| Kriegstagebuch Mai 1940 | |
| 15.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Am Abend des 15.Mai 1940 nehmen wir Abschied von der Heimt. In der Nacht wurden wir auf einem kleinen Bahnhof verladen; ales es tagte fuhr der Zug aus zur Fahrt quer durch Deutschland in das alte Trier. |
| 19.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Es ist Sonntagmorgen und wir stehen marschbereit vor der Porta nigra zu Trier. Durch das Tor und die Stadt ziehen wir hinaus ins westliche Land, Zahllose Hände bereiten uns einen unvergesslichen Abschied. Stadt umd Land überfliegt GEchwader um Geschader. Zur Mittagszeit erreichen wir die Reichsgrenze zu Luxemburg und überqueren auf einer Notbrücke die Mosel. Am Flussufer gegenüber Wasserbilig halten wird das letztemal auf Reichsboden. 17.45 Uhr überschreiten wir bei Grevenmacher die Reichsgrenze. Um 22.00 Uhr erreichen wir den ersten Quartierort, Olingen. Wir beziehen Feldquartier im herrlichen Nachtwetter, bauen Feldstellung und übernachten in der Kegelbahn. |
| 20.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: 6 Uhr wecken, 9 Uhr abmarschbereit Richtung Stadt Luxemburg. Hinter Olingen Rast auf einer Wiese, vor uns liegt das weite, wellige Land mit Laubwald und sauberem Schwarzweißvieh. Alles liegt im tiefsten Frieden, kein feindliches Flugzeug ist zu sehen, deutsche Überlegenheit. Heute öaden wir zum erste Male scharf. Wichtige Nachrichten treffen ein, Gamelin zurückgetreten, Cambrai gefallen, im Nordwesten Frankreichs ist eine große Umzingelungsschlacht im Gange. Stolz ist unsere Stimmung.Mittagsrast halten wir an einem hohen Buchenhain. Fast nur Wiesenm wenig Felder bedecken lucemburgisches Land. Um 19.00 Uhr stehen wird vor der Hauptstadt des Großherzogtums. Keider müssen wir die Stadt nördlich umgehen. In dem Vorort Septfontaines wird gefüttert und Abendbrot gefaßt. Allgemein merkt man den Wohlstand der Bevölkerung. Der Luxemburger liebt zu leben, der Reichtum des Landes gestattet es ihm. "Die Deutschen haben Luxemburg genommen ohne Kanonenschuß" lächelt ein Luxemburger, wir verstehen was er sagen will. "Staatssprache des Landes ist französisch", Deutsch erste Schulsprache. Nach der Abendrast steht uns noch der Marsch nach Kehlen bevor, es sind nur wenige Kilometer, aber ein schwieriger Ausmarsch. Bald verändert sich das Landschaftsbild, eine lange, tiefe Straße führt uns weiter zielwärts. Die Nacht ist hell, rechts der Straße türmen sich steile Felsen, links unten liegt ein romantisches Tal. Kanoniere ebgesessen und schupp schupp schieben. |
| 21.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: In der zweiten Stunde des neuen Tages erreichen wir das Ziel, bauen Feldstall und liegen bald im Stroh des Gesangssaales. Der Parkplatz liegt auf einer eingezäunten Wiese, dunkle Wolken umschwimmen den Mond, fern von der Front tönt dumpfes Rollen der GEschütze, das ersten Zeichen für uns, der Front näher zu kommen. Ruhetag! Was das für bespannte Artillerie heißt weiß ein jeder. Pferde, Fahrzeug und ANzug sind verstaubt. Der Tag verläuft ohne besondere Merkmale. Nach Dienstschluß schwärmt alles aus in die Cafes, wie sich jedes Gasthaus nennt. Der Wein ist billig und gut. Die Nachricht von der Umschlingung der 9.franz.Armee ist die stolze Signatur des Tages. Nach dem Abendappel lagern wir um den T-Empfänger und hören die Nachrichten vom Vormarsch unserer Truppen. Leutnant Schubert erläutert die militärische Lage. Gegen Abend hört man wieder das Kriegslied von der südlichen Front. Die Fliegertätigkeit ist heute auch sehr rege. |
