Armeeoberkommando 9
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Kriegstagebuch Februar 1944
1.2.1944
KTB 9.Armee.
Gegen beide Korps südl. der Beresina tritt der Feind wieder an zahlreichen Stellen zu örtl. Angriffen und Vorstößen an, die beim LVI.Pz.K. mit nur schwachen
Kräften geführt werden, beim XXXXI.Pz.K. dagegen z.T. Rgt.Stärke erreichen. Zwei kleinere Einbrüche werden bereinigt, im übrigen alle Angriffe blutig
abgewiesen (Einzelheiten s. Anl. II und III).
Trotz aller Bemühungen, die Beresina-Flanke des XXXV.A.K. so stark wie nur irgend möglich zu. besetzen, haben die für diesen Zweck zur Verfügung stehenden
Kräfte doch nicht ausgereicht, eine durchlaufende HKL zu bilden. Dem Feind, der in den Morgenstunden den Fluß bei Schazilki an zwei.Stellen überschreitet,
glückt es daher, die schwachen eigenen Sicherungen teils zu umgehen, teils zu werfen und beiderseits der Bahnlinie nach Norden vorzudringen. Ein vom Res.Btl.
des Korps geführter Gegenangriff bleibt nach erheblichen Verlusten im feindlichen Feuer liegen; es gelingt nicht, den etwa 1-2 Btlne.-starken Gegner wieder
über die Beresina zurückzutreiben.
Es kann jedoch kein Zweifel daran bestehen, daß dieses feindliche Unternehmen, obwohl zunächst nur von geringem Ausmaß, sehr bald größere Bedeutung gewinnen
kann; sollte sich der Gegner für die Dauer mit stärkeren Kräften auf dem Nordufer festsetzen können, so würde deren Anwesenheit eine ständige Bedrohung des
XXXV.A.K. darstellen und erhebliche eigene Kräfte binden, ganz abgesehen davon, daß der Gegner, wie die Erfahrung gelehrt hat, in den einmal gewonnenen
Brückenkopf fraglos sehr bald Verstärkung nachziehen wird, um dann zum Angriff anzutreten. Die Gefährlichkeit eines derartigen Brückenkopfes hat sich in den
vergangenen Monaten allzu häufig erwiesen; es kommt deshalb darauf an, ihn baldmöglichst zu beseitigen. Darauf läßt auch der Feldmarschall ausdrücklich
hinweisen (Ia H.Gr./Chef, 11.10 Uhr). Obwohl das Korps die Ansicht äußert, es werde wohl mit eigenen Kräften in der Lage sein, den Gegner wieder über den
Fluß zurückzuwerfen, befiehlt der Oberbefehlshaber, selbst auf die Gefahr hin, daß eine Unterstützung sich als überflüssig erweisen sollte, die Zuführung der
noch in Paritschi stehenden Armeereserve (Stab und I./533) zum XXXV.A.K. Teile der Artillerie der 253.I.D. werden dem beim.XXV.A.K. befindlichen A.R.36
taktisch unterstellt und die 253.I.D. erhält Befehl, mit einer verstärkten Kompanie entlang der Beresina von Tschirkowitschi aus auf die westliche
Übergangsstelle des Feindes vorzustoßen und dort einen Brückenschlag zu verhindern. Dieser Kompanie mitgegebene VB sollen das Feuer ihrer Divisionsartillerie
leiten. Aus allen nördl. der Beresina eingesetzten Teilen wird eine Kampfgruppe unter einheitlicher Führung gebildet (s. Anl. IV 6),und dem ХXХV.А.К. wird
befohlen, durch Zusammenfassung einer Anzahl von m.Gr.W. zu Granatwerferbatterien die Feuerkraft dieser Kampfgruppe noch zusätzlich zu verstärken.
Die Säuberung des Beresina-Nordufers erscheint als so vordringliche Aufgabe, daß das AOK es für richtig hält, die Zuführung noch weiterer Kräfte vorzubereiten.
Das erst vor einigen Tagen aus der Front herausgelöste Gren.Rgt.58, das sich z.Zt. zur Auffrischung in Paritschi befindet, wird auf Alarmbereitschaft gestellt.
Ferner erhält das LV.A.K. den Befehl, das Res.Btl. der 296.I.D. (II./521), dessen Inmarschsetzung zum LVI.Pz.K. zur Stärkung der dortigen Abwehr bereits
befohlen worden war (s.Anl. IV 5, takt. Zeit 12.15 Uhr, vgl. dazu Anl. IV 1-5), vorläufig in Shlobin anzuhalten (Chef/Chef LV, 1.20 Uhr).
Es soll gegebenenfalls auch noch beim XXXV.A.K. zum Einsatz kommen.
