| Kriegstagebuch Juli 1940 | |
| 1.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Geburtstag unseres Kommandeurs. Eine große Parade und festliche Veranstaltungen auf dem Schloß prägen diesen Tag. NAch den anstregenden Tagen des Marsches und Kampfes bot uns der Geburtstag unseres verehrten Kommandeutrs Gelegenheit, ihm zu zeigen, daß seine erste Abteilung friedensmässige Disziplin und Sauberkeit nicht verloren hat. Mit großer Emsigkeit war dieser Tag vorbereitet worden und sein Verlauf war ein glanzvoller. Um 10 Uhr steht die Abteilung in tadelloser Paradeaufstellung. Nach dem Emfpang einer Gratulationsabordnung nimmt Herr Major die festliche Parade seiner Abteilung ab. Weiter fanden im Kranz der festlichen Ereignisse um 17 Uhr ein shneidiges Jagdreiten auf einer 2 Kilometer langen Bahn statt und am Abend eine bunte Veranstaltung. Unteroffizier Hoffman und Gefeiter Pappenberger machten mit ihrer Artistik jedem Variete Ehre. Adjutant, Leutnant Dr.Bokr, fungiert als Ansager, Leutnant Rusam bringt sogar eine Oper "Die Brille" zur Aufführung. Loderndes Feuer und fröhliche Lieder beleben den sonst einsamen nächtlichen Schloßpark; wie täglich zur mitternächtlichen Stunde spukt es im Schloß. Der Geist des Ahnherrn (Wachtmeister Scharvogel) ersheint auf weißem Roß und die knöcherne Ahnfrau (Veterinär Hartmann) orakelt die Zukunft des Herrn Kommandeurs: Gouverneur des Birmarckarchipels. Mit dem frischen Gesang der "Drei Lilien" wird der ganze Spuk verjagt. |
| 2.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Dieser Tag bringt uns nichts erwähnenswertes, wir freuen uns, daß endlich die Zeit des Abrückens von diesem verlasenen Landschloß kommt. |
| 3.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Rüsten, Vorbereiten, Packen zum großen Heimmarsch, eine uns - diesmal liebe Arbeit. |
| 4.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Wir liegen im Nachtquartier Egleny, der erste Tag unseres Rückmarsches ist gut verlaufen. Um 7 Uhr waren wir marschbereit und durchfuhren die Orte Faverelles - Lavau - St.Jargeau mit Schloß, Mezilles - Toucy - Merry la Vallee - Egleny. Wir marschieren völlig friedensmässig im selbstständigen Regimentsverband. Bald verlassen wir Loiret und kommen zurück ins Departement Jonne. Das Landschaftsbild wird weitläufiger und die Vegetation kärger. Die Orte sind recht ansprechend, jedoch tragen viele Spuren des Krieges, im Strassengraben liegen dort und da ausgebrannte Autos und verwitterte Ausrüstungsgegenstände des Franzosen. Der Marktplatz von Toucy bietet ein Bild schlimmer Verwüstung, ein ganzer Häuserkomplex ist Ruine geworden. Unberührt ist das Schloß der Stadt. Um 19 Uhr erreichen wir Egleny und finden ein herrliches Quartier vor, die Menschen sind sehr freundlich und tun uns alles. Die tragende Kraft des Marsches liegt im Bewusstsein, es geht der Heimat zu. Egleny ist eine sehr saubere Ortschaft mit hübscher Kirche und großem Schloß, Unterkunft des Regiments. Heute sind wir 52 Kilometer marschiert. |
| 5.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Ein linder, schwüler Morgen als wir um 6 Uhr marschbereit stehen. Als ersten größeren Ort passieren wir Aillant sur Tholon, der Krieg hat auch hier Trümmerhaufen aufgeschüttet. Die Landschaft ist nun völlig anders geworden, weite, freie Sicht, an den leichten Hängen, ziehen sich wogende, reifende Felder die glühende Sonne malt der Ähren Gold, friedlicher Hochsommer. Um 10 Uhr fahren wir durch Joigny, eine größere Stadt, zum zweiten mal überqueren wir die Jonne. Die Stadt trägt ein ein sehr sauberes, lebensfrohes Gesamtbild, große Häuser, ansehnliche Geschäfte; wundervoll ist der Blick über dei weißsteinerne Brücke. Da zivile Leben pulsiert, freilich gibt