| Kriegstagebuch Februar 1944 | |
| 18.2.1944 | KTB 9.Armee. Nach Gefangenaussagen und s.Qu. hat der Feind sеine Angriffsvorbereitungen im Schwerpunktraum Kobylschtschina-Dubrowа nunmehr abgeschlossen, Angriffsvorzeichen werden jetzt auch am Südflügel des LVI.Pz.K. erkennbar. Aus dem Auftreten neuer Feindverbände am rechten Korpsflügel kann eine Verlegung der Grenze zwischen der 61. und 65. sowj. Armee und die Bildung eines neuen Schwerpunktes im Raum vor der 129.I.D., möglicherweise mit Stoßriechtung in den Rücken der 2.Armee, vermutet werden; V=Mann=Nachrichten zufolge soll der Gegner dorthin auch; schon Panzer und Salvengeschütze herengezogen haben (s.d. Ic-Meldungen). Das Bild ist im einzelnen noch unklar; es erscheint jedoch geraten, mit Rücksicht auf diese-neue Bedrohung der Südfront die geplante Herauslösung des Pz.Gren.Rgt.33 vorerst zu unterlassen (OB/Chef, 19.00 Uhr). Die angestrebte Wiedervereinigung sowohl der 129.I.D. als auch der 4.Pz.Div. ist allerdings damit vorläufig unterbunden, da das noch heim XXXXI.Pz.K., befindliche zweite Rgt. der 129.I.D. (G.R.428) ebenfalls zunächst dort bleiben muß. Zur weiteren Erhöhung der Abwehrbereitschaft erhält das LVI.Pz.K. den Befehl, hinter seinem linken Flügel noch zwei Bataillone als Reserven bereitzustellen (OB/KG LVI, 21.00 Uhr;s.Anl. IV 1). Eine zusätzliche Sorge erwächst dem AOK aus den fortdauernden feindlichen Angriffsvorbereitungen an der Dnjepr=Front. Auch hier muß in nicht allzu langer Zeit mit einem feindlichen Angriff gerechnet werden. Mit Nachdruck betreibt der Gegner seine Brückenbauarbeiten weiter. Obwohl es heute nacht gelungen ist, mit Hilfe eines von einem Stoßtrupp mitgenommenen Artilleriebeobachters die in der Dnjepr=Schleife bei Sswershen befindliche Brückenstelle zwei Stunden lang erfolgreich unter Art.Feuer zu nehmen, weiß man аus s.Qu., daß die Pioniere des Feindes Befehl haben, ohne Rücksicht auf Verluste und Schäden weiterzubauen. Die Vermutung liegt nahe, daß der Gegner den Beginn seiner Angriffe südlich der Beresina nur deshalb hinauszögert, um die Angriffsplanung gegen die Front des LV.A.K. unter Beschleunigung der Brückenbauarbeiten und Heranführung neuer Kräfte zeitlich . darauf abzustimmen und eine gemeinsame Operation mit zentraler Stoßrichtung Bobruisk durchzuführen. Da zur Abwehr eines derartigen Doppelangriffs die Kräfte der Armee bei weitem nicht ausreichen würden - sie sind ja in der Masse südlich der Beresina gebunden -, hat die Heeresgruppe ihrerseits Maßnahmen zur Stützung der Abwehr an der Dnjepr-Front eingeleitet. Die 5. Pz.Div., die in diesen Tagen bei der 2. Armee zur Auffrischung aus der Front herausgelöst wird, soll nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in den Raum Pinsk, sondern in den Raum um Bobruisk verlegt werden, außerdem ist die Verschiebung der z.Zt. noch bei der 3.Pz.Armee befindlichen 20.Pz.Div. hinter den rechten Flügel der 4.Armee angeordnet. Die Verbände der Luftflotte, die bisher schwerpunktmäßig beim Pz.AOK 3 eingesetzt waren, werden baldigst weiter südlich gelegene Absprunghäfen, die ein Wirksamwerden vor der gesamten Front der 9.Armee gestatten, beziehen und endlich wird noch eine Stu.Gesch.Brigade (600) von der 4.Armee dem LV.A.K. zugeführt werden (Ia H.Gr./Ia, 19.05 Uhr). Von V=Leuten ist auf das Vorhandensein sowjetischer