88.Infanteriedivision
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Kriegstagebuch Juni 1940
1.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Unser Stab und Nachrichtenzug besuchte heute den deutschen Heldenfriedhof Origny St.Benoite. Leutnant Schubert erinnert in einer Ansprache an das
Heldenopfer, das unsere Kameraden unter den Kreuzen gebracht haben. In dieser Gegend von Origny begann im großen Krieg das Stocken des deutschen
Vormarsches und ein erbitterter Stellungskrieg, hier war es, wo die durch Verrat zum Rückzug gezwungenen Truppen schwere Blutopfer bringen mussten.
Wir aber, der Toten Söhne und Brüder, sind gekommen ein Unrecht zu tilgen und zu kämpfen, daß ihr Opfer zu SInn und Sieg kommt in einer herrlichen
Zukunft des Vaterlandes. Ergriffen gehen wir durch die endlosen Reihen der Gräber, lesen Namen die wir nicht kennen, deren Schicksal uns mant und
fordert. An vielen Kreuzen legen wir Blumen nieder.
Ganz unerwartet müssen wir spät abends 7 Kilometer rückwärts nach Landisay. Am Wege liegt das Wrack eines feindlichen Flugzeuges in Fetzen zerpsrengt,
daneben das Grab eines französischen Fliegerleutnants. Um Mitternacht beziehen wir Quartier.
2.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Bleibe in Ladisay, ein Sonntag mit viel Arbeit. Das neuen Quartier steht dem von Origny weit nach; doch langsam wächst die Erfahrung und überall
findet man ein Plätzchen, an dem man sich wohlfühlen kann. Das Vermissen jeglicher häuslicher Zivilisation führt zum Ersatz; unter Bäumen und in
Gärten stellen wir Tische auf, an denen man sich gemütlich niederlassen kann. Unsere Gedanken finden den Weg in die ferne Heimat. So bringt uns dieser
Sonntag wirklich schöne Stunden frohen Lagerlebens unter schneidigen Märschen der Regimentskapelle des Infanterieregiment 248. Noch kein Ort unseres
Vormarsches war so stark von Militär belegt wie Landisay. Flieger, Flak, Artillerie, Infanterie, Pionier. Im Schloß liegt ein Generalkommando.
3.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Zweiter Tag in Landisay, dem gestrigen gleich. Wir sind fünf Tage vom Verpflegungsamt außer Verpflegung gesetzt und müssen uns selbst mit Nahrungsmitteln
versorgen, was auch gelungen ist. Man empfindet sich nicht in Feindesland zu sein, so ruhig ist es schon seit Tagen. Landisay ist von Kriegsspuren völlig
verschont, außer den üblichen Verwüstungen im Inneren der Häuser. Ein originelles Ereignis ist der heutige Abendappel; ein Trompeter muß her, denn man
hatte in Origny eine Trompete gefunden. Woher aber den Trompeter nehmen? Also wird militärisch angetreten zur Probe, die ein schneidiger Kanonier
endlich besteht. Das war der "Trompeterkrieg in Landisay". Die Natur schenkt uns einen wundervollen lauen Sommerabend, und die Regimentskapelle spielt auf.
4.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Nochmals in Landisay. Der Abteilungskommandeur gibt Befehl für eine Einsatzübung, die bis Mittag beendet wird. Drückend ist die Hitze, die heute über der
Landschaft ruht. Die Sondermeldung vom Fall Dünkirchens löst unter uns eine große Begeisterung aus, die Kanalküste ist damit restlos in deutscher Hand, der
Weg nach England frei. Bis 23 Uhr belagern wir heute unseren Empfänger., das Führerhauptquartier veröffentlicht eine Statistik über den bisherigen Verlauf
des nordfranzösischen Feldzugs.
5.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Nach einer mehrtägigen Ruhe in unserem Frontabschnitt beginnt in den ersten Morgenstunden anhaltendes Trommelfeuer und äußerst lebhafte Fliegertäätigkeit:
den ganzen Vormittag fliegt Staffel um Staffel, Geschwader um Geschwader feindwärts, wir sind überzeugt ein neuer großer Schlag gegen den Feind wird damit
eingeleitet. Der Nachrichtenzug hat heute Morgen Nachrichtenübung, wir liegen an einer großen Verkehrsstrasse östlich Landisay. Auch hier merkt man von
neuem Leben im Kampf; über den Asphalt prasseln zahllose Fahrzeuge im Dienste der Front. Deutschland läßt seinem Gegner keine Atempause mehr; zum neuen
Kampf treten auch neue Divisionen an, so warten auch wir auf den Ruf der Pflicht, die Marschbereitschaft der Abteilung ist auf eine Stunde festgesetzt.
Drei Abteilungen unseres Regiments haben bereits Stellung bezogen, wir rechnen mit einem baldigen Einsatz. Werden wir südöstlich von Laon in Stellung gehen
wo sich eine französische Gebirgsdivision zur Verteidigung eingerichtet hat? Die Entscheidung drängt, warum sollten wir nicht aktiv dabei sein?
Um 20 Uhr überbringt ein Melder Marschbefehl für 2 Uhr morgens.
6.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Zur befohlenen Zeit steht die Abteilung zm Marsch; die Nacht ist schwül wie ein Ferngewitter dröhnt die Front. Am nächtlichen Sternenhimmel ists lebendig
geworden, feindliche Flugzeuge sind in unseren Raum eingeflogen. Blaue und silberne Scheinwerferbündel blitzen auf und verlöschen, um die Feindflieger zu
suchen., zu blenden und der Flak zum Abschuss zuzuweisen. Bombenabwürfe brachten uns keinen Schaden. Das Schauspiel am Himmel endet erst am grauen Morgen,
als wir uns unserem Ziel , La Ferte Chevrefies nähern.
Um 5 Uhr beziehen wir einen großen Gutshof und bleiben in Ruhe bis 10.30 Uhr. Der Tag bringt den notwendigen Dienst. Die Hitzewelle hält auch heute an.
Immer mehr wird die Wassernot in Frankreich spürbar, die Ziehbrunnen sind keine unerschöpflichen Quellen. Wasseranlagen sind vielfach zerstört. Der
Besuch der Orstkriche ist lohnend. Das äußere wieder tief, gedrungen, der Innenraum zeigt beachtenswerte Statuen in rein germanischem Ideal. Nach Einbruch
der Dunkelheit hört man wieder die nächtliche Sprache des Krieges, Flieger, Flak, Scheinwerfer, Geschützdonner, Bomben, ganz in der Ferne muß es brennen
südwestwärts ist der Himmel erhellt. Wir fahren dem Ziele zu.
7.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
In der zweiten Stunde halten wir in Crepy an, um zu tränken. An einem Waldrand nahe Crepy stand im Weltrkieg das berühmte Langrohrgeschütz, das Paris unter
Feuer nahm. Um 3.15 Uhr ziehen wir in Bucy les Cerny ein. Kurze Ruhe bis 8 Uhr im Freien, Stall oder Scheune. Bucy hat kein Wasser, der Feind hat die
Wasserquellen zerstört, wir müssen 2 Kilometer unsre Pferde führen, um endlich zu einem kleinen Bach, besser Graben, Wasser zu finden. Dabei ist heute die
Sonne, der Staub und Durst unbarmherzig. Der Kampf in unserem Abschnitt ist hart, berichtet unser Kommandeur von seiner Feindfahrt. Frankreichs Kerntruppen
liegen um Compiegne-Soissons. Unsere Division hat die ersten Opfer gebracht, unsere Verplfichtung im Ernst der Stunde.
8.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Trotz halbstündiger Alarmbereitschaft sind wir noch in Bucy. Die Nacht verlief ruhiger als an den Vortagen der Bomber von Dienst machte jedoch auch diese
Nacht seine Runden. Um 16 Uhr brechen wir nach Cuzy auf, 7 Kilometer von Bucy entfernt. Unser Quartier in Cuzy in ansprechende Landschaft gebettet, sanfte
Täler mit Matten und Laubwald. Sogar Kirschen sind schon reif. Der Ort ist nach dem Weltkrieg fast völlig neu erbaut worden. Auf der Höhe grüßt eine
Kirche im halborientalischen Stil. Vor stiller Kirchhofmauer ruhen zehn deutsche Soldaten in fremder Erde, sie fielen am 5. und 6.Juni. Die Kirche selbst
war für die Tage des Kampfes an der nahen Front Sammelstelle für Verwundete.
9.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Die Nacht zum Sonntag war erfüllt vom lauten Donner der nahen Front. In der Stille des Morgens schmücken wir die Gräber der Gefallenen und fassen sie in
weissen Stein und legen Blumen auf den Hügel, unser Gruß und Dankeschön an die Toten. Mittags gibt Leutnant Schubert einen Frontbericht: Soissons ist
gefallen, an allen Fronten Vorgehen unserer Wehrmacht. Nachmittags marschieren wir wieder weiter, eine Strecke von 18 Kilometer. Zum ersten Mal durchqueren
wir ein frisches Schlachtfeld, das uns wohl einen tiefen Einblick in den Ernst des Krieges vermittelte. Wir überschreiten des Oise-Aisne Kanal. Pioniere
arbeiten in sengender Hitze an einer Notbrücke. Auch das folgende Pinon ist ein Ort der Verwüstung, an der Straße mischen sich Rauch und Staub und hüllen
unsere Kolonne ein. Am Tor eines zerschossenen Friedhofs sehen wir den ersten Toten liegen, es ist ein französischer Soldat, die Erkennungsmarke um den Arm,
linde nich sickert ihm das Blut aus seiner Herzwunde. Und weiter durchs Schlachtfeld, der Wegrand erzählt, was hier geschehen: Tote Soldaten, Heldengräber,
frisch aufgeworfen, mit Kreuz und Stahlhelm, verlassens Stellungen; unvergesslich. ein MG von vier Toten Franzosen umgeben. Zerstreute Ausrüstungen zeigen
daß der Feind in Eile geflohen ist. Auf dem Weg begegnet uns ein langer Zug Gefangener, ihre Gesichter sprechen von Müdigkeit und Apathie. Wir biegen in
eine große Durchgangsstrasse ein, ein zeschossenes Denkmal für die Gefallenen des letzten Krieges, es sollte Frankreich zjm anklagenden Mahnmal werden, für
eine sinnlose Politik, hat denn dieses Land noch nicht genug Opfer gebracht. Der Verkehr auf den Strassen schoppt sich, so viele Abteilungen marschieren vor,
viele liegen im Biwak. Wir selbst erreichen um 21 Uhr unser Ziel, Boillery, vor Stunden noch Kampfplatz. In der Luft wird noch gekämpft, drei Feinde werden
abgeschossen, die Flak schoß sehr gut. Wchtmeister Koitsch verteilte zu später Stunde noch im Lichtschein den Gruß unser gelibten Heimat, die Feldpost.
10.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Ein Morgen im Lager, für 13 Uhr erneut Marschbereitschaft, Auch heute wieder ein heißer Tag, doch sind unsere Leistungen leichte Strapazen im Blick auf die
entscheidenden Ereignisse des Tages. Vor Soissons erreicht uns die Meldung von der Einnahme Narviks. Soissons - leider dürfen wir diese Stadt nur streifen,
ein altes Leidwesen der Bespannten nie durch die großen Städte kommen! Zwischen Bucy le long und Fin de Chartiers überschreiten wir die Aisne, eine ziemlich
breiten Fluß. Früh kommen wir nach Serches und beziehen Quartier, das wie alle Tage vom Vorkommando unter Leutnant Rennebaum und Wachtmeister Hentsche.
