336.Infanteriedivision
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Kriegstagebuch Mai 1944
9.5.1944 Bericht über den Verbleib des Div.Stabes 336.I.D. von Hptm.Helmut Bischoff, O1 336.I.D.:
Nach Verwundung des Div.Kdeurs.der 336.I.D. am 9.5.44 nachm., wurde die Führung der Division laut Befehl dem Kommandeur 111.I.D., Herrn Generalmajor Gruner übertragen. Gemeinsamer Gef.Std.
Div.Stab 111.I.D. unf Div.Stab 336.I.D. befand sich nach vollzogener Absetzbewegung in die Chersones-Stellung in Schablykina, der in der Nacht vom 9. zum 10.5. bezogen wurde.
Nachdem durch das Einschlaten des Div.Stabes 111.I.D: eine ganze Reihe von Offz., Unteroffz. und Mannschaften durch doppelte BEsetzung überzählig geworden waren, stellte Ia 336.I.D. in
Zusammenarbeit mit dem Ib der gleichen Division eine Abschubgruppe zusammen, deren Abtransport in der Nacht vom 10. auf 11.geplant woren war. Den Abtransport gab jedoch der Div.Kdeur.111.I.D.
aus mir unbekannt gebliebenen Gründen nicht frei und befahl, daß sämtliche Teile der 336.I.D. noch zurückzuhalten seien.
Die allgemeine Absetzbewegung der Truppe mit der unter Führung des Admiral Schulz bereitgestellten Flotte war in der Nacht vom 11. auf 12.5.vorgesehen.

Bericht Major Franke, KDr.Pi.Btl.336, über die Kämpfe der 336.I.D. im Raum Sewastopolin der Zeit vom 9.-12.5.1944.
Über die Kämpfe der Division am 8.5. kann ich keine Auskunft geben, da ich bis zum 9.5. früh mit Teilen des Pi.Btl.336 der 50.I.D. zum übersetzen über die Ssernaja-Bucht unterstellt war.
In den Morgenstunden des 9.5. wurde die Division nachdem die Teile, die über die Ssernaja-Bucht übergestzt haben, (Gren.Rgt.686 und Gren.Rgt.687 ) in den Raum um den englischen Friedhof,
3 km südostwärts Sewastopol, eingesetzt.
Nach einem gegen 07.00 Uhr bei der Division eingelaufenen Befehl, sollte die Division diesen Abschnitt ab 10.00 Uhr verantwortlich übernehmen. Die Lage hatte sich in den Morgenstunden so
zugespitzt, daß Teile der Division schnellstens in den Kampf geworfen wurden, um einen Durchbruch des Russen zu verhindern.
Zwischen 09.00 - 10.00 Uhr traten Teile der Division unter Führung des Generals Hagemann, zu einem Gegenstoß gegen den englischen Friedhof an, der wieder genommen wurde. Etwa um diese Zeit
traf Major Borghardt, mit Teilen seines Regiments 687 ein und wurde zur Abriegelung der auf Sewastopol zuführenden Schlucht (Bezeichnung unbekannt) eingesetzt.
Das Regiment wurde kurz darauf zum Einsatz in die HKL. geführt. (Ort und Zeit ist mir nicht bekannt) In der Zeit zwischen l0.00 - 11.00 Uhr führte die Division noch verschiedene Gegenstöße
zur Bereinigung von kleineren Einbrüchen durch.
In den Mittagsstunden war der Russe am linken Flüge1 zum Nachbarn durchgebrochen und erzielte einen tiefen Keil zwischen den Divisionen. Da der Division keine Reserven zur Verfügung standen,
wurden Teile des Btl.Schil1 zur Sicherung nach Norden umgebogen.
In der Zeit von 13.00 - 14.00 Uhr erreichte die Division der Befehl, sich um 15.00 Uhr bis zur Südstrasse abzusetzen, um hier eine neue Verteidigungslinie aufzubauen, von der aus dann am
Abend die Chersones-Stellung bezogen werden sollte. Div.Gef.Stand sollte zum Div.Gef.Stand der 111. I.D., Westrand-Schlucht, verlegt werden.
Um 15.00 Uhr trafen dort die Majore i.G. Gensichen und Marks ein. Der Div.Gef.Stand, der 111.I.D. war bereits verlegt. Hier gab Major i.G.Gensichen den Befehl, daß alle Teile sofort in
die Chersones-Stellung zurückzunehmen seien. (Diesen Befehl hatte Major i.G. Gensichen durch Fernsprecher entgegengenommen). Der Div.-Abschnitt in der Chersones-Stellung lag 300 m südlich
der West-Ost-Achse in etwa 2 km Breite.
Es gelang in der Nacht unter Aufbietung aller Kräfte, die HKL. zu stabilisieren und eine abwehrbereite Front herzustellen.
10.5.1944 Bericht Major Franke, Kdr.Pi.Btl.336, über die Kämpfe der 336.I.D. im Raum Sewastopolin der Zeit vom 9.-12.5.1944.
In den Morgenstunden des l0.5. starkes Artillerie-, Salvengeschütz- und Gr.W.Feuer sowie rollende Luftangriffe über Div.-Abschnitt.
Zwei mit Panzern vorgetragene Angriffe wurden abgeschlagen. In den Nachmittagsstunden wieder starke Angriffe der Bolschewisten. (Etwa 6 Panzer wurden abgeschossen)
Das in der Nacht vom l0. auf 11.5. geplante Absetzen wurde in der Mittagszeit vom 11. auf 12.5. verschoben.
In den Abendstunden wurden 2 Btl. eines Flak-Rgts. als Reserve zum infanteristischen Einsatz zugeführt.
Gegen 19.00 Uhr war dem Russen beim linken Nachbarn ein Einbruch gelungen. General G r u n e r faßte alle zur Verfügung stehenden Reserven der Division zusammen, um dem linken. Nachbarn
zu helfen.
11.5.1944 Bericht über den Verbleib des Div.Stabes 336.I.D. von Hptm.Helmut Bischoff, O1 336.I.D.:
Um einer Panik rechtzeitig vorzubeugen, wurden laut Befehl der 111.I.D. die nicht zum Kampf benötigten Teile bereits im Laufe des Tages am 11.5. in kleinen Gruppen an die für die 336.I.D.
bestimmten Landungsplätze an der Kamyschewaja Bucht N 3, H 4 und H 8 herangeführt. Obwohl diese drei vorgenannten Landungsstellen durch den Gegner infolge guter Beobachtung laufend unter
Artilleriestreufeuer lagen und Salvengeschütze sich auch schon während der Vortage darauf eingeschossen hatten, gelang es dennoch, die Truppe programmgemäß und ohne Verluste heranzuführen.
Vorsorglich mitgenommenes Schanzzeug, um weitere Deckungsmöglichkeiten an den Landestellen auszubauen und zu vervollkommnen, nützte leider wenig, da sämtliche Anstrengungen bei der felsigen
Beschaffenheit des Bodens vergeblich waren. Die dort befindlichen Mulden und Splittergräben reichten jedoch zunächst aus, die Truppe am Tage wenigstens der Feindeinsicht zu entziehen.
Der Div.Stab 336.I.D., wurde laut Befehl Div.Kdeur.111.I.D. mit Wirkung vom 11.5.44 eingesetzt wie folgt:
Ia Mjr.Gensichen + O1 Hptm.Bischoff + 1 O.O.Lt.Steinraths zur Überwachung der ordnungsgemässen Heranführung der zu verladenden Teile 336.I.D. an den Einladestellen H 2, 3 u.8, sowie deren
Verladung an den befohlenen Einladestellen und laufende Verbindungsaufnahme zum Stabe 111.I.D.
