134.Infanteriedivision
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Kriegstagebuch Juni 1944
14.6.1944
KTB 9.Armee.
Der feindliche Aufmarsch vor der Front der 9.Armee hält im bisherigen Umfang an. Nach den letzten Feststellungen dürften jetzt 8 Schützendivisionen und 3 Panzerbrigaden zugeführt
worden sein. Erneut wird das Einfließen frischer Kräfte vor der Front des XXXXI.Pz.K. durch die eigene Erd- und Luftbeobachtung festgestellt. Alle 3 Divisionen des XXXXI.Pz.K.
und die Divisionen an der Südfront des XXXV.A.K. (45. und 383.I.D.) melden Motorgeräusche nachts und auch am Tage; stellenweise, so vor allem südwestl. der Beresina, wird Lkw.-
und Bespannverkehr beobachtet. Die feindliche Luftwaffe beschränkt sich auf Störtätigkeit über dem Raum des XXXXI.Pz.K. in der Nacht und auf Jagdsperre vor der Front des XXXV.A.K.
am Tage. Das Artillerie- und Granatwerfer-Feuer auf die inneren. Flügel der 35. und 36.I.D. hält an. Sonst finden auch am heutigen Tage keine besonderen Kampfhandlungen statt.
Im ganzen gesehen, ist eine noch weitere Verdichtung des feindlichen Angriffsschwerpunktes südlich der Beresina feststellbar. Dies wird sich dahin auswirken müssen, daß die
Reservenbildung beim XXXV.A.K. zugunsten des XXXXI.Pz.K. aufgelockert werden wird, jedoch sollen die Entscheidungen darüber erst morgen nach Rückkehr des Armeechefs von der
Besprechung beim OKH gefällt werden, wenn sich läßt, ob der 9.Armee nicht vielleicht doch noch andere frische Kräfte zugeführt werden (OB - Kom.Gen.XXXV.A.K., 20.00 Uhr).
Zunächst beschränkt sich die Heeresgruppe auf die Mitteilung, daß mit der Zuführung von Heeresartillerie, die so erwünscht ist, nicht gerechnet werden könne
(Ia H, Gr.-Ia, 19.00 Uhr). Dagegen kann die 18.Flak-Division, die auf Zusammenarbeit mit der 3.Panzerarmee und der 4. und 9.Armee angewiesen ist die Zuführung zweier leichter und
einer gemischten Flakbatterie zusagen und der Kdr. der 4.Fliegerdivision kündigt die Verlegung von 2 Gruppen Jägern in den Raum der 9.Armee an.
Der Kdr. der Division "Feldherrnhalle", die als OKH-Reserve zum -Einsatz bei der 9. und 4.Armee bereitgehalten wird, besucht heute zusammen mit seinem Art.Kdr., Pz.Jg.Kdr. und Ic
das AOK und das XXXV.A.K., um die Einsatzmöglichkeiten seiner Division zu prüfen und zu besprechen.
Ablösungen, Bewegungen und Reserven-Bildung nehmen mit geringen Abweichungen von der vorgesehenen Planung ihren vorgesehenen Verlauf (s.Tagesmeldung, Anl. II und Anl. IV 1 bis 4):
beim LV.A.K. soll das G.R.232 baldmöglichst herausgelöst werden, beim XXXXI.Pz.K. sind das G.R.427 der 35.I.D. und das G.R.109, bisher Korpsreserve, der 36.I.D. als Divisionsreserve
unterstellt worden; beim XXXV.A.K. verbleibt das G.R.430 vorläufig als Armeereserve, das G.R.130 hinter der 296. und 134.I.D. als Armeereserve, das G.R.133 hinter der 383.I.D.;
jedoch wird erwogen, das G.R.430 dem XXXXI.Pz.K. wieder zuzuführen.
15.6.1944
KTB 9.Armee.
Das Feindbild bestätigt sich weiter. Der Verkehr auf den Strecken im Raum Gomel - Kalinkowitschl - Schazilki hat weiter zugenommen. Es mehren sich in Frontnähe die Anzeichen sehr
weit fortgeschrittener feindlicher Angriffsbereitschaft. Der Aufmarsch weiterer starker Kräfte vor der Armeefront hält an, die Zuführung und Ausladung von rund 100 Panzern ist mit
Sicherheit erkannt, Motorgeräusche werden zu verschiedenen Zeiten, vor allem während der Nacht, vor der 129,, 35., 36., 134. and 383 I.D. festgestellt. Vor den inneren Flügeln der
35. and 36.I.D. ist eine artilleristische Verstärkung des Gegners im Umfang von 18 Batterien aufgeklärt worden. Verstärktes Feuer legt der Gegner am heutigen Tage anf die Front der
129. und 36.I.D. Seine Fliegertätigkeit über dem XXXXI.Pz.K. nachts und über der 383.I.D. am Tage ist lebhaft, verursacht aber keinen Schaden. Der Feind schanzt sich weiterhin an
die HKL der 35.I.D. heran. Das Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K, hält die Angriffsvorbereitungen des Feindes für abgeschlossen und bemißt den Angriffsschwerpunkt auf das Gebiet von Wjunischtsche
(d.i. nach Verengung der Divisionen des XXXXI.Pz.K. 3 km südostw. der Grenze 129. zu 35.I.D. bis Sduditschi, also bis an die Beresina heran (Chef XXXXI. - Ia 9, 19.15 Uhr).
Im Zusammenhang mit den feindlichen Angriffsvorbereitungen steht erhöhte Aktivität der Banden: vor allem häufen sich die Minenanschläge gegen die Bahnen. Außerhalb des Armeebereichs
hat eine Bandengruppe nach sicherer Quelle den Befehl erhalten, mit allen Kräften Massenzerstörungen von Schienen durchzuführen und mit diesen Anschlägen in der Nacht zum 20. Juni
zu beginnen (s.KTB vom 12.6., Anl. VII 0). Zweifellos haben auch die Banden im Gebiet der 9.Armee diesen Befehl erhalten. Mit zunehmender Aktivität ist daher zu rechnen
(s.Anl.VII 1).
