| Kriegstagebuch Januar 1944 | |
| 19.1.1944 | KTB 9.Armee. Am Südflügel der Armee beginnt sich die Überlegenheit des Feindes gegenüber der eigenen durch die harten Kämpfe stark beanspruchten Truppe mehr und mehr bemerkbar zu machen. Sehr ungünstig wirkt sich die geländebedingte Unmöglichkeit eines vollen Einsatzes der Artillerie aus, die ja sonst - angesichts der geringen infanteristischen Starken - den wesentlichen Faktor der deutschen Abwehr zu bilden pflegt. Zu häufigem Stellungswechseln gezwungen vermag sie in dem unübersichtlichen Waldgelände den Grenadieren, die gegenüber dem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner einen schweren Stand haben, nur wenig zu helfen. Der geplante eigene Gegenangriff bei Rossowo, das seit gestern 11 mal den Besitzer gewechselt hat, muß aufgegeben werden (s.Anl. IV 1), da neben den bisher schon im Kampf um den Ort eingetretenen Ausfällen die für den Angriff noch zu erwartenden Verluste in keinem Verhältnis zu dem erstrebten Erfolg stehen würden. Der Oberbefehlshaber befiehlt deshalb, in einer brauchbaren Linie zur Verteidigung überzugehen (OB/Ia, 9.50 Uhr). Im Abschnitt der 36.I.D., an der Stelle, wo seinerzeit die nicht gelungene Schließung des "Nikolaus=Kessels zum Aufbau einer Stützpunkt=HKL im Sumpfgebiet nordwestl; Sagorje zwang, sind Feindteile bis an die Straße Tschirkowitschi - Welikij Bor durchgesickert, die sich laufend verstärken. Um einen weiteren Durchstoß zu verhindern, werden Kräfte aus dem Abschnitt Medwedoff freigemacht und zum Gegenangriff gegen den ein gebrochenen Feind eingesetzt. Besonders kritisch entwickelt sich die Lage im Abschnitt des LVI.Pz.K. Hier erzwingt der Feind unter Ausnutzung seines Brückenkopfes den Übergang über die Wischa in breiter Front, nimmt die Orte Ugly und Wischa und nähert sich der Straße Kolki - Osaritschi. Im Wald südlich Krjukowitschi kämpfen an eigenen Teilen nur noch versprengte Gruppen: der Zusammenhang der Front ist bis Teruscha unterbrochen (KG LVI/Chef, 15.55 Uhr). Es besteht, um ihn wiederherzustellen, nur die Möglichkeit, aus dem Upa=Abschnitt zwischen Kaplitschi und Krotoff starke Kräfte herauszulösen und sie dem Feind, der nach Westen und Norden weiter vorstößt, vorzulegen. Da jedoch dadurch die Upa-Pront so geschwächt werden würde, daß sie zur Abwehr eines stärkeren Feindangriffs nicht mehr in der Lage wäre, erbittet das AOK auf Antrag des LVI.Pz.K. von der Heeresgruppe die Zuführung von Kräften des rechten Nachbarn zur 4.Pz.Div., um einem Zurückeerfen des rechten Flügels der Division und damit einem Abreißen des Anschlusses zur 2.Armee vorzubeugen (Chef/ Ia H.Gr., 16.45 Uhr). Der Feldmarschall entscheidet, daß die 5.Pz.Div. ein Rgt. in den Abschnitt Kaplitschi - Krotoff stellen soll (s..Anl. V 4), genehmigt das Herausziehen von Teilen der 4.Pz.Div. zur Abriegelung des Einbruchs, fordert aber, daß die Front an der Upa ohne Rücksicht auf den weiter nördlich eingebrochenen Gegner auf alle Fälle an der jetzigen Linie stehenzubleiben habe (FM/ОВ 17.30 Uhr). Die Auffassung des LVI.Pz.K., das (s.dazu Anl. IV 4) darauf hinweist, der doppelte Auftrag, den Einbruch abzuriegeln und gleichzeitig an der Upa=Front festzuhalten, übersteige nicht nur die Kräfte des Korps, sondern werde auch ohne Zweifel sehr bald von der Entwicklung überholt sein, erscheint dem AOK zwar nicht ganz unbegründet, im Hinblick auf den strikten Befehl des Feldmarschalls weist der Oberbefehlshaber jedoch selbst noch einmal ausdrücklich darauf hin, daß die Front zwischen Kaplitschi und Krotoff unter allen Umständen verteidigt werden müsse; die Aufhebung dieses Befehls behält er sich selbst vor (OB/KG LVI, 23.20 Uhr; OB/Chef, 00.20 Uhr; Chef/Ia LVI, 00.25 Uhr). Darüber hinaus aber befiehlt er dem ХХXXI. und LVI.Pz.K. den beschleunigten Ausbau einer Riegelstellung in allgemeiner Linie Myssloff Rog - Nekraschi - Verlauf der Tremlja (s.Anl. IV 6). Auch beim XXXV.A.K. greift der Feind im Abschnitt der 45.I.D. heute erstmalig wieder mit schwächeren Kräften an. Es dürfte sich um einen Begleitstoß zu dem mit der Masse der Verbände südlich der Beresina geführten, auf Bobruisk zielenden Hauptangriff handeln. Seine Wiederholung in den nächsten Tagen erscheint nicht ausgeschlossen (s.Ic=Zwischenmeldung). Der heutige Angriff kann abgewiesen, ein örtlicher Einbruch im Gegenstoß bereinigt werden. Entsprechend dem gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernahme des Frontabschnittes am Nordflügel der Armee bis einschießlich. Now.Bychoff durch AOK 4 (s.Anl. V 1). Sic soll nach erfolgter Ablösung der dort stehenden Teile der 31.I.D. am 21.1 , 4.00 Uhr erfolgen. Das AOK gibt daraufhin dem LV.A.K. den Befehl, die 110.I.D. (vorerst ohne 1 verst.Rgt.Gruppe) nunmehr abschnittsweise herauszulösen und zum Südflügel der Armee in Marsch zu setzen. (s.Anl. IV 3). Um die ganze Division herauslösen zu können - und das AOK hält den Einsatz auch der zunächst noch beim LV.A.K. zurückbleibenden Rgt.Gruppe am Südflügel für unbedingt erforderlich - wird bei der Heeresgruppe die Übernahme noch eines weiteren Abschnittes der 31.I.D. durch Kräfte der 4.Armee beantragt (s. Anl. V 2). Von der Heeresgruppe ist die Inmarschsetzung der z.Zt. noch beim Pz.AOK 3 befindlichen 129.I.D. in den Raum Bobruisk befohlen worden. Die Division - mit Eintreffen als Heeresgruppenreserve dem AOK 9 unterstellt - soll dort eine kurze Auffrischungszeit durchmachen (s.Anl. V 1). |
