| Kriegstagebuch April 1944 | |
| 5.4.1944 | KTB 9.Armee. Seit dem Aufhören der schweren Abwehrkämpfe, die in den vergangenen Tagen am Südflügel der 4.Armee stattfanden und mit einem vollen Erfolg der deutschen Truppen endeten, scheint der Feind im Abschnitt zwischen Wetrenka und Tschaussy größere Umgruppierungen vorzunehmen, und zwar deuten Bewegungen in südostwärtiger Richtung darauf hin, daß er Verbände abzieht (s. Anl. VII 11). Nach den Ergebnissen der Luftaufklärung fließen diese Verbände im wesentlichen über Dowsk nach Süden ab, und es erscheint möglich, daß sie zum Einsatz vor der Front der 2.Armee bestimmt sind, daneben aber liegen verschiedene Anzeichen vor, die auch im Abschnitt der 9. Armee auf eine feindl. Verstärkung hindeuten, die wohl z.T. mit der Auflockerung des bisher bei AOK 4 liegenden Schwerpunkts zusammenhängt Durch Luftbilder sind jenseits des Drut-Brückenkopfes (LV.A.K.) sieben neue Feindbatterien ermittelt und durch vorläufige Negativ-Auswertung heute erflogener Aufnahmen fünfzehn weitere im gleichen Raum festgestellt worden (s. Ic- Zwischenmeldung und Art.-Meldung, s. Anl. VII 1),. Darüber hinaus ist auch beim XXXV.A.K. eine gewisse Veränderung im Feindbild zu verzeichnen: nach s.Qu. befindet sich neuerdings ein Teilstab der 1. Weißrussischen Front in Gorwal (3 km nordwestl. der Beresina-Mündung), eine Tatsache, die man vielleicht - angesichts der noch immer zahlenmäßig starken Reserven der 48. und 65. Sowjetarmee -als eine vorbereitende Maßnahme für Angriffsabsichten nach Eintritt günstiger Geändebedingungen werten kann, wobei die Möglichkeit des Zusammenwirkens mit einem Angriff am Drut-Abschnitt wiederum offen bleibt. Notwendig und vordringlich erscheinen allerdings nur Gegenmaßnahmen gegen die Bildung des feindlichen Artillerieschwerpunktes vor der Front des LV.A.K., da beim XXXV.A.K. die eigenen Kräfte immer noch verhältnismäßig stark sind. Auf Vorschlag des Höh.Arko (Harko/Chef, 23,10 Uhr) wird deshalb zur Verstärkung der artilleristischen Abwehr vor dem Brückenkopf die sofortige Verschiebung der s.Kan.Bttr. 3./817 (17 cm) vom XXXXI.Pz.K. und der s.Art.Abt.858 (ohne 3./Mrs.Abt.) vom XXXV.A.K. zum LV.A.K. befohlen, wobei die Abziehung von Artillerie aus dem Bereich des XXXV.A.K. deshalb tragbar erscheint, weil sich dort noch das s.Gr.W.Btl. 19 befindet. Darüber hinaus wird die s.Art.Abt. II./69 (10 cm), die beim XXXXI.Pz.K. eingesetzt ist, auf 3-stündige Abmarschbereitschaft gestellt, um ebenfalls unverzüglich dem LV.A.K. zugeführt werden zu können, falls die Lage dort dazu zwingen sollte (s. Anl.VII 3-5). . Unter diesen Umständen trifft die Nachricht, die der Armeechef heute von einer Besprechung bei der Heeresgruppe mitbringt, daß das AOK sich auf eine Abgabe der 20.Pz.Div. werde einstellen müssen, die Armee besonders hart, denn der Abschnitt des LV.A.K. wird damit eine Schwächung erfahren, für die selbst die demnächst zu erwartende Zuführung des für die 134.I.D. bestimmten Feld-Ausb.Rgts. keinen ausreichenden Ausgleich bieten kann. Das AOK sieht deshalb dieser Planung nicht ohne Bedenken