deutsches Militär der Stadt das Hauptgepräge. An der großen Markthalle, dem Heeresverpflegungsamt, warten die Verpflegungskolonnen. Vor den GEschäften stehen Reihen von Zivilisten, um einzukaufen, alles vollzieht sich in Ordnung. Bevor wir Joigny verlassen, fahren wir noch an einem ausgedehnten Gefangenenlager vorüber, hunderte französischer Kriegsgefangener blicken uns nach. In Brinon halten wir zur Tränke. Auf staubigen Nebenstrassen und bei brütender Sonnenglut erreichen wir über Bussy en Othe Paroy en Othe, unser Tagesziel. Auch heute werden wir gut aufgenommen, das französische Volk kennt die deutschen Soldaten und hat erfahren, daß er anders ist, als ihn die Propaganda verzerrte. |
| 6.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Über den Marktplatz der kleinen Stadt Aix en Othe klingen deutsche Weisen, ein gelinder Regen hat die brückende Schwüle des Tages gelindert. schnelle Schwalben umsegeln die massive Kirche, noch um 22 Uhr ists heller Tag. Das Städtchen bietet ein friedensmässiges Bild, Restaurants, Cafes, GEschäfte sind geöffnet; welch eine Wohltat nach sieben Wochen wieder einmal in einer Stadt zu sein! Hier werden wir bis übermorgen bleiben. Sogar das erste Bier haben wir getrunken, in gewissem Sinne stimmt das Wort eines unsrer Kameraden: "Wir lebten von Staub und Durst". Nun aber gehts wieder Richtung Heimat und Ordnung zu. Der Tag brachte uns einen Marsch von 35 Kilometern durch rein ländliches Gebiet, von Paroy en Othe über Arces - Breues en Othe nach Aix. Haben wir auch nur wenige und noch dazu kleinere Städte auf unsrem Marsch durch Frankreich gesehen, so haben wir doch wohl alle empfunden, es muß in der Grande Nation ein großer sozialer Unterschied herrschen zwischen Stadt und Land. |
| 7.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Ein Ruhesonntag in Aix; bei den großen Marschleistungen bedurfen unsere braven Pferde genauer Pflege. In der uns verbliebenen freien Zeit herrscht Leben in den Restaurants, Straßen und Geschäften; vom erstklassigen Schinken haben viele eine gute Probe abbekommen, das beste ist der spottbillige Wein, so kostet hier eine Flasche Bordeaux 5 Fr. = 25 Pf. Auch sonst ist unser Geld recht kaufkräftig. EIn Ei kostet 1 Fr. 1 Liter Milch ebenfalls 1 Fr. Das Wetter war etwas kühl und regnerisch. Viel Sehenswertes bietet die Stadt uns freilich nicht. Die Ortskirche im inneren eine gute Jean d`Arc Figur. Jede französische Kirche ist äußerlich kenntlich am gallischen Hahn hoch auf dem Kreuz des Turmes, im Innern an der Statue der heiligen Johanna, Frankreichs Nationalheldin. Die Einwohnerschaft begegnet uns Deutsche sehr zuvorkommend, die schweren Folgen des Krieges sind ihnen erspart geblieben, kein Haus ist zerstört. Eine Deutschschweizerin erzählt mir, daß die Bewohner vor den deutschen Soldaten viel Angst hatten, nachdem sie aber gesehen haben, daß die Deutschen ihnen nichts zuleide tun, sind sie bereits nach zwei Tagen größtenteils in die Stadt zurückgekehrt. Sie hatten nur eine Sorge, Sorge um Brot für den Winter. Der Hass gegen England wird noch sehr groß werden, die Franzosen merken langsam, daß sie eine verhetzte, betrogene und verführte Nation waren. Wie täglich bechließt der Trompetenruf aus dem Zapfensreich den Tag um 22.30 Uhr. Der A.N.Z. liegt im Schulhaus, recht lehrreich ist ein Einblick in die fanzösische Erziehungsmethode; zahllose Anschauungs- und Veranschaulichungsmittel und reich bebilderte Schulbücher lassen auf eine zweckmässige Pädagogik schliessen. Ein Elementargeschichtsbuch zeigt schlagend, daß Frankreichs Jugend um ausschlisslich französisch-nationalistischem Geist erzogen wird. |