Wir haben einen herrlichen Platz unter uralten Bäumen.
11.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Dieser Tag bleibt denkwürdig für unsere Abteilung. Wir werden aus der Armeereservestellung in den Kampf einbezogen. Der Anmarschweg zur Einsatzstellung führt
von Serches über Mont de Notre Dame - Chery - Chatreuve - Dravegny - St.Semme nach Passy Crigny. Auf einer Anhöhe haben wir glücklich die schönste
Verkehrsschoppung beisammen. Wir biegen seitlich ab, die Zeit drängt in schneidigem Trab fahren die Fahrzeuge in die Protzenstellung. Wir erleben die erste
Nacht vor dem Feind. Nachdem brachte sie die Feuertaufe. Das Dorf uns zu F´ßen, steht in Flammen, französische Artillerie schießt verdammt gut. Der Weg vom
Abteilungsgefechtsstand zu den Protzen ist vom feindlichen Artilleriefeuer gesperrt. Unsere Geschütze donnern feindwärts auf den Berg gegenüber. Fünf Meter
neben der Protzenstellung ein Einschlag, die Pferde scheuen. Droben auf der Höhe befindet sich die B-Stelle der Abteilung. In der Luft ist es ruhig.
Schmerzlich ist die Nachricht von der Verwundung von vier Kameraden der Batterien. Jenseits der nahen Marne steht der Franzmann. Unser Auftrag ist klar.
Bericht über den Einsatz der ersten Abteilung A.R.188 von Lt.Dr.Bokr:
Es ist der 11.Juni 1940, ein drückend heißer Sommertag. Um 7 Uhr steht die erste Abteilung des Artillerie-Regiments 188 marschbeeit auf der Strasse, die von
Serches nach Couvrelles führt, mit der SPitze an der Strassengabel 1 Kilometer ostwärts Serches, um sich wiederum in die Marschgruppe der Infanterie einzufädeln.
Schon an manchen Tag seit dem Ausmarsch aus Trier hat sich die Abteilung auf gleiche Weise nach einer nach einer kurzen Nachtruhe des Morgens zum Weitermarsch
versammelt, aber heute wird diese Sammung noch in einer besonderen Stimmung, in einer besonderen Eile vollzogen, da nach dem um 5 Uhr eingetroffenen Befehl mit
einem Einsatz der Marschgruppe und der Abteilung am heutigen Tage gerechnet wird. schon einmal vor wenigen Tagen war es so weit, als am 5.Juni der rechte
deutsche Heeresflügel mit dem Angriff auf die Frankreich noch zur Verfügung stehenden Kräfte begonnen hatte. Wir warten mit Ungeduld auf den Befehl zum Einsatz.
Zwei Regimenter unserer Division erhielten auch tatsächlich schon am 7.Juni Befehl zum Einsatz um die vor uns um den Oise-Aisne-Kanal hart kämfende Division zu
stärken. Der zähe Widerstand des Feindes wurde jedoch bald gebrochen, so daß der Einsatzbefehl aufgehoben wurde. Weiter gin es wieder in Gewaltmärschen, beinahe
500 Kilometer betrug der nun schon der Marschweg seit Trier, der uns quer durch Luxemburg über die Schlachtfelder bei Sedan durch die Ardennen bis hierher in den
blutgetränkten Boden der Champagne geführt hat. Allzu gut hatte es die Sonne in den letzten Tagen mit uns gemeint und ihre Strahlen wurden nicht mehr als
wohlende Wärme, sondern als brütende Hitze empfunden., Verstaubt, verschwitzt, müde und durstig war Mann und Pferd am Vortage, dem 10.Juni, um 19.45 Uhr in
Serches eingelangt und hatte trotz dichter Belegung des Ortes durch Teile unserer Nachbardivision eine verhältnismässig gute Unterkunft gefunden. Noch am Abend
wurde die Kriegserklärung Italiens and die Feindmächte bekanntgegeben und löste allseits Jubel und Begeisterung aus. Im Ort selbst waren nich überall die Spuren
des vergangenen Kampfes zu sehen. In nächster Nähe befanden sich einige feindliche Geschützstellungen, die vom Feind in überstürzter Flucht unter Zurücklasung der
Geschütze und einer großen Menge an Munition verlassen wurden. In einem Hause wurde von den Quartiermachern ein toter französischer Soldat gefunden., der sich
offenbar schwer verwundet, hierher geschleppt hatte und dort gestorben war. Er wurde von Männern des Nachrichtenzuges bestattet und nachdem der Hügel mit mit
einem schlichten Kreuz versehen war, ehrten die mit dieser Arbeit bechäftigten Leute durch einen stummen militräischen Gruß den in Erfüllung seiner Pflicht
gefallenen Feind.
Wie alle Tage vorher vollzog sich auch am 11.Juni die Einfädelung in die Marschgruppe pünktlich und reibungslos. Über Couvrelles, Cerscuil, Mont Notre Dame,
St.Thibaur führt zunächst der Marsch. Kurz vor Chery Chatreuve wird haltgemacht. Der Abeilungskommandeur, Major Dr.Riedel, der vorne bei der Division war, ist
zurückgekehrt und ruft die Offiziere zusammen. Er verteilt zunächst das empfangene Kartenmaterial und gibt in knappen Sätzen die Lage bekannt.
Nach Beendigung der Besprechung setzt die Abteilung den Marsch bis Chery Chatreuve fort. Dort wird Mittagsrast gemacht, getränkt und verpflegt. Das Wetter ist
brütend heiss und die Stunde der Rast wird von vielen zu einer gründlichen Abkühlung und ausgiebeigen Waschung benützt. Ernst und Entschlossenheit liegt auf allen
Gesichtern, als die Abteilung den Weitermarsch im Bewusstsein des baldigen Einsatzes antritt. Über Dravegny wird 18 Uhr Cohan erreicht. Wiederum ist der
Kommandeur mit seinem Wagen vorgefahren, um den Einatz seiner Abteilung vorbereiten zu können. In Cohan erwartet der Regimentsadjutant, Oberleutnant Schroeder,
bereits die Abteilung und überbringt mündlich den Einsatzbefehl. Nach seiner Schliderung hat das eine Infanterieregiment im Laufe des Tages den Feind über Marne
zurückgedrängt und liegt nunmehr in Verneuil, das derzeit stark vom Feinde beschossen wird. Die Abteilung hat sofort Feuerstellungen südwestlich Passy und
Beobachtungsstellen westlich Verneuil auf der Höhe La Ronce zu beziehen. Auf der Karte zeichnet der Regimentsadjutant auch die Ziele im Feindgelände
(Batteriestellungen) ein, die sofort unter Feuer genommen werden sollen. Der Abteilungsadjutant, Leutnant Dr.Bokr, fährt daraufhin sofort auf dem Krad der
Abteilung vor, um den bereits vorne weilenden Kommandeur diesen Befehl zu überbringen. Desgleichen begeben sich die Batterieführer mit ihren Batterietrupps und
der Abteilungsgefechtsstab beschleunigt nach vorne, während die Geschütz- und Munitionsstaffeln unter Führung Leutnants Wenings gleichfalls so schnell als möglich
nach vorne gezogen werden. Südlich Coulonges trifft der Abteilungsadjutant den Abteilungskommandeur, der bereits voll über die Lage unterrichtet ist. Über
Soussancour - Villers - Agron - St.Semme fahren beide nach Passy, wo der Abteilungskommandeur selbst die Feuerstellungen der drei Batterien und Beobachtungsstellen
erkundet, während der Adjutant in Passy die Batterieführer erwartet, um denselben die Feuerstellungen bzw. den Raum derselben zuzuweisen. Es ist mittlerweile
20 Uhr geworden und hier in Passy sind bereits deutlich die Eindrücke des Kampffeldes wahrzunehmen.  Man hört Abschüsse und Einschläge von Granaten, Gewehr- und
M.G.-Feuer. Im Orte liegen Infanterie und Pioniere in Bereitstellung, Artillerie fährt vor, während aus einzelnen Häusern noch Gefangene herausgeführt werden. Im
Schulhaus ist ein Verbandplatz eingerichtet, und ständig kommen Krankenwagen denen Verwundete entsteigen oder herausgetragen werden. Nicht weit davon entfernt
zeugen frische mit Blumen geschmückte Hügel und schlichte Kreuze, daß der heutige Kampftag bereits vielfach von manachem braven Soldaten auch das letzte Opfer
gefordert hat.
Zum Grübeln und Sinnen ist keine Zeit, der Kommandeur begibt sich nun nach Verneuil, um die Fühlung und Verbindung mit der Infanterie aufzunehmen. Während rechts#
und links die feindlichen Granaten einschlagen, bespricht der Kommandeur in Verneuil mit dem Kommandeur des Infanterie-Regiments das unsere Abteilung unterstützt,
die Frage der Zusammenarbeit der beiden Waffen. Indessen sind auch die Batterieführer mit ihren Organen in Passy eingetroffen und werden von dem Adjutanten in den
Raum der Feuerstellungen geführt, wohin auch bald der Kommandeur von Verneuil zurückkehrt. Nachdem die Feuerstellungen bekannt sind, geht es auf die
Beobachtungsstellen. Um eine sichere Feuerleitung in der Abteilung zu gewährleisten, werden die Beobachtungsstellen der Batterien und die der Abteilung sehr nahe
zusammengelegt. Der Abteilungsgefechtsstand wird in einem Granattrichter aufgebaut. Von den Beobachtungsstellen bietet sich dem Beobachter nunmehr ein fesselndes
Bild. Es ist inzwischen Nacht geworden (22 Uhr). Vor uns liegt die Marne und am anderen ufer erheben sich die Höhen bei Try. Linker Hand auf unserer Seite brennt
Verneuil und noch immer schlagen die feindlichen Granaten in das Dorf ein. Am gegenüberliegenden Ufer brennt Dormans an mehreren Stellen und liegt ebenso wie die
anderen Orte am Südufer der Marne unter dauerndem strken Feuer unserer Artillerie. Wir stellen fest, daß unsere Beobachtungsstellen am hellichten Tage vom Feinde
von den jenseitigen Höhen aus gut eingesehen werden, daß aber eine andere Möglichkeit für Beobachtungsstellen nicht besteht. Wir versuchen uns einzugraben,
gelangen aber schon bald auf undurchdringliches Gestein, so daß ein weiteres Graben unmöglich ist.