Im Laufe des Tages sind Nachrichten eingetroffen, aus denen hervorgeht, daß der Feind im Begriff ist, einen neuen Schwerpunkt vor der 134.I.D. (und dem rechten
Flügel der 36.I.D. zu bilden. Eine bisher vor dem Dnjepr—Brückenkopf Shlobin - Rogetschew in Reserve stehende Schtz.Div. ist bei Dubrowa, eine bisher vor dem
Südflügel der 4.Armee eingesetzte bei Kobylschtschina festgestellt worden (Chef XXXXI/Chef, 15.05 Uhr;. Ic/Chef, 00.30 Uhr). Gefangene behaupten, bei Salje
70 Panzer gesehen zu haben. Das XXXXI.Pz.K. hat daraufhin bereits Stürmgeschütze und Sf-Pak herangezogen, um gegen einen überraschenden feindlichen
Panzerangriff gewappnet zu sein. Des AOK, das noch eine weitere Verstärkung des Panzerabwehrschwerpunktes für notwendig hält, erbittet von der Heeresgruppe die
Erlaubnis, die die Panzerjäger-Abteilung der 129.I.D. dort einsetzen, zum mindesten aber sie für alle Fälle schon heranziehen. zu dürfen (Chef/Ia H.Gr.,1.05 Uhr).
Letzteres wird genehmigt; über die Einsatzgenehmigung soll erst morgen entschieden werden.
Die 129.I.D. erhält daraufhin Befehl, die Abteilung unverzüglich nach Tarifschi in Marsch zu setzen; von dort aus soll ihr Einsatz durch Stellungserkundung im
Raum Dubrowa vorbereitet werden.
2.2.1944
KTB 9.Armee.
Der Feind nimmt nach erfolgter Umgliederung und Zuführung neuer Kräfte seine Durchbruchsversuche im Abschnitt des XXXXI.Pz.K. wieder auf. Beim LVI.Pz.K. führt er
starke Fesselungsangriffe gegen die gesamte Korpsfront (s.Anl. II und III).
Der Schwerpunkt der Kämpfe liegt, wie erwartet, bei der 134.I.D. nach heftigem Trommelfeuer mit massierten Kräften angreifend, erzielt der Gegner, dessen
Infanterie von einzelnen Panzern begleitet wird, nördl. Kobylschtschina einen etwa 4 km breiten und 3 km tiefer Einbruch, der erst nach äußerst erbitterten Kämpfen
im Gegenstoß örtlicher Reserven aufgefangen wird und bis auf eine Lücke von 1 km Breite verengt werden kann. Auch im Abschnitt der 36.I.D. greift der Gegner
mehrfach an, wird jedoch, unter Bereinigung eines vorübergehenden Einbruchs bei Jaswin, mit hohen Verlusten abgewiesen.
Für morgen muß damit gerechnet werden, daß der Feind, der laufend Verstärkungen in die Einbruchsstelle nachgeführt hat, versuchen wird, den heutigen Einbruch unter
Einsatz weiterer Kräfte zum Durchbrich zu erweitern, und es ist auch - nach s.Qu. - das Auftreten mehrerer Panzerverbände zu erwarten. Einem Antrag des XXXXI.Pz.K.
entsprechend (Іа XXXXI/Ia 10.25 Uhr) hat das AOK bereits am Vormittag die Heeresgruppe um die Genehmigung gebeten, die Pänzerjäger-Abteilung 129 noch näher an den
feindlichen Angriffsschwerpunkt heranziehen zu dürfen (Ia/Ia op.H.Gr., 10.35 Uhr), woraufhin die Heeresgruppe die Abteilung ganz zum Einsatz freigibt
(Ia H.Gr./Ia, 10.45 Uhr); zusätzlich befiehlt das АOK die Verschiebung der bisher noch beim LVI.Pz.K. eingesetzten Kp. des Pz.Zerstör.-Btl. in den Abschnitt der
134.I.D. (s.Anl. IV 1). Zur Stärkung der infanteristischen Kampfkraft der Division beantragt das XXXXI.Pz.K., das selbst bereits die Zuführung eines Btl. der
253.I.D. veranlaßt hat, vom Gren.Rgt.58 den Rgt.-Stab und. die Rgt.-Einheiten zum Einsatz freizugeben, womit der Oberbefehlshaber einverstanden ist. Die ebenfalls
beantragte Freigabe des Heeres-Pi,Btl.47 zum infanteristischen Einsatz lehnt er ab, um das Btl. seiner eigentlichen Aufgabe zu erhalten. (OB/Chef 14.00 Uhr).
Er selbst befiehlt die Inmarschsetzung des gestern in Shlobin angehaltenen II./521 (296.I.D.) nach Paritschi; das Btl. soll ebenfalls bei der 134.I.D. eingesetzt
werden.