| 8.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Gegen 3 Uhr heissts rau aus dem Stroh, es ist noch stockfinstere Nacht. Um 5 Uhr stehen wir am befohlenen Platz zum Weitermarsch, es ist ein trüber wolkenverhängter Tag. Wir fahren durch typische Französische Bauerndörfer, in ihrer Anlage Haufendörfer, im Aussehen sehr verwahrlost, nicht selten findet man verwilderteingewachsene Hausruinen. Auch Kirchen sind verwildert und überwachsen, überall steht der Trieb zum neuen Schaffen. Den gleichen Einfdruck haben wir z.B. auch von der Stadt Troyes an der Seine, die wir zur Mittagszeit durchfahren. Schon weit vorher grüßt uns der stolze Bau der Kathedrale, das Stadtbild belebend; am Stadtrand steht eine geradezu prunkvolle Kaserne modernsten Stils, ein brauner gedrungener Backsteinbau mit großen Glasfenstern. Die Kaserne ist zur Zeit mit Gefangenen voll belegt. Bald aber ists vorbei mit der Größe und Moderne, wir kommen durch alte unschöne Strassenzüge, vorüber an einem weiten Schutthaufen bombenzerstörter Häuserkomplexe; einige Gefangene leisten Aufräumdienste., Weiter, vorbei an einer langzügigen Grünanlage mit vielen Luftschutzkellern, da, man muss sagen plötzlich - wieder ein hypermoderner Bau, das Stadtbad. Über eine kleine Seinebrücke verlassen wir die Stadt in einer Stunde im Quartier, Bouranton, einem kleinen Dorf, wo wir die einzelnen Höfe belegen. Die Marschroute im ebenen, weiten Seinetal ging von Aix über La Bove , Billemoiron, Chennegy en Othe, Bercenay, Bauchaffis, Prugny, Laines aux Bois, Chevillell, St.Germain, Troyes, St.Parres, Belley nach Bouranton. Eins ist uns immer wieder aufgefallen in Frankreich, der gute Zustand der Strassen und Wege; leider müssen wir meist kleine Nebenstrassen benutzen. Charakteristisch für Frankreichs Strassen sind lange Pappelalleen, die sie säumen. Äußerst genau ist die Auszeichnung mit Wegweisern und Kilometersteinen, selbst an den unbedeutensten Seitenwegen. |
| 9.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Über Nacht ist der seit Tagen wolkenverhängte Himmel, klar geworden, schon am Morgen ist es sonnenwarm. Die Orte unseres heutigen Marschweges sind Mesnil, Rouilly, Sacey, Piney, Brevonnes, L´Etape, Radonvilliers, Dienville, La Rothiere, Petit Mesnil, Chaumesnil. Beachtenswerter ist Piney, eine kleine nette Landstadt, Cienville mit großem Schloß und schönem Park an der Aube gelegen, die hier noch mehr Bach als Fluß zu nennen ist. Auf dem Markt von Rothiere steht ein Denkstein mit der Aufschrift: "Schlacht bei Rothiere 1814" - 1870/71 - 1914/18. Spuren aus diesem Feldzug sind weit und breit keine zu finden. Auf dem Lande fällt immer wieder eine schlechte Ausnutzung des Bodens auf. Auf den Feldern wird nur wenig gearbeitet, die wehrfähige Mannschaft ist fast vollständig zu den Fahnen gerufen worden. Um 17 Uhr kommen wir ins Quartier, einen Bauernhof in Chaumesnil, der Hof ist vollständig ausgeleert und unbewohnt. |
| 10.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Wieder Marschtag! Man kann wohl sagen der bisher heisseste Tag unseres ganzen Feldzuges. Heute verlassen wir die grosse Hauptstrasse nicht; sie führt uns über La Chaise - Soulaines Dhuys and die Grenze des Departements Marne; ganz in der Nähe erhebt sich ein grosser Denkstein für Rozierre 1810/89. Die Landschaft wechselt wieder mit dem Depratement, grössere Laubwalder, ab und zu zum ersten Male auch Nadelholz, das wir seit Gedenken nicht mehr sahen. An den Ortschaften fällt eine deutliche Versüdlichung im Charakter auf, im Gegensatz zum Loiret mit seinen steilen Giebeln, hier flache südländische Dächer auf grauen Feldsteinhäusern, die oft in kunterbuntem Gewinkel stehen. In dieser Gegend lagen viele französische Truppen - Marneschutz - man findet Notställe, Baracken und total ausgräumte Häuser. Zivil ist erst zum Teil zurück. Im Depratement Marne durchfahren wir weiter Tremilly , das saubere Nully, Villiers aux Chenes, unser Mittagsrastplatz. Doulevant la Chateau mit schlnem Schloß und Dommartin le St.Pere, In Courcelles sur Blaise bleiben wir für den morgigen Ruhetag. In der Blaise finden wir endlich die ersehnte Erfrischung von Hitze und Staub. Der Ort selbst bietet wenig Merkenswertes, höchstens dass der Südcharakter stark hervortritt. |
