| Kriegstagebuch Juni 1944 | |
| 13.6.1944 | KTB 9.Armee. Die Zeichen feindlicher Angriffsvorbereitungen mehren sich. In der Nacht vom 12./13.Juni ist die feindliche Fliegertätigkeit über dem gesamten Armeegebiet besonders lebhaft; bald nach Mitternacht führt der Feind mit etwa 50 Maschinen einen ersten Bombenangriff auf die Stadt Bobruisk, insbesondere die Beresina-Brücken sowie auf die Rollbahnen nach Rogatschew und Shlobin. Der von rund 200 Spreng- und Brandbomben verursachte Sach- und Personenschaden ist gering, die Brücken bleiben unversehrt (s.Tagesmeldung, Anl. II). Seinen Eisenbahnaufmarsch von Süden nach Kalinkowitschi und von Süden und Osten nach Gomel setzt der Feind im bisherigen Umfange fort, auch ein Auslauf von Transportbewegungen bis Schazilki (an der Beresina), also vor die Front der 36.I.D., ist festzustellen. Es kann angenommen werden, daß der Gegner bisher sieben starke Verbände neu herangeführt hat. Gefangene bestätigen das Eintreffen neuer Verbände in Frontnähe, als Angriffsdaten nennen sie den 15., 20. oder 22. Juni. Die eigene Front meldet Motorengeräusche vor der 383. und 134.I.D., das Einschießen vorgezogener Bttr. in die Tiefe der Südfront des XXXV.A.K., anhaltendes lebhaftes Art.-, Gr.W.- und Pakfeuer auf die inneren Flügel der 35. und 36.I.D. (wohl um die Beobachtung der feindlichen Ablösungen zu erschweren) und die Anlage eines weiteren Stichgrabens bis 180 m an die HKL der 35.I.D. heran. Das AOK beurteilt die Lage derart, daß tiefgestaffelte Angriffs-Schwerpunkte zunächst vor dem XXXXI.Pz.K. und dem XXXV.A.K. bestehen; der Schwerpunkt vor der XXXXI.Pz.K. ist umfangreicher. Durchstoß des Feindes durch die Front des XXXXI.Pz.K. würde für ihn einen operativen Erfolg bedeuten, da er in Richtung westlich der Stadt Bobruisk führen und das XXXV.A.K. zwingen würde, ostwärts der Beresina, also abgeschnitten weiterzukämpfen. Dieser Stoß würde zudem den Feind der Notwendigkeit entheben, im Angriff Brücken über die Beresina zu schlagen. - Es kommt also darauf an, in erster Linie dem XXXXI.Pz.K., in zweiter Linie dem XXXV.A.K. durch Reservenbildung den Rücken zu steifen, wobei allerdings berücksichtigt werden muß, daß die Kampfführung des XXXV.A.K. auch von der 4.Armee abhängig ist. Das LV.A.K. in seiner heutigen Breite dürfte von der Feindoffensive zunächst unberührt bleiben; die Schwierigkeiten für dies Korps sind darin zu sehen, daß der Pripjetabschnitt, an dem das LV.A.K. nur mit einer Divisionsbreite sich beteiligt, im wesentlichen Kampfraum der 2.Armee ist, auf deren Maßnahmen die Kampfführung des LV.A.K. abgestimmt werden muß. - Die Armee erwartet erheblichen feindlichen Luftwaffeneinsatz, kann aber leider mit der Verstärkung der eigenen Flieger- und Flakkräfte nicht rechnen. Bei den drei Korps sind insgesamt 2 1/2 le.Flak-Bttr. eingesetzt, Korück verfügt über 2 le.Flak-Bttr., in Bobruisk stehen 10 schwere und 6 1/2 le.Flak-Bttr. (Chefbesprechung). Dieser Lagebeurteilung entspringen eine Reihe von Maßnahmen des AOK. Die 129.I.D. soll mehr nach Nordosten verschoben werden, um auch beim XXXXI.Pz.K. ja ein Gren.Rgt. in Reserve zu haben. Hierzu wird folgendes befohlen: a) Das LV.A.K. bereitet die Übernahme der beiden südlichen Btl.Abschnitte der 129.I.D. vor und löst ein Rgt. als Armeereserve aus der Front, das durch das Sturm-Rgt. der AWS nach seiner Rückkehr vom Unternehmen "Pfingstrose" ersetzt wird. Die Entscheidung über das herauszulösende Rgt. fällt auf das G.R.232 der 102.I.D., da Stamm und Kampfwert dieses Rgt. noch besser sind als beim G.R.84 und es zweckmäßig ist, das mit dem Pripjet-Brückenkopf vertraute G.R.84 dort zu belassen (Chef LV/Chef 9, 12.40 Uhr). b) Das XXXXI.Pz.K. löst das G.R.427 (129.I.D.) so aus der Front, daß es als Armeereserve an den voraussichtlichen Brennpunkten des Korps eingesetzt werden kam. Den Abschnitt des I./427 übernimmt zunächst das vom Unternehmen "Pfingstrose" zurückkehrende DFB 129, dann das I./508,den Abschnitt des III./427 das II./508 (LV.A.K.). c) Das XXXV.A.K. führt nach Wiedereintreffen der beiden am Unternehmen "Pfingstrose" beteiligten Kpn. der A.Pz.Jg.Abt.743 die Pz.Jg.Abt. 129 und die III./A.R.129 der 129.I.D. wieder zu. Die notwendigen Ablösungen und Bewegungen sollen in 3 Tagen beendet sein (s.Anl. IV 1 - 4 und VII 1). Dem XXXXI.Pz.K. wird ferner befohlen, den Bahnschutz an der Strecke Bobruisk - Staruschki zu aktivieren; denn diese Eisenbahnlinie dürfte eines der ersten Sabotage-Ziele des Feindes sein. Hierzu wird dem Korps ein Sich.Btl. zugeführt werden (s.Anl. IV 2). Um etwa durch Bomben zerstörte Brücken rasch wiederherstellen zu können, sollen Bauholzvorrätean den wichtigsten Brücken im Armeebereich bereitgelegt und Vorbereitungen getroffen werden, daß Pioniere im Mot-Marsch rasch an Schadenstellen gebracht werden können (s.Anl. VII 3). Der gestern gegebene Befehl über beschleunigte Verlegung von Minen wird dahin erweitert, daß das Gelinde entlang der vermutlichen feindlichen Stoßrichtungen bis in eine Tiefe von 15 bis 20 km zu verminen ist (Chefbesprechung). Nicht nur die Luftstreit- und Flakkräfte, auch die Heeres-Art. Verbände, die der 9.Armee z.Zt. zur Verfügung stehen, sind angesichts der bevorstehenden Feindoffensive besorgniserregend schwach. Der Armeechef, der morgen zu einer Chef-Besprechung beim OKH befohlen ist, wird die Gelegenheit wahrnehmen, die angespannte Lage der Armee darzustellen und Wünsche zu beantragen. Zunächst hat die H.Gr. immerhin zugesagt, daß die 707.I.D. als H.Gr.Reserve im Armeebereich verbleiben wird (Chef H.Gr./Chef,12.00 Uhr; vergl. KTB vom 10.6.44). Die Kräfte der 9.Armee haben durch die nun schon fast 3 Monate andauernden laufenden Abgaben zur Stärkung der 2.Armee beträchtlich abgenommen. Die 9.Armee hat in der Zeit vom 16.März bis heute 1 Gen. Kdo., 3 Pz.Divisionen, 2 Inf.Divisionen, 6 1/2 Art.Abt., 1 He.Pz.Jg. Abt., 3 Sturm-Gesch.Brig., 5 Pi.- oder Pi.Bau-Btle., 2 Brücken-Kol. und 1 Pi.Horchzug abgegeben. Außerdem sind mehrere Flak-Bttr. aus dem Verfügungsbereich der Armee ausgeschieden. Zwar hat die Armee in dieser Zeit mit der Übernahme des Abschnitts des XX.A.K. die 102.I.D. und 292.I.D. hinzuerhalten und 3 Div.Sturm-Gesch.Abt. neu zugeführt bekommen, zwar haben sich durch das günstige Verhältnis zwischen Ersatzzuführung und Verlusten die Gef.Stärken allgemein gehoben (ein Vorteil, der allerdings durch die Einbehaltung der Urlauber zur Verfügung des OKH z.T. wieder aufgehoben wird), aber über eine der Abschnittsbreite und dem unbedingten Verteidigungsauftrag entsprechende Zahl von Verbänden angesichts der erdrückenden feindlichen Überlegenheit an Kämpfern und Material verfügt die 9.Armee eindeutig nicht. Das AOK sieht sich daher veranlaßt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die H.Gr. auf diesen Zustand hinzuweisen und unter nachdrücklicher Betonung der grundsätzlichen Änderung der Feindlage immer wieder die Zuführung von Kräften zu beantragen. Das Unternehmen "Pfingstrose" gegen Banden im Raum südlich Marina Gorka, das am 2.6. begann, ist mit dem heutigen Tage abgeschlossen (s.Anl. VII 5 - Erfolgsmeldung s.Morgenmeldung 17.6.). |