Fallschirm- und Luftlandetruppen vor der Armeefront aufmerksam gemacht worden. Um gegebenenfalls einem überraschenden Einsatz dieser Verbände sofort mit geeigneten Maßnahmen angriffsweise entgegentreten zu können, wird dem Korück befohlen, die Möglichkeiten feindlicher Luftlandeunternehmen im rückwärtigen Armeegebiet zu prüfen und durch Einrichtung eines dichten Beobachtungs- und Meldenetzes sowie durch Vorbereitung des Einsatzes von Alarmeinheiten die sofortige Bekämpfung derartiger feindlicher Unternehmen sicherzustellen (s. Anl. IV 2). |
| 25.2.1944 | KTB 9.Armee. Wie erwartet, ist das gestrige Nachlassen der Feindangriffe beim LV.A.K. nur eine Folge dess Ausweichens auf die Drut=Stellung und deshalb lediglich vorübergehender Natur gewesen. Schon die nächtliche Räumung Rogatschews wird vom Gegner erheblich gestört. Die dabei entstandenen s.Pak-Verluste sind vermutlich auf Führungsfehler des Kampfkommandanten (Kdr. 707.1.D.) zurückzuführen (so daß der Oberbefehlshaber eine Untersuchung anordnet). Gegen die Drut=Front tritt der Feind heute wieder - offenbar nach nur flüchtiger Bereitstellung - mit starken Kräften zum Angriff an. Während es der 296.I.D. gelingt, alle Angriffe abzuweisen, überschreitet der Gegner ostw. Weritschew, Bol.Konopliza und Oserane (5.Pz.Div.) in breiter Front den Fluß, bricht in die HKL ein und stößt mit Teiles sogar bis in die Gegend von Tichinitschi vor. Ein wechselvolles, äußerst hartes Ringen setzt ein; die eigenen Gegenangriffe, zu denen die mit hervorragender Zähigkeit, kämpfende Truppe inner wieder ansetzt, gewinnen nur langsam Boden, erreichen aber doch, von gutliegendem Art.-Feuer und rollenden Stuka-Einsätzen wirksam unterstützt, an einigen Stellen wieder die HKL, wenn auch, angesichts der z.T. zehnfachen feindl. Übermacht, nicht überall. Die Kämpfe gehen bis in die Dunkelheit, hinein weiter und sind am Abend noch in vollem Gange. Der Oberbefehlshaber hat sich am Nachmittag noch einmal zur 5.Pz.Div. begeben, um sich wieder an Ort und Stelle in die Führung des Kampfes einsuschalten. (Zum Kampfverlauf im einzelnen s. Anl. II und III). Weiter nördlich ist der Feinddruck auch heute wieder nur schwach gewesen - erfreulicherweise, da die Front noch keineswegs ausreichend gesichert ist. Im Abschnitt der 4.Pz.Div. wird ein Angriff auf Rekta abgewiesen, am Nordflügel während der Nacht in Chomitschi eingebrochener Gegner geworfen. In das Waldgebiet ostwärts Chomitschi hat der Feind heute mit schwachen Kräften vorgefühlt, Aufklärung stellt Jedoch am Abend Jeswa noch feindfrei fest (Ia LV/Ia, 21.15 Uhr). Mit Nachdruck hat das АOK seine Maßnahmen zur Beschleunigung des Eintreffens der für den Aufbau der Abwehr am Nordflügel bestimmten Kräfte fortgesetzt. Dem G.R.62, dessen Antransport von der 2.Armee sich teils wegen der schlechten Straßen und des dadurch bedingten Ausfalls von Fahrzeugen, teils aus anderen Gründen erheblich verzögert, läßt der Oberbefehlshaber Leerzüge auf der Bahnstrecke Bobruisk - Ratmirowitschi entgegenfahren, um gegebenenfalls bei weiteren, Ausfällen von Lkw den Marsch im E-Transport ohne Aufenthalt weitergehen zu lassen. Die 20.Pz.Div. trifft heute mit der Masse ihrer Verbände ein; sie wird den bisher vom Stab der 4.Pz.Div. geführten Abschnitt übernehmen, ihre Panzer und Teile der Pz.Grenadiere allerdings sollen