| 11.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Ruhetag! Die Hälfte des Marschweges bis Zweibrücken dürfte zurückgelegt sein. Der Morgen bringt einen mächtigen Sturzregen und damit eine Reinigung der Luft und wohltuende Abkühlung. Der Tag ist ausgefüllt, wie immer an Ruhetagen, mit Pferdepflege, Bekleidungsrichten und Waffenreinigen. Heute einmal keine Reis- oder Linsensuppe, sondern Gulasch mit Nudeln und Salat. |
| 12.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Um 8 Uhr verlassen wir den Parkplatz marnewärts, die Luft ist rein und kühl. Der Tag bot uns einige hübsche Städtebilder; am Morgen gleich Dommartin le Franc mit seinem eng an die Kirche angelehnten, rotdächrigen Häusern, an das grün umrankte Gotteshaus schmiegen sich förmlich die mit Glasperlen geschmückten Friedhofskreuze, belebt von farbenfrohen Sommerblumen. Gleich hinter dem Ort ein französisches Doppelsoldatengrab, in einem Strassengraben ailig aufgeschüttet, auf dem Querholz steht schlicht: "2 soldates francais". Morancourt und Nomacourt passieren wir und kommen ins eigentliche Marnegebiet; unsren Augen zeigt die Landschaft ein romantisches Schluchtental, drüben am Horizont flache Tafelberge, dazwischen die Marne. Baulich entzückend ist Joinville, unten an der steinernen Brücke der Marne liegt es vor uns wie ein Gemälde, Kleinvenedig. Am Ufer des moosgrünen Wassers die südlich-flachen, rotebedeckten Häuschen mit kleinen Gärten, an deren holzverwitterten Zäunen hellrote Rosen ranken; über diese Symphonie ragt eine gotische Kirche, das ganze Bild spiegelt sich märchenhaft im Wasser der grünen Marne. So viel Idyll bot uns vor Wochen die nebelumflorte Marne bei Trelup freilich nicht. Hübsch ist das Denkmal für Jean Eire de Joinville. Am Bahnhof sehen wir seit acht Wochen wieder den ersten fahrenden Zug. Über Thonnance les Joinville, Montreuil sur Thonnance und Saudron verlassen wir das Marnegebiet und kommen in eine unfruchtbare Steinwüste; die Felder um Bure, unsrem Quartier, sind mit Steinen übersät, arme, karges Land. Das Dorf Bure selbst ist ärmlich und schmutzig. Vor deutschen Truppen lagen hier viele Schwarze. Zivilisten erzählen uns von ihrem wilden Tun und ihren Gemeinheiten. Um sich vor deutschen Kugeln zu schützen, brückten sie der Einheimischen Kinder an die Brust. Bei der Flucht warfen sie diese einfach zu Boden. Etliche hat noch die verdiente Kugel erreicht. |
| 13.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Um 10 Uhr hielt die Marschkolonne, die Trompete bläst Signal: Der tausendste Marschkilometer! Eine kurze Ansprache LEutnant Schuberts hebt diesen für uns wirklich beachtlichen Augenblick hervor. Wohl keine bespannte Truppe hat vor uns solche Marschleistungen aufzuweisen. Wir halten auf der Hauptstrasse nach Toul inmitten kärglicher Wiesen und Haferfelder. Ein nächtlicher Gewitterregen hat stark abgekühlt; es ist hinter Houdelancourt, vor kurzer Zeit hatta auch unser General die Abteilung abgefahren. Über Delouze, Rosieres en Blois kommen wir nach Baucollers an der Maas, eine ziemlich gro0e lebhafte Stadt, mit gerader Hauptstrasse und vielen wiedereröffneten Geschäften. Noch einige Kilometer der Maas entlang, wir sind in dem Dorfe Ligny, das wiederum sauber und einladend aussieht, doch einen Tag werden wir auch hier rumbringen. |