| 14.6.1944 | KTB 9.Armee. Der feindliche Aufmarsch vor der Front der 9.Armee hält im bisherigen Umfang an. Nach den letzten Feststellungen dürften jetzt 8 Schützendivisionen und 3 Panzerbrigaden zugeführt worden sein. Erneut wird das Einfließen frischer Kräfte vor der Front des XXXXI.Pz.K. durch die eigene Erd- und Luftbeobachtung festgestellt. Alle 3 Divisionen des XXXXI.Pz.K. und die Divisionen an der Südfront des XXXV.A.K. (45. und 383.I.D.) melden Motorgeräusche nachts und auch am Tage; stellenweise, so vor allem südwestl. der Beresina, wird Lkw.- und Bespannverkehr beobachtet. Die feindliche Luftwaffe beschränkt sich auf Störtätigkeit über dem Raum des XXXXI.Pz.K. in der Nacht und auf Jagdsperre vor der Front des XXXV.A.K. am Tage. Das Artillerie- und Granatwerfer-Feuer auf die inneren. Flügel der 35. und 36.I.D. hält an. Sonst finden auch am heutigen Tage keine besonderen Kampfhandlungen statt. Im ganzen gesehen, ist eine noch weitere Verdichtung des feindlichen Angriffsschwerpunktes südlich der Beresina feststellbar. Dies wird sich dahin auswirken müssen, daß die Reservenbildung beim XXXV.A.K. zugunsten des XXXXI.Pz.K. aufgelockert werden wird, jedoch sollen die Entscheidungen darüber erst morgen nach Rückkehr des Armeechefs von der Besprechung beim OKH gefällt werden, wenn sich läßt, ob der 9.Armee nicht vielleicht doch noch andere frische Kräfte zugeführt werden (OB - Kom.Gen.XXXV.A.K., 20.00 Uhr). Zunächst beschränkt sich die Heeresgruppe auf die Mitteilung, daß mit der Zuführung von Heeresartillerie, die so erwünscht ist, nicht gerechnet werden könne (Ia H, Gr.-Ia, 19.00 Uhr). Dagegen kann die 18.Flak-Division, die auf Zusammenarbeit mit der 3.Panzerarmee und der 4. und 9.Armee angewiesen ist die Zuführung zweier leichter und einer gemischten Flakbatterie zusagen und der Kdr. der 4.Fliegerdivision kündigt die Verlegung von 2 Gruppen Jägern in den Raum der 9.Armee an. Der Kdr. der Division "Feldherrnhalle", die als OKH-Reserve zum -Einsatz bei der 9. und 4.Armee bereitgehalten wird, besucht heute zusammen mit seinem Art.Kdr., Pz.Jg.Kdr. und Ic das AOK und das XXXV.A.K., um die Einsatzmöglichkeiten seiner Division zu prüfen und zu besprechen. Ablösungen, Bewegungen und Reserven-Bildung nehmen mit geringen Abweichungen von der vorgesehenen Planung ihren vorgesehenen Verlauf (s.Tagesmeldung, Anl. II und Anl. IV 1 bis 4): beim LV.A.K. soll das G.R.232 baldmöglichst herausgelöst werden, beim XXXXI.Pz.K. sind das G.R.427 der 35.I.D. und das G.R.109, bisher Korpsreserve, der 36.I.D. als Divisionsreserve unterstellt worden; beim XXXV.A.K. verbleibt das G.R.430 vorläufig als Armeereserve, das G.R.130 hinter der 296. und 134.I.D. als Armeereserve, das G.R.133 hinter der 383.I.D.; jedoch wird erwogen, das G.R.430 dem XXXXI.Pz.K. wieder zuzuführen. |
| 15.6.1944 | KTB 9.Armee. Das Feindbild bestätigt sich weiter. Der Verkehr auf den Strecken im Raum Gomel - Kalinkowitschl - Schazilki hat weiter zugenommen. Es mehren sich in Frontnähe die Anzeichen sehr weit fortgeschrittener feindlicher Angriffsbereitschaft. Der Aufmarsch weiterer starker Kräfte vor der Armeefront hält an, die Zuführung und Ausladung von rund 100 Panzern ist mit Sicherheit erkannt, Motorgeräusche werden zu verschiedenen Zeiten, vor allem während der Nacht, vor der 129,, 35., 36., 134. and 383 I.D. festgestellt. Vor den inneren Flügeln der 35. and 36.I.D. ist eine artilleristische Verstärkung des Gegners im Umfang von 18 Batterien aufgeklärt worden. Verstärktes Feuer legt der Gegner am heutigen Tage anf die Front der 129. und 36.I.D. Seine Fliegertätigkeit über dem XXXXI.Pz.K. nachts und über der 383.I.D. am Tage ist lebhaft, verursacht aber keinen Schaden. Der Feind schanzt sich weiterhin an die HKL der 35.I.D. heran. Das Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K, hält die Angriffsvorbereitungen des Feindes für abgeschlossen und bemißt den Angriffsschwerpunkt auf das Gebiet von Wjunischtsche (d.i. nach Verengung der Divisionen des XXXXI.Pz.K. 3 km südostw. der Grenze 129. zu 35.I.D. bis Sduditschi, also bis an die Beresina heran (Chef XXXXI. - Ia 9, 19.15 Uhr). Im Zusammenhang mit den feindlichen Angriffsvorbereitungen steht erhöhte Aktivität der Banden: vor allem häufen sich die Minenanschläge gegen die Bahnen. Außerhalb des Armeebereichs hat eine Bandengruppe nach sicherer Quelle den Befehl erhalten, mit allen Kräften Massenzerstörungen von Schienen durchzuführen und mit diesen Anschlägen in der Nacht zum 20. Juni zu beginnen (s.KTB vom 12.6., Anl. VII 0). Zweifellos haben auch die Banden im Gebiet der 9.Armee diesen Befehl erhalten. Mit zunehmender Aktivität ist daher zu rechnen (s.Anl.VII 1). In der Frage der Kräftezuführung zur 9.Armee und der Kräfteverschiebungen innerhalb der Armee sind heute wichtige Entscheidungen gefallen. Die Heeresgruppe kündigt die Verlegung der 20.Pz.Div. in das Armeegebiet als Heeresgruppen-Reserve an, bezeichnet den Wunsch nach Artillerie aber weiterhin als unerfüllbar und sagt dafür zu, eine Zuführung von Sturmgeschützen zu erwägen (Ia H.Gr. - Ia 9, 23,20 Uhr). Der Wunsch nach Artillerie ist vor allem vom Gen.Kdo. XXXXI.Pz.K. nochmals vorgetragen worden, da es sich artilleristisch nicht stark genug fühlt und vor seinem schmaleren Abschnitt mehr feindliche Artillerie in Stellung weiß als das XXXV.A.K. (Chef XXXXI. - Ia 9, 19,15 Uhr). Innerhalb der Armee werden daraufhin außer dem G.R.430 die Armee-Pz.Jg.Abt.743 (ohne 1 Kp.), die II./A.R.63 und nun auch die II./A.R.129 aus dem Bereich des XXXV.A.K. zum XXXXI.Pz.K. verlegt werden (s.Anl.VII 2 und X). Aus dieser Maßnahme erhellt, daß das AOK den feindlichen Angriffsschwerpunkt weiter südwestlich erwartet als bisher, obwohl man sich an der ganzen Front immer noch nicht abschließend darüber hat klar werden können, wo der feindliche Hauptschwerpunkt liegen wird. Heute hat das LV.A.K. mit der 292.I.D, vom Abschnitt der 129.I.D. (XXXXI.Pz.K.) die Front bis südwestl. Ssawin Bog (Tremlja= Knick) übernommen; die Trennungslinien zwischen 129. und 35., zwischen 35. und 36.I.D. sind weiter nach Nordosten gerückt und damit alle drei Divisionsabschnitte des XXXXI.Pz.K. gegenüber dem feindlichen Angriffsschwerpunkt schmaler geworden. Der Div.Gef.Stand der 707.I.D. ist nach Stupehi, 15 km südostw. Bobruisk, verlegt worden, die Div. selbst soll morgen im Winkel Rollbahn Bobruisk - Rogatschew, Bahn Bobruisk - Brosha, also beiderseits der Beresina, versammelt werden (s.Anl. II, Tagesmeldung). Das AOK gibt in Ergänzung seiner Abwehrvorbereitungen weitere Anweisungen über die einzuhaltende Munitionstaktik. Für Störungsfeuer auf Infanterie- und Artillerie-Aufmarschräume wird etwa ein Viertel der Erstausstattung freigegeben. Bei feindlichem Trommelfeuer soll auf Bereitstellungsräume und vorgetriebene Annäherungsgräben ebenfalls etwa ein Viertel einer Erstausstattung verschossen werden können. Zur Abwehr der Feindangriffe selbst muß darüber hinaus für die ersten 24 Stunden eine volle Erstausstattung vorhanden sein (s.Anl.IV). |
| 16.6.1944 | KTB 9.Armee. In zunehmendem Tempo und Umfang schreiten die feindlichen Angriffsvorbereitungen fort. Das Einfließen von Panzerkräften ist gegenüber der 36.I.D. und der Südfront des XXXV.A.K. zu erkennen. Motor- und Kettengeräusche werden vor der 35. und 36.I.D., der Südfront und dem linken Flügel des XXXV.A.K. gehört. Auch artilleristisch trifft der Gegner Vorbereitungen für eine Großoffensive: vor der 35.I.D. sind seit dem 14.6. 32 neue Battr. aufgeklärt worden, die HKL dieser Div. lag in der vergangenen Nacht unter heftigem Beschuß, erstmalig auch mit Kaliber 15 cm. Nachrichten aus sicherer Quelle besagen, daß der Russe Ausbildung an der Gasmaske betreibt und von Geschossen spricht, die nicht berührt werden dürfen. Es ist also vielleicht sogar mit dem Einsatz von Gas, mindestens von neuartigen Geschossen zu rechnen (s.Anl. IV 4). Auffallend ist in diesem Zusammenhang, daß die 134.I.D. keinerlei feindliche Artillerie-Massierung oder deren Einschießen meldet. Eine zusammenfassende Beurteilung der augenblicklichen Lage enthält der heutige Antrag des Oberbefehlshabers an die Heeresgruppe, mit dem die Zuführung von Verstärkungen für die Armee noch vor Beginn der feindlichen Offensive nochmals dringend erbeten wird. Der OB begründet seinen Antrag damit, daß "der seit dem 3. Juni erkannte, seit dem 10. Juni in gesteigertem Umfang und Tempo vollzogene Aufmarsch starker Feindkräfte nach bisherigen Unterlagen den Zulauf von mindestens 10 Schützendivisionen und einem Panzerkorps gebracht hat". Dieser Zulauf hält unvermindert an. Da nach bisherigen Berechnungsunterlagen der Feind bei gleichbleibendem Verkehr täglich 2 weitere Schützendivisionen und 1 Panzerbrigade oder entsprechende Artillerie-Verbände heranbringen kann, ist der Umfang des Gesamtaufmarsches noch nicht abzusehen. Er richtet sich in steigendem Maße gegen die Front des XXXXI.Pz.K., also gegen die Armeefront südwestlich der Beresina. Das AOK hat deshalb seinerseits die beabsichtigte Herauslösung der 129.I.D. (vergl. KTB vom 3.6.1944) angehalten und die dem XXXV.A.K. bereits zur Verfügung gestellten Teile dieser Division dem XXXXI.Ps.K. wieder zugeführt bezw. ihre Zuführung befohlen. Damit ist der Brennpunkt bei Rogatschew geschwächt, jedoch eine der operativen Bedeutung des Feindschwerpunktes vor dem XXXXI.Pz.K. entsprechende Reservenbildung hinter der Front dieses Korps keineswegs erreicht worden. Über die Verlegung der 20.Pz.Div.