In der Frage der Kräftezuführung zur 9.Armee und der Kräfteverschiebungen innerhalb der Armee sind heute wichtige Entscheidungen gefallen. Die Heeresgruppe kündigt die Verlegung der
20.Pz.Div. in das Armeegebiet als Heeresgruppen-Reserve an, bezeichnet den Wunsch nach Artillerie aber weiterhin als unerfüllbar und sagt dafür zu, eine Zuführung von Sturmgeschützen
zu erwägen (Ia H.Gr. - Ia 9, 23,20 Uhr). Der Wunsch nach Artillerie ist vor allem vom Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K. nochmals vorgetragen worden, da es sich artilleristisch nicht stark genug
fühlt und vor seinem schmaleren Abschnitt mehr feindliche Artillerie in Stellung weiß als das XXXV.A.K. (Chef XXXXI. - Ia 9, 19,15 Uhr). Innerhalb der Armee werden daraufhin
außer dem G.R.430 die Armee-Pz.Jg.Abt.743 (ohne 1 Kp.), die II./A.R.63 und nun auch die II./A.R.129 aus dem Bereich des XXXV.A.K. zum XXXXI.Pz.K. verlegt werden (s.Anl.VII 2 und X).
Aus dieser Maßnahme erhellt, daß das AOK den feindlichen Angriffsschwerpunkt weiter südwestlich erwartet als bisher, obwohl man sich an der ganzen Front immer noch nicht abschließend
darüber hat klar werden können, wo der feindliche Hauptschwerpunkt liegen wird.
Heute hat das LV.A.K. mit der 292.I.D, vom Abschnitt der 129.I.D. (XXXXI.Pz.K.) die Front bis südwestl. Ssawin Bog (Tremlja= Knick) übernommen; die Trennungslinien zwischen 129. und
35., zwischen 35. und 36.I.D. sind weiter nach Nordosten gerückt und damit alle drei Divisionsabschnitte des XXXXI.Pz.K. gegenüber dem feindlichen Angriffsschwerpunkt schmaler
geworden. Der Div.Gef.Stand der 707.I.D. ist nach Stupehi, 15 km südostw. Bobruisk, verlegt worden, die Div. selbst soll morgen im Winkel Rollbahn Bobruisk - Rogatschew, Bahn Bobruisk
 - Brosha, also beiderseits der Beresina, versammelt werden (s.Anl. II, Tagesmeldung).
Das AOK gibt in Ergänzung seiner Abwehrvorbereitungen weitere Anweisungen über die einzuhaltende Munitionstaktik. Für Störungsfeuer auf Infanterie- und Artillerie-Aufmarschräume wird
etwa ein Viertel der Erstausstattung freigegeben. Bei feindlichem Trommelfeuer soll auf Bereitstellungsräume und vorgetriebene Annäherungsgräben ebenfalls etwa ein Viertel einer
Erstausstattung verschossen werden können. Zur Abwehr der Feindangriffe selbst muß darüber hinaus für die ersten 24 Stunden eine volle Erstausstattung vorhanden sein (s.Anl.IV).
16.6.1944
KTB 9.Armee.
In zunehmendem Tempo und Umfang schreiten die feindlichen Angriffsvorbereitungen fort. Das Einfließen von Panzerkräften ist gegenüber der 36.I.D. und der Südfront des XXXV.A.K. zu
erkennen. Motor- und Kettengeräusche werden vor der 35. und 36.I.D., der Südfront und dem linken Flügel des XXXV.A.K. gehört. Auch artilleristisch trifft der Gegner Vorbereitungen
für eine Großoffensive: vor der 35.I.D. sind seit dem 14.6. 32 neue Battr. aufgeklärt worden, die HKL dieser Div. lag in der vergangenen Nacht unter heftigem Beschuß, erstmalig auch
mit Kaliber 15 cm. Nachrichten aus sicherer Quelle besagen, daß der Russe Ausbildung an der Gasmaske betreibt und von Geschossen spricht, die nicht berührt werden dürfen. Es ist
also vielleicht sogar mit dem Einsatz von Gas, mindestens von neuartigen Geschossen zu rechnen (s.Anl. IV 4). Auffallend ist in diesem Zusammenhang, daß die 134.I.D. keinerlei
feindliche Artillerie-Massierung oder deren Einschießen meldet.
Eine zusammenfassende Beurteilung der augenblicklichen Lage enthält der heutige Antrag des Oberbefehlshabers an die Heeresgruppe, mit dem die Zuführung von Verstärkungen für die
Armee noch vor Beginn der feindlichen Offensive nochmals dringend erbeten wird. Der OB begründet seinen Antrag damit, daß "der seit dem 3. Juni erkannte, seit dem 10. Juni in
gesteigertem Umfang und Tempo vollzogene Aufmarsch starker Feindkräfte nach bisherigen Unterlagen den Zulauf von mindestens 10 Schützendivisionen und einem Panzerkorps gebracht
hat". Dieser Zulauf hält unvermindert an. Da nach bisherigen Berechnungsunterlagen der Feind bei gleichbleibendem Verkehr täglich 2 weitere Schützendivisionen und 1 Panzerbrigade
oder entsprechende Artillerie-Verbände heranbringen kann, ist der Umfang des Gesamtaufmarsches noch nicht abzusehen. Er richtet sich in steigendem Maße gegen die Front des
XXXXI.Pz.K., also gegen die Armeefront südwestlich der Beresina. Das AOK hat deshalb seinerseits die beabsichtigte Herauslösung der 129.I.D. (vergl. KTB vom 3.6.1944) angehalten und
die dem XXXV.A.K. bereits zur Verfügung gestellten Teile dieser Division dem XXXXI.Ps.K. wieder zugeführt bezw. ihre Zuführung befohlen. Damit ist der Brennpunkt bei Rogatschew
geschwächt, jedoch eine der operativen Bedeutung des Feindschwerpunktes vor dem XXXXI.Pz.K. entsprechende Reservenbildung hinter der Front dieses Korps keineswegs erreicht worden.