IIa Mjr.von Burkarsroda wurde als Offizier z.b.V. zum Stabe 111.I.D. befohlen.
Ib Mjr.Marks + 1 O.O.Lt.Fischer zur Überwachung der ordnungsgemässen Verladung der kämpfenden Truppe.
Aus beiliegender Skizze ist die durch 336.I.D. befohlene Verladefolge ersichtlich.
Kommandeur Pi.Btl.336 Mjr.Franke war befohlen, während der Verladung der Division mit dem Btl. einen Sperriegel südlich der Landenge so zu bilden, daß das Herandrängen fremder Truppenteile an
divisionseigene Landungsstellen unmöglich gemacht wurde. Ausserdem war befohlen worden, bei etwaigen Panikstimmungen sofort mit Waffengewalt einzuschreiten.
Die kämpfende Truppe der 336.I.D., seit den Abendstunden 9.5.44 in der Chersones-Stellung, bestehend aus Teilen Gren.Rgt.685, 686, 687, F.E:B.336 und Füsilier-Btl.336 unter Führung vom
Obstlt.Eispert und einem Btl.1.rum.Gebirgsdivision, hatte unter der Führung des Abschnittskommandeurs Oberst Hammer aus den gut ausgebauten Stellungen heraus sämtliche Angriffe des Gegners,
der noch am Abend des 9.5.44 teilweise in deutschen und rumänischen Uniformen nachdrängte, abgewehrt. Immer wieder wurden sämtliche Bereitstellungen des Gegners, der immer wieder versucht war,
durch das Kahle Tal vorzustoßen, unter großen Verlusten für den Gegner zerschlagen. Die Truppe hielt sich in der festen Überzeugung auf die geplante Absetzbewegung trotz stärksten
Artilleriefeuers auf das allerbeste- und war voller Zuversicht.
In den Mittagsstunden des 11.5.44 begab sich Major Gensichen mit den vorgenannten Begleitoffizieren in einem Volkswagen an die Landungsstellen um zunächst die Örtlichkeit, sowie die
Verlademöglichkeiten entlang der Küste zu erkunden und um die einzelnen Verladestellen befohlenen Verladeoffiziere persönlich in ihre Aufgaben einzuweisen. Während des Tages schoß der Gegner
ziemlich starkes Störungsfeuer mittlerer Kaliber auf den Küstenstrich, der zur Verladung der 336.I.D. bestimmt war und schoß sich zwischendurch unauffällig mit Nebelgranaten anscheinend mit
neuen Batterien, auf die Landungsstellen ein. Außerdem wurde planmässiges Einschiessen auf den Nordausgang der Kamyschewaja-Bucht und der Kasatscha-Bucht beobachtet. Allseits waren artilleristische
Vorbereitungen des Gegners als Anzeichen zur empfindlichen Störung der geplanten Absetzbewegung während des 11.5. unverkennbar, zumal der Gegner das Vorhandensein der Flotte, die angeblich 20
Seemeilen westlich Chersones sich befand, durch seine Aufklärung nicht unverborgen geblieben war.
Nach Einweisung der Verladeoffiziere begab sich Mjr.Gensichen zur Unterkunft des Ic 336.I.D., Oblt.Fehst, der sich in einem Bunker auf der Landzunge nördlich Merkuschowa befand und erwartete dort
die Dämmerung. Inzwischen wurden die Teile der 336.I.D. und 111.I.D. weiter auseinander gezogen in kleinen Trupps programmäßig und vom Gegner wenig belästigt an die befohlenen Landestellen
herangeführt. Mit Einrbuch der Dämmerung begab sich Ia 336.I.D. zur erneuten Überprüfung er ordnungsgemäßen Bereitstellung der zu verladenden Truppen an die Verladestellen, um dann anschließend den
neuen Gefechtsstand der 111.I.D. (bei 98.I.D.) etwa 200m westlich Küstenkilometerstrich 902/903 (Karte 1:25 000) aufzusuchen.
Zu dieser Zeit traf icn bei Verladestelle H 3 noch Hptm.Lang, Hptm.Unglaube, Lt.Kaminsky mit Feldgendarmerie, Intendant Preiß, Stabszahlmeister Trabig, Unteroffiziere und Mannschaften des Div.Stabes
336.I.D. und sonstige Teile der Division.
Wie im Raume der 336.I.D. wurde auch auf der Fahrt zum Gefechtsstand 111.I.D. an den Verladestellen J 1, 10 und 10 sowie an H 2 das ordnungsgemäße und ruhige ohne jegliche Panik durchgeführte
Heanführen aller Truppenteile festgestellt. Nach Eintreffen auf dem Gefechtsstand 111.I.D. verblieb Ia 336.I.D. mit Begleitung dort zur weiteren Verfügung.
Gegen 21.00 Uhr des 11.5.44 wurde mit dem Eintreffen der Verladepräme sowie Sturmboote gerechnet. Trotz des schweren Artillerie- und Salvengeschützstörungsfeuers, da snun laufend auf den
Einladestellen lag, war die Stimmung der Truppe bestens. Schiffe trafen jedoch immer noch nicht ein, obwohl die Dunkelheit vor allem das gefahrlose Herannahen einzelner Schiffseinheiten auf das aller
beste begünstigt hätte. Im Hinblick auf die große Zahl derer, die in kürzester Zeit weggeschafft hätten werden sollen, um den nachfolgenden Kampfeinheiten zur rechtzeitigen VErladung den Platz
freizugeben, zumal ja die Loslösung vom Feinde für die Masse bereits um 23 Uhr befohlen war, war das baldige EIntreffen der Transportschiffe nun äußerst dringlich geworden. Fernmündliche Rückfragen
bezüglich Eintreffen der Schiffe beim Korps durch Kommandeur 111.I.D. und Ia Obstlt.Franz 111.I.D. ergaben, daß laut BEscheid des Admiral Schulz ein Heranführen der Schiffe an die befohlenen
Einladestellen deswegen unmöglich geworden sein soll, weil angeblich ein russischer Scheinwerfer die Buchten nordwestlich des Chersones äußerst ungünstig beleuchtet. Außerdem liegen die Anlegestellen
unter schwerem russischen Artilleriefeuer, daß mit einem ganz erheblichen Ausfall von Schiffen gerechnet werden müßte. Daher wird durch die Marine sofort folgender Verladeverkehr durchgeführt.
Sämtliche Einheiten, die sich auf der Landzunge zwischen Kamyschewaja- und Kasatscha-Bucht befinden, werden durch sofort zugeführte Fährpräme über die Kasatschabucht auf die Landzunge nördlich Maxim
Gorki II übergesetzt, um von dort aus im Fußmarsch die Westküste des Chersones erreichend, erneut auf Fährpräme umgeladen und zur bereitgestellten Flotte übergesetzt zu werden.
