| Kriegstagebuch Juli 1944 | |
| 5.7.1944 | KTB 9.Armee. Trotz neuer, z.T. schwerer Krisen steht der heutige Kampf im Zeichen einer allmählichen Stabilisierung der Abwehrfront ostw. Baranowicze. Im Süden, bei der Gruppe Harteneck, ist der Aufbau der neuen HKL an der ostwärtigen Szczara planmässig gelungen; auch die Kgl.ung.1.K,D. hat die befohlenen Stellungen bezogen. Teile der Div. werden weiter westlich aufgefangen und wieder vorgeführt. Die 292.I.D. hat mit der Masse Hancewicze erreicht und greift mit einer Vorausabteilung bereits heute längs der Bahnlinie nach Norden an, um den Austritt aus dem Sumpfgebiet zu erkämpfen (s.Anl.IV 19). Morgen wird die ganze Division zum Angriff antreten. Der Gruppe Harteneck ist befohlen, durch Angriff der Kgl.ung.1.K.D. nach Südwesten die angestrebte Vereinigung beider Divisionen zu unterstützen. Der OB beabsichtigt, die 292.I.D. später an der Rollbahn einzusetzen und der kgl.ung.1.Kav.Div. den Schutz der Südflanke zu übertragen, um ihre geringe Standfestigkeit nicht noch einmal zu einer Gefahr für die gesamte Abwehr der Gruppe von Vormann werden zu lassen (s.Anl. IV 13, 14, 15). Im Gegensatz zur damit verhältnismäßig entspannten Kampflage im Südabschnitt kommt es nordostwärts Baranowicze auch heute wieder zu heißen Kämpfen. In den Morgenstunden brechen starke feindliche Panzerkräfte unter Ausnutzung einer während der Nacht noch nicht geschlossenen Frontlücke bei Swojaticze nach Westen durch und stoßen bis an die inzwischen von einer Sicherheitsbesatzung des Festen Platzes von Baranowicze besetzten Weltkriegsstellung bei Odachowszczyzna (10 km ostnordostwärts Baranowicze) vor, wo 6 Panzer von eigener Flak abgeschossen werden (s.Anl.III 5 u.13). Gegen den durchgebrochenen Panzerverband von Süden und Norden angesetzte Gegenangriffe der 4.Kav.Brig. und 4.Pz.Div. führen zu einen vollen Erfolg, wobei sich insbesondere die 4.Pz.Div. durch hervorragenden Schneid und Angriffsschwung auszeichnet (s.dazu Anl. VIII 2). Swojaticze wird, am Abend im Sturm genommen. Für morgen ist die Säuberung des Geländes westlich des Ortes vorgesehen. Mit Rücksicht auf die beschränkten Führungsmittel der Gruppe Harteneck wird die 4.Pz.Div. nunmehr der Gruppe v.Vormann direkt unterstellt werden (s.Anl.IV 16). Die 28.Jäg.Div. hat ihre bei Gruppe Harteneck eingesetzte Rgts.-Gruppe planmässig auf die vorgesehene Linie zurückgenommen. Der Angriff der nach Norden angesetzten Rgts.-Gruppe dagegen geht nur langsam und gegen zähen Feindwiderstand voran (s.Anl.III 12). Die 12.Pz.Div., deren Nachtruppen noch nördlich Stolpce mit nachdrängenden Feindkräften stehen, hat wegen erheblicher Wegeschwierigkeiten den befohlenen Angriff aus dem Raum Turzec nur mit schwachen Teilen beginnen können (s.Anl.III 4 u.8). So kommt es, daß die beabsichtigte Vereinigung dieser Divisionen zur Sperrung des Usza-Abschnittes heute noch nicht gelingt. Dies ist umso unangenehmer, als nach einer am Nachmittag eintreffenden Luftaufklärungsmeldung starke feindliche Kolonnen und Panzer bei Wielkie Zuchowicze über die Usza setzen, und wenn auch eine zweite Fliegereinsicht diese Nachricht hinsichtlich der Panzer nicht mehr bestätigt und auf die Usza=Brücken eingesetzte Schlachtflieger deren Zerstörung berichten können, so liegt doch allein schon in dem Vorhandensein feindlicher Kräfte auf dem Westufer der Usza eine erhebliche Gefahr für die Herstellung des Anschlußes in der geplanten Linie. Die 28.Jäg.Div., die ihren Angriff gegen Abend unter Zurücknahme der Angriffsspitzen einstellen muß, wird