entgegen und hofft, sie werde nicht eher zur Ausführung kommen, als die Feindlage am Drut sich geklärt habe. Die Heeresgruppe hat noch eine weitere Abgabe befohlen: die letzte Rgt.Gruppe der Korpsabt. Es muß jetzt ebenfalls dem AOK 2 zugeführt werden (s. Anl. V 1). Das XX.A.K. kann den freiwerdenden Abschnitt nicht mit eigenen Kräften decken, deshalb erhält das XXXXI.Pz.K. Befehl, an seinem Südflügel einen Btl.Abschnitt des XX.A.K. zu übernehmen (Ia/Chef XXXXI, 23,00 Uhr; s.Anl. IV 3). Da die Abgabe der Rgt.Gruppe für sofort befohlen ist, ist das XXXXI.Pz.K. gezwungen, sein Korpsreserve-Btl. dazu einzusetzen, um nicht auf Kräfte zürückgreifen zu mussen, die für das Unternehmen "Auerhahn" bereitstehen (Chef XXXXI/Chef, 23.25 Uhr), das übermorgen beginnen wird (s. Anl. IV 1).. Die zahlreichen Abgaben, die der Armee in letzter Zeit auferlegt worden sind haben eine immer stärkere Bindung der eigenen Kräfte an ihre Frontabschnitte hervorgerufen und damit die Herauslösung von Reserven immer schwieriger gemacht. Das bedeutet - vor allem im Hinblick auf die mit Sicherheit noch weiter zu erwartenden Abgaben - für die Führung eine zunehmende Erschwerung der vorausschauenden Bildung von Abwehrschwerpunkten, die andererseits gerade jetzt, bei der allgemein schwachen Besetzung der Front und der daraus sich ergebenden Notwendigkeit, jede feindl. Kräftezusammenziehung sofort und unter rücksichtsloser Schwächung anderer Abschnitte ebenfalls mit einer Kräftezusammenziehung zu beantworten, von entscheidender Wichtigkeit für die Standfestigkeit der Abwehr ist. Insbesondere gilt das für die Bildung von Artillerieschwerpunkten durch Verschiebung von Verbänden der Heeresartillerie, von denen schon eine erhebliche Anzahl hat abgegeben werden müssen. Diese Lage zwingt das AOK-jetzt zu einer Maßnahme, die eine Parallelerscheinung zu der infanteristisch bereits zur Gewohnheit gewordenen Praxis der "Reservengewinnung aus der Front" darstellt: den Gen.Kdos. wird aufgegeben, in jeder Division eine le.Art.Abt. zur "Verfügungs-Artillerie-Abteilung" zu bestimmen, die - voll beweglich gemacht - unter Mitnahme einer 3/4 Erstausstattung jederzeit innerhalb des Korpsbereichs oder notfalls auch in die benachbarten Div.- Abschnitte verschoben werden kann, ferner in jedem Korps eine Heeresartillerie-Abteilung (mot) zur jederzeitigen Verschiebung in andere Abschnitte innerhalb und außerhalb des Korpsbereichs vorzusehen. Die in Frage kommenden Abteilungen sollen, damit ihre Herauslösung keine Lücke im Feuerplan entstehen läßt, schon jetzt möglichst überlagernd eingesetzt werden. Bei der Wichtigkeit, die angesichts der großen infanteristischen Überlegenheit des Feindes der Artillerie zukommt, werden die Gen.Kdos. ferner heute einerseits darauf hingewiesen, dem Schutz der Art.-Feuerstellungen gegen feindl. Luftangriffe besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden (s. Anl. VII 8), andererseits die Kampfkraft der Artillerie unter Ausnutzung der derzeit ruhigen Kampflage durch kurzfristige Herauslösung und Auffrischung einzelner Einheiten zu stärken (s. Anl. VII 7). |