| 20.1.1944 | KTB 9.Armee. Absicht des Feindes scheint zu sein, durch möglichst rasches Nachschieben von Verstärkungen in die Einbruchsräume den Aufbau neuer Widerstandslinien zu vereiteln und ohne Zeitverlust die wichtigen Übergänge über die Tremlja bei Kolki und der Upa bei Dubrowa in die Hand zu bekommen. Beim LVI.Pz.K. nimmt der Gegner Kaplitschi, den Eckpfeiler der noch an der Upa stehen gebliebenen Front, durchbricht die längs der Straße Kaplitschi - Kolki aufgebaute Sicherungslinie und stößt auf Dubnjaki vor. Ein Versuch, die Straße unter Einsatz von Panzern wieder freizukämpfen, mißlingt. Damit rückt die Möglichkeit eines Zerreißens der jetzt schon aufgebrochenen Front ostw. des Tremlja=Sunpfes in bedrohliche Nähe; die noch dort befindlichen, zum Teil schon vom Feind umgangenen Stützpunkte laufen Gefahr, entweder in den Sumpf zurückgeworfen zu werden oder in Gefangenschaft zu geraten. Das Sumpfgebiet, etwa 15 km breit und bis zu 8 km tief, ist bei der augenblicklichen Wetterlage höchstens für Fußgänger durchschreitbar. Um ein Abdrängen der noch südlich Dubnjaki stehenden eigenen Teile zur 2.Armee zu verhindern (die Armeegrenze verläuft quer durch den Sumpf), erbittet das LVI.Pz.K. die Genehmigung zur Zurücknahme seines rechten Flügels auf die Linie Dubnjaki - Ssawitschi. Dieser Antrag, vom AOK sofort zur Heeresgruppe weitergegeben, findet allerdings nicht deren Zustimmung. Die Heeresgruppe betont vielmehr, es müsse versucht werden, den Zusammenhang der Front unter allen Umständen, gegebenfalls sogar angriffsweise, ostwärts des Sumpfes wieder herzustellen. Sie unterstellt alle südlich der Linie Ssetowka - Dubnjaki stehenden Teile der 2.Armee, die gleichzeitig beauftragt wird, ein weiteres Feindvorgehen zwischen Upa und Tremlja möglichst weit nördlich zu verhindern - im übrigen wird beiden Armeen befohlen, alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung des Anschlusses zu treffen (s. dazu Anl. V 2 und IV 6). Auch im Angriff auf die inneren Flügel des LVI., und XXXI.Pz.K. erringt der Feind neue Erfolge. Nach erbittertem Kampf gehen Osaritschi und Pischelniki verloren. Angriffe auf Lessez und Ssolowcika können abgeschlagen werden. Im zweiten Brennpunkt der Kämpfe, beim XXXXI.Pz.K. , gelingt die Schließung der Lücke zwischen 134. und 36.I.D. nicht. Gegenangriffe haben nur teilweisen Erfolg. Zwischen Upa und Welikij Bor kann eine zusammenhängende HKL auch heute nicht wiederhergestellt werden. Da der Feind - etwa 2 Divn. stark - immer neue Verstärkungen in die Einbruchslücke nachführt, hat sich das Korps zur Heranführung weiterer Kräfte aus der Front der 36. und 134.I.D. gezwungen gesehen, was bei der 36.I.D. zum Zurückwerfen der stehengebliebenen schwachen Teile führt, als diese (im Abschnitt Medwedoff - Kremena) vom Feind ebenfalls angegriffen werden. Für die Front der 134.I.D., die in einen weit vorspringenden Bogen zum Teil noch an Upa steht, ist Gleiches im Falle eines Feindfagriffs zu befürchten. Der Oberbefehlshaber erbittet deshalb von der Heeresgruppe die Genehmigung zur vorbeugenden Zurücknahme dieses Frontbogens unter Belassung von Nachtruppen an der Upa, wodurch gleichzeitig (infolge der dann eintretenden Verkürzung der HKL) Weitere Kräfte zur Abriegelung des Einbruchs bei Welikij Bor freiwerden sollen. Die Genehmigung wird erteilt. Das AOK befiehlt daraufhin, da mit einer Fortsetzung starker feindlicher Angriffe auf Welikij Bor gerechnet werden muß, mit den freiwerdenden Teilen der 134.I.D. den dortigen Abwehrschwerpunkt weitmöglichst zu verstärken. Ob die feindlichen Pläne in diesem Abschnitt auf eine Wegnahme von Dubrowa und damit auf die Öffnung der von dort nach Piritschi führenden Straße zielen oder ob man auf der gegnerischen Seite hauptsächlich an einen Stoß auf Tschirkowitschi denkt, kann auf Grund des derzeitigen Frontbildes noch nicht gesagt werden. Auf den gestrigen Antrag des AOK befiehlt die Heeresgruppe die Übernehme eines weiteren Btl.-Abschnittes am linken Armeeflügel (bis Wotnja) durch die 4.Armee. AOK 9 erhält die Auflage, unter weiterer Verdünnung der Front des LV.A.K. nunmehr auch die letzter, dort noch im Einsatz befindlichen Teile der 110.I.D. zur geschlossenen Verwendung am Südflügel der Armee herauszulösen (s. Anl. VI und IV 1 und 2). Das im Raum südllich Bobruisk liegende, als Bandenzentrum bekennte Gebiet um Karpilowka, dessen Bereinigung nach Beendigung des "Nikolaus"=Unternehmens zu Jahresbeginn schon einmal geplant war, aber infolge deг Kampflage, die den teilweisen Einsatz an der Front forderte, damals nicht durchgeführt werden konnte, hat nach Unterstellung des LVI.Pz.K. dazu gezwungen, die dorthin führenden Versorgungswege verhältnismäßig frontnah durch den Bereich des XXXXI.Pz.K. verlaufen zu lassen. Mit dem schrittweisen Heranrücken der Front an diese Straße ist die Schaffung anderer Versorgungswege immer notwendiger geworden. Das AOK beabsichtigt daher, in den nächsten Tagen ein größeres Unternehmen im Raum Karpilowka durchzuführen, mit dem Ziel, einen von Glusk aus unmittelbar zum LVI.Pz.K. führenden Versorgungsweg. Um die dazu erforderlichen Kräfte zu erhalten, wird heute - in der schon damals geplanten Art - die Ablösung von zwei im Sicherungsdienst stehenden Landesschützenbataillonen durch neu aufzustellende Alarmeinheiten, und die Bereitstellung weiterer Sicherungskräfte befohlen. Als Führungsstab ist zunächst der Brigadestab z.b.V.4 (Treptow) vorgesehen, |