Diese so plötzlich einschneidende Veränderung in der gesamten Organisation des Abtransports, die nicht zuletzt sämtliche mit Sorgfalt geleistete Vorarbeit einfach über den Haufen warf, wurde von
beiden Stäben mit sehr gemischten Gefühlen entgegen geneommen. Ein störender Scheinwerfer des Gegners konnte von hier aus nicht festgestellt werden. Im übrigen war befohlen, wenn feindliches Feuer
auf den Verladestellen liegt, dann wird außerplanmäßig an wenig beschossenen Stellen der Küstem ohne Rücksciht auf Landestellen angelegt und verladen. Es wären noch Tausende von Soldaten rechtzeitig
gerettet worden, wenn sich wenigstens Sturmboote herangewagt hätten, die durch das feindliche Artilleriefeuer fahrend und dazu noch nachts kaum getroffen worden wären. Die Ansicht der Truppe hatte
sich schnell genug gebildet, die sich durch Nichteintreffen der Boote als VErraten und verlassen fühlte und langsam damit begann, ihren Unmut laut kund zu tun.
Im Hinblick auf den "Scheinwerfer" wurde nicht zuletzt auch bei beiden Divisionsstäben der Mut, der zur Absetzbewegung befohlenen Schiffsbesatzungen angezweifelt, die sich wohl scheuten, die schwer
bedrängten Kameraden aus dieser mißlichen Lage befreit.
Trotz der vorher verlautbarten Änderung im Übersetzverkehr, trafen Schiffe auch nach 23 Uhr nicht ein. Ia 111.I.D., Obstlt.Franz, erwog nun in dieser bedrängten Lage dem Div.K´deur. gegenüber den
Plan, ob man bei Nichteintreffen der angesagten Schiffe die in Massen an den Landungsstellen angestauten LEute so unrühmlich und so wehrlos der Vernichtung durch den Gegner preisgeben solle, oder ob
es nicht besser wäre, nachdem nun dich die Truppe offensichtlich auf so schmähliche Weise verraten, durch einen Parlamentär Unterhandlungen mit dem Gegner anzuknüpfen seien, um milde Bedingungen zu
erwirken. NUn begab sich der gesamte Stab der 111.I.D. einschl der Offiziere der 336.I.D. auf Befehl des Herrn General Gruner zur Verladestelle H 2, wo ein durch Herrn General bestelltes Schiff nach
Vereinbarung mit Admiral Schulz anlegen sollte. Mit Hilfe dieses Schiffes wollte Herr General persönlich mit Admiral Schulz Verbidnung aufnehmen und die Zuführung von Schiffen und die Verladung der
Truppe nun selbst zu leiten. Noch vor 23 Uhr wurde witerhin erwogen, ob es nicht doch noch möglich sei, die Verteidigung der Chersones-Stellung noch um einen Tag zu verlängern, ein Gedanke, der
jedoch infolge der Munitionsknappheit aufgegeben werden mußte.

Bericht Major Franke, Kdr.Pi.Btl.336, über die Kämpfe der 336.I.D. im Raum Sewastopolin der Zeit vom 9.-12.5.1944.
Gegen 4.00 Uhr war die Front bereinigt; der Alarmzustand wurde aufgehoben. Am 11.5. morgens starke feindliche Angriffe mit Panzerunterstützung im Abschnitt Oberst Hammer.
Eine Anzahl feindlicher Panzer wurde abgeschossen. (Zahl nicht bekannt)
Gegen 11.00 Uhr trommelartiger Feuerüberfall. Starkes Artillerie-. Salvengeschütz-, Pak- u. Gr.W.-Feuer, sowie Schlacht- und Kampffliegerangriffe. Schwächere Aufklärungsvorstösse des Feindes in
den Nachmittagsstunden wurden abgewiesen. Ein am 11.5. geführter russischer Panzerangriff wurde glänzend abgeschlagen. Die Zahl von 22 ageschossenen Panzern wurde auf dem Div.Gef.Stand genannt.
Vorbereitung des Verladens für die Nacht vom 11./12.5.1944.
Die Division sollte an 4 Ablegestellen der H-Bucht (von Süden angefangen 8, 4, 3, 2) verladen werden. An jeder Ablegestelle war war ein Hptm. Stegkommandant und ein Zug Pioniere des Pi.-Btls. 336
als Eingreifkommando eingeteilt. Verlade-Offizier der Division war Major i.G. Marks. Verteilung des Schiffraumes in Verbindung mit Verlade-Offz. Kdr. Major Franke, Pi. Btl.336.
Durchführung des Absetzens.
Das Absetzen.wurde in 3 Wellen durchgeführt.
1.Welle: Masse,
2.Welle: Nachhuten der HKL.,
3.Welle: Brückenkopfstellung vor der Ablegebucht.
Die Masse setzte sich um 23.00 Uhr, die Nachhuten um 24.00 Uhr ab.
Die Brückenkopfsicherung war bei Dunkelheit voll abwehrbereit.
Kämpfe und Bewesungen der Division in der Zeit vom 11. Mai 16.00 Uhr bis 12. Mai 08.00 Uhr.
Bis 16.00 Uhr     waren Befehlsgemäß, sämtliche nicht kämpfenden Teile der Division an den befohlenen Ablegestellen versammelt.
Gegen 24.00 Uhr   trafen die ersten Teile der Masse ein.
Bis 01.30 Uhr     waren die Divisionsteile außer des Brückenkopfes an den Anlegestellen eingetroffen. Um diese Zeit legten 2 Marine-Prähme auf der Division
                  gegenüberliegenden Seite an. Über der ganzen Bucht lag ein leichter Dunstschleier. Artilleristisch war es fast ruhig. An den Anlegestellen
                  selbst war noch kein Einschlag gewesen. Wenig später hörte man an der der Division gegenüberliegenden Seite Schiffe anlegen.

Erlebnisbericht Major Franke Kdr.Pi.Btl.336, vom 11.-12.5.1944 bei den Kämpfen in Sewastopol.
Von der Division hatte ich den Auftrag, Überwachung der Landestelle bei Einlaufen von Schiffen, um nach einem festgeleLten Plan diese auf die Anlegestellen
zu verteilen. Teile meines Btls. waren an den Anlegestellen als Wach- und Eingreifkommondos
In den Nachmittagsstunden des 11.5. habe ich mit dem Steeklmmandanten die für die eintreffenden Truppen vorgesehenen Abstellräume erkundet und Meldestellen
eingerichtet.
Etwa gegen 21.00 Uhr meldete ich mich auf dem Div.Gef.Stand an der Ablegestelle H 2 und erstattete dort Bericht. Hier traf nach und nach der gesamte Div.-Stab
ein. Die Stimmung war bei Offizieren, Uffz. und MannschaIen um diese Zeit recht zuversichtlich und voller Hoffnung. Das Absetzen sowie die gesamte Organisation
beim Absetzen hatte ausgezeichnnet geklappt.
Als bis um 02.00 Uhr morgens noch keine Schiffe eingetroffen waren, fuhren der Major i.G. Marks und ich zu den auf den Anlegestellen liegenden Regimentern und
Troßteilen, wo wir dann die Leute beruhigten und ihnen sagten, daß nur auf Befehl die zugewiesenen Räume verlassen werden dürften. Zu dem Zeitpunkt, wo Teile
der Division in feuerarme Räume geführt wurden, zog ich Teile meines Bt1s. zu der Westspitze der Verladebucht zusammen.
Gegen 04.00 Uhr wurde ich zum Div.Gef.Stand befohlen. Hier waren General Gruner, Oberstlt.Franz , Major Burkersroda, Oberstlt.Franz verbrannte geheime Kommandosachen.