Um 23 Uhr sind sowohl der Abteilungsgefechtsstand, als auch die Beobachtungsstellen der Batterien eingerichtet, die Grundlagen für das Schiessen vorbereitet und es
bedarf nur nich der Meldung der Feuerbereitschaft aus den Stellungen, um das Feuer zu eröffnen. Die Geschützstaffeln sind aind infolges des starken Verkehrs auf
der Vormarschstrasse nur langsam vorwärts gekommen, die Überholung der vor den Batterien marschierenden Kolonnen war besonders bei Nacht nicht einfach, und es wird
2 Uhr (12.6.) bis die Geschütze in den Feuerstellungen feuerbereit sind.
Bericht Hptm.Zapf 1./A.R.188:
Die Batterie ist sein 7.30 Uhr auf dem Marsch , fast 30 Kilometer sind bis zum Nachmittag zurückgelegt, und nicht einer klagt über Müdigkeit, trotz der vielen
anstrengenden Märsche, denn wir sollen heute noch eingesetzt werden. In COhan kurze Tränkpause. Da kommt der Regimentsadjutant, Oberleutnant Schröder, im Krad
angesaust, stabbedeckt, doch mit achendem Gesicht erklärt er den Batteriechefs, die ungefähre Lage der Feuerstellungen und Beobachtungsstellen. Nun dürfen auch
unsere Kanonen mitsprechen, mit einer stolzen Feude und einem Leuchten in den Augen traben die Reiter des Batterietrupps nach vorne. Dann geht es im Galopp an den
Marschkolonnen der Infanterie vorbei, über Goussancourt nach Passy-Crigny. Südlich des Ortes Crigny in einem nach Süden offenen Tale hat unser Abteilungskommandeur
bereits den Raum für die Feuerstellungen erkundet. Am linken Bachufer fahren andere Batterien auf, schnell muß ein Platz gefunden werden, es gibt nicht viele
Möglichkeiten und es eilt.
Ein Getreidefeld bietet genügend Schutz gegen Feindsicht, hier fährt die Batterie ein, während der Batterietrupp mit Beobachtungswagen zur Beobachtungsstelle läuft.
Es ist unterdessen dunkel geworden. Hinter wenigen Büschen wird versucht, sich einzugraben, doch nach 10 Zentimeter kommen Steine, trotzdem wird geschürft, bis
wenigstens eine 30 ZEntimeter tiefe Mulde für jeden entsteht, um gegen Splitter einigermassen geschützt zu sein. Die Beobachtungsstelle liegt auf einer Höhe ca.
800 Meter nördlich der Marne, genau in der Mitte zwischen Chateau Thierry und Epernay. In dem nahen Ort Verneuil prasseln ununterbrochen die feindlichen Geschosse,
vorne an der Marne knattern die Maschinengewehre.
12.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Frühmorgens läßt das Feuer des Feindes nach, das unsrige wird verstärkt. Um 7 Uhr erscheinen zwei feindliche Aufklärer, einen davon schießt die Flak ab. Den
ganzen Vormittag setzt die Abteilung ihr Feuer fort, Schlag um Schlag, bis der Franzose völlig schweigt. Vom Gefechtsstand aus schweift der Blick über über
vier weite mit losem Baumbestand bedeckte Höhenzüge, der Einblick in die Feindorte ist gut, aber auch wie haben auf unserer Höhe der Feindeinsicht offene
Stellen. Der Tag ist scwül und trüb, ein dunkler Wolkenzug liegt über den feindlichen Höhen. Mittags wird das Essen in die Stellung gebracht. Die Regenwolken
brechen los und überschütten uns förmlich. Der Funk des A.B.Ko.meldet: Troissy genommen, unsere Abteilung setzt dem Feind arg zu, der Kommandeur befiehlt,
Ladung um Ladung. Man hört von tausend Verlusten des Gegners. Über der Abteilung waltete ein gütiges Geschick. Major Dr.Riedel, Hauptmann Dreher, Hauptmann Zapf
und Gefreiter Meuche sind im Wagen glücklich dem französischen MG-Feuer im Feindgebiet entkommen. Wir vermissen heute Kradfahre Janknecht, Kanonier Eckert.
Der Funker des A.B.Ko.mit Leutnant Rennebaum wurde durch Feuer versprengt, konnte sich jedoch ohne Verletzung zu uns zurückfinden. Nachmittags stellt die
Abteilung das Feuer ein und macht Stellungswechsel, da der Gegner von Passy-Grigny aus trotz allem schwer zu fassen ist, die Höhenzüge fordern viel Blut von
unserer Infanterie. Wir starten zu einer Umgehung und wollen an einer anderen Stelle die Marne überschreiten. Spät abends, wieder einmal fährt der Stab den
Batterien vor. Die Gesichter der Kameraden sind in den wenigen Stunden ernst geworden, wir fühlen eine auf Sein und Nichtsein verbundene Gemeinschaft.
Bericht über den Einsatz der ersten Abteilung A.R.188 von Lt.Dr.Bokr:
Um 2.10 Uhr fällt der erste Schuß aus de Rohr der 2.Batterie. Nach einem Marsch von 52 Kilometern am 11.6. begann also gleich der Kampfeinsatz der Abteilung, und
nun folgt von dieser Stunde an Schuß auf Schuß, und zwar werden die vom Regiment bekanntgegebenen Ziele unter Feuer genommen, darüber hinaus wird Störungsfeuer
auf die Straßen und Ortschaften im Feindgelände geschossen. Auch der Feind blieb nicht untätig, er legte seinerseits sowohl auf das Gelände unserer
Beobachtungsstellen, als auch in den Raum der Feuerstellungen in unregelmässigen Zeitabschnitten ein starkes Störungsfeuer. Noch in der Nacht auf den 12.6. wurden
durch dieses feindliche Feuer vier Angehörige der Abteilung verwundet. An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken. In den MOrgenstunden und während des Tages
am 12.6. setzte die Abteilung die Feuertätigkeit fort. Dabei wurden zunächst die im Feuerplan des Regiments angegebenen Ziele mit Feuer belegt. Später, als es Tag
geworden war, wurde das Feuer vor allem auf solche Ziele gelegt, die von der Infanterie angegeben wurden. So wurde von allen Batterien, insbesondere aber von der
1.Batterie, der Ort Try selbst unter starkes Feuer genommen, und man konnte von den Beobachtungsstellen aus auch den Erfolg dieses Feuers beobachten. Es wurden
ferner selbst erkannte Ziele im Gefechtsstreifen bei Bassieux, Dormans, Try und Bouquigny mit gutem Erfolge beschossen.
Man konnte durch das Scherenfernrohr wiederholt beobachten, wie nach den Einschlägen einzelne Häuser vom Feinde fluchtartig verlassen wurden. Als Folge der
Beschiessung gerieten wiederholt Häuser in Brand. Trotz dieser ständigen Feuertätigkeit der eigenen Artillerie, gelang es aber unserem Infanterie-Regiment am 12.6.
nicht, den Übergang über die Marne zu erkämpfen. Mit ohnmächtigem Grimme mussten wir von der Beobachtungsstelle aus zusehen, wie immer wieder unternommene Versuche
der Infanterie, auf Schlauchbooten über die Marne zu kommen, im Abwehrfeuer feindlicher Maschinengewehre scheiterten. Die feindlichen M.G.-Nester waren gerade in
diesem Abschnitt offenbar besonders gut getarnt, da sie von den Beobachtungsstellen aus nicht erkannt oder festgestellt werden konnten. Jeder Mann auf den
Beobachtungsstellen war bestrebt, durch seinen Einsatz der Infanterie nach besten Kräften zu helfen, der Kommandeur eilte, das feindliche Feuer, das oft auf den
Beobachtungsstellen lag, nicht achtend, vom Abteilungsgefechtsstand auf die einzelnen Beobachtungsstellen der Batterien und leitete das Feuer auf erkannte Ziele
oder gab auf diese Weise selbst notwendige Befehle an die Einheiten durch. Mit derselben Tapferkeit machten sich wiederholt die Fernsprecher auf den Weg, um die
zerschossenen Fernsprechleitungen wieder herzustellen. A.B.Ko. der Abteilung, Leutnant Rennebaun, war bereits in der Nacht zu dem links von uns im Schwerpunkt des
Angriffs angesetzten Infanterie-Regiments geeilt, und alle Männer auf den Beobachtungsstellen waren sehr erfreut, als in den Nachmittagsstunden des 12.6. von ihm
ein Funkspruch eintrafm wonach es dem Infanterie-Regiment gelungen war, die Marne zu überschreiten und Troissy zu besetzen. Diese Freude steigert sich noch, als
man rechts von Dormans, am jenseitigen Ufer der Marne, weiße Leuchtkugeln als Zeichen der eigenen Infanterie  (hier sind wir...) aufsteigen sah und daraus schloß,
daß auch die Nachbardivision nunmehr über die Marne gekommen sei. Dieser Stimmung vermochte auch der in den Nachmittagsstunden heftige eingesetzte Regen keinen
Abbruch zu tun. Unentwegt stand jeder Mann weiter auf dem ihm zugewiesenen Posten. Der Verbrauch an Munition war an diesem Tage sehr hoch.
Um 19 Uhr erhielt die Abteilung durch Funkspruch den Befehl, die bisherige Stellung zu verlassen, sich sofort in Marsch zu setzen, um sich bei Champoisy der
Marschgruppe eines Infanterie Regiments anzuschliessen, die ein Sonderunternehmen durchzuführen hatte. Noch immer strömt der Regen als die Abteilung sich bei
Grigny zum Weitermarsch sammelt. Der Abteilungskommandeur gibt den Offizieren den Gefechtsauftrag bekannt. Demnach hat das Infanterie-Regiment. verstärkt durch
unsere Abteilung den Auftrag sich über den Abschnitt der Nachbardivision in die Front einzuschieben und zu diesem Zwecke die Marne bei Treloup zu überschreiten.
Das Regiment soll das Waldgelände Chavenay-Arbe Signale-Champailet besetzen, dieses Gelände zunächst gegen Angriffe des Gegners verteidigen und andererseits dann
später selbst zum Angriff südlich vorgehen. Es handelt sich dabei also um ein Einschieben in die Front bei ungedeckter Flanke, zum Teil im Rücken des Feindes, da
Dormans noch stark vom Feinde besetzt ist und der Feind überdies sich hier im Waldgelände und auf den Höhen eine Schlüsselstellung ausgebaut hatte, von der aus er
den Vormarsch unserer Division sehr behinderte. Es ist ein ehrenvoller, aber auch schwerer Auftrag, erklärt der Abteilungskommandeur am Schlusse der Besprechung.
