.Pz.K. (707.I.D.). Hier greift der Gegner nach zwei erfolglosen Vorstößen auf Peski mit starker Art.Unterstützung Nowosselki (6 km nordostw. Peski an der Upa, Karte 1 : 100 000) an und es gelingt ihm, den Ort in Besitz zu nehmen. In sofort einsetzendem Gegenstoß kann zwar der Ort wiedergenommen, die alte HKL jedoch nicht überall wieder erreicht werden. Die Kämpfe dauern bis in die Nacht hinein fort. Aus dem Raum Rossowo werden örtliche Kampfhandlungen gemeldet (s.Anl. II und III), im übrigen verläuft der Tag an der ganzen Front außer geringer beiderseitiger Aufklärungstätigkeit ruhig, auch im Abschnitt der 296.I.D. kommt es nicht zu der erwarteten Wiederholung des gestrigen Feindangriffs. Trotzdem soll das als Eingreifreserve bereitgestellte Alarmbataillon mit der Sturmgeschützbatterie zunächst noch einen weiteren Tag bereitgehalten werden, für den Fall, daß die feindliche Angriffstätigkeit wieder auflebt; heute hat der Gegner lediglich ein etwas unruhigeres Verhalten gezeigt, sich in den vorderen Gräben verstärkt und vermehrt mit Artillerie geschossen (Chef LV/ Ia, 11,25 Uhr). / |
| 16.1.1944 | KTB 9.Armee. Auf der gesamten Front des XXXXI.Pz.K. tritt der Feind zu . zahlreichen, rasch an Heftigkeit zunehmenden Angriffen an, unterstützt von starker Artillerie und in den Schwerpunkten unter rollenden Einsatz seiner Luftwaffe. Am stärksten sind die beiden Korpsflügel betroffen - es scheint, als ob der Gegner in Verfolgung seiner alten Operationsabsicht, auf Bobruisk durchzustoßen, sich zunächst die beiden dorthin führenden Wege über Gaaritschi und Tschirkowitschi öffnen wolle. Dem würde auch der Kräfteeinsatz entsprechen; die Angriffe gehen einerseits weit über den Rahmen der sonst vor größeren Angriffshandlungen üblichen Erkundungsvorstößen hinaus, sind aber andererseits noch nicht mit der Masse der zur Verfügung stehenden Verbände geführt. Dennoch kommt es zu schweren Kämpfen und auch zu feindlichen Erfolgen. Bei der 253.I.D. gelingt dem Gegner ein örtlicher Einbruch bei Rossowо im Abschnitt der 707.I.D. kann er nicht nur Nowosselki wiedernehmen, sondern sogar seinen gestrigen Einbruch auf etwa 1 l/2 km Tiefe und 5 km Breite erweitern (Einzelheiten c. Anl. II und III), Damit hat der Feind einen verhältnismäßig breiten Brückenkopf über die Upa gewonnen . Ihn wieder über den Fluß zurückzuwerfen, verspricht bei den nur schwachen eigenen Kräften und der Wahrscheinlichkeit, daß er seine Angriffe morgen mit verstärkter. Wucht fortsetzen wird, keinen Erfolg (Chef/OB, 17.15 Uhr). Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb dem XXXXI.Pz.K., unter Verzicht auf einen Gegenangriff in der erreichten Linie zur Verteidigung überzugehen. Unterdessen soll der Ausbau der Wischa=Linie mit allen zur Verfügung stehenden Kräften vorangetrieben werden (s. Anl. IV 3). Ferner entschließt sich der Oberbefehlshaber zu einer Schwächung der Front des XXXV.A.K., vor der sich der Feind heute ruhig verhalten hat, um die Abwehrkraft des Südflügels der Armee zu verstärken. Das XХХV.А.K., erhält Anweisung, sein Reservebataillone, eine Art.-Abt. und eine Pz.Jäg.Abt. dem XXXXI.Pz.K. zuzuführen (s. Anl. IV 4). Das als Armeereserve vorgesehene G.R.58 erhält noch keinen Einsatzbefehl, um für den weiteren Verlauf der Kämpfe zur Verfügung zu bleiben. Schon jetzt muß damit gerechnet werden, daß bei Fortdauer der feindlichen Angriffe auf das XXXXI.Pz.K, der Zwang eintreten kann, aus z.Zt. nicht angegriffenen. Abschnitten weitere Kräfte abzuziehen, um den Südflügel halten zu können, und zwar würde der überall nur schwach besetzten Front in einem solchen Falle nicht nur auf Kräfte des XXXV.A.K., sondern auch auf solche des LV.A.K. zurückgegriffen werden müssen. In einem Gespräch mit dem Feldmarschall (ОВ/FM, 20.15. Uhr) betont der Oberbefehlshaber, für wie außerordentlich gefährlich er angesichts des zu erwartenden Feindangriffs am Dnjepr eine solche Schwächung des linken Armeeflügels halte. Der Feldmarschall erklärt jedoch, er sehe die Gefahr eines solchen Angriffs als nicht nahe bevorstehend an; für den Fall, daß sie akut würde, werde er mit Kräften der 4.Armee für eine Entlastung Sorge tragen. |
| 17.1.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind setzt seine schweren Angriffe gegen die Front des XXXXI.Pz.K. fort und versucht, die gestern errungenen Erfolge auszuweiten. Deutlich treten wieder die beiden Schwerpunkte am rechten und linken Korpsflügel in Erscheinung. Im Einbruchsraun südl. Osaritschi, wo es dem Gegner gelingt, die Verbindung zwischen den beiden gestrigen Einbruchsstellen Nowosselki und Zidoff (das in den Abendstunden ebenfalls vom Feind genommen wird) herzustellen, dringt er weiter nach Westen vor und überschreitet mit schwachen Teilen sogar schon die Wischa. Eigener Gegenangriff vermag ihn nicht auf das Ostufer zurückzuwerfen. Während in der Mitte der Korpsfront alle feindlichcn Angriffe abgewiesen werden können, geht im Abschnitt der 255.I.D. Petschischtsche durch umfassenden Angriff verloren. Der gestrige Feindeinbruch bei Rossowo wird unter, hohen Feindverlusten bereinigt, den Gegner gelingt es nicht, die mit den letzten verfügbaren Kräften aufgebaute Abriegelungsfront zu durchbrechen (s.Anl. II und III). Eine z.Zt. noch unbeantwortete, für die Führung der Abwehr beim XXXXI.Pz.K. sehr wichtige Frage ist der Verbleib des sowjet. I.Gde.Pz.K., von dessen Vorhandensein vor der Angriffsfront man weiß, ohne jedoch seinen genauen Standort zu kennen. Geländemäßig kommt sowohl der nördliche wie der südliche Angriffsschwerpunkt des Feindes in Frage; Das AOK ist der Auffassung, daß man vor allem den nördlichen Schwerpunkt nicht unterschätzen dürfe -hier würde ein gelungener Durchbruch dem Feind die Straße südlich der Beresina, die über Paritschi auf Bobruisk führt, öffnen. Gleichzeitig würde der mit der Brückenkopf Schazilki umgangen werden, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf den Südflügel des XXXV.A.K. haben müßte. Das II.Flak=Korps wird deshalb gebeten, solange noch keine Klarheit über die Feindlage besteht, von den beiden Flakabteilungen, die heute in den Abschnitt des XXXXI.Pz.K. zugeführt werden, eine in den Raum Tschirkowitschi, die zweite in den Raum Osaritschi zu stellen. Auf Grund anderer Feindbeurteilung erklärt das Flakkorps jedoch, diesem Antrag nicht entsprechen zu können; beide Abteilungen werden nach Csaritschi-in Marsch gesetzt. Auf Befehl des AOK wird dagegen das heute beim XXXXI.Pz.K. eintreffende G.R.58 vorerst in Dubrowa belassen, um schnell an jeden der beiden Schwerpunkte verschoben werden zu können. Angesichts der Zuspitzung der Lage beim XXXXI.Pz.K. sieht sich der Oberbefehlshaber nun doch gezwungen, die Zuführung neuer Kräfte aus dem derzeit nicht angegriffenen Dnjepr=Abschnitt in Erwägung zu ziehen. Er denkt daran, die 110.I.D. zunächst mit Teilen, später mit der Masse beim XXXXI.Pz.K. einzusetzen. Der Ia schlägt dazu vог, bei der Heeresgruppe die Übernahme eines Teilabschnittes des LV.A.K. durch die 4.Armee zu beantragen, um die Last der Frontverdünnung gleichmäßiger zu verteilen. |
