| Kriegstagebuch Mai 1940 | |
| 9.5.1940 |
Persönliches KTB I.R.348: In den letzten Tagen hat sich die Spannung mit Holland und Belgien verschärft. Jeder fühlt, dass eine umittelbare Entscheidung in der Luft liegt. Um 13.50 Uhr trifft dann auch der Divisionsbefehl ein, dass durch einen Offizier der "gelbe Umschlag", der bisher zu den verschiedensten Vermutungen Anlass gegeben hatte, zu öffnen sei.Inhalt: "Trupe macht sich so marschfertig, dass nach Ablauf von 6 Stunden der Abmarsch jederzeit angetreten werden kann." um 14.30 Uhr ist der Befehl an sämtliche Einheiten durchgegeben. In sämtlichen Quartieren setzt eine fieberhafte Tätigkeit ein. Beim Regiments-Stab sind der Adjutant, Nachrichtenoffizier, Gepächtrossführer und Regimentsschreiber auf Urlaub. In der Besetzung des Ordonnanzoffiziers tritt am selben Tage ein Wechsel ein. Der Pi.-Zug ist dem Pi.Btl.216 unterstellt. Bis 20.00 Uhr sind von sämtlichen Einheiten die Meldungen da, dass sie abmarschbereit sind. Um dieselbe Zeit trifft auch der Divisionsbefehl zum Vormarsch ein. Division (IX.A.K.unterstellt) erreicht über Rheinbrücken Duisburg-Nord und - Süd den Raum: Rheurdte - Utford - Homberg - Essenberg - Kaltenhausen - Hüls - Erkelen. Division marschiert in 2 Marschgruppen. Regiment gehört zur Südkolonne, die wiederum in 2 Marschgruppen A und B marschiert. Um 20.45 Uhr gehen die Zusatzbefehle des Regiments an die Einheiten ab. Unterbringungsraum für das Rgt. ist Kapellen und die Vororte von Moers. Quartiermacher des Regiments fahren unter Führung des Ordonnanzoffiziers voraus. Die Stimmung der Truppe ist glänzend, dass die lang ersehnte Auserinandersetzung mit unseren westlichen Nachbarn beginnt. |
| 10.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: Um 2 Uhr tritt das Regiment ohne II./- mit 14./- an der Seite den Vormarsch ab über Admiral Graf Spee-Brücke, Rheinhausen in den Unterkunftsraum an, der gegen 7 Uhr erreicht wird. Rgts.Stab wird auf dem Agnethof und Schloss Lauersfort bei Capellen untergebracht. II./- tritt von Bottrop aus über Osterfeld, Oberhausen, Duisburg als Marschgruppe für sich an und erreicht gegen 11.00 Uhr den Unterkunftsraum Östrum und Moers-Schwafheim, nachdem es um 7.00 Uhr die Rheinbrücke überschritten hat. Der Tag dient Vorbereitunges der Truppe zum Weitermarsch. Die ersten Maldungen über das siegreiche Vordringen unserer Truppen durch Holland trotz heftigen Widerstandes treffen ein. Formationen unserer Luftwaffe überfliegen in grosser Zahl den Unterkunfstbereich des Regiments in Richtung Holland. Gegen 17.00 Uhr trifft der Befehl zum Weitermarsch ein. Das IX.A.K. hat mit -unleserlich- und 30.Division beiderseits Venlo das Westufer der Maas erreicht. Division erreicht um 20.00 Uhr antretend den Raum Aldemrk? - Kempen - Oedt - Breyl - Hinsbeck - Wachtendonk. Regiment mit I./A.R. tritt um 20.30 Uhr in mehreren Marschgruppen den Weitermarsch an, um den Raum Ziegelheide - Mühlhausen - Grefrath - Oedt zu erreichen. Um 0.00 Uhr erreichen sämtliche Marschgruppen den Ostausgang Kempen und stehen aufgeschlossen in folgender Reihenfolge: 14./-, III./-, Stabskompanie, 13./-, l.I.K., II./-, I./-, I./A.R. |