| 21.1.1944 | KTB 9.Armee. Die Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K. stehen auch heute wieder in schweren, wechselvollem Abwehrkampf gegen den hartnäckig weiter angreifenden Feind. Am äußersten rechten Armeeflügel geht am Vormittag Dubnjaki verloren, kann jedoch im Gegenangriff mit Unterstützung von Sturmgeschützen wiedergenommen werden, wobei der Feind schwere Verluste erleidet. Die erstrebte Wiedergewinnung des Anschlusses zur 2.Armee ostw. des Tremlja=Sumpfes allerdings gelingt nicht. Nördlich Osaritschi sind schwere Kämpfe um Lessez und Ssolowejka im Gange. Der Feind, der sich nach mehreren vergeblichen Angriffen in den Besitz beider Orte hat setzen können, wird in verlustreichen Häuserkämpfen wieder auf die alte HKL zurückgeworfen. Am Abend geht Ssoloweika erneut verloren. Die Nachtruppen, die noch in der bisherigen HKL der 134.I.D. an der Upa stehengeblieben sind, werden von überlegenem Feind durchbrochen und auf die Linie Sabolotje - Mechowtschina - Salje zurückgeworfen. Auch die Front der 36.I.D., die durch Abziehung von Kräften zur Abriegelung der Einbruchsstelle Welikij Bor stark überdehnt ist, wird vom Gegner an mehreren Stellen durchstoßen. In einzelnen Widerstandsgruppen zersprengt, erleidet die Division erhebliche Verluste. Erst südlich der Straße Welikij Bor - Tschirkowitschi kann der Feind unter Heranziehung dort eingesetzter Baukräfte wieder zum Stehen gebracht und eine neue Abwehrfront gebildet werden. Die Absichten des Feindes in diesem Raum scheinen, nach dem Schwerpunkt der heutigen Angriffe zu urteilen, nun doch in erster Linie auf die Gewinnung der Straße Tschirkowitschi - Paritschi gerichtet zu sein, was den Oberbefehlshaber dazu veranlaßt, die sofortige Bildung eines Abwehrschwerpunktes auf dem rechten Flügel der 253.I.D. zu befehlen, um ein Abgeschnittenwerden der im Brückenkopf Schazilki stehenden Teile der Division zu vermeiden. Daß dies nicht ohne Schwächung der Abwehrkraft des Brückenkopfes geschehen kann, ist bei den vorhandenen geringen Kräften unvermeidlich, zwingt aber andererseits dazu, die Möglichkeit eines Eindrückens des Brückenkopfes schon jetzt ins Auge zu fassen (s. dazu Anl. IV 1). In einer Besprechung, die am Vormittag beim Armeechef stattfindet, wird die Anlage des Bandenunternehmens südlich Bobruisk im einzelnen festgelegt (s. dazu den Befehl Anl. IV.2). Am 23.1. soll, in Erweiterung eines vom LVI.Pz.K. durchgeführten Unternehmens, mit dem Freikämpfen des Versorgungsweges für das LVI.Pz.K. über Karpilowka - Ratmirowitschi nach Glusk begonnen werden. Der Kampfauftrag geht dahin, das Bandenzentrum um Karpilowka zunächst von Norden im Zuge der Eisenbahn und von Osten her anzugreifen, um die Banden nach Westen über den Ptitsch zurückzuwerfen. Der Versuch einer Einschließung und Vernichtung der Banden soll unterlassen, nach Säuberung des Gebietes um Karpilowka vielmehr unverzüglich zum Freikämpfen eines Weges nach Nordwesten auf Glusk und nach Südosten auf Kurin und Grabje abgetreten werden (Einzelheiten s.d.Anl.). |
| 22.1.1944 | KTB 9.Armee. Die schweren Kämpfe, die seit dem 16.1. auf dem Südflügel der Armee entbrannt sind, stehen, wie jetzt, allmählich immer klarer hervortritt, unter dem Zeichen eines neuen sowjetischen Großangriffsverfahrens. Der Feind berennt nicht, wie er еs sonst vielfach tut, auf breiter Front die deutschen Stellungen, sondern greift unter scharfer Bildung örtlicher Schwerpunkte einzelne Stellen der HKL mit starken Kräften an und versucht, wenn ihm der Durchbrach gelingt, in sofortigen Eindrehen die Front aufzurollen. Gelingt ihm der Durchbruch nicht, so pflegt er nach verhältnismäßig rascher Verlagerung seiner Schwerpunkte an anderer Stelle erneut anzugreifen. Es ist dies eine taktisch außerordentlich geschickte Angriffsart, die аn den Verteidiger führungsmäßig größte Anforderungen stellt; sie verlangt eine in höchstem Maße wendige Anpassung an die Kampfweise des Gegners durch vorausschauende und schnelle Bildung von Abwehr Schwerpunkten in den jeweils bedrohten Abschnitten. Von der Truppe fordert sie - gerade hier, in dem fast -überall unübersichtlichen und für den Artillerieeinsatz besonders ungünstigen Gelände - äußerste Anstrengungen und Leistungen. Die. Tatsache, daß es bisher gelang, die fast immer mit erheblicher Überlegenheit geführten Angriffe nach kurzer Zeit wieder zum Stehen zu bringen und die Front geschlossen zu halten, ferner, daß im ganzen gesehen - doch nur ein im Verhältnis zum Kräfteeinsatz des Feindes geringfügiger Geländestreifen verloren wurde, stellt Führung und Truppe ein hervorragendes Zeugnis aus. Am heutigen Tag steht die