Über die Verlegung der 20.Pz.Div.(s.Anl. V 2) und der 707.I.D. in den Armeebereich hinaus wird daher beantragt: die Zuführung je zweier Abteilungen le.F.H. und s.F.H., einer
Abteilung Mörser, eines Werfer-Regiments, einer Sturmgesch.Brigade und einer Tigerabteilung - diese vor allem für die panzergefährdete Nordfront des XXXXI.Pz.K. Außerdem wird
gebeten, 2 voll kampfkräftige Divisionen zur vorübergehenden Stärkung der 9.Armee bereitzuhalten, falls die im Raume Gomel - Kalinkowitschi - Rogatschew anzunehmenden Feindkräfte
ganz und einheitlich zum Ansatz gegen die 9.Armee kommen. Der OB geht dabei von der Überzeugung aus, daß sich die operative Bedeutung der 9.Armee innerhalb der Armeen der
Heeresgruppe Mitte auf Grund des wesentlich veränderten Feindbildes verschoben hat (s.Anl. V 1).
Bisher hat die Heeresgruppe außer der 20.Pz.Div. (s.Anl.V 2) die Zuführung einer einzigen lei.Art.Abteilung (RSO) von der 2.Armee (Ia H.Gr. - Ia 9, 12,35 Uhr) zugesagt und die
Verschiebung der Division "Feldherrnhalle" in den Bereich der Armee in Aussicht gestellt (s.Anl. X, 19.00 Uhr). Die 20.Pz.Div. wird vom 18. Juni an eintreffen (s.Anl. X, 17.30 Uhr).
Die erforderlichen Ablösungen und Bewegungen zur Reservebildung innerhalb des Armeebereichs schreiten fort. Ausdrücklich wird dazu befohlen, daß alle Bewegungen nur bei Dunkelheit
und unter weitgehender Zerlegung durchzuführen sind. Sie sollen am 18.6. abgeschlossen sein (s.Anl.IV 2). Das bisher unmittelbar beim A.H.Qu. untergebrachte Pz.Zerstör-Btl. wird
mit dem Auftrag, Einsatzmöglichkeiten zur Abriegelung feindlicher Panzereinbrüche im Abschnitt der 35., 36., 45., 383.I.D. und der Südfront der 6.I.D. zu erkunden, am morgigen Tage
nach Raduscha verlegt werden (s.Anl.IV 1). Dem Stabe der 707.I.D. wird befohlen, im Einvernehmen mit dem Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. und XXXV.A.K. Einsatzmöglichkeiten zum Abriegeln
feindlicher Einbrüche in den Abschnitten dieser Korps zu erkunden; der Div.Stab mit einem G.R., der Nachr.Abt. und der Pz.Jg.Kp. sollen am 17. und 18. Juni in den Raum um Ugly
- Stassewka (20 km südl. Bobruisk), das andere G.R. in den Raum Shilitschi (33 km ostw. Bobruisk) verlegt werden. Die Art.Abt. der Division wird dem Gen.Kdo. XXXV.A.K. unterstellt
(s.Anl. IV 3). Zur Sicherung der Bahnstrecke Bobruisk -Staruschki und gegebenenfalls als weitere Reserve hinter der Front des XXXXI.Pz.K. soll das Sicherungs-Regt.183 des Korück
vollständig an dieser Bahn entlang eingesetzt werden (s.Anl. X, 19.00 Uhr).
Um auf die s.Qu.-Nachricht hin, daß der Feind sich mit Gasabwehr beschäftigt, auf alle Fälle gewappnet zu sein, befiehlt der OB, vorausschauend Abwehrmaßnahmen gegen etwaige
Gasangriffe zu treffen, wobei er die seelische Abwehrbereitschaft der Truppe besonders betont (s.Anl. IV 4).
17.6.1944
KTB 9.Armee.
Das AOK gibt heute eine zusammenfassende Darstellung des bisherigen Feindaufmarsches, eine Beurteilung seines Umfangs und seiner wahrscheinlichen Absichten. Der Aufmarsch umfaßt
nahezu die gesamte 9.Armee und liegt im Rahmen der von Kalinkowitschi bis Polozk sich abzeichnenden Angriffsplanung. Der Hauptstoß ist immer eindeutiger zwischen Wjunischtsche
und der Beresina, möglicherweise auch zwischen Tremlja und Beresina, also noch breiter, anzunehmen. Er wird von Stößen zwischen Ola und Dnjepr sowie zwischen Rogatschew und
Oserane begleitet sein. Die Vorbereitungen für diese Angriffsrichtungen sind aus dem Artillerie-Aufmarsch (vor dem XXXXI.Pz.K. 100 neue Bttr., im Drut-Brückenkopf 11 neue Bttrn.
in den letzten Tagen), aus dem Einschießen der Artillerie und dem lebhaften Art.Störungsfeuer, aus den aus der Luft und auf der Erde beobachteten Bewegungen von Panzern, aus dem
Verkehr von Lkw., dem Heranschanzen des Gegners, sowie dem unruhigeren Feindverhalten überhaupt klar erkennbar geworden. Hierzu kommt heute der erste Versuch örtlicher
Verbesserung der feindlichen Ausgangsstellung: der Feind drückt die eigenen Gefechtsvorposten ostwärts der Insel Choljun (45.I.D.) auf die Insel zurück und vereitelt den
Gegenstoß durch überlegenes Infanterie-Feuer (s.Anl.II,Tagesmeldung). Bei Papprotnoje (6.I.D.) hat sich der Gegner heute zum ersten Mal eine halbe Stunde lang eingenebelt.