Da mit einer weiteren Verschärfung der Lage beim XXXXI.Pz.K. gerechnet werden muß, wird dem LV.A.K. aufgegeben, die Frage der Herauslösung noch eines weiteren Btl.
zu prüfen (Chef/Chef LV, 11.40 Uhr). Ferner richtet der Oberbefehlshaber die dringende Bitte an die Heeresgruppe, der schwer ringenden Front südl.. der Beresina
baldigst neuen Ersatz zuzuführen. Um 00.05 Uhr teilt der Feldmarschall dem Oberbefehlshaber- mit, daß er die Zuführung eines Kampf—Marschbataillons von etwa
1000 Mann zur Armee angeordnet habe. Das Btl.soll bereits in den nächsten Tagen eintreffen.
Am rechten Flügel des XXXXI.Pz.K. ist die Beseitigung des feindlichen Brückenkopfes nördlich der Beresina noch nicht gelungen. Ein erneuter Vorstoß des Feindes nach
Norden kann zwar zurückgeworfen werden es halten sich jedoch noch immer Feindteile auf dem Nordufer. Sie werden laufend durch Art. und schwere Inf.-Vaffen unter
Feuer genommen.
3.2.1944
KTB 9.Armee.
Beim XXXXI.Pz.K.. dauern die Kämpfe in unverminderter Härte an. Im Abschnitt der 36. und 253.I.D. sowie, am rechten Flügel der 134.I.D. gelingt es der mit
bewundernswerter Zähigkeit kämpfenden Truppe, zah1reiche, zum größten Teil sehr heftige und von starkem Art.- und Salvengeschützfeuer unterstützte sowjetische
Angriffe abzuwehren, wobei es an manchen Stellen nicht ohne erbitterte Nahkämpfe abgeht. Aus dem gestrigen Einbruchsraum nordwestlich Kobylschtschina dagegen
- die Schließung der Frontlücke hat der während der Nacht sich laufend verstärkende Feind zu verhindern verstanden - tritt der Gegner in den Mittagstunden mit
einer scharf zusammengefaßten Durchbruchsgruppe von 3 Divisionen auf engem Raum beiderseits Punkt 143 zum Angriff an. Unterstützt von Panzern und Schlachtfliegern
vermag er bis zur Straße Gorochowischtschi - Dubrowa durchzubrechen, und nur unter Einsatz aller in diesem Raum stehenden Waffen und der schwachen Reserven der
Nachbarbataillone gelingt es, ihn am weiteren Vorgehen nach Nordwesten und nach Norden in den Rücken des bei Dubrowa stehenden Flügels der 134.I.D. zu verhindern.
Dieser, durch das Vordringen des Feindes auf Zerebulin von seinen rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten, hat Befehl erhalten, sich nach Westen durchzuschlagen
(Chef/Ia H.Gr., 20.15 Uhr).
Im übrigen versucht das Korps, in allg. Linie Wischa einschl. - ostw. Gorochowischtschi - Korma - Prityka eine neue Verteidigungsfront herzustellen (s.Anl. IV 5).
Da anzunehmen ist, daß die heute angetretenen Durchbruchsverbände in ihrer Angriffskraft noch ungebrochen sind (zu ihnen gehört neben den beiden erst vor kurzem in
diesen Kampfraum verschobenen Divisionen noch eine dritte, ebenfalls frische Schtz.-Division, dis bisher vor der Front des LV.A.K. in Reserve stand), und auch die
nach s.Qu. zu erwartenden Panzer sich erst zu geringen Teilen im Gefecht befinden, muß für morgen mit weiteren starken Feindangriffen gerechnet werden
s. Ic-Zwischenmeldung).
Der Oberbefehlshaber hat deshalb dem LVI.Pz.K. Befehl geben lassen, das D.F.B.31 bereits heute nacht aus der Front herauszulösen und dem XXXXI.Pz.K. als weitere
Verstärkung zuzuführen. Als das LVI. erklärt, diese Aufgabe sei undurchführbar, wiederholt er in nachdrücklicher Form persönlich den gegebenen Befehl dem
Kommandierenden General gegenüber (ОB/KG LVI. 19.35 Uhr). Bei dieser Gelegenheit kommt erneut die Frage des Kolki=Brückenkopfes zur Sprache, dessen Zurücknahme
hinter die Tremlja das LVI.Pz.K. bereits mehrfach beantragt hat, da die derzeitige HKL geländemäßig so ungünstig sei, daß sie auf die Dauer nicht gehalten werden
könne. Der Oberbefehlshaber hat diesen Antrag bisher immer abgelehnt, da er befürchtet, daß ein überlegener Feindangriff nach erfolgter Zurücknahme der 4.Pz.Div.
auf die an sich günstige Tremlja=Stellung in das weiter rückwärts liegende Sumpfgelände zurückwerfen könnte, wо sich z.Zt. noch keine ausgebaute neue Stellung
befindet; darüber hinaus muß in dem Grundsatz festgehalten werden, keinen Schritt Boden aufzugeben, ohne dem Feind möglichst hohe Verluste zugefügt zu haben.