| 18.1.1944 | KTB 9.Armee. Mit unverminderter Wucht, z.T. unter Einsatz frischer Verbände greift der Feind das XXXXI.Pz.K. weiter an. Die Schwerpunkte liegen wiederum auf den beiden Flügeln (s.Ic=Zwischenmeldung). Die Beseitigung des feindlichen Brückenkopfes westlich der Wischa gelingt auch heute nicht. Südlich Osaritschi stehen schwache Sicherungsbataillone in ungleichem Kampf mit weit überlegenem Gegner. Der Oberbefehlshaber, der beim XXXXI.Pz.K. weilt, befiehlt zur Stützung der Abwehr in diesen Abschnitt die schnelle Zuführung zweier Bataillone von LV. und XXXV.A.K. (Chef/Ia XXXV, 10.30 Uhr; Chef/Chef LV, 10.35 Uhr); beide Korps verlieren damit ihre letzten eigenen Reserven. Angesichts des bereits jetzt eingetretenen hohen eigenen Kräfteverbrauchs und des unvermindert starken Feinddrucks im Raum südlich Osaritschi hält der Oberbefehlshaber, um ein Aufbrechen der Front zu vermeiden, die Zurücknahme der HKL auf einen Brückenkopf um Osaritschi (in allg. Linie Ssytschitschi - Ostroff) für notwendig (OB/Chef, 12.30 Uhr) und läßt dies der Heeresgruppe melden (Chef/Chef H.Gr., 12.55 Uhr). Der Feldmarschall versagt jedoch sein Einverständnis zu dem geplanten Ausweichen und fordert das Halten der bisherigen Stellung (Chef/Chef H.Gr., 13.15 Uhr). Schon um 13.25 Uhr muß allerdings das AOK der Heeresgruppe mitteilen, daß inzwischen der linke Flügel der 35.I.D. durch neue Feindeinbrüche bis fast auf Osaritschi zurückgeworfen worden sei (01/01 H.Gr.). Zwischen ihm und dem stehengebliebenen rechten Flügel der 134.I.D;, der die feindlichen Angriffe hat abweisen können, klafft eine Lücke. Um eine einheitliche Befehlsführung sicherzustellen, bildet das Gen.Kdo. aus der 35. und 134.I.D.die "Gruppe Schlemmer" unter Führung des Div.Kdr. 134.I.D. und unter Zusammenfassung aller überhaupt greifbaren Soldaten gelingt es bis zum Abend, den linken Flügel der 35.I.D. im Gegenstoß wieder bis in die heute vormittag als Brückenkopf vorgeschlagene Linie vorzudrücken und den Einbruch damit zu verengen. Besonders ernst gestaltet sich die Lage am linken Korpsflügel, wo der Feind einen tiefen Einbruch westl. Rossowo erzielt und bis zur Rollbahn durchstößt (Einzelheiten s.Anl. II und III). Unter Einsatz letzter Reserven kann die Rollbahn wieder freigekämpft und der Einbruch abgeriegelt werden. Um Rossowo tobt ein erbitterter Kampf, der sich bis in die Nacht hinein fortsetzt. Der Oberbefehlshaber hat sich entschlossen, morgen das bisher als Armeereserve zurückgehaltene G.R.58, durch Sturmgeschütze verstärkt, an dieser Stelle zum Gegenangriff einzusetzen (s.Anl. IV 1). Die zunehmende Ausdehnung der Kämpfe südlich der Beresina und die Erwartung, daß sie wohl noch einige Zeit in unverminderter Härte andauern werden, läßt eine Änderung- der Befehlsverhältnisse in diesem Abschnitt zweckmäßig erscheinen. Die Zugehörigkeit des Kampfraumes teils zur 9., teils zur 2.Armee erschwert die Einheitlichkeit der Führung. Mit Rücksicht auf die am Pripjet liegende Hauptfront der 2.Armee beabsichtigt die Heeresgruppe, den Befehlsbereich der 9. Armee weiter nach Süden auf den Ab schnitt der 4.Pz.Div., gegebenenfalls auch der 5.Pz.Div. zu erstrecken. Man denkt dabei gleichzeitig an eine Freimachung des Gen.Kdo.LVI.Pz.K. zum Einsatz am rechten Flügel der 2.Armee, und ferner, da der Gesamtabschnitt südlich der Beresina für eine Führung allein durch das Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. zu breit erscheint, an eine Erweiterung des Befehlsbereichs des Gen.Kdos. XXXV.A.K. auf den Abschnitt der 253.I.D. (Chef H.Gr./Chef, 15.30 Uhr). Das AOK weist darauf hin, daß bei dieser Lösung eine Zerreißung des derzeitigen Brennpunktabschnittes an der Grenze 36./253.I.D.. eintreten würde, und schlägt seinerseits vor, gleichzeitig mit der 4.Pz.Div. auch das Gen.Kdo.LVI.Pz.K. der 9.Armee zu unterstellen. Diesem Vorschlag entspricht die Entscheidung des Feldmarschalls (s.Anl. V 2). Die Unterstellung soll um 24.00 Uhr in Kraft treten. Dem LVI.Pz.K., das im wesentlichen für den Bereich des südlichen Brennpunktes (Osaritschi) befehlsführend werden soll, während das XXXXI.Pz.K. die Führung in dem an der Beresina anschließenden Abschnitt mit dem Brennpunkt Rossowo behält (s.Anl. IV 1 und 2), wird auch die 35.I.D. unterstellt werden. Das AOK hat heute den Antrag an die Heeresgruppe gerichtet, am nördlichen Armeeflügel den Frontabschnitt bis Now.Bychoff, d.h. den erst vor kurzem von der 4.Armee übernommenen Abschnitt der 4.Armee wieder zurückzugeben, um dadurch die geplante Herauslösung der 110.I.D. zu erleichtern (s.Anl. IV 3). |
| 19.1.1944 | KTB 9.Armee. Am Südflügel der Armee beginnt sich die Überlegenheit des Feindes gegenüber der eigenen durch die harten Kämpfe stark beanspruchten Truppe mehr und mehr bemerkbar zu machen. Sehr ungünstig wirkt sich die geländebedingte Unmöglichkeit eines vollen Einsatzes der Artillerie aus, die ja sonst - angesichts der geringen infanteristischen Starken - den wesentlichen Faktor der deutschen Abwehr zu bilden pflegt. Zu häufigem Stellungswechseln gezwungen vermag sie in dem unübersichtlichen Waldgelände den Grenadieren, die gegenüber dem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner einen schweren Stand haben, nur wenig zu helfen. Der geplante eigene Gegenangriff bei Rossowo, das seit gestern 11 mal den Besitzer gewechselt hat, muß aufgegeben werden (s.Anl. IV 1), da neben den bisher schon im Kampf um den Ort eingetretenen Ausfällen die für den Angriff noch zu erwartenden Verluste in keinem Verhältnis zu dem erstrebten Erfolg stehen würden. Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb, in einer brauchbaren Linie zur Verteidigung überzugehen (OB/Ia, 9.50 Uhr). Im Abschnitt der 36.I.D., an der Stelle, wo seinerzeit die nicht gelungene Schließung des "Nikolaus=Kessels zum Aufbau einer Stützpunkt=HKL im Sumpfgebiet nordwestl; Sagorje zwang, sind Feindteile bis an die Straße Tschirkowitschi - Welikij Bor durchgesickert, die sich laufend verstärken. Um einen weiteren Durchstoß zu verhindern, werden Kräfte aus dem Abschnitt Medwedoff freigemacht und zum Gegenangriff gegen den ein gebrochenen Feind eingesetzt. Besonders kritisch entwickelt sich die Lage im Abschnitt des LVI.Pz.K. Hier erzwingt der Feind unter Ausnutzung seines Brückenkopfes den Übergang über die Wischa in breiter Front, nimmt die Orte Ugly und Wischa und nähert sich der Straße Kolki - Osaritschi. Im Wald südlich Krjukowitschi kämpfen an eigenen Teilen nur noch versprengte Gruppen: der Zusammenhang der Front ist bis Teruscha unterbrochen (KG LVI/Chef, 15.55 Uhr). Es besteht, um ihn wiederherzustellen, nur die Möglichkeit, aus dem Upa=Abschnitt zwischen Kaplitschi und Krotoff starke Kräfte herauszulösen und sie dem Feind, der nach Westen und Norden weiter vorstößt, vorzulegen. Da jedoch dadurch die Upa-Pront so geschwächt werden würde, daß sie zur Abwehr eines stärkeren Feindangriffs nicht mehr in der Lage wäre, erbittet das AOK auf Antrag des LVI.Pz.K. von der Heeresgruppe die Zuführung von Kräften des rechten Nachbarn zur 4.Pz.Div., um einem Zurückeerfen des rechten Flügels der Division und damit einem Abreißen des Anschlusses zur 2.Armee vorzubeugen (Chef/ Ia H.Gr., 16.45 Uhr). Der Feldmarschall entscheidet, daß die 5.Pz.Div. ein Rgt. in den Abschnitt Kaplitschi - Krotoff stellen soll (s..Anl. V 4), genehmigt das Herausziehen von Teilen der 4.Pz.Div. zur Abriegelung des Einbruchs, fordert aber, daß die Front an der Upa ohne Rücksicht auf den weiter nördlich eingebrochenen Gegner auf alle Fälle an der jetzigen Linie stehenzubleiben habe (FM/ОВ 17.30 Uhr). Die Auffassung des LVI.Pz.K., das (s.dazu Anl. IV 4) darauf hinweist, der doppelte Auftrag, den Einbruch abzuriegeln und gleichzeitig an der Upa=Front festzuhalten, übersteige nicht nur die Kräfte des Korps, sondern werde auch ohne Zweifel sehr bald von der Entwicklung überholt sein, erscheint dem AOK zwar nicht ganz unbegründet, im Hinblick auf den