| 11.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: Um 030 Uhr tritt das Regiment im Schutze der Nacht den Weitermarsch an. 14./- voraus, um nach halbstündiger Fahrt des Gros des Regiments wieder auflaufen zu lassen. Durch motorisierte Verbände entstehen Stockungen, die das Regiment immer wieder zum Aufenthalt zwingen. In den frühen Morgenstunden werden die vorgesehenen Quartiere erreicht. Regts.Stab und III./- beziehen in Grefrath Unterkunft, wo in einem kleine Gastahus das Rgts.St.Qu. eingerichtet wird. Der Tag dienst der Ruhe für Mensch und PFerd und den Vorbereitungen für den Weitermarsch. Kdr. III./-, Hptm.Knüttel und Rgts.-Gepächtrossführer, Oblt.Göhrs, erreichen das Rgt. nach Beendigung ihres Urlaubs. Von der Frint kommen weiterhin gute Nachrichten, unsere Truppen sind überall im Vormarsch, wenn auch erst nach Überwindung hartnäckigen Widerstandes. Um 19.30 Uhr trifft der Divisionsbefehl zum Weitermarsch ein. Division überschreitet südwestlich Tegeln auf Kriegsbrücke Steyl die Maass und erreicht den Raum Severum - Grubbenforst - Blerik - Maasbree. Die Befehle des Regiments werden mündlich ausgegeben. Adjutant III./-, Chef 13./-, 14./-, l.I.K. durch Kommandeur. Adjutant I./-, II./- und I./A.R. durch Hauptmann Bühler im Stabsquartier des II./-; Regiment tritt gegen 23.00 Uhr zum Weitermarsch an. Die Nacht ist stockdunkel. Auf deN Strassen herrscht lebhafter Verkehr durch Verbände aller Art. In der Luft rege Fliegertätigkeit, darunter scheinbar auch feindliche, da unzählige Scheinwerfer immer wieder den Himmel absuchen. Alle Augenblicke treten Stockungen ein, da fremde Truppenteile die Vormarschstrassen des Regiments kreuzen. |
| 12.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: Um 3.00 Uhr geht das Reigment aufgeschlossen vor dem Städtchen Kaldenkirchen, mit Anfang um 4.00 Uhr durchschritten werden soll. Der Weitermarsch verzögert sich, da die mit der Marschgruppe I.R.396 marschierende II./A.R. im Ort Kaldenkirchen einen englischen -weitere Seite fehlt- |
| 13.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: In den frühen Morgenstunden beginnt endlich der Weitermarsch über Maasbree - Sevenum durch die endlose lange Peel-Heide in den Unterkunftsraum. Ein anstrengender Marschtag für das Rgt. beginnt, vor allem für das I./-, da es am Abend vorher über den befohlenen Ablaufpunkt hinaus etwa 5km. auf der ursprünglich befohlenen Marschstrasse weitermarschiert war und auch nun diesen Weg erst wieder zurückkehren musste. Der Marsch durch die Peel-Heide war ein gefährliches Unternehmen und nur durch die unbedingte Luftüberlegenheit unserer Luftwaffe durchzuführen. Stundenlang marschierten die Division Regiment hinter Regiment auf einem schmalen Feldweg. Nachts dehnte sich ein endloses Sumpdgelände aus, das vor allen Dingen an dem Weg entlang zum Teil stark vermint war, während links ein Kanal den Weg begrenzte. Ein FLiegerangriff hätte verheerenden Folgen gehabt. Von Zeit zu Zeit wurden verlassene Feldstellungen passiert, die erkennen liessen, dass auch hier von den Holländern hartnäckiger Widerstand geleistet worden war. Unzählige Baumsperren sollten den Weg versperren. Sie waren aber zum grossen Teil durch unsachgemässes Fälle der Bäume wertlos. Unangenehm machte sich bemerkbar, dass sämtliche Wegweiser und Ortsbezeichnungen entfernt waren. Zwiwchen 17.00 und 19.00 Uhr gelangt das Regiment in seinen neuen Unterkünften ein. Regimentsstab wird mit einer Kompanie der Divisionsnachrichtenabteilung in Lierop untergebracht. Am Abend treffen Nachrichten von der Front ein, die besagten, dass vor dem Abschnitt der Division der Turnhout-Kanal von den Belgiern unterstützt von franz. Panzerkräften gehalten wird. |