morgen erneut antreten, der Angriff der 12.Pz.Div. nach Süden soll ebenfalls morgen mit stärkeren Kräften fortgesetzt werden (s. Anl.IV 12). Während man somit hoffen darf, daß auch am Nordflügel des Gruppenabschnittes die Herstellung einer durchlaufenden Abwehrfront gelingen wird, so kann doch kein Zweifel daran bestehen, daß eine endgültige Festigung der Abwehr in der jetzt erreichten Linie noch nicht zu erwarten ist, vor allem, weil es an einer ausgebauten Stellung fehlt. Die Heeresgruppe hat deshalb befohlen, da für den zunächst geplanten Ausbau der alten Weltkriegsstellung die Zeit nicht mehr zureichen dürfte, in Höhe der Szczara beiderseits Slonim mit dem Bau einer starken Stellung unverzüglich zu beginnen (s.Anl.V 2; Gruppenbefehl Anl.IV 22). Sie läßt mitteilen, daß der Gruppe von Vormann außer der 292.I.D. noch eine weitere, die 367.I.D. zugeführt werden solle, und zwar voraussichtlich ab 7.7. (Chef 2/Chef, 10.00 Uhr). Hinsichtlich des Festen Platzes Baranowicze ist entschieden worden, daß eine Bevorratung nicht erfolgen soll, man wird also mit einer Aufhebung der "Fester-Platz-Bestimmung" für die Stadt im Zuge des weiteren Kampfverlaufs rechnen dürfen. Der Abwehrkampf der Gruppe von Vormann wird nunmehr zu einem Kampf um Zeitgewinn, um den Ausbau der Szczara-Stellung möglichst gründlich durchführen zu können. Die Kampfanweisung, die heute an die unterstellten Verbände ergeht (s.Anl.VI 21), ordnet deshalb an, daß die derzeitige Linie zu verteidigen sei. Soweit allerdings zur angriffsweisen Bereinigung feindlicher Einbrüche nicht genügend Kräfte zur Verfügung stehen, soll ihre Abriegelung genügen. Im übrigen muß darauf gehalten werden, so wenig Gelände wie nur irgend möglich preiszugeben. Hierzu ist die Ausscheidung starker Panzer= und Pz.Grenadier-Reserven befohlen. Nach dem derzeitigen Feindbild ist damit zu rechnen, daß die Brennpunkte des kommenden Abwehrkampfes einerseits an der Usza, wo der Feind starke Kräfte nachführt (s.Anl.IV 8 und 9), und andererseits im Raum südostwärts Baranowicze liegen werden, wo die Bereitstellung von Panzerverbänden beobachtet worden ist (s.Anl.III 14). Es zeichnet sich damit deutlich die Absicht der sowjetischen Führung ab, Baranowicze umfassend anzugreifen. Der OB erläßt heute einen grundlegenden Befehl über die Neuordnung und den Abschub all der Trosse und Splittergruppen der Armee, die nach Zerschlagung ihrer im Raum Bobruisk eingeschlossenen Stammverbände im Verlauf der Schlacht vielfach ohne rechtes Ziel in allgemein westlicher Richtung abgeflossen sind. Hierbei wird die Gruppe v.Vormann, bis einschließlich Wolkowysk Erfassungsaktionen einleiten. Weiter westlich sind Auffangstäbe der Heeresgruppe mit der gleichen Aufgabe betraut. Der Befehl geht im Prinzip davon aus, alle zu den noch Vorhandenen Divisionen (35., l02., 129., 292.I.D. und 20.Pz.Div.) gehörigen Teile diesen wieder zuzuführen. Was dagegen zur 6., 35., 36., 134., 296., 383. und 707.I.D. gehört hat, soll aufgelöst werden, um entweder in Alarmeinheiten zum Kampf eingesetzt zu werden, oder, sofern Waffen fehlen, zum Stellungsbau. Lediglich Einheiten, die noch vollzählig sind, werden bestehen bleiben, um für Neuaufstellungen verwendet zu werden (Einzelheiten s.Anlage IV 23). Für den heute ins Lazarett überwiesenen Ia hat der Ic der Gruppe, Major i.G.Kesselheim, vertretungsweise die Geschäfte des Ersten Generalstabsoffiziers übernommen. Der Id ist zurückgekehrt. Die Ankunft eines neuen. Qu 1 ist angekündigt. |
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