| 22.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Nach neuestem Befehl bleiben wir weiter in Kehlen. Der ORt ist ein großes Truppenlager. Artillerie, Infanterie, Pioniere, bespannte und motorisierze Truppen. Der allgemien Dienst nimmt wieder seinen gewohnten Lauf. Ein SOnderkommando fährt in die belgische Stadt Arlon um die erste Feldpost abzuholen. Die Landschaft gewinnt wieder ihr typisch luxemburgisches Gesicht, Hügel, leichte Berge, Buchenwald und weidendes Vieh. Um 15 UHr sind wir an der Grenze. Am Rande eines Buchenwaldes liegt unter einer hohen Fichte ein frisches Heldengrab, das erste das wir sehen. Ein schlichter Grabhügel, darauf welkende Blumen, ein Holzkreuz mit Stahlhelm. Die Aufschrift lautet:"Uffz.Werner Gast, gef.13.5.40 bei Arlon". Bald lassen sich die ersten Spuren eine Kampfes erkennen. Um den Deutschen den Einmarsch nach Belgien zu wehren, errichteten die Beglier Strassenbarrikaden. Zahllose Fichtenstämme wurden quer über die Straße geworfen,. Wir fahren weiter, mitten auf der Straße war eine Mine explodiert, ein tiefer Krater, das Haus nebenan ein Schutthaufen, die nächsten Häuser schwer beschädigt. Bald haben wir Arlon selbst erreicht, eine lebhafte Stadt, alles liegt voll Truppen. Die Häuser tragen vielfech das Warnungsplakat: "Wer plündert wird erschossen.". Der Zweck unserer Fahrt war nicht erreicht, da noch keine Post eingetroffen war. Die Bevölkerung ist zurückhaltend und verschlossen. Sehr interessant ist ein Gespräch, das wir mit einer belgischen Offiziersfrau, Besitzerin einer Weinstube haben. DIe bekennt sich als unserer offene Feindin politisch, menschlich ist sie großzügig und kennt keine persänliche Haßfeindschaft und achtet unser Ideal. Mit dem Wunsche für glückliche Heimkehr gibt sie uns Abschied. Auf dem alten Weg kommen wir spät abends nach Kehlen zurück. Unsere Truppe war bereits weitergezogen nach Tüntingen. Soe bleiben wir allein in Kehlen über Nacht, um morgen nachzufahren. |
| 23.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Gegen früh weckt uns ein heftiges und anhaltendes Trommelfeuer von der Front. Der Tross stößt um 11 Uhr zur Abteilung, die in Tüntingen Quartier bezogen hatte. Überraschend- wir sollten mehrere Tage am Ort bleiben- kommt ein neuer Tagesmarschbefehl, wir stehen um 12 Uhr bereit. Der Marsch geht westwärts nach Arlon. Soeben ist Abendrast am Westrand Arlons, wir liegen an der Strasse frontwärts, Autos und Lastwagen preschen an uns vorbei. Die Luft ist belebt von Fliegerstaffeln. So ist adas Bild unmittelbar hinter der Front. Alle Mittel der modernen Technik treten in den Dienst des Krieges. Eigentlich ist es allein unsere Bespannung die dem Ganzen eine noch etwas harmlosere Romantik verleiht. Wir ziehen weiter als rastlose Soldaten dem Feinde näher. Die Landschaft wird kärger, Nebel hüllt sie in einen weißen Schleier, Erlkönigstimmung im Feindesland. Zur Mitetrnacht ziehen wir in ein beglisches Grenzdorf ein. Wie Wetterleuchten schlagen die Flammen des fernen GEschützfeuers Schemen in den nächtlichen Himmel, getürmt von schwarzen Wolken. Das Dorf Puzinol ist verlassen, die Feindbevölkerung hatte deutsche Soldaten ermordet und deshalb den Befehl zur sofortigen Räumung erhalten. Pioniere sind bereits im Quartier, wir müssen ins mit wenig Platz begnügen, doch gesunder Soldatenschlaf ersetzt das beste Bett. Wieder ist eine Tag unseres Feldzuges verflossen. |