Noch immer fällt der Regen, als der Abteilungskommandeur mit Pkw. und die drei Batterieführer auf Krad zur Erkundung auf der befohlenen Marschstraße Champoisy,
Vincelles, Treloup vorfahren. Diese Strasse ist vom Gegner südwestlich Vincelles eingesehen und sogar teilweise noch auf unserer Seite vom Feind besetzt. Auch von
Dormans aus kann diese Strasse leicht unter Feuer genommen werden. Kurze Zeit nachdem der Führer der 3.Batterie, Oberleutnant Dr.Staehler, infolge eines
Motorschadens zurückgeblieben ist, erhält da Erkundungskommando tatsächlich plötzlich schwere M.G.- und Gewehrfeuer. Dank der Geistesgegenwart des Fahrers Meuche
kommt der Wagen des Kommandeurs durch, kann schnell umkehren und zurückfahren, die Batterieführer der 1. und 2.Batterie, die Hauptleute Zapf und Dreher kommen
jedoch mit ihren Krad zu Sturze und liegen im feindlichen Feuer. Der Kradfahrer der 2.Batterie kann sich noch schnell in den Wagen des Abteilungskommandeurs
retten. Auf der Rückfahrt trifft der Abteilungskommandeur auf eine Gruppe Pioniere, und mit dieser Gruppe geht er wiederum vor, um die beiden Batterieführer und
den ebenfalls zurückgeblieben Kradfahrer Janknecht zu befreien bzw. zurückzuholen. Als sie in feindlichen Feuer an die kritische Stelle kommen, stoßen sie lediglich
auf den Führer der 2.Batterie, Hauptmann Dreher, während von Hauptmann Zapf, dem Führer der 1.Batterie, und von Kradfahrer Janknecht jede Spur fehlt. Zum Glück ist
Hauptmann Dreher unverletzt, lediglich der Matel wurde durch eine Kugel durchschossen. Noch immer hat der Himmel sein Einsehen, es gießt weiter, als das
Erkundungskommando wiederum zur Marschgruppe stößt und der Abteilungskommandeur die Ereignisse dem Führer der Marschgruppe schildert. Die Folge dieser Erkundung
ist, daß die Marschgruppe nun nicht diese vom Feind eingesehene Strasse marschiert, sondern auf einem Umwege, dafür aber sicher und vom Feind unbemerkt  über
L´Herolle nach Trelup marschiert. Durch diese Erkundung wurde somit die ;arschgruppe von der Gefahr und den Folgen eines feindlichen Beschusses bewahrt und
verhindert, daß der Feind auf diese Weise frühzeitig von dem geplanten Unternehmen Kenntnis erhielt. Schweigend ging der Marsch durch Nacht und Regen weiter.
Durchnäßt und fröstelnd saßen Kanoniere und Fahrer auf ihren Fahrzeugen und Pferden. Auch der Schlaf, den man ja nun schon seit 36 Stunden entbehrte, wollte zu
seinem Recht kommen, und es bedurfte aller Anstrengung, um nicht auf dem Pferde oder dem Fahrzeug einzuschlafen. Gegen 3 Uhr war die Marschgruppe vor Trelup
angelangt und begann nun über die dort errichtete Notbrücke direkt über die Marne zu gehen. Diese Notbrücke hatte die ganze Nacht über im feindlichen Feuer gelegen
und auch die Abteilung musste damit rechnen, an dieser Stelle feindliches Feuer zu erhalten. Auf Weisung des Abteilungskommandeurs wird die Rast vor dem Übergang so
gut als möglich zur Ruhe und zum Schlafe benützt. Der Regen hat inzwischen aufgehört, und trotz der nassen Kleider und der Kälte gelingt doch ein kurzer Schlaf, sei
es auf dem Sitze eines Fahrzeuges oder angelehnt an ein Pferd.
Bericht Hptm.Zapf 1./A.R.188:
Hurra! Der erste Schuß fällt, es ist 4.14 Uhr, und nun rollt es, kracht es los, hei wie schlägt freudig das Herz, des alten Soldaten, der wieder so jung geworden,
wie damals im Weltkrieg, als die 15-Zentimeter Kanonen, das Feuer auf die Russen eröffneten.
Doch auch der Feind antwortete und bald heulten die Granaten über unsere Köpfe. Die Einschläge waren kaum 300 Meter hinter uns, gerade dort, wo die Pferde des
Batterietrupps und etwas weiter dem Tale zu sich der Beibachtungswagen sich befanden. Trotz der auseinandergezogenen Aufstellung wurden drei Mann der 1.Batterie
verwundet. Dem Funker Kaufmann zerschlug ein Splitter den Oberschenkel, der Fahrer Otto bekam ebenfalls einen in den Oberschenkel und der Funker, Gefreiter
Reitenspieß, wurde am Oberschenkel und am Unterleib verwundet. Der Batteriechef eilte selbst zurück und veranlasste den Rücktransport der Verwundete aus der
Feuerstellung. Trotz des wohlgezielten Artilleriefeuers gelingt der Übergang über die Marne nur an einigen Stellen, gut positionierte französische M.G.-Nester
spien immer noch. Da kam Unteroffizier Graen, der zur Infanterie vorgeschickt war, zurück und meldete ein feindliches M.G. in einem Hausgiebel direkt an der
Marnebrücke. Hei war das ein feines Punktziel - schon der dritte Schiß saß und schon krachte Schuß um Schuß gegen die Wand, und als einer dicht dahinter in das Haus
sauste und die Ziegel nur so vom Dach flogen, da kamen zwei Franzosen wie die Teufel aus dem Versteck gesprungen um unseren Infanteristen ein gutes Ziel zu geben.
Der Himmel verdüstert sich, einwolkenbruchartiger Regen prasselt nieder, da kommt der Befehl: Die erste Abteilung macht Stellungswechsel auf die Höhen südlich
Dormans, um die Infanterie im Flankenangriff zu unterstützen. Offizierspähtrupps, voraus Major Riedel, dahinter die Chefs auf Krafträdern sausen ab. Doch als sie
die BRücke bei Dormans fast erreicht hatten, bekommen sie rasendes Maschinengewehrfeuer. Für den Wagen des Kommandeurs und Hauptmann Dreher gab es kein Wenden mehr,
sie mußten durch und auf einer anderen Straße zurück. Um das Motorrad von Hauptmann Zapf pfiffen die Geschosse und spritzten auf dem Asphalt der Straße auf. "In den
Graben!" Und schon lagen Kradfahrer, Chef und Krad in Deckung; trotz Geschwindigkeit und unaufhörlichem Beschuß jeder heil geblieben. Aus dem Tank rann Benzin, er
musste getroffen worden sein. Wir lagen kaum 200m vor den feindlichen Maschinengewehren., Also zurückgerobbt, im hohen. patschnassen Gras nicht so einfach,
französische Ausrüstungsgegenstände, die öfters den Graben ausfüllten, mussten zur Seite geschoben werden, der Chef machte die Bahn frei und arbeitete sich wie ein
Wilder im Graben zurück.  Der Kradfahrer Janknecht war plötzlich zurückgeblieben, ihm war die Puste ausgegangen. Der Chef musste weiter, denn ihm war das Schicksal
von Major Riedel und Hauptmann Dreher ungewiss. Oberleutnant Staehler hatte noch im letzten Ort Motorschaden und entkam so dieser verteufelten Situation. Nach
einem Kilometer Grabenrutsch geht es über die Straße; Bäume, Strauchwerk, Getreidefelder, Weinberge dienen als weitere Deckung. Bloß nicht unter eigenen Beschuß
kommen. Eine Infanteriepatrouille wird angerufen, die Fahrer Meuche und Frey hinter einem Baum erkannt, und nun erfährt der Chef zu seiner großen Erleichterung von
der glücklichen Rückkunft des Kommandeurs und des Chefs von der 2.Batterie. Doch nun ist die Batterie erst wieder einzuholen. Stunde um Stunde wird marschiert,
hinein in die Nacht. Endlich ist sie erreicht. Erschöpft sinkt der Chef, der bereits als vermißt galt, auf einen Wagen.
Bericht Gefr.Grünbaum 3./A.R.188:
Nach heftigen Kämpfen bei Passy wo es der Infanterie gelungen war, am 12.Juni über die Marne zu setzen, hatte die erste Abteilung des Artillerieregiments 188
Stellungswechsel gemacht. Wir waren die Nacht hindurch marschiert in Richtung Dormans. Bei Morgengrauen lag die Marne wieder vor uns, wir überschritten die
Kriegsbrücke. Es hieß, die umliegenden Höhen seien noch in Feindeshand, das Gelände und die Ortschaften noch nicht gesäubert. So war der Befehl "Waffen schußbereit"
gut zu begreifen. Abteilungsführer und Batteriechefs ritten nach vorn, dicht gefolgt folgten die Batterietrupps und Gefechtsbatterien. Sie erreichten die Höhe,
überholten die Infaterie. Bald befand sich nur noch die Radfahrschwadron vor der Abteilung. Da, plötzlich Gefechtslärm, von vorne Maschinengewehre. Die Radfahrer
sind auf Feind gestoßen. Ihr Führer greift an. Doch sie sind zu schwach; der Führer fällt, kämpfend ziehen sie sich zurück in den nahen Wald. Dort kommen gerade die
Führer der Artillerieeinheiten an. Sofort kommt Befehl in Stellung zu gehen, um den feindlichen Widerstand zu brechen. Beobachtungsstellen und Feuerstellungen werden
angewiesen. Schon kommen die Batterien angetrabt. Sie fahren ein, protzen ab, Batterietrupps galoppieren vor, Beobachtungsstellen werden eingerichtet, Leitungen
gelegt. Wir von der 3.Batterie richten unsere Beobachtungsstelle links der Straße am Waldrand ein. Vor uns, jenseits einer 120 Meter breiten Waldwiese, liegen die
Franzosen am Waldessaum. Granattrichter aus dem Weltkrieg erleichtern uns die Arbeit des Einbuddelns. Schon ruft der Fernsprecher: "Batterie feuerbereit!". Die
ersten Gruppen sind ein Fest. Drüben splittern die Bäume und die Franzosen kommen aus der Ruhe.  Flach über uns summen die Maschinengewehrgarben. Aber zu gut sind
wir eingegraben. So liegen wir den ganzen Vormittag im Feuer, legen unsere Gruppen hierhon und dorthin und merken, wie das feindliche Feuer allmählich nachläßt.
Da kommt Befehl zum Angriff. Der Abteilungskommandeur beauftragt unseren Batteriechefm Arbeitsgeschütz vorzuziehen und in direktem Beschuß den Angriff der Infanterie
zu unterstützen. Sofort nimmt sich der Chef selbst dieser Aufgabe an. Inzwischen bereitet sich die Infanterie zum Angriff vor.
16 Uhr Plötzlich knattert links von unserer Beobachtungsstelle zwei Maschinengewehre und streuen ihre todbringenden Garben in den vom Feind besetzten Wald. Halb
rechts halblaute Kommandos. Infanterie springt vor auf die Waldwiese, voran ihr Führer. Jetzt ganz rechts. Die Maschinengewehre schweigen. Bei unserer
Beobachtungsstelle springen Schützen auf. Raus auf die Wiese. Links, halblinks wieder Schützen. Im Schützenrudel gehen sie sprungweise über die Wiese vor. Eine
unheimliche Spannung erfaßt uns. Mancher von uns Artilleristen nimmt die Knarre zur Hand und legt sich schußbereit an den Waldrand. Warum schießt der Feind nicht
mehr? Schon dringen die ersten Deutschen in den Wald ein. Nichts rührt sich. Nur Kommandos dringen zu uns. Der Feind hatte den Angriff mit der blanken Waffe nicht
abgewartet. Wir machen Stellunsgwechsel. Batterietrupp-Pferde vor, aufgesessen, und dem Feinde nach. Schon folgt auch das Arbeitsgeschütz. Bei einem Gutshof steht
der Abteilungskommandeur und gibt Befehle. Der Divisionskommandeur ruft aus seinem Wagen: "Herr Major! Sofort dem Feinde nach! Nicht mehr zum Stehen kommen lassen!"
General udn Major fahren mit ihrem Pkw. über die vorderste Linie der Infanterie hinaus dem Feind nach. Wor traben weiter. Manchmal zischen verirrte
Maschinengewehrgarben über uns. Da rechts, steht ein Gedenkstein, der scheint das weiteste Vordringen der deutschen Truppen im Juli 1918 zu bezeichnen. Wir kommen
nicht dazu, die Inschrift fertig zu lesen und uns die Tragweite dieses Augenblicks klarzumachen. Durch Ortschaften und Wälder geht es dem fliehenden Feinde nach.