| 14.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: Um 0.10 Uhr trifft der Divisionsbefehl zum Weitermarsch für den kommenden Tag ein. Der Feind hält nach wie vor den Turnhout-Kanal, das Korps bereitet den Angriff auf den Kanal vor. Tagesbefehl der Division ist den Raum: Valkenwaard - Leende - Maarheeze - Budel - Achel - Kolonie Bozelen - Geenhoven. In den frühen Morgenstunden gehen die Zusatzbefehle an die Einheiten ab. Um 11.30 Uhr tritt das Regiment den Weitermarsch an. Die Einheiten marschieren aus ihren Unterkünften und schliessen sich Dorfe Sommern auf, um dann auf der befohlenen Vormarschstrasse Sommern - Heeze - Leende - Maarheeze - Dommeln ohne Fliegermarschtiefe den neuen Unterkiunftsraum zu erreichen. Kein feindliches Flugzeug hat in den vergangenen Tagen den Vormarsch gestört. ..... stehen am Rande er Vormarschstrasse feindliche, aber auch einzelne deutsche Tanks, die vollkommen ausgebrannt sind zerstört. Sämtliche Brücken und Stege über kleinere Flussläufe sind zerstört, aber von unseren Pionieren durch Notbrücken ersetzt, so dass der Vormarch ohne Stockungen vor sich gehen kann. In entgegengesetzter Richtung kommen schon wieder die erstern Flüchtlinge, die in ihre Heimatdörfer zurückkehren. Gegen 18.00 Uhr trifft das Rgt. in den für diesen Tag vorgesehenen Quartieren ein. Rgts.Stab mit 14./- und I./- in Budel. Bei Anbruch der Dunkelheit kreien feindliche Flieger über dem Unterkunftsraum. Sie versuchen, ein in er Nähe liegendes Munitionslager zu treffen, werfen aber ihre Bombe ohne den geringsten Schaden anzurichten, in ein nahes Waldstück. Unaufhörlich durchfahren motorisierte Kolonnen, vornehmlich Pioniere den Ort in Richtung zur Front. |
| 15.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: Um 3.30 Uhr erreicht das Regiment, der Divisionsbefehl zum Weitermarsch. Da der Feind nach Westen ausweicht, dreht das Korps mit der 56.Division nach Südwesten ab, um die Linie St.Leonhard - Osstmall - Herentals gegen Antwerpen abzuschirmen. Zur Ablösung dieser Teile soll die Division mit ihrer Masse den Raum Turnhout - Arendock - Rethy - Casterle erreichen, das verstärkte I.R.348 den Raum Hapert - Eerse - Steenzel - Stevert. Um 19.00 Uhr treten die ersten Teile des Regiments den Weitermarsch an. Bis zum Ort Leende, geht es über Maarheeze die Vormarschstrasse des vorherigen Tages zurück. Hier schliesst das Regiment ohne II./- auf, un dann nach links abzubiegen. Das II. mit 1 Zug 14./- marschiert voraus und hat den Auftrag, weit vor dem Unterkunftsraum des Regiments die Teile der rückwärtigen Dienste der Division in deren Unterkunftsraum gegen Panzer zu sichern. Regiment marschiert in glühender Sonnenhitze wiederum ohne Fleigermarschtiefe über Dommelen - Westerhoven - Steenzel in den neuen Unterkunftsraum, der von den letzten Teilen gegen 21.00 Uhr erreicht wird. Der Tag wr äusserst anstrengend und die ersten Ausfälle durch Fusskranke sind zu verzeichnen. Trotzdem ist die Stimmung der Truppe weiterhin ausgezeichnet, da jeder Schritt mehr zur Front zu der Hoffnung berechtigt, recht bald ins Gefecht zu kommen. Die holländische Bevölkerung, die bis dahin äusserst freundlich war, wird abweisender, je näher die belgische Grenze rückt. Der Rgts.Stab ist an diesem Tage in der verlassenen Villa eines holländischen Tabakjuden untergebracht. |