strikten Befehl des Feldmarschalls weist der Oberbefehlshaber jedoch selbst noch einmal ausdrücklich darauf hin, daß die Front zwischen Kaplitschi und Krotoff unter allen Umständen verteidigt werden müsse; die Aufhebung dieses Befehls behält er sich selbst vor (OB/KG LVI, 23.20 Uhr; OB/Chef, 00.20 Uhr; Chef/Ia LVI, 00.25 Uhr). Darüber hinaus aber befiehlt er dem ХХXXI. und LVI.Pz.K. den beschleunigten Ausbau einer Riegelstellung in allgemeiner Linie Myssloff Rog - Nekraschi - Verlauf der Tremlja (s.Anl. IV 6). Auch beim XXXV.A.K. greift der Feind im Abschnitt der 45.I.D. heute erstmalig wieder mit schwächeren Kräften an. Es dürfte sich um einen Begleitstoß zu dem mit der Masse der Verbände südlich der Beresina geführten, auf Bobruisk zielenden Hauptangriff handeln. Seine Wiederholung in den nächsten Tagen erscheint nicht ausgeschlossen (s.Ic=Zwischenmeldung). Der heutige Angriff kann abgewiesen, ein örtlicher Einbruch im Gegenstoß bereinigt werden. Entsprechend dem gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernahme des Frontabschnittes am Nordflügel der Armee bis einschießlich. Now.Bychoff durch AOK 4 (s.Anl. V 1). Sic soll nach erfolgter Ablösung der dort stehenden Teile der 31.I.D. am 21.1 , 4.00 Uhr erfolgen. Das AOK gibt daraufhin dem LV.A.K. den Befehl, die 110.I.D. (vorerst ohne 1 verst.Rgt.Gruppe) nunmehr abschnittsweise herauszulösen und zum Südflügel der Armee in Marsch zu setzen. (s.Anl. IV 3). Um die ganze Division herauslösen zu können - und das AOK hält den Einsatz auch der zunächst noch beim LV.A.K. zurückbleibenden Rgt.Gruppe am Südflügel für unbedingt erforderlich - wird bei der Heeresgruppe die Übernahme noch eines weiteren Abschnittes der 31.I.D. durch Kräfte der 4.Armee beantragt (s. Anl. V 2). Von der Heeresgruppe ist die Inmarschsetzung der z.Zt. noch beim Pz.AOK 3 befindlichen 129.I.D. in den Raum Bobruisk befohlen worden. Die Division - mit Eintreffen als Heeresgruppenreserve dem AOK 9 unterstellt - soll dort eine kurze Auffrischungszeit durchmachen (s.Anl. V 1). |
| 20.1.1944 | KTB 9.Armee. Absicht des Feindes scheint zu sein, durch möglichst rasches Nachschieben von Verstärkungen in die Einbruchsräume den Aufbau neuer Widerstandslinien zu vereiteln und ohne Zeitverlust die wichtigen Übergänge über die Tremlja bei Kolki und der Upa bei Dubrowa in die Hand zu bekommen. Beim LVI.Pz.K. nimmt der Gegner Kaplitschi, den Eckpfeiler der noch an der Upa stehen gebliebenen Front, durchbricht die längs der Straße Kaplitschi - Kolki aufgebaute Sicherungslinie und stößt auf Dubnjaki vor. Ein Versuch, die Straße unter Einsatz von Panzern wieder freizukämpfen, mißlingt. Damit rückt die Möglichkeit eines Zerreißens der jetzt schon aufgebrochenen Front ostw. des Tremlja=Sunpfes in bedrohliche Nähe; die noch dort befindlichen, zum Teil schon vom Feind umgangenen Stützpunkte laufen Gefahr, entweder in den Sumpf zurückgeworfen zu werden oder in Gefangenschaft zu geraten. Das Sumpfgebiet, etwa 15 km breit und bis zu 8 km tief, ist bei der augenblicklichen Wetterlage höchstens für Fußgänger durchschreitbar. Um ein Abdrängen der noch südlich Dubnjaki stehenden eigenen Teile zur 2.Armee zu verhindern (die Armeegrenze verläuft quer durch den Sumpf), erbittet das LVI.Pz.K. die Genehmigung zur Zurücknahme seines rechten Flügels auf die Linie Dubnjaki - Ssawitschi. Dieser Antrag, vom AOK sofort zur Heeresgruppe weitergegeben, findet allerdings nicht deren Zustimmung. Die Heeresgruppe betont vielmehr, es müsse versucht werden, den Zusammenhang der Front unter allen Umständen, gegebenfalls sogar angriffsweise, ostwärts des Sumpfes wieder herzustellen. Sie unterstellt alle südlich der Linie Ssetowka - Dubnjaki stehenden Teile der 2.Armee, die gleichzeitig beauftragt wird, ein weiteres Feindvorgehen zwischen Upa und Tremlja möglichst weit nördlich zu verhindern - im übrigen wird beiden Armeen befohlen, alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung des Anschlusses zu treffen (s. dazu Anl. V 2 und IV 6). Auch im Angriff auf die inneren Flügel des LVI., und XXXI.Pz.K. erringt der Feind neue Erfolge. Nach erbittertem Kampf gehen Osaritschi und Pischelniki verloren. Angriffe auf Lessez und Ssolowcika können abgeschlagen werden. Im zweiten Brennpunkt der Kämpfe, beim XXXXI.Pz.K. , gelingt die Schließung der Lücke zwischen 134. und 36.I.D. nicht. Gegenangriffe haben nur teilweisen Erfolg. Zwischen Upa und Welikij Bor kann eine zusammenhängende HKL auch heute nicht wiederhergestellt werden. Da der Feind - etwa 2 Divn. stark - immer neue Verstärkungen in die Einbruchslücke nachführt, hat sich das Korps zur Heranführung weiterer Kräfte aus der Front der 36. und 134.I.D. gezwungen gesehen, was bei der 36.I.D. zum Zurückwerfen der stehengebliebenen schwachen Teile führt, als diese (im Abschnitt Medwedoff - Kremena) vom Feind ebenfalls angegriffen werden. Für die Front der 134.I.D., die in einen weit vorspringenden Bogen zum Teil noch an Upa steht, ist Gleiches im Falle eines Feindfagriffs zu befürchten. Der Oberbefehlshaber erbittet deshalb von der Heeresgruppe die Genehmigung zur vorbeugenden Zurücknahme dieses Frontbogens unter Belassung von Nachtruppen an der Upa, wodurch gleichzeitig (infolge der dann eintretenden Verkürzung der HKL) Weitere Kräfte zur Abriegelung des Einbruchs bei Welikij Bor freiwerden sollen. Die Genehmigung wird erteilt. Das AOK befiehlt daraufhin, da mit einer Fortsetzung starker feindlicher Angriffe auf Welikij Bor gerechnet werden muß, mit den freiwerdenden Teilen der 134.I.D. den dortigen Abwehrschwerpunkt weitmöglichst zu verstärken. Ob die feindlichen Pläne in diesem Abschnitt auf eine Wegnahme von Dubrowa und damit auf die Öffnung der von dort nach Piritschi führenden Straße zielen oder ob man auf der gegnerischen Seite hauptsächlich an einen Stoß auf Tschirkowitschi denkt, kann auf Grund des derzeitigen Frontbildes noch nicht gesagt werden. Auf den gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernehme eines weiteren Btl.-Abschnittes am linken Armeeflü-gel (bis Wotnja) durch die 4.Armee. AOK 9 erhält die Auflage, unter weiterer Verdünnung der Front des LV.A.K. nunmehr auch die letzter, dort noch im Einsatz befindlichen Teile der 110.I.D. zur geschlossenen Verwendung am Südflügel der Armee herauszulösen (s. Anl. VI und IV 1 und 2). Das im Raum südllich Bobruisk liegende, als Bandenzentrum bekennte Gebiet um Karpilowka, dessen Bereinigung nach Beendigung des "Nikolaus"=Unternehmens zu Jahresbeginn schon einmal geplant war, aber infolge deг Kampflage, die den teilweisen Einsatz an der Front forderte, damals nicht durchgeführt werden konnte, hat nach Unterstellung des LVI.Pz.K. dazu gezwungen, die dorthin führenden Versorgungswege verhältnismäßig frontnah durch den Bereich des XXXXI.Pz.K. verlaufen zu lassen. Mit dem schrittweisen Heranrücken der Front an diese Straße ist die Schaffung anderer Versorgungswege immer notwendiger geworden. Das AOK beabsichtigt daher, in den nächsten Tagen ein größeres Unternehmen im Raum Karpilowka durchzuführen, mit dem Ziel, einen von Glusk aus unmittelbar zum LVI.Pz.K. führenden Versorgungsweg. Um die dazu erforderlichen Kräfte zu erhalten, wird heute - in der schon damals geplanten Art - die Ablösung von zwei im Sicherungsdienst stehenden Landesschützenbataillonen durch neu aufzustellende Alarmeinheiten, und die Bereitstellung weiterer Sicherungskräfte befohlen. Als Führungsstab ist zunächst der Brigadestab z.b.V.4 (Treptow) vorgesehen, |