Der General fragte mich, ob es nun gar keine Möglichkeit einer Verladung mehr gäbe. Meiner Ansicht nach bestand um diese Zeit, da es taghell war, von den Anlegestellen,
die uns zugewiesen waren, keine Verlademöglichkeit mehr. Ich stellte dem General einen kleinen Floßsack, den ich zu Rettungsdienstzwecken verwenden wollte, zur
Verfügung. Der General lehnte dieses Anerbieten ab. Die Enttäuschung war sehr groß, als wir gehört hatten, daß an anderen Anlegestellen Boote gekommen waren. Als dann
die Meldung kam, daß der Weg nach C h e r s o n e s noch frei wäre, hatte ich mich gleich in eine bei mir befindliche Beiwagen-Maschine gesetzt und den Weg erkundet.
Mit einem leeren Pkw. bin ich dann zurückgekommen um für die Divisicn einen leeren Pkw. zu haben Der General, der die Spitze der Tausende von Männern anführte, war
wieder sehr zuversichtlich und die Masse der Männer liefen begeistert den Weg mit. In der Enge zum Chersones hatte ich eine 3/4 Stunde lang versucht, mit Oblt.Trettler,
3 Feldwebeln u. einigen Offz. der Artillerie eine Widerstandslinie aufzubauen. Um diese Zeit kam Oberstlt.Franz und gab mir den Befehl, da ich noch meine
Beiwagen-Maschine hatte, sofort zu erkunden, ob noch Schifffe oder Ablegestellen vorhanden seien. Alles andere würde er veranlassen. Oblt. T r e t t 1 e r führte die
Teile meines Btl. zur Westküste von Chersones, um dort evtl. Übersetzmittel bereitzustellen. Ich selbst fuhr zur Erkundung, mußte aber feststellen, daß keine Schiffe
mehr auf Reede lagen und die Übersetzmöglichkeiten sehr gering waren. Die in 16 u. 20er Reihen zum Chersones heraufkommenden Soldaten strömten alle zur Nordküste.
Der verzweifelte Versuch der Offiziere, eine Widerstandslinie aufzubauen, gelang nur lückenhaft. Ich begab mich zu den Restteilen meines Btls., die dabei waren, Balken
und Fässer zusammen zu tragen, um sich Flöße zu bauen.
Gegen 19.30 Uhr bin ich mit einem Sturmgeschütz in südöstlicher Richtung gefahren, um die Lage zu klären. Ich konnte nirgends eine Widerstandslinie feststellen.
Das Artillerie-, Salvengeschütz- und Gr.W.-Feuer wurde um diese Zeit immer heftiger. Es war einfach unmöglich, mehr wie l0 Mann um sich zu haben, da alles sofort wieder
in Deckung sprang, und nicht mehr vorwärts zu bewegen war. Nach Erkennen der Lage, daß keine Ubersetzmöglichkeit mehr vorhanden war, sank die Stimmung vön Minute zu
Minute, doch war die Haltung der Männer noch recht ordentlirh. Um diese Zeit schwammen auf See schon mehrere Flöße, was vielen Ansporn gab, sich auch Flöße zu bauen.
Etwa in der Zeit zwischen 3..00 - 09.00 Uhr kam General G r u n e r zur Anlegestelle und rief die dort befindlichen Offiziere zusammen und erklärte uns, daß ein
Widerstand bei dieser Masse Menschen und dem unerhört starken Artillerie-, Salvengeschütz-, Pak- und Gr.W.Feuer sowie den dauernden Luftangriffen nicht mehr möglich sei.
Wir sollten uns im Gelände. verstreuen. Nachdem meine Leute 2 Flöße zusammen gebaut hatten, sind Oblt.Trettler, 1 Uffz. ,1 0bgefr. und ich durch das jetzt schon an der
Küste liegende Artilleriefeuer durchgeschwommen, um ein auf See treibendes Floß zu erreichen. Auf dem Wege zum Wasser beim Abstieg von der steilen Küste überraschten
uns Flugzeuge, die mit Bordwaffen die Küsten abstreuten. Ich verlor dabei den Halt und rutschte an dem Felsen herunter, schlug mir dabei Arme und Brust auf und erlitt
starke Hautabschürfungen. Beim Herankommen an das vermeintliche Floß stellte es sich heraus, daß es ein Stück totes Vieh war. Wir sind dann zusammen ziemlich 1 km
geschwommen als der Obergefr. Kehrt machte, da er nicht mehr konnte. Nach etwa 2- 21/2 km erreichten wir dann eine Gruppe von Flößen. Ich wurde von einem von
Flaksoldaten unter Führung eines Hptms. geführten Floßes, Oblt.Trettler von einem andern Floß und Uffz.Schmidt von einem weiteren Floß auf-genommen.
In den frühen Nachmittagsstunden kamen starker Wind und Wellengang auf, der unser Floß bis auf etwa 1 km wieder an die Küste herantrieb. Hier wurden wir von der Pak
und Ratsch-Bumm mit etwa 60 -80 Schuß beschossen. Durch einen Volltreffer wurde 1 Mann getötet, 2 Offz. verwundet. Etwa 4x wurden wir von russischen Schlachtflugzeugen
mit Bordwaffen angegriffen. Durch unser Abtreiben sind wir von derFloßgruppe abgekommen.
Gegen Abend legte sich der Wind und es gelang uns, unter Aufbietung aller Kräfte, wieder weiter auf See hinauszukommen. Da ich völlig ohne Kleidung war, wurden die
Nachtstunden für mich zur Qual.
Gegen 23.00 Uhr wurde ich ohnmächtig, kurze Zeit darauf aber ging es mir wieder besser. Etwa um diese Zeit hörten wir starke Motorengeräusche, die sich uns näherten,
aber wieder entfernten.
Gegen 24-00 Uhr erlebten wir einen Feuerkampf zwischen deutschen Schnellbooten und russischen Kanonenbooten. Wir hatten jetzt die Gewißheit, daß deutsche Boote in der
Nähe seien. Während der Abenddämmerung gaben wir seewärts ständig das abgemachte Notsignal.

Erlebnisbericht Oblt.Schmollinger Gerhard N.A.336, vom 11.-13.5.1944.
Am 11.5.44 gegen 9 Uhr erhielt ich durch die Division den Auftrag, mit den,nicht eingesetzten und nicht mehr benötigten Teilen der N.A.336 zur Verladestelle H 3 am
Westufer der Kamyschewaja-Bucht abzurücken. Ich ließ die etwa 3 Offz.,2.Beamte und ca. 120 Uffz.und Mannschaften starke Abschubgruppe in einzelnen Gruppen dorthin
marschieren, traf selbst gegen 12 Uhr dort ein und konnte festtellen, daß die Abteilung in Gräben und Löchern ohne Verluete vollzählig dort angekommen war.
Ich meldete mich bei dem sich ebenfalls dort befindlichen Mjr.i.G.Gensichen, der mich von einem Div.-Befehl in Kenntnis setzte, wonach die Abschubgruppe spätestens
bei Einbruch der Dunkelheit verladen werden sollte. Ich setzte mich dann mit den Offizieren und Beamten in einen kleinen Naturbunker, von dem aus die Bucht und die
Verladestelle zu übersehen war, und wartete auf das Eintreffen der Schiffe. Der Raum um die Anlegestelle 1ag unter gelegentlichem Artilleriefeuee und gegen Abend
unter einigen Feuerüberfällen durch Salvengeschütze, durch die aber keine Verluste eintraten. Die Stimmung der Truppe war ausgezeichnet.
Die erwarteten Schiffe trafen weder bei Tag noch bei Einbruch der Dunkelheit ein.