Front südlich der Beresina wiederum in äußerster Anspannung, Um den heftigen feindlichen Angriffen sandzuhalten. Abgesehen von zwei örtlichen Einbrüchen bei Dubnjaki und bei Sakletnoje (4.Pz.Div. bzw. 253.I.D.), um die am Abend noch gekämpft wird, bleibt die HKL überall in eigener Hand (Näheres s.Anl. II und III). Besonders schwer sind die Kämpfe beim XXXXI.Pz.K. (36. und 253.I.D.). Der Oberbefehlshaber hat deshalb befohlen, eine Rgt.Gruppe der an sich zum Einsatz am Korpsflügel des LVI.Pz.K. bestimmten 110.I.D., vorläufig am linken Flügel des XXXXI.Pz.K. in der 2.Stellung einzusetzen, um zu verhindern, daß der Feind bei einem plötzlichen Einbruch diese eher als die eigene Truppe erreicht, denn er hofft, falls die Front noch weiter zurückgeworfen werden sollte, die stark abgekämpften Verbände wenigstens für einige Tage in dieser Stellung sich setzen zu lassen. Der Verbleib des I.Gde.Pz.K., mit dessen Auftreten ja nun schon seit Tagen gerechnet wird, ist nach wie vor zweifelhaft; das Vorhandensein einzelner Panzer in verschiedenen Frontabschnitten gibt noch kein endgültiges Bild. Das AOK hält jedoch sein Auftauchen im Abschnitt des LVI.Pz.K. für besonders wahrscheinlich. Es wird deshalb befohlen, die erste soeben fertig aufgestellte - Kompanie des Armee=Pz.=Zerstörer=Btl. dem LVI.Pz.K. zuzuführen. Die Kp. ist mit der neuen R=Panzerabwehrwaffe, dem sog. "Ofenrohr" ausgestattetj die hier erstmalig im Armeebereich zum Einsatz kommen soll (s.Anl. IV 1). |
| 23.1.1944 | KTB 9.Armee. Nach vorübergehendem Abflauen der Kämpfe an der Front des LVI.Pz.K. und XXXXI.Pz.K. in den Morgenstunden tritt der Feind kurz nach 11 Uhr schlagartig erneut zum geschlossenen Angriff an. Auch heute gelingt es, unter schwierigsten Kampf- und Geländeverhältnissen, die entscheidungsuchenden sowjetischen Angriffe unter Abriegelung örtliche Einbrüche abzuweisen. Zu besonderer Härte steigern sich die feindlichen Angriffe beim XXXXI.Pz.K, im Abschnitt der 36.I.D., wo der Feind nach heftiger Feuervorbereitung in mehreren Rgt.-starken Angriffen mit Unterstützung von 20 Panzern die HKL bei Welikij Bor durchbricht, den Ort nimmt und erst an den Waldrändern westl., nördlich und ostwärts davon wieder aufgefаngen werden kann. 14 Panzer werden abgeschossen. An der übrigen Front der Division kann der feindliche Ansturm ebenso wie bei der 134.I.D., die heute insgesamt 16 Feindangriffen in Btl.-Stärke und darüber standzuhalten hat, abgewiesen werden. Die Bereinigung einzelner Einbrüche ist allerdings nur unter rücksichtsloser Herauslösung von Kräften aus nicht angegriffenen Abschnitten möglich gewesen. Auch bei der 36.I.D. ist eine Stützung der Abwehr durch Zuführung neuer Kräfte zwingende Notwendigkeit geworden. Um diese Kräfte zu gewinnen, wird dem XXXXI.Pz.K. eine Begradigung seiner Front durch Zurücknahne vorspringender Teile der HKL befohlen, jeweils unter Belassung von Nachtruppen in den alten Stellung, die nur vom Feinde gedrängt ausweichen dürfen (s.Anl. IV 1). Es handelt sich dabei noch nicht um ein Beziehen der in allg. Linie Ssemenowitschi - Kobylschtschina - Jaswin - Tschirkowitschi=Ost. ausgebauten, im Norrden als Riegel zur Beresina abgebogenen 2.Stellung, sondern um eine Zwischenlinie, die über Ssemenowitschi - Mechowtschina - nördl. Welikij Bог - nördl. Moltscha-Süd -südl. Rudnja - Kakel verläuft (s.Anl. I). Die Versammlung der für das morgen beginnende Bandenunternehmen im rückw. Gebiet des LVI.Pz.K. vorgesehenen Kräfte ist beendet. Da das vom LVI.Pz.K, durchgeführte, bereits im Gang befindliche Teiluntetnehmen heute nur auf schwachen Widerstand gestoßen ist (die Banden sind anscheinend zum großen Teil bereits nach Westen über den Ptitsch ausgewichen) und am Abend bereits die Einnahme von Kerpilowka gemeldet wird (Ia Korück/Ia,. 20.20 Uhr), erhält die Kampfgruppe Treptow, der die Teile des LVI.Pz.K. unterstellt werden, in Abänderung des bisherigen Kampfplanes Befehl, nach Säuberung des Waldgebietes nördlich Karpilowka zwischen der Bahnlinie und dem Ptitsch alsbald Kräfte auf das Westufer des Flusses vorzutreiben, die Wegeverbindung Karpilowka - Glusk zu öffnen und zur späteren Sicherung dieser Verbindung ein entsprechendes Vorfeld nach Südwesten zu schaffen (s. Anl. IV 2, 2a, 3). Im Raum Bobruisk sind heute erste Teile der aufzufrischenden 129.I.D. eingetroffen. |
| 24.1.1944 | KTB 9.Armee. Mit weit überlegenen Kräften, unterstützt durch seine Luftwaffe, greift der Gegner auch heute wieder mit Schwerpunkt beim XXXXI.Pz.K, an. Die nun schon über acht Tage andauernden schweren Kämpfe, verschärft durch das Fehlen ausreichend ausgebauter Stellungen, die Auswirkungen der Witterung und den Aufenthalt im Sumpfgelände heben die Abwehrkraft der Truppe bedenklich absinken lassen. Dank seiner Überlegenheit kann der Feind mehrere Einbrüche in die Front der 134., 36. und 253.I.D. erzielen, deren Bereinigung trotz sofort geführter Gegenstöße in der Mehrzahl der Fälle nicht gelingt. Der Zusammenhang der HKL geht an zahlreichen Stellen ganz verloren, zuweilen können sich isolierte Teile nur durch Ausweichen nach Norden bzw. Nordwesten der drohenden Einschließung entziehen. Der Oberbefehlshaber, der