| Befehle Januar 1939 |
| Anlage zu Gen.Kdo.Ia
Nr. 164/39 g.Kdos.v. Abschrift. Gen.Kdo.der Grenztruppen S a a r p f a l z Kaiserslautern, den 20.1.1939. Abt.Ia Nr. 31/39 g.Kdos. Betr.: Sigurd 9658. Anl.: 1 Geheime Kommandosache! Befehl für Sicherheitsbesatzung Abschnitt Zweibrücken (Karte 1:25 000) 1.) Feind kann bei Ausbruch von Feindseligkeiten an der Westfront versuchen, mit rasch mobilgemachten Teilkräften noch vor der vollen Abwehrbereitschaft der eigenen HKL überraschend über die Grenze vorzubrechen, um entweder noch vor herankommen der zur Verteidigung der HKL vorgesehenen eigenen Kräfte durch Teilvorstöße in und durch die HKL das Herankommen dieser Kräfte und die geordnete Besetzung des Stellungekampffeldes durch diese zu erschweren oder auch frühzeitig im Vorfeld des HKF den Angriff auf diese einleiten zu können. Im Abschnitt Zweibrücken ist diese Gefahr besonders gegeben, da die Grenze sehr nahe ist, der Gegner über sehr gute Annäherungs- und Beobachtungsmöglichkeiten verfügt. Alle Vorbereitungen getarnt auf dem Truppenübungsplatz Bitsch treffen kann und ein Erfolg in Richtung Zweibrücken für seinen Gesamtangriff von besonderer Bedeutung ist. Sicher ist, daß jeder Angriff, auch schwächerer Kräfte, sorgfältig vorbereitet ist, unter starkem Feuerschutz steht, und voll entwickelt unter Einsatz von Kampfwagen über die Grenze bricht. Dabei wird ein solcher Angriffsversuch, auch mot.Kräfte, den Hauptstoß führen über das im Horn-B.-Bogen liegende Höhengelände in Richtung auf den Wallerscheid und die Truppscher Höhe. Das erste Ziel dieses Vorgehens ist der Besitz der Linie der Beobachtungen Aufm.Lohn und Sahmalscheidchen, wo die Inf. und Kampfwagen ebenfalls sehr gute Ausgangsstellungen für den Angriff finden, und von wo jeder Angriff durch und beiderseits des Alsterwaldes auf dem Höhenkamm mit gut beobachtetem Feuer gegen die HKL vorrollen kann, ohne daß die fdl.Artl. zunächst gezwungen ist, einen Stellungswechsel über die Grenze vorzunehmen. Besonders günstig sind die Angriffsverhältnisse für den Gegner vor dem Wallerscheid, da die Netzenbacherklamm und die Mulden südl.davon weder durch Sicht noch durch Feuer beherrscht werden können. Dies ist aber möglich und vorgesehen von Höhe 317 westl.Rimschweiler. Eine weitere Abbruchstelle liegt beiderseits Wolfsacht im rechten Teil des Abschnittes. Westl.der Wolfsacht kann der Gegner seine Angriffskräfte, Inf. und Kampfwagen voll gedeckt gegen Sicht sehr nahe hinter die Höhe 344 heranschieben und bei sehr guter Nahbeobachtung zum Angriff ansetzen. Ostw.der Wolfsacht erleichtert die gedeckte Annäherung durch das Regen Tal sowie die Beobachtung von Rote Hecke aus den Angriff auf und über Weiher-B. Ein Vorstoß bes.mot.Kräfte wird viellicht wegen der guten Straßen und der Deckungsmöglichkeit zuerst im Bicken-Albe und Horn-B.Tal zu erwarten sein. 2.) Verst.36.Div. besetzt und hält auf Befehl "Sigurd 9658" die HKL in Linie: Würzbachtal - Lautzkirohen - Wattweiler - Wolfsacht - Höhe 317 - Wallerscheid - Truppacher Höhe - Zwerchtal, um ein Eindringen von Feindkräften in die HKL zu verhindern und das Herankommen starkerer eigener Kräfte und deren geordneten Einsatz in der HKL zu sichern. 3.) Verst.Grz.I.R.127 (Gliederung siehe Anlage) - der 36.Div. unterstellt - verteidigt auf Befehl "Sig 9658• im Abschnitt Zweibrücken in Linie: Mölschbacherhof - Südwestrand Wolfsacht - Weiher-B. -Selters - Höhe 317 - Wallerscheid - Heidelbingerhof - Zwerchtalr -unleserlich- um ein Eindringen des Gegners in die "HKL abzuwehren, das herankommen der 36.Div. und deren geordneten Einsatz zur Verteidigung in dem Stellungskampffeld zu ermöglichen. Dabei kommt es in erster Linie darauf an: a) das Zurückgehen der Grenzwacht zu decken und die Grenzwacht aufzunehmen. b) auf Wallerscheid und Großer Exerzierplatz durch starke MG. und Pak-Abwehr den Ausgang aus der Metzenbacherklamm