Das aber würde bei einer kampflosen Zurücknahme nicht geschehen. Trotz des nochmaligen Antrags des Kommandierenden Generals hält der Oberbefehlshaber auch heute an
dieser Ablehnung fest. Durch einen inzwischen an Ort und Stelle entsandten Ord.-Offz., der die derzeitigen Stellungen der 4.Pz.Div. eingehend besichtigte, wurde
bestätigt, daß diese in der Tat auf die Dauer unhaltbar sind;
Die Grenadiere stehen zum größten Teil in völlig versumpftem Gelände, wo es insbesondere bei dem jetzt herrschenden Tauwetteг - meist sogar ausgeschlossen ist,
irgendwelche Deckungen oder Unterschlüpfe zu bauen. Da auf Grund dieser Zustände damit gerechnet werden muß, daß die Zahl der. Erkrankungen auf der eigenen Seite,
die jetzt schon höher als die der blutigen Ausfälle ist, bald derart ansteigen wird, daß sie die Anzahl der im Falle eines Feindangriffs diesen zuzufügenden Verluste
übersteigen würde, hat ein Halten des Brückenkopfes keinen Sinn mehr - es würde nicht zu einer vermehrten Abnutzung der gegnerischen, sondern der eigenen Kräfte
führen.
Der Oberbefehlshaber hat deshalb nunmehr selbst den Antrag auf Genehmigung der freiwilligen Zurücknahme der 4. Pz.Div. an die Heeresgruppe gerichtet und diese hat
ihn an OKH weitergegeben (FMOB, 20.55 Uhr;
s.Anl. IV 8). Die Genehmigung zum Absetzen trifft noch im Laufe des Abends ein. In der Nacht zum 5.2. soll die Zurücknahme erfolgen (s.Anl. IV 6). Die Heeresgruppe
hat mitgeteilt, daß die Ablösung der 4. Pz.Div. durch die 129.I.D. nach Beendigung der Auffrischung vom Feldmarschall endgültig befohlen worden sei. Die 4. Pz.Div.
wird, um ihrerseits aufgefrischt zu werden, (Ia H.Gr./Ia, 10.50 Uhr, s.a.Anl. V 1), in den Rаum Pinsk - Luniniec verlegt werden.
Im Kampf um den Brückenkopf nordwestlich Schazilki (XXXV.Pz.K.) haben heute mehrere Angriffe des Gegners, der sich während der Nacht auf etwa 2 Rgter. verstärkt hat,
den eigenen Gegenangriff zur Bereinigung des Nordufers nur wenig an Boden gewinnen lassen. In einem Befehl an das XXXV.A.K., den er allen beteiligten Kommandeuren
im Wortlaut bekanntzugeben anordnet, wiederholt der Oberbefehlshaber nochmsls seine Forderung, den Gegner wieder über die Beresina zurückzuwerfen.
Er bezeichnet es als eine Ehrenpflicht des Korps, diese im Interesse der Gesamtlage so außerordentlich wichtige Aufgabe unter allen Umständen, zu erfüllen.
(s.Anl. IV 1).
4.2.1944
KTB 9.Armee.
Die Wiederherstellung einer geschlossenen Abwehrfront bei der 134.I.D. in der vorgesehenen Linie ist gelungen. Auch der linke, bei Dubrowa bis zum letztmöglichen
Augenblick stehengebliebene Div.-Flügel hat ohne Verluste an Waffen und Gerät die neue HKL erreicht. Lediglich den Frontbogen um Wischa durchbricht
der Feind in nächtlichem konzentrischen Angriff mit überlegenen Kräften, so daß die dort eingesetzten Teile sich auf eine Riegelstellung westlich Wischa zurückkämpfen
müssen. Erneute Feindangriffe in diesenm Abschnitt werden, zum Teil in erbitterten Waldgefechten, abgewiesen.
Gegenüber der neuen HKL schließt der Feind mit starken Kräften verhältnismäßig schnell wieder auf. Durch die äußerst ungünstigen Wetterr- und Wegeverhältnisse und die
dadurch zweifellos auch bei ihm entstandenen Nachschubschwierigkeiten zu enger Anlehnung an die vorhandenen Straßen gezwungen, geht seine Absicht offenbar dahin,
zunächst, in der bisherigen Stoßrichtung angreifend, die dicht hinter der eigenen Front über Gorochowischtschi, Korma, Petrowitschi, Tschernin nach Paritschi führende
Straße zu gewinnen, um dann nach Nordwesten einzudrehen. Die Tatsache, daß die nördl. Kobylschtschina angetretene Durchbruchsgruppe der 48. sowjetischen Armee untersteht,
die beiderseits der Beresina befehlsführend ist, bestätigt diese Annahme.
Nach erfolgter Bereitstellung nimmt der Gegner am Nachmittag seine Durchbruchsversuche wieder auf. Nach hartem Kampf kann er bei Martynowka einen Einbruch erzielen und
in den Abendstunden geht auch Korma verloren. Gegenangriffe, von Reserven der 36.I.D. und von Sturmgeschützen geführt, sind im Gange.