| 21.1.1944 | KTB 9.Armee. Die Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K. stehen auch heute wieder in schweren, wechselvollem Abwehrkampf gegen den hartnäckig weiter angreifenden Feind. Am äußersten rechten Armeeflügel geht am Vormittag Dubnjaki verloren, kann jedoch im Gegenangriff mit Unterstützung von Sturmgeschützen wiedergenommen werden, wobei der Feind schwere Verluste erleidet. Die erstrebte Wiedergewinnung des Anschlusses zur 2.Armee ostw. des Tremlja=Sumpfes allerdings gelingt nicht. Nördlich Osaritschi sind schwere Kämpfe um Lessez und Ssolowejka im Gange. Der Feind, der sich nach mehreren vergeblichen Angriffen in den Besitz beider Orte hat setzen können, wird in verlustreichen Häuserkämpfen wieder auf die alte HKL zurückgeworfen. Am Abend geht Ssoloweika erneut verloren. Die Nachtruppen, die noch in der bisherigen HKL der 134.I.D. an der Upa stehengeblieben sind, werden von überlegenem Feind durchbrochen und auf die Linie Sabolotje - Mechowtschina - Salje zurückgeworfen. Auch die Front der 36.I.D., die durch Abziehung von Kräften zur Abriegelung der Einbruchsstelle Welikij Bor stark überdehnt ist, wird vom Gegner an mehreren Stellen durchstoßen. In einzelnen Widerstandsgruppen zersprengt, erleidet die Division erhebliche Verluste. Erst südlich der Straße Welikij Bor - Tschirkowitschi kann der Feind unter Heranziehung dort eingesetzter Baukräfte wieder zum Stehen gebracht und eine neue Abwehrfront gebildet werden. Die Absichten des Feindes in diesem Raum scheinen, nach dem Schwerpunkt der heutigen Angriffe zu urteilen, nun doch in erster Linie auf die Gewinnung der Straße Tschirkowitschi - Paritschi gerichtet zu sein, was den Oberbefehlshaber dazu veranlaßt, die sofortige Bildung eines Abwehrschwerpunktes auf dem rechten Flügel der 253.I.D. zu befehlen, um ein Abgeschnittenwerden der im Brückenkopf Schazilki stehenden Teile der Division zu vermeiden. Daß dies nicht ohne Schwächung der Abwehrkraft des Brückenkopfes geschehen kann, ist bei den vorhandenen geringen Kräften unvermeidlich, zwingt aber andererseits dazu, die Möglichkeit eines Eindrückens des Brückenkopfes schon jetzt ins Auge zu fassen (s. dazu Anl. IV 1). In einer Besprechung, die am. Vormittag beim Armeechef stattfindet,, wird die Anlage des Bandenunternehmens südlich Bobruisk im einzelnen festgelegt (s. dazu den Befehl Anl. IV.2). Am 23.1. soll, in Erweiterung eines vom LVI.Pz.K. durchgeführten Unternehmens, mit dem Freikämpfen des Versorgungsweges für das LVI.Pz.K. über Karpilowka - Ratmirowitschi nach Glusk begonnen werden. Der Kampfauftrag geht dahin, das Bandenzentrum um Karpilowka zunächst von Norden im Zuge der Eisenbahn und von Osten her anzugreifen, um die Banden nach Westen über den Ptitsch zurückzuwerfen. Der Versuch einer Einschließung und Vernichtung der Banden soll unterlassen, nach Säuberung des Gebietes um Karpilowka vielmehr unverzüglich zum Freikämpfen eines Weges nach Nordwesten auf Glusk und nach Südosten auf Kurin und Grabje abgetreten werden (Einzelheiten s.d.Anl.). |
| 22.1.1944 | KTB 9.Armee. Die schweren Kämpfe, die seit dem 16.1. auf dem Südflügel der Armee entbrannt sind, stehen, wie jetzt, allmählich immer klarer hervortritt, unter dem Zeichen eines neuen sowjetischen Großangriffsverfahrens. Der Feind berennt nicht, wie er еs sonst vielfach tut, auf breiter Front die deutschen Stellungen, sondern greift unter scharfer Bildung örtlicher Schwerpunkte einzelne Stellen der HKL mit starken Kräften an und versucht, wenn ihm der Durchbrach gelingt, in sofortigen Eindrehen die Front aufzurollen. Gelingt ihm der Durchbruch nicht, so pflegt er nach verhältnismäßig rascher Verlagerung seiner Schwerpunkte an anderer Stelle erneut anzugreifen. Es ist dies eine taktisch außerordentlich geschickte Angriffsart, die аn den Verteidiger führungsmäßig größte Anforderungen stellt; sie verlangt eine in höchstem Maße wendige Anpassung an die Kampfweise des Gegners durch vorausschauende und schnelle Bildung von Abwehr Schwerpunkten in den jeweils bedrohten Abschnitten. Von der Truppe fordert sie - gerade hier, in dem fast -überall unübersichtlichen und für den Artillerieeinsatz besonders ungünstigen Gelände - äußerste Anstrengungen und Leistungen. Die. Tatsache, daß es bisher gelang, die fast immer mit erheblicher Überlegenheit geführten Angriffe nach kurzer Zeit wieder zum Stehen zu bringen und die Front geschlossen zu halten, ferner, daß im ganzen gesehen - doch nur ein im Verhältnis zum Kräfteeinsatz des Feindes geringfügiger Geländestreifen verloren wurde, stellt Führung und Truppe ein hervorragendes Zeugnis aus. Am heutigen Tag steht die Front südlich der Beresina wiederum in äußerster Anspannung, Um den heftigen feindlichen Angriffen sandzuhalten. Abgesehen von zwei örtlichen Einbrüchen bei Dubnjaki und bei Sakletnoje (4.Pz.Div. bzw. 253.I.D.), um die am Abend noch gekämpft wird, bleibt die HKL überall in eigener Hand (Näheres s.Anl. II und III). Besonders schwer sind die Kämpfe beim XXXXI.Pz.K. (36. und 253.I.D.). Der Oberbefehlshaber hat deshalb befohlen, eine Rgt.Gruppe der an sich zum Einsatz am Korpsflügel des LVI.Pz.K. bestimmten 110.I.D., vorläufig am linken Flügel des XXXXI.Pz.K. in der 2.Stellung einzusetzen, um zu verhindern, daß der Feind bei einem plötzlichen Einbruch diese eher als die eigene Truppe erreicht, denn er hofft, falls die Front noch weiter zurückgeworfen werden sollte, die stark abgekämpften Verbände wenigstens für einige Tage in dieser Stellung sich setzen zu lassen. Der Verbleib des I.Gde.Pz.K., mit dessen Auftreten ja nun schon seit Tagen gerechnet wird, ist nach wie vor zweifelhaft; das Vorhandensein einzelner Panzer in verschiedenen Frontabschnitten gibt noch kein endgültiges Bild. Das AOK hält jedoch sein Auftauchen im Abschnitt des LVI.Pz.K. für besonders wahrscheinlich. Es wird deshalb befohlen, die erste soeben fertig aufgestellte - Kompanie des Armee=Pz.=Zerstörer=Btl. dem LVI.Pz.K. zuzuführen. Die Kp. ist mit der neuen R=Panzerabwehrwaffe, dem sog. "Ofenrohr" ausgestattetj die hier erstmalig im Armeebereich zum Einsatz kommen soll (s.Anl. IV 1). |
| 23.1.1944 | KTB 9.Armee. Nach vorübergehendem Abflauen der Kämpfe an der Front des LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. in den Morgenstunden tritt der Feind kurz nach 11 Uhr schlagartig erneut zum geschlossenen Angriff an. Auch heute gelingt es, unter schwierigsten Kampf- und Geländeverhältnissen, die entscheidungsuchenden sowjetischen Angriffe unter Abriegelung örtliche Einbrüche abzuweisen. Zu besonderer Härte steigern sich die feindlichen Angriffe beim XXXXI.Pz.K, im Abschnitt der 36.I.D., wo der Feind nach heftiger Feuervorbereitung in mehreren Rgt.-starken Angriffen mit Unterstützung von 20 Panzern die HKL bei Welikij Bor durchbricht, den Ort nimmt und erst an den Waldrändern westl., nördlich und ostwärts davon wieder aufgefаngen werden kann. 14 Panzer werden abgeschossen. An der übrigen Front der Division kann der feindliche Ansturm ebenso wie bei der 134.I.D., die heute insgesamt 16 Feindangriffen in Btl.