31.Infanteriedivision
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  Kriegstagebuch Mai 1940
9.5.1940 Bericht der A.A.31.
Anfang der Seiten verbrannt
Die Vorausabteilung -unleserlich- (I.R.82) hat dazu vorzugehen mit der Abteilung Brockdorff -unleserlich- von Isenbruch über Süsteren, Dieteren, Kanalbrücke Roosteren.
Die besonders wichtige Maasbrücke bei Maeseyck (die einzige auf rund 30km) auf die Übergänge über den Hertogenbusch - Maastricth Kanal westl.Rothem, mit der Abteilung
des Leutnants Rudolph (I.R.82) links von Millen über Nieuwstadt, Kanalbrücke bei Illikhoven, anschließend Übergang mit Floßsäcken über die Maas und Vereinigung mit der
Abteilung Brockdorff. Rechts der VOrausabteilung Moehring geht die halb so starke Vorausabteilung des Hauptmanns Keitmann (I.R.17) von Schalbruch bezw.Waldfeucht über
Schilberg, Echt, Kanalbrücke westl.Echt, Ohe über die Maas auf die Übergänge über den Hertogenbusch - Maastricht-Kanal bei Neeroeteren vor.
Gliederung der Abteilung des Oberleutnant Graf von Brockdorff (2./A.A.31): 2.(Radf.)Schwadron A.A:31, 3.(schwere)Schadron A.A.31, 1 zug 3.Pi.31, 1 Zug 4.Regt."General
Göring" (2cm Flak), 1 schwere Feldhaubitze (mot), 1 8,8cm Pak (mot), 1 Trupp N.A.31. Die Abteilung Rudolph und die Vorausabteilung Keitmann sind ähnlich zusammengesetzt.
Der von seiner ganzen Abteilung hochverehrte Major Moehring befindet sich bei der Abteilung Brockdorff, die mit dem Angriff auf die Maasbrücke bei Maeseyck die wichtigste
und schwerste Aufgabe hat.
Punkt 18.00 Uhr erscheint der Kommandeur in Havert und geht die Bereitstellung aller Züge ab. Noch einmal wird der Angriff in allen Einzelheiten durchgesprochen.
Schwierigkeiten sind aufgetaucht: mein Vertreter in der Führung der Abteilung, Oberleutnant Prinz zu Holstein, Chef 3./A.A.31, und der Pionierzugführer, Leutnant Prahl,
sind beurlaubt. Für letzteren muss der Uffz.Behnsen einspringen, die Aufgaben des ersteren übernimmt der Kommandeur selbst. Da ich selbst die Angriffsspitze führte, will
Major Moehring die Masse der Abteilung führen. Noch muss die Abteilung jedoch einige Stunden in den Versammlungsräumen liegenbleiben, um die völlige Dunkelheit abzuwarten
und dann unmittelbar an die Grenze rücken.
Inzwischen herrscht in unserem Dorf reges Leben. Schon am frühen Nachmittag ist Feldgendarmerie eingetroffen, die den Zivilverkehr zur GRenze sperrt und den Verkehr regelt.
Flak ist eingetroffen und übernimmt den Luftschutz. Unser Dorf gleicht einem Bienenhaus. Die Quartierwirte und besonders ihre Frauen und Töchter wollen es sich nicht nehmen
lassen, ihre Quartierleute noch mit einem guten Abendbrot zu versorgen und ihnen auch sonst noch alles Mögliche zur Stärkung mitzugeben. Um 23.00 Uhr endlich wird abgerückt.
Unser endgültiger BEreitstellungsort ist das Dorf Isenbruch, das wenige hundert Meter von der Grenze entfernt liegt.
-mehrere Zeilen unleserlich verbrannt-
10.05.1940 Bericht der A.A.31.
-mehrere Zeilen unleserlich verbrannt-
Protzen ist es um 0.30 Uhr geschafft, die BEreitstellung ist bezogen, das Dorf liegt wieder ruhig da, als wäre nichts geschehen. Noch einmal werden alle Führer zum Kommandeur
befohlen und der Befehl bekanntgegeben, dass wir um 5.35 Uhr die Grenze zu übschreiten haben.
Unser Vormarsch verläuft, nachdem er feindwärts das Dorf Isenbruch verläßt, in völlig offenem Gelände, noch rund 1000m unmittelbar an der Grenze entlang und überquert diese
dann bei einem Bauerngehöft, das halb auf holländischem, halb auf deutschem Gebiet liegt. Das Gehöft gehört einem Holländer. Etwa 300m jenseits der Grenze befinden sich links
und rechts des Weges je 5 ausgebaute Maschinengewehr bestückte Bunker. Am Vormittag des 9.5. hatten wir von einem deutschen Zollbeamten gehört, daß in der Nacht vom 8.zum 9.5.
die Besatzung dieser Stellungen verdoppelt worden war. Um diese Stellungen an der Grenze überraschend nehmen zu können, müssen wir einen Zug Radfahrer, verstäkrt durch eine
Pak, in der Dunkelheit, aber sozusagen unmittelbar vor den Ohren des Feindes in das Grenzgehöft bringen. Der Zugführer Leutnant von Hanstein, erhält den Befehl, Punkt 05,35 Uhr
aus dem Gehöft hervorzubrechen und möglichst schnell ohne Schuss den Bunker und die feindlichen Stellungen zu nehmen. Es ist strenger Befehl, daß der erste Shuß nur von den
Holländern fallen darf.
Um 3,00 Uhr tritt lautlos der Zug an, um das Gehöft zu erreichen. Etwa auf halbem Wege bleibt er in einem kleinen Bruch liegen und Leutnant von Hanstein fährt mit seinem stellv.
Zugführer Wachtmeister Fritsche, allein nach vorne, um das Hoftor zu öffnen, den sehr scharfen Hofhund zu beseitigen und zu verhindern, daß die Hofbewohner Verbindung mit den
Holländern aufnehmen. Ich selbst befinde mich bei dem Zug. Voller Spannung stehe ich am Weg, denn jetzt kommt es darauf an, ob der Holländer merkt, was gespielt wird, oder nicht.
Plötzlich auf dem Hof das jämmerliche Winseln eines Hundes, das dann gleich verstummt. Weiter hört man nichts. Nach etwa einer Viertelstunde angestrengten Lauschens, während der
sich jenseits der Grenze nichts rührt, fährt der Zug an und erreicht tatsächlich unbemerkt den Hof, in welchem die Bauernfamilie schon in eine nach Deutschland zu gelegene Stube
eingesperrt und bewacht wird. Die Pak folgt im Mannschaftszug. Beruhigt begebe ich mich nach Isenbruch zurück.