Jetzt schickt der Batteriechef, Oberleutnant Dr.Staehler, die Wachtmeister Bohl und Schramm mit einem Gefreiten voraus, um Stellungen für das Arbeitsgeschütz zu
erkunden. Vor dem Dorf Igny le Nard kommt ihnen Major Reigel entgegen. Meldung: "Wegerkunder der 3.Batterie!". Der Major ruft: "Immer weiter reiten! Wo feindlicher
Widerstand sofort hineinschießen!" Weit hinten säubert noch die Infanterie das Gelände, kämpfen noch versprengte Trupps von Franzosen. Immer weiter geht´s. Einen
bealdeten Bergrücken hinauf. Beim Austritt aus dem Wald erhalten wir Maschinengewehrfeuer. Zurück in Deckung, Gläser ans Auge. Der Meldereiter reitet zurück, das
Arbeitsgeschütz zu holen. Bald trifft er seinen Oberleutnant mit dem Batterietrupp und dem Geschütz. Rauf auf den Hügel, rechts der Straße heruntergefahren. "Zum
feuern, Halt!- nach links - protzt ab!" Die tausendmal geübten Griife klappen wie auf dem Exerzierplatz. Kaum kommt es den Männern zum Bewusstsein, daß ihnen Kugeln
und Pakgeschosse um die Ohren pfeifen. Leutnant Rusam schleppt eigenhändig Munitionskästen zum Geschütz. Und schon knallen die ersten Schüße gegen die feindlichen
Widerstandsnester. Es ist ein Duell zwischen Maschinengewehren und Geschütz. Verbissen laden und feuern die Kanoniere. "Gib´s ihnen den Schwarzen Biestern dort
drüben!" Und das Geschütz siegt. Die Maschinengewehre verstummen, und schon ist unsere Protze wieder da. Aufgeprotzt! Pferde heran, aufgesessen. Da bellt nich einmal
ein einzelnes Maschinengewehr beim Feind. Wieder protzen die Kanoniere ab und streuen den Wald ab. Aber da liegt einer, Wachtmeister Schramm hat eins abgekriegt.
Wit hinten kämpft immer noch Infanterie und kommt erst allmählich vor zu unserem Geschütz. Verdutzte Gesichter: So weit vorne hatte man die eigene Artillerie doch
nicht vermutet. Fein war´s, als Oberleutnant Dr.Staehler dem Regimentskommandeur und Abteilungskommandeur melden konnte: "Arbeitsgeschütz der 3.Batterie. Feindliche
Maschinengewehrnester neidergekämpft. Der Vormarsch der Infanterie war gesichert.  Nach kurzem Tränken der Pferde hielten wir mitten im Walde kurze Nachtruhe und
dann ging´s mit Eile mit der Infanterie weiter.
13.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Durchnäßt und ausgefroren marschieren wir die lange Nacht hindurch. 6.30 Uhr erleben wir einen großen Augenblick. wir werden es kaum vergessen, wie wir im
Morgengrauen die Marne bei Trelup überschreiten. Die ersten Infanteristen schleichen 50 Meter vor uns langsam hinter den Hecken vor. Der Fluß fließt ruhig dahin.
Nebel liegt im weiten Talkessel, den lange Tafelberge bilden. Wir sind ganz nahe am Feind. Die nächste Ortschsft ist Chavenay, völlig zerstört, Infanteristen
schaufeln an Gräbern, Verwundete liegen da und dort. In den Wäldern halten sich noch französische Soldaten auf,, Vorsicht vor Heckenschützen! Ein unglücklicher
Vorstoß einer Radfahrschwadron vor uns reibt diese zur Hälfte auf. Wir sind im großen Wald bei Igny le Nard an einer Strasse in Stellung. Um 11 Uhr beginnen die
Batterien mit Schießen, nachdem vorher die Waldung duchsucht wurde. Unsere Batterien haben ihre Pflicht erfüllt am Abend können wir weitermarschieren. Infanterie
und Artillerie mehmen Igny le Nard ein und säubern den Ort und die Umgebung. Wachtmeister Schramm von der 3.Batterie erhielt dabei einen Lungenschuß. nach dem
erfolgreichen Tag biwakierten wir in dem großen dichten Gestrüppwald hinter Igny, vor kurzem war der Feind noch hier. Wir alle sind stolz auf diesen Tag und
freuen uns, daß auch die Versprengten zu uns zurückfanden. Janknecht fand sich beim IR.248, Eckert kam froher Laune mit Packpferd und Funkegerät angeritten. Nach
der Tages Mühe folgt der Nacht kurze Ruhe, ein Heerlager an der Frint, verstärkte Posten patroullieren die weite, lange Strasse. Wir werden dem Feind auf den
Fersen bleiben.
Bericht über den Einsatz der ersten Abteilung A.R.188 von Lt.Dr.Bokr:
Nun kommt der Befehl zum Übergang über den Fluß. Es ist 6 Uhr geworden, und jetzt, da wir an die Marne gelangt sind, lachte die Sonne. Wohlig fühlt Mensch und Tier
die Wärme ihrer Strahlen, die Mäntel werden abgelegtm und langsam trocknen auch die nassen Kleider. Zu unserer Freude erhalten wir beim Übergang keinen
Artilleriebeschuss und wir gelangen ohne Zwischenfall auf das andere Ufer, wo sich die Abteilung sammelt. Freilich müssen wir da auch noch den "Marneschlamm"
kennenlernen, der infolge des langen Regens von besonderer Qualität ist. Tief versinken in ihm die Stiefel, die Hufe und die Fahrzeuge, der Kraftwagen des
Kommandeurs kann nur durch Pferdekraft vorwärts gebracht werden. Andere Kraftwagen, so vor allem die Sanitätskraftwagen bleiben am jenseitigen Marneufer zurück.
Langsam geht es nun bergan und die Abteilung erreicht über Coilly den hart umkämpften und völlig zerschossenen Ort Chavenay. Überall sind frische Kampfspuren zu
sehen. Ein Verbandplatz in einer halbzerschossenen Scheune, daneben mit Zeltbahn und Stahlhelm bedeckt die Leichen dreier toter Kameraden, dort ein Wagen mit
vorbereiteten Grabkreuzen, hier wieder zwei Pferde noch aus frischen Wunden blutend. Gefangene werden zurückgebracht, während da und dort Infanterie noch die Häuser
durchsucht. M.G.-Feuer ist aus der Nähe zu hören., ab und zu schwirrt eine Kugel über uns hinweg. Der Kommandeur ruft die Batterietrupps nach vorne. Mit großer
Freude wird Hauptmann Zapf begrüsst, der in den Morgenstunden völlig erschöpft, aber dich heil und gesund zur Abteilung stößt. Noch einmal berichtet er von seinen
Erlebnissen, wie ersich nur durch vorsichtiges Bewegen im Strassengraben aus dem Feuerbereich der aufmerksamen feindlichen Schützen entziehen kontne und wie er dann
stundenlang in strömendem Regen durch die Nacht allein der Abteilung nachmarschierte. Vom Kradfahrer Jankknecht fehlt noch jede Spur. Es wird nun abgesessen
marschiert, an der Spitze der Abteilungskommandeur mit den Batterieführern dem Adjutant und A.V.Ko. Auch jeder Offizier hatte ein schußferitges Gewehr in der Hand.
Die Beobachtungsstellen-Organe der Abteilung marschierten nun vor der eigenen Infanterie hinter der Radfahrspitze. Wir kommen nun in einen jener französischer
Wälder, die sich so ganz von unseren deutschen unterscheiden. Kein Nadelbaum, nur dichter, kaum durchforsteter Laubwald, so recht geeignet zur Anlage von gut
getarnten Widerstandsnestern. Da un dort sieht man auch geschickt angelegte Gräben, hier hebt ein verwundeter Franzose die Hände und dort steht ein verlassenes
feindliches M.G. Wir treffen den Ia der Division, Oberstleutnant Aßmann, der uns mitteilt, daß der Feind sich nur mit schwachen Kräften verteidigt. Während der
Kommandeur der Abteilung mit dem Kommandeur des Infanterie-Regiments die Fragen des Einsatzes bespricht, flackert plötzlich vorne heftiges Gewehr- und M.G.-Feuer
auf. Unsere Radfahrer erhalten plötzlich starkes Feuer und müssen schnell Deckung suchen, es gibt auch schon einige Verwundete. Sofort gibt der Kommandeur den
Befehl zum Einsatz der Abteilung; die Batterien gehen 1,5km südostwärts Chavenay in Feuerstellung, beziehen Beobachtungsstellen an dem Waldrande 2 Kilometer
südostwärts der letzteren Orttschaft. Da diese Beobachtungsstellen jedoch nur wenig Beobachtungsmöglichkeiten bieten, werden dieselben etwa 500 Meter südlich an die
Straße zwischen La Gallnaturie und Clos-Millon-Ferme verlegt. Diese Verlegung ist nicht einfach, da der Weg dorthin über eine offene Wiese führt, die keinerlei
Deckungsmöglichkeiten bietet. Außerdem ist diese Wiese vom Feind recht gut eingesehen. Während wir uns sprungweise vorarbeiten, erzieht sich über uns ein wahrer
Hagel an Infanteriegeschossen, unheimlich nahe hört man das tacken feindlicher Maschinengewehre, und nun begintn auch die feindliche Artillerie das Wiesenstück
abzustreuen., Wie durch ein Wunder wurde niemand verwundet, und als wie an Ort und Stelle sind, bieten sich uns doch bessere Beobachtungsmöglichkeiten. Wir erkennen
da und dort nur in geringer Entfernung feindliche Schützen und sehen vor allem auch im Dorf Comblizy feindliche Bewegungen. Bald haben auch die braven Fernsprecher
im Kugelregen Leitungen gelegt und schon verlassen um 9:30 Uhr die ersten Schüße die Rohre, um feindwärts zu ziehen. Wir werden uns im Eifer unserer tätigkeit gar
nicht bewußt, daß wir hier ganz allein ohne Infanteriesicherung vorne liegen, nur etwa 200m vom Feinde entfernt. Erst als nach einiger Zeit eigene Infanterie
erscheint und neben uns zwei schwere Maschinengewehre in Stellung gebracht wurden, wird uns die kritische Situation bekannt, in der wir uns befunden hatten. Noch
immer schießt auch der Feind, wir graben so gut es geht in aller Eile ein und nützen die gewonnene Deckung weitmöglichst aus. Der Feind muß Scharfschützen uns
gegenüber haben. Sobald auch nur den Kopf etwas höher erhebt, hört man schon gleich darauf eine Gewehrkugel pfeifen. Um die Mittagsstunde scheint der Feind
tatsächlich einen Angriff zu beabsichtigen. Näher kommen seine vordersten Schützen und wir erhalten auf einmal auch von rechts heftiges M.G.-Feuer. Die nun vor uns
liegende eigene Infanterie, bittet einen etwa 500m vor uns liegenden Waldrand unter Feuer zu nehmen, Wir erfüllen diese Bitte, müssen das Feuer sogar noch weiter