| 6.4.1944 | KTB 9.Armee. Die nunmehr auf Grund der endgültigen Luftbildauswertung einwandfrei festgestellten insgesamt 46 Feindbatterien in Raum nördl. Rogatschew stellen einen artilleristischen Schwerpunkt dar, der über den Rahmen der Stellungsverbände erheblich hinausgeht. Da nach dem bisherigen Feindbild vor den inneren Flügeln der 9. und 4.Armee kein Anhaltspunkt dafür vorliegt, daß es sich bei dieser Verdichtung ausschließlich um Heeresartillerie-Verbände handelt, ist der Einsatz von mindestens zwei neuen Feinddivisionen wahrscheinlich, wobei allerdings auch nicht ausgeschlossen ist, daß der Gegner vorerst lediglich die Artillerie vorgezogen hat, um zu Ende der Schlammperiode mit deren Aufmarsch fertig zu sein (Ic/Chef, 12.10 Uhr). Trotzdem muß man, angesichts der erfahrungsgemäß guten Tarnung feindl. Umgruppierungen, mit einer raschen Veränderung der Lage in diesem Raum jederzeit rechnen. Deshalb befiehlt das AOK die Zuführung noch weiterer Verstärkungen bzw. ihre Näherziehung oder Bereitstellung auf Abruf zum Einsatz in dem vermutlichen Schwerpunkt. Dem LV.A.K. selbst wird als erstes befohlen, ein Btl. von seinem rechten Flügel (296.I.D.) als Korpsreserve bereitzustellen. Darüber hinaus sollen noch weitere Einheiten aus der Front herausgelöst werden (und zwar im Hinblick auf die bevorstehende Abgabe der 20.Pz.Div. Teile dieser Division), wobei jedoch dem Korps angesichts der Schwierigkeit, die bei der Durchführung der damit erforderlich werdenden Frontdehnung entstehen, eine zeitliche Staffelung der Herauslösung zugestanden wird (Chef/Chef LV, 17.20 Uhr): bis zum 9.4. sollen das II./Pz.G.R.59 (SPW), bis zum 12.4. starke Teile des I./Pz.G.R.59 als Korpsreserve aus der Front gezogen werden (Einzelheiten s. Anl. IV 2), ferner wird dem Gen.Kdo. außer der Bildung einer starken Sf-Reserve befohlen, den Einsatz zweier Pionierbataillone in einer rückwärtigen Auffanglinie vorzubereiten. Das XXXV.A.K. erhält Befehl, dem LV.A.K. ein Btl. (III./58) als Armeereserve nach Dworez (an der Dg. VII) zuzuführen; dem XXXXI.Pz.K. wird die Verschiebung der Stu.Gesch.Brig.244 (ohne 1 Bttr.) als Armeereserve nach Krassny Bereg sowie eines Gren.Btl. nach Paritschi befohlen (s. dazu Anl. IV 3). Auf die beiden letztgenannten Verbände gedenkt das AOK erst im Falle einer ernsthaften Verschärfung der Lage beim LV.A.K. zurückzugreifen ihre vorsorgliche Bereitstellung soll lediglich eine schnelle Heranziehung gewährleisten. Das AOK ist sich durchaus im klaren darüber, daß Umgruppie-rungen, wie sie gestern und heute notwendig wurden, wahrscheinlich nur ein kleines Beispiel der Normalereignisse in den kommenden Monaten sein dürften. Es wird im Hinblick auf die größere Lage, nach der der Schwerpunkt der Abwehr im Abschnitt der Heeresgruppe wohl noch lange auf deren rechtem Flügel liegen wird, für die 9.Armee darauf ankommen, mit geringsten Kräften den Gegner so lange wie möglich jeden Erfolg streitig zu machen, wobei versucht werden muß, die strategische Überlegenheit des Feindes einerseits durch den taktischen