Um den aufs neue drohenden Durchbruch des Feindes zu verhindern, bedarf die Abwehr des XXXXI.Pz.K., insbesondere an den inneren Flügeln der 134. und 36.I.D., weiterer
Stützung. Außer der Freigabe der beiden bisher noch zurückgehaltenen Gren.Btlne. des Gren.Rgt.58, zu der sich der Oberbefehlshaber nunmehr geswungen sieht, bleibt mangels
anderweitiger Reserven nichts anderes als die weitere Abziehung von Kräften aus dem Abschnitt des LVI.Pz.K. übrig, obwohl dort - trotz dem derzeitigen vorübergehenden
Nachlassen der gegnerischen Kampftätigkeit - binnen kurzem mit einem Wiederbeginn der Feindangriffe zu rechnen ist: V=Mann=Meldungen besagen, daß die Wiederaufstellung
der Verbände nur noch eine Frage von Tagen sei. Das LVI.Pz.K., in dessen Abschnitt, heute keine besonderen Kampfhandlungen zu verzeichnen waren, erhält deshalb Befehl,
die Sturmgeschütz-Abteilung 909 unverzüglich nach Tschernin in Marsch zu setzen, ferner, in der kommenden Nacht den südlichen Btl.-Abschnitt der 134.I.D. mit eigenen
Kräften zu übernehmen, damit das dort herauszulösende Btl. dem XXXXI.Pz.K. ab morgen früh als Reserve zur Verfügung stellen kann.
Darüber hinaus trifft das AOK weitere Vorkehrungen für den Fall einer erneuten Verschärfung der Lage. Dеr Oberbefehlshaber beantragt bei der Heeresgruppe, ein verstärktes
Rgt. der 129.I.D. nach Paritschi heranziehen zu dürfen, um es - unter vorläufiger Fortsetzung der Auffrischungsmaßnahmen - im äußersten Fall nahe genug als AWS zur Hand zu
haben. Der Feldmarschall ist damit einverstanden (OB/FM, 23.20 Uhr; Befehl an 129.I.D.: Chef /Іа 129, 23.30 Uhr). Ferner wird dem LV.A.K. die Abgabe noch eines weiteren
Btl. befohlen. Zu dessen Ablösung wird morgen, eine verstärkte Kompanie der AWS dem Korps zugeführt werden (s.Anl. IV 1 v. 5.2.44). Die Ablösung (des III./521 der 296.I.D.)
soll dann in der Nacht zum 6.2. stattfinden (s. Anl. IV 7). So bedauerlich es ist, mit dieser Maßnahme wieder einmal den Ausbildungsbetrieb des AWS beeinträchtigen, zu
müssen - vor der Drohung des Feinddurchbruches südlich der Beresina muß alles andere zurücktreten.
Die zunehmenden Wegeschwierigkeiten lassen im Verein mit der Tatsache, daß seit gestern bei der 3.Pz.Armee die zweite Großschlacht dieses Winters im Raum Witebsk in voller
Härte entbrannt ist, in der kommenden Zeit einerseits mit größeren Schwierigkeiten des Muntionsnachschubs, andererseits mit einer gewissen Verrirngerung der Zuweisung
rechnen. Das AOK weist infolgedessen noch einmal auf die Notwendigkeit allergrößter Sparsamkeit im Verscheiß hin - in allen Abschnitten ohne Kampfhandlungen sollen
scharfe Drosselungsmaßnahmen getroffen werden (s.Anl. IV 4).
Beim XXXXI.Pz.K. ist der eigene Angriff zur Beseitigung des feindlichen Beresina-Brückenkopfes nur wenig vorangekommen (s.dazu Anl. II und IIl).
5.2.1944
KTB 9.Armee.
Die Absetzbewegung der 4.Pz.Div. auf die Tremlja=Stellung ist planmäßig und ohne Feinddruck verlaufen.
Beim XXXXI.Pz.K., wo es noch in den gestrigen Abendstunden gelangen ist, Korma wiederzunehnen und den Einbruch auf Petrowitschi unter Einsatz des G.R.58 aufzufangen und
abzuriegeln, sind erneute feindliche Bereitstellungen vor dem inneren Flügel der 134. und 36.I.D. zu beobachten. Sie werden laufend von der Artillerie unter Feuer genommen;
auch Schlachtflieger beteiligen sich mit mehreren Einsätzen an ihrer Bekämpfung. Leider ist durch die starke Inanspruchnahme der Luftwaffe im Raum Witebsk, wo der Abwehrkampf
der 3.Pz.Armee in unverminderter Härte anhält - eine nur unzureichende Zahl von Jägern verfügbar, so daß der letzte Einsatz der Stukas infolge überlegener feindlicher
Jagdabwehr abgebrochen werden muß. Aus diesem Grunde verbietet sich bedauerlicherweise auch ein Ansatz eigener Schlachtflieger auf die hinter der feindlichen-Front verlaufende
Bahn Kalinkowitschi - Schazilki, die der Gegner - nach Luftaufklärungsmeldungen -inzwischen schon wieder bis Usnash betriebsfähig gemacht hat. Es kann keinem Zweifel
unterliegen, daß seine Nаchschubschwierigkeiten dadurch erheblich geringer werden; man muß infolgedessen mit einen baldigen Anwachsen der feindlichen Artillerietätigkeit auf
Grund verbesserter Munitionsversorgung rechnen.