-Mehrere Zeilen unleselrich verbrannt-
überschreiten, -unleserlich- notwendig, den Zug Hanstein durch Angriff des Feindes im Rücken zu unterstützen und sonst im ersten holländischen Ort, der kleinen Stadt Süsteren,
wieder zur Schwadron zu stoßen. Punkt 05.30 tritt die Abteilung aus Isenbruch an in der Reihenfolge: 1 Radfahrzug unter Führung des Oberleutnants Hildebrandt, Schwadronstrupp
mit einem motorisierten Stoßtrupp zur besonderen Verfügung, der leicht Flak-Zug, Pak-Zug, Pi-Zug und die restlichen schweren Waffen. Ganz vorn in der Abteilung fährt Major
Moehring mit seinem Stab. Die Radfahrer treten, was die Lungen hergeben. Aber bis zur Grenze sind sie vom Schwadronstrupp und meinem Stosstrupp überholt. Ungehindert können wir
die Grenze passieren, denn der Zug Hanstein hat in schneidigem Angriff die gesamte Grenzstellung der Holländer ausgehoben und zahlreiche Gefangene gemacht. Kein Schuß ist gefallen.
Wird dürfen hoffen, daß die Holländer weiter hinten noch nicht alarmiert sind. Leutnant von Hanstein hatte den Angriff mit entladenen Gewehren durchführen lassen, um unbedingt zu
verhindern, daß aus Nervosität ein Schuß zu früh fiel. Trotzdem hatte der Zug überhaupt keine Verluste. Der an der Straße liegende Bunker wurde sogar von nur 3 Mann, dem Uffz.
Netzeband, dem Gefr.Heinssen und dem Gefr.Wartig genommen. Als ich an der Grenze ankomme haben die dem Zug von Hanstein zugeteilten Pioniere gerade den letzten Rest der Grenzsperre
weggeräumt.
Ohne uns aufzuhalten brausen wird durch den Zug Hanstein hindurch, der damit beschäftigt ist, seine Gefangenen zu sammeln. Im Vorbeifahren erhält der Zugführer den Befehl, sich
umgehend in die Marschkolonne einzugliedern und mit nach vorne zu kommen. Weiter, so rasch es geht, durch das Dorf Süsteren hindurch. An jedem Straßenkrezz bleibt ein Kradfahrer
stehen, um die nachfolgende Abteilung einzuweisen. Inzwischen haben auch die drei Flakgeschütze , die beiden restlichen Paks sowie die schweren Maschinengewehre die vordersten
Radfahrer überholt und folgen meinem Stoßtrupp mit wenigen hundert Metern Abstand. Wir fahren, was die Fahrzeuge hergeben. Plötzlich hinter einer Kurve eine Marschkolonne die in
unsere Richtung marschierte: Ein Zug holländische Infanterie, der ahnunglos, singend fürbass marschiert. Von hinten brülle ich sie an. Erschreckt fahren sie herum und erblicken
hinter mir die deutschen Stahlhelme. Die Gewehre fliegen auf die Straße, die Leute flitzen schreiend nach beiden Seiten auseinander, wo sie in den Häusern verschwinden. Im Nu
ist der Stosstrupp abgesessen und holt innerhalb von zwei Minuten aus Häusern und Höfen 30 Gefangene. Unter diesen befinden sich zwei Leute, die noch am 9.5. an der Grenzsperre
Posten gewesen sind und mit denen ich mich dort ganz freundlich über die Lage unterhalten habe. Zigaretten hatten sie damals auch von mir bekommen. Sie machen ein mächtig dummes
Gesicht, als sie mich plötztlich wiedererkennen.
Das sind die Geschütze heran. Ein Mann bleibt bei den Gefangenen zurück und weiter geht es bis zum nächsten Dorf, dem etwa 800m vor dem zweiten Angriffsziel, dem Juliana-Kanal
gelegenen Dorf Dieteren. Kurz vor einer Kurve, hinter der wir vom Kanal aus eingesehen werden können, wird gestoßßt. Die Motoren sind auf Zeichen schon vorher abgestellt. Die
Fahrzeuge rollen die letzten paar hundert Meter lautlos aus. Im Nu sind die schweren Maschinengewehre freigemacht.
-Einige Zeilen unleerlich verbrannt- Mannschaftszug rechts und links der Straße -unleserlich- Zäunen in Stellung gebracht: Drei schwere Maschinengewehre, drei 2cm-Flak und zwei Paks
sind auf rund 800m -unleserlich-brücke über den Juliana-Kanal und eine Straßensperre, die sich etwa 300m vor dem Kanal auf einer Bachbrücke befindet, eingerichtet. So ist ein
Feuerschutz für den Radfahrzug, der angreifen soll, aufgebaut, den der Holländer sicher nicht erwartet. Inzwischen îst es so hell geworden, dass unser Ziel notdürftig sehen können.
Wir jedoch sind ziemlich sichern dass der Feind uns noch nicht bemerkt hat. Spassig ist es gewsen, bei der Durchfahrt durch die beiden holländischen Orte zu sehen, wie überall an
den Fenstern die biederen Holländer und Holländerinnen im Nachtgewand erschienen und uns offenen Mundes nachstarrten, Es muß ein sehr unangenehm erschreckendes Erwachen für diese
Leute gewesen sein.
Wir haben die Geschütze erst wenige Minuten in Stellung, als schon die Spitze des Radfahrzuges Hildebrandt erscheint. Die Leute treten sicher mit über 20 Stundenkilometer. Der
vorderste Stoßtrupp unter Führung des Zugführers, fährt in Mütze, um nicht so rasch als Feind erkannt zu werden. In 200m Abstand folgt die Masse des Zuges. Wieder mit einigen
hundert Metern Abstand die Radfahrzüge Abercron und Hanstein. Mit Spannung sehen wir dem Stoßtrupp nach, als er das Dorf verlässt und nun in Feindsicht in erhöhtem Tempo, aber fast
lautlos, dem Kanal zueilt. Jetzt kommt es darauf an, ob der Holländer seine Brücken rechtzeitig sprengt oder ob der Handstreich gelingt. Noch fällt kein Schuß! Durchs Glas sehe ich
die ersten Leute des Stoßtrupps kurz vor der Sperre. Jetzt heißt es für die schweren Waffen und besonders für meinen Stoßtrupp an die Fahrzeuge und wieder nach vorne!
Schießen könnten wir doch nicht mehr, ohne die eigenen Leute zu gefährden. Die Motoren springen an und in windender Fahrt brausen wir vor. Unsere Radfahrer sind schon auf der Sperre.