| 14.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Sonntag, hoffentlich der letzet in Frankreich. DIe Bevölkerung von Ligny ist im Gegensatz zu den vorigen Quartieren wenig freundlich und leistet passiven Widerstand. Warum soll sie dafür nicht von 10 bis 12 Uhr die Dorfstrassen kehren? Für uns bietet das eintönige Nest wenig Abwechslung. |
| 15.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Bei Morgengrauen überschreitet die Abteilung die Maas, der Fluß ist zum Teil durch kleine, grüne Wasserinseln zerteilt; auf dem ruhigen Spiegel liegen herrliche Wasserrosen; auch die Maas ist noch kein Riesenfluß, sindern hier gemütlich, langweilig. Die Brücke bei Ugny ist zerstört worden, eine 10-Tonnen Brücke von Pionieren errichtet. Der weite Maastalkessel liegt im Naß des starken Nachtregens, Nebel schleicht über Feld und Wiesen. Droben auf der Höhe liegt Ugny, im GEsamtbild sehr hübsch; der Krichturm hat einen Einschlag erhalten. Im Tal weiden hunderte von Pferden und Mulis, ein Pferdelazarett, in zahllosen Koppeln. Die treuen, braven Tiere haben haben im Krieg ihre Pflicht erfüllt. Wir fahren in den leicht regnerischen Morgen, die Sonne versucht vergeblich durch die Wolken zu brechen. Über Rigny la Salle, Rigny St.Martin, Blenod bos vor Toul wo wir eine Dreiviertelstunde für Tränke und Fütterung einlegen. Toul liegt auf weiter Ebene, am Horizont von eigenartigen Tafelbergen eingefasst. In dieser Gegend fanden wieder Kämpfe statt, davon zeugen Soldatengräber am Wegesrand. Einschlagtrichter, Häuserruinen und Gegenstände der Ausrüstung die hier und da noch herumliegen. Wir fahren durch Toul hindurch, die Stadt ist geprägt durch ihr denkwürdiges Wahrzeichen, die bischöfliche Kathedrale; weit und hoch überragt sie die Häuser der Stadt. Sie ist ein typisches Beispiel für romanische Gotik. Bei aller Feinheit der Gliederung bleibt ihr streben ergebundener, die senkrechte ist quer durchschnitten von der waagerechten in Turm und Mittelschiff. Denken wir uns daneben etwa den Kölner Dom mit seiner nur in der fernen Höhe stillbaren Sehnsucht, so haben wir zugleich Belehrung über die Art romanischer und deutscher Frömmigkeit. Der Feind muss das Zentrum seines Widerstandes in die Nähe des Domes gelegt haben, denn der Krieg hat sein Antlitz in den erhabenen Bau gekratzt. Eine Ecke des linken Turmes ist schroff abgeschlagen und auch das Schiff beschädigt. Die umliegenden Häuser sind im Dachstuhl total ausgebrannt. Das ganze bietet ein schaurig schönes Bild. Außer dem Dom haben wir wenig Sehenswertes in Toul bemerkt. leider sind wir auch diesmal nicht ganz durch das Stadtzentrum gekommen. Vor der Stadt liegt eine völlig zerschossene Kaserne, überhaupt hat der Krieg hier stark gewütet, kein Wunder, Toul ist von einem Festungskranz eingeschlossen. Wir überschreiten die Mosel, den ersten Fluß dessen Wasser der Heimat zufließt. die ersten Grüße voraustragend. Die Mosel ist beachtlich breit. Wir verlassen die Stadt Toul, vorbei an einem Gefangenenanhaltelager; kilometerweit bleibt die hohe Kathedrale noch sichtbar. Über Gondreville kommen wir nach Sexey les lois, 10 Kilometer von Nancy entfernt, wo wir morgen vor unserem Divisionkommandeur vorbeimarschieren werden. Die Vorbereitung der Parade bringt uns viel Arbeit. Um 21 Uhr bricht ein Gewitterregen los und beschließt des Tages Arbeit. Nun haben wir noch 130 Kilometer nach Zweibrücken. |