| 24.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Wieder Ruhtag! Wir liegen in Puzinol, ein landschaftlich herrlicher Platz, als Ort jedoch reichlich öde. Alle Häuser isn dmit Soldaten belegt. Sie nehmen vorlieb mit der primitiven Häuslichkeit verödeter Wohnungen. Auf den Fluren grast das herrenlose Vieh; Weidmannsheil unseren grauen Jägern! Am Abend schart sich alles um den T-Empfänger, um die Verbindung mit dem grossen Geschehen nicht zu verlieren. Als Schlummerlied ders Soldaten hören wir wieder Motorengeräusch der Staffeln und Trommelfeuer von Süden. Morgen heißt die Parole: Weiter gen Sedan. |
| 25.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Die Sonne brennt unbarmherzig auf die staubigen Strassen Südostbelgiens. Wir marschieren von Puzinol über Izel, Florenville Richtung französische Grenze. Der Verkehr auf den Anmarschstrassen ist riesenhaft. Unser heutiges Quartier bietet ein unbeschreiblich verwahrlostes Bild. Es ist ein kleines Dorf nahe Muno, Watrinsart, romantisch im Tal gelegen; das ist jedoch alles. In den Häusern ist der ganze Inrat kunterbunt geschmissen und zerstört, übler Geruch in Stube und Stall, draussen im Freien verfolgt einen Kadavergestank. Draussen vor dem Ort weidet nach hunderten das versprengte, herrenlose Vieh. Auch heute hört man wieder Geschützdonner, wir sind etwa 6 bis 8 Kilometer von der Front entfernt. Wir bauen Zelte, doch nur für eine kurze Nacht, denn morgen ist bereits 2.30 Uhr wecken. Der heutige Tag brachte uns die erste Post aus der Heimat. |
| 26.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Der zweite Sinntag im Feidnesland. Sonntag ist es nur dem Kalender nach. Ruhe kennt die Front nicht. Unsere Marschroute verläuft weiter westlich, von Muno über das völlig zeschossene, auch im Weltkrieg schon so schwer heimgesuchte MEssingcourt in die Gegend Sedans. Um 6 Uhr überschreiten wir die Grenze nach Frankreich, nach alter Tradition begrüsst unser Kommandeur seine Truppe. Je weiter wir kommen, überall Häuserschutt und bittere Verwüstung. Mittags beobachten wir über dem berühmten Schlachtort Bazelles zwei feindliche Flugzeuge. Flak eröffnet sofort das Feuer. In kürzester Zeit starten deutsche Jäger und nehmen die verwegene Jagd der Feindmaschinen auf. Der heute bedeckte Himmel hindert uns den Erfolg zu sehen, in Sedan jedoch erfuhren wir später, dass die französischen Flieger abgeschosen würden. Ihre Aufklärung über unsere vorrückende Division wäre damit erfolglos. Um 14 Uhr kommen wir nach Sedan, das ebenfalls schwer zerstört ist, doch nicht in dem Maße, wie wir es uns vorgestellt hatten. Im Inneren der Wohnungen bietet sich uns auch hier das gewohnte traurige Bild. Die Stadt ist menschenleer. Von Sedan aus ziehen wir nach Capogne ins Nachtquartier. Hier liegen die Verhältnisse etwas gpünstiger als gestern. In der Umgebung liegen Feuerstellungen des zäh versprengten Feindes. In der Nacht versuchen französische Flieger vergeblich in unseren Luftraum einzufliegen, sonst war es ruhiger als an den Vortagen, trotz der Frontnähe. |
| 27.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: 5 Uhr Wecken. Draussen regnet es in Strömen, doch bald siegt heller Sonnenschein., wir fahren hinein in einen klaren, reinen Sonnenmorgen. Die erste Botschaft des jungen Tages. Calais ist gefallen! Alle Ortschaften die wir durchziehen, sind leer und bieten das übeögewohnte Bild. Auch ohne die SPuren des Krieges machen sie keinen sauberen bodenständigen Eindruck, wie die Orte unseres Vaterlandes. Es fehlt überall das stilvolle; die Dorfkirchen sind durch ihre Gedrungenheit