schwere Panzerabteilung 505
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Kriegstagebuch Juni 1944
30.6.1944
KTB 9.Armee.
Im Mittelpunkt der Tagesereignisse steht wiederum der Ausbruch der Bobruisker und die brennende Frage, ob ihre Aufnahme möglich sein wird. Bei der Gruppe Lindig hat der Feind in den
frühen Morgenstunden Lapitschi angegriffen und einen Einbruch erzielt, zu dessen Bereinigung das gesamte Pz.G.R.25 eingesetzt werden muß. Damit ist der für heute geplante Vorstoß aus dem
Raum nordwestlich Lapitschi auf Sborsk, für den das Regiment vorgesehen war, (s.Anl.VIII 3) undurchführbar geworden, denn ein Festsetzen des Feindes in einem Brückenkopf über den
Swisslotsch, der ihm eine vorzügliche Ausgangsstellung für weitere Angriffe bieten würde, muß unter allen Umständen verhindert werden. Auch bei Talka ist es zu feindlichen Panzervorstößen
gekommen; die Erwartung eines kurz bevorstehenden, stärkeren Feindangriffes bindet hier weitere Teile der 12.Pz.Div. (s.Anl.II). .
Von den Bobruiskern fehlt zunächst jegliche Nachricht. Auch die Luftaufklärung entdeckt die Kolonne nicht mehr (Ic Lw/Ord.Offz.Chef, 6,15 Uhr).
Endlich gegen 10.00 Uhr, trifft ein Funkspruch des stellvertretenden Komm.Generals des XXXXI.Pz.K.General-Lt.Hoffmeister, ein. Danach befindet sich die Ausbruchsgruppe in schweren
Durchbruchskämpfen auf dem Weg nach Norden (s.Anl.III 4) und erbittet Munition, Betriebsstoff und Verpflegung. Während der Versorgungsabwurf schon vorbereitet wird
(Chef/Chef Lfl.6, 10,20 Uhr), muß eine erneute Funkanfrage zunächst den Standort der Gruppe feststellen, die inzwischen auch von den Aufklärungsfliegern wieder erfaßt worden ist
(s.Anl.III 9).
Gegen 14.00 Uhr kommt ein neuer Funkspruch des XXXXI.Pz.K. (s.Anl.X). Er meldet,daß die Ausbruchsgruppe die Swisslotsch=Brücke besetzt habe. Der Versorgungsabwurf wird daraufhin
unverzüglich veranlaßt (s.Anl.V 1, IV 6, 10 und 12).
Zum zweiten Mal ist der OB vor die schwere Frage gestellt, ob trotz der Feindangriffe auf die Gruppe Lindig ein eigener Angriff zur Befreiung der Ausbruchsgruppe gewagt werden kann.
Der brennende Wunsch, ihr zu helfen, drängt jedoch auch heute wieder die schweren Bedenken zurück, daß ein Abziehen von Teilen der 12.Pz.Div. aus den noch am Abend andauernden schweren
Ortskämpfen in Lapitschi zum Zusammenbruch der Sperrlinie der Gr.Lindig führen könnte, die nunmehr 3 Tage lang den unmittelbaren Feindstoß von Südosten auf Minsk erfolgreich verhindert hat.
In dem Bewußtsein, daß das Leben von vielen Tausenden .von Henschen auf dem Spiel steht, entschließt sich der OB deshalb nochmals zu dem Wagnis eines Befreiungsangriffs
(OB/Ia 12.Pz.Div., 15,05 Uhr; endgültiger Befehl: Ia/Ia Gr.Lindig, 15,10 Uhr). Der Vorstoß soll von Pogoreloje auf Sswisslotsch geführt werden und möglichst noch vor Morgengrauen beginnen.
Hinsichtlich der Bemessung der Kräfte läßt der OB der 12.Pz.Div. freie Hand, da nur sie im Stande sein wird, je nach der weiteren Entwicklung der Kampflage bei Lapitschi und Talka zu
übersehen, was dort an Kräften entbehrt werden kann, ohne den Bestsand der Sperrlinie völlig in Frage Zu stellen. Er befiehlt jedoch, hierbei bis an die äußerste Grenze des Vertretbaren zu
gehen und den besten Kommandeur mit der Durchführung des Unternehmens zu beauftragen. Am Nachmittag meldet Gen.Lt.Hoffmeister, daß der Sswisslotsch-Übergang durch feindlichen Gegenstoß wieder
verloren sei (s.Anl.IV 5). Damit sinken die Aussichten auf eine Befreiung der Bobruisker erheblich. Denoch läßt sich der OB in seiner festen Zuversicht, daß sie gelingen werde, nicht
irremachen.
Schon jetzt ordnet er an, alle erdenklichen Vorbereitungen für die Aufnahme, Verpflegung und Betreuung der Bobruisker, von denen heute bereits eine Splittergruppe von 350 Mann bei der Gruppe
Lindig eingetroffen ist (Ia Gruppe Lindig / Chef 12.00 Uhr), und zu ihrem raschen Abtransport zu treffen.