zurückverlegen. Der Kommandeur hat sich ungeachtet des feindlichen Feuers wiederum zum Gefechtsstand des Regimentskommandeurs begeben. Hauptmann Dreher läßt als
Stellvertreter des Kommandeurs angesichts der Angriffsabsichten des Feindes durchgeben, daß die Feuerstellungen unter allen Umständen zu halten und zu verteidigen
sind. Auch auf den Beobachtungsstellen bereitet man sich auf die Verteidigung vor und jeder legt ein schißfertiges Gewehr vor sich.  Der Feind rückt jedoch nicht
mehr vor, es tritt eine kurze Gefechtspause ein, während der das mittlerweile vorgebrachte Essen eingenommen wird. In den Nachtmittagsstunden stellt sich nun unsere
Infanterie zum Angriff bereit, der nach kurzer artilleristischer Vorbereitung flott von den heute zum ersten mal eingesetzten Ostmärkern des Infanterie-Regiments
vorgetragen wird. Beinahe hätten wir noch den Waldrand bei Comblizy beschossen, als wir dort zu unserer Freude schon die weißen Leuchtkugeln steigen sehen und dies
als erste auch durch unseren Kommandeur dem Kommandeur der Marschgruppe melden können. Auch von anderen Seiten wird der Feind nun mächtig angepackt, wir hören
deutlich die Abschüsse unserer schweren Abteilung und es dauert nicht mehr lange, als um 17 Uhr der Befehl zum Stellunsgwechsel nach vorne kommt. Wie leuchten da
die Augen so schnell werde die Geräte verpackt und vorwärts geht es der stürmenden Infanterie nach. Im Trab und Galopp kommen auch die Geschützstaffeln daher, ein
Geschütz der 3.Batterie wird unter der Führung des Batterieführers Obereutnant Dr.Staehler, vorgezogen, um in direktem Schuß noch etwaige feindliche Widderstände zu
brechen. Auf der Vormarschstrasse begegnen wir auch dem Divisionskommandeur, der selbst an die Spitze eilt, um von dort aus die Verfolgung zu beaobachten. Er kargt
nicht mit Lobesworten für die Artillerie, insbesondere auch für unsere Abteilung, deren Marschdisziplin er schon wiederholt beim Vormarsch lobend erwähnt hat und
mit deren Kampfgeist und Gefechtsleistung er voll zufrieden ist. Der Abteilungskommandeur springt auf einen zurückfahrenden Kraftwagen, um die Batterien persönlich
vorzuholen. Auf seinem Gefechtswagen kommt auch der Kommandeur unseres Artillerie-Regiments, Oberst Marschall, dahergebraust und läßt sich vom Abteilungsadjutanten
Meldung erstatten. Er fährt mit diesem dir Vormarschtrasse vor und berichtet seinerseits vom Einsatz der übrigen Abteilungen des Regiments. Ein ungestümer Drang
vorwärts beherrscht Offizier und Mann. Während rechts und links noch die waldstücke durchgekämmt werden, wird auf der Vormarschstrasse Igny le Jard erreicht und
durchschritten. Am Südrande erhält die Infanteriespitze beim Verlassen des Ortes aus dem Walde von Igny M.G.-Feuer.  Rasch ist das Arbeitsgeschütz der 3.Batterie
in Stellung und nimmt den Wald unter Feuer. Bald verstummt das gegnerische Feuer - scheinbar ein Pakgeschütz - und dem weiteren Vormarsch steht nichts im Wege. In
der Ortschaft selbst flackert zweitweise wiederum das Gewehrfeuer auf, da und dort sind in den Häusern, ja sogar auf dem Kirchturm Heckenschützen und nun ist man
daran den Ort vollkommen zu säubern. Aus Häusern, aus Kellern, Scheunen und sonstigen Verstecken werden Gefangene herausgeholt. Ein P.K.-Berichter ist auch dabei
anwesend und macht kaltblütig seine Aufnahmen. Beim Durchkämmen eines Waldstücks, an der sich auch in heller Begeisterung die Wachtmeister Bohl und Schramm der
3.Batterie beteilogen, wird Wachtmeister Schramm durch einen Lungenschuß verwundet. Es ist dies der einzige Verwundete der Abteilung an diesem Tage. Um 21 Uhr gibt
der Führer der Marschgruppe Befehl zum Sammeln der Marschgruppe, da die Flucht des Feindes nunmehr eine vollständige ist. Die Marschgruppe bezieht für die Nacht im
Foret de Bassy, einem dichten Wald, Biwak im Freien. Die Abteilung muss zu dem ihm zugewiesenen Platze noch zwei Stunden marschieren und trifft um 23 Uhr am
Bestimmungsort ein. Nach 64 Stunden angestrenbter Marsch- und Gefechtstätigkeit unter widrigen Witterungsumständen kommt nun Mann und Pfer zu einer kurzen Ruhe.
Bald hat sich jeder im Walde unter freiem Himmel eine Lagerstätte errichtet und bleierner Schlaf erfasst die braven Kämpfer. Die Leistung der Abteilung und der
Infanterie fand allgemeine Anerkennung, insbesondere wurde das taktisch gar nicht so einfache Einschieben in die Front über den Abschnitt der Nachbardivision
lobend erwähnt. Diese lobende Erwähnung fand auch Niederschlag in einem Korpsbefehl. 
Bericht Hptm.Zapf 1./A.R.188:
Die Batterie ist zwischen Bassy und Champaillet erneut in Stellung gegangen und schon donnert es aus den Rohren. Befehl kommt zum Vorrücken. Wir galoppieren an
unserem Regimentskommandeur vorbei, der uns leuchtenden Auges zuruft: "Vorwärts, vorwärts!" In Igny le Jard, aus dem noch vor wenigen Stunden die vorrückende
Radfahrschwadron Feuer bekam, steht unser Divisonkommandeur und zeigt auf den vor uns liegenden großen Wald. "Ft.de Bassy". Am Rande einer Blöße steht bereits ein
Geschütz der 3.Batterie, das mithalf den Eingang zum Wald zu säubern. Die Division marschiert wieder - wohlgeordnet, wohldiszipliniert wie im Manöver.
Über Nacht wird im Walde gerastet und bald sinken die Pioniere am Wegrand in einen wohlverdienten, wenn auch kurzen Schlaf.
Bericht Uffz.Lorenz 2./A.R.188:
Der 13.soll ein Unglückstag sein. Das stimmt beinahe, denn es hat die ganze Nacht, während wir marschiert sind, geregnet. Zuerst gerieselt, dann gegossen und dann
war es als ob Einer ausgeschüttet würden. Hörte die eine Art auf, dann begann jeweils die andere. Jetzt, da wir an die Marne gelangt sind, lacht die Sonne und wir
mit ihr. Vergessen ist die Müdigkeit und wohlig fühlen wir die Wärme ihrer wohlmeinenden Strahlen. Alles dampft vor Nässe, und langsam trocknen Tier und Mensch.
Eine Notbrücke ist hier geschlagen, und wir sind erstaunt keinen Artilleriebeschuß zu erhalten. Der Übergang spielt sich ganz friedensmässig ab, wie bei einer
Übung.  Es gibt keine Stockung und wir gelangen ohne Zwischenfall an das andere Marneufer, wo sich die Abteilung sammelt. Dann geht es weiter und wir arbeiten uns
langsam bergan; kommen in ein völlig zerschossenes Dorf.  Hier muß noch in der Nacht gekämpft worden sein. Überall frische Kampfspuren. Hier liegen ein paar Pferde,
die au frischen Wunden bluten. Da bringen gefangene Franzosen eigene Verwundete zurück, und unsere braven Infanteristen machen Jagd auf Heckenschützen. Vorsichtig
an der Mauer entlang sich brückend, jede Deckung ausnutzend, spüren sie mit schußbereitem Gewehr Haus um Haus, Garten um Garten ab. Da steht einer eng an einer
zerschossenen Mauer gelehnt und späht zu einem Fenster empor. Als wir näherkommen, gibt er uns Zeichen vorsichtig zu sein, denn eben erhielt er noch von dort
Gewehrfeuer. Links neben peitschen Gewehrschüße, und jaulend hören wir Querschläger hoch über unseren Köpfen ihre Gefährlichkeit in der Luft veratmen.
Wie kommen an einer Feldscheune vorbei. Infanteristen und Sanitätssoldaten umstehen mit ernsten Gesichtern eine Zeltbahn, unter der ein Gefallener Kamerad liegt.
"Kann dir die Hand nicht geben, bleib du im ewgen Leben, mein guter Kamerad"." Wir müssen vorwärts und jetzt erst recht. Nach einer guten Stunde haben wir die Höhe
gewonnen. Die Straße führt jetzt in einen dichten Wald. Diese französischen Anflugwälder haben es in sich. Unübersichtlich, schwer zu durchdringen, geben sie allem
und jedem Unterschlupf. Und da haben wir auch schon den Salat. Weiter vorn bellt ein Maschinengewehr. Karabiner krachen. Ehe der Befehl durchkommt haben wir schon
kurz kehrtgemacht, denn hier auf der Straße inmitten des Waldes, können wir uns nicht wehren. 150 Meter weiter zurück, wo der Wald aufhört, gehen wir links der
Straße in Feuerstellung. Wir warten, der DInge die da kommen sollen. Und sie kommen. Mit wütenden Gesichtern treffen ein paar Infanteristen, es sind Leute eines
Radfahrkommandos, auf uns. Mit verbissener Wut erzähöen sie uns, dass sie in eine regelrechte Falle gelockt worden sind. Wir stießen vor. um zu erkunden, wo der
Feind sich festgesetzt hat, und erhielten vom jenseitigen Waldrand schwaches Feuer, das wir erwidern. Die Franzosen zogen sich daraufhin zurück, und wir pirschen
ihnen nach, da wir glaubten nur eine schwache Vorhut vor uns zu haben. Dies war jedoch ein Irrtum. Sie ließen uns bis auf eine freie, übersichtliche Stelle der
Straße vor. Dort erhielten wir plötzlich von vorne, rechts und links derartiges Feuer, daß uns Hören und Sehen verging. Wir nahmen volle Deckung im Straßengraben
und kriechend unter Zurücklassung unserer Räder und eines Maschinengewehrs zogen wir uns zurück. Unser Leutnant fiel. Da sahen wir uns an.Wenn der Franzose die
Situation ausnützte, konnte de Lage für uns brenzlich werden. Wir standen mit unseren Kanonen vor unserer eigenen Infanterie. Waren augenblicklich ohne Sicherung.
Was wird kommen? Werden wir unsere Feuerstellung zurückverlegen? Wir glaubten es nicht, denn weiter vorne stand unser Chef. Aber Vorbereitungen konnten wir treffen.
Hier sollten die Franzosen nicht durchkommen. In jeder Feuerpause, wir hatten unterdessen zu schießen begonnen, wurde geschanzt, daß dder Schweiß in Strömen lief.