-Stärke und darüber standzuhalten hat, abgewiesen werden. Die Bereinigung einzelner Einbrüche ist allerdings nur unter rücksichtsloser Herauslösung von Kräften aus nicht angegriffenen Abschnitten möglich gewesen. Auch bei der 36.I.D. ist eine Stützung der Abwehr durch Zuführung neuer Kräfte zwingende Notwendigkeit geworden. Um diese Kräfte zu gewinnen, wird dem XXXXI.Pz.K. eine Begradigung seiner Front durch Zurücknahne vorspringender Teile der HKL befohlen, jeweils unter Belassung von Nachtruppen in den alten Stellung, die nur vom Feinde gedrängt ausweichen dürfen (s.Anl. IV 1). Es handelt sich dabei noch nicht um ein Beziehen der in allg. Linie Ssemenowitschi - Kobylschtschina - Jaswin - Tschirkowitschi=Ost. ausgebauten, im Norrden als Riegel zur Beresina abgebogenen 2.Stellung, sondern um eine Zwischenlinie, die über Ssemenowitschi - Mechowtschina - nördl. Welikij Bог - nördl. Moltscha-Süd -südl. Rudnja - Kakel verläuft (s.Anl. I). Die Versammlung der für das morgen beginnende Bandenunternehmen im rückw. Gebiet des LVI.Pz.K. vorgesehenen Kräfte ist beendet. Da das vom LVI.Pz.K, durchgeführte, bereits im Gang befindliche Teiluntetnehmen heute nur auf schwachen Widerstand gestoßen ist (die Banden sind anscheinend zum großen Teil bereits nach Westen über den Ptitsch ausgewichen) und am Abend bereits die Einnahme von Kerpilowka gemeldet wird (Ia Korück/Ia,. 20.20 Uhr), erhält die Kampfgruppe Treptow, der die Teile des LVI.Pz.K. unterstellt werden, in Abänderung des bisherigen Kampfplanes Befehl, nach Säuberung des Waldgebietes nördlich Karpilowka zwischen der Bahnlinie und dem Ptitsch alsbald Kräfte auf das Westufer des Flusses vorzutreiben, die Wegeverbindung Karpilowka - Glusk zu öffnen und zur späteren Sicherung dieser Verbindung ein entsprechendes Vorfeld nach Südwesten zu schaffen (s. Anl. IV 2, 2a, 3). Im Raum Bobruisk sind heute erste Teile der aufzufrischenden 129.I.D. eingetroffen. |
| 24.1.1944 | KTB 9.Armee. Mit weit überlegenen Kräften, unterstützt durch seine Luftwaffe, greift der Gegner auch heute wieder mit Schwerpunkt beim XXXXI.Pz.K, an. Die nun schon über acht Tage andauernden schweren Kämpfe, verschärft durch das Fehlen ausreichend ausgebauter Stellungen, die Auswirkungen der Witterung und den Aufenthalt im Sumpfgelände heben die Abwehrkraft der Truppe bedenklich absinken lassen. Dank seiner Überlegenheit kann der Feind mehrere Einbrüche in die Front der 134., 36. und 253.I.D. erzielen, deren Bereinigung trotz sofort geführter Gegenstöße in der Mehrzahl der Fälle nicht gelingt. Der Zusammenhang der HKL geht an zahlreichen Stellen ganz verloren, zuweilen können sich isolierte Teile nur durch Ausweichen nach Norden bzw. Nordwesten der drohenden Einschließung entziehen. Der Oberbefehlshaber, der sich beim XXXXI.Pz.K. befindet, hält auf Grund dieser Lage die Zurücknahme in die ausgebaute 2.Stellung (bei 253.I.D.) in die Riegelstellung bei Tschirkowitschi) nunmehr für unbedingt erforderlich. Er erbittet infolgedessen vom Feldmarschall die grundsätzliche Genehmigung zum Absetzen, weist darauf hin, daß nur so ein geordnetes Beziehen dieser Stellung und eine zureichende Anbringung von Hindernissen und Minensperren gegen den nachdrängenden Feind gewährleistet sei und betont, die Genehmigung nur insoweit ausnutzen zu wollen, als der feindliche Druck dazu zwinge (OB/Chef H.Gr., 12.15Uhr). Der Feldmarschall ist einverstanden, allerdings nur unter der Bedingung, daß der Brückenkopf Schazilki weiterhin gehalten werde (Chef H.Gr./OB, 12.45 Uhr), da durch eine Zurücknahme der dortigen HKL auf den Riegel bei Tschirkowitschi eine neue Front am Norrdufer der Beresina entstehe, die, angesichts der Unmöglichkeit, sie mit ausreichenden Kräften zu besetzen, die Gefahr dort mit Sicherheit zu erwartender erneuter Feindangriffe und =einbrüche heraufbeschwöre (s. auch Anl. V 2). Der Oberbefehlshaber verweist demgegenüber darauf, daß bei Belassung des Brückenkopfes die darin stehenden Teile mit größter Wahrscheinlichkeit bald abgeschnitten werden würden und angesichts der aufgetauten Beresina keine Aussicht hätten, notfalls, bei überlegenem Feindangriff, auf das Nordufer des Flusses auszuweichen. Mit einem Angriff des Gegners über den Fluß sei zum mindesten solange nicht zu rechnen, als dieser nicht wieder zugefroren sei, bis dahin aber werde das Nordufer ausreichend gesichert sein. Unter dem Eindruck neuer Angriffe gegen den linken Flügel der 253.I.D., die wieder zu tiefen Einbrüchen führen, gibt der Feldmarschall daraufhin sein Einverständnis zur Räumung auch des Brückenkopfes (FM/OB, 14.40 Uhr). Dem XXXXI.Pz.K. wird befohlen, in der kommenden Nacht seine Front in die 2.Stellung bzw. den Tschirkowitschi=Riegel zurückzunehmen. Um Kobylschtschina und Sarotschje sollen brückenkopfertige Stellungen gehalten werden, im übrigen durch Nachtruppen und Sperrarbeiten das Folgen des Gegners möglichst länge verzögert werden, um noch weitere Zeit für den Stellungsbau zu gewinnen. Das XXXV.A.K. erhält Befehl, seinen Südflügel längs der Beresina bis zur Fährstelle nordostw. Tschirkowitschi zu verlängern und Vorbereitungen für eine weitere Verlängerung bis nördl. Studitschi, dem Anschlußpunkt zur eigentlichen 2.Stellung des XXXXI.Pz.K., zu treffen. Die Besetzung des Beresina=Nordufers muß zunächst mit alarmmäßig aufgestellten Einheiten durchgeführt werden, zum 26.1. ist die Rückführung des Div.Füs.Btl.45 vorgesehen, das dann den Abschnitt endgültig übernehmen soll. Beim LVI.Pz.K. hat die Kampftatigkeit nachgelassen. Lediglich auf den linken Korpsflügel greifen die Angriffe über; dort geht Ssemenowitschi vorübergehend verloren. Der eigene Gegenangriff, durch den der Feind wieder geworfen werden kann, kostet den Gegner außerordentlich hohe Verluste. Im rückwärtigen Gebiet des LVI.Pz.K. nimmt das Bandenunternehmen gegen verhältnismäßig geringen Feindwiderstand seinen planmäßigen Fortgang (Einzelheiten s. Morgenmeldung v. 25.1.44). |
| 25.1.1944 | KTB 9.Armee. Dem XXXXI.Pz.K. ist der Aufbau einer neuen Verteidigungsfront in der 2.Stellung gelungen. Der Feind, der die Nachtruppen der 134.I.D. an mehreren Stellen angreift, wird abgewiesen, die Brückenköpfe Kobylschtschina und Saretschje können, gehalten werden. Vor der Front der 36. und 253.I.D. schließt der Gegner mit starken Kräften auf, wobei er durch zahlreiche Verminungen und Sperren aufgehalten wird. Eigene Luftwaffe bekämpft feindliche Ansammlungen und Bereitstellungen (s. dazu Anl. II u. III). Auch beim LVI.Pz.K. ist die Kampftätigkeit heute wieder nur gering. Der Feind benutzt die Zeit zu umfangreichen Umgruppierungen. Westlich der Wischa hat er sich durch Zusammenziehung von 7 besonders kampfkräftigen Schtz.Div., die anscheinend durch Heranführen von Verbänden aus dem Raum Osaritschi noch verstärkt werden, eine Kräftegruppe von erheblicher Stoßkraft geschaffen, offensichtlich mit der Absicht eines Durchbruchs über die Tremlja. Auch das I.Gde.Pz.K. scheint er hier herangezogen zu haben. Man muß deshalb in diesen Abschnitt mit einem baldigen Wiederaufleben heftiger Kämpfe rechnen. Auf bauend auf den Erfahrungen des bisherigen Kampfverlaufs und in der Erwartung, daß der Feind seine Durchbruchsversuche südlich der Beresina weiter fortsetzen wird, läßt der Oberbefehlshaber an die beteiligten Korps eine grundsätzliche Kampfanweisung ergehen (Anl. IV l). Davon ausgehend, daß der Feind seine Erfolge in erster Linie der in dem größtenteils unübersichtlichen Waldgelände besonders unangenehm fühlbaren zahlenmäßigen Schwäche der eigenen Infanterie verdankt, wird befohlen, durch vermehrten Einsatz schwerer Waffen in Geländeabschnitten mit guter Beobachtungsmöglichkeit dort infanteristische Kräfte einzusparen und und diese dann zur Verdichtung der Front in unübersichtlichen Abschnitten einzusetzen. Um dem neuen feindlichen Angriffsverfahren, der plötzlichen und überraschenden Bildung örtlicher Angriffsschwerpunkte, wirksam entgegentreten zu können (was vor allem dann Erfolg