und den Alsterrald zu beherrschen. c) von Höhe 317 die Täler über Mittelbach und Bimschweiler zu sperren und die Mulden ostw.Rimschweiler zu beherrschen. d) dem Gegner das Heraustreten aus dem Regen-Tal zu erschweren. Es werden eingesetzt: III./I.R.70 rechts I./Grz.I.R.127 links Trennungslinien: des III./I.R.70 (zugl.Abschnittegrenze) rechts zu I.R.70 Westrand Fridhof Einöd - Westrand Dick - Straßenkurve 500 m ostw.Kettersbergerhof - einspringende Waldecke im Habschied nordostw.Pkt.324 - Westrand Mölschbacherhof - Weg von Gänssteig auf Schenkels-B. - Grünbacherhof - Westrand Grünbach - Westrand Böckweiler - Westrand Neu-Altheim - Westrand Modelsheim - Ostrand Hochwald - Westrand Rimlingen. links zu I./Grz.I.R.127 Ostrand Gersbergerhof - Westrand Nd.Auerbach -Straßenübergang bei Bad - Ostrand Ixheim - Ostrand Gestüthof Birkhan - Ostrand des Waldes westl.Höhe 317 - nordostecke Rote Hecke - Ostrand Stuppacherhof - Ostrand Burger Wald - Westrand Ringweilerhof - Ostrand Großer Wald - Ostrand Brenschelbach - Ostrand Ormersweiler - Ostrand Eppingen. Trennungslinien des Grz.I.R.127 links zu I.R.118 (zugl.Abschn.Grenze) Ostrand Bettweiler - Waldecke 200 m westl.P.340 - Wegegabel bei P.351,3 - Wegegabel bei P.333 - Ostrand Ludwigslust - Ostrand des Waldes nörd1. Hausch-B. - Südwestecke des Waldes südostw.Gestüter Höhe - 200 m ostw. Offweilerhof - Nordecke des Waldatückes 750 m nördl.Kirschbacherhof - Straße Kirschbacher Hof, Dietrichingen bis Straßenbiegung 500 m südl. Kirsohbacherhof (Straße ausschl.) - Ziegelhütte nordostw.Dietrichengen - Ostrand Dietrichingen -Ostrand Ohrenthal - Straßengabel südostw.Schweyen. 4.) Durchführung der Besetzung: Die Durchführung der Besetzung hat zu erfolgen: a) M.G.: eine durchlaufende Feuerfront in der HKL ist sicherzustellen. Auf Wallerscheid und Exerzierplatz, und womöglich am vorderen Rand der Wolfsacht ist in der Tiefe die 2.Reihe der M.G.-Stände zu besetzen. Auf Osthang der Höhe 317 sind alle Flankierungsanlagen, die vor den Wallerscheid schießen, zu besetzen. b) Schützen: bei Nacht und Nebel muß durch Schützen gewährleistet sein: a) unmittelbare Überwachung und Schutz aller Hindernisse, b) die Verbindung innerhalb der Besatzung. c) I.G.: hinter Wallerecheid zur Wirkung auf Nordrand Schmalscheidchen und auf Alster Wald und in Mulden vor Wallerscheid. d) Pak: in Linie Wallerscheid und Truppacher Höhe ist eine Panzerabwehr aufzubauen derart, daß das Kampfwagenhindernis lückenlos beherrscht wird und außerdem noch die Möglichkeit besteht, in der Tiefe durohgebrochene Kampfwagen abzuwehren. Beiderseits Wolfsacht ist die Abwehr so zu gliedern, daß über Höhe 344 und Weiher-B. vorgehende Kampfwagen abgewehrt werden können. Die Pz.Abw.Abt.36 ist nach Einsatz der Stellungs-Pak Komp. zur Verfügung der 36.Div.in Gegend Contwig herauszuziehen. 5.) Gefechtsvorposten: Gef.Vorposten in Stärke von 1 - 2 Gruppen je Kp. sind vorzuschieben in Linie: Schenkels-Berg (dort Anschluß an II./I.R.70) - Waldrand Höhe 332 (südwestl.Hengstbach) - Rote Hecke - Althornbach - Aufm Lohn - Schmalscheidchen - Südrand Sand-W. (Anschluß an I.R.118 auf Platte). Gef.Auftrag der Gef.Vorposten: a) sie verhindern, daß fdl.Aufklärer, die über die Grenze vordringen oder durch die Linie der Grenzwacht durchgekommen sind, gegen die HKL aufklären. b) sie klären auf bis zur Grenzwachtlinie: Böckweiler - Burger Höhe - Hornbach - Am Hochgericht-Kiesel-B. um rechtzeitig ein Feindvorgehen gegen die Grenzwaoht festzustellen und mit dieser Verbindung zu halten. c) sie nehmen die zurückgehende Grenzwacht auf. d) sie verzögern mit der Grenzwacht das Feindvorgehen durch Ausführung der vorgesehenen Sperren, falls diese von der Grenzwaoht nicht reehtzeitig geschlossen werden. Die Gef.Vorposten weichen bei erkanntem Feindvorgehen gegen ihre Linie im Anschlu3 an die Grenzwacht dieser mit dieser kämpfend auf die HKL aus. Stärkere Inf.Kräfte als die Gef.Vorbosten sind nicht über die HKL vorzuschieben, auch nicht zur Unterstützung eines Kampfes der Grenzwacht. Beob.Posten auf Warte, Burger Höhe, Hochgericht und Kieselberg. 