Nach Gefangenenaussagen soll der Angriff mit Unterstützung englischer und amerikanischer Flieger in den nächsten Tagen beginnen. Das AOK rechnet mit Angriffsbereitschaft von
20.Juni an und mit dem Einsatz starker Luftstreitkräfte und neuartiger Waffen. Mit gleichzeitig einsetzenden Bandenaktionen, die die schlagartige Lahmlegung und laufende Störung
aller Verkehrsverbindungen bezwecken, muß ebenfalls gerechnet werden, (s.im allgemeinen Anl. VII 1).
Einen Beweis für die Bereitstellung neuartiger Waffen sieht das AOK darin, daß von der 134.I.D. bis gestern keine Massierung und kein Einschießen von Artillerie gemeldet wurde.
Erstmalig heute hat sich der feindliche Beschuß auch im Abschnitt dieser Division verstärkt. Der OB befiehlt jedenfalls, den Raum vor der 134.I.D. sorgfältig zu fotografieren,
Artilleriefeuerschläge zu schießen und die Div. auf die besondere Gefahr aufmerksam zu machen: durch vermehrtes Auseinanderziehen, durch Panzerdeckungslöcher und Verstärkung
der Deckungen soll sich die Truppe der möglichen Gefahr eines Angriffs von Raketenwaffen entziehen, deren Kaliber in einer Größe bis zu 36 cm vermutet wird (OB - Chef 9, 19.35 Uhr).
Um das XXXXI.Pz.K. weiterhin so weit wie nur irgend möglich mit armeeeigenen Verbänden artilleristisch zu verstärken, befiehlt das AOK heute die Verlegung einer le.Art.Abt. vom
LV.A.K. zum XXXXI.Pz;K. (s.Anl.VII 2). Zur pioniertechnischen Verstärkung der Front wird bei der Heeresgruppe die beschleunigte Zuweisung von weiteren 30 000 T-Minen beantragt
(s.Anl. V 3).
Die Sorge um die Sicherheit im rückwärtigen Armeegobiet läßt sich das AOK nach wie vor besonders angelegen sein. So wird neuerdings befohlen, in den belegten Ortschaften
wöchentlich mindestens einmal eine Alarmübung durchzuführen und die Wegnahme von Vieh durch die Banden durch schärfste Bewachung auf jeden Fall zu verhindern (s.Anl. IV 1).
Ferner wird auf Grund mehrerer Vorfälle die Munitionsausstattung der landeseigenen Verbände und des russischen Ordnungsdienstes begrenzt (s.Anl. IV 2).
Das letzte große Unternehmen ("Pfingstrose") gegen Banden im Raume zwischen den Orten Marina Gorka, Ossipowitschi, Staryje Dorogi, Schazk und Ssluzk hat leider doch nicht den
erhofften Erfolg gehabt: die Einbußen der Banden entsprachen nicht dem Einsatz eigener Kräfte (abschließende Erfolgsmeldung s.Anl. II). Das Unternehmen hatte am 2. Juni unter
besondere günstigen Vorzeichen und für die Banditen völlig überraschend begonnen, es war auch mit größter Sorgfalt bezüglich der Geheimhaltung und mit verhältnismäßig starken
Kräften durchgeführt worden. Durch das Gelände begünstigt, glückte es der Mehrzahl der Banditen trotzdem wieder, sich durch ihre Aufsplitterungstaktik dem entscheidenden Zugriff
und damit der Vernichtung zu entziehen.
18.6.1944
KTB 9.Armee.
Ein abschließendes Bild vom Stande der feindlichen Aufmarschbewegungen läßt sich durch die heutige Luftaufklärung noch nicht gewinnen. Jedoch ist die feindliche
Angriffsbereitschaft erheblich weit fortgeschritten. Dafür liegen viele Anzeichen vor: vor der Front der 35. und 36.I.D., also im vermutlichen feindlichen
Hauptangriffsschwerpunkt, sind mehrfach frontwärtige Bewegungen und weiteres Vorschanzen zu beobachten. Die Feindstellungen ostwärts Wjunischtsche, am linken Flügel der 129.I.D.,
und bei Wossohod (383.I.D.) sind stark besetzt. Geräusche von Motoren und Kettenfahrzeugen vor der 35.I.D. halten die ganze Nacht über bis morgens 6.00 Uhr an, am Tage werden
Motorengeräusche bei Derbin,im Mittelabschnitt der 129.I.D., gehört. Auch aus den Räumen ostw. Shlobin, ostw. Rogatschew und ostw. des Drutbrückenkopfes ist starker Lärm von
Motorfahrzeugen, zum Teil von Kettenfahrzeugen vernehmbar. Die feindliche Artillerietätigkeit lebt nun auch beim LV.A.K., bei Iwaschkowitschi und Kopatkewitschi (292.I.D.) sowie
bei der 296. und 134.I.D. (XXXV.A.K, ) auf. Auf den Abschnitt der 134.I.D. schießt der Gegner mit Phosphorgranaten. Bei der 45.I.D., an der Südfront des XXXV.A.K., hält das
starke feindliche Feuer an; hier wiederholt der Feind in den frühen Morgenstunden seine örtlichen Angriffe gegen die Gefechtsvorposten, die er diesmal westlich der Insel
Choijun zweimal in Kp.Stärke, allerdings Vergeblich, angreift. Das AOK drängt darauf, daß die Gefechtsvorposten ostwärts der Insel ihre verlorene Stellung zurückgewinnen.