Jetzt fallen die ersten Schüsse. Eine Kanone, die der Holländer flankierend eingebaut hat, bellt auf. Ein Maschinengewehr und einige Gewehre knattern. Schon sind wir an der Sperre.
Ein kurzer Befehl, die Radfahrer lassen ihre Räder liegen und rennen nach vorn, um die Kanalbrücke zu nehmen. Die Kraftfahrer und die Geschützbedienungen reißen die Sperre ein. Kein
Mensch kümmert sich um die Schüsse des Feindes, die durchweg viel zu hoch liegen. Die Leute des Zuges Hildebrandt und mein Stoßtrupp rennen den steil ansteigenden Weg zu der hoch
gelegenen Kanalbrücke empor. Noch ist sie heil. Aber auf jede Sekunde kommt es jetzt an, denn noch haben wir die Brücke nicht, Ein ungeheurer Wettlauf setzt ein. Als erster erreicht
der Uffz. Jahn die Brücke. Ohne rechts und links zu sehen folgen die übrigen Leute. Der Holländer hat seine schweren Waffen in den Kanalbefestigungen, wohl weil er mit einer
rechtzeitigen Brückensprengung rechnete, so tief eingebaut, daß sie eigentlich nur das Kanalbett und kaum die hohe Schleusenbrücke bestreichen können. Nur eine Kanone schießt von der
Seite, aber auch zu hoch. Die Granaten gehen über uns weg. Jeder Mann weiß, was er zu tun hat. Schon liegen die Pioniere des Stoßtrupps an den Brückenseiten und machen die
Sprengladungen unschädlich. Je ein Trupp rollt rechts und links die feindlichen Bunker auf.
Da: Zwei schwere Schläge: Es ist dem Feind noch gelungen, in letzter Minute die oberen Stahlträger der Brücke zu sprengen. Die Hauptladungen im unteren Brückengerüst sind aber schon
unschädlich gemacht. Die Brücke hält. Wieder ist es der Uffz.Jahn, der allen weit voraus nur mit dem Gefr.Kadur zusammen mehrere Bunker mit M.G.'s und Geschützen aushebt. Auch unser
zweites Angriffsziel ist so ohne Verluste für uns genommen. Der Holländer war sehr überrascht. Mehrere Tote und verwundete Holländer liegen oben an der Brücke. Der Rest ist gefangen
und zusammengetrieben. All das dauert nur wenige Minuten. Da erscheinen auch schon unsere ersten Kraftfahrzeuge auf der Brücke, nachdem die erste Sperre auffgerissen ist.
Bei -unleserlich-der Kommandeur. Ein Blick nach hinten zeigt, daß -unleserlich- beiden übrigen Radfahrzüge schon Dieteren verlassen haben und sich sehr schnell nähern. Für uns aber
heißt es: Vorwärts! Die wichtigste und schwerste Aufgabe, die Maasbrücke zu nehmen, steht uns noch bevor. Uns wird es hier ja nicht so leicht gemacht wie anderen Divisionen, wo die
Fallschirmjäger an den wichtigsten Übergängen eingesetzt wurden. Wir müssen uns selber helfen.
Die erste Lücke in der Sperre ist noch so schmal, daß erstmal nur mein kleiner BMW und die Kräder durchkommen. Die Geschütze müssen noch warten. Wir warten aber nicht. Im Nu ist
alles auf den Fahrzeugen und weiter geht es durch den Ort Roosteren hindurch, Marschrichtung Maas: Mein Schwadronstrupp unter Führung von Wachtmeister Rohde, mein Stoßtrupp 1:6 auf
Krädern, geführt von Wachtmeister Ott; der Führer des Flakzuges, Leutnant Heimann, und die s.M.G.Staffel unter Wachtmeister Harmeyer. Die Leute des Zuges Hildebrandt, die ihre Räder
an der Sperre liegen lassen mußten, sind scnon vor uns im Dorf Roosteren. Nun springen sie im Fahren auf unsere Fahrzeuge auf. Es gibt ja für jeden Mann nur eins: Vorwärts, nochmals
vorwärts. Auf meinen Wagen springen in letzter Anstrengung der Oberleutnant Hildebrandt, der einem Mann sein M.G. abgenommen hat und der Gefreite Keller. Unmittelbar vor der Maasbrücke
macht die Straße eine Kurve, um die herum das holländische Zollhaus und einige andere Häuser liegen. Bis hierher kommen wir ungesehen. Die belgisch-holländische Grenze verläuft hier
in der Mitte der Maas und geht so mitten über die Brücke. Die Brücke ist rund 300 m lang und nur eine Spur breit, eine starke, altmodische Eisenkonstruktion. Bis zum Zollhaus geht
unsere Fahrt im schnellsten Tempo. Hier stopp, die Waffen in die Hand und runter von den Fahrzeugen, um die Ecke, unter der Zollschranke hindurch und rauf auf die Brücke und dann
gelaufen, nur gelaufen. Auf der Brücke folgendes Bild, ich sehe noch alles genau vor mir: Quer über die Brücke, ziemlich an ihrem Anfang, 2 armdicke Stahltrossen gespannt, eine in
50, eine in 100 cm Höhe mit einem Meter Abstand; am Ende der Brücke 2 weitere Stahltrossen in derselben Art, dahinter ein 2 m hohes Stahlgitter, das wie ein schweres Tor zugefahren
werden kann. Noch ist es auf. Und auf der BrUcke herrscht reges Leben. Da laufen ein belgischer Posten, holländische Soldaten mit und ohne Waffen, Jünglinge in Zivil, 2 alte
Marktfrauen mit Fahrrädern, auf die Körbe gebunden sind. Die Stahltrossen in der Mitte haben sie schon überwunden und eilen nun dem belgischen Brüickenende zu. Wir starten zu dem
Vierhundertmeterlauf unseres Lebens. Die Belgier erkennen uns scheinbar nicht gleich als Feinde. Wir haben nur das eine Ziel: Rüber über die Brücke, ehe sie in die Luft geht, und
die Sprengung verhindern. Als wir das erste Hindernis überwunden haben und auf der Brückenmitte sind, wird drüben das Stahlgitter zugefahren und jetzt fängt der Feind an, mit Kanonen
und Maschinengewehren von beiden Seiten zu schießen. Damit hält er uns aber nicht auf. Schon sind wir an der hinteren Sperre. Eine Handgranate fliegt den Soldaten hinter dem Gitter
zwischen die Füsse. Ein kurzes Zaudern drüben, schon sind wir über die Stahltrossen herüber und vor dem Gitter. Ein langer Feuerstoß aus der Maschinenpistole des ganz vorn laufenden
Wachtmeisters Rohde, da wälzen sich drüben 8 Soldaten wimmernd auf dem Pflaster. Das genügt für uns. Seitlich über das Gitter hinüber -unleserlich- Pistolen noch und was noch außerhalb
der Bunker war, bebt -unleserlich- Da sind auch Oberleutnant Hildebrandt und der Gefreite Keller mit ihrem Maschinengewehr über das Gitter und sichern die Hauptstraße nach der Stadt
hinein. Ihr M.G. fegt die Straßen mit wenigen Feuerstößen leer. Es wird nur noch aus den Seitenstraßen geschossen. Auch dort wird mit den übrigen Maschinengewehren rasch Ruhe geschafft.