Nebenan diesen Ereignissen beginnt sich eine neue Gefahr für die 9.Armee sowie alle noch im Raum. ostw.Minsk stehenden eigenen Truppen, zu denen in erster Linie die sich langsam nach Westen
zurückkämpfende 4.Armee gehört, abzuzeichnen. Die Luftaufklärung meldet am frühen Vormittag, daß sich eine feindliche Panzergruppe 12 km südl.Ssluzk im Vormarsch nach Norden befinde
(s.Ic/Zwischenmeldung). Schon vorher ist vom Kommandant des Festen Platzes Minsk die Meldung eingegangen, daß feindliche Panzer und mot.Infanterie 60 km nordostwärts Minsk im Vormarsch nach
Südwesten von der Luftaufklärung erfaßt worden seien (Kdt.F.Pl.Minsk / Chef, 5,50 Uhr). Ziel der beiden Feindgruppen ist offensichtlich Minsk, ihre Absicht: die Umklammerung aller ostw. Minsk
stehenden eigenen Kräfte. Angesichts der Unterstellung des Festen Platzes Minsk fällt hierbei dem AOK 9 die Aufgabe . zu, beide Stöße abzuwehren. Da im Augenblick an eine Erfüllung der gestern
an die 2.Armee gerichteten Bitte um Rückunterstellung der Gr.Bick el, die am Kampf um Ssluzk beteiligt ist, nicht zu denken ist, sieht sich das AOK gezwungen, zur Abwehr des Südstoßes den
bisher zur Abschirmung der linken offenen Flanke der Gruppe Lindig eingesetzten Sperrverband. Meinecke beschleunigt nach Süden herumzuwerfen. Er erhält den Auftrag, soweit wie möglich auf der
Straße nach Ssluzk nach Süden vorzustoßen und das Vordringen der feindlichen Panzer aufzuhalten oder zum mindesten zu verzögern (Chef/Adj.Gr.Meinecke, . 9,30 Uhr), wozu ihm weitere
Panzerabwehrwaffen nachgeführt werden (s.Anl.IV 1). Ein Offizierspähtrupp des AOK ist bereits zur Aufklärung vorausgesandt worden (s.Anl.IV 7). Die Straße wird bis südlich Walerjahy feindfrei
gemeldet (s.Anl. III 6,7,8,11, IV 2). Zur Abwehr des Nordstoßes erbittet das AOK von der Heeresgruppe, die bereits Luftwaffenunterstützung angefordert und Vorausteile der 5.Pz.Div. dorthin
abgedreht hat (Ia Heeresgr./Chef, 3,55 Uhr), die Genehmigung, soeben in Minsk ausgeladene Teile der Tigerabt.505 einsetzen zu dürfen. Die Genehmigung erfolgt (Chef Heeresgruppe/Chef, 5,30 Uhr),
worauf das AOK von Kommandanten des Festen Platzes Minsk einen Sperrverband unter Führung des Oberstlt.v. Majewski aufstellen und auf der Straße nach Logosik mit dem gleichen Auftrag antreten
läßt, den die Gr.Meinecke in südl. Richtung erhalten hat (Chef/Kdt.F.Pl.Minsk,5,55 Uhr; vergl. Anl.VIII 1). Die ab morgen verfügte Rückunterstellung des Festen Platzes Minsk unter die 4.Armee
(s.Anl.V 7) überträgt die weitere Kampfführung der Gr.v.Majewski dem AOK 4.
Die Heeresgruppe hat ferner mitgeteilt, daß der Armee die 28.Jg.Div. zugeführt werde. Mit dem Eintreffen der ersten Züge sei etwa am 1.7. zu rechnen (s.Anl.V 6). Als Ausladebahnhöfe sind von
der Heeresgruppe Stolpce und Dsershinsk (Koidanowo) vorgesehen. Von dort aus soll die Division nach Südosten gegen die vom Feind auf Minsk vorgetriebenen Umfassungskräfte unbesetzt werden.
Das AOK hält diese Planung für fehlerhaft. Es ist, trotzdem heute noch der Anschein dagegen spricht, der Auffassung, daß der vermutliche Hauptstoß des Gegners weniger nach Norden auf Minsk
als auf die Landenge von Baranowicze und das Höhengelände von Nowogrodek gerichtet sein und daß der Feind hierbei als erstes eine Sperrung des Njemen=Überganges bei Stolpce anstreben werde.
Infolgedessen würde das AOK eine Ausladung der Divisionen auf den Bahnhöfen Horodziej und Stolpce, d.h. also weiter. südwestlich, für richtig halten; ein Weiterfahren würde nach seiner Ansicht
nur ein Hineinfahren in den vom Feind geplanten neuen Kessel um den Großraum Minsk bedeuten. Der Chef der Heeresgruppe widerspricht dieser vom Armeechef vorgetragenen Auffassung mit dem
Hinweis, daß ein Abdrehen der jetzt nach Westen angreifenden feindlichen Hauptkräfte nach Nordwesten unwahrscheinlich sei, da hier das fast völlig wegelose ehemalige polnisch-sowjet=russische
Grenzgebiet sich einem raschen Vormarsch als natürliches Hindernis entgegenstelle; zum. Schutz der Landenge von Baranowicze, wohin die Hauptstraße von Ssluzk führe, sei überdies die
1.kgl.ung.Kav.Div. im Anmarsch (Chef H.Gr./Chef, 20,20 Uhr).
 
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