Es kann nicht zugelassen werden, daß der Feind Verbesserungen seiner Ausgangsstellungen vornimmt (Chef 9 - Ia XXXV., 11.20 Uhr). Außerdem befiehlt der OB mit Nachdruck, daß die
feindlichen Artilleriestellungen, soweit sie erkannt sind, bekämpft und von beiden Korps (XXXX . und XXXV.A.K.) hierfür mindestens je 3000 Schuß am Tage verfeuert werden
(Ia 9 - Harko, 19.00 Uhr). Der OB wird bei seinem morgigen Besuch beim Feldmarschall Gelegenheit nehmen, eine Sonderzuweisung von Munition für diesen Kampfauftrag zu beantragen.
Ob und in welchem Umfange der Feind gegenüber der 134.I.D. oder auch an anderen Stellen Raketengeschütze bereitgestellt hat, ist mit Sicherheit noch nicht aufgeklärt worden.
Jedenfalls vereinbart der Ia mit der Luftflotte, daß dem AOK täglich, möglichst für mehrere Tage im voraus, die vermutlichen Windrichtungen und Windstärken übermittelt werden,
damit sich die Wirksamkeit etwaiger Gas- oder Nebelangriffe vorausschauend abschätzen läßt (Ia 9 - Chef-Meteorologe der Luftflotte 6, 16.30 Uhr).
Aus sicheren Quellen verlautet, daß Marschall Shukow gegenüber der 134.I.D. den russischen Graben besuchte und an Stelle des bisherigen OB der drei weißrussischen Fronten,
Rokossowisky, der angeblich erkrankt ist. den Oberbefehl über diese Fronten übernommen haben soll (Ic).
Sicherung und Reservenbildung an der nördlichen Armeenaht (Trennungslinie zur 4.Armee) sind unbefriedigend (Chef-Ia XXXV, 11,20 Uhr); das dortige Waldgelände reicht gefährlich
tief hinter die Front der 134.I.D.: überdies liegt in der Gegend der Trennungslinie häufig bis etwa 5.00 Uhr morgens Bodennebel (OB - Kom.Gen.XXXV., 19.40 Uhr). Die Anschluß-Div.
der 4.Armee, die 57.I.D., hat 3 Btle. herausziehen müssen und kann nur zwei Kpn. als Nahtsicherung bei Rekta bereitstellen (Chef 9 - Chef 4, 11,25 Uhr). Auf Antrag der 9.Armee
erklärt sich die H.Gr.Mitte daher damit einverstanden, daß das G.R.727 der 707.I.D., das als Heeresgruppenreserve hinter der Ostfront des XXXV.A.K. steht, weiter nach Norden in
die Gegend Ossownik - Kruschinowka=See verlegt wird (Ia 9 - Ia H.Gr., 16,45 Uhr und Anl.IV 1). Auf Befehl der H.Gr. ist ein Sich.Rgt. mit 3 Btl. vorsorglich auf seinen möglichen
Einsatz in der Front vorzubereiten.(FS. der H.Gr. vom 15.6., 23.50 Uhr). Das AOK hat das Sich.Rgt.183 des Korück vorgesehen und plant seine Versammlung in Gegend Ptitsch=Brücke
der Eisenbahn Bobruisk - Staruschki mit der Absicht, mit diesem Rgt. und dem G.R.232, das als Armeereserve beim LV.A.K. steht, später vielleicht einmal die ganze 292.I.D.
herauszulösen, vorausgesetzt, daß der Feind seinen Angriff nicht auch auf dieses Korps erstreckt (s.Anl. V 1 und Anl. X, 19,15 Uhr). - In der Stärkung der Schwerpunktkorps und
in der Reservenbildung sind weitere Fortschritte und Veränderungen zu verzeichnen: das Gen.Kdo.XXXV.A.K. wird noch das gesamte G.R.519 aus der Front ziehen; bisher stehen erst
2 Kpn. in Reserve hinter der Mitte 296.I.D. (OB - Kom.Gen.XXXV.A.X.,. 19.40 Uhr). Das G.R.130, bisher Armeereserve hinter der 296. und 134.I.D., wird dem Gen.Kdo.XXXV.A.K. als
Korpsreserve überlassen (s.Anl. X, 19.15 Uhr). Die Art.Abt. der 707.I.D. (I./A.R.657) hat das AOK der 296.I.D. unterstellt (s.Tagesmeldung, Anl. II). Diese Division selbst
verlegt ihren Gefechtsstand nach Korolewskaja Ssloboda 1 (25 km südl. Bobruisk, auf dem Westufer der Beresina), um der 20.Pz.Div. Platz zu machen, deren Gefechtsstand nach Stupeni
(12 km südostw. Bobruisk) kommt, indessen die 20.Pz.Div. selbst im Raum und den Orten Titowka, Stupeni, Malinowka, Mal.Bortnik, Sabolje, Chomitschi, Kotritschi, Dubrowa, Ostufer
der Beresina, also beiderseits der Rollbahn Bobruisk - Mogilew und um den Korps-Gef.Stand XXXV.A.K. herum versammelt wird (s.Tagesmeldung Anl.II). Die ersten vier Züge dieser Div.
sind eingetroffen (s.Tagesmeldung, Anl.II).
Um das XXXXI.Pz.K., vor dessen Front bis heute 115 neue Feind-Bttrn. aufgeklärt worden sind (s.Anl.X, 19,15 Uhr) weiterhin mit armeeeigenen Kräften artilleristisch zu verstärken,
werden ihm heute auch noch die II./A.R.129 und die 3./A.R.817 (Langrohr-Bttr.) zugeführt (s.Anl. VII 1, 2).