Abwehrvorteil, andererseits durch höchste Querbeweglichkeit der eigenen Kräfte wettzumachen. Die Notwendigkeit schnellster Verschiebungen wird dabei ein weitgehende Motorisierung der Reserven und der Artillerie erfordern und dem Ausbau des Straßennetzes, mit dem Ziel, zahlreiche brauchbare Rochadelinien hinter der Front zu erhalten, wird erhöhte Bedeutung zukommen. Da der Feind zufolge seiner Überlegenheit in der Lage sein wird, die Brennpunkte des Kampfes zu bestimmen, wird eine einwandfreie und sorgfältige Aufklärung von größter Wichtigkeit sein. Das AOK gedenkt, um ihre Planmäßigkeit zu fördern, deshalb in Zukunft laufend Aufklärungsforderungen an die Gen.Kdos. herauszugeben (Chef in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Ergänzend zu den für das morgen beginnende Unternehmen "Auerhahn" getroffenen Maßnahmen ergeht heute an den Korück die Anordnung, nordwestl. des Gebietes, in dem das Unternehmen stattfinden wird, noch eine zusätzliche Sicherungslinie zu bilden (s.Anl. IV 5). |
| 7.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Anzeichen für ein Wiederaufleben der alten feindlichen Angriffsplanung gegen das XXXV. and LV. A.K. verstärken sich weiter: nach s.Qu. befinden sich jetzt vor der Front der beiden Korps auch zwei neue Sowjet. Flak-Divisionen, die bisher bei der 50. Sowjetarmee, d.h. also vor dem Südflügel der 4. Armee eingesetzt waren, ferner ist der Stab des I.sowj.Gde.Pz.K-. wieder im Raum nördlich der Beresina aufgetreten. Der Oberbefehlshaber entschließt sich deshalb, die Abwehrfähigkeit der eigenen Front in den voraussichtlichen Brennpunktabschnitten noch weiter zu verstärken (OB/Chef, 19.20 Uhr). Das LV. A.K. erhält Befehl, nunmehr das gesamte Pz.Gr.Rgt.59 (20.Pz.Div.) schon bis zum 11.4. aus der Front zu ziehen and ferner das Herauslösen eines Rgt.Stabes und eines weiteren Gren.Btl. der 296.I.D. so vorzubereiten, daß sie innerhalb 12 Stunden zum Einsatz an anderer Stelle zur Verfügung stehen (s.Anl. IV 1). Das XXXV.A.K. soll weitere Verstärkungen vom XXXXI.Pz.K. erhalten, dem aufgegeben wird, dem XXXV.A.K. bis zum 9.4. ein Gren.Btl. und bis zum 10.4. einen Rgt.Stab mit Rgt.Einheiten zuzuführen und sich ferner auf die Abgabe eines weiteren Btl. nach Abschluß des Unternehmens "Auerhahn" einzustellen (s.Anl. IV 2). Das XXXV.A.K. selbst erhält Anweisung, da das bisherige Feindbild den Schwerpunkt eines Feindangriffs in erster Linie beiderseits Mormal erwarten läßt, Abwehrvorbereitungen vor allem an den inneren Flügeln der 383. und 6.I.D. zu treffen, die gegenseitige Unterstützung der Artillerie Sicherzustellen und einen Einsatz des noch beim Korps befindlichen Sicherungsbataillons sowie des Armee-Panzerzerstörbataillons in diesem Abschnitt ins Auge zu fassen (s.Anl. IV 5). Zur Verstärkung des Luftschutzes der Artillerieräume beantragt das AOK ferner bei der Heeresgruppe die Rückführung der seinerzeit abgegebenen Flakverbände; dies geschieht mit dem besonderem Hinweis darauf, daß der Feind z.Zt. im frontnahen Raum nördlich der Beresina zahlreiche neue Flugplätze anlegt und teilweise auch schon fertiggestellt hat (s.Anl. V 1). Zur Bekämpfung der vor dem LV.A.K. aufgeklärten Feindbatterien erhält das Gen.Kdo.IV. A.K. eine zusätzliche s.F.H.