(s.Anl. V 2) und der 707.I.D. in den Armeebereich hinaus wird daher beantragt: die Zuführung je zweier Abteilungen le.F.H. und s.F.H., einer Abteilung Mörser, eines Werfer-Regiments, einer Sturmgesch.Brigade und einer Tigerabteilung - diese vor allem für die panzergefährdete Nordfront des XXXXI.Pz.K. Außerdem wird gebeten, 2 voll kampfkräftige Divisionen zur vorübergehenden Stärkung der 9.Armee bereitzuhalten, falls die im Raume Gomel - Kalinkowitschi - Rogatschew anzunehmenden Feindkräfte ganz und einheitlich zum Ansatz gegen die 9.Armee kommen. Der OB geht dabei von der Überzeugung aus, daß sich die operative Bedeutung der 9.Armee innerhalb der Armeen der Heeresgruppe Mitte auf Grund des wesentlich veränderten Feindbildes verschoben hat (s.Anl. V 1). Bisher hat die Heeresgruppe außer der 20.Pz.Div. (s.Anl.V 2) die Zuführung einer einzigen lei.Art.Abteilung (RSO) von der 2.Armee (Ia H.Gr. - Ia 9, 12,35 Uhr) zugesagt und die Verschiebung der Division "Feldherrnhalle" in den Bereich der Armee in Aussicht gestellt (s.Anl. X, 19.00 Uhr). Die 20.Pz.Div. wird vom 18. Juni an eintreffen (s.Anl. X, 17.30 Uhr). Die erforderlichen Ablösungen und Bewegungen zur Reservebildung innerhalb des Armeebereichs schreiten fort. Ausdrücklich wird dazu befohlen, daß alle Bewegungen nur bei Dunkelheit und unter weitgehender Zerlegung durchzuführen sind. Sie sollen am 18.6. abgeschlossen sein (s.Anl.IV 2). Das bisher unmittelbar beim A.H.Qu. untergebrachte Pz.Zerstör-Btl. wird mit dem Auftrag, Einsatzmöglichkeiten zur Abriegelung feindlicher Panzereinbrüche im Abschnitt der 35., 36., 45., 383.I.D. und der Südfront der 6.I.D. zu erkunden, am morgigen Tage nach Raduscha verlegt werden (s.Anl.IV 1). Dem Stabe der 707.I.D. wird befohlen, im Einvernehmen mit dem Gen.Kdo.XXXXI.Pz.K. und XXXV.A.K. Einsatzmöglichkeiten zum Abriegeln feindlicher Einbrüche in den Abschnitten dieser Korps zu erkunden; der Div.Stab mit einem G.R., der Nachr.Abt. und der Pz.Jg.Kp. sollen am 17. und 18. Juni in den Raum um Ugly - Stassewka (20 km südl. Bobruisk), das andere G.R. in den Raum Shilitschi (33 km ostw. Bobruisk) verlegt werden. Die Art.Abt. der Division wird dem Gen.Kdo. XXXV.A.K. unterstellt (s.Anl. IV 3). Zur Sicherung der Bahnstrecke Bobruisk -Staruschki und gegebenenfalls als weitere Reserve hinter der Front des XXXXI.Pz.K. soll das Sicherungs-Regt.183 des Korück vollständig an dieser Bahn entlang eingesetzt werden (s.Anl. X, 19.00 Uhr). Um auf die s.Qu.-Nachricht hin, daß der Feind sich mit Gasabwehr beschäftigt, auf alle Fälle gewappnet zu sein, befiehlt der OB, vorausschauend Abwehrmaßnahmen gegen etwaige Gasangriffe zu treffen, wobei er die seelische Abwehrbereitschaft der Truppe besonders betont (s.Anl. IV 4). |
| 18.6.1944 | KTB 9.Armee. Ein abschließendes Bild vom Stande der feindlichen Aufmarschbewegungen läßt sich durch die heutige Luftaufklärung noch nicht gewinnen. Jedoch ist die feindliche Angriffsbereitschaft erheblich weit fortgeschritten. Dafür liegen viele Anzeichen vor: vor der Front der 35. und 36.I.D., also im vermutlichen feindlichen Hauptangriffsschwerpunkt, sind mehrfach frontwärtige Bewegungen und weiteres Vorschanzen zu beobachten. Die Feindstellungen ostwärts Wjunischtsche, am linken Flügel der 129.I.D., und bei Wossohod (383.I.D.) sind stark besetzt. Geräusche von Motoren und Kettenfahrzeugen vor der 35.I.D. halten die ganze Nacht über bis morgens 6.00 Uhr an, am Tage werden Motorengeräusche bei Derbin,im Mittelabschnitt der 129.I.D., gehört. Auch aus den Räumen ostw. Shlobin, ostw. Rogatschew und ostw. des Drutbrückenkopfes ist starker Lärm von Motorfahrzeugen, zum Teil von Kettenfahrzeugen vernehmbar. Die feindliche Artillerietätigkeit lebt nun auch beim LV.A.K., bei Iwaschkowitschi und Kopatkewitschi (292.I.D.) sowie bei der 296. und 134.I.D. (XXXV.A.K, ) auf. Auf den Abschnitt der 134.I.D. schießt der Gegner mit Phosphorgranaten. Bei der 45.I.D., an der Südfront des XXXV.A.K., hält das starke feindliche Feuer an; hier wiederholt der Feind in den frühen Morgenstunden seine örtlichen Angriffe gegen die Gefechtsvorposten, die er diesmal westlich der Insel Choijun zweimal in Kp.Stärke, allerdings Vergeblich, angreift. Das AOK drängt darauf, daß die Gefechtsvorposten ostwärts der Insel ihre verlorene Stellung zurückgewinnen. Es kann nicht zugelassen werden, daß der Feind Verbesserungen seiner Ausgangsstellungen vornimmt (Chef 9 - Ia XXXV., 11.20 Uhr). Außerdem befiehlt der OB mit Nachdruck, daß die feindlichen Artilleriestellungen, soweit sie erkannt sind, bekämpft und von beiden Korps (XXXX . und XXXV.A.K.) hierfür mindestens je 3000 Schuß am Tage verfeuert werden (Ia 9 - Harko, 19.00 Uhr). Der OB wird bei seinem morgigen Besuch beim Feldmarschall Gelegenheit nehmen, eine Sonderzuweisung von Munition für diesen Kampfauftrag zu beantragen. Ob und in welchem Umfange der Feind gegenüber der 134.I.D. oder auch an anderen Stellen Raketengeschütze bereitgestellt hat, ist mit Sicherheit noch nicht aufgeklärt worden. Jedenfalls vereinbart der Ia mit der Luftflotte, daß dem AOK täglich, möglichst für mehrere Tage im voraus, die vermutlichen Windrichtungen und Windstärken übermittelt werden, damit sich die Wirksamkeit etwaiger Gas- oder Nebelangriffe vorausschauend abschätzen läßt (Ia 9 - Chef-Meteorologe der Luftflotte 6, 16.30 Uhr). Aus sicheren Quellen verlautet, daß Marschall Shukow gegenüber der 134.I.D. den russischen Graben besuchte und an Stelle des bisherigen OB der drei weißrussischen Fronten, Rokossowisky, der angeblich erkrankt ist. den Oberbefehl über diese Fronten übernommen haben soll (Ic). Sicherung und Reservenbildung an der nördlichen Armeenaht (Trennungslinie zur 4.Armee) sind unbefriedigend (Chef-Ia XXXV, 11,20 Uhr); das dortige Waldgelände reicht gefährlich tief hinter die Front der 134.I.D.: überdies liegt in der Gegend der Trennungslinie häufig bis etwa 5.00 Uhr morgens Bodennebel (OB - Kom.Gen.XXXV., 19.40 Uhr). Die Anschluß-Div. der 4.Armee, die 57.I.D., hat 3 Btle. herausziehen müssen und kann nur zwei Kpn. als Nahtsicherung bei Rekta bereitstellen (Chef 9 - Chef 4, 11,25 Uhr). Auf Antrag der 9.Armee erklärt sich die H.Gr.Mitte daher damit einverstanden, daß das G.R.727 der 707.I.D., das als Heeresgruppenreserve hinter der Ostfront des XXXV.A.K. steht, weiter nach Norden in die Gegend Ossownik - Kruschinowka=See verlegt wird (Ia 9 - Ia H.Gr., 16,45 Uhr und Anl.IV 1). Auf Befehl der H.Gr. ist ein Sich.Rgt. mit 3 Btl. vorsorglich auf seinen möglichen Einsatz in der Front vorzubereiten.(FS. der H.Gr. vom 15.6., 23.50 Uhr). Das AOK hat das Sich.Rgt.183 des Korück vorgesehen und plant seine Versammlung in Gegend Ptitsch=Brücke der Eisenbahn Bobruisk - Staruschki mit der Absicht, mit diesem Rgt. und dem G.R.232, das als Armeereserve beim LV.A.K. steht, später vielleicht einmal die ganze 292.I.D. herauszulösen, vorausgesetzt, daß der Feind seinen Angriff nicht auch auf dieses Korps erstreckt (s.Anl. V 1 und Anl. X, 19,15 Uhr). - In der Stärkung der Schwerpunktkorps und in der Reservenbildung sind weitere Fortschritte und Veränderungen zu verzeichnen: das Gen.Kdo.XXXV.A.K. wird noch das gesamte G.R.519 aus der Front ziehen; bisher stehen erst 2 Kpn. in Reserve hinter der Mitte 296.I.D. (OB - Kom.Gen.XXXV.A.X.,. 