sich beim XXXXI.Pz.K. befindet, hält auf Grund dieser Lage die Zurücknahme in die ausgebaute 2.Stellung (bei 253.I.D.) in die Riegelstellung bei Tschirkowitschi) nunmehr für unbedingt erforderlich. Er erbittet infolgedessen vom Feldmarschall die grundsätzliche Genehmigung zum Absetzen, weist darauf hin, daß nur so ein geordnetes Beziehen dieser Stellung und eine zureichende Anbringung von Hindernissen und Minensperren gegen den nachdrängenden Feind gewährleistet sei und betont, die Genehmigung nur insoweit ausnutzen zu wollen, als der feindliche Druck dazu zwinge (OB/Chef H.Gr., 12.15Uhr). Der Feldmarschall ist einverstanden, allerdings nur unter der Bedingung, daß der Brückenkopf Schazilki weiterhin gehalten werde (Chef H.Gr./OB, 12.45 Uhr), da durch eine Zurücknahme der dortigen HKL auf den Riegel bei Tschirkowitschi eine neue Front am Norrdufer der Beresina entstehe, die, angesichts der Unmöglichkeit, sie mit ausreichenden Kräften zu besetzen, die Gefahr dort mit Sicherheit zu erwartender erneuter Feindangriffe und =einbrüche heraufbeschwöre (s. auch Anl. V 2). Der Oberbefehlshaber verweist demgegenüber darauf, daß bei Belassung des Brückenkopfes die darin stehenden Teile mit größter Wahrscheinlichkeit bald abgeschnitten werden würden und angesichts der aufgetauten Beresina keine Aussicht hätten, notfalls, bei überlegenem Feindangriff, auf das Nordufer des Flusses auszuweichen. Mit einem Angriff des Gegners über den Fluß sei zum mindesten solange nicht zu rechnen, als dieser nicht wieder zugefroren sei, bis dahin aber werde das Nordufer ausreichend gesichert sein. Unter dem Eindruck neuer Angriffe gegen den linken Flügel der 253.I.D., die wieder zu tiefen Einbrüchen führen, gibt der Feldmarschall daraufhin sein Einverständnis zur Räumung auch des Brückenkopfes (FM/OB, 14.40 Uhr). Dem XXXXI.Pz.K. wird befohlen, in der kommenden Nacht seine Front in die 2.Stellung bzw. den Tschirkowitschi=Riegel zurückzunehmen. Um Kobylschtschina und Sarotschje sollen brückenkopfertige Stellungen gehalten werden, im übrigen durch Nachtruppen und Sperrarbeiten das Folgen des Gegners möglichst länge verzögert werden, um noch weitere Zeit für den Stellungsbau zu gewinnen. Das XXXV.A.K. erhält Befehl, seinen Südflügel längs der Beresina bis zur Fährstelle nordostw. Tschirkowitschi zu verlängern und Vorbereitungen für eine weitere Verlängerung bis nördl. Studitschi, dem Anschlußpunkt zur eigentlichen 2.Stellung des XXXXI.Pz.K., zu treffen. Die Besetzung des Beresina=Nordufers muß zunächst mit alarmmäßig aufgestellten Einheiten durchgeführt werden, zum 26.1. ist die Rückführung des Div.Füs.Btl.45 vorgesehen, das dann den Abschnitt endgültig übernehmen soll. Beim LVI.Pz.K. hat die Kampftatigkeit nachgelassen. Lediglich auf den linken Korpsflügel greifen die Angriffe über; dort geht Ssemenowitschi vorübergehend verloren. Der eigene Gegenangriff, durch den der Feind wieder geworfen werden kann, kostet den Gegner außerordentlich hohe Verluste. Im rückwärtigen Gebiet des LVI.Pz.K. nimmt das Bandenunternehmen gegen verhältnismäßig geringen Feindwiderstand seinen planmäßigen Fortgang (Einzelheiten s. Morgenmeldung v. 25.1.44). |
| 25.1.1944 | KTB 9.Armee. Dem XXXXI.Pz.K. ist der Aufbau einer neuen Verteidigungsfront in der 2.Stellung gelungen. Der Feind, der die Nachtruppen der 134.I.D. an mehreren Stellen angreift, wird abgewiesen, die Brückenköpfe Kobylschtschina und Saretschje können, gehalten werden. Vor der Front der 36. und 253.I.D. schließt der Gegner mit starken Kräften auf, wobei er durch zahlreiche Verminungen und Sperren aufgehalten wird. Eigene Luftwaffe bekämpft feindliche Ansammlungen und Bereitstellungen (s. dazu Anl. II u. III). Auch beim LVI.Pz.K. ist die Kampftätigkeit heute wieder nur gering. Der Feind benutzt die Zeit zu umfangreichen Umgruppierungen. Westlich der Wischa hat er sich durch Zusammenziehung von 7 besonders kampfkräftigen Schtz.Div., die anscheinend durch Heranführen von Verbänden aus dem Raum Osaritschi noch verstärkt werden, eine Kräftegruppe von erheblicher Stoßkraft geschaffen, offensichtlich mit der Absicht eines Durchbruchs über die Tremlja. Auch das I.Gde.Pz.K. scheint er hier herangezogen zu haben. Man muß deshalb in diesen Abschnitt mit einem baldigen Wiederaufleben heftiger Kämpfe rechnen. Auf bauend auf den Erfahrungen des bisherigen Kampfverlaufs und in der Erwartung, daß der Feind seine Durchbruchsversuche südlich der Beresina weiter fortsetzen wird, läßt der Oberbefehlshaber an die beteiligten Korps eine grundsätzliche Kampfanweisung ergehen (Anl. IV l). Davon ausgehend, daß der Feind seine Erfolge in erster Linie der in dem größtenteils unübersichtlichen Waldgelände besonders unangenehm fühlbaren zahlenmäßigen Schwäche der eigenen Infanterie verdankt, wird befohlen, durch vermehrten Einsatz schwerer Waffen in Geländeabschnitten mit guter Beobachtungsmöglichkeit dort infanteristische Kräfte einzusparen und und diese dann zur Verdichtung der Front in unübersichtlichen Abschnitten einzusetzen. Um dem neuen feindlichen Angriffsverfahren, der plötzlichen und überraschenden Bildung örtlicher Angriffsschwerpunkte, wirksam entgegentreten