-Munitionszuweisung (s.Anl. VII 1). Das Unternehmen "Auerhahn" ist in den frühen Morgenstunden planmäßig angelaufen. Die konzentrisch vorgehenden Kampfgruppen erreichen gegen zumeist geringen Feindwiderstand die vorgesehenen Angriffsziele. Der Gegner, offenbar überrascht, scheint sich mit seinen Hauptkräften auf die Sumpfinseln Albinsk und Dobryj Ostroff, also in das Innere des Kessels, zurückzuziehen. |
| 11.4.1944 | KTB 9.Armee. Beim Unternehmen "Auerhahn" sind die Banden durch weitere Verengung des Kessels nunmehr auf der Waldinsel südwestlich Starossek zusammengedrängt worden. Der Widerstand des inbesondere auf dem Süd- und Südwestteil der Insel befindlichen Feindes hat sich versteift. Nach Gefangenenaussagen haben die Banditen Befehl, sich in kleinen Gruppen von 2-3 Mann durch die deutschen Linien durchzuschlagen. Erhöhte Aufmerksamkeit und größtmögliche Verdichtung der Sperrfronten wird erforderlich sein, um dieses Vorhaben zu verhindern, das durch das unwegsame Gelände begünstigt wird. Für morgen ist beabsichtigt, unter starker Abschirmung im Westen die Insel von Osten her durchzukämmen. Die Front verzeichnet bei zeitweise lebhafterer feindlicher Artillerietätigkeit in Abschnitt der 110.I.D. und 45.I.D. wieder keine Kampfhandlungen von Bedeutung. Nachdem das zur 129.I.D. tretende F.A.Rgt. sich schon seit einigen Tagen bei seiner Division befindet und bereits zur Abschirmung der Südfront beim Unternehmen "Auerhahn" eingesetzt worden ist, ist das für die 134.I.D. bestimmte F.A.Rgt. nunmehr ebenfalls mit allen Teilen eingetroffen. Damit rückt der Termin zur Abgabe der 20.Pz.Div. (zu der ein Befehl bisher noch nicht vorliegt), allmählich näher. Das Gen.Kdo.LV.A.K., dem vorgestern die Vorlage eines Zeitplans für die Herauslösung der noch in der Front befindlichen Teile der Division aufgegeben worden ist (Ia/Ia LV, 9.4.44, 23.00 Uhr), stellt dazu heute den Antrag, bei der Heeresgruppe die Übernahme eines Abschnitts seiner Front durch die 4.Arrmee zu erwirken, da es sonst unvermeidlich sein werde, die neue Grenze zwischen der 296. und 134.I.D. mitten durch den feindlichen Drut-Brückenkopf zu legen, was vom Gesichtspunkt einer einheitlichen Kampfführung in diesem Abschnitt zweifellos ungünstig wäre (Chef LV/Ia, 10.50 Uhr). |
| 14.4.1944 | KTB 9.Armee. Bei weiterer Säuberung des "Auerhahn"=Kessels werden zahlreiche kleinere Bandengruppen gestellt und vernichtet, eine weitere Anzahl von Zivilisten aufgegriffen und größere Mengen an Vieh , landwirtschaftlichen Vorräten, Waffen und Munition sichergestellt . Das Unternehmen nähert sich damit seinem Abschluß; das Bandenzentrum um Albinsk kann schon jetzt als im wesentlichen zerschlagen angesehen werden. Genaue Erfolgsmeldung steht noch aus. Inzwischen hat jedoch die Aktivität der im Raum nördlich Ossipowitschi - Marini Gorka befindlichen Banden erheblich zugenommen. Nachdem dort schon in der Nacht vom 12./13.4. zwei Ortschaften angegriffen