südlich des Waldgeländes im Raum Tichinitschi als Armee-Researve verbleiben (s. Anl. IV 1), da dort einerseits das Gelände einen wirksameren Einsatz der Panzer gestattet und andererseits der feindliche Angriffsschwerpunkt auch weiterhin im Abschnitt der 5.Pz.Div. erwartet wird. Das AOK beabsichtigt, nach Eintreffen der 211.I.D., deren an sich ja bereits am 22.2. befohlene Zuführung gestern noch einmal von der Heeresgruppe angehaten (OB/ Chef, 25.2.44, 19.45 Uhr), nunmehr aber - und hoffentlich endgültig erneut befohlen worden ist (Chef H.Gr./Chef, 18.45 Uhr; s. Anl. V 1), die 20.Pz.Div. wieder aus der Front, zu nehmen, um sie sich ganz als Armeereserve zur Verfügung zu stellen (siehe Anl. IV 1). Am linken Flügel des XXXXI.Pz.K. sind ebenfalls wieder schwere Kämpfe im Gange. Dabei scheint es, als ob zugunsten der Durchbruchskräfte im Raum nördlich Jaswin eine gewisse Auflockerung der bisher immer noch vorhandenen Artillerie-Massierung westl. Dubrova eingetreten sei (Harko und Ic in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Im Einbruchsraum an den inneren Flügeln der 36. und 253.I.D. setzt der Gegner seine starken Angriffe fort und kann auch wieder einigen Geländegewinn erzielen; eine heißumkämpfte Ortschaft geht nach mehrfachem Besitzerwechsel endgültig verloren, die Bereinigung einzelner Einbrüche ist nicht gelungen. Der Feind hat erhebliche Verluste, aber auch die eigenen Ausfälle sind hoch. Erstmalig nach längerer Zeit greift die feindliche Angriffstätigkeit auch wieder auf das Nordufer der Beresina über. Mit 200 Mann gelingt es dem Gegner, nordostw. Tschirkowitschi den Fluß zu überschreiten und in des Waldgebiet auf dem rechten Flügel des ХХХV.A.K. einzudringen. Sofort einsetzende Gegenangriffe von Teilen der 45.I.D. werfen ihn, wobei er seine gesamten schweren Waffen zurücklasssen muß. Bei und südwestl. Jaschtschizy geführte stärkere Feindangriffe können unter Bereinigung örtlicher Einbrüche abgewiesen werden. Die durch das 'Übergreifen der Angriffe auf das Nordufer der Beresina noch verschärfte Lage in diesem Kampfraum drängt immer mehr zur Durchführung der beabsichtigten Frontbegradigung (Chef/ Ia H.Gr., 8.10.Uhr) Das Auftauchen neuer Feindkräfte im Einbruchsraum nördlich Jaswin (s.d. Ic=Meldungen) bestätigt die unverändert vorhandene Durchbruchsabsicht des Gegners, wobei die Angriffe beim ХХХV.A.K. entweder als Fesselungsangriffe oder als Versuch eines Herausbrechens des gesamten Frontvorsprungs beiderseits des Flusses zu werten sein dürften. Die Heeresgruppe hat inzwischen den Antrag des AOK auf Zurücknahme der inneren Flügel des XXXXI.Pz.K. und XXXV.A.K. dem OKH vorgelegt und teilt dazu mit, daß man zwar mit einer Genehmigung rechne, die Entscheidung jedoch heute wohl nicht mehr zu erwarten sei. Von seiten der beiden Korps sind alle erforderlichen Vorbereitungen bereits getroffen. Um dem XXXXI.Pz.K. die Möglichkeit zu geben, seinen Nordabschnitt, dessen Kräfte durch die anhaltenden schweren Kämpfe . erheblich zusammengeschmolzen sind, zu verstärken, ist das AOK mit der Bitte an di Heeresgruppe herangetreten, die Herauslösung eines Btl. des LVI.Pz.K. durch Verlegung der Grenze zur 2. Armee (um eine Btl.