zu können (was vor allem dann Erfolg verspricht, wenn Gegenstöße sofort geführt werden und nicht erst dann, wenn schon größere Einbrüche erzielt sind), wird die Zurückhaltung zahlreicher kleiner Stoßgruppen befohlen, denen die Aufgabe zufällt, die feindlichen Angriffsspitzen im Gegenstoß solange aufzuhaltcn, bis stärkere Reserven zur Stelle sind - hierzu soll je Schwerpunktabschnitt ein durch Sturmgeschütze verstärktes Btl. bereitgehalten werden. Endlich wird angeordnet, unter Einsatz aller Mittel den Ausbau von Riegel- und rückwärtiger Stellungen so zu fördern, daß in Falle eines Feindeinbruchss mindestens eine als Auffanglinie geeignete Stellung als Rückhalt für den Neuaufbau der Verteidigung vorhanden ist. Das geschieht in der klaren, Einsicht, daß es in dem gegenwärtigen Kampf darauf ankommt, unter allen Umständen einen feindlichen Durchbruch zu verhindern und gleichzeitig die größtmögliche Abnützung der gegnerischen Kräfte zu erreichen. Wenn in Anbetracht der eigenen zahlenmäßigen Unterlegenheit bei dieser dieser Art der Kampfführung einzelne Geländestreifen verloren gehen, so muß dies - wenn auch ungern - in Kauf genommen werden. Zu diesem Zweck soll, hinter der derzeitigen HKL ein dichtes Netz neuer Stellungen entstehen (srAnl. I op. und IV 1 v. 27.1.44). Dem XXXV.A.K. wird aufgegeben, seine neu entstandene Beresina= Flanke durch Einsatz von Alarmeinheiten zu verstärken und dafür Sorge zu tragen, daß auch artilleristisch die sofortige Bekämpfung übergesetzter Feindteile sichergestellt ist - auch hier kommt es entscheidend darauf an, jeden gegnerischen Vorstoß schon im Keime zu ersticken. Als Führungsstab für diesen Abschnitt hat das AOK dss Div.Kdo. 707.I.D. zur Verfügung gestellt. |
| 27.1.1944 | KTB 9.Armee. Wider Erwarten haben die feindlichen Angriffe auf den rechten Armeeflügel heute etwas nachgelassen. Grund dafür dürften wohl Versorgungsschwierigkeiten beim Feind sein - das anhaltende Tauwetter läßt die Straßen von Tag zu Tag grundloser werden, Daß der Gegner seine Angriffsabsichten keineswegs aufgegeben hat, zeigt allein schon die Tatsache, daß er eine bisher zwischen Beresina und Dnjepr stehende Division über die Beresina nach Süden (vor den linken Flügel der 36.I.D.) аbgezogen hat. Der gestrige Einbruch beim LVI.Pz.K. kann bis auf eine noch verbleibende Lücke, um deren Schließung erbitterte Kämpfe im Gange sind, verengt werden. Beim XXXXI.Pz.K. werden zahlreiche Feindangriffe, die am Nachmittag an Heftigkeit zunehmen, abgewiesen; nur nördlich Ssemenowitschi, im Abschnitt eines Sicherungsbataillons, das sich zwar in den vergangenen Tagen hervorragend geschlagen, dessen Kampffähigkeit jedoch infolge der pausenlosen Beanspruchung stärkstens gelitten tat, gelingt dem Gegner ein Einbruch, zu dessen Bereinigung die Kräfte des Bataillons nicht mehr ausreichen. Dieser Fall zeigt schlaglichtartig, wie untragbar allmählich der fortdauernde Einsatz von Sicherungseinheiten in vorderster Linie geworden ist. Erzwungen durch den Mangel an anderen Kräften, stellt er immer mehr eine ernsthafte Gefährdung für die Standfestigkeit der Abwehr dar. Einige der Sicherungsverbände haben bereits, um nicht völlig zerschlagen zu werden, aus der Front herausgelöst werden müssen, die noch verbliebenen nähern sich der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Der Oberbefehlshaber ist entschlossen, nunmehr auch diese herauszulösen (OB/Chef, 21.00 Uhr). Schwierigkeiten macht allerdings die Frage, wie ein Ausgleich für die dadurch eintretende Schwächung der Front geschaffen werden kann. Der Armeechef schlägt der Heeresgruppe eine Erstreckung des linken Flügels der 2.Armee nach Norden vor, was diese jedoch als z.Zt. undurchführbar ablehnt, seiner Bitte um Beschleunigung der Ersatzzuführung verspricht der Chef der Heeresgruppe dagegen nach Möglichkeit entsprechen zu wollen. Darüber hinaus verweist er darauf, daß der Feldmarschall beabsichtige, die 129.I.D. nach beendeter Auffrischung zur Entlastung der Kampffront südlich der Beresina einzusetzen; es sei allerdings notwendig, an ihrer stelle eine andere, abgekämpfte Division aus der Front zu ziehen (Chef/Chef H.Gr., 21.05 Uhr). Welche Division das sein wird, steht noch dahin. Der Verbleib des I.sowjet.Gde.Pz.K., mit dessen Auftauchen beim LVI.Pz.K. oder XXXXI.Pz.K. das AOK immer gerechnet hat und auf Grund der vorliegenden s.Qu.=Nachrichten auch noch hat rechnen müssen, scheint sich ellmählich zu klären: Die Heeresgruppe teilt mit, das Korps sei im Süden der Ostfront aufgetreten; die Meldungen darüber sind allerdings noch nicht so eindeutig, als daß man sie für unumstößlich sicher Ansehen könnte (s.Anl. X: Chef H.Gr./Chef, 23.50 Uhr; Ic/Chef, 00.30 Uhr). Wie die Heeresgruppe ferner mitteilt, hat der Führer die -Zurücknahme des vorspringenden linken Flügels der 2.Armee genehmigt. Das Absetzen erfolgt in 2 Sprüngen, heute nacht werden die dort stehenden Verbände hinter die Tremlja, morgen nacht hinter den Ptitsch ausweichen. Dem LVI.Pz.K. wird daraufhin befohlen, im unmittelbaren Einvernehmen mit seinem rechten Nachbarn, dem XX.A.K., für die Wiederherstellung des Anschlusses zur 2. Armee westlich der Tremlja Sorge zu tragen (s.Anl. IV 7 und Anl. I). |