Aber noch schiessen die Bunker rechts und links wie wild auf die Brücke und dort arbeiten unsere Pioniere an den Sprengladungen. Der Uffz.Tewes und die Gefreiten Samland und Hemsing
sind ohne Rücksicht auf den Feind dabei, die Sprengladungen auszubauen und die Kabe1 zu zerschneiden. bei zwei Brückenbogen haben sie es schon geschafft. Im Laufschritt geht es zum
dritten. Inzwiscnen ist außer dem Schwadronstrupp und dem Stoßtrupp Ott die gesamte M.G.Staffel und der größte Teil des Radfahrzuges Abercron, der sich jetzt in rücksichtsloser Fahrt
nach vorne geschoben hat, über die Brücke hinweg. Leutnant von Abercron mit seinem Zug erhält den Befehl, sofort durch die Stadt Maeseyck hindurchzustoßen, den jenseitigen Stadtrand
zu besetzen und so den ersten Brückenkopf für die Abteilung zu bilden. Jetzt sind der Uffz.Tewes und der Gefreite Samland bei der Sprengladung im dritten Brückenbogen angekommen.
Der Gefreite Samland hat schon das Messer in der Hand, um die Zündleitung zu zerschneiden. In diesem letzten Moment wird die Sprengladung vom Belgier gezündet. Die Zündstelle war in
einem Bunker hinter der Brücke, den wir gerade mit Handgranaten angriffen. Die erste Handgranate ist gerade im Bunker gelandet, als die ungeheure Detonation ertönt. Im Umwenden sehe
ich über der Brücke eine riesige, wohl 200 m hohe Sprengwolke stehen, in der oben Eisen- und Stahltrümmer kreiseln. Wer es auch so rechtzeitig sieht, kann noch Deckung nehmen. Dann
rauschen und prasseln die Sprengtrümmer in einem unvorstellbaren Regen auf uns nieder. Dem Gefreiten Keller, der noch immer hinter seinem Maschinengewehr liegt, wird der Kopf
bucnstäblIch zerschmettert. Nur noch der zuckende Körper mit einigen blutigen Fetzen aus dem Uniformkragen ist vorhanden. Mit der Brücke sind die Gefreiten Brandt, Hirsch und
Koehnecke in die Luft gegangen. Wie durch ein Wunder kommen Uffz.Trewes und der Gefreite Samland, die doch genau auf der Sprengstelle gesessen haben, mit dem Leben davon. Sie sind
einfach weggeschleudert worden; Uffz.Tewes wird dabei leicht, der Gefreite Samland schwer verwundet. Dem Gefreiten Hohnsbein, der sich auf der Brücke befunden hat, ist ein Bein
zerscbmettert.
Es ist für uns alle, die wir schon über die Brücke hinüber sind, das enttäuschenste Gefühl, daß so kurz vorm Ziel der größte Erfolg, die Brücke ganz zu nehmen, vereitelt ist. Jetzt
muß es wenigstens ausgenutzt werden, daß wir ja schon auf dem Feindufer einen Brüdizenkopf für die Abteilung bilden und ihr so das Übersetzen ohne Feindeinwirkung ermöglichen können.
Noch sind einige der Bunker rechts und links der Brücke besetzt und müssen genommen werden. Dazu sind kaum noch Leute vorhanden, da der Zug Abercron und die M.G.Staffel schon vorne
eingesetzt sind, wo auch Gefechtslärm zu hören ist. Unsere Leute sind aber wie die Wilden. Wachtmeister Harmeyer räumt allein 2 Bunker aus, von denen jeder mit über 10 Mann besetzt
ist. Die Obergefreiten Seehagen und Reinermanh 3 ähnliche. Leutnant Heimann und der verwundete Oberleutnant Hildebrandt sichern während dessen mit wenigen Leuten an der Brückenstelle
und bewachen die zahlreichen Gefangenen. Gleich nachdem die Bunker genommen und die Maas für das übersetzen frei. ist, kommen scnon die Floßsäcke nach vorn. Mit dem Übersetzen kann
begonnen werden. Inzwischen meldet aber auch schon der Leutnant von Abercron, daß er heftig angegriffen wird und mit seinem Zug kaum den ganzen Stadtrand sichern kann.
Erstmal ist nur noch die M.G.Staffel ganz nach vorne zu werfen.
Sie übernimmt die Sicherung an den Hauptstraßen. Dann reißt die Verbindung mit dem Zug Abervron für kurze Zeit ab. Der Zug wird heftig angegriffen. Es besteht Gefahr einer Umholung
durch den Feind. Von den beglischen Kasernen her, die westlich von der Stadt liegen, schlägt unangenehmes M.G.Feur die Straßen entlang. Aus den Häusern im Westteil wird Maschinengewehren
und Karabinern geschossen. Trotzdem gehen unsere schweren Maschinengewehre offen in Feuerstellung und kömmen Straßen und Häuser gründlich ab. Weit vorne das schwere Maschinengewehr des
Gefreiten Seher. DIe Zivilbevölkerung hat sich teilweise verkrochen, teils nimmt sie eine drohende Haltung ein. Eine ziemlich unangenehme Lage. Aber an der Übergangsstelle treibt unser
Kommandeur zu größter Eile. Und plötzlich sehe ich zu meiner größten Freude von meinem Beobachtungsplatz an der großen Straßenspinne am Westausgang von Maeseyck die vordersten Leute
meines letzten Radfarzuges und gleich darauf eine Pak. die Hauptstraße entlang kommen. Die einzelnen Radfahrer kommen ganz gut rechts und links an den Häusern nach vorn. Das feindliche
M.G.Feuer, das noch immer in Abständen die Straße entlangschlägt, kann ihnen nicht viel anhaben. Die Päk jedoch muß mitten in diesem Feuer nach vorn gebracht werden. Rücksichtslos bringt
aber der Geschützführer, Uffz.Hoffmann, sein Geschütz durch, geht mitten auf der Straßenspinne in Feuerstellung und schießt nun den Feind aus jedem Haus, in dem er gesessen, mit Panzer-
und Sprenggranaten hinaus. Jetzt haben wir gewonnenes Spiel. Da kommt auch schon, ohne auf das Feuer zu achten, zu Fuss der Kommandeur nach vorne und gibt weitere Anordnungen. Nach rechts
und links werden die Radfahrer im weiten Bogen eingesetzt, der Feind, der den Zug Abercron angegriffen hat, wird durch flankierenden Angriff geworfen. Maeseyck ist endgültig genommen.