Und bald hatten wir tadellose Deckungen ausgehoben. Die KAnoniere schnallten um, legten ihre Karabiner griffbereit. Geschützführer; Kanonier 1 und Kanonier 2
besprechen sich wegen des direkten Feuers auf den Waldrand, der Kanonier 4 legt vorsorglich Aufschlaggranaten direkt unter den Lafettenschwanz bereit, dieselben der
Kanonier 2 schnell zu Hand hätte, denn es war vorgesehen, daß von jedem Geschütz drei Kanoniere sich mit dem Karabiner breitlegen sollten. Da taucht hinter uns
Infanterie auf. Zugweise über das Gelände verteilt, kommen sie heran. Scherzworte fliegen herüber und hinüber. Sie hatten Achtung vor uns bekommen, seit wir ihnen
geholfen haben, über die Marne zu kommen, seit wir ihnen dort die feindliche Infanterie vom Halse geschafft hatten - Gruppe um Gruppe verschwindet im Wald. 5, 10,
20 Minuten verrinnen. Nichts läßt sich hören? Wo sind die Franzosen? Da auf einmal ging´s los. Deutlich konnten wir das langsame tackern der französischen M.G. von
der raschen Schußfolge der unseren unterscheiden. Donnerwetter, da rechts vorn, das kam immer näher, verebbte, schwoll immer wieder an. Unsere Schußentfernung wurde
immer kleiner. 180, 150, 120. Das waren kaum mehr 2 Kilometer. Wenn das so weiter ging, mußten wir das Schießen einstellen, denn sonst trafen wir in unsere eigene
Deckung, den Wald vor uns. Dort aber lag deutsche Infanterie. Da steigerte sich die Strichzahl wieder und blieb bei 134 hängen. Wir feuerten, was die Rohre hergaben.
Doch auch der Franzose war nicht faul. Immer näher tastete sich die Artillerie heran. Blaff- das war der Abschuß. Singend kamen die Granaten heran und zerspringen
mit bösartigem Krachen vor uns im Wald. Kaltblütig. ohne auch nur aufzusehen, wie im Manöver, arbeiten die Kanoniere weiter. Die nächste Granate saß rechts von uns
im Wald. Er fand uns nicht, hatte eben nur versucht, der Franzmann, durch ein paar ins Ungefähre abgegebene Schüße zu treffen.
14.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Bei Anbruch des Morgens setzen wir den Vormarsch über Surmelin - Corribert Richtung Mont mort fort. Sie Strasse ist eine "Strasse der Flucht". Der Franzmann
musste Roß, Wagen und Ausrüstung liegenlassen und eiligst fliehgen, vor deutschen Stukas gibt es keinen Schutz. KIlometerweit fahren wir über zu Marschstrassen
getrampelte Wiesen und Felder. Das Land ist eben beworden und erinnert mich an Mecklenburg. Nachmittags beziehen wir ein grosses, schönes Koster, hier bleiben
wir gerne. Gutshof und Keller bergen so manches für den Soldatenmagen, was er in den letzten Tagen entbehren musste. Beim schönsten Einrichten überrascht uns ein
Alarm sofort weiter! Schade, aber die Abteilung muss dem flüchtenden Franzmann nach. Ein Geschütz der 1.Batterie im Nachbarort wurde durch einen Volltreffer
kampfunfähig. In kürzester Zeit steht die Abteilung am befohlenen Platz. Schon nach halber Stunde kommer der Befehl zum Stellungswechsel. Spät am Abend tritt
unsere Abteilung noch einmal zum Marsch an um die vor uns liegenden Ortschaften zu nehmen. Immer weiter vorne stiegen die weißen Leuchtzeichen der Infanterie in
dia Abenddämmerung. eigener Standpunkt vorverlegt. Wohl einem jeden von uns sind unvergessen die Eindrücke dieses Abends. Am Wegrand liegen kilometerweise tote
Pferde, zerschlagene Wagen und Ausrüstungsgegenstände des Feindes an manchem Platz ein Toter. In einem nebligen Wiesengrund liegen die Räder einer deutschen
Radfahschwadron, viele bleiben für immer liegen, denn schwer sind die Verluste dieer tapferen Schwadron. Wild hat das Heckenscützentum gewütet, jedes Haus, jeder
Baum und alle Felder mussten von der Infanterie durchsucht werden. Einzelne Trupps Gefangener werden an uns vorbeigeführt, die Hände hoch über den Gesichtern.
Wir durchfahren Billevenard, Reuves und Broussy le petit. In der Nacht leuchten die brennenden Häuser von Reuves, am Wege liegen Tote und Verletzte. Erst nach
Mitternacht kommen wir ins Nachtquartier von St.Loup.
Bericht über den Einsatz der ersten Abteilung A.R.188 von Lt.Dr.Bokr:
Erfrischt und gestärkt smmelt die Abteilung am 14.6. um 5 Uhr zum Weitermarsch, Ziel ist es nach Möglichkeit heute nich die Seine zu erreichen. Der Weg führt durch
Mareuil, Corribert, Montmort, Etoges, vorbei an zerstörten und von Stukas zerschlagenen Kolonnen nach Congy. Die 1.Batterie marschierte als Vorhutbatterie bei der
Vorhut der Marschgruppe. Der Rest der Abteilung bezieht bezieht befehlsgemäss in einem Frauenkloster östlich von Congy Quartier. Nicht lange währt die Freude an der
schönen Unterkunft; schon nach einer Stunde gibt es Alarm, da die Vorhut Feindberührung erhalten hat. Die 1.Batterie hat bereits südlich von Congy Feuerstellung
bezogen und vor allem die rückflutenden Kolonnen des Feindes mit Erfolg beschossen. Während eines Stellungswechsels erhält die Batterie selbst heftiges Feuer und
ein Geschütz wird durch einen Volltreffer ausser Kampf gesetzt. Dabei wurde durch einen glücklichen Zufall kein Mann der Bediernung verwundet. Nun geht das ganze
Regiment südlich von Congy in Feuerstellung. Beinahe wie auf dem Exerzierplatz fahren die Batterien im Galopp ein, protzen ab und schon nach wenigen Minuten
sprechen die Rohre ihre eherne Sprache. Es werden hauptsächlich Strassen und Ortschaften im Feindesland mit Feuer belegt. Um 17 Uhr kommt der Befehl zum
Stellungswechsel. Vorwärts geht es über Villevenard nach Reuves, wo noch vor wenigen Minuten ein erbitterter Kampf um jedes Haus geführt wurde und wo auch jetzt
noch hier und da verbissen gekämpft wird. Viele Häuser im Orte brennen. Hier hatte sich die feindliche Nachhut verbissen verteidigt, und unsere brave Infantere,
vor allem die Radfahrabteilung, hatte mit manchem Opfer des Ort erkämpfen müssen. Nicht zuletzt infolge dieses heftigen Kampfes um diesen Ort wurde am 14.6. die
Seine nicht mehr erreicht. Über Allemant weitermarschierend, vorbei an unzähligem vom Feind zurückgelassenem Material, geht es bis St.Loup, wo die Abteilung um 23
Uhr eintrifft. Noch vor beziehen der Quartiere wird Haus für Haus durchsucht, es werden einige Gefangen gemacht und der nachfolgenden Infanterie übergeben. Nachdem
die notwenidgen Wachen aufgezogen sind, sinkt Mann und Tier zur wohlverdienten Ruhe nieder.  Ab und zu ist nich von der Ferne das dumpfe Grollen der Kanonen oder
ein Schuß zu hören. Da und dort sieht man am Horizonte den Widerstand brennender Häuser und brennender Scheunen. Ein jeder träumt vom nächsten Einsatz und keiner
ahnt, daaß der 14.6. der letzte Kampftag der Abteilung war.
Bericht Hptm.Zapf 1./A.R.188:
Um 6 Uhr steht die 1.Batterie
und setzt sich als Vorhutbatterie in Marsch. Congy wird erreicht. Da bringt ein Meldefahrer vom Infanteriebataillon die Nachricht: "Auf einer gegenüberliegenden
Straße marschiert eine feindliche Kolonne." Wie der Blitz saust die Batterie vor, geht auf der Höhe frei in Stellung und nun flitzt Schuß auf Schuß aus den Rohren,
zersprengt die Kolonne, die sich von Reuves nach Broussy bewegt. Fahrzeuge bleiben liegen. Doch auch in Reuves selbst werden noch feindliche Ansammlungen bemerkt.
Der erste Zug knallt in diesen Ort hinein. Der Chef springt von Geschütz zu Geschütz und richtet selber mit, bis der anwesende Bataillonskommandeur bittet, das
Feuer einstellen zu wollen, da seine Leute jetzt vorgingen: "Stellungswechsel! Protzen heran!" Doch kaum war das Kommando durch, als auch schon feindlicher
Artilleriebeschuß einsetzte. Während der Batterietrupp wohlgeordnet und zerlegt über die Höhe galoppierte und dabei einige Schüße neben sich auf der Straße
auffpritzen sah, zog die Batterie, von Batterieoffizier und Zugführern tadellos geführt, rasch in Deckung. Das dritte Geschütz erhielt einen Schuß auf das
Schutzschild, dem Unteroffizier Schuler schlagen Erde und Steinchen ins Auge, sein Pferd hat den tödlichen Splitter aufgefangen, sinkt tot um, eine anderes Pferd
wird verletzt. Die Batterie fährt nach Congy, um von doert aus die neue Feuerstellung zu beziehen. Abends geht es weiter. Die Truppe ist fabelhaft beisammen.
Bericht Uffz.Lorenz 2./A.R.188:
Langsam war es unterdessen 1 Uhr geworden und das Infanteriefeuer hatte nachgelassen. "Feuerpause" Nun konnten wir auch ausschnaufen. Da kam von der
Beobachtungsstelle durch: "Falls die Franzosen angreifen, erwarte ich, daß jeder seine Pflicht bis zum Äußersten zu tut." Wir werden sie tun, das nahm sich
jeder vor. Wir hatten gegessen und waren glänzender Laune. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel, und gerade wollten wir uns ein wenig zum Schlaf hinrekeln,
da schallte es von der Fernsprechstelle herüber: "Feuerkommando" Nun ging´s erst richtig los. Gruppe um Gruppe verließ dir Rohre. Langsam von 100 zu 100 Metern
wächst die Entfernung. Ruß geschwärzte Gesichter, blitzende blanke Augen an jedem Geschütz. Der Oberkanonier Ott vom dritten GEschütz schickt jede Granate mit einem
"Heil Hitler" oder "Wohl bekomm´s" hinüber. Und sie mussten ihre Grüße getreulich überbracht haben, denn nach einer halben Stunde unermüdlichen Feuers hieß es:
"Stellungswechsel" Wieder einmal ging es vorwärts dem Feinde nach!
15.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Die in der Nacht vorgefahrenen Truppen haben den Feind so weit vorgetrieben, daß wir gestern an der Spitze der Front, heute rein friedensmäßig weitermarschieren.
Durch ganz flaches Land führt uns der Weg. Die Marschroute verläuft von St.Loup über Linthes - Pleurs - Marigny nach La Chapelle, wo wie ein gutes Quartier
vorfinden. Regimentskommandeur Oberst Marschall überreicht heute Major Dr.Riedel die ihm verliehene silberne Spange zum Eisernen Kreuz, Wachtmeister Luckhaupt
und Gefeiter Meuche das Eiserne Kreuz II. Auch in den Batterien fanden Ordensverleihungen statt.
Bericht über den Einsatz der ersten Abteilung A.R.188 von Lt.Dr.Bokr:
Am nächsten Tage ging es weiter, wie auch die übernächsten Tage, ohne daß die Abteilung trotz der Gewaltmärsche irgendeine Feindberührung erhalten hätte.