-Breite bis zum Südrand Kolki) zu ermöglichen. Da jedoch das AOK 2 erklärt hat, eine solche Abschnittsübernahme sei aus Versorgungsrücksichten%»1iter größten Schwierigkeitendurchführbar, hat die Heeresgruppe die Zuführung eines Вt1. der 2.Armee zum LVI.Pz.K. befohlen, das dem Gen.Kdo. unterstellt und am rechten Armeeflügel eingesetzt werden wird. Das LVI.Pz.K. wird daraufhin ein Btl. des dort noch eingesetzten Pz.Gren.Rgt. 33 (4.Pz.Div.) herauslösen und zum XXXXI.Pz.K. verschieben, wo später die gesamte 4. Pz.Div. nach Rückkehr ihres Div.Kdos. vom LV.A.K. wieder in einem geschlossenen Abschnitt zusamengefaßt werden soll (s. dazu Anl. IV 1 vom 25.2.44). |
| 26.2.1944 | KTB 9.Armee. Unterstützt von starken Schlachtfliegerverbänden, tritt der Feind beim LV.A.K. nach trommelfeuerartiger Art.-Vorbereitung mit weit überlegenen Kräften zwischen Lutschin und Oserane zu dem erwarteten Großangriff an. Mit Spannung verfolgt man beim AOK den Kampfverlauf, der die erste, vielleicht entscheidende Bewährungsprobe der neuen Verteidigungsfront am Drut darstellt. Der Schwerpunkt der feindlichen Angriffe liegt im Abschnitt hart nordwestlich Rogatschew, wo der Gegner auch an mehreren Stellen Einbrüche erzielen kann. Erbitterte Nahkämpfe entbrennen, in denen es jedoch gelingt, den Angreifer überall wieder zurückzuwerfen. Seine Verluste sind ungewöhnlich hoch: allein im Abschnitt zwischen Kolossy und Blisnezy liegen etwa 1600 gefallene oder schwerverwundete Sowjets im Vorfeld. In Kostjazchowo eingedrungene starke Feindkräfte werden im sofortigen Gegenstoß über die HKL zurückgetrieben. Ebenso scheitern alle Angriffe des Gegners zwischen Werischew und Ozerane, auch gegen den Brückenkopf Chomitschi gerichtete Vorstöße werden abgeschlagen. Daß dieer beachtliche Abwehrerfolg des LV.A.K. nicht ohne Auswirkungen auf die weitere Angriffsführung des Feindes sein wird, ist zwar anzunehmen, dennoch muß damit gerechnet werden, daß der Gegner seine Durchbruchsabsicht nicht aufgeben wird, zumal ihm noch weitre Verbände, deren Aufschließen er heute offenbar nicht abgewartet hat, zur Nahrung des Angriffs zur Verfügung stehen. Insbesondere ist nunmehr auch mit dem Beginn größerer Kampfhendlungen im nördlichen Drut=Abschnitt zu rechen. Dort übernimmt heute der Stab der 20.Pz.Div. den Befehl über den bisherigen Abschnitt des Div.Kdo. 4.Pz.Div. Die Heeresgruppe beabsichtigt, nachdem nunmehr auch am Südflügel der.4.Armee eine gewisse Festigung der neuen Front zwischen Drut und Dnjepr eingetreten ist, die noch beim XII.A.K. befindlichen Teile der 31.I.D. der 9.Arme wieder zuzuführen. Als Endziel der Umgruppierung ist daran gedacht, nach erfolgter Ablösung der 20.Pz.Div. durch die 211.I.D. deren Nordflügel etwa bis Jeswa zu strecken und die 31.I.D. später entweder als Reserve hinter dem LV.A.K. bereitzuhalten oder zur Herauslösung der 5.Pz.Div. zu verwenden (s. dazu Anl. V 1). Im Gegensatz zu dem erfolgreichen Abwehrkampf am linken Armeeflügel hat die Lage südlich der Beresina eine weitere, unangenehme Verschärfung erfahren. Auf dem rechten Flügel, der 253.I.D. kann der Gegner, der wieder mit scharf zusammengefaßten Kräften, von starker Artillerie unterstützt, in mehreren Wellen angreift, den Einbruchsraum Jaswin um etwa 4 km Tiefe und Breite nach Nordosten erweitern, so daß er nunmehr ganz dicht an der Straße nach Tschirkowitschi steht. Erneute Vorstöße des Gegners nördlich der Beresina haben wieder abgewehrt werden können. Angesichts der