verspricht, wenn Gegenstöße sofort geführt werden und nicht erst dann, wenn schon größere Einbrüche erzielt sind), wird die Zurückhaltung zahlreicher kleiner Stoßgruppen befohlen, denen die Aufgabe zufällt, die feindlichen Angriffsspitzen im Gegenstoß solange aufzuhaltcn, bis stärkere Reserven zur Stelle sind - hierzu soll je Schwerpunktabschnitt ein durch Sturmgeschütze verstärktes Btl. bereitgehalten werden. Endlich wird angeordnet, unter Einsatz aller Mittel den Ausbau von Riegel- und rückwärtiger Stellungen so zu fördern, daß in Falle eines Feindeinbruchss mindestens eine als Auffanglinie geeignete Stellung als Rückhalt für den Neuaufbau der Verteidigung vorhanden ist. Das geschieht in der klaren, Einsicht, daß es in dem gegenwärtigen Kampf darauf ankommt, unter allen Umständen einen feindlichen Durchbruch zu verhindern und gleichzeitig die größtmögliche Abnützung der gegnerischen Kräfte zu erreichen. Wenn in Anbetracht der eigenen zahlenmäßigen Unterlegenheit bei dieser dieser Art der Kampfführung einzelne Geländestreifen verloren gehen, so muß dies - wenn auch ungern - in Kauf genommen werden. Zu diesem Zweck soll, hinter der derzeitigen HKL ein dichtes Netz neuer Stellungen entstehen (srAnl. I op. und IV 1 v. 27.1.44). Dem XXXV.A.K. wird aufgegeben, seine neu entstandene Beresina= Flanke durch Einsatz von Alarmeinheiten zu verstärken und dafür Sorge zu tragen, daß auch artilleristisch die sofortige Bekämpfung übergesetzter Feindteile sichergestellt ist - auch hier kommt es entscheidend darauf an, jeden gegnerischen Vorstoß schon im Keime zu ersticken. Als Führungsstab für diesen Abschnitt hat das AOK dss Div.Kdo. 707.I.D. zur Verfügung gestellt. |
| 26.1.1944 | KTB 9.Armee. Nach einstündiger, äußerst starker Artillerievorbereitung tritt der Feind, unterstützt von zahlreichen Panzern, mit massierten Kräften zu dem erwarteten Großangriff gegen die Front des LVI.Pz.K. an. Während es der 4.Pz.Div. und der 110.I.D. (deren Div.Kdо. heute den Befehl über den linken Anschnitt des Korps übernommen hat) gelingt, alle Angriffe unter hohen Feindverlusten abuschlagen - auch ein Umfassungsversuch am äußersten rechten Korpsflügel wird erfolgreich abgewehrt -, erzielt der Gegner im Abschnitt Ssawitsschi - Krjukowitschi einen breiten und tiefen Einbruch. Sofort eingeleitete Gegenmaßnahmen des Korps, die bis zum Abend noch keinen Erfolg, gehabt haben, sollen in die Nacht hinein fortgesetzt werden, da ein Gegenangriff in der Frühe des morgigen Tages, nachdem der Feind Zeit gehabt hat, sich in der Einbruchsstelle zu verstärken, weit weniger Aussicht auf Erfolg bieten würde. Beim XXXXI.Pz.K. kommt es an mehreren Stellen zu örtlichen Gefechten. Die noch vorwärts der HKL haltenden Sicherungen werden zurückgeworfen. Im übrigen schließt der Feind vor der gesamten Korpsfront auf - alle Anzeichen deuten darauf hin, daß er seine starken Angriffe auch hier in Kürze wieder Aufnahmen wird. Der Brückenkopf Kobylschtschina geht in den Abendstunden nach wechselvollem Kampf verloren. Schwache Feindteile, die heute am Südflügel des XXXV.A.K, die Beresina nördl. Schazilki übergesetzt sind, können nach kurzem Gefecht wieder zurück geworfen werden. Die Tatsache, daß dieser Vorstoß überhaupt möglich war, zeigt jedoch, daß die hier stehenden eigenen schwachen Kräfte -zu einer ausreichenden Überwachung des Flussabschnitts nicht in der Lage sind. Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb, noch eine Alarmeinheit aus rückwärtigen Diensten zusammenzustellen und in diesen Abschnitt zur Verstärkung einzusetzen (OB/ Chef, 13.10 Uhr). Heute um 16.00 Uhr hat der als Chef des Generalstabes zum LV.A.K. versetzte Ia der Armee, Oberst i.G. Hölz, die Dienstgeschäfte an seinen Nachfolger, Oberstlt.i.G. Ulms, übergeben. Mit dem Wirken seines bisherigen Ersten Generalstabsoffiziers verbindet das AOK Erinnernugen an schwere, aber auch an stolze Zeiten. Nach den Großschlachten im Kampfraum Rshew, an deren Generalstabsmäßiger Vorbereitung und Durchführung er maßgeblichen Anteil hatte, war sein eigentliches organisatorisches Meisterstück die "Büffelbewegung", jene mit uhrwerkmäßiger Genauigkeit geplante und abgelaufene erste große Absetzbewegung der Armee. Auch im neuen Kampfraum Orel, bei der Vorbereitung des "Zitadelle"=Unternehmens, dann später bei der Durchführung der Absetzbewegungen auf die Hagen-und Pantherstellung und endlich bei den Abwchrkämpfen im Dnjepr-Raum dankt die 9.Armee seiner Arbeit viel, und es sind hohe Worte der Anerkennung, mit denen der Oberbefehlshaber und der Chef des Generalstabes ihrem ersten Mitarbeiter anläßlich seines Scheidens diesen Dank aussprechen. |
| 27.1.1944 | KTB 9.Armee. Wider Erwarten haben die feindlichen Angriffe auf den rechten Armeeflügel heute etwas nachgelassen. Grund dafür dürften wohl Versorgungsschwierigkeiten beim Feind sein - das anhaltende Tauwetter läßt die Straßen von Tag zu Tag grundloser werden, Daß der Gegner seine Angriffsabsichten keineswegs aufgegeben hat, zeigt allein schon die Tatsache, daß er eine bisher zwischen Beresina und Dnjepr stehende Division über die Beresina nach Süden (vor den linken Flügel der 36.I.D.) аbgezogen hat. Der gestrige Einbruch beim LVI.Pz.K. kann bis auf eine noch verbleibende Lücke, um deren Schließung erbitterte Kämpfe im Gange sind, verengt werden. Beim XXXXI.Pz.K. werden zahlreiche Feindangriffe, die am Nachmittag an Heftigkeit zunehmen, abgewiesen; nur nördlich Ssemenowitschi, im Abschnitt eines Sicherungsbataillons, das sich zwar in den vergangenen Tagen hervorragend geschlagen, dessen Kampffähigkeit jedoch infolge der pausenlosen Beanspruchung stärkstens gelitten tat, gelingt dem Gegner ein Einbruch, zu dessen Bereinigung die Kräfte des Bataillons nicht mehr ausreichen. Dieser Fall zeigt schlaglichtartig, wie untragbar allmählich der fortdauernde Einsatz von Sicherungseinheiten in vorderster Linie geworden ist. Erzwungen durch den Mangel an anderen Kräften, stellt er immer mehr eine ernsthafte Gefährdung für die Standfestigkeit der Abwehr dar. Einige der Sicherungsverbände haben bereits, um nicht völlig zerschlagen zu werden, aus der Front herausgelöst werden müssen, die noch verbliebenen nähern sich der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Der Oberbefehlshaber ist entschlossen, nunmehr auch diese herauszulösen (OB/Chef, 21.00 Uhr). Schwierigkeiten macht allerdings die Frage, wie ein Ausgleich für die dadurch eintretende Schwächung der Front geschaffen werden kann. Der Armeechef schlägt der Heeresgruppe eine Erstreckung des linken Flügels der 2.Armee nach Norden vor, was diese jedoch als z.Zt. undurchführbar ablehnt, seiner Bitte um Beschleunigung der Ersatzzuführung verspricht der Chef der Heeresgruppe dagegen nach Möglichkeit entsprechen zu wollen. Darüber hinaus verweist er darauf, daß der Feldmarschall beabsichtige, die 129.I.D. nach beendeter Auffrischung zur Entlastung der Kampffront südlich der Beresina einzusetzen; es sei allerdings notwendig, an ihrer stelle eine andere, abgekämpfte Division aus der Front zu ziehen (Chef/Chef H.Gr., 21.05 Uhr). Welche Division das sein wird, steht noch dahin. Der Verbleib des I.sowjet.Gde.Pz.K., mit dessen Auftauchen beim LVI.Pz.K. oder XXXXI.Pz.K. das AOK immer gerechnet hat und auf Grund der vorliegenden s.Qu.=Nachrichten auch noch hat rechnen müssen, scheint sich ellmählich zu klären: Die Heeresgruppe teilt mit, das Korps sei im Süden der Ostfront aufgetreten; die Meldungen darüber sind allerdings noch nicht so eindeutig, als daß man sie für unumstößlich sicher Ansehen könnte (s.Anl. X: Chef H.Gr./Chef, 23.50 Uhr; Ic/Chef, 00.30 Uhr). Wie die Heeresgruppe ferner mitteilt, hat der Führer die -Zurücknahme des vorspringenden linken Flügels der 2.Armee genehmigt. Das Absetzen erfolgt in 2 Sprüngen, heute nacht werden die dort stehenden Verbände hinter die Tremlja, morgen nacht hinter den Ptitsch ausweichen. Dem LVI.Pz.K. wird daraufhin befohlen, im unmittelbaren Einvernehmen mit seinem rechten Nachbarn, dem XX.A.K., für die Wiederherstellung des Anschlusses zur 2. Armee westlich der Tremlja Sorge zu tragen (s.Anl. IV 7 und Anl. I). |