Daran können auch 2 feindliche Aufklärungsflugzeuge nichts ändern, die plötzlich über uns erscheinen und mit Maschinengewehren angreifen. Die rasch in Stellung gegangene 2 cm-Flak verjagt
sie augenblicklich. Eins der Flugzeuge wird dabei wahrscheinlich abgeschossen. Auf diese Weise haben wir mit geringsten Verlusten, wenn auch nicht die Maasbrücke, so doch einen ungeheuer
wichtigen Brückenkopf genommen. Wir waren innerhalb einer knappen Stunde jenseits der Maas und haben unserer Division als der ersten der Armee den Maasübergang ermöglicht. Wie sie es
verdiente, hat die Abteilung für diesen Tag zahlreiche Auszeichnungen erhalten.
Es erhielten das E.K.I: 4 Offz. und Uffz., das E.K.II: 28 Offz., Uffz. und Mannschaften. Die Abteilung verlor 5 Tote und 11 Verwundete. mehrere hundert Holländer und Belgier wurden
gefangen. Hierbei wurde festgestellt, daß in Maeseyck Infanterie, Artillerie, motorisierte Kavallerie, Pioniere, im ganzen erheblich über 1000 Mann eingesetzt waren.
11.5.1940 Bericht I.R.17.
Nach dem Übergang über den Hertogenbosch-Maastricht-Kanal am 11.5.40 früh, erhielt die Vorausabteilung den Auftrag, über Zonhoven gegen den Albert-Lanal vorzustoßen und die Brücke bei
Hasselt im Handstreich zu nehmen. Kurz vor dem Kanal stieß die Spitzengruppe auf eine belgische Postierung in Stärke von 2 Mann die nach kurzer Gegenwehr gefangen genommen wurden.
Etwa l00 m vor dem Kanal angekommen, stellte der zusammengestellte Brückenstoßtrupp unter Leutnant Kloppenburg fest, daß beide Brücken gesprengt waren. Im gleichen Augenblick erhielt
die Spitze starkes I.G.-Feuer von schätzungsweise 4 bis 6 M.G.`s, Die Vorausabteilung ging zunächst in volle Deckung. Sofort an=gesetzte Aufklärung stellte auf der feindwärtigen Seite
des Ka=nals etwa 10 bis 12 z.T. schwere, z.T. leichte Bunker fest. Etwa 1/4 Stunde, nachdem die Vorausabteilung in Deckung gegangen war, schoß auch eine belgische Batterie auf die Straße.
Verluste traten jedoch nicht ein. Die Erkundung später angesetzter Offz.-Spähtrupps ergab folgendes Bild: Rechts der Straße war das Gelände etwa 400 - 600, m bis zum Kanal vollkommen
dechungslos. Außerdem war das diesseitige Kanalufer durch ein etwa 5o m tiefes Drahthindernis geschützt. Links der Straße war ebenfalls das Gelände etwa 400-600 m zum Kanal deckungslos,
Drahthindernisse wurden aber nicht festgestellt.
Im Laufe des Nachmittags kam zunächst der Regimentskommandeur, kurze Zeit später der Divisionskommandeur nach vorn, um sich persönlich einen Einblick in das Gelände zu verschaffen.
Gegen 19.00 Uhr kam der Regimentsbefehl zum Angriff über den Kanal am 12.5.4o früh. Danach sollte II.u.Jäger-Bataillon rechts der Straße, die Vorausabteilung beiderseits der Straße den
Übergang erzwingen. Bei Einbruch der Dunkelheit zündete der Belgier große Bogenlampen an, die entlang dem Kanal standen, um so ein über=schreiten im Schutze der Dunkelheit zu verhindern.
Der Führer der Vorausabteilung entschloß sich, im Schutze der Dunkelheit seine Abteilung bis dicht an den Kanal vorzuschieben, um im Morgengrauen gemeinsam mit dem Jäger-Bataillon
überzusetzen. Es war beabsichtigt, zunächst mit einem Zuge unter dem Feuerschutz der beiden übrigen Schützenzüge, der s.M.G.-Gruppe, der s.Gr.W.-Gruppe, des Pak-Zuges und des 2 cm
Flak-Geschützes den Übergang zu erzwingen. Stundlich angesetzte Aufklärung mit Floßsäcken über den Kanal wurde immer wieder durch die sehr aufmerksame belgische Besatzung verhindert.
Sobald sich bei uns etwas rührte, erhellte sich das ganze Kanalufer unter den von den Begiern abgeschossenen Leuchtkugeln, und bei der kleinsten Bewegung, die zu sehen war, lebte sofort
die ganze Front auf. Zwischen 23.00 und 24.00 Uhr erschienen deutsche Flieger, die die feindlichen Stellungen mit Bomben belegten. Die hell brennenden Bogenlampen gaben unseren Fliegern
einen sehr guten Anhalt für den Verlauf der belgischen Stellungen.
12.5.1940 Bericht I.R.17.
Kurz vor Angriffsbeginn gelang es dem Spähtrupp unter Führung des Pi.-Zuges, Leutnant Strunk, unbemerkt über den Kanal überzusetzen. Ein weiterer Spähtrupp unter Führung von Leutnant
Ködderitz kam wenig später ebenfalls, ohne beschossen zu werden, über den Kanal. Er wurde dann aber sehr bald erkannt und von einem M.G., das in einem Heuschuppen aufgebaut war, beschossen.
Hierbei fiel Leutnant Ködderitz, der am Abend vorher noch als erster Offizier des I.R.17 im Westfeldzuge das E.K.II erhalten hatte. Die eingesetzten schweren Waffen nahmen sofort das Feuer
auf. Der leichte Granatwerfer des 1.Zuges unter Obgefr.Bethmann schoß u.a. mehrere Belgier, die am Kanalufer in Deckung lagen, hinaus. Die Belgier wurden dann sehr schnell durch Gewehrfeuer
erledigt. Diese Feuerunterstützung nutzte der 2.Zug unter Ofw.Siering, der gleich nach dem Tode von Leutnant Ködderitz den Zug übernahm, aus und erreichte sehr schnell das jenseitige Ufer.
Weiter rechts der Straße waren Teile des Jäger-Bataillons, die sich ebenfalls im Laufe der Nacht an das feindliche Drahthindernis herangearbeitet und Gassenhindernisse geschnitten hatten,
beim Übersetzen über den Kanal zu sehen.