| 16.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Tag der Siegesparade in Nancy. Unsere Division marschiert vor der Kathedrale in Nancy an ihrem Divisionskommandeur vorbei; es war vormittags 9.30 Uhr als die erste Abteilung den Platz passierte. Wir waren schon früh aufgestanden, das Wetter wollte sich nicht sehr günstig erweisen, aber zum Vorbeimarsch brachen doch die Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke und haben diesen uns der Erinnerung werten Tag verschönt. Nancy selbst ist eine wundervolle Stadt, man nennt sie deshalb auch Kleinparis. Ihre Lage erinnert verblüffend an Stuttgart, Stadt der Täler und Berge. Die Strassenzüge des Zentrums sind hochmodern, grosse Geschäfte, Paläste und Restaurants. Vor der Stadt wieder ein Gefangenlager und ein Beuthauptlager mit unübersehbarem Wagenpark, schnurgerade ausgerichtet, das deutsche Schwert hat den Wagen Halt geboten. Nancy ist Universitätsstadt mit hochmoderner Universität und großen Instituten. In den Straßen pulsiert ungestört lebhafter Grossstadtverkehr, jedoch ohne Straßenbahn. Wir haben in Nancy nicht ein zersörtes Haus und nicht einen Einschlag gesehen, die Stadt ist unberührt von des Krieges eisern, roher Hand. Über die Mosel- und die Marne-Rheinkanalbrücke verlassen wir Nancy. Am Wege liegt der deutsche und französische Heldenhain von Champenoux, die Flächen sind nicht groß, die Anlage aber äußerst eindrucksvoll. Der deutsche in grünen, geplfegten Hecken mit schwarzen, schlichten Holzkreuzen, der französische mit Doppelsteinkreuzen, beide nahe der ehemaligen Grenze zwischen Deutschland und Frankreich von vor 1914. Über das wellige lothringische Land fahren wir heute noch über Moncell sur Seile bis Chambrey, das Ortsschild gelb überschrieben, darauf: Kambrich. Am fernen Horizont lecuhten Lichtblau die Vogesen, deutsches Schicksalsland. Das Volk ist zweisprachig, gebrochen sein politischer Wille, urdeutsch docj seine Kultur- das Land eines Mörike. Seit Karl dem Großen ist dieses Land und Volk ruhelos. Ein Gespräch mit den Bewohnern erweist einem immer wieder die völlie Apathie gegen grosse Politik, verbitterten Hass gegen Krieg, und Sehnsucht nach Ruhe. Mit großer empfängt das Volk in diesen Tagen seine von dden französischen Fahnen heimkehrenden Söhne, Deutschland hat sie entlassen, viele haben den Weiltkrieg mit Deutschland. diesen Krieg aber gegen uns führen müssen - Lothringen! |
| 17.7,1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Wir sind in Kambrich. Der Lebensstandard des Lothringers ist nicht gerade hoch. So erzählt uns ein Melkmeister eines großen Hofes; er verdiene in Monat 400 Fr. 20 RM, nach deutschem Geld, das Laben ist hart und teuer. Die Schuld der Briten, Juden und der alten französischen Regierung wird allgemein erkannt. Nach dem Mittagessen gibt Leutnant Schubert Unterricht über Fragen und Punkte, die mit der bevorstehenden Rückkehr ins Reich zusammenhängen. In den nächsten zwei Tagen werden wir der Minengefahr höchste Aufmerksamkeit schenken müssen, das Gebiet ist zum Teil noch an unbekannten Plätzen verseucht, daher Sperrgebiet und nur für Verkehr auf entseuchten, festen Straßen freigegeben. Weiter gibt unser Nachrichtenzugführer einen sehr interessanten Bericht über seine Fahrt nach Verdun und dem Douaúmont, dieses Gelände trage noch überall die Spuren des Weltkrieges, gering aber seien die Folgen dieses Krieges. Frankreich hat diese historischen Plätze zu pomphaften Gedenkstätten ausgebaut. Der Tag schließt wie immer mit einem Dienstappell. |