19.40 Uhr). Das G.R.130, bisher Armeereserve hinter der 296. und 134.I.D., wird dem Gen.Kdo.XXXV.A.K. als Korpsreserve überlassen (s.Anl. X, 19.15 Uhr). Die Art.Abt. der 707.I.D. (I./A.R.657) hat das AOK der 296.I.D. unterstellt (s.Tagesmeldung, Anl. II). Diese Division selbst verlegt ihren Gefechtsstand nach Korolewskaja Ssloboda 1 (25 km südl. Bobruisk, auf dem Westufer der Beresina), um der 20.Pz.Div. Platz zu machen, deren Gefechtsstand nach Stupeni (12 km südostw. Bobruisk) kommt, indessen die 20.Pz.Div. selbst im Raum und den Orten Titowka, Stupeni, Malinowka, Mal.Bortnik, Sabolje, Chomitschi, Kotritschi, Dubrowa, Ostufer der Beresina, also beiderseits der Rollbahn Bobruisk - Mogilew und um den Korps-Gef.Stand XXXV.A.K. herum versammelt wird (s.Tagesmeldung Anl.II). Die ersten vier Züge dieser Div. sind eingetroffen (s.Tagesmeldung, Anl.II). Um das XXXXI.Pz.K., vor dessen Front bis heute 115 neue Feind-Bttrn. aufgeklärt worden sind (s.Anl.X, 19,15 Uhr) weiterhin mit armeeeigenen Kräften artilleristisch zu verstärken, werden ihm heute auch noch die II./A.R.129 und die 3./A.R.817 (Langrohr-Bttr.) zugeführt (s.Anl. VII 1, 2). Damit hat das AOK auf Kosten des LV. und XXXV.A.K. alles zur artilleristischen Vorbereitung des XXXXI.Pz.K. auf die feindliche Offensive getan, was es in der augenblicklichen Lage tun und verantworten kann. Der OB wird bei seinem morgen Besuch beim Feldmarschall auch die Frage weiterer Zuführung von Artillerie zum wiederholten Male anschneiden. Jedoch darf nicht damit gerechnet werden, daß die H.Gr. noch Kräfte zur Verfügung stellen kann, da der Feind Verstärkung auch vor der 2.Armee zuführt und diese Armee mit zunehmender Abtrocknung der Pripjet-Sümpfe ihre Front verdichten muß. Auch bei der 4.Armee, vor allem an der Autobahn Smolensk - Borissoff und bei der 3.Pz.Armee zeichnen sich feindliche Angriffsschwerpunkte ab (OB - Chef, 11.00 Uhr). |
| 19.6.1944 | KTB 9.Armee. Die Anwesenheit Marschall Shukows als Oberbefehlshaber der Feindfront gegenüber dem Abschnitt der H.Gr.Mitte wird durch die Aussage eines gefangenen russischen Fliegers bestätigt. In diesem Zusammenhang erinnert man sich an eine etwa 14 Tage zurückliegende Meldung des Londoner Rundfunks, wonach die russische Sommeroffensive dieses Jahres eine Überraschung bezüglich ihrer Zielrichtung bringen werde. Die alte Zielrichtung Südwest (Lemberg, Balkan) scheint zugunsten der Zielrichtung Nordwest, dh. zugunsten der Rückeroberung Weißrußlands vorläufig aufgegeben worden zu sein. Wie Gefangene immer wieder aussagen, betont der politische Unterricht für die Rotarmisten die Befreiung der noch besetzten Teile und die Erreichung der alten Grenzen der Sowjetunion als erstes Ziel. Die neue Zielrichtung entspricht auch der bolschewistischen Kriegsführung, die mit Offensiven in bandenverseuchte und aufständische Gebiete gute Erfahrungen, gemacht hat. Wie eng die Aufträge an die Banden mit der neuen Offensive gekoppelt werden, läßt sich schon aus dem Befehl entnehmen, Massenanschläge gegen die Eisenbahnen durchzuführen (vgl.KTB vom 15.6.44). Nach s.Qu. hat der Zentralstab der Bandenbewegung am 18.Juni folgenden Befehl gegeben: "In den nächsten Tagen beginnen die Kampfhandlungen der amerikanischen Luftstreitkräfte auf die Luftstreitkräfte des Gegners -im vorläufig noch unbesetzten Gebiet." Es wird den Banden befohlen, notgelandeten amerikanischen Fliegern jede Hilfe zuteil werden zu lassen und sie in sowjetisches Gebiet abzuschicken (s.Anl.VII 3). Der Schwerpunkt der feindlichen Offensive dürfte sich also zweifellos bei der Heeresgruppe Mitte befinden. Der Eisenbahnaufmarsch des Gegners hält im bisherigen Umfang an und läuft in die bisherigen Schwerpunkte s. der Beresina und n. Rogatschew aus. Die Bewegungen und Motorgeräusche vor der gesamten Front des XXXXI.Pz.K., vor der 45.I.D., o. Shlobin und zwischen Rogatschew und Blisnezy halten an; vor der 383.I.D. (Südfront des XXXV.A.K.) lebt der Verkehr ebenfalls wieder auf. Der feindliche Artilleriebeschuß auf die Abschnitte der 35. und 134.I.D. hat sich verstärkt. Zahlreiche Salvengeschützstellungen im Schwerpunkt vor dem XXXXI.Pz.K. sind aus der Luft aufgeklärt worden. Mit Großeinsatz von Nebel muß gerechnet werden. Gesteigerte Bekämpfung der feindlichen Artillerieräume wird ausdrücklich befohlen, den Gen.Kdos.XXXXI. Pz.K. und XXXV.A.K. werden für die nächsten 24 Stunden weitere je 2000 Schuß le.F.H. hierfür zugewiesen (s.Anl.VII 1 und 2). Der Feldmarschall sagt für den morgigen Tag eine einmalige ganz besondere Zuteilung von 18 000 Schuß le.F.H. zu (F.M. - OB, 19.05 Uhr). Auf dem linken Flügel der 129.I.D. (XXXXI.Pz.K.) hat der Feind heute mit neuartiger MG-Munition geschossen. Das Geschoß knallt stärker als übliche Munition, entwickelt bei seinem Aufschlag eine Detonation, die etwa ein Viertel so stark wie die Detonation einer Handgranate ist, und eine bläuliche Flamme in der Größe eines Medizinballs hat. Diese Munition ist bisher nur sei Dunkelheit angewandt worden, ihre Splitterwirkung ließ sich nicht feststellen (s.Anl.II, Tagesmeldung). Für das XXXXI.Pz.K. fordert der OB von der Heeresgruppe mindestens noch je eine Abteilung Ie.F.H., s.F.H. und Mörser (OB - Harko, 10.35 Uhr). Die H.Gr. teilt jedoch gegen Abend mit, daß über Zuführung von Artillerie noch keine neue Entscheidung gefallen sei; die Forderung des AOK nach Panzerzügen für die Strecke Bobruisk - Staruschki dagegen solle erwogen und eine Sturmgeschütz-Brigade der 4.Armee werde so bereitgestellt werden, daß sie auch bei der 9.Armee Kampfaufträge übernehmen könne (Ia H.Gr./Ia, 18.00 Uhr). Alle Forderungen der Armee nach infanteristischer Verstärkung werden jedoch von der Heeresgruppe mit dem Satz abgelehnt: "Wir können nicht unsere einzigen zwei Divisionen hinter der 9.Armee aufstellen" (Ia H.Gr. - Chef 9, 9.00 Uhr). Auf die Nachricht aus s.Qu. hin, daß sich der Gegner mit Gasabwehr befasse, hatte das AOK angefragt, ob man deutscherseits nicht daran denken müsse, die für den Fall der Eröffnung des Gaskriegs vor kurzem ausgegebenen Stichworte nunmehr in Kraft zu sehen. Die H.Gr. teilt dazu mit, daß es sich bei den Stichworten nach wie vor um einen allgemeinen Hinweis handele (Ia H.Gr./Ia, 18.30 Uhr). Im Zuge der Reservenbildung im Abschnitt südlich der Beresina ist ein Btl. G.R.232 (LV.A.K.) durch Teile des Armeesturm-Rgts. nunmehr herausgelöst wordon (s.Anl. II, Tagesmeldung). Das G.R.232 soll nach völligem Herauslösen als Armeereserve im Raum Leski - Gat - Kurin -Kowali (an der Trennungslinie 292./129.I.D.) mit dem Auftrag verlegt werden, Einsatzmöglichkeiten im Abschnitt Kopatkewitschi - Korma (292. bis Mitte 35.I.D.) zu erkunden (s.Anl.IV 1). An den Korück ergeht der Befehl, das Sich.Rgt.183 bis zum 23.6. zur Verfügung der Armee hinter der Eisenbahn Bobruisk - Staruschki in die Orte Salaweny, Poretschje und Bol.Demenka zu verlegen. Dies Regiment erhält den Befehl, sich auf die Herauslösung eines Rgt. der 292.I.D., auf die Abriegelung etwaiger feindlicher Einbrüche im Abschnitt Kopatkewitschi - Korma (wie G.R.232) und auf den Schutz der Bahnstrecke zwischen Nowosselki und Tschernyje Brody einzustellen. Das Rgt. hat ferner die Eisenbahnbrücke über den Ptitsch bei Bol.Demenka stark zu sichern (s.Anl.IV 2). — Von der 20.Pz.Div. sind weitere 12 Züge eingetroffen. Der Komm.Gen.des XXXV.A.K., Gen.d.Inf.Wiese, ist abberufen worden, um die 19.Armee in Südfrankreich als OB zu übernehmen (IIa -Chef, 18,45 Uhr). Mit dem Stolz über diese Auszeichnung verbindet die 9.Armee leider die Gewißheit, daß das Ausscheiden dieses an den Erfolgen der 9.Armee maßgebend beteiligten Generals im Hinblick auf die bevorstehende Feindoffensive ein schwerer Verlust für sie ist. |