Damit hat das AOK auf Kosten des LV. und XXXV.A.K. alles zur artilleristischen Vorbereitung des XXXXI.Pz.K. auf die feindliche Offensive getan, was es in der augenblicklichen
Lage tun und verantworten kann. Der OB wird bei seinem morgen Besuch beim Feldmarschall auch die Frage weiterer Zuführung von Artillerie zum wiederholten Male anschneiden.
Jedoch darf nicht damit gerechnet werden, daß die H.Gr. noch Kräfte zur Verfügung stellen kann, da der Feind Verstärkung auch vor der 2.Armee zuführt und diese Armee mit
zunehmender Abtrocknung der Pripjet-Sümpfe ihre Front verdichten muß. Auch bei der 4.Armee, vor allem an der Autobahn Smolensk - Borissoff und bei der 3.Pz.Armee zeichnen sich
feindliche Angriffsschwerpunkte ab (OB - Chef, 11.00 Uhr).
19.6.1944
KTB 9.Armee.
Die Anwesenheit Marschall Shukows als Oberbefehlshaber der Feindfront gegenüber dem Abschnitt der H.Gr.Mitte wird durch die Aussage eines gefangenen russischen Fliegers bestätigt.
In diesem Zusammenhang erinnert man sich an eine etwa 14 Tage zurückliegende Meldung des Londoner Rundfunks, wonach die russische Sommeroffensive dieses Jahres eine Überraschung
bezüglich ihrer Zielrichtung bringen werde. Die alte Zielrichtung Südwest (Lemberg, Balkan) scheint zugunsten der Zielrichtung Nordwest, dh. zugunsten der Rückeroberung
Weißrußlands vorläufig aufgegeben worden zu sein. Wie Gefangene immer wieder aussagen, betont der politische Unterricht für die Rotarmisten die Befreiung der noch besetzten Teile
und die Erreichung der alten Grenzen der Sowjetunion als erstes Ziel. Die neue Zielrichtung entspricht auch der bolschewistischen Kriegsführung, die mit Offensiven in
bandenverseuchte und aufständische Gebiete gute Erfahrungen, gemacht hat. Wie eng die Aufträge an die Banden mit der neuen Offensive gekoppelt werden, läßt sich schon aus dem
Befehl entnehmen, Massenanschläge gegen die Eisenbahnen durchzuführen (vgl.KTB vom 15.6.44). Nach s.Qu. hat der Zentralstab der Bandenbewegung am 18.Juni folgenden Befehl gegeben:
"In den nächsten Tagen beginnen die Kampfhandlungen der amerikanischen Luftstreitkräfte auf die Luftstreitkräfte des Gegners -im vorläufig noch unbesetzten Gebiet." Es wird den
Banden befohlen, notgelandeten amerikanischen Fliegern jede Hilfe zuteil werden zu lassen und sie in sowjetisches Gebiet abzuschicken (s.Anl.VII 3).
Der Schwerpunkt der feindlichen Offensive dürfte sich also zweifellos bei der Heeresgruppe Mitte befinden. Der Eisenbahnaufmarsch des Gegners hält im bisherigen Umfang an und
läuft in die bisherigen Schwerpunkte s. der Beresina und n. Rogatschew aus. Die Bewegungen und Motorgeräusche vor der gesamten Front des XXXXI.Pz.K., vor der 45.I.D., o. Shlobin
und zwischen Rogatschew und Blisnezy halten an; vor der 383.I.D. (Südfront des XXXV.A.K.) lebt der Verkehr ebenfalls wieder auf. Der feindliche Artilleriebeschuß auf die
Abschnitte der 35. und 134.I.D. hat sich verstärkt. Zahlreiche Salvengeschützstellungen im Schwerpunkt vor dem XXXXI.Pz.K. sind aus der Luft aufgeklärt worden. Mit Großeinsatz
von Nebel muß gerechnet werden. Gesteigerte Bekämpfung der feindlichen Artillerieräume wird ausdrücklich befohlen, den Gen.Kdos.XXXXI. Pz.K. und XXXV.A.K. werden für die nächsten
24 Stunden weitere je 2000 Schuß le.F.H. hierfür zugewiesen (s.Anl.VII 1 und 2). Der Feldmarschall sagt für den morgigen Tag eine einmalige ganz besondere Zuteilung von 18 000
Schuß le.F.H. zu (F.M. - OB, 19.05 Uhr).
Auf dem linken Flügel der 129.I.D. (XXXXI.Pz.K.) hat der Feind heute mit neuartiger MG-Munition geschossen. Das Geschoß knallt stärker als übliche Munition, entwickelt bei seinem
Aufschlag eine Detonation, die etwa ein Viertel so stark wie die Detonation einer Handgranate ist, und eine bläuliche Flamme in der Größe eines Medizinballs hat. Diese Munition
ist bisher nur sei Dunkelheit angewandt worden, ihre Splitterwirkung ließ sich nicht feststellen (s.Anl.II, Tagesmeldung).
Für das XXXXI.Pz.K. fordert der OB von der Heeresgruppe mindestens noch je eine Abteilung Ie.F.H., s.F.H. und Mörser (OB - Harko, 10.35 Uhr). Die H.Gr. teilt jedoch gegen Abend
mit, daß über Zuführung von
Artillerie noch keine neue Entscheidung gefallen sei; die Forderung des AOK nach Panzerzügen für die Strecke Bobruisk - Staruschki dagegen solle erwogen und eine
Sturmgeschütz-Brigade der 4.Armee werde so bereitgestellt werden, daß sie auch bei der 9.Armee Kampfaufträge übernehmen könne (Ia H.Gr./Ia, 18.00 Uhr). Alle Forderungen der Armee
nach infanteristischer Verstärkung werden jedoch von der Heeresgruppe mit dem Satz abgelehnt: "Wir können nicht unsere einzigen zwei Divisionen hinter der 9.Armee aufstellen"
(Ia H.Gr. - Chef 9, 9.00 Uhr).