Um das bisherige Artillerieverhältnis auch dann noch einigermaßen aufrechtzuerhalten, hält das AOK eine weitere Verstärkung der eigenen Artillerie im Abwehrbrennpunkt des
XXXXI.Pz.K. für erforderlich. Es wird deshalb befohlen, die sFH=Abteilung II./63 ("Hummeln"), bisher beim LV.A.K., zum Einsatz auf der Naht 134./ 36.I.D. zum XXXXI.Pz.K. zu
verschieben (OB/Chef, 12.50 Uhr).
Am Nachmittag tritt der Feind aus seinen Bereitstellungen in diesem Abschnitt mit zwei starken Stoßgruppen erneut zum Angriffen. Die erste, die von Osten und Nordosten auf
Korma angreift, kann bis auf einen örtlichen Einbruch in den Ostteil der Ortschaft.
in schweren, wechselvollen Kämpfen abgeschlagen werden, die zweite, im Angriff nach Norden auf den rechten Flügel der 36.I.D., hat nach bis zum Abend vorliegenden, noch
unvollständigen Meldungen Prityka genommen. Konzentrische Gegenangriffe aller verfügbaren Reserven zur Klärung und Bereinigung der Lage sind angesetzt. Die Kämpfe dauern an
(s.Anl. II und III).
Die Bereinigung des feindlichen Brückenkopfes nordwestlich Schazilki macht nur langsam Fortschritte. Eigene Stoßtrupps, die zum Fluß durchzustoßen versuchen, treffen auf
wachsame und starke Abwehr aus zahlreichen in dem unübersichtlichen Gelände eingebauten Widerstandsnestern. Der Oberbefehlshaber weist darauf hin, daß er nichts dagegen
einzuwenden habe, wenn die Bereinigung des Nordufers in wohl vorbereiteten Einzelaktionen erfolge und sich deshalb noch über einige Tage hinziehe, es müsse nur auf alle Fälle
eine weitere Ausweitung des Einbruchsraumes verhindert, und das Ziel, den Gegner restlos über den Fluß zurückzuwerfen, nicht aus dem Auge gelassen werden. Das ХXXV.А.К. baut
heute an einem für Sturmgeschütze brauchbaren Weg und wird morgen seine Angriffe unter Einsatz von Flammenwerfern fortsetzen.
6.2.1944
KTB 9.Armee.
Unter Beibehaltung des Schwerpunktes gegenüber dem inneren Flügel der 36. und 134.I.D. setzt der Feind seine Durchbruchsversuche beim XXXXI.Pz.K. fort. Angriffe euf Korma,
anscheinend infolge wirksamer Bekämpfung der Bereitstellungen nur von schwächeren Kräften geführt, werden abgewehrt. Gleichzeitige stärkere Angriffe beiderseits Petrowitschi
können ebenfalls, z.T. im Nahkampf unter außerordentlich hohen Feindverlusten abgeschlagen werden. Nach Einbruch der Dunkelheit tritt der Gegner nach halbstündigem
Trommelfeuer erneut zum Angriff an und erzielt, während er bei Petrowitschi und an der Rollbahn abgewiesen wird (dort ist inzwischen der Zusammenhang der HKL wiederhergestellt
worden), nordostwärts Korma einen neuen Einbruch, über dessen Ausdehnung infolge Ausfalls der Nachrichtenverbindungen noch, keine näheren Meldungen vorliegen.
Die kampf- und führungsmäßige Schwierigkeit der nun schon über 3 Wochen andauernden Abwehrschlacht südlich der Beresina liegt in dem zunehmenden Längerwerden der HKL, verursacht
einerseits durch das allmähliche Zurückdrängen des rechten Armeeflügels unter Stehenbleiben des XXXV. und LV.A.K., andererseits durch die zahlreichen Einbruchsstellen, deren
Bereinigung zwecks Wiederherstellung einer geraden Front zumeist aus Kräftemangel unterlassen werden muß. Hinzu kommt, daß die Kampfkraft der eigenen, aufs härteste beanspruchten
Truppe immer mehr abnimmt, wohingegen der Feind in der Lage ist,durch kurzfristige Herauslösung und Neuauffüllung seiner Verbände die Angriffe mit immer neuen Kräften zu nähren.
Insbesondere in den Brennpunkten des Kampfes wird deshalb eine Auffrischung auch der eigenen Truppe immer notwendiger. Da eine Ersatzzuführung während des Kampfeinsatzes
erfahrungsgemäß stets besonders hohe Ausfälle unter dem neueingegliederten Ersatz zur Folge hat, bittet der Oberbefehlshaber den Feldmarschall, ihm das nach Paritschi herangezogene
Regiment der 129.I.D. für 8 Tage zur kurzfristigen Ablösung schwer angeschlagener Teile der 134.I.D. zur Verfügung zu stellen, (OB/FM, 19.25 Uhr). Unter der Bedingung, daß die
befohlene Ablösung der 4.Pz.Div dadurch nicht verzögert werde, und mit der Auflage, hierbei die dort noch eingesetzten Splitterteile der 2.Armee dieser wieder zuzuführen - beides
sagt der Oberbefehlshaber zu - genehmigt, der Feldmanschall den Vorschlag. Das AOK wird zur Auffrischung der 134.I.D. das in Kürze eintreffende Marschbatl.1003 verwenden
(s. Anl. IV 1).