und niedergebrannt worden sind, haben die Banden in der vergangenen Nacht eines der nordostw. Marina Gorka gelegenen Wehrdörfer (d.s. Ansiedlungen von OD-Leuten mit ihren Familien) überfallen. Da die Erhaltung der erst seit einiger Zeit im Aufbau begriffenen Wehrdörfer nicht zuletzt eine Frage von propagandistischer Bedeutung ist, wird vom AOK die beschleunigte Durchführung eines Bandenunternehmens in diesem Raum befohlen. Es soll - unter Leitung des Korück - sogleich nach Abschluß des Unternehmens "Auerhahn" und unter Einsatz des dort beteiligt gewesenen Sturm-Rgts. der AWS, verstärkt durch Teile der 20.Pz.Div. und weiterer Reserven aus dem Bereich des LV. A.K. durchgeführt werden, während andere Teile der beim Unternehmen "Auerhahn" eingesetzten Kräfte den Auftrag erhalten, anschließend die Bahnlinie Wittschiny - Uretschje freizukämpfen (s.Anl. IV 1, 2, 3, 4). Für das Unternehmen bei Marina Gorka erbittet das AOK eine Beteiligung von Kräften der 4.Armee (Chef/Chef H.Gr., 20.00 Uhr), um zu verhindern, daß - wie beim Unternehmen "Winnetou" - die Banden lediglich abgedrängt, nicht aber vernichtet werden. An der Front ist der Tag wieder ruhig verlaufen. Vor dem rechten Armeeflügel zeichnet sich jetzt allmählich eine gleichmäßige Verteidigungsgliederung auf der Feindseite ab: bei der 129.I.D. ist durch einen Überläufer ein sowjetisches MG-Art.-Btl.festgestellt worden, also eine jener Formationen, die der Gegner nur dort einzusetzen pflegt, wo er keine Angriffsabsichten hat. Bei unverändertem Feindbild in den bisherigen Schwerpunkten sind im ganzen gesehen aus dem frontnahen Verhalten des Feindes Vorbereitungen für nahe bevorstehende größere Angriffsoperationen nicht zu erkennen, die ohnehin bei den derzeitigen Geländebedingungen nahezu unmöglich sein dürften. Mit örtlichen Vorstößen muß jedoch weiterhin gerechnet werden; denn nach übereinstimmenden Gefangenenaussagen bemüht sich der Feind nach wie vor, die Kräftegliederung der deutschen Front lückenlos aufzuklären. |
| 15.4.1944 | KTB 9.Armee. 15.4.1944 Im Zuge der Vorbereitungen für das neue Bandenunternehmen teilt AOK 4 mit, es werde sich mit einem Rgt.Stab und zwei Sich.-Btln. an dem Unternehmen beteiligen (Id 4/Ia, 14.00 Uhr). Dessen Beginn ist allerdings nun doch noch um einige Tage hinausgeschoben worden, da das Sturm-Rgt. der AWS, durch die schweren und auch verhältnismäßig verlustreichen Kämpfe in den Sümpfen westl. Albinsk stark beansprucht, dringend einiger Tage Ruhe und Auffrischung bedarf, bevor es wieder vollkampfkräftig zur Verfügung steht. Es wird deshalb zunächst nicht, wie gestern befohlen, unmittelbar in den neuen Versammlungsraum gefahren werden (s.Anl. IV 4 v.14.4.44), sondern zunächst erst einmal wieder in seine Unterkunft in Star. Dorogi (Ia/Id, 18.50 Ihr). Von der Heeresgruppe ist mitgeteilt worden, daß von den nach der neuen Gliederung der Inf.