Auf die Nachricht aus s.Qu. hin, daß sich der Gegner mit Gasabwehr befasse, hatte das AOK angefragt, ob man deutscherseits nicht daran denken müsse, die für den Fall der Eröffnung
des Gaskriegs vor kurzem ausgegebenen Stichworte nunmehr in Kraft zu sehen. Die H.Gr. teilt dazu mit, daß es sich bei den Stichworten nach wie vor um einen allgemeinen Hinweis
handele (Ia H.Gr./Ia, 18.30 Uhr).
Im Zuge der Reservenbildung im Abschnitt südlich der Beresina ist ein Btl. G.R.232 (LV.A.K.) durch Teile des Armeesturm-Rgts. nunmehr herausgelöst wordon (s.Anl. II, Tagesmeldung).
Das G.R.232 soll nach völligem Herauslösen als Armeereserve im Raum Leski - Gat - Kurin -Kowali (an der Trennungslinie 292./129.I.D.) mit dem Auftrag verlegt werden,
Einsatzmöglichkeiten im Abschnitt Kopatkewitschi - Korma (292. bis Mitte 35.I.D.) zu erkunden (s.Anl.IV 1). An den Korück ergeht der Befehl, das Sich.Rgt.183 bis zum 23.6. zur
Verfügung der Armee hinter der Eisenbahn Bobruisk - Staruschki in die Orte Salaweny, Poretschje und Bol.Demenka zu verlegen. Dies Regiment erhält den Befehl, sich auf die
Herauslösung eines Rgt. der 292.I.D., auf die Abriegelung etwaiger feindlicher Einbrüche im Abschnitt Kopatkewitschi - Korma (wie G.R.232) und auf den Schutz der Bahnstrecke
zwischen Nowosselki und Tschernyje Brody einzustellen. Das Rgt. hat ferner die Eisenbahnbrücke über den Ptitsch bei Bol.Demenka stark zu sichern (s.Anl.IV 2). —
Von der 20.Pz.Div. sind weitere 12 Züge eingetroffen.
Der Komm.Gen.des XXXV.A.K., Gen.d.Inf.Wiese, ist abberufen worden, um die 19.Armee in Südfrankreich als OB zu übernehmen (IIa -Chef, 18,45 Uhr). Mit dem Stolz über diese
Auszeichnung verbindet die 9.Armee leider die Gewißheit, daß das Ausscheiden dieses an den Erfolgen der 9.Armee maßgebend beteiligten Generals im Hinblick auf die bevorstehende
Feindoffensive ein schwerer Verlust für sie ist.
   
25.6.1944
KTB 9.Armee.
Während die 20.Pz.Div. in höchster Eile ihrem neuen Einsatzraum zustrebt, zerreißt die Front des XXXXI.Pz.K. unter dem pausenlosen Ansturm des Feindes, der nunmehr stärkste
Panzerkräfte -es sind mindestens 2 Panzerkorps anzunehmen - in den Kampf wirft. Einzelne Stützpunkte, die noch an der Bahn halten, werden nach kurzen, erbitterten Gefechten
zerschlagen oder Umgangen. Alle Hoffnung der Armee ruht nunmehr auf dem Angriff der 20.Pz.Div.
Endlich - es ist infolge erheblicher, durch starke Fliegerangriffe verursachter Marschverzögerungen früher Nachmittag geworden - tritt die Division nach kurzer Versammlung aus dem
Raum -westlich Paritschi zum Angriff mit dem Ziel Protassy an, um den Feind in die Flanke zu fallen und die durchgebrochenen Kräfte abzuschneiden, zum mindesten aber ihr weiteres
Vorgehen zu verzögern. Leider sind die Ausgangsstellungen -Brückenköpfe über einen panzerungangbaren Sumpftreifen- im Laufe des Vormittags verlorengegangen, sodass schon um die
Bereitstellungs= und Entwicklungsräume ein heftiger Kampf entbrennt, der bei geringen örtlichen Erfolgen nur langsam und wenig Boden . gewinnt. Ausholversuche stoßen auf Feind.
Dennoch besteht die Heeresgruppe nachdrücklich auf Fortsetzung des Angriffes, und auch das AOK kann sich unter den gegebenen Umständen der Richtigkeit dieser Forderung nicht
verschließen, da sonst ein völliger Zusammenbruch der Front des XXXXI.Pz.K. unvermeidlich wäre.
Leider lehnt die Heeresgruppe aus dem AOK unverständlichen Gründen eine Zurücknahme des linken Flügels des LV.A.K. ab, die das AOK jetzt für unbedingt notwendig hält, einerseits
um den Anschluß zu den zurückgeworfenen und bereits schwer angeschlagenen Teilen des XXXXI.Pz.K. aufrechtzuerhalten, andererseits um durch eine Zurücknahme der Pripjetfront neue
Kräfte zum Aufbau einer haftbaren neuen Front zu gewinnen (OB/FM, l5,50 Uhr).
Indessen dringen die feindlichen Angriffsspitzen pausenlos weiter nach Norden und Nordwesten vor. Die 129.I.D. wird in verlustreichen Kämpfen auf die Linie Kurin - Schkawa
Zurückgeworfen, die 35.I.D. mehrfach durchbrochen, ist mit namhaften Teilen eingeschlossen, und auch die 36.I.D. insbesondere an ihrem rechten Flügel scharf angegriffen, steht in
schwerstem Abwehrkampf.