16.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Der Aufenthalt in La Chapelle war nur kurz um 3 Uhr ist Alarm, 4.30 Uhr steht die Abteilung zum Marsch. Auch heute nur Marschtag.
10.30 Uhr überschreiten wir die Seine, es kommt alles so schnell, daß man kaum Zeit hat sich zu überlegen, was das bedeutet. Die Seine, ein ansehnlicher Fluß,
mit grünem Wasser, beinahe wird mann an die Isar erinnert. Wir gingen über den Fluß zwischen Romilly und Crancey. Südlich der Seine hat Frankreich ein verändertes
Gesicht, neuer, freundlicher, sauberer. Zum Quartierort wurde uns Pont sur Seine zugewiesen, eine kleine Stadt mit alten Mauern und Toren, Zusammenfluß der Seine
und Aube, Confluence.Hier blieben wir einen Tag, es ist wieder einmal Sonntag, aber draußen im Feindesland. Am Abend hallt das Gerücht voin der Kapitulation
Frankreichs durch Stadt und Lager. Noch ist es nicht so weit, aber was soll Frankreich noch tun? Ungezählte Wagen von Rückwanderern ziehen durch Pont, die Stadt
selbst ist von vielen Zivilisten bewohnt, natürlich liegt reichlich Militär im Ort. Seine und Aube bieten endlich eine willkommene Badegelegenheit. In tragischer
Weise kam leider ein Kamerad der 3.Batterie in der Seine ums Leben. Vom Vormarsch der Armeen treffen immer neue Meldungen ein, Frankreichs Stunde wird bald
schlagen.
17.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Wir marschieren und marschieren auf Frankreichs Straßen, von Pont sur Seine bis Passy über Ferreux - Bourdenay - Lasnery - Courgenay - Pont sur Banne. Das
Gesicht der Landstrasse ist ein anderes geworden. zwei Kolonnen ziehen aneinander vorüber udn begegnen sich endlos, das siegreiche deutsche Heer und der
eindrucksvolle Zug der zahllosen Rückwanderer einer betrogenen Nation. Unter strömendem Regen vollzieht sich diese Völkerwanderung.
17.20 Uhr bringt der Rundfunk die bedeutungsvolle Sondermeldung: Marschall Petain, Frankreichs neuer Ministerpräsident, hat in der Radioansprache an sein
Volk erklärt: "Die Nation ist gezwungen die Waffen niederzulegen und die Reichregierung um ihre Waffenstillstandsbedingungen zu ersuchen".
Nach einem Gewaltmarsch von 75 Kilometern erreichen wir in den ersten Stunden des 18.Juni Passy.
18.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Wir marschieren auch heute wieder. Über die herrliche Morgensonne freuen wir uns, weil sie unsere durchnässte Kleidung schnell trocknet.
Um 9 Uhr betreten wir die große Heeresstrasse von und nach Paris. Wieder das Bild von gestern. In aller Frühe zogen schon Kolonnen Gefangener an uns
vorüber, es  ist immer das selbe: Völkermischung aus weiß, gelb und schwarz. Ein stilvolles Stadttor führt uns in die schöne, alte französische Stadt
Billeneuve sur Jonne. Bemerkenswert sind die Kirche und eine massive Brücke über die Jonne. Wir fahren dem idyllischen Flusstal entlang und finden
neckarähnliche Motive, so eine Bergkapelle, die uns an unser Volkslied erinnert: Droben stehet die Kapelle". An den Hängen wächst der Wein, die heiße
Morgensonne brütet im Talkessel. Um 18.00 Uhr erreichen wir Perny und richten uns im Herrensitz Schloß Perny ein. Dieses selten schöne, Quartier wird
uns wieder einmal durch einen neuen Marschbefehl entrissen. Nachts bleiben wir in einer Einöde, kein Ersatz für das Schloß. Von poloitischen Geschehen
konnten wir heute nichts erfahren.
19.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
5 Uhr Wecken. Unsere Abteilung kommt nicht zur Ruhe, weiter, immer weiter dem Feind nach. Ein Glück, dass das Wetter so beständig ist. Staub und Hitze werden
von Tag zu Tag lästiger, auch an Schlaf und Verpflegung haben wir keinen Überfluß. Wir dürfen uns später einmal dieser Leistungen auf Frankreichs Strassen mit
Stolz entsinnen. Mittag am Strassenrand, nahe eines Baches. Die Zahl der Rückwanderer nimmt täglich zu. Auf zweirädrigen Pferdegespannen und im Kraftwagen
streben sie der Heimat zu. Heute kommen wir endlich einmal früher ins Nachtlager, wir bauen Zelte und Stallung auf einem großen Weideplatz nahe eines kleinen
Kanals bei St.Prive. Von einer Front ist nichts mehr zu hören. die Nacht ist hell und friedlich, die Grillen zirpen, Sommernacht.
20.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Am Abend merken wir, daß heute Ruhetag sein solte, die Marschbefehle treffen in letzter Zeit urplötzlich ein. Der Tag war eine Erholung fern vom Getriebe der
jetzt so lebhaften Strassen. Beim Abendappel gibt Leutnant Schubert die Divisionsanweisungen über das Verhalten gegenüber der Zivilbevölkerung bekannt. Kurz
zusammengefasst: Stolz als Sieger, aber korrekt und menschlich.
21.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Unser VOrmarsch kommt ins Stocken, wir bleiben weiter an Ort und Stelle, allerdings werden wir von unserem Weideplatz in der freien Natur weggezogen und nach
St.Prive selbst einquartiert. Hier beziehen wir das bisher schlechteste Quartier. Die ganze Abteilung liegt nun in St.Prive, einer kleinen Ortschaft mit
imposanter Kirche, deren nadelspitzer Turm den Ort charakterisiert. Neben dem vielen Militär ist die Zivilbevölkerung angekommen. Unaufhörlich strömen weiter
Rückwanderer ihrer verlassenen  Heimat zu, zu Fúß, per Rad, Gespann und Auto. Frankreich ist besiegt, die Widerstandskraft erlahmt.
22.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Der Vormittag bringt die wirklich notwendige Verlegung des Wagenparkes auf eine nächstliegende Wiese.
Für 10 Uhr hat unser Regimentskommandeur, Oberst Marschall, die erste Abteilung zum Appell gerufen. Der Anlaß ist das historische Ereignis vom 21.Juni: Der
Führer hat im schicksalsreichen Walde von Compiegne die französische Waffenstillstandsdelegation empfangen und ihr unsre deutschem Bedingungen überreicht.
Frankreich wird wählen müssen! Oberst Marschal erklärt die Lage unsrer Marschgruppe in den letzten Tagen mit ihren Gewaltmärschen. Wir zogen mit Eile an die
Loire, um einen eventuellen neuen Sammelwiderstand des Gegners zu brechen. Es gelang jedoch den ersten Truppen über die Loire zu setzen und die allerletzte
Chance Frankreichs zu zerschlagen. Über unsre Zukunft als Abteilung gibt es zwei Möglichkeiten: sagt Frankreich nein, dann neuer Einsatz, sagt Frankreich ja,
dann Besatzung in einer größeren Stadt. Der Oberst dankt der ersten Abteilung für ihren erfolgreichen Einsatz und überreicht folgende verliehene
Auszeichnungen: Silberne Spange zum Eisernen Kreuz an Hauptmann Zapf, Dreher, Oberleutnant Stähler und Elsner, Stabsarzt Dr.Gaftreich. Eiserne Kreuze werden
verliehen an Leutnant Bokr, Rennebaum, Wenning, einige Unteroffiziere und einen Gefreiten. Der weitere Verlauf des Tages bringt keine besonderen Ereignisse.
23.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Rast im Biwak St.Prive.
24.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Heute verlassen wir St.Prive um unser Wartequartier erneut zu wechseln. Nach vierstündigem Marsch sind wir am Ziel und richten uns, so gut es geht in dem
und zugewiesenen Schloß bei Faverelles La Coudre ein. Es ist alt, wenig geräumig und ziemlich verwahrlost. Hoffentlich bleiben wir nicht zu lange und
entscheidet sich bald die Zukunft unserer Division. Weit um La Coudre liegen ausgedehnte Weideflächen, voneinander durch Hecken getrennt, typisch für
Frankreich. Frankreich ist kein Land und Volk ohne Raum. Auf den Weiden grast schönes Weißvieh, Vorratstiere für unsere Küche, nur die Jagd ist ziemlich
verwegen. Der Rundfunk meldet die Annahme der italienischen Waffenstillstandsbedingungen durch Frankreich. Damit ist der Krieg im Lande beendet,
Deutschland ist Sieger.
25.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Ein neuer Abschnitt für uns beginnt! "Überholung". An der Schloßtür prangt das alte Schild "Schreibstube". Darunter fein säuberlich geschrieben; Der
Dienstplan, Übungen, Fußdienst, Appell, Unterricht, Arbeitsdienst, Stalldienst. `Ganz friedensmässig ist es geworden mitten in Frankreich.
26.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Alltag im Schloß La Coudre. Vormittag Ausritt an die Loire. Mittags um 13.30 Uhr gibt der Rundfunk die Waffenstillstandsbedingungen mit Frankreich
bekannt. Sonst ohne Neuigkeit.
27.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Ein weiterer Tag am alten Platz. Heute gabs Festessen; Entenbraten, neue Kartoffeln und Salat. Auf einer nahen Weide findet Offiziersreitjagd statt.
Gegen Abend kehren unerwartet die Schloßbewohner mit Auto und Pferdegespannen zurück. Das untere Schloßgebäude, Quartier des Abteilungsnachrichtenzuges
wird zum Teil freigemacht.
28.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Um die Eintönigkeit des Dienstes in unserer menschenarmen Gegend zu überwinden, wollen einige Kameraden über wissenswerte Gebiete zu uns sprechen. So
hielt heute  Wachtmeister Scharvogel als Jurist einen Vortrag über das Thema: "Der Verkehr mit Behörden". in echt mainfränkisch humorvoller Weise hat er
uns manchen wertvollen Deut gegeben für die hoffentlich recht bald folgende Zivilzeit in der Heimat. Im nahen Favorelles  hat sich ein Pferdelazarett
aufgetan, das hunderte von Pferden betreut. Ein Drittel der Hilfskräfte sind Gefangene. Dienstlich ist der Tag ohne nennenswerten Ereignisse und
Erlebnisse verflossen.
29.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Wartezeit auf Schloß La Coudre mit wenig Abwechslung: wir haben nicht übermässig viel Dienst, können uns also in jeder Hinsicht vorbereiten auf den
bevorstehenden großen Landmarsch in die Heimat. Wir hören von einem Zehn-Tagemarsch bis Zweibrücken und dortiger Verladung für 17.Juli mit
Großzielrichtung München-Nürnberg-Bamberg. Nach getaner Pflicht im Feindesland Frankreich freuen wir uns alle über die bevorstehende Rückkehr in die Heimat.
30.6.1940 KTB der I./A.R.188 herausgegeben von der Abteilung:
Zu abendlicher Stunde vereint uns ein fröhliches Lagerfeuer mit Grog, Gesang und einigen guten Vorträgen. Unser Laabs hat es manchem ordentlich besorgt
mit seinen handfesten Knüppelversen dieses Schlitzohr.
 
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