Beim XXXV.A.K. ist es den Stoßtrupps der 45.I.D. gelungen, mit Hilfe der Sturmgeschütze und Flammenwerfer die Widerstandsnester längs der Bahn zu vernichten, bis zum Flußufer
durchzustoßen und damit den feindlichen Brückenkopf nördlich der Beresina in zwei Teile zu spalten. Von Osten auf den Bahndamm angreifender Feind wird erfolgreich abgewehrt.
Im Abschnitt der 383.I.D. fühlt der Gegner erstmalig wieder mit zwei kp.-starken Stoßgruppen vor; in beiden Fällen werden die Angreifer schon vor Erreichen des Drahthindernisses
durch das Feuer der schweren Waffen zerschlagen.
Das LVI.Pz.K. meldet weiteres Heranschieben des Feindes an die eigene HKL bei Kolki. Es ist anzunehmen, daß der Gegner durch Auffrischen von Verbänden, die er aus der Front
kurzfristig herausgezogen hat, die Wiederaufnahme seiner Angriffe planmäßig vorbereitet. Örtliche Angriffe, die heute wieder stattfinden (s.Anl. II und III), werden offenbar von
Resten der noch in Front verbliebenen Truppenteilen geführt.
7.2.1944
KTB 9.Armee.
Die Kämpfe im Brennpunktabschnitt des XXXXI.Pz.K. steigern sich zu äußerster Heftigkeit. Mit gegenüber den Vortagen noch verstärkten Kräften und unter Erstreckung seiner Angriffe
auch auf den mittleren Abschnitt der 134.І.D. setzt der Feind seine Durchbruchsversuche nach Norden und Nordwesten fort. An der gestrigen Einbruchsstelle nördlich Korma, die in
den Morgensstunden bereinigt worden ist, wird die Front zwar erneut durch einen Feindangriff aufgerissen (so daß das III./521 (296.I.D.) zum Gegenangriff freigegeben werden muß),
im übrigen aber können alle feindlichen Angriffe, zu denen der Gegner z.B. allein im rechten Abschnitt der 36.I.D. 16-mal antritt, unter Bereinigung örtlicher Einbrüche und z.T.
im erbitterten Nah- und Häuserkämpf blutig zurückgeschlagen werden. Daß es damit euch heute wieder gelungen ist, den vom Feind mit allen Mitteln аngestrebten Durchbruch zu
verhindern, muß als bedeutender Abwehrerfolg gewertet werden. An ihm hat die Artillerie hervorragenden Anteil. (Einzelheiten des Kampfverlaufs s.Anl. II und III).
Größere Bereitstellungen vor der Front der 134.I.D.,
die durch Luftaufklärung erkannt und durch Gefangenenaussagen bestätigt sind, lassen darauf schließen, daß der Feind nach dem erfolglosen Anrennen gegen den rechten Flügel der
36.I.D. unter Fortsetzung seiner dortigen Angriffe seine Durchbruchsversuche nunmehr mit zunehmender Heftigkeit gegen die 134.I.D. richten wird. Da diese auch heute wieder von
Panzern begleitet waren und das AOK mit einem noch stärkeren Einsatz der Panzerwaffe rechnen zu müssen glaubt, wird zur Verstärkung der Panzerabwehr in diesem Abschnitt die
Verlegung der Armee-Pz.Jäg.Abt. in den Raum Tschernin befohlen (s.Anl. IV 1). Zur artilleristischen Verstärkung ist ferner die Verschiebung einer RSO=Abteilung vom LVI.Pz.K.
zum XXXXI.Pz.K. verfügt worden.