| 16.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: Um 6.20 Uhr trifft der Befehl zum Weitermarsch ein. Die Division übernimmt für den 16.5. die Sicherung gegen Antwerpen in der Linie Osstmalle - Groppendonck unter gleichzeitiger gewaltsamer Aufklärung in dieser Richtung. I.R.396 und 398 werden in vorderster Linie eingesetzt. Ret. als Reserve bricht zwischen 9.00 und 10.00 Uhr aus seinen bisherigen Unterkünften auf, um Tgesziel, den Raum wesltich Turnhout, zu erreichen. Im Orte Bladel schliesst das Regiment auf und nimmt auch hier das II./-, das hier in Quartier gelegen hat und nach Erfüllung seines Auftrages wieder zum Regiment zurücktritt, auf. Weiter führt der Marsch über Reussel - Arendonck - Turnhout. Wiederum brennt die Sonne vom wolkenlosen Himmel auf die marschiernde Truppe. Immer näher rückt die belgische Grenze. Die Spuren des Kampfes mehren sich. In den durchschrittenen Dörfern ist ein grosser Teil der Häuser volkommen zerstört. Um 11.00 Uhr überschreitet das Regiment die holländisch - belgische Grenze, wo der Kommandeur das Regiment an sich vorbeimarschieren läßt. Bald darauf wird auch der Turnhout-Kanal überschritten. Schwere Kämpfe müssen hier stattgefunden haben. Die Brücke ist in die Luft gesprengt und sämtliche in der Nähe liegenden Häuser sind vollständig zerstört. Der Übergang erfolgt über eine von Pionieren erbaute Kriegsbrücke. Nach einer längeren Mittagsrast durchzieht das Regiment gegen 14.00 Uhr die Stadt Turnhout, wo zur Stunde noch das Divisions-Stabsquartier liegt. Hinter der Stadt biegen die einzelnen Bataillone ab, um selbstädnig ihre Quartiere zu erreichen. Regts.Stab bezieht mit II./.- in Beersee Quartier. Hier zieht am Abend eine Batterie der IV.Abtlg. der Div.Artillerie durch, um ihre erste Feuerstellung in diesem Krieg zu beziehen. |
| 17.5.1940 |
Persönliches KTB vermutl.I.R.348: Nach langen Marschtagen endlich ein Ruhetag, der für Mensch und Tier unbedingt erforderlich war. Gegen Mittag erhält die 14./- den Auftrag, in den bereits von unseren Truppen genommenen Aussenforts von Antwerpen die ungefähre Höher der dort zurückgelassenen Beute an Waffen, Munition und Verpflegung festzustellen und zusammenzutragen. Da die Gebiete zum Teil stark vermint sind, wird der Rgts.Pi.Zug der 14./- unterstellt. In den herrlichen Sommertag dringen dumpf die Abschüsse unserer Divisions-Artillerie, die an diesem Tage zum ersten Male in den Kampf eingreift. Gegen 16.00 Uhr erhält das Regoiment den Auftrag, wie Wege, die nach Heranthals führen und die Übergänge über den von Antwerpen in südostwärtiger Richtung führenden Albert-Kanals zu erkunden. Der Kdr. beauftragt die Kdre. II./- und III./- und den Chef der 14./- mit der Erkundung in den einzelnen Abschnitten und lässt sich in dem zu erkundenden Gebiet an einem vereinbarten Punkt die Ergebnisse melden. Sie ergeben, dass die Wege frei sind, die Übergänge aber restlos gesprengt sind. Bei der Reückkehr ins Stabs-Quartier liegt bereits der Divisionsbefehl zum Weitermarsch für den folgenden Tag vor. |
| 18.5.1940 |
Persönliches KTB I.R.348: Die Dyle-Stellung ist von uneseren Truppen durchbrochen. Korps hat Löwen und MEcheln genommen. Die Divison hat den Auftrag, nach Antwerpen durchzustoßen und setzt hierzu I.R.396 und I.R.398 in ihren bisherigen Abschnitten ein. Regt. als Divisionsreserve hält sich in der Unterkunft ab 3 Uhr abmarschbereit. Gegen 4 Uhr erfolgt der Befehl zum Weitermarsch, den die Einheiten auf der Straße nach Osstmalle, die durch mehrere Sprengungen umgangen werden muss, antreten. Das nächste Marschziel ist das nur 5 km entfernte Osstmalle, wo weitere Befehle abgewartet werden sollen. Gegen 7 Uhr trifft dss Rgt. dort ein und bezieht Alarmquartiere. Der Rgts.Kdr., der mit seinem Stabe vorausgefahren ist, wird hier vom den Regts.Adjutanten, Hptm.v.Borcke, erwartet, der seit Ende April mit schwerer Mandelentzündung im Krankenhaus gelegen hatte und nunmehr wieder seine Stellung als Regts.-Adjutant übernimmt. |
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