Plötzlich flog in sehr niedriger Höhe ein belgisches Flugzeug am Kanal entlang. Die 2 cm Flak vom Regiment Hermann Göring, die gerade noch ein M.G.-Nest bekämpfte, schwenkte sofort herum
und nahm das Flugzeug unter Feuer. Die Garbe lag gut. Es wurde behauptet, die Maschine sei später brennend abgestürzt. Als die feindliche Besatzung merkte, daß schon Teile der deutschen
den Kanal überquert hatten, räumten sie
fluchtartig ihre Stellungen. Schon setzte der Kompanietrupp und die 1.Pak über, als vom 2.Zuge von vorn der Ruf durchkam: " Feindlicher Panzerwagen von vorn." Schnell waren die M.G. in
Stellung gebracht. Alles, was eine Feuerwaffe hatte, feuerte auf diesen Panzerspähwagen mit dem Ergebnis, daß dieser schnell kehrtmachte und weiter nach rechts abdrehte. Der Panzerspähwagen
ist dann später von dem rechts vorgehenden Jäger-Bataillon erbeutet worden. Leider kam unsere schnell vorgezogene Pak zu spät.
Der 2.Zug wurde zunächst noch etwa 300 m weiter vorgezogen, um einen Brückenkopf zu bilden. Die gefangenen Belgier beteiligten sich mit am Wegräumen des Drahthindernisses, so daß sehr bald
mit dem übersetzen der Masse der Kompanie begonnen werden konnte. Leider mußte der Zugführer, des Pi.-Zuges, Leutnant Strunk, der vorher beim Spähtrupp verwundet worden war, trotz seines
Sträubens zurückgebracht werden, da wie sich herausstellte, die Verwundung doch zu schwer war, um bei der Truppe zu bleiben. Nachdem etwa 2 Züge der Kompanie, die s.M.G.-Gruppe, die
s.Gr.W.-Gruppe, der Pak-Zug und der Flak-Zug übergesetzt waren, stieß die Vorausabteilung durch Hasselt.
Hasselt selbst machte einen unheimlichen Eindruck. Die Bevölkerung hatte die Stadt verlassen. Hin und wieder stieBen wir auf Straßensperren, die aber schnell beseitigt werden konnten.
Weiter rechts hörte man ab und zu vereinzeltes M.G.- und Gewehrfeuer, und es machte den Eindruck, daß auch der Angriff des Jäger-Bataillons in gleicher höhe mit dem der Vorausabteilung
vonstatten ging. Bald wurden die Fahrräder der Vorausabteilung nachgebracht. Der Feind und der Flak-Zug requirierten Pkw. als Zugmaschinen für ihre Geschütze und weiter ging die Fahrt
zur großen Gette.

Bericht III./I.R.17:
Seit dem 10.Mai hat die Offensive im Westen begonnen. Der zweite Kriegstag geht für uns nach fast übermenschlichbn Strapazen seinem Ende zu. Die vordersten Teile der Vorausabteilung
des Regiments haben den Albert-Kanal erreicht und stoßen auf feindlichen, stärkeren Widerstand. In den späten Nachmittagstunden erhält das Jäger-Bataillon den Befehl, sich in der Nacht
zum Angriff bereit zu stellen und am nächsten Tage den Übergang über den Kanal zu erzwingen, sowie den Feind aus den Stellungen zu werfen. Sofort fahren der Bt1.-Kommandeur, die
Kompaniechefs und die Zugführer nach vorn, um die Bereitstellungsräume zu erkunden. Es fängt schon an zu dämmern, als endlich die Erkundung abgeschlossen ist. Jeden Augenblick müssen
die Kompanien kommen, deshalb im Eiltempo zurück zur Hauptstraße, wo auch bald die Kompanien eintreffen. Hinter einem Haus oder in einer Mulde nehmen die Zugführer kurz ihre Züge
zusammen und schildern die Lage. Vom Kanal her dringt Gefechtslärm herüber. Allmählich ist es ganz dunkel geworden. Einzelne Sterne und der Mond gehen am Himmel auf und werfen ein mattes,
fahles Licht auf Felder, Hecken, Wiesen und Bäume. Die Gruppen rücken jetzt in Reihe hinter ihren Zugführern her in die Bereitstellungsräume. Immer vorsichtig, jedes Geräusch vermeidend,
pürschen sich die Jäger vor, drücken sich in den Hecken entlang, nutzen geschickt kleine Waldstücke aus und arbeiten sich so langsam unhörbar an den Kanal heran. Der Gefechtslärm wird lauter.
Jetzt pfeifen schon einige Geschosse durch die Luft, verfangen sich in den Baumkronen oder schlagen klatschend an eine Hauswand. Ein paar Granaten heulen über uns hinweg und schlagen einige
hundert Meter links von uns in eine Häusergruppe ein. Das Feuer des Belgiers wird immer stärker, er versucht durch lebhaftes Gewehr- und M.G.-Störungsfeuer unsere Bereitstellung zu stören.
Immer tiefer müssen wir heruntergehen und gleiten und kriechen die letzten 300 Meter durch Gräben, hinter kleinen Böschungen unserem Ziel entgegen. Eine Sicherung von uns liegt schon vorn.
Rechts von uns stehen ein paar Häuser; nun noch 100 Meter und wir sind da. Die Züge und Gruppen ziehen sich auseinander und werden eingewiesen. Sofort graben wir uns geräuschlos ein. Von
jeder Gruppe beobadhten zwei Mann nach vorn. Dort in 300 bis 400 Meter Entfernung, wo sich das weiße Nebelband durch das Gelände zieht, muß der Kanal sein. Langsam steigt die Mondsichel höher,
Häuser, Bäume und Sträucher heben sich dunkel aus dem Gelände ab. Vor uns reissen die Nebelschleier auseinander, schlagen wieder zusammen, kriechen langsam auf uns zu und hüllen bald alles
in ein einfarbiges Grau. In den Löchern wird es kalt und wir fangen an zu frieren. Auf unserer Seite ist das Schiessen untersagt worden. Nur ein s.M.G., das zur Sicherung eingesetzt ist,
erwidert hin und wieder das Feuer. Sonst herrscht bei uns Totenstille. Der Gegner ist hierdurch merklich beunruhigt und nervös. Er steigert im Verlauf der Nacht noch sein planloses Feuer.
Überall schwirren Querschläger durch die Luft.