Gegen 23 Uhr, als der zeitpunkt des Absetzens der Masse der Truppen aus der HKL eingetreten war, erkundigte ich mich bei Hptm.Lang, dem Verladeoffz.für H 3, über den
Zeitpunkt des Eintreffens der Schiffe, konnte aber nichts in Erfahrung bringen.
12.5.1944 Erlebnisbericht über den Abtransport von der Halbinsel Chersones v.Hptm.Thallwitz.
In der Nacht vom 11./12.5.44 wurde ich im Rahmen der 73.Inf.Div. in der Schutzstellung für die Anlegestellen in der Linie Maxim-Gorki II Gretschichina eingesetzt. Um 23.00 Uhr gingen
die Regimenter über die Schutzstellung auf die Anlegestellen zurück und fanden zum größten Teil keine Schiffe zum Abtransport vor. Mit Beginn des Hellwerdens steigerte sich das
Störungsfeuer, das während der Nacht auf der Haldbinsel lag, zum Trommelfeuer und gegen 4.00 Uhr morgens brach die Schutzstellung zusammen. Alles ging auf die Anlegestelle bezw. auf
die Steilküste zurück. Ich selbst verbarrikadierte mich mit 10 weiteren Offz. der 73. und 336.Inf.Div. in einer Felsenhöhle, die zwischen Leuchtturm Chersones und der Anlegestelle
K1 lag. Wir hoften auf Abtransport in der nächsten Nacht. Den ganzen Tag über verbrachten wir unbemerkt in der Felsenhöhle. Mit Beginn der Dunkelheit versuchten wird durch Blinken mit
einer Taschenlampe die Aufmerksamkeit der Seeseite auf uns zu lenken. Motorengeräusche auf See, sowie ein kurzes Seegefecht, ließ auf das Vorhandensein von deutschen Schiffen schließen.
Gegen Mitternacht erschien ein deutsches Schnellboot, das langsam die Küste entlang fuhr und auf unser Blinkzeichen in nächster Nähe der Küste herankam. Der Versuch, das Schnellboot
schwimmend zu erreichen scheiterte, so daß von der Bootsbesatzung ein Schlauchboot ausgesetzt werden mußte, das uns übernahm. Obgleich der Russe die gesamte Halbinsel Chersones besetzt
hatte, gelang die Übernahme vom Feind unbemerkt. Dasselbe Schnellboot übernahm im Laufe der Nacht auf hoher See mehrere Floßbesatzungen und brachte uns nach Constanza.

Bericht über den Verbleib des Div.Stabes 336.I.D. von Hptm.Helmut Bischoff, O1 336.I.D.:
An der Verladestelle H 2 angekommen, verteilten sich sämtliche Angehörige beider Stäbe in den dort befindlichen Splittergräben. Als die planmässige Absetzbewegung das NAchtruppen am frühen Morgen des
des 12.5.44 einsetzte, drängte der Russe äußerst stark nach und beschoß schon nach kurzer Zeit bereits aus Gegend Schablykina mit Pak und 7,6cm Geschützen im Verein mit seiner Artillerie, das von den
deutschen Truppen dicht belagerte Ufer an den Verladestellen. Noch verhielt sich dir Truppe ruhig und blieb in voller Deckung liegen. Izwischen, war Oblt.Kerstin, Adj.Gren.Rgt.687, an der Landestelle
H 2 eingetroffen, um sich danach zu erkundigen, wie es mit der Zuführung von Schiffen für die Absetzbewegung der kämpfenden Truppe der 336.I.D. bestellt sei. Außerdem meldete er, daß Obstlt.Eispert
mit Splitterverletzung in der linken Schulter bei Verladestelle H 8 eingetroffen sei.
Während dieser Zeit wurde durch Oberarzt Dr.Brückner, Adj.des Div.Arztes 336.I.D. und Kriegsgerichtsrat Dr.Schnell ein bereits leck gewordenes Sturmboot ohne Motor ausfindig gemacht, womit der
Versuch auf Befehl des Herrn General Gruner unternommen werden sollte mit Hilfe dieses Schiffes Verbindung mit den Schiffen draußen auf dem Meer aufzunehmen Eine Reihe von Offizieren unter der
Führung des Mjr.von Burkersroda meldeten sich freiwillig, die Fahrt durch das Sperrfeuer am Nordausgang der Kamyschewajabucht zu unternehmen. Mit den Worten "Meine Herren, versuchen sie Ihr Glück,
versuchen sie, Verbindung mit der Flotte aufzunehmen und sehen sie zu, daß Schiffe herbeikommen, damit die Truppe abtransportiert werden kann", entließ uns der Div.KDr. 111.I.D.
Am Ufer entlangrudernd unter schwerem russischen Feuer, das nicht nur auf dem Lande, sondern auch wahllos auf dem Wasser lag und ganz besonders den Küstenstreifen selbst eindeckte, näherte sich das
von etwa 8 Offizieren besetzte Boot dem Nordende der Landzunge. Zur BEsatzung zählten, wie mir noch erinnerlich: Mjr.von Burkersroda, Hptm.Eberl,  Oblt.Schmid-Siebrecht, VEt.Buck, Zahlm.Richter,
Oberarzt Dr.Brückner, Kriegsgerichtsrat Dr.Schnell, ein Feldwebel (Einheit unbekannt), Obgefr.Schwarzbach (Bursche des IIa 336.I.D.) und ich selbst. Schon war zu beaobachten, daß durch das immer
näherrückende russische Feuer, das sich immer mehr massierte, in dicken Klumpen Menschenmassen dem Nordende der Landzunge zustrebten. Die Panik hatt dort bereits ihren Anfang genommen.
Mjr.von Burkersroda rief plötzlich aus unerklärlichen Gründen, wohl unter dem Eindruck der zurückflutenden Soldatenhaufen: "Fahren sie sofort an Land, ich bin der Adjutant des Heern General, ich muss
sofort an Land. Ich steige aus, ich gehöre zu Herrn General, ich muß sofort zurück zu ihm!" Dem Befehl wurde entsprochen. Mjr.von B.stieg verstört und verwirrt aus dem Boot, obwohl allseits die
Stimmen laut geworden waren, ihn davon zurückzuhalten. Er ging an Land und verschwand dann unter den zurücklaufenden Soldaten. Das NBoot setzte nun seine Fahrt in Richtung Leuchtturm Chersones fort.
Eine Reihe der Offiziere verlor nun in dem schweren Feuer vollkommen die Nerven. Nah einschlagende Granaten schlugen durch ihre Splitterwirkung das Boot mehrfach leck, sodaß laufend Wassser geschöpft
werden mußte. Mangels ordentlicher Ruder wr es äußerst schwierig, das Boot vorwärts zu bewegen und es kostete eine gewaltige Anstrengung, dem Ziele langsam näher zu kommen. Inzwischen war es Tag
geworden und der Russe belegte in pausenlosen Feuerüberfällen untermischt mit reihenweisen Einschlägen einer erheblichen Anzahl von Salvengeschützen die gesamte Landzuge und die Nordausgänge beider
Buchten. Als das Boot Küstenkilometerstrich 905/906 nordwestl.Pkt.7,5 der Küste sich näherte, rief Hptm.Eberl: "Es ist alles verloren, es hat keinen Sinn mehr weiterzurudern, wir geben auf und gehen
in die Gefangenschaft, jetzt ist alles gleich!". Schmid-Siebrecht (Oblt.), sowie VEt.Buck und Zahlm.Ritter u.a.m. pflichteten dem bei, indem sie zum Ausdruck brachten: "Wir rudern jetzt an Land und
lassen uns gefangen nehmen, vielleicht gibt es eine andere rettungsmöglichkeit!"