| 20.6.1944 | KTB 9.Armee. Wie die Heeresgruppe mitteilt, haben die in den rückwärtigen Gebieten der 2. und 4.Armee sowie im Bereich des Wehrm.Befh.Weißruthenien befindlichen Banden in der vergangenen Nacht - offenbar auf Grund einer zentralen Moskauer Weisung - schlagartig eine Großaktion gegen die deutschen Versorgungsbahnen und -Stützpunkte unternommen: insgesamt sind über 5000 Sprengstellen gezählt worden. Man hat von dieser Absicht allerdings erfreulicherweise so rechtzeitig Kenntnis erhalten, daß es gelungen ist, eine große Anzahl von Minen auszubauen und die z.T. mit starken Kräften gegen die einzelnen Bahnhöfe und Stützpunkte gerichteten Überfälle erfolgreich abzuwehren (s.Anl. V 1). Da man jedoch aus verläßlichen Nachrichten weiß, daß der Gegner diese Aktion fortzusetzen gedenkt, und zwar auch in den bisher noch nicht betroffenen Gebieten wird vom AOK mit sofortiger Wirkung ein verstärkter Streckenschutz unter Heranziehung aller in der Nähe von Bahnlinien liegenden Truppen angeordnet, wobei gleichzeitig darauf hingewiesen wird, daß durch die für einen solchen Fall vorbereitete Aufstellung von Alarmeinheiten aus den Versorgungstruppen die Bewachung der Lager und der sonstigen Versorgungseinrichtungen nicht beeinträchtigt werden dürfe, da ja auch hier mit Bandenüberfällen gerechnet werden muß (s.Anl. IV l). Man weiß aber auch, daß diese Großaktionen der fanden nach der Planung der sowjetisch in Führung den Auftakt der feindlichen Offensive zu bilden bestimmt sind, und aus diesem Grunde ist man beim AOK der Auffassung, daß der Zeitpunkt des zu erwartenden Großangriffs nunmehr in allernächste Nähe gerückt sei. Mit höchster Aufmerksamkeit beobachtet und prüft das AOK deshalb an Hand aller vorhandenen Aufklärungsergebnisse laufend das Feindbild, vor allem um vielleicht doch noch zu einer eindeutigen Klärung der nun schon seit Tagen über den Entschlüssen der Armeeführung schwebenden Frage zu gelangen, ob der Hauptstoß des Feindes beim XXXXI.Pz.K. oder ob er an der Ostfront des XXXV.A.K. zu erwarten sei. Die neuesten Luftaufklärungsergebnisse zeigen, daß sich vor dem linken Abschnitt des XXXXI.Pz.K, 160 feindliche Batterien in Stellung befinden, weiterhin deutet das heute auch im mittleren und linker Abschnitt der 129.I.D. auffällig stärker gewordene gegnerische Störungsfeuer auf die Möglichkeit einer weiteren Ausdehnung der feindlichen Angriffsvorbereitungen nach Süden hin (s.Ic-Zwischenmeldung und Anl. VII 6). Beim AOK wird infolgedessen, da der größere feindliche Stoß hiernach möglicherweise beim XXXXI.Pz.K. erwartet werden kann, eine Änderung der Artilleriegruppierung durch Verschiebung einer Mörs.Abt. und gegebenenfalls noch je einer Abt. der Art.Rgter.45 und 383 von XXXV.A.K. zum XXXXI.Pz.K. erwogen (Ia/Harko, 19.00 Uhr). Gegen Abend allerdings treffen beim AOK Ergebnisse der Nachrichten-Drahtaufklärung aus dem Abschnitt der 296.I.D. (XXXV.A.K.) ein, die einerseits, auch obgleich sie nur aus einem verhältnismäßig schmalen Frontabschnitt nördlich Rogatschew stammen, die Aufmerksamkeit der Führung wieder erheblich auf die Ostfront der Armee lenken, andererseits aber den Schluß eines ganz kurz bevorstehenden Angriffsbeginns zulassen (s.Anl. VII 3), der gegebenenfalls für die gesamte Armeefront schon morgen bevorsteht. Diese Nachrichten lassen die endgültigen Entschlüsse des Oberbefehlshabers nun doch anders lauten. Der Plan zur Abziehung von Artillerie der 45. und 383.I.D. wird fallen gelassen, dafür soll eine Stärkung der Artillerie des XXXXI.Pz.K. durch Heranziehung von Teilen der 20.Pz.Div. erfolgen. Die Heeresgruppe hat - in teilweiser Bewilligung des vom AOK dazu gestellten Antrages auf Freigabe zweier Abteilungen das Pz.Art.Rgt.92 (20.Pz.Div.) - die Genehmigung zum Einsatz einer Abteilung erteilt; diese Abteilung (II./Pz.A.R.92) soll nun morgen in aller Frühe zum XXXXI.Pz.K. in Marsch gesetzt werden und im Abschnitt der 35.I.D. unter Aufrechterhaltung jederzeitiger Rückmarschbereitschaft in Stellung gehen (s.Anl. VII 4). Ferner wird dem Gen.Kdo. XXXV.A.K. befohlen, die Mrs.Abt.858 zur Verstärkung des artilleristischen Schwerpunktes bei der 35.I.D. dem XXXXI.Pz.K. zuzuführen, allerdings erst dann, sobald für morgen mit einem Großangriff beim XXXV.A.K. nicht mehr gerechnet zu werden braucht, was erfahrungsgemäß schon in den frühen Vormittagsstunden mit einer gewissen Sicherheit wird entschieden werden können (s.Anl. VII 5). Zusätzlich gibt der OB den beiden Schwerpunktkorps je ein größeres Munitionskontingent zur Durchführung von Artillerie-Feuerschlägen auf die vermuteten feindlichen Bereitstellungsräume frei. An weiteren Maßnahmen wird vom AOK für den Fall feindlicher Angriffserfolge nochmals eine 'sorgfältige Überprüfung der Sperrkalender, insbesondere für die von Osten auf Bobruisk führenden Straten und die Bahnstrecke Shlobin - Bobruisk angeordnet (s.dazu Anl. VII 7-9 und Anl. X Chef/A.Pi.Fü., 21.6.44, 0,50 Uhr). Für die im Raum um Bobruisk liegenden beiden Reserve-Divisionen (20.Pz.Div. und 707.I.D.) ist zweistündige Alarmbereitschaft befohlen, einerseits um sie erforderlichenfalls schnellstens einsetzen zu können, andererseits im Hinblick auf die Möglichkeit eines Feindangriffs mit Fallschirm- und Luftlandetruppen, der insbesondere der Wegnahme des Verkehrsknotenpunktes Bobruisk gelten könnte (vergl.Anl. VII 10). Das AOK selbst hat für den Bereich seines Hauptquartiers ebenfalls alle Vorbereitungen getroffen, um einem solchen Fall das Überraschungsmoment zu nehmen, und auch für den Fall eines Luftangriffs ist durch den Bau zahlreicher Bunker die Aufrechterhaltung jederzeitiger Arbeitsbereitschaft sichergestellt worden. |
| 26.6.1944 | KTB 9.Armee. Die Lage hat sich über Nacht zunehmend verschärft. Der Angriff der 20.Pz.Div. ist ohne nennenswerten Erfolg vor den mit äußerster Hartnäckigkeit Widerstand leistenden Flankenschutzgruppen der gegnerischen Durchbruchskräfte liegengeblieben. Die feindlichen Panzerspitzen stehen jetzt 20 km südlich Bobruisk. Vor ihnen steht an eigenen Kräften so gut wie nichts. Daraufhin faßt der Oberbefehlshaber -unter Meldung an das Obkdo.der Heeresgruppe- den Entschluß, den Angriff der 20.Pz.Div. einzustellen. In der Überzeugung, daß ein Versuch, durch weitere Fortsetzung des Angriffes den angestrebten Erfolg doch noch herbeizuzwingen, angesichts der beträchtlichen Übermacht des Feindes und der Ungunst des Geländes hoffnungslos ist, andererseits aber eine Wegnahme von Bobruisk und ein Weiterstoß des Feindes westlich der Stadt nach Norden das gesamte XXXV.A.K. der Einschließung ausliefern würde, befiehlt er gegen 9,00 Uhr die sofortige Umgruppierung der Division in den Raum südwestlich der Stadt. Darüber hinaus ordnet er die Herauslösung der 383.I.D aus der Südfront des XXXV.A.K. und ihre unverzügliche Verschiebung in den gleichen Raum an (s.Anl.IV 1). Diesen Befehlen liegt der Plan zu Grunde, durch Herstellung einer Abwehrfront an Ptitsch durch das LV.A.K. und einer Abschirmung der rechten tiefen Flanke der noch ostwärts der Beresina stehenden Truppen den feindlichen Durchbruch zunächst einzudämmen, alsdann durch Angriff der 20.Pz.Div. von Bobruisk nach Südwesten oder Westen sich den feindlichen Angriffsspitzen vorzulegen, noch ehe sie westlich der Stadt vorbeigestoßen sind und durch Nachführung der 383.I.D. hinter der 20.Pz.Div. eine neue HKL südlich Bobruisk aufzubauen. Leider wird die Umgruppierung beider Divisionen viel kostbare Zeit benötigen. Mit einen taktischen Wirksamwerden der 20.Pz.Div. bei Bobruisk ist frühestens in den Abendstunden zu rechnen. Unter diesen Umständen ist ein weiteres Stehenbleiben der 36.I.D. in Brückenkopf Paritschi sinnlos geworden. Der OB befiehlt daher gleichzeitig, die Division baldmöglichst auf das Ostufer der Beresina überwechseln zu lassen, um sie ebenfalls im Raum Bobruisk einzusetzen (s.Anl.IV 2), Diesem Befehl widerspricht jedoch der Feldmarschall auf das schärfste. Er fordert seine Aufhebung mit dem Hinweis, daß durch Preisgabe von Paritschi dem Feind die Beresina=Uferstrasse überlassen werde, was keinesfalls geschehen dürfe. Die Vorstellungen des OB, daß dem Gerner auch ohne den Besitz von Paritschi für seinen Vormarsch auf Bobruisk ein ausgebautes Wegenetz westlich Paritschi zur Verfügung stehe, sodaß mit dem Festhalten der Stadt nichts gewonnen