| 18.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Ein Marschtag, berg und tal, quer durch Lothringen bis heran an die ersten Bunker der Maginotlinie. Die Hänge tragen Hopfen und Wein, die Dörfer haben deutsches Gepräge, die Häuser mit hohen Giebeln, die Anlage als Reihendorf. Deutsche Schilder weisen wieder den Weg. Am Morgen fahren wir durch eine idyllisch im Tal liegende Stadt, Chateau Salins (Salzburg). Über Gerbecourt (Gerbertshofen) erreichten wir zur Mittagsrast Baronville (Baronweiler); hier findet durch Oberst Marschall die letzte Überreichung von Eisernen Kreuzen statt, so auch an Leutnant Schubert. Von Baronweiler weiter über Morhange (Mörchingen), eine sich lang an der Straße hinziehende Stadt; eine große Kasernenanlage findet für Gefangene Verwendung. Hier sind besonders viele Schwarze. Über Briming erreichen wir die Maginotlinie bei Franvaltroff (Altdorf). Wir sehen drei große Bunker kaum vollendet; sie ragen weit aus dem Boden und sind schon weither als Festungsanlage erkennbar. Einen Bunker besichtigen wir genau; Beton und Eisen scheinen unüberwindlich, die Eisenkiuppel ist übersät mit Einschlägen. Im Innern des Bunkers ist es dunkel, mit gasdichter, handdicker Eisentür zu verrammeln. Zehn Mann Besatzung haben diesen Eisenkoloss drei Stunden lang verteidigt und sich dann doch ergeben. Unter dem Schatten der Bunker ruhen sechs deutsche Pioniere, die als Flammenwerfer hier den Heldentod fürs Vaterland starben. Die Bunker verbindet ein tiefer Wassergraben und eiserne Tankfallen, Altdorf selbst ist total zusammengeschossen. Zivilisten hausen in den noch halbwegs bewohnbaren Räumen. Unsre Unterkunftsfrage ist ziemlich schwierig. Die Minengefahr ist in der Umgebung dieses Landstreifens besonders groß. |
| 19.7.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Man schrieb den 19.Mai als wir Deutschland verliessen, heute an einem 19., dürfen wir dankerfüllt, so wie wir ausgezogen waren, das Vaterland wiedersehen. In den Wochen unseres Fernseins haben wir Deutschland doppelt lieben gelernt und im Entbehren seine uns tragende Lebenskraft gespürt. Sind wir auch nur ein Bruchteil der großen, siegreichen Wehrmacht in Frankreich, so sind wir doch so stolz, daß auf jenen tragischen November 1918, als auch wahrlich sieggekrönte Truppen heimkehrten, ein Juli 1940 folgte. Wir überfahren die letzten weitzügigen Hügelrücken Lothringens von der Ferne schon grüßt deutsches Land. Die letzten Orte Frankreichs, verlassene Dörfer im Niemandsland, sind völlig zerschossen, so Hellimer, St.Jean, Rohrbach, Woustviller. Unvergessen vor allem bleibt uns Puttelange, wo fast kein Stein auf dem anderen geblieben ist, befinden wir uns noch im Gebiet der Maginotlinie, in einer Ecke, wo schon seit September 1939 der Krieg ging. Von der französischen Festungslinie sehen wir am Weg starke Bunker, ein verästeltes Stacheldrahtsystem, Tankfallen, Strassentarnung. Grosse Granatrichterfelder dehnen sich vor allen Stellungen aus, so wird es im Weltkrieg beim langen Stellungskrieg ausgesehen haben. Um 13.30 Uhr sind wir in der Stadt Saargemines (Saargemünd), tot und ausgestorben, doch das Stadtbild im Grossen erhalten. Organsiation Todt (OT) ist überall fleißig am Werk, um aufzuräumen. 19.JUli nachmittags 15.55 Uhr überfährt unser Wagen die Bliesbrücke in FrauenbergM damit betreten wir wieder geliebten deutschen Mutterboden. Unser General ehrt hier an diesem für uns denkwürdigen Platz Major Dr.Riedel mit der Spange zum E.K.1 für den glanzvollen und unerschrockenen Einsatz der tapferen ersten Abteilung. In dankbarer Freude stimmen wir ein in das Sieg Heil unsres Adjutanten Leutnant Dr.Bokr, auf den Gestalter dieser großen geschichtlichen Zeit, unseren Führer Adolf Hitler. Von der Brücke aus führt uns kilometerweit eine steile Bergstrasse nach Deutschland, der Höhe zu. Nach kurzer aber inhaltsreicher Zeit im Feindesland werden wir in Zweibrücken wieder heimwärts verladen. Über den Rhein der für alle Zeiten Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze sein wird, fahren wir zurück in die Heimat. Überall empfangen uns dankbare Menschen und schmücken uns mit den schönsten Blumen des Sommers. |
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