immer näher heranrückenden Gefahr einer Abschnürung des linken Flügels der 253.I.D. erwartet das AOK mit Ungeduld das Eintreffen der Genehmigung zur Zurücknahme der HKL beiderseits des Flusses. Endlich, im Laufe des Abends, trifft sie ein, woraufhin unverzüglich ein Vorbefehl an beide beteiligten Korps ergeht: Die Absetzbewegung soll bereits in der Nacht vom 26./27.2.44 begonnen werden (s. Anl. 5 а und b). Die Führungsabteilung des AOK hat heute ihren Gefechtsstand gewechselt. Das neue A.H.Qu. befindet sich im Waldlager 3 km westl. Bobruisk. |
| 27.2.1944 | KTB 9.Armee. Der Absetzbewegung am rechten Flügel des ХXXV.А.К. ist der Feind nur mit schwachen Kräften gefolgt Südlich der Beresina . hat sich die 253.I.D., deren linker Flügel ja erst heute nacht zurückgenommen werden soll, noch einmal heftiger Feindangriffe zu erwehren. Sie sind von starker Artillerie und mehreren Panzern unterstützt und richten sich vor allem gegen die HKL westl. Poganzy. Auch Rakschin und den Frontvorsprung Tschirkowitschi greift der Gegner an. Alle Angriffe werden - unter Abschuß von fünf Feindpanzern - аbgeschlagen (s. Anl. II und III). An der Drut=Front hat der neue Angriff noch nicht begonnen. Der Gegner streut wieder die HKL der 5.Pz.Div. mit. Art.- und Gr.W.-Störungsfeuer ab und schießt sich im Raum nördlich Weritschew ein. Ein Angriff von drei Kompanien auf Chomitschi kann abgewiesen werden. Seit einigen Tagen hat sich der feindliche Druck auf den nach Südwesten zurückgenommenen rechten. Flügel der 4.Pz.Armee verschärft. Zufluß neuer Feindkräfte auf das Westufer des Dnjepr läßt eine Ausdehnung der feindlichen Angriffstätigkeit auf die Fгоnt bei Chomitschi wahrscheinlich werden. Um dadurch einheitliche Kampfführung beiderseits der Armeegrenze der Gefahr eines erneuten Aufreißens der Naht zu begegnen, hat die Heeresgruppe mit Wirkung vom 28.2. mittags die Bildung einer "Nahtgruppe Chomitschi" befohlen, bestehend aus allen im Abschnitt der 31.I.D. und im nördlichen Abschnitt der 20.Pz.Div eingesetzten Truppen, unter Führung des Kdr. der 20.Pz.Div. (später des Kdr. der 211.I.D.), Die Nahtgruppe wird, da ihr weitere Verstärkungen, vor allem Artillerie und Pz.Abwehrwaffen, von der 4.Armee zugeführt werden sollen, dem AOK 4 unterstellt (s. Anl. V 1). Das LV.A.X. erhält daraufhin den Befehl, die südlich der rechten Nahtgruppengrenze stehenden Teile der 20.Pz.Div. vorerst der 5.Pz.Div. zu unterstellen. (weitere Einzelheiten, der durch die neue Grenzziehung erforderlich werdenden Umgruppierungen s..Anl. IV 1). |
| 28.2.1944 | KTB 9.Armee. Die weitere Absetzbewegung beiderseits der Beresina - das XXV.A.K. befindet sich jetzt bereits in der endgültigen Stellung .-ist wieder planmäßig verlaufen. Der Feind. ist nur zögernd und mit schwächeren Kräften gefolgt; eigene Gefechtsvorposten stehen noch vorwärts der neuen HKL. Im Einbruchsraun nördlich Jaswin verhält sich der Feind wider Erwarten ruhig. Dafür tritt er aus seinem alten Schwerpunkt vor den inneren Flügeln des LVI. und XXXXI.Pz.K. an mehreren Stellen erneut zu Angriffen an, die jedoch, ohne nennenswerte Art,Vorbereitung geführt, der Geschlossenheit entbehren und zumeist schon im Abwehrfeuer zusammen brechen. Nur beiderseits Pruschinischtsche und bei Korma kommt es zu erbitterten Nahkämpfen, in deren Verlauf es dem Gegner gelingt, einen