| 28.1.1944 | KTB 9.Armee. Gegen äußerst zähеп Feindwiderstand, nach schweren und beiderseits verlustreichen Waldkämpfen, gelingt nach Heranführung neuer Kräfte die Bereinigung des gestern nördlich Ssemenowitschi erzielten Einbruchs, nachdem der bereits zum weiteren Angriff aus der Einbruchsstelle nach Norden angetretenen Gegner im Morgengrauen durch zusammengeraffte Troßteile der 134.I.D. aufgehalten werden konnte. Beim XXXXI.Pz.K, beschränkt sich der Feind heute im übrigen auf zahlreiche, über die ganze Front verteilte Angriffe und Vorstöße, die, obwohl sie an me mehreren Stellen, vor allem bei der 36.I.D., zu harten Gefechten, bei der 134.I.D. sogar zu einem vorübergehenden Einbruch führen, doch im wesentlichen nur als starke Aufklärung zu werten sein dürften, mit der der Feind die neue Stellung abtastet (s.Anl. II und III). Mit dem baldigen Wiederbeginn größerer Angriffe muß jedoch gerechnet werden: vor dem XXXXI.Pz.K. ist heute noch eine zweite der bisher zwischen Dnjepr und Beresina, stehenden Divisionen festgestellt worden. Damit steht im Raum südl. Shlobin nur noch eine einzige bekannte feindl. Schtz.Div. in Front; welche Verbände der Gegner z.Zt. außerdem dort noch eingesetzt hat, ist im Augenblick ungeklärt. Es ist allerdings anzunehmen, daß noch weitere Kräfte vorhanden sind - eine geringere Besetzung der Gräben hat bisher nicht festgestellt werden können und Spähtrupps des XXXV.A.K. sind nach wie vor auf lebhaften Widerstand gestoßen. Vermehrte Aufklärung ist befohlen (s. Anl. IV 11). Der Schwerpunkt der Kämpfe liegt heute wieder beim LVI.Pz.K., wo der Gegner im Abschnitt der 35.I.D. erneut angreift, die mangels ausreichender Kräfte nur unzulängliche Abriegelung der alten Einbruchsstelle sprengt und einen tiefen. Einbruch erzielen kann. Versuche, die entstandene Lücke zu schließen oder wenigstens das feindliche Vorgehen aufzufangen, scheitern: der Feind dringt bis auf das Höhengelände 2 km südsüdwestl. Mewed vor. Der Oberbefehlshaber, der sich entschlossen hat, dem rechten Armeeflügel unter Rückgriff auf letzte Möglichkeiten des XXXV. und LV.A.K. noch weitere Verstärkungen zuzuführen (insgesamt 2 Btle.; s. Anl. IV 1), hält angesichts der offenbaren Aussichtslosigkeit, mit den vorhandenen Kräften einen Gegenengriff zu führen, eine Zurücknahme der Front der 35.I.D. zum Aufbau einer neuen HKL für notwendig, um einem Weiterstoßen des Feindes bis zur 2.Stellung vorzubeugen und zu verhindern, daß den noch vorn stehenden schweren Waffen der Division der Rückweg abgeschnitten wird. Nach erfolgter Genehmigung dieser Absicht durch den Feldmarschall (FM/ОВ, 20.50 Uhr) erhält das LVI.Pz.K. Befehl, sich in allgemeiner Liпіе ostw. Ssawitschi -Ssawin Rog - südl. Gora erneut zur Abwehr zu gliedern (OB/KG LVI, etwa 21.00 Uhr). Infolge der für die jetzige Jahreszeit so ungewöhnlich warmen Wetters hat die Verschlammung der Wege die sich schon in den letzten Tagen verschiedentlich sehr unangenehm bemerkbar machte, im Bereich des LVI.Pz.K, inzwischen ein derartiges Ausmaß angenommen, daß das Korps binnen kurzem eine Lahmlegung seines gesamten mot=Versorgungsverkehrs befürchtet, auf den es umso mehr angewiesen ist, als die Bahn von Ratmirowitschi nach Süden z.Zt. erst gebaut wird (KG LVI/Chef, 10.10 Uhr). Leider verfügt das dem AOK je erst seit kurzem unterstellte LVI.Pz.K. noch nicht über eine genügende Anzahl von Zivil-Arbeitsabteilungen, die sich bei den übrigen Korps inzwischen bestens bewährt haben. Um beschleunigte Abhilfe zu schaffen, veranlasst das AOK die Zuführung von insgesamt 1600 Kriegsgefangenen, Zivilisten und Angehörigen des OD zum LVI.Pz.K., teils zum Wegebau, teils zum Weiterbau der Bahnstrecke. Die Heeresgruppe hat die Rückgabe der zum AOK 2 gehörigen Sicherungsbataillone, die sich noch beim LVI.Pz.K. befinden und auf Grund ihrer stark abgesunkenen Gefechtsstärken bereits aus der Front gezogen worden sind (Chef/Chef H.Gr., 17.1.44, 2.1.05 Uhr), zur 2.Armee befohlen (Anl. V 1). Auch das AOK ordnet an, die eigenen Sicherungsbataillone den Korück zur Auffrischung zuzuführen (s. Anl. IV 3). |
| 29.1.1944 | KTB 9.Armee. Die Kämpfe südlich der Beresina dauern in unverminderter Härte an. Sie stellen die Abwehrkraft der Truppe, die bei dem derzeitigen naßkalten Wetter außer den Kampfverlusten auch sehr starke, zahlenmäßig z.T. sogar überwiegende Ausfälle durch Erkältungskrankheiten aller Art zu verzeichnen hat, auf eine schwere Probe. Beim LVI.Pz.K. setzt der Feind seine Angriffe aus der gestrigen Einbruchsstelle heraus fort und kann erneut Gelände gewinnen. Während die 4.Pz.Div. starke Feindangriffe unter Bereinigung eines örtlichen Einbruchs abwehren, die 35.I.D. sogar durch einen eigenen erfolgreichen Gegenangriff den scharf nachdrängender Feind zeitweilig zurückwerfen kann, wird der bei Gora stehende rechte Flügel der 110.I.D. durch starke Angriffe des Feindes durchbrochen und auf die Linie Cholina - Medwed zurückgeworfen. Hier erst kann nach beiderseits verlustreichen Kämpfen der feindliche Stoß aufgefangen werden. Der Gegner führt laufend Verstärkungen in den Einbruchsraum nach. Gegen Abend meldet das LVI.Pz.K., daß die gespannte Lage in diesem Raum keineswegs seine einzige Sorge für den morgigen Tag sei. S.Qu.-Nachrichten und Luftaufklärungsmeldungen zufolge müsse mit einem unmittelbar bevorstehenden Versuch des Gegners gerechnet werden, durch Umgehung von Kolki von Süden her auf das Westufer der Tremlja zu gelangen. Gleichzeitig seien Fesselungsangriffe gegen die Ostfront des Korps zu erwarten. Ein Gelingen dieser feindlichen Umfassungsаbsicht bedeute aber eine erhebliche Bedrohung der noch ostw. der Kolki=Enge stehenden 4.Pz.Div. denn für den Fall, daß dann ihre Zurücknahme hinter die Tremlja erforderlich werden sollte, sei nur eine einzige für Fahrzeuge geeignete Brücke bei Kolki vorhanden, zu der auch nur ein einziger Fahrdamm führe. Der linke Flügel der 2.Armee stehe aus Geländegründen ohnehin erst bei Ssubischtsche (südwestl.