Spähtrupps sind von uns nach vorn geschickt, um die Verhältnisse am Kanal zu erkunden. Auch der Gegner hat Aufklärung über den Kanal geschickt und eröffnet aus einem M.G. und einigen Gewehren
das Feuer. Leuchtkugeln steigen auf. Schoh erstarrt jede Bewegung. Die Jäger sitzen da wie harmlose Erdhaufen um nach dem Verlöschen
sofort witer zu hasten, Meldungen zu überbringen oder sich noch tiefer einzugraben. Hinter uns schießt sich unsere Artillerie ein. Hoch über uns hören wir die Granaten heulen. Durchgefroren
und vor Kälte klappernd erwarten wird den anbrechenden Tag. Das feindliche Feuer wird schwächer und verstummt schließlich. Was macht der Gegner? Baut er etwa ab, wie er es in der letzten Nacht
getan hatte? Es dauert eine Ewigkeit, bis das Tageslicht hereinbricht. über dem Kanal und in den Wiesen liegen dünne Nebelschleier. Sie neiden das jenseitige Ufer feindfrei. Links von uns aus
einem Bunker schießt noch ein feindliches M.G., aber schließlich verstummt auch das. Langsam Teilen sich auch die letzten Nebelschleier und blutrot geht die Sonne auf. Wir können jetzt Einblick
in das Gelände gewinnen.. In 400 Meter Entfernung vor uns liegt der Kanal, dahinter ein Bahndamm mit Eisenbahnbrücke und etwas zurück die Stadt Hasselt. Sofort kommt der Befehl zum Übersetzen
über den Kanal. Einige Gruppen haben den Kanal schon erreicht, schneiden Gassen in die Drahthindernisse und bereiten alles vor. Da treten auch schon die Jäger weit ausgeschwärmt, in die Tiefe
gestaffelt auf den Kanal zu an. Dahinter die Pioniere mit den Floßsäcken. Auf der Gegenseite fällt kein Schuß, die Belgier haben ihre Stellung verlassen. Die Brücken sind bis auf die
Eisenbahnbrücke jenseits des Kanals gesprengt. Auf den Trümmern der einen Brücke klettert ein Leutnant auf das andere Ufer. Er untersucht, ob die Eisenbahnbrücke zur Sprengung vorbereitet ist.
Von rechts kommt ein Flugzeug im Tiefflug heran, anscheinend ein eigenes doch als die Maschine auf unsere Höhe kommt, schreit einer "feindlicher Flieger". Sofort wird "Fliegerabwehr marsch,
marsch" befohlen. Mit Karabiner und M.G. wird das Feuer eröffnet. Der französische Aufklärer macht eine Schleife nach Links und fliegt nochmals über uns hinweg. Wir feuern weiter, können aber
von einer Wirkung nichts erkennen. Später erfahren wir, daß das Flugzeug noch zum Absturz gebracht wurde. Ein Korpsaufklärer wirft bei uns eine Meldung ab. Eine dicke, gelbe Rauchsäule
kennzeichnet die Abwurfstelle. Die ersten Gruppen sind bereits übergesetzt, sie beseitigen die Hindernisse. Wir werfen einen Blick in die Bunker und Stellungen. Alles ist leer und übereilt
verlassen. Da liegen noch ganze Kästen voll Munition, Schanzzeug und Verpflegung. Ein dichtes Netzt von Laufgräben verbindet die Stellungen miteinander, teilweise wurde noch daran gebaut. Wir
überschreiten einen Bahndamm, dahinter ist ein breites Sumpfgelände, einige Laufstege führen herüber. Der Kompaniechef gibt noch den Befehl "Alles rüber, dort am weißen Haus wird gesammelt".
In Reihe geht herüber. Sofort werden zwei Spähtrupps in Stärke von einer Gruppe zur Aufklärung an die Straße Hasselt - Diest angesetzt. Eine andere Gruppe übernimmt die Beobachtung und
Sicherung zur Stadt. Schnell verschwinden die beiden Gruppen getrennt in einem Erlengebüsch. Rechts davon gehen auch noch zwei Spähtrupps der 11.Kompanie vor. Das Gelände ist wieder sumpfig.
Vorsichtig arbeiten sich die einzelnen Gruppen weiter vor, jeden Augenblick können sie mit dem Feind zusammenstoßen. Gewandt und jägermäßig geht es durch Gestrüpp, Wasserlocher und Gräben bis
an den jenseitigen Rand der Dickung. In 600 m Entfernung eine Ulmenallee und einige Häuser, daß muß die Haupstraße sein. Vorsichtig schieben sich die Spähtruppführer an den Rand der Dickung und
beobachten. Auf der Straße eine ganze Marschkolonne, Fahrzeuge und Radfahrer. Da hämmert auch schon ein M.G. unserer Spähtrupps los, bald ein zweites und einige Gewehrschützen schießen auch
schon. Die Geschosse schlagen in den völlig überraschten Gegner. Hals über Kopf stürzt er in den Straßengraben. Schon stürzen die ersten Melder unserer Spähtrupps zu ihren Kompanien zurück.
Die einzelnen Gruppen greifen sofort an. Sie erhalten Feuer. Ein feindli Granatwerfer schießt ohne Erfolg. Einzeln und unter gegenseitiger Feuerunterstützung arbeiten sich die kampfkräftigen
Spähtrupps zur Straße vor. Eine Gruppe hat unter Ausnutzung eines Wassergrabens fast die Straße erreicht. Auch in der Stadt wird es lebendig, Gefechtslärm, Handgranaten detonieren. Die
9.Kompanie ist zum Angriff angetreten, und stößt mit Stoßgruppen durch die Stadt, im Anschluß die 11.Kompanie. Zuerst hatte sich nichts in der Stadt gerührt, dicht gedrückt an die Häuserwände
waren die Gruppen vorgegangen. Die erste Stoßgruppe liegt in einer Straßenbiegung, plötzlich schlägt ihr M.G.- und Gewehrfeuer entgegen. Fensterscheiben zerspringen und Querschläger singen die
Straße herunter. Der M.G.-Schdtze 1 ist in ein Haus gesprungen und eröffnet das Feuer aus einer Dachluke auf den Gegner, der hinhaltend kämpfend zurückweicht.