-Divisionen vorgesehenen divisionseigenen Sturmgeschütz-Abteilungen noch im Laufe des April weitere vier eintreffen werden, nachdem die erste dieser Abteilungen bereits vorgestern eingetroffen ist. Mit der Zuweisung dieser Sturmgeschütze verbindet die Heeresgruppe den Befehl, nach Ankunft der zweiten Abteilung eine der beiden noch im Armeebereich befindlichen Sturm-Gesch.Brigaden abzugeben (s.Anl. V 2),. Das AOK hat sich für die Abgabe der Sturm-Gesch.-Brig. 185 entschieden. Um jedoch infolge der dadurch eintretenden engeren Bindung der Sturmgeschützeinieiten, die in der Verteidigung eine außerordentlich wertvolle Gegenstoß- und Gegenangriffswaffe darstellen, an einzelne Divisionen die Gesamtbeweglichkeit der Abwehr nicht leiden zu lassen, befiehlt das AOK, daß diese Div.-Stu.-Gesch.-Abteilungen allgemein als Korpsreserve zu gelten haben und so bereitgehalten werdet sollen, daß sie jederzeit und schnell auch in andere Abschnitte verschoben werden können. Im gleichen Befehl (s.Anl. IV 2) wird den Gen.Kdos. aufgegeben, die Möglichkeit rascher Bildung von Abwehrschwerpunkten durch kommandoweise Aufstellung einer Granatwerfer-Kompanie je Division weiter zu fördern. Es ist daran gedacht, diese Kompanie, die entweder ohnehin voll mot.beweglich ist oder schnell mot.beweglich gemacht werden kann, gegebenenfalls auch außerhalb des Korpsbereichs einzusetzen, um jederzeit schnell Feuerschwerpunkte bilden zu können. Das Gen.Kdo.LV A.K. hat. heute den Befehl über seinen bisherigen Abschnitt an das Gen.Kdo. XXXV. A.K. übergeben. Zur Vereinfachung des Befehlswesens sind gleichzeitig die 134.I.D. und 20.Pz.Div. unter Führung des Kdrs. der 20.Pz.Div. zur "Gruppe von Kessel" zusammengefaßt worden. |
| 22.4.1944 | KTB 9.Armee. Die Feindbewegunjen vor der Front der 110.I.D., die schon vor einigen Tagen beobachtet wurden, halten an. Man wird sie als örtliche Kräftezuführungen zu deuten und damit zu rechnen haben, daß der Gegner demnächst wieder einmal versuchen wird, die Abwehrkraft der eigenen Front und ihre Fähigkeit zu Gegenmaßnahmen durch einen plötzliche Vorstoß erneut auf die Probe zu stellen (s. Ic-Zwischenmeldung). In Fortführung der Vorbereitungen für die geplanten Bandenunternehmen finden weitere Besprechungen mit dem AOK 4, diesmal über eine Beteiligung am Unternehmen "Winnetou", statt. Leider wird sie voraussichtlich nur verhältnismäßig gering sein (Chef 4/Chef, 10,57 Uhr; Chef XXXV/Chef, 18.55 Uhr). Für das Unternehmen "Moorexpreß" (LV.A.K.) ergehen weitere Einzelanordnungen (s.Anl. IV 1 und IV 2). Den Hauptpunkt der Tagesereignisse bildet die Mitteilung der Heeresgruppe, das AOK werde, sobald das für die 45.I.D. bestimmte Feld-Ausb.Rgt. eingetroffen sei, mit dem Befehl zur Herauslösung einer weiteren Division aus der Front und ihrer Bereitstellung als Armeereserve rechnen müssen (Chef H.Gr./ Chef, 11.00 Uhr). Diese Ankündigung ruft beim AOK ernste Bedenken hervor. Der OB betont dem Feldmarschall gegenüber, daß er eine solche Maßnahme so lange nicht verantworten zu können glaube, als der unbedingte Verteidigungsauftrag der Armee bestehen bleibe; es gehe nicht an, die Front immer weiter zu schwächen, gleichzeilig aber zu fordern, sie unter allen Umständen zu halten, m.a.W., im Falle eines feindlichen Erfolges, den zu erzielen für den Gegner damit immer leichter werde, die Armeeführung trotz schwerster Abgaben nicht Von dem Vorwurf der Nichterfüllung des gegebenen Verteidigungsbefehls von vornherein zu entbinden (OB/FM, 12.00 Uhr). Die Heeresgruppe hat gleichzeitig mitgeteilt, daß mit einer Unterstellung des XXIII.A.K. unter das AOK vorläufig noch nicht zu rechnen sei. Auch ein Befehl zur Abgabe der 20.Pz.Div. werde voraussichtlich in nächster Zeit noch nicht erfolgen. |