| 28.1.1944 | KTB 9.Armee. Gegen äußerst zähеп Feindwiderstand, nach schweren und beiderseits verlustreichen Waldkämpfen, gelingt nach Heranführung neuer Kräfte die Bereinigung des gestern nördlich Ssemenowitschi erzielten Einbruchs, nachdem der bereits zum weiteren Angriff aus der Einbruchsstelle nach Norden angetretenen Gegner im Morgengrauen durch zusammengeraffte Troßteile der 134.I.D. aufgehalten werden konnte. Beim XXXXI.Pz.K, beschränkt sich der Feind heute im übrigen auf zahlreiche, über die ganze Front verteilte Angriffe und Vorstöße, die, obwohl sie an me mehreren Stellen, vor allem bei der 36.I.D., zu harten Gefechten, bei der 134.I.D. sogar zu einem vorübergehenden Einbruch führen, doch im wesentlichen nur als starke Aufklärung zu werten sein dürften, mit der der Feind die neue Stellung abtastet (s.Anl. II und III). Mit dem baldigen Wiederbeginn größerer Angriffe muß jedoch gerechnet werden: vor dem XXXXI.Pz.K. ist heute noch eine zweite der bisher zwischen Dnjepr und Beresina, stehenden Divisionen festgestellt worden. Damit steht im Raum südl. Shlobin nur noch eine einzige bekannte feindl. Schtz.Div. in Front; welche Verbände der Gegner z.Zt. außerdem dort noch eingesetzt hat, ist im Augenblick ungeklärt. Es ist allerdings anzunehmen, daß noch weitere Kräfte vorhanden sind - eine geringere Besetzung der Gräben hat bisher nicht festgestellt werden können und Spähtrupps des XXXV.A.K. sind nach wie vor auf lebhaften Widerstand gestoßen. Vermehrte Aufklärung ist befohlen (s. Anl. IV 11). Der Schwerpunkt der Kämpfe liegt heute wieder beim LVI.Pz.K., wo der Gegner im Abschnitt der 35.I.D. erneut angreift, die mangels ausreichender Kräfte nur unzulängliche Abriegelung der alten Einbruchsstelle sprengt und einen tiefen. Einbruch erzielen kann. Versuche, die entstandene Lücke zu schließen oder wenigstens das feindliche Vorgehen aufzufangen, scheitern: der Feind dringt bis auf das Höhengelände 2 km südsüdwestl. Mewed vor. Der Oberbefehlshaber, der sich entschlossen hat, dem rechten Armeeflügel unter Rückgriff auf letzte Möglichkeiten des XXXV. und LV.A.K. noch weitere Verstärkungen zuzuführen (insgesamt 2 Btle.; s. Anl. IV 1), hält angesichts der offenbaren Aussichtslosigkeit, mit den vorhandenen Kräften einen Gegenengriff zu führen, eine Zurücknahme der Front der 35.I.D. zum Aufbau einer neuen HKL für notwendig, um einem Weiterstoßen des Feindes bis zur 2.Stellung vorzubeugen und zu verhindern, daß den noch vorn stehenden schweren Waffen der Division der Rückweg abgeschnitten wird. Nach erfolgter Genehmigung dieser Absicht durch den Feldmarschall (FM/ОВ, 20.50 Uhr) erhält das LVI.Pz.K. Befehl, sich in allgemeiner Liпіе ostw. Ssawitschi -Ssawin Rog - südl. Gora erneut zur Abwehr zu gliedern (OB/KG LVI, etwa 21.00 Uhr). Infolge der für die jetzige Jahreszeit so ungewöhnlich warmen Wetters hat die Verschlammung der Wege die sich schon in den letzten Tagen verschiedentlich sehr unangenehm bemerkbar machte, im Bereich des LVI.Pz.K, inzwischen ein derartiges Ausmaß angenommen, daß das Korps binnen kurzem eine Lahmlegung seines gesamten mot=Versorgungsverkehrs befürchtet, auf den es umso mehr angewiesen ist, als die Bahn von Ratmirowitschi nach Süden z.Zt. erst gebaut wird (KG LVI/Chef, 10.10 Uhr). Leider verfügt das dem AOK je erst seit kurzem unterstellte LVI.Pz.K. noch nicht über eine genügende Anzahl von Zivil-Arbeitsabteilungen, die sich bei den übrigen Korps inzwischen bestens bewährt haben. Um beschleunigte Abhilfe zu schaffen, veranlasst das AOK die Zuführung von insgesamt 1600 Kriegsgefangenen, Zivilisten und Angehörigen des OD zum LVI.Pz.K., teils zum Wegebau, teils zum Weiterbau der Bahnstrecke. Die Heeresgruppe hat die Rückgabe der zum AOK 2 gehörigen Sicherungsbataillone, die sich noch beim LVI.Pz.K. befinden und auf Grund ihrer stark abgesunkenen Gefechtsstärken bereits aus der Front gezogen worden sind (Chef/Chef H.Gr., 17.1.44, 2.1.05 Uhr), zur 2.Armee befohlen (Anl. V 1). Auch das AOK ordnet an, die eigenen Sicherungsbataillone den Korück zur Auffrischung zuzuführen (s. Anl. IV 3). |
| 29.1.1944 | KTB 9.Armee. Die Kämpfe südlich der Beresina dauern in unverminderter Härte an. Sie stellen die Abwehrkraft der Truppe, die bei dem derzeitigen naßkalten Wetter außer den Kampfverlusten auch sehr starke, zahlenmäßig z.T. sogar überwiegende Ausfälle durch Erkältungskrankheiten aller Art zu verzeichnen hat, auf eine schwere Probe. Beim LVI.Pz.K. setzt der Feind seine Angriffe aus der gestrigen Einbruchsstelle heraus fort und kann erneut Gelände gewinnen. Während die 4.Pz.Div. starke Feindangriffe unter Bereinigung eines örtlichen Einbruchs abwehren, die 35.I.D. sogar durch einen eigenen erfolgreichen Gegenangriff den scharf nachdrängender Feind zeitweilig zurückwerfen kann, wird der bei Gora stehende rechte Flügel der 110.I.D. durch starke Angriffe des Feindes durchbrochen und auf die Linie Cholina - Medwed zurückgeworfen. Hier erst kann nach beiderseits verlustreichen Kämpfen der feindliche Stoß aufgefangen werden. Der Gegner führt laufend Verstärkungen in den Einbruchsraum nach. Gegen Abend meldet das LVI.Pz.K., daß die gespannte Lage in diesem Raum keineswegs seine einzige Sorge für den morgigen Tag sei. S.Qu.