Die Armee stemmt sich mit all ihrer Kraft gegen die Ausweitung des tiefen feindlichen Einbruches. Nachdem Versuche, das Vordringen des Gegners nach Nordwesten in möglichst weit
ostwärts gelegenen Linie (s.Anl.IV 1-2) abzufangen, im stürmischen Gang der Dinge von den Ereignissen überholt worden sind, noch ehe sie auch nur zu Teilen Tatsache werden konnte,
lauten die kurz nach Mitternacht gegebenen letzten Befehle des heutigen Tages dahin, daß das LV.A.K., dem die 129. und 35.I.D. unterstellt werden, den feindlichen Angriff in einer
möglichst ostwärts gelegenen Linie zwischen Kurin und Ratmirowitschi abfangen soll (s.Anl.IV 7). Die 36.I.D. erhält Befehl, sich auf eine Brückenkopfstellung um Paritschi
zurückzukämpfen (s.Anl.IV 3). Um den Feind, der in die jetzt schon etwa 40 km breite Durchbruchslücke unaufhaltsam weiter einströmt, in seinen beiden deutlich erkennbaren
Hauptstoßrichtungen aufzuhalten, wirft das AOK rasch zusammengeraffte Einheiten des Korück und der Teile der AWS an die Ptitsch=Übergänge südostw.Glusk (s.Anl.IV 4 und 9, ferner
Anl.VII 1-3) und gibt dem XXXV.A.K. auf, ein durch Artillerie, Sturmgeschütze und Pioniere verstärktes kampfkräftiges Batl. schnellstens in den Raum südwestl. Bobruisk zu stellen
(s.Anl.IV 5) -denn die Gefahr eines Feindstoßes auf Bobruisk und damit eines Abschneidens des gesamten XXXV. A.K. rückt nunmehr von Stunde zu Stunde mehr in bedrohliche Nähe.
Auch auf das XXXV. A.K. ist heute die Gewalt des feindlichen Großangriffes in einen gegenüber gestern noch gesteigertem Ausmaß hereingebrochen und es gelingt dem Gegner, der neue
Panzerkräfte in die Schlacht wirft, die Ostfront des Korps im Abschnitt der 296. und 134.I.D. weiter zurückzudrängen. Unter Einsatz der letzten Reserven vermag das Korps einen
Durchbruch zu verhindern, die Verbindung zur 4.Armee hat allerdings auch heute nicht wiederhergestellt werden können. Trotzdem muß der Tag angesichts der Tatsache, daß es gelungen
ist, die Korpsfront selbst geschlossen zu halten, als beachtlicher Abwehrerfolg gewertet werden . Davon zeugt auch die Höhe der erzielten. Panzerabschüsse. Die Kampfkraft der
Truppe hat allerdings schwer gelitten.
Die entscheidende Frage, vor die sich die Führung der Armee in diesen Stunden gestellt sieht, ist die der weiteren Kampfführung im großen. Die Heeresgruppe, immer wieder auf die
bedrohliche Lage der Armee hingewiesen, erklärt eine Zufuhr neuer Kräfte vorläufig für undurchführbar, allenfalls dürfe man mit einem verstärkten Einsatz eigener Luftwaffe rechnen.
(FM/OB, 22,10 Uhr). In mehreren Ferngesprächen bemühen sich deshalb OB und Armeechef um die Genehmigung zu der nach Ansicht des AOK einzig noch möglichen Lösung, die die Aussicht
auf eine rasche und nachhaltige Stabilisierung der Lage bieten würde: Die Zurücknahme des XXXV.A.K. in den Brückenkopf Bobruisk und hinter die Beresina (Chef/Chef H.Gr., 20,25 Uhr).
Dadurch allein würde die Armee Kräfte genug freibekommen, um wirklich etwas Nachhaltiges gegen den Feinddurchbruch beim XXXXI.Pz.K. zu unternehmen. Die Heeresgruppe lehnt jedoch
strikt ab, und auch die Bitte des Oberbefehlshabers, wenigstens
die Südfront des XXXV.A.K.auf eine halbwegs brauchbare ausgebaute Sehnenstellung zurücknehmen zu dürfen, wird vom Feldmarschall mit dem ausdrücklichen Befehl zurückgewiesen, die
alten Stellungen unter allen Umständen zu halten (FM/OB, 22,10 Uhr). Selbst die vom AOK vorgeschlagene wirtschaftliche Räumung von Bobruisk wird verboten (O. Qu./Chef, 12,25 Uhr).
Das AOK kann all diese Befehle, über deren verhängnisvolle Folgen es sich völlig im klaren ist, nur mit jenem Gehorsam hinnehmen, mit dem der Truppenführer nach verantwortlichem
Vortrag seiner Gegenansicht die Befehle seiner Vorgesetzten auszuführen hat, auch wenn sie seiner Überzeugung widersprechen. Bitter ist nur immer wieder das Gefühl, hinter diesen
den eigenen dringenden Vorstellungen so völlig unzulänglichen Kampfanweisungen der Heeresgruppe und den dazu vom Feldmarschall und Heeresgruppenchef gegebenen Begründungen (s.Anl.X,
im Auszug wiedergegeben in Anl.VIII 2-4) nicht einen zielbewußten, das äußerst mögliche anstrebenden Führerwillen erblicken zu können, sondern nur die Ausführung von Befehlen,
deren Voraussetzungen durch die Ereignisse längst überholt sind.
Der Angriff der 20.Pz.Div. hat auch in den Abendstunden keine nennenswerten Fortschritte gerecht. Im Einverständnis mit der Heeresgruppe ist befohlen, ihn die Nacht hindurch
fortzusetzen (OB/FM, 22,10 Uhr, Chef/Chef XXXXI., 23,l0 Uhr). Es geht hier auf Biegen oder Brechen.

 
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