sei-, wohl aber eine Division zwecklos gebunden bleibe, verschließt sich der Feldmarschall mit der Wiederholung des Befehls, die Front müsse überall, wo immer es nur möglich sei, gehalten werden; eine Genehmigung zum Absetzen käme hier ebensowenig wie an anderer Stelle in Frage (FM/OB, 11,35 Uhr; s.a.Anl.VIII 4). Der feindliche Zangenangriff um das XXXV.A.K. entwickelt sich indessen mit zunehmender Schnelligkeit weiter. Am Nordflügel des Korps ist der Feind mit seinen Panzern durchgebrochen und steht vor der Rollbahn Mogilew - Bobruisk. Das AOK bietet hier, da das XXXV.A.K. auch in seiner Front durch schwerste Angriffe bedrängt ist, alles auf, um durch beschleunigte Zuführung von Verstärkungen, in erster Linie von Sturmgeschützen, die Rollbahn freizuhalten (Chef/Chef XXXV., 11,55 Uhr). Um 12,l0 Uhr trifft, nachdem bereits am Vormittag der Chef des Generalstabes des Heeres in einem unmittelbaren Anruf die Mißbilligung des OKH über die Kampfführung der Armee hinsichtlich des Einsatzes der 20.Pz.Div. ausgesprochen hat, von der Heeresgruppe der Befehl ein, der OB habe sich sofort nach Minsk zum Obkdo.d.H.Gr. zu begeben, um von dort aus zusammen mit dem Feldmarschall zum Führer weiterzufliegen. General Jordan verläßt daraufhin um 13.00 Uhr das AHQu. Seine Vertretung übernimmt der Kom.General des XXXXI.Pz.K.,Gen.d.Art. Weidling. Pausenlos fallen die Schläge der feindlichen Übermacht auf die weiterhin heldenmütig sich verteidigende 9.Armee. Die Umgruppierung der 20.Pz.Div. verzögert sich erheblich durch rollende feindliche Luftangriffe auf die Beresina Brücken bei Bobruisk, einzelne Teile der Division müssen zudem, nach Nordosten abgedreht werden, da der Feind in den Abendstunden nun doch die Rollbahn erreicht hat. Die Front des XXXV.A.K. ist mehrfach durchbrochen. Die Fernsprechverbindungen sind vielfach ausgefallen und die Funkverbindungen bieten einen nur unvollständigen Ersatz. Vorm LV.A.K. liegen nur bruchstückhafte Meldungen vor, zumeist sind es Einzelnachrichten der vom AOK mit Funkstellen ausgerüsteten und dorthin entsandten Offizierspähtrupps (s.Anl.III), sodass das AOK hier und über die Lage im Durchbruchsraum fast ausschließlich auf die Ergebnisse der Aufklärungsflieger angewiesen ist, die wegen der überlegenen feindlichen Jagdabwehr nur zeitlich und räumlich sehr beschränkt aufzuklären imstande sind, obwohl sie sich in laufenden Einsätzen immer wieder um eine Klärung des Feindbildes bemühen. Ein Ordonanzoffizier des AOK, der im Laufe des Vormittags mit einem Storch versuchen sollte, im Raum südlich Bobruisk den Standort der feindlichen Panzerspitzen festzustellen, ist vom Flug nicht zurückgekehrt. Der Feind hat sich inzwischen Bobruisk weiter genähert und steht bereits in den Nachmittagsstunden 5 km südlich der Stadt. Das Tempo des feindlichen Vormarsches hat sich heute sichtlich verlangsamt; es ist anzunehmen, daß der Feind vor seinem Weiterstoß zunächst eine kurze Pause zur Aufmunitionierung und Nachfüllung von Verstärkungen oder frischer Verbände eingelegt hat. Südwestlich Bobruisk steht die zweite nach Nordwesten angreifende Stoßgruppe vor Glusk, einzelne Teile haben den Ptitsch bereits überschritten. Die Lage treibt mit lawinenartiger Geschwindigkeit der Krise zu. Noch einmal erhebt sich die Frage nach einem Befehl zum Absetzen des XXXV.A:K. in die Brückenkopfstellung ostwärts Bobruisk. Noch einmal drängt das AOK auf diese Genehmigung, von der nach seiner Auffassung das Schicksal der Armee abhängt (Chef/Chef H.Gr., 14,35 Uhr). Auch die Heeresgruppe teilt am Abend mit, daß sie vom OKH Bewegungsfreiheit für das XXXV.A.K. erbeten habe (Chef H.Gr./Chef, 19,32; siehe a.Anl.VIII 2). Aber noch einmal ist das Ergebnis aller Anträge die Verweigerung jeder Ausweichgenehmigung. Auf die an die Heeresgruppe gerichtete Frage, welche Kampfanweisung unter diesen Umständen das XXXV.A.K. zu erhalten habe, wird erklärt, es müßten Auffanglinien hinter feindlichen Durchbrüchen geschaffen und mit Hilfe dieser Auffanglinien ein Setzen des Widerstandes durch rücksichtsloses Durchgreifen energischer Führer, notfalls mit Gewalt, erzwungen werden. Im übrigen seien die12.Pz.Div. und ein Sperrverband für den Raum westlich Bobruisk im Anrollen, bis zu ihrem Eintreffen sei es Aufgabe der Armee, den vordringenden Feind beim XXXXI.Pz.K. aufzuhalten und beim XXXV.A.K.in irgendeiner Linie möglichst weit ostwärts zum Halten zu kommen. Eine Genehmigung zum Absetzen käme jedoch, das wird nochmals ausdrücklich betont, unter keinen Umständen in Frage, da eine solche Anweisung klar den Weisungen des OKH widerspreche (Chef d. Gr./Chef, 14,35 Uhr; s.a.Anl. VIII 3). Es ergeht darauf vom AOK der Befehl an das XXXV.A.K., seinen Kampf durch rücksichtslose Entblößung aller nicht oder weniger stark angegriffenen Frontabschnitte mit dem Hauptziel der Wahrung einer geschlossenen Front zu führen, selbst auf die Gefahr hin, daß dies Abschnitte dann auch von schwächerem Feind eingedrückt werden. Für den rechten Korpsflügel ist befohlen, solange auszuharren, bis die 36.J.D., deren Zurückziehung aus dem Brückenkopf Paritschi vom stellv.OB nun doch angeordnet und von der Heeresgruppe mit der Hinweis nachträglich gebilligt worden ist daß zur Vermeidung einer Einschließung Verbindung zwischen der 36. und 45.I.D. gehalten werden müsse, auf das Beresina-Ostufer abgeflossen sei. In dieser Kampfanweisung sieht das AOK die einzige Möglichkeit, einerseits eine Aufsplitterung der Front zu verhindern, andererseits aber auch den Forderung der der Heeresgruppe nach einem Halten der Front möglichst weit ostwärts gerecht zu werden (s. Anl. IV 3). Das AOK ist sich dessen bewußt, daß es in der augenblicklichen Lage entscheidend darauf ankommt, die Zügel der Führung fest in der Hand zu behalten. In diesen Tagen und Stunden, in denen von der richtigen und planmässigen Steuerung des Abwehrkampfes das Sein oder Nichtsein der Armee abhängen kann, darf es nicht sein, daß bei einem weiteren Vorrücken der feindlichen Angriffsspitzen das hart westlich Bobruisk gelegene Armeehauptquartier in die Kampfhandlungen einbezogen und damit als Führungsstelle ausgeschaltet wird. Der OB befiehlt deshalb noch -für heute Stellungswechsel des AOK in das vorbereitete Ausweichquartier Protassewitschi (westlich Ossipowitschi). Um im Falle eines überraschenden Angriffs nicht wertvolles Aktenmaterial in Feindeshand fallen zu lassen, ist die vorbeugende Vernichtung aller nicht unbedingt für die laufende Arbeit benötigten Verschlußsachen bereits im Laufe des Tages angeordnet und durchgeführt worden. (siehe An.VII 1). Um 20,30 Uhr verläßt, nachdem der OB und der Ia im neuen Quartier eingetroffen sind, der Chef des Generalstabes das bisherige A.H.Qu. Teile des Stabes sind schon vorausgefahren, Teile werden noch im Laufe der Nacht folgen. |