örtlichen Einbruch zu erzielen, die allerdings unter Beteiligung von Surmgeschützen wieder bereinigt wird. Gegen Abend kommt es auch nördlich Jaswin noch einmal zu einem Feindangriff in Stärke, von 2-3 Bataillonen gegen den rechten Flügel der 4.Pz.Div. Er bleibt schon vor der HKL im zusammengefaßten Feuer aller Waffen liegen. Der linke Flügel des XXXXI.Pz.K. wird heute noch nicht zurückgenommen werden, sondern morgen, abend in der bisherigen Linie stehen bleiben, damit die endgültige Stellung, die erst in der Nacht vom 29.2./1.3. bezogen werden soll, noch einen Tag länger ungestört vom Feind ausgebaut werden kann. Im Gesamtbild der Lage südlich der Beresina scheinen sich nunmehr doch allmählich die hohen Verluste des Gegners bei seinen Tag für Tag wiederholten Angriffen bemerkbar zu machen und man darf wohl die in der letzten Zeit besonders bemerkbare Bildung nur einzelner, scharf begrenzter Schwerpunkte als ein Zeichen dafür ansehen, wie sehr seine Angriffskraft durch Verluste gelitten hat. Es muß allerdings angenommen werden, daß der Feind bald wieder Verstärkungen heranbringen und inzwischen, zu örtlicher Schwerpunktbildung nach wie vor in der Lage, noch mehrmals versuchen wird, wie heute in überraschenden Einzelaktionen den Durchbruchserfolg, der ihm bisher versagt blieb, doch noch zu erringen. Anders stellt sich das Feindbild am Nordflügel der Armee dar. Hier deuten - die Kampfpause hält auch heute noch an - das Auftreten eines vierten Schtz.Korps vor dem LV.A.K. und die durch Nachtluftaufklärung festgestellten erheblichen mot=Zuführungen aus der Tiefe auf eine zunehmende feindliche Kräftekonzentrierung hin, die einen erneuten Großangriff erwarten läßt, und zwar möglicherweise beiderseits Rogatschew bis zur linken Armeegrenze. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Feind das derzeitige unsichtige Wetter dazu benutzen wird, um überraschend zum Angriff anzutreten, deshalb läßt der Oberbefehlshaber in einem Befehl noch einmal ausdrücklich auf größte Wachsamkeit der Grabenbesatzungen und höchste Alarmbereitschaft der im Hauptkampffeld eingesetzten Waffen, insbesondere der Artillerie, hinweisen (s. Anl. IV 2.). Für die weitere Durchführung der Umgruppierungen am linken Armeeflügel hat das AOK befohlen, daß die 20.Pz.Div. nach erfolgter Ablösung durch die 211.I.D. geschlossen am Nordflügel eingesetzt bleiben soll, gleichzeitig ist die Herauslösung von noch beim LV.A.K. befindlichen Teilen des XXXV.A.K. und ihre Rückführung dorthin angeordnet werden. Dieser Befehl liegt im Zuge der Bemühungen des AOK um eine allgemeine Wiederordnung der Verbände, die allerdings angesichts der im Laufe der vergangenen Kampfhandlungen so zahlreich erfolgten Verschiebungen einzelner Teileinheiten aus nicht angegriffenen Abschnitten zu den Abwehrbrennpunkten auch weiterhin noch verhältnismäßig komplizierte Umgruppierungen erfordern wird. Die Wahrscheinlichkeit eines neuen sowjetischen Großangriffs beim LV.A.K. und die immer noch angespannte Lage südlich der Beresina läßt es dabei geraten erscheinen, mit der Rückführung dieser Einheiten zu ihren Stammdivisionen nur sehr allmählich und vorsichtig zu Werke gehen, um die Standfestigkeit der Abwehr nicht zu gefährden (s,dazu Anl. IV 1, ferner auch Anl. IV 3 und IV 10). |
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