Obwohl Oberarzt Dr.Brückner und meine Person mit den aller-unleserlich- Worten versucht waren, diesem unsinnigen Unternehmen Einhalt zu gebieten und an die Pflicht gemahnt, trotz des schweren Feuers
den Auftrag befehlsgemäss auszuführen, so gelang es uns nicht die unsinnigen von ihrem Unternehmen zurückzuhalten. In sinnloser Hast verließen sie das Schiff. Kriegsgerichtsrat Dr.Schnell schon am
Ufer zweifelte noch an seinem Vorhaben und war unschlüssig, ob er der Aufforderung des Oberarztes Dr.Brückner zur Vernunft, oder dem unsinnigen GEschrei des Vet.Buck am Lande Gehör schenken sollte.
Leider ist er dem Letzteren gefolgt. Ich selbst bedacht, möglchst bld aus dieser blödsinnigen Lage herauszukommen, forderte einen vorbeilaufendem Wachtmeister und vier Mann auf, sofort einzusteigen
und hier wegzurudern. Die vernünftigen LEute erkannten die Chance mit Blitzesschnelle, ich verteilte sie sofort an die Ruder, sodaß wir in Bälde das feindlicheArtilleriefeuer unterfahrend das freie
MEer gewannen. Als wir in westlicher Richtung über die Höhe des Leuchtturms Chersones hinausgerudert waren und nach Südosten die gesamte Steilküste übersehen konnten, stellten wir fest, daß hier
kein einziges Schiff mehr Truppen absetzte, nur das witer leere MEer war zu sehen, auf dem einzelne Leute gleich usn versucht waren auf kümmerlichen Barken das Meer zu erreichen. Inzwischen war es
löngst heller Tag geworden und die ganze Halbinsel Chersones war nur noch eine stampfende, brodelnde Qualmwolke aus der es öfteren die Rauchwwalze heftigster Explosionen unter lautem Donner
emporschossen. Das Land selbst war nicht mehr zu sehen. Unbeirrt dessen ruderten wir zügig weiter in westlicher Richtung. Die Flugrichtung der russischen Fliegern die auch in westlicher Richtung
flogen, bestätigten uns den Verbleib der gesuchten Flotte. Denn fern im Westen über das Meer hörten wir die Detonationen von Fliegerbomben. Nach dieser erneuten Enttäuscung, da wir kein Schiff
sichteten, machte ich den neu zugestiegenen Männern unsere eingentlliche Absicht klar und stellte ihnen die Möglichkeit der Gefangenschaft mit unrühmlichem Ende und einen eventuellen Seemannstod,
bei letzterem jedoch die kleine Möglichkeit einer Rettung durch eigene FLugzeuge oder Schnellboote klar vor Augen, wobei die letzte Möglichkeit mit Begeisterung aufgenommen wurde und alle lieber auf
dem Meere umkommen wollten als in Gefangenschaft zu geraten. Tief kreisende russische IL 2 griffen des öfteren diese armen Schiffbrüchigen auf freiem Meere rücksichtslos an, wobei wir diesem
Schicksal stets dadurch entgingen, daß wir sofort beim Nahen eines FLugzeuges jegliche Tätigkeit einstellten und usn flach in das Boot warfen und uns ruhig verhielten. Von vielen gejagt und in den
Zwischenzeiten rücksichtlos weiter rudernd gelang es uns am Abend so weit hinaus zu rudern, daß das Land unserem BLick entschwand. Die Sichtung unserer Verpflegung ergab ein Stück Kommisbrot, ein
Stück geräuchertes Fleisch, etwas Kaffee und Schokolade. An Hand einer bescheidenen Karte des Schwarzen Meeres und einer Zeitung -unleserlich- wir Kurs -unleserlich-ztrecken (täglich 40km) und
Fahrtdauer fest. Es war uns klar, daß wir nimmermehr aus eigener Kraft über das ganze Meer etwa 400km rudern konnten. Doch waren wir der festen Überzeugung mindestens bis dicht vor die rumänische
Küste zu gelangen, um dann dort von irgendwelchen Bewachungsfahrzeugen eigener Herkunft aufgeschnappt zu werden. Zunächst galt es jedoch immer noch den Auftrag zu erfüllenm und die FLotte inzuholen.
Die hereinbrechende Dunkelheit vereitelt dies.

Bericht Major Franke, Kdr.Pi.Btl.336, über die Kämpfe der 336.I.D. im Raum Sewastopolin der Zeit vom 9.-12.5.1944.
Gegen 03.00 Uhr      war noch kein Schiff an den Anlegestellen der Division gewesen. Mit dem Morgengrauen wurde der Neblschleier immer dünner. Auf der dem Festland gegenüber1iegenden Seite
                     setzte Pak- u. starkes Artillerie-Feuer ein. Da hier alle Teile der Division versammelt waren, mußten sie nun über die Höhe in feuerarme Räume geführt werden.
                     Diese Bewegungen wurden vom Feind erkannt und es lag sehr starkes Artillerie-Salven-Feuer auf dem ganzen Abschnitt. Von diesem Zeitpunkt an war ein Verladen der Division
                     an den vorgesehenen Stellen nicht mehr möglich. Die Brückenkopfstellung wurde stark angegriffen, hielt aber allen Angriffen stand.
03.30 Uhr            wurde an der Nordseite der Halbinsel eine Sicherungslinie abgebaut.
04.00 Uhr            am zum Div.Gef.Stand, der an der Westspitze der Halbinsel lag, die Meldung, der Weg nach Chersones sei noch frei und an der Küste sollen noch Schiffe kreuzen.
                     Kurz darauf kam vom General G r u n e r der Befehl: Sicherungslinie von Westen abbrechen, Division schlägt sich nach Chersones durch!
Bis 06.00 Uhr        war die Masse der Division auf dem Chersones versammelt. Der Versuch, die Enge von Chersones zu sperren, gelang nicht mehr, da der Feind schon zu stark auf
                     Maxim Gorki saß. Eine dünne Verteidigungslinie wurde Front nach Süden abgebaut. Durch die Massierung der Tausende von Menschen auf engstem Raum und das immer
                     stärker werdende Artillerie-, Salven- u. Gr.W.-Feuer gelang es trotz mehrmaligen Versuchen der verschiedenen Offiziere eine starke und einheitliche
                     Verteidigungslinie aufzubauen. Die Masse der Truppe bewegte sich zu dem äußersten Nordzipfel von C h e r s o n e s (Leuchtturm). Hier entstand dann bald eine
                     solche Stauung, daß alle Mulden, Bunker und Deckungslöcher überfüllt waren. Die Enttäuschung der Offitiere und Mannschaften war riesengroß, als allen klar
                     wurde, daß keine Möglichkeit zum Einschiffen mehr vorhanden war. Der Widerstandswille brach immer mehr zusammen. Dazu trug das nun bald pausenlose Arti11erie-,
                     Salven- und Gr.W.-Feuer wesentlich bei. Oft schwoll es zu Trommelfeuer an. Seit den Morgenstunden erfolgte ein Angriff nach dem andern.
                     Tei1e der Männer versuchten, sich Flöße zu bauen, um damit die hohe See zu erreichen. Etwa 12 trieben schon auf See.