| 27.6.1944 | KTB 9.Armee. In ununterbrochenes. Einsätzen fliegt die feindliche Luftwaffe die ganze Nacht hindurch Bombenangriff auf Bombenangriff gegen Bobruisk, Ossipowitschi und Marina Gorka. Stundenlang ist der Himmel durch die langsam herabsinkenden Leuchtbomben taghell erleuchtet. Dem Abwehrfeuer eigener Flak begegnen die feurigen Garben der feindlichen Bordwaffen; der Verkehr auf den Hauptrollbahnen wird empfindlich gestört; zuweilen völlig unterbrochen. Die Nachrichtenzentrale der Armee in Ossipowitschi wird schwer getroffen. Es folgt ein Tag sich überstürzender Ereignisse und wechselvoller Entscheidungen. Schon in den frühesten Morgenstunden trifft die Meldung ein, dass die feindlichen Angriffsspitzen nunmehr bereits westlich Bobruisk nach Norden durchgestoßen seien. Die Stadt und die in ihr stehenden Truppen sin damit von drei Seiten vom Feind umfaßt. Kurz nach 6 Uhr überbringt, da die Fernsprechverbindung gen durch die Bombenangriffe fast restlos ausgefallen sind, ein Kurieroffizier einen Befehl der Heeresgruppe. Er lautet: Aufgabe der 9.Armee ist es, die Lücke südostwärts Bobruisk zu schließen und die Verbindung zu den Nachbar-Armeen aufrecht zu erhalten. Hierzu kämpft sich die Armee, unter Mitnahme allen Geräts, auf die Brückenkopfstellung von Bobruisk zurück. 20.Pz.Div. ist zur Lösung dieser Aufgabe zum Angriff anzusetzen" (s.Anl.V 1). Ein weiterer Befehl erinnert daran, rechtzeitig sicherzustellen, daß auch bei einem weiteren Durchbrechen der Front durch den Feind der Feste Platz Bobruisk unter allen Umständen bis zum letzten gehalten werde -hierfür wird der Oberbefehlshaber persönlich verantwortlich gemacht (s.Anl.V2). Vom AOK wird da .raufhin unverzüglich dem XXXXL.Pz.K. und XXXV. A.K. befohlen sich zum Durchbruch auf Ossipowitsclij zu vereinigen; sollte die Vereinigung nicht mehr möglich sein, wird getrennter Durchbruch nach Ossipowitschi (XXXXI.Pz.K. und 20.Pz.Div.) und nach Norden zur 4.Armee (XXXV.A.K.) angeordnet. Als Besatzung des Festen Platzes wird die 383.I.D.bestimmt (s.Anl.IV 5). Der Befehl, gegebenenfalls getrennt auszubrechen, findet seinen Grund in der augenblicklichen Lage: Feindliche Panzerkräfte sind inzwischen von Nordosten her auf der Rollbahn bis vor die Tore von Bobruisk gelangt und sperren dem XXXV.A.K.den Zugang zur Stadt. Damit ist nicht nur der linke Flügel des XXXV.A.K. von der Masse des Korps abgesplittert (s.Anl.III 8b), sondern auch das Korps selbst von den in und westlich Bobruisk stehenden Kräften getrennt. Es meldet die Absicht, die Verbindng angriffsweise wiederherzustellen (s.Anl.III -15). Noch ehe jedoch die genannten Armeebefehle von den Funkstellen des Korps quittiert sind, übermittelt der Chef der Heeresgruppe eine neue Weisung (Chef H.Gr./Ia, 9,15 Uhr). Darin heißt es, daß die Aufgabe der 9.Armee unverändert bestehen bleibe. Dieser Befehl bedeutet, daß der alte uneingeschränkte Verteidigungsauftrag nach wie vor gilt, d.h., daß der Befehl der Heeresgruppe zum Zurückkämpfen auf die Brückenkopfstellung und insbesondere die Weisung des AOK zum Durchschlagen (entsprechend dem Heeresgruppenbefehl zum Verbindunghalten zu den Nachbararmeen) aufgehoben werden. Er zwingt das AOK, unter Ungültigerklärung seines bisherigen Befehls nunmehr von allen eingeschlossenen Verbänden das Halten des Raumes um Bobruisk zu fordern (s.Anl.IV 9). Bis zum Mittag eintreffende Funksprüche der beiden Korps fußen jedoch noch auf dem erstgegebenen Befehl (s.Anl.III 24, 25, 26, 27), da die neue Weisung infolge mehrfacher Funkstörungen offenbar noch nicht eingetroffen ist . Sie erklären die Vereinigung beider Korps infolge der Sperrung der Beresina-Brücke durch die sich laufend verstärkenden gegnerischer Panzerkräfte bei Titowka für unmöglich und melden deshalb als Absicht den Einzeldurchbruch nach Norden, teils ostwärts der Beresina zum AOK 4, teils westlich der Beresina auf der Uferstraße, auf der noch im Laufe des Tages zahlreiche Fahrzeuge dem sich langsam schließenden Kessel um Bobruisk entronnen sind (auch Angehörige des Armeestabes haben sich hier noch durchschlagen können — leider dürfte jedoch einigen Teilen des AOK sowie einem erheblichen Teil des Nachrichten-Rgts. der Ausbruch nicht mehr gelungen sein). Etwa zu dem Zeitpunkt, in dem der zweite Befehl, der den ersten widerruft, bei der Truppe ankommt, trifft eine neue Weisung von der Heeresgruppe ein, die praktisch, den heute vom AOK gegebenen Befehl wiederherstellt (Chef H.Gr./Chef, 16,05 Uhr). Sie befiehlt den in Bobruisk eingeschlossenen Kräften den Ausbruch, gibt der 9.Armee die Aufgabe des Aufbaus einer neuen Verteidigungslinie in der allgemeinen Linie Staryje Dorogi -Ossipowitschi - Stary Ostroff, erinnert an die Zerstörung aller wichtigen Objekte und ordnet für die Verteidigung des Festen Platzes das Zurückbleiben der 383.I.D. in Bobruisk an. Die Armee quittiert diese Weisung mit der unverzüglichen Weitergabe des Ausbruchsbefehls an die eingeschlossenen Verbände, denen für die Durchführung des Ausbruchs nunmehr volle Handlungsfreiheit gegeben wird. (s.Anl.III 23 und 24). Leider sind durch das Hin und Her der Befehle kostbare Stunden verloren gegangen. Da die Heeresgruppe für den Befehl zum Halten des Festen Platzes eine Empfangsbestätigung des Kommandanten fordert, zu diesem jedoch schon seit längerem keine Funkverbindung mehr besteht, erwägt das AOK den nächtlichen Fallschirmabsprung eines Ordonnanzoffiziers über der Stadt, falls die Funkverbindung nicht inzwischen wiederhergestellt sein sollte. Westlich Bobruisk ist die zweite feindliche Panzergruppe inzwischen nach Westen auf Ssluzk abgedreht, wie die Luftaufklärung meldet. Unter Führung des Artillerie-Kommandeurs des XXXXI.Pz.K. hat sich dort, verstärkt durch eine Kampfgruppe der AWS, ein schwacher Sperrverband gebildet, der um die Verzögerung des feindlichen Vorgehens einen schweren und ungleichen Kampf führt. Nachdem Glusk verloren gegangen ist, ist auch die vom Korück gebildete Kampfgruppe im schrittweisen Zurückkämpfen nach Westen. Zur Sicherstellung einer einheitlichen Kampfführung befiehlt das AOK die Zusammenfassung beider Verbände unter Führung des Korück (s.dazu Anl.III 13, 14 und Anl.IV 7). Der am Nachmittag eingegangene Befehl der Heeresgruppe hat angesichts der Trennung des LV.A.K. von den übrigen Teilen der 9.Armee nunmehr dessen Unterstellung unter die 2.Armee angeordnet. Das AOK entläßt das Korps mit dem Befehl, unter scharfer Schwerpunktbildung an seinem Nordflügel auf die Linie Tscherwonoje=See - Staryje Dorogi auszuweichen, entsprechend der in Befehl der Heeresgruppe genannten neu geplanten Abwehrfront. Neben der Sorge um die im Raum Bobruisk eingeschlossenen Teile, unter denen sich die Masse der Divisionen der Armee befindet, gilt die Arbeit des AOK nunmehr vor allem dem Aufbau der neuen Verteidigungslinie Staryje Dorogi - Ossipowitschi - Stary Ostroff, wozu, außer den an der Südstraße nach Ssluzk stehenden Teilen, nennenswerte Kräfte zunächst überhaupt nicht, zur Verfügung stellen, da der Antransport der von der Heeresgruppe zugesagten Verstärkungen (Teile 390.F.A.D., Sperrverband "Bergen", s.Anl.V 6- und 12.Pz.Div. ) nur mit großen Verzögerungen vor sich geht, die in keinem Verhältnis zu dem Tempo des feindlichen Vormarsches stehen. Es bleibt deshalb nichts anderes übrig, als mit den wenigen gerade greifbaren Sicherungseinheiten im Raume von Ossipowitschi und Gruppen von aufgefangenen Versprengten vorwärts Ossipowitschi den Versuch zur Bildung einer behelfsmässigen Sperrlinie zu unternehmen. Dem Höh.Art.Kdeur. des AOK, Generalleutnant Lindig, wird die Organisation der Verteidigung von Ossipowitschi übertragen. Der stellv.OB und Offiziere des Armeestabes selbst sind darüber hinaus bemüht, zurückflutende Trosse und Alarmeinheiten aufzufangen und zunächst einmal eine vorläufige Widerstandslinie zu improvisieren. Es Bedarf dabei vielfach harter Mittel, um die übereilt gebildeten, unzureichend bewaffneten und nicht vom Gefühl der Zusammengehörigkeit getragenen Alarmgruppen zum Kämpfen zu zwingen, und kurz darauf kommt vom Feldkommandanten Ossipowitschi bereits die Meldung, eigene Infanterie sei im Zurückweichen auf den Ort - feindliche Panzer seien im Angriff (FK/Ia, 19,15 Uhr). Als sich die feindliche Pz.Spitze dem Gefechtsstand des AOK nähert, muß ein erneuter-Stellungswechsel befohlen werden, mit den letzten Fahrzeugen bereits im feindlichen Artillerie und Panzerfeuer, verläßt das AOK das brennende Protassewitschi. Der stellv. OB befindet sich noch vorn. Auf der Fahrt nach Marina Gorka, das als nächster Gefechtsstand ausersehen ist, trifft der Armeechef den soeben von Minsk kommenden neuen Oberbefehlshaber, General der Panzertruppe v. Vormann. General Jordan hat sich bereits heute Nachmittag, noch einmal zu einem kurzen Besuch beim AOK zurückgekehrt, verabschiedet. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wird der neue Gerichtsstand im ehemaligen Technikum Marina Gorka bezogen. |