- Kolki befinden sich nur schwache Sicherungen), deshalb bittet das Korps darum, um ein geordnetes Abfließen der 4.Pz.Div. sicherzustellen, sich mit seinem rechten Flügel in der Nacht vom 30./51.1. in die als Stellung vorbereitete Linie Ssubischtsche - Kolki- Ssawin Rog absetzen zu dürfen. Hier glaube man endgültig halten zu können, während ein längeres Verbleiben in der sehr ungünstigen, auf die Dauer unhaltbar jetzigen Linie nicht möglich sein werde (Chef LVI/Chef, 19.50 Uhr). Der Armeechef erklärt dazu, er halte es keineswegs für richtig, die Front der 4.Pz.Div. ohne Feinddruck zurückzunehmen, angesichts der Feinddrohung müsse im Gegenteil deren rechter Flügel auf Kosten der übrigen Front verstärkt werden, damit die Stellungen vorwärts Kolki gehalten werden könnten. Da auch der Gegner z.Zt. an bestimmte Bewegungslinien, gebunden sei, könne man den erwarteten Angriffen von Osten durch Bildung örtlicher Abwehrschwerpunkte an den Straßen-und Wegen sehr wohl begegnen. Im übrigen dürfe man sich erst dann absetzen, wenn der Feinddruck dazu zwinge, denn nur dadurch sei eine Abnutzung der gegnerischen Kräfte zu erzielen. - Die Entscheidung des Oberbefehlshabers über den Antrag lautet aus den gleichen Erwägungen ablehnend; dem LVI.Pz.K. wird, das Halten der jetzigen Stellung unter Verstärkung der Abwehr südlich Kolki befohlen (s.Anl.IV 2). Die Heeresgruppe hat zugesagt, daß auch die 2.Armee ihren linken-Flügel durch Bereitstellung von Eingreifreserven verstärken wird, um der Gefahr eines feindl. Durchbruchs auf der Armeenaht vorzubeugen. - Auch an der Front des XXXXI.Pz.K. kommt es wieder zu harten Kämpfen. Die Angriffe des Gegners können zumeist abgeschlagen, eingebrochene Feindteile im Gegenstoß zurückgeworfen werden. In seinem Angriffsschwerpunkt, bei Kobylschtschina, hat der Feind allerdings einen größeren Einbruch erzielt, dessen Bereinigung trotz mehrfacher, von Sturmgeschützen unterstützter Gegenangriffe noch nicht gelungen ist. Vorereitungen zur Wiederholung des Angriffs mit verstärkten Kräften sind im Gange. Im Hinblick auf die im Laufe der Kämpfe stark abgesunkene Abwehrkraft der Truppe hält das AOK es für notwendig, zur Gewährleistung einer weiteren erfolgreichen Kampfführung die baldige Freigabe der 129.I.D. zum Einsatz im Kampfraum südl. der Beresina bei der Heeresgruppe zu beantragen. Dem AOK ist bekannt, daß die Heeresgruppe an einen Austausch, der 129.I.D. mit der 4.Pz.Div. denkt, es hält diese Lösung jedoch nicht für zweckmäßig, weil nach seiner Ansicht in erster Linie ein feindlicher Durchbruch über Paritschi verhindert und deshalb vor allem das XXXXI.Pz.K. in seiner Kampfkraft gestärkt werden muß. Es wird daher der Heeresgruppe vorgeschlagen, mit der 129.I.D. zunächst die beim XXXXI.Pz.K.im Brennpunkt der Abwehr stehende 36.I.D. abzulösen, sie kurze Zeit aufzufrischen und dann, zur herauslösung der 4.Pz.Div. zu verwenden. Zur sofortigen Verstärkung der 36.I.D. und zur Beschleunigung der späteren Ablösung stellt das AOK ferner den Antrag, schon jetzt da Art.Rgt. der 129.I.D. zusätzlich im Abschnitt der 36.I.D. einsetzen zu dürfen. Der ehemalige Oberbefehlshaber der 9.Armee, Gen.Oberst Model, weilt heute zu einen kurzen Besuch beim AOK. |
| 30.1.1944 | KTB 9.Armee. Der Feind setzt seine schweren Angriffe gegen das LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. fort. Der ѵош Gen.Kdo. LVI.Pz.K. am Südflügel des Korps erwartete Angriff bleibt aus. Der Gegner greift vielmehr mit starken Kräften die Mitte der Korpsfront an und erzielt, während seine insbesondere im Abschnitt zwischen Ssawin Rog und Cholina sehr heftigen Angriffe an der zähen Abwehr der eigenen Truppe scheitern, auf der Naht 4.Pz.Div./35.I.D. einen Einbruch, der zum Verlust von Krjuscha und Kurgan führt (Karte 1 : 100 000). Der eigene Gegenangriff bleibt in starkem feindlichen Abwehrfeuer unter hohen eignen Verlusten liegen. Da es darauf ankommt, ein Weiterstoßen des Feindes nördlich der Straßen Kolki - Osaritschi zu verhindern (wodurch die noch vorwärts der Enge stehenden Teile abgeschnitten werden würden), befiehlt das AOK, eine starke Abriegelungsfront zwischen Straße und Tremlja herzustellen, und zwar durch Heranziehung von Kräften aus dem Südteil des Brückenkopfes (s.Anl. IV 11). Der rechte Flügel der 35.I.D. wird hinter die Tremlja zurückgenommen. Beim XXXXI.Pz.K gelingt es, den Einbruch bei Kobylschtschina im wesentlichen zu bereinigen, Der Schwerpunkt der Feindangriffe hat sich heute in den Abschnitt der 36.I.D. verlagert, wo gegen Mittag zwei Divisionen, mit je einem Schtz.Rgt. in Front, zwischen Keltscho und Jaswin unter stärkster Feuerunterstützung durch Artillerie und Granatwerfer zum Angriff antreten. Der Gegner wird unter sehr hohen Verlusten abgewiesen - angesichts der beträchtlichen Unterlegenheit der eigenen Kräfte ein -ausgesprochener Abwehrerfolg. Erneute Bereitstellungen, vor allem ostw. Weltescho, lassen jedoch baldige Wiederaufnahme der Angriffe erwarten. Hinsichtlich des Einsatzes der 129.I.D. ist von Seiten der Heeresgruppe eine Entscheidung noch nicht gefallen. Der Antrag des AOK, das Art.Rgt. der Div. schon jetzt im Abschnitt der 36.I.D. zusätzlich einsetzen zu dürfen, wird dagegen bereits heute genehmigt (Ia H.Gr./ Chef, 10.55 Uhr). Da im Kampfraum südlich der Beresina mit einem Abflauen der sowjetischen Angriffe vorerst nicht zu rechnen ist, hat sich der Oberbefehlshaber zu einem nochmaligen Rückgriff auf Kräfte des XXXV.А.K. zur Gewinnung neuer Reserven entschlossen. Das Korps erhält Befehl, den Rgt.Stab und das I./533 (383.I.D.) aus der Front herauszulösen und als Armeereserve in den Raun nördlich Paritschi in Marsch zu setzen (s.Anl. IV 1). (Das III./533 ist bereits gestern beim XXXXI.Pz.K. zur Bereinigung des Einbruchs bei Kobylschtschina eingesetzt und inzwischen der 134.I.D. unterstellt worden). Das Gen.Kdo.LV.A.K., das Anweisung erhalten hat, die Frage der Herauslösung eines weiteren Btl. ebenfalls zu prüfen, meldet, daß bei Rückführung des z.Zt. abgegebenen, noch beim LVI.Pz.K. befindlichen Alarm-Btl. ein Btl. der 296.I.D. zur Verfügung gestellt werden könne (Chef LV/Ia, 19.30 Uhr). Diese weitere Schwächung des XXXV.A.K. und LV.A.K. glaubt der Oberbefehlshaber deshalb vornehmen zu können, weil der Feind vor beiden Korps ausgesprochene Verteidigungsformationen in seine Front eingeschoben hat; vor dem LV.A.K. ist im Abschnitt der 296. I.D. das 115.Befestigungsrayon, vor den XXXV.A.K. nordostw. Mormal durch einen eigenen erfolgreichen Stoßtrupp das 383. M.G.-Art.Btl., also ein ähnlicher. Verband, festgestellt worden (s. Ic=Morgenmeldung). Mit Angriffsabsichten des Gegners in diesen Abschnitten dürfte deshalb kaum zu rechnen sein. Ob allerdings die vor dem LV.A.K. frei gewordenen Divisionen ebenso wie die vorher im Raum zwischen Dnjepr und Beresina eingesetzten nach Süden abgezogen worden sind, läßt sich z.Zt. noch nicht sagen. Zur Erinnerung an die Wiederkehr des Tages der nationalsozialistischen Revolution sind heute die Angehörigen des AOK zu einer schlichten Feierstunde zusamnengetreten. In einer Ansprache, in der der Oberbefehlshaber die Bedeutung dieses Tages würdigt, erneuert er das Treuegelöbnis der 9.Armee ihrem obersten Befehlshaber gegenüber, nicht eher zu ruhen, bis das Ziel, das der 30.1.1933 allen Deutschen gesetzt hat, erreicht sein wird. |
| 31.1.1944 | KTB 9.Armee. Erstmalig nach 15=tägigem, härtesten Ringen ist südl. der Beresinp eine Kampfpause eingetreten. Das Nachlassen der feindlichen Angriffstätigkeit dürfte auf die erheblichen Verluste der letzten Tage, wohl sich auf Nachschabschwierigkeiten zurückzaführen sein. Es liegen indessen keinerlei Anzeichen dafür vor, daß der Feind etwa seine Angriffsabsichten aufgeeben hätte; vielmehr ist damit zu rechnen, daß er nach erfolgter Auffüllung und Munitionierung seiner Verbände mit der bisherigen Zielsetzung erneut antreten wird, möglicherweise schon morgen. Heute beschränkt sich der Feind auf einige schwächere Angriffe beim LVI.Pz.K., vor allem wiederum im Abschnitt Ssawin Rog - Cholma (s.Anl. II und III). Sie werden sämtlich abgewiesen. Beim XXXXI.Pz.K. herrscht Ruhe. Entsprechend der gestern von der Heeresgruppe erteilten Genehmigung zum Einsatz des Art.Rgt. 129 befiehlt das АOK heute seine Inmarschsetzung zur 36.I.D., wo es als Verstärkung der Divisionsartillerie verwandt werden wird (s.Anl. IV 1 und 2). |
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