Zwischen 08.00 -     kam General G r u n e r zu mir an die Anlegestelle, an der ich mich mit einem Teil meines Btls. befand, um befehlsgemäß zu versuchen, Übersetzmittel
   9.00 Uhr          bereitzustellen. Er rief die dort befindlichen Offiziere zusammen und erklärte uns etwa: "Daß hier mit der Masse, die sich immer wieder hin- und her-bewegte,
                     um dem feindlichen Feuer zu entgehen, kein Widerstand mehr zu leisten sei, wir sollten uns im Gelände verstreuen". Mehrere Pak schossen um diese Zeit direkt
                     an der Küste entlang. Das Fahren mit Flößen war nur noch ein Verzweiflungsversuch.
Zwischen lO.00       sah man auf der Insel starken Verkehr mit Lkw. Die auf dem Meer treibenden Flöße wurden des öfteren von Fliegern angegriffen und durch Artillerie, Pak und
u.ll.00 Uhr,12.5.    Ratsch-Bumm von Land aus beschossen.

Erlebnisbericht Major Franke Kdr.Pi.Btl.336, vom 11.-12.5.1944 bei den Kämpfen in Sewastopol.
Kurz vor 01.00 Uhr kam ein deutsches Schnellboot auf uns zu, welches unsere Notaignale erkannt hatte, und nahm uns auf. Wir konnten dem dem Kommandanten die uns bekannten
Floßgruppen angeben, von denen auch ein großer Teil gefunden wurde. Da viele der Flöße von Bomben getroffen wurden, muß damit gerechnet werden, daß hierbei auch noch viele
ausgefal1en sind. 2x über uns kreisende deutsche Flugzeuge versuchten wir durch Signalpatronen uns erkenntlich zu machen, wurden aber nicht beantwortet.
Die Schnellboote waren sehr schneidig, kreuzten auf unser Anraten mehrere Male bis unter die Küste und gaben die Suche erst auf, als weit und breit kein Rufen mehr zu hören und
kein Leuchtsignal mehr zu sehen war.


Erlebnisbericht Oblt.Schmollinger Gerhard N.A.336, vom 11.-13.5.1944.
Zwischen 24 Uhr und 0,30 Uhr des 12.5.44 trafen die auf H 3 angewiesenen Truppenteile in völliger Ordnung und äußerst zuversichtlich, aus der HKL kommend, ein und warteten
ebenfalls. Das Artilleriefeuer auf den Verladeraum hatte sich inzwischen etwas verstärkt, eine Verladung ware jedoch nach wie vor möglich gewesen. Als, aus den Leuchtzeichen
erkenntlich, das Vorrücken des Russen in Richtung auf die Bucht feststellbar wurde und immer mehr Zeit verrann, machte sich unter den Männern eine allgemeine Unruhe bemerkbar.
Ich versuchte mehrmals beim Verladedeoffz. weitere Anordnungen zu erhalten, jedoch waren dort noch keinerlei Befehle eingelangt. Allmählich legte sieh der Dunstschleier über
der Bucht, es begann zu dämmerm und langsam wurde klar, daß ein weiteres Ausharren bei H 3 in dem sich immer mehr steigernden Feuer nicht möglich war.
Etwa gegen 3,15 Uhr gab Hptm.Lang den Befehl, feuerarme Räume auf dem Ostufer der Bucht Kanatscha aufzusuchen und dort eventuell bei den Verladestellen J 1 und J 2
unterzukommen. Ich gab diesen Befehl weiter, befahl aber gleichzeite, wenn auch dort keine Schiffe sein sollten, sofort zu vesruchen, die Anlegestellen K 1 und K 2 an der
Steilküste zu erreichen, Da ich wußte, daß von dort aus an den Vortagen die verwundeten verladen worden waren und dort am ehesten mit dem Vorhandensein von Schiffen zu rechnen
war. Als ich an der Spitze der Abteilung das Ostufer der Kasatschabucht erreicht hatte, strömten von dort bereits die Truppen ungeordnet nach Süden. Ein Zusammenhalten der
Abteilung war von da an nicht mehr möglich, da jeder einzelne in dem inzwischen nahezu zum Trommelfeuer gewordenen Artillerie- und Salvengesohützfeuer des Feindes srpungweise
das befohlene Ziel zu erreichen versuchte.
Mit, wenigen mir folgenden Männern erreichte ich den Nordteil von Maxim Gorki II, sah aber dort nur verlassene Geschütze und wandte mich deshalb sofort der Verladestelle K 2 zu.
Unsere Enttäuschung war rieeengroß, als auch dort, trotzdem an diesen Stellen um diese Zeit nahezu keinerlei Artilleriebeschuß lag,keine Schiffe zu sehen waren und uns Klar wurde,
daß ein Abtransport wohl nicht mehr möglich war. Ich ging eine Strecke an der Küste in Richtung Leuchttrm weiter und setzte mich dann hin, nm etwas auezuruhen.
An der Küste drängten sich Hunderte von Soldaten - zum Teil verwundet -,aus deren Haltung und deren Gesprächen man sah, daß die Männer sich verraten fühlten und vor allem nicht
verstehen konnten, warum sie aus ihren wie sie selbst sagten guten Stellungen hätten herauegemußt, wo für sie doch kein Transportraum da war. Der Widerstandswille dieser Männer
war durch diese ihnen unbegreifliche Tatsache ziemlich gebrochen. Von der Abteilung kam niemand mehr. Ich nehme an, daß die meisten mit der Masse der um die Kasatschabucht
flutenden Truppen die Straße auf die Halbinsel Chersones gegangen waren. Da ein weiteres Warten an dieser Stelle zwecklos war, entchloß ich mich, nachdem ich vergebens versucht
hatte die noch bei mir befindlichen Männer der Nachr.Abt.zu weiterem Mitgehen zu bewegen, einer Gruppe von Offizieren unter Führung des Ritterkreuzträgers Major Bunge an, die
weiter in Richtung Leuchtturm gehen wollten. Zum Teil bis zu den Hüften durch das Wasser watend, erreichten wir eine Stelle, wo man nur durch Schwimmen weiter gekommen wäre.
Wieder nach Süden zurück zu gehen war aussichtlos da der Russe bereits über Maxim Gorki vorgedrungen war und die bei der Aniegestelle K 2 wartenden Soldaten, denen kein anderer
Weg mehr bieb zur Übergabe zwang. Wir entschlossen uns deshalb, in einer Art niedriger Höhle, die in das Steinufer eingewaschen war, unterzuschlupfen und verbarrikadierten diese
Höhle von innen mit Steinen, entschlossen, diese Höhle, wenn der Russe das schmale Ufer entlang komnen sollte, bis zum letzten Schuß zu verteidigen. Den Gedanken an Bau eines Floßes
stellten wir zurück, da wir nicht genügend Holz für alle hatten und wir wahrscheinlich auch durch den vorgedrungenen Feind abeschossen worden wären.
Unsere Hoffnung war, trotz des stark trotz des stark gesunkenen Vertrauens zu den Leistungen der Marine daß in den Abendstunden wie vorgesehen Schnellboote die Küste nach
Versprengten absuchen sollten. Von unserer Höhle aus könnten wir verschiedene Flöße beobachten, denen es gelungen war von der Küste wegzukommen. Der Feind war, wie man inzwischen
an dem Gewehrfeuer zu erkennen war, bereits über uns und gegen 11 Uhr dürfte nach dem immer mehr abflauenden Gefechtslärm der Kampf auf der Halbinsel Chersones zu Ende gewesen sein.