recht ansprechend. Heute führen wir an Anlagen der verlängerten Maginotlinie vorbei, der Eindruck ist ales übrige als überwältigend, die Bunker mögen gut sein, dei Drahtverhaue sind jedenfalls ziemlich primitiv. Öfters sehen wir am Strassen rand ein Soldatengrab der Deutschen und der Feinde. Um 20 Uhr haben wir unser Tagesziel La Neuville erreicht, wo wir bis mirgen früh bleiben. BEim Einzug erklingt nach alter Soldatentradition die Signaltrompete, sie wird auf Wunsch des Herrn Major unsrem weiteren Vormarsch ihjr schallendes Gepräge geben. Den Abteilungswimpel trägt Uffz.Billing. |
| 28.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Um 9 Uhr verlasen wir das Quartierdorf und marschieren im Regen weiter. Der Tag bietet wenig Neues, im Regen sehen Landschaft und verlassene Ortschaften doppelt öde aus. Das Land ist einsam von Schwestertruppen ist heute wenig zu sehen, auch in der Luft ist es ziemlich ruhig. In einem Dorf ruhen unter einem französischen Kriegerdenkmal Soldaten in einem Nassengrab, ein ergreifendes Mahnmal für das Soldatentum der Völker. Abends trefefn wir in Dizy la Gros ein un beziehen einen großen Gutshof. Politisch war der Tag ausgezeichnet durch die Kapitulation der belgischen Armee unter König Leopold. |
| 29.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Heute haben wir einen 60 Kilometermarsch vor uns, zum Glück hat es zu regnen aufgehört. Seit gestern hat sich ein völliger Landschaftswechsel vollzogen, wir fahren mitten durch gesegnete Fluren französischen Flanchlandes. Wir marschieren weiter über Dizy la Gros, Clermont, Richtung St.Quentin. NAch der Mittagszeit überschreiten wir die Oise auf einer schmalen Notbrücke, während unsere Fahrzeuge einen Umweg von über 7 Kilometern wählen müssen. Nachnittags wird bekannt dass der Feind uns gestern mit Bomben belegen wollte, dabei aber weit daneben traf. Es sollen 15 Bomben abgeworfen worden sein. Nach unserer Rast, steht uns noch ein Gewaltmarsch bevor, wie Infanteristen ziehen wird durchs Land, bald wird es Nacht, wir sind noch nicht am Ziel. An einem Strassenrand halten wir zum Füttern, Tränken und Verpflegen, endlose Ketten von motorisierten Fahrzeugen jagen vorbei, vorn an die Front, unter dem Schutzmantel der Dunkelheit. Der junge Tag hat die dritte Stunde erreicht als wir in der kleinen Stadt Mont de Origny eintreffen. Im Dunkel müssen Parkplatz, Stallung und Schlafstätten aufgesucht werden. Der Tag brachte die erstaunliche Marschleistung von 65 Kilometern. |
| 30.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Der helle Tag enthüllt uns das in der Dunkelheit bezogene Ruhequartier; ein großer Gutshof, großzügig und verwahrlost in einem. Was noch lebt auf dem Hof, läuft frei umher. Schweine, Schwände, Kühe, Hühner, Enten. Hier bleiben wir zur gründlichen Überholung von Mann, Roß und Wagen. Am Abend trifft der Befehl für einen weiteren Rasttag in Mont de Origny ein. |
| 31.5.1940 | KTB der I./A.R.188
herausgegeben von der Abteilung: Neues bringt uns dieser Tag nicht; er ist ausgefüllt durch die Pflichten des Dienstes. Die Stadt ist weniger heimgesucht vom Wüten des Krieges.´, doch auch hier wie allerorts die Inneneinrichtungen schwer verwüstet. Etliche Zivilisten sind in der Stadt verblieben. Er abziehende Feind hatte seinem Volk Hab und Gut zerschlagen, wir nennen das gemeine Barbarei. Weder von starker Fliegertätigkeit noch von der Front ist etwas zu hören. Also auch in dieser Hinsicht "Ruhetag". |
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