| 28.6.1944 | KTB 9.Armee. Die 9.Armee hat als Kampfverband praktisch zu bestehen aufgehört. Der Ring um Bobruisk ist geschlossen. Nach einem Funkspruch des XXXXI.Pz.K. strömen seit Beginn der Dunkelheit Truppenteile aller Divisionen, des XXXXI.Pz.K. und XXXV. A.K. ungeordnet, zum Teil nach Vernichtung ihrer schweren Waffen, in die Stadt. Bobruisk, von allen Seiten angegriffen, wird unter Führung des Kommandanten des Festen Platzes von Teilen der 383.I.D. und sonstigen kampffähigen Einheiten heldenhaft verteidigt (s.Anlage III 1, 4, 5). Die Ordnung der in der überfüllten und von schweren Luftangriffen betroffenen Stadt befindlichen Verbände bereitet erhebliche Schwierigkeiten (s.Anlage III 3). Namhafte Teile des XXXV.A.K. scheinen noch über die Eisenbahnbrücke einen Weg in die Stadt gefunden zu haben. Die Zahl der Verwundeten geht in die Tausende, über die Gesamtzahl der eingeschlossenen Truppen sind nur Schätzungen möglich), sie dürfte mit etwa 70 000 Mann zu beziffern sein. Versorgungsschwierigkeiten werden empfindlich fühlbar (s.Anlage VII 1), es fehlt an Verpflegung, Munition und Sanitätsmaterial, da die Lager zum Teil durch Beschuß ober Bomben vernichtet sind. Das AOK versucht, durch Luftversorgung Abhilfe zu schaffen, soweit es geht (s.Anlage IV 9 und 12). Die Anfrage des XXXXI.Pz.K., ob morgen mit einem Entsatzangriff zur Erleichterung des Durchbruchs gerechnet werden könne (s.Anlage III 6 und 8), muß das AOK leider verneinen, denn es verfügt zur Zeit über keinen einsatzfähigen Kampfverband mehr.(s.Anlage IV 6). Während an der Straße Bobruisk -Ssluzk die bei Staryje Dorogi stehenden schwachen Kräfte des Arko 35 und der AWS (Gruppe Oberst Bickel) von den feindlichen Panzerspitzen hinter die Oressa zurückgedrängt werden, (von der Kampfgruppe des Korück fehlen Nachrichten), ist auch im Raum Ossipowitschi noch keineswegs eine haltbare Sperrung der Straße Bobruisk - Minsk vorhanden. Die unter Führung des Höh.Art.Kdr. südostw. und ostw.Ossipowitschi aufgebauten Sicherungen sind gestern aus Ossipowitschi geworfen worden; sie stehen jetzt in einen dünnen Schleier nordwestl. der Stadt. Setzt der Feind seinen Vormarsch im bisherigen Tempo und mit nur einigermaßen starken Kräften fort, so ist die Vernichtung auch noch der letzten Teile der Armee unvermeidlich.. Von den zahllosen Trossen, Versorgungstruppen und sonstigen rückwärtigen Diensten, die, untermischt mit Ziviltrecks, auf allen Straßen in langen Kolonnen nach Westen und Nordwesten strömen, ist ein nennenswerter Widerstand gegen feindliche Panzer trotz aller sofort eingeleiteten Auffang= und Organisationsmaßnahmen vor allem wegen des Fehlens panzerbrechender Waffen nicht zu erhoffen. In dieser nahezu aussichtslosen Lage scheint es, als ob das Opfer der in Bobruisk Eingeschlossenen doch noch ein Gutes für den Wiederaufbau der Front haben sollte. Ob der Gegner durch Versorgungsschwierigkeiten an der raschen Fortsetzung seines Durchbruchsangriffes gehemmt ist, ob er durch die Sperrung der Bobruisker Enge am Nachführen seiner Verbände gehindert wird oder ob sein Angriff gegen die Stadt vorläufig noch die Masse seiner Kräfte bindet - der Feinddruck gegen die neu im Entstehen begriffene Abwehrlinie südostw.Marina Gorka ist heute jedenfalls unerwartet gering. Es mag auch sein, daß der Gegner an einer gewaltsamen Brechung des neuen Widerstandes südostw. Marina Gorka in der sicheren Erwartung, durch beidseitiges Vorbeistoßen seiner Panzer an der flankenoffenen Sperrlinie diese über kurz oder lang doch zum Ausweichen zu zwingen, zunächst gar kein sonderliches Interesse hat, Mit umso grösserem Nachdruck arbeitet das AOK, trotz aller Unzulänglichkeit der vorhandenen Nachrichtenmittel, die immer wieder durch Kurieroffiziere ergänzt werden müssen, in ununterbrochener Tages- und Nachtarbeit an der Neuherstellung der Abwehrfront im Raum Marina Gorka. Die Einheiten des "Sperrverbandes Bergen" (4 schwache Bataillone ohne nennenswerte schwere Waffen), die heute eintreffen, erhalten Befehl zum sofortigen Beziehen einer Verteidigungslinie südlich und vor allem südostw. der Stadt (Ssentscha - Talka - Lapitschi - Pogoreloje); der 390.F.A.D. werden hierzu weitere Sicherungseinheiten und. die heute eintreffenden ersten Teile der 12.Pz.Div. unterstellt. Die Sicherungen vorwärts dieser Linie sollen, nachdem zunächst ihr Verbleib befohlen war (siehe Anlage IV 16), in der kommenden Nacht zurückgenommen werden, um sie nicht einer Umfassung durch den beiderseits der Straße vorfühlenden Gegner auszuliefern (s.Anlage IV 17). Um 12,50 Uhr trifft, von der Heeresgruppe übermittelt, der Führerbefehl ein, daß der Feste Platz Bobruisk aufzugeben sei (s.Anlage IV 7 und 8). Der Befehl wird vom AOK sofort weitergegeben und -unter gleichzeitiger Bekanntgabe der derzeitigen Feindlage ( s.Anlage IV 14 und 15)- den eingeschlossenen Kräften der Aufbruch nach Norden längs der Beresina empfohlen, da hier der geringste Feindwiderstand zu erwarten sein dürfte. Die Luftwaffe hat zugesagt, den Ausbruch zu unterstützen.(S.Anlage IV 15.) Gleichzeitig ist heute der Führerbefehl über die weitere Kampfführung der Heeresgruppe Mitte eingetroffen, in dem gefordert wird, den feindlichen Vormarsch in der Linie Staryje Dorogi - Ossipowitschi - Sswisslotsch - Beresina nunmehr endgültig zum Stehen zu bringen. Die zugeführten Panzerdivisionen werden darin ausdrücklich zum offensiven Einsatz bestimmt (Operationsbefehl Nr. 8, Obkdo.H.Gr.Mitte Ia Nr. 8141/44 g.Kdos.Chefsache befehlsgemäß vernichtet ). Für die Armeeführung erhebt sich damit die Frage nach der Kampfanweisung für die 12.Pz.Div.,die mit ihren ersten Transporten jetzt eintrifft. Sie hängt wesentlich von der vermutlichen weiteren Angriffsführung des Feindes ab. Beurteilt man nach dem bisherigen Bild die tägliche Weiterentwicklung der Lage, so bieten sich dem jetzt mit dar Masse im Raum um Bobruisk stehenden Feind drei Möglichkeiten der Angriffsfortsetzung. Die erste, ein Weiterstoß längs der Beresina nach Norden zum Flankenangriff in die im Ausweichen befindliche 4.Armee, ist als kleinste und für den Feind am wenigsten erfolgversprechende Lösung am unwahrscheinlichsten. Sie würde auch den Armeeabschnitt kaum direkt betreffen und scheidet deshalb für die Frage nach dem Ansatz der 12.Pz.Div. aus. Die zweite Möglichkeit wäre eine Fortsetzung des feindlichen Hauptstoßes in Richtung auf Minsk mit der operativen Zielsetzung einer Einschließung der 4.Armee im Zusammenwirken mit den aus dem Raum Witebsk vorstoßenden Panzergruppen. In diesem Falle käme ein Ansatz der 12.Pz.Div. nach Südosten in Frage. Als dritte Möglichkeit bietet sich für den Feind der Weiterstoß nach Westen, wodurch er, ohne die Aussicht auf eine Einkesselung der 4.Armee aufgeben zu müssen, in den Rücken der 2. Armee gelangen würde. Sie dürfte der sowjetischen Führung als die aussichtsreichste erscheinen und muß deshalb als die wahrscheinlichste angenommen werden, sie bedeutet aber andererseits, daß mit der Notwendigkeit eines Einsatzes der 12.Pz.Div. auch nach Süden auf Ssluzk gerechnet werden muß, sofern die dorthin in Zuführung befindliche 4.Pz.Div. nicht ausreichen sollte, um den Feind aufzuhalten; eine Festlegung der 12.Pz.Div. südostw. Minsk wäre in diesen Falle zwecklos. Auf Grund dieser Überlegungen, geht der Entschluß des OB dahin, die 12.Pz.Div im Schutz der bisher schon gebildeten, Sicherungslinie unter vorübergehender Abstellung von Teilen zu deren Verstärkung zunächst lediglich zu versammeln, ohne ihren Einsatz schon jetzt festzulegen. Die Frage in welcher Richtung der befohlene Offensivstoß dann später zu erfolgen hat, wird erst auf Grund einer weiteren Klärung des Feindbildes, um die die Luftaufklärung laufend bemüht ist, entschieden werden können (s.dazu Anlage IV 4 und IV 3). Gegen Abend teilt die Heeresgruppe mit, daß Generalfeldmarschall Model, ehemaliger Oberbefehlshaber der 9.Armee und derzeitiger Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nordukraine, noch heute bei der Heeresgruppe als ihr neuer Oberbefehlshaber eintreffen werde; eine Nachricht, die das AOK mit zuversichtlicher Genugtuung verzeichnet. |
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