| Kriegstagebuch Juni 1944 | |
| 2.6.1944 | KTB 9.Armee. In der Frage der Reservenbildung fällt eine erste Entscheidung. Unter Aufhebung des Befehls zur Herauslösung eines Rgt. der 102.I.D. (der Plan, diese Division aus der Front zu ziehen, wird ganz fallen gelassen) erklärt sich die Heeresgruppe damit einverstanden,, daß aus den Abschnitten des XXXXI.Pz.K. und des XXXV.A.K. je ein verst.Rgt. herausgelöst und als Armeereserve bereitgestellt wird (Chef H.Gr./ Chef, 8.05 Uhr, s.Anl. V 1). Dieser Befehl deckt sich z.T. mit Maßnahmen, die das AOK bereits von sich aus getroffen hat: das G.R.130 (45.I.D.) befindet sich bereits in Reserve, ebenso Teile des G.R.430 (129.I.D.). Die Herauslösung des ganzen G.R.430 wird allerdings erst nach Rückkehr-des DFB 129 erfolgen können (s.KTB v. 29.5.44). Das Bandenunternehmen "Pfingstrose" (Säuberung des Raumes Marina Gorka - Ossipowitschi - Star. Dorogi - Ssluzk -Schazk) hat heute begonnen, und es scheint, als ob die Erfolgsaussichten recht günstig seien: sowohl die südliche als auch die nördliche Kampfgruppe sind bereits in Gefechtsberührung mit den Banden getreten, wobei der Feind insbesondere südlich der Straße Schazk - Warina Gorka heftigen Widerstand leistet. Nach Meldungen der Luftaufklärung ziehen sich Teile der Banden, die offenbar von der ihnen bevorstehenden Einkesselung noch nichts ahnen, vor der nördlichen Kampfgruppe nach Süden und vor der südlichen nach Norden in die Waldgebiete beiderseits des Ptitsch zurück, was der eigenen Absicht nur entgegenkommt. Zur Verstärkung der beiden Kampfgruppen wird von AOK die sofortige Zuführung zweier Kpn. der Armee-Pz.Jg Abt.743, einer Bttr. der Stu.Gesch.Brig.244, zweier Kpn. des s.Gr W.Btl.19, von Teilen des H.Pi.Btl.47 und einer Anzahl schw.Wurfgeräte befohlen (3.Anl. IV 3 und Anl. X: Ia/la XXXXI., 0.50 Uhr); ferner läßt der OB den Korück noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, bei der weiteren Durchführung des Unternehmens sich verteidigenden Feind nur mit ausreichender Unterstützung schwerer Waffen anzugreifen und lieber die an sich gesteckten Tagesziele zu vernachlässigen, als durch zu schnelles Vorprellenlassen einzelner Einheiten dem Gesamterfolg in Frage zu stellen (Chef/Chef Korück, 23.05 Uhr), denn es kommt jetzt, entscheidend darauf an, durch planmäßiges und lückenloses Vorschieben der Fronten die Banden zunächst weiter zusammenzudrängen, wobei schon ab morgen damit gerechnet werden muß, daß ihnen durch ihren erfahrungsgemäß gut arbeitenden Nachrichtendienst die Einkreisungsabsicht der eigenen Kräfte bekannt geworden sein wird, so daß starke Ausbruchsversuche zu erwarten sind (s.dazu auch Anl. IV 1 und 2). An der Front sind auch heute wieder Kampfhandlungen nicht zu verzeichnen, die Aufmerksamkeit der Führung ist jedoch nach wie vor auf das immer noch im einzelnen ungeklärte Feindbild vor der Ostfront des XXXV.A.K. gerichtet. Daß auch der Gegner diesen Abschnitt der Front besondere Bedeutung beimißt, zeigt allein schon seine rege Erd- und Luftaufklärungstätigkeit und die verstärkte Abwehr eigener Aufklärungsflieger, ferner ist die verhältnismäßig starke Belegung der Bahnstrecke Gomel. - Shlobin auffallend (Einzelheiten s.Ic-Zwischenmeldung). Im frontnahen Raum sind vor allem am Drut-Brückenkopf stärkere Bewegungen und Schanzarbeiten des Gegners zu beobachten. Im Hinblick auf diese Lage hat das AOK gleichzeitig mit dem Befehl für die Zuführung der genannten Verstärkungen zum Unternehmen "Pfingstrose" den Bv.T.O. angewiesen, das für den Antransport dieser Einheiten verwandte Wagenmaterial so bereitzuhalten, daß notfalls ein Rücktransport zum Fronteinsatz schnellstens ausgeführt werden kann (Ia/Bv.T.O., 25,45 Uhr). |
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