Die Bolschewisten bauten entlang der Küste sofort Pak und Flak auf und besohossen damit bis zum Abend die Flöße, die ein Nordwestwind etwa in Höhe des Horizontes der Küste entlang
trieb. Zusätzlioh konnten wir beobachten, daß die Flöße wiederholt durch Schlachtflieger angegriffen wurden. Wir verbrachten den Rest des Tages mit Beobachten des Meeres und
Besprechen von allerlei Fluchtplänen. Das Ufer selbst treifte der Russe nicht ab, sondern flog es lediglich mit zwei langsam fliegenden Doppeldeckern etwa eine Stunde lang ab.
Bei Einbrechen_der Dunkelheit hörten wir auf See Motorgeräusch und sahen Leuchtsignale. Wir blinkten in Richtung des Geräueches ohne daß jedoch von dort Hilfe kam.
Wie sich später herausstellte, kam das Geräusch von einem sichernden sowjetischen Kanonenboot, mit dem die später eintreffenden Schnellboote zum Teil noch in Gefechtsberührung kamen.
Nach 23 Uhr, als wir schon bald nicht mehr an eine Rettung glaubten, tauchte plötzlich in unmittelbateer Nähe der Küste der Schatten eines Bootes auf, das unsere Blinkzeichen
beantwortete und darauf näher an die Küste herankam. Unsere Freude war groß als wir deutsche Stimmen vernahmen, wenn auch einige zweifelten, da der Russe mit der direkt über uns
stehenden Pak und ein nicht allzu weit von uns entfernt auf einem Küstenvorsprung stehender Posten nicht auf das Boot schossen. Ale erster sprang Major Bunge, ein Hptm.seines
Regiments und Lt.Schulz (A.R.336) ins Wasser, um zum Boot zu schwimmen. Bei diesem Versuch ertranken Mjr.Bunge und der Hauptmann, ob durch schwere der Kleider oder durch Herzschlag
ist mir unbekannt. Ich selbst schwamm mühelos zum Noot, hatte auch nicht den Eindruck, daß das Wasser sonderlich kalt war. Die restlichen Kameraden wurden durch die Bootsbesatzung
in Schlauchbooten übergesetzt. Insegsamt waren wir 10 Offiziere, 1 Pberfähnrich und 1 schwerverwundeter Soldat gewesen. Wir machten die Bootsbesatzung darauf aufmerksam, daß noch
zahlrieiche Flöße auf See wären und gaben ihnen die Richtung an, in der sie etwa zu suchen waren. Auf diese Weise konnten im Laufe der Nacht vom 12. auf 13.5.44 durch die drei
Schnellboote, die sich mit ihrer Fahrt in unmittelbarer Küstennähe und unter den Rohren der feindlichen Pak als sehr schneidig erwiesen, die meisten dieser Flöße gefunden und
ihre Besatzung aufgenommen werden. Am 13.5.44 gegen 10.00 Uhr liefen wir mit den Schnellbooten in Konstanza ein.
13.5.1944 Bericht über den Verbleib des Div.Stabes 336.I.D. von Hptm.Helmut Bischoff, O1 336.I.D.:
Auch nachts vom 12. auf 13.5. wurde pausenlos mit Hilfe des Nordsterns un dmit Hilfe zweier Marschkompasse in westlicher Richtung weitergerudert. Völlig durchnäßt durch das leckende Boot nach kurzem
Schlaf abgelöst. In den Morgenstunden des 13.5.44 kam schwerer Seegang mit Nordwind auf, sodaß die Ruderer Mühe hatten das Boot gegen die Wellen zu halten, um das Kentern zu verhindern.
Der aufkommende Tag stellte uns vor die erschütternde Tatsache, daß unsere Mühe des Vortages um ein Großteil dadurch zunichtegeworden war, da wir wieder ziemlich dicht an die Krim herangetrieben
waren und das Jailagebirge mit dem Berg Karadak vor uns auftauchen sahen. Während des Vormittages ließ der Wind nach und günstige Meeresströmung und Seegang unterstützen unsere eifrige Ruderarbeit
so sehr, daß das Land bald wieder entschwand und unser kleines Schiff, dauernd leckend in den mächtigen Wogen der Grundseen weit draußen im freien Meer in südwestlicher Richtung weiter schaukelte.
Mehrmals begegneten uns auch am 13.5. russische Bomber und Jäger. Die Methode des sich rechtzeitig Todstellens bewährt sich immer wieder erneut. Gegen Mittag aßen wir das erste Stück Brot, das kaum
hinunterzuschlucken war, nachdem jegliche Flüssigkeit fehlte.
Gegen 17 Uhr des gleichen Tages entdeckte uns eine Kette deutscher Zerstörerflugzeuge, die von uns aus zunächst nicht sofort erkannt worden waren, zumal sie sehr tief über dem Meer dahinzogen und
im ersten Schrecken für Russen gegalten wurden. Unter erhebliche, Winken und Rufen kreiste die Kette mehrmals um unser Schiff. Die Besatzungen gaben durch Winken zu verstehen, daß sie unsere
umgekehrt hoch gehaltenen Feldflaschen sehr wohl erkannt hatten und zogen dann zum Zeichen, daß sie unseren Seeort nun festgestellt hatten, mit den Tragflächen schaukelnd wieder nach Westen ab.
Unbändiger Lebensmut beseelte alle. Mit erneuter Energie griff alles freudig in die Ruder. Mit Messern höhlten wir große Kerben in die Bordwand, um die Führung der ungefügen Ruder zu erleichtern, die
wir der Sicherheit halber mit Stricken festbanden, um sie im hohen Seegang nicht zu verlieren. Erneut aufkommender Nordwind während der Nacht, sowie eine ungünstige Meeresströmung machten für lange
Zeit unsere Ruderarbeit erneut zunichte.
14.5.1944 Bericht über den Verbleib des Div.Stabes 336.I.D. von Hptm.Helmut Bischoff, O1 336.I.D.:
Seit den frühen Morgenstunden des aufkommenden 14.5. wartete alles, gespannt nach Westen blickend, und sich stets im unermüdlichen Rudern abwechselnd der langersehnten Rettung. Erst gegen 7,20 Uhr
bei aufkommendem Seenebel beobachteten wir eine Kette deutscher Zerstörer erkenntlich am hohen Pfeifton der Motoren in Begleitung eines Dornier-Seeflugzeuges, wie sie im weiten Bogen das Meer
absuchten. Trotz unseres Winkens, wobei wir ein Hemd an ein Ruder gebunden hatten und uns gegenseitig haltend, flogen sie an uns vorbei und erkannten uns nicht. Wir sahen sie noch öfters in allen
möglichen Richtungen auftauchen und mußten erleben, daß sie nach Westen unverrichteter Dinge nach wahrhaft mühevollem Suchen wieder abzogen. Große Niedergschlagenheit ergriff die meisten Gemüter,
wobei Oberarzt Dr.Brückner und ich alle Mühe aufwendeten neue Hoffnung zu machen. Das Unerwartete trat ein! Neues Motorengebrumm aus dem Westen, die "Seekuh" flog im Tiefflug aus dem Nebel stoßend
auf uns zu und nachdem die Zerstörerflugzeuge abgezogen waren und landete trotz des Seegangs in nächster Nähe unseres Bootes. Acht wackere Pilotenfäuste zerrten uns aus unserem brüchigen Boot und
brachten uns zum rettenden Festland Rumänien.
Geruderte Fahrtstrecke 60km (laut Aussage des Flugzeugführers)
 
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