Die Zug- und Gruppenführer reissen durch ihr Beispiel die Truppen mit nach vorn. Es geht durch Hinterhöfe, Gärten. und Ställe, die Handgranaten wurfbereit in der Hand. Dort links ein Haus,
der Gegner hat es als Stützpunkt ausgebaut. Die erste Gruppe rechts dort an den Schuppen, die zweite durch den Garten, "auf Pfiff handgranatenwurf!" befiehlt der Zugführer und schon stürzt er
wieder vor. Der Gegner beobachtet nur die Straße. Jetzt sind sie an der Hinterwand des Hauses. "Handgranaten fertigmachen", "fertig" klingt es zurück, da, der Pfiff Fensterscheiben zersplittern,
bald darauf Detonationen. Ein ohrenbetäubendes Hurra, 6, 7, 8 Jäger stürzen hinein. Der Rest liegt draußen im Anschlag. Im Hause Pistolenschüsse, ein vielstimmiges Gebrüll und Gepolter. Zitternd,
mit angsterfüllten Gesichtern kommen einige Belgier heraus. Drinnen schreien noch einige Verwundete. Neues Ordnen der Gruppen und weiter stürzen die Jäger von Haus zu Haus, von Türnische zu
Türnische vor. Doch der Feind lestet immer erneut Widerstand. Nach dem Bahnnof zu verstärkt sich das feindliche Feuer, der Feind hält jetzt einen Bahndamm besetzt. 3 oder 4 M.G.s haben das Feuer
aufgenommen und lassen den Feind nicht wieder hochkommen. Unter dem Feuerschutz springen unsere Jäger über die Straße in einen Graben und arbeiten sich an den Bahndamm heran. Die Spähtrupps
haben sich von ihren Zügen aufnehmen lassen. Rechts von der 9.Kompanie geht der 2.Zug der 11.Kompanie gerade wieder vor. Der Angriff ist im Rollen, "Angriffsziel der Bahndamm" schallt es vom
Zugführer der 11.Kompanie zu uns herüber. Ganz links gehen auch Gruppen auf den Bahndamm vor. Die Kompanien, Züge und Gruppen arbeiten sich unter gegenseitiger Feuerunterstützung weiter vor.
Überall weicht der Gegner zurück und flieht in einige Häuser an der Straße und am Bahndamm. Wir schiessen flankierend in den Gegner hinein. Rasch geht es vorwärts, niemand merkt die drückende
Hitze. Keiner verspürt Hunger und Durst, nur immer vorwärts, ran an den Feind! Geschosse jagen an uns vorbei, aber der Gegner schießt nicht mehr ruhig und daher sehr ungenau. Wir haben erst
einen Verwundeten. "Auf weichenden Gegner vor uns -Feuerfrei!" ruft ein Zugführer eines Zuges und stürmt mit der M.P. in der Hand seinem Zuge voran. Kaum können die Jäger mit den M.G.-Kästen
folgen, aber jeder reißt sich zusammen und gibt sein letztes her. In den Gefechtslärm schallen die Befehle der Zug- und Gruppenführer, Befehle werden durchgesagt. Alles klappt ganz
ausgezeichnet, jeder ist ganz bei der Sache. Wir sind in einen Graben gesprungen, verschnaufen einen Augenblick, beobachten nach vorn, nehmen einen Schluck aus der Feldflascne. "neues
Angriffsziel die Häuser 150 vor uns, I. Zug übernimmt Feuerschutz." Auf Marsch, Marsch und schon stürzen wir vorwärts. Der III.Zug der 9.Kompanie hat den Bahndamm erreicht und greift den Gegner
von der Flanke her an.
Plötzlich beim Weiterstürmen hört man Motorengebrumm. Da schreit auch schon einer bei der 11.Kompanie "Feindliche Panzerwagen"! Richtig dort unter der gesprengten Eisenahnbrücke halbrechts
kriecht schon so ein Ungetüm hervor. "Panzerbüchsen nach vorn " geheen en Befehle nach hinten. Alles schreit durcheinander, alles ist in Aufregung. "Mit S.m.K. laden " schreit ein anderer. Nur
Sekunden dauert es, da hat sich die 11.Kompanie wiedergefunden: Die ersten Geschosse fliegen dem Kampfwagen entgehen. Er fährt sofort zurück, erscheint aber Augenblicke später mit einem zweiten
wieder. "Auf, marsch, marsch" schreit der Leutnant des zweiten Zuges, 11.Kompanie. Was, denken die Jäger bei uns, nur mit Karabiner, Handgranaten und Pistole auf die Stahlungetüme losstürmen?
Aber die Jäger dort drüben überlegen erst garnicht, blind vertrauen sie auf ihren Pührer und nehmmen ihre Beine in die Hand. Doch ehe der Führer und der Schütze im Panzerturm ihre Schussrichtung
ändern können, sind die Jäger von der freien Fläche verschwunden und liegen in den Straßengräben. Rasselnd und laut brummend kommt das erste Ungetüm heran. Ein unvergeßlicher Augenblick für alle,
die es gesehen haben. Handgranaten fliegen vor den Panzer auf die Straße und detonieren, als er darüber fährt. Sofort bleibt er stehen. Nun krachen auch schon die ersten Schüsse aus der
Panzerbüchse. Die Geschosse sitzen gut. Auch der zweite Kampfwagen hält. Mal den Turm nach rechts, mal nach links werfend feuern die Panzerschützen verzweifelt aus ihren Türmen. Die Gewehrschützen
feuern aus nächster Nähe auf die Sehschlitze. Da springt Leutnant Hübel mit einigen Kameraden an den Panzer heran, und alles brüllt das " Hurra " und " horridoh " mit. Der Gegner öffnet zögernd
die Klappe und streckt die Hände hoch. Dann stürzen sie auf den zweiten Panzerwagen zu, aus dem schon die Schützen herauskommen. Darauf springt der Zug unter die Brücke, macht einige Gefangene
und verschwindet hinter dem Bahndamm. Auch wir haben den Bahndamm erreicht. Der Kampf geht zwischen den Schienen und leeren Eisenbannwagen weiter. Ein paar Jäger werden verwundet. Unter die
Befehle mischt sich der Ruf "Sanitäter". Auf dem Bahnkörper werden Gefangene gemacht. M.G.Garben peitschen den Schienenstrang herunter. An einer Straße vor uns stehen einige Lastwagen für die
Belgier bereit. Sie wollen diese noch erreichen, aber unsere zwingen sie immer wieder in Deckung. Einige von ihnen fallen, andere liegen verwundet zwischen den Gleisanlagen. Der Feind muss das
Rennen aufgeben und ergibt sich. Unsere Jäger sind kaum noch zu halten. Unermüdlich verfolgen sie den fliehenden. Gegner. Dann kommt vom Bataillon der Befehl durch " Alles halt ". Die Kompanien
ordnen sich nun, das zweite Bataillon übernimmt die Sicherung. Unsere Jäger strahlen über das ganze Gesicht. Für viele war das die erste Feuertaufe, die sie nun glücklich überstanden hatten.
25.5.1940 2./Inf.Rgt.82.
Ogfr.Heuschneider Karl, verwundet, verst.im Krgslaz.1/614 Brüssel;
 
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