-Nachrichten und Luftaufklärungsmeldungen zufolge müsse mit einem unmittelbar bevorstehenden Versuch des Gegners gerechnet werden, durch Umgehung von Kolki von Süden her auf das Westufer der Tremlja zu gelangen. Gleichzeitig seien Fesselungsangriffe gegen die Ostfront des Korps zu erwarten. Ein Gelingen dieser feindlichen Umfassungsаbsicht bedeute aber eine erhebliche Bedrohung der noch ostw. der Kolki=Enge stehenden 4.Pz.Div. denn für den Fall, daß dann ihre Zurücknahme hinter die Tremlja erforderlich werden sollte, sei nur eine einzige für Fahrzeuge geeignete Brücke bei Kolki vorhanden, zu der auch nur ein einziger Fahrdamm führe. Der linke Flügel der 2.Armee stehe aus Geländegründen ohnehin erst bei Ssubischtsche (südwestl.- Kolki befinden sich nur schwache Sicherungen), deshalb bittet das Korps darum, um ein geordnetes Abfließen der 4.Pz.Div. sicherzustellen, sich mit seinem rechten Flügel in der Nacht vom 30./51.1. in die als Stellung vorbereitete Linie Ssubischtsche - Kolki- Ssawin Rog absetzen zu dürfen. Hier glaube man endgültig halten zu können, während ein längeres Verbleiben in der sehr ungünstigen, auf die Dauer unhaltbar jetzigen Linie nicht möglich sein werde (Chef LVI/Chef, 19.50 Uhr). Der Armeechef erklärt dazu, er halte es keineswegs für richtig, die Front der 4.Pz.Div. ohne Feinddruck zurückzunehmen, angesichts der Feinddrohung müsse im Gegenteil deren rechter Flügel auf Kosten der übrigen Front verstärkt werden, damit die Stellungen vorwärts Kolki gehalten werden könnten. Da auch der Gegner z.Zt. an bestimmte Bewegungslinien, gebunden sei, könne man den erwarteten Angriffen von Osten durch Bildung örtlicher Abwehrschwerpunkte an den Straßen-und Wegen sehr wohl begegnen. Im übrigen dürfe man sich erst dann absetzen, wenn der Feinddruck dazu zwinge, denn nur dadurch sei eine Abnutzung der gegnerischen Kräfte zu erzielen. - Die Entscheidung des Oberbefehlshabers über den Antrag lautet aus den gleichen Erwägungen ablehnend; dem LVI.Pz.K. wird, das Halten der jetzigen Stellung unter Verstärkung der Abwehr südlich Kolki befohlen (s.Anl.IV 2). Die Heeresgruppe hat zugesagt, daß auch die 2.Armee ihren linken-Flügel durch Bereitstellung von Eingreifreserven verstärken wird, um der Gefahr eines feindl. Durchbruchs auf der Armeenaht vorzubeugen. - Auch an der Front des XXXXI.Pz.K. kommt es wieder zu harten Kämpfen. Die Angriffe des Gegners können zumeist abgeschlagen, eingebrochene Feindteile im Gegenstoß zurückgeworfen werden. In seinem Angriffsschwerpunkt, bei Kobylschtschina, hat der Feind allerdings einen größeren Einbruch erzielt, dessen Bereinigung trotz mehrfacher, von Sturmgeschützen unterstützter Gegenangriffe noch nicht gelungen ist. Vorereitungen zur Wiederholung des Angriffs mit verstärkten Kräften sind im Gange. Im Hinblick auf die im Laufe der Kämpfe stark abgesunkene Abwehrkraft der Truppe hält das AOK es für notwendig, zur Gewährleistung einer weiteren erfolgreichen Kampfführung die baldige Freigabe der 129.I.D. zum Einsatz im Kampfraum südl. der Beresina bei der Heeresgruppe zu beantragen. Dem AOK ist bekannt, daß die Heeresgruppe an einen Austausch, der 129.I.D. mit der 4.Pz.Div. denkt, es hält diese Lösung jedoch nicht für zweckmäßig, weil nach seiner Ansicht in erster Linie ein feindlicher Durchbruch über Paritschi verhindert und deshalb vor allem das XXXXI.Pz.K. in seiner Kampfkraft gestärkt werden muß. Es wird daher der Heeresgruppe vorgeschlagen, mit der 129.I.D. zunächst die beim XXXXI.Pz.K.im Brennpunkt der Abwehr stehende 36.I.D. abzulösen, sie kurze Zeit aufzufrischen und dann, zur herauslösung der 4.Pz.Div. zu verwenden. Zur sofortigen Verstärkung der 36.I.D. und zur Beschleunigung der späteren Ablösung stellt das AOK ferner den Antrag, schon jetzt da Art.Rgt. der 129.I.D. zusätzlich im Abschnitt der 36.I.D. einsetzen zu dürfen. Der ehemalige Oberbefehlshaber der 9.Armee, Gen.Oberst Model, weilt heute zu einen kurzen Besuch beim AOK. |
| 31.1.1944 | KTB 9.Armee. Erstmalig nach 15=tägigem, härtesten Ringen ist südl. der Beresinp eine Kampfpause eingetreten. Das Nachlassen der feindlichen Angriffstätigkeit dürfte auf die erheblichen Verluste der letzten Tage, wohl sich auf Nachschabschwierigkeiten zurückzaführen sein. Es liegen indessen keinerlei Anzeichen dafür vor, daß der Feind etwa seine Angriffsabsichten aufgeeben hätte; vielmehr ist damit zu rechnen, daß er nach erfolgter Auffüllung und Munitionierung seiner Verbände mit der bisherigen Zielsetzung erneut antreten wird, möglicherweise schon morgen. Heute beschränkt sich der Feind auf einige schwächere Angriffe beim LVI.Pz.K., vor allem wiederum im Abschnitt Ssawin Rog - Cholma (s.Anl. II und III). Sie werden sämtlich abgewiesen. Beim XXXXI.Pz.K. herrscht Ruhe. Entsprechend der gestern von der Heeresgruppe erteilten Genehmigung zum Einsatz des Art.Rgt. 129 befiehlt das АOK heute seine Inmarschsetzung zur 36.I.D., wo es als Verstärkung der Divisionsartillerie verwandt werden wird (s.Anl. IV 1 und 2). |
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