| 25.4.1944 | KTB 9.Armee. Im Hinblick auf die fortdauernde feindliche Unruhe an der Pripjet-Front (LV. A.K.), wo es heute wieder zu örtlichen Gefechten gekommen ist, wird dem Gen.Kdo.LV.A.K. befohlen, sein Reservebataillon im Raum Petrikoff alarmbereit zu halten; darüber hinaus ist beabsichtigt, dem Korps einige Tage nach Abschluß des Unternehmens "Moorexpreß" ein Btl. der 129.I.D. als Verstärkung (Chef/Chef LV, 22.50 Uhr; s.Anl. IV 2) zuzuführen. Ferner erhält das XXXXI.Pz.K. Befehl, die 3./Sturmgesch.Brig.244 im E-Transport zum LV.A.K. zu verschieben, wobei allerdings durch Belassung der sS - Wagen am Ausladebahnhof Muljarowka die Möglichkeit einer schnellen Rückverlegung sichergestellt bleiben soll (Chef/ Chef XXXXI., 23.05 Uhr; s.Anl. IV 1). Es handelt sich bei diesen Befehlen, da die Ergebnisse der bisherigen Erdaufklärung und auch die Geländeverhältnisse gegen die Wahrscheinlichkeit eines stärkeren Feindvorstoßes sprechen, lediglich um Vorsichtsmaßnahmen, die das AOK für notwendig hält, um jede Überraschung auszuschliessen. Von der Heeresgruppe geht die Antwort auf die vorgestern vom AOK gegen die Abgabe einer weiteren Division erhobenen Bedenken ein (s.Anl. V 1). Der Feldmarschall betont darin, daß er sich des Risikos voll bewußt sei, das man mit der Dehnung der Ostfront zugunsten des bedrohten rechten Flügels eingehe. Dieses Risiko müsse jedoch in Kauf genommen werden, um die Forderung des Führers, die jetzigen Stellungen unbedingt zu halten, zu erfüllen. Er müsse deshalb auch im Gründe auf der Herauslösung einer weiteren Inf.-Div. bestehen, diese Division solle jedoch im frontnahen Bereich der Armee als Armeereserve verbleiben, und ihre Verlegung werde nur bei einer weiteren erheblichen Abziehung von Feindkräften vor der Front der 9.Armee in Frage kommen. Überdies sei mit einer Abgabe der 20.Pz.Div in allernächster Zeit nicht zu rechnen, und er sei deshalb damit einverstanden, wenn die z.Zt. eingesetzten Teile dieser Division vorläufig noch in der Front verblieben. Mit dem Herauslösen der Inf.Div. allerdings müsse so begonnen werden, daß bis Anfang Mai wenigstens eine Regimentsgruppe verfügbar sei. -Der OB wird sich voraussichtlich für die Herauslösung der 36. oder 45. I.D. entscheiden (OB/Chef, 23.50 Uhr). Das Unternehmen "Moorexpreß" hat in den Morgenstunden begonnen. Die Bildung des Einschließungsrings und seine Verengung erfolgen zwar planmäßig, es scheint jedoch, als ob wenigstens Teile der Bänden bereits nach Westen ausgewichen seien. Ausbruchsversuche der eingeschlossenen Banditen werden abgeschlagen. |
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