6.) Artillerie: Besondere Aufgaben: a) Störungsfeuer auf die im Abschnitt von Süden über die Grenze fahrenden Straßen besonders im Bickenalbe-Bachtal in und nördl. Wolmünster und um Schweyen, sodann auf die Straßenknotenpunkte Gershetm, Walshetm, Medelsheim, Peppenkum, Hornbaoh und Dietrichingen und die von dort nach Nordosten führenden Straßen, um Feindvorgehen verzögern zu können. Hierzu vorgeschobene Beobachter und A.V.Kdo.zur Grenzwacht etwa in die Linie der Beob.Posten Ziff.5.). b) Zusammengefasstes Feuer der Masse der Artl. in Gänsesteig auf Schachen, in das Regen-Tal, auf Mittelbach, auf Rote Hecke, in die Schluchten ostw.und südostw.Rimschweiler, Schmalscheidchen-Wald, Alster Wald, Kloster-Wald um fdl.Bereitstellungen und Ansammllungen zu stören. c) Zusammengefasstes Feuer der Masse der Artl. vor Wallerscheid von Teilen, dabei mindestens 1 s.F.H., vor Wolfsacht, Weiher-B. vor 317, auf Schilles Höhe, Schmalscheidchen, um fdl.Vorgehen gegen die HKL zu erschweren. 7.) Gef.Stände und Nachrichtenverbindungen: Gef.Stand des Abschn.Führers: Regt.Gef.St.Nd.Auerbaoh " " " " " : III./I.R.70: Bt1.Gef.St. südl.Bubenhausen " " " " " : I./Grz.I.R.127: Btl.Gef.St. Auf dem Hahn " " " " " : I./A.R.36: bei Abschn.Führer. 8.) Grenzwacht: Grw.Bt1.II./142 (Stab, 2 Komp.,Btl.Gef.St.Galgenberg) - dem veret.I.R.127 unterstellt - führt die unmittelbare Grenzsicherung durch. Trennungslinie: zwischen 3.u.- 4.Komp. Ostrand Gersbergerhof - Westrand Nd.Auerbaoh - Strassenübergang bei Bad - Ostrand Ixheim - Ostrand Gestüthof Birkhsn. - Ostrand des Waldes westl. Höhe 317 - Nordostecke Rote Hecke - Ostrand Stuppacherhof - Ostrand Burger - Westrand Ringweilerhof - Ostrand Großer Wald - Ostrand Brenschelbach - Ostrand Ommersweiler - Ostrand Eppingen. Aufgaben der Grenzwacht: Das Btl. hat den Auftrag: a) den Einsatz des verst.I.R.127 in der HKL zu sichern, b) fdl.Erkundung sowoh1 Einzelerkundungen wie Erkundungsvorstöße schwächerer Abt. üer die Grenze zu vethindern, c) die fdl.Vorbereitungen und Maßnahmen an der Grenze und im Vorfeld der Grenze zu Überwachen und zu melden. insbesondere: das erste Erscheinen stärkerer Kräfte an der Grenze, das Instellunggehen von schweren Waffen der Inf.u.Artl., den Einsatz von Kampfwagen, d) bei stärkerem fdl.Angriff über die Grenze kämpfend auf die HKL auszuweichen unter Schließen der vorbereiteten und vorgesehenen Sperren, um das Folgen des Gegners zu erschweren und zu verzögern. Dazu sind unter allen Umständen auf Befehl des örtl. takt.Führers der Grenzwacht zu sprengen: die Brücken über Birkenalbe und Horn-B., die Bahgnübergänge. Im Abschnitt der 3.Komp. ist in Llnie: Hunger-Berg südostw.Neu-Altheim (dort Anschluß an 2.Komp.) - Heiliger Berg - (ostw.Altheim) - Schadenreoh - eine Aufnahme aufzubauen, das Zurückgehen aus dieser Linie ist in Linie Soheid-W - Berger Höhe erneut aufzufangen unter Anschlußhalten nach rechts und links. 9.) Waffen und Munition: Die für die Besetzung der Stellung noch benötigten sowie M.G. sowie Munition - für jedes zusätzliche M.G. 6 000 Schuß - werden dem verst.Grz.I.R.127 rechtzeitig, zugeführt. 10.)Karten: An Karten werden dem verst.Grz.I.R.127 überwiesen: Karte 1 : 25 000 mit den vornhandenen Betonbauten, Karte 1 : 10 000 mit den noch auszubauenden feldm.Anl. Karte 1 : 25 000 mit dem vorhandenen Kabelnetz u.Fernsprechnetz, Karte 1 : 25 000 mit dem Einsatz der Grenzwacht und den von dieser auszuführenden Sperren (Karte 1 : 25 300 mit dem Einsatz der Artl.) 11.) Für Versorgung ergehen Sonderbefehle. 12.) Meldungen: Alle Meldungen sind an die 36.Div. - Div.St.Qu.Kaiserslautern unleserlich weiterzugeben. |
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