Die Heeresgruppe hat die Ablösung der 4.Pz.Div. durch die 129.I.D). nunmehr endgültig befohlen (unter kurzfristiger Belassung eines Rgt. der Division zur Teilauffrischung der
134.I.D.) und den Termin zum Beginn dieser Ablösung auf den 9.2.44 festgesetzt (s.Anl. V 3, fernmdl. vorausgegeben). Die 4.Pz.Piv. soll, um ihrerseits aufgefrischt zu werden,
in den Raum Pinsk=Luniniec verlegt werden. Das AOK ist der Anschauung, daß sowohl der Termin zu früh gewählt sei als auch die Verlegung der neuen Heeresgruppenreserve hinter den
äussersten rechten Flügel der 2.Armee nicht den Erfordernissen der Lage, entspreche. Erstens deshalb, weil der letzte Ersatz für die 129.I.D. erst am 5.2. abends dort eingetroffen
ist und zum Teil noch einer ergänzenden Ausbildung und Umschulung bedarf, bevor eine Verwendung in vorderer Linie verantwortet werden kann, letzteres im Hinblick auf die operative
Bedeutung der derzeitigen Abwehrschlacht südlich der Beresina. Die Durchbruchsabsicht des Feindes auf Bobruisk liegt hier klar zu Tage, und ein Aufhören der feindlichen Amgriffe
ist vorläufig noch nicht abzusehen; eher läßt die Fertigstellung der rückwärtigen Versorgungsbahnlinie noch eine Verstärkung dieser Angriffe erwarten. Demgegenüber bedarf die
eigene, abgekämpfte Truppe immer dringender einer Auffrischung und eines Rückhalts für den Fall größerer Feindeinbrüche. Die Abziehung der Heeresgruppenreserve in einen Raum, von
dem aus ein gegebenenfalls notwendig werdendes Eingreifen nicht mehr rechtzeitig erfolgen kann, am einen Durchstoß zu verhindern, würde die Armee zu weiterer Abziehung von Kräften
aus ihrem Nordabschnitt in den Kampfraum südlich der Beresina zwingen, ohne Rücksicht darauf, daß angesichts der Unmöglichkeit, selbst im Falle eines zunächst nur unbedeutenden
Feindeinbruchs an dieser Front irgendwelche Eingreifreserven anzusetzen, dann dort die Verteidigung auf einer bedenklich unsicheren Grundlage stände. Die Armee würde jedoch zu
dieser Maßnahme deshalb genötigt werden, weil ein feindlicher Durchbruch an der Südfront die Gefahr einer Unterbrechung der Verkehrslinien westlich Bobruisk in sich trüge, wodurch
nicht nur eine Versorgung der beiden Südkorps unmöglich gemacht, sondern auch die Gesamtversorgung der Armee so geschwächt werden würde, daß sich die Widerstandskraft der übrigen
Abschnitte gegen stärkere. Angriffe nicht mehr genügend genährt werden könnte. Die Armee würde sich infolgedessen in der Zwangslage befinden, die operativ wichtigere Abwehrfront
in der klaren Erkenntnis zu verstärken, damit im Nordabschnitt die Voraussetzungen für ein "zweites Studenez " (22.11.43, Durchbruch durch die Ssosh= Stellung) selbst zu schaffen.
Um dieser Zwangslage zu entgehen, richtet des AOK den Antrag an die Heeresgruppe, einerseits den Ablösungstermin um weitere 3 Tage zu verschieben, andererseits die 4.Pz.Div.
nach erfolgter Ablösung im frontnahen Raum zu belassen und dabei wenigstens eine verst. Rgt.Gruppe in die Gegend Paristchi zu legen (s.Anl. V 1 und 2).
Der Heeresgruppenbefehl zur Ablösung der 4.Pz.Div. hat die Anordnung enthalten, "die zur 2.Armee gehörigen Teile" gleichzeitig mit der Ablösung der 2.Armee zuzuführen.
Hier bedarf die Frage, ob damit nur diejenigen Teile, die kriegsgliederungsmäßig zur 2.Armee gehören, gemeint sind (Auffassung des AOK 9) oder alle diejenigen Einheiten, die vor
der Unterstellung der 4.Pz.Div. unter das AOK 9 zur 2.Armee gehört haben (Auffassung des AOK 2), noch der Klärung (Ia/Ia H.Gr., 20.30 Uhr).
Durch eine Gefangenenaussage beim XXXXI.Pz.K. hat das AOK einen interessanten Einblick in die Befehle über die derzeitige sowjetische Angriffstaktik erhalten. Sie bestätigen die
bereits durch eigene Beobachtung festgestellte Änderung des gegnerischen Angriffsverfahrens, nicht mehr im Angriff auf breiter Front, sondern durch Bildung scharfer Stoßkeile den
Erfolg zu suchen. Die feindlichen Angriffsverbände haben Weisung, sobald ein Einbruch erzielt ist, unter schneller Herbeiziehung der übrigen angreifenden Teile von Seiten und aus
der Tiefe zur Einbruchsstelle und durch dichtes Heranhalten der schweren Waffen an die Angriffsspitzen die sofortige Erweiterung des Einbruchs nach seitwärts zum Durchbruch
anzustreben. Bei der dünnen Besetzung der eigenen HKL und dem Mangel an kampfkräftigen Reserven ist diese Taktik besonders erfolgversprechend. Das AOK betont nochmals, wie die
eigene Abwehr dieser Taktik begegnen soll. Durch Heranhalten der örtlichen und Beweglichkeiten der übrigen Reserven unter Koppelung mit Sturmgeschützen, durch sofortigen Gegenstoß
bei feindlichen Einbrüchen, durch Feuerzusammenfassungen der schweren Waffen vor den Einbruchsraum, um das Nachfließen weiterer Kräfte zu verhindern, und endlich durch Ausharren
der schweren Waffen bei Feindeinbrüchen bis zum Herankommen der Reserven. Letzteres soll durch stützpunktartige Herrichtung aller Feuerstellungen erleichtert werden (s.Anl. IV 2).
Im Abschnitt des LVI.Pz.K. setzt der Feind seine gestrigen Angriffe beiderseits Ssawin Rog fort. Mehrere btl.-starke Vorstöße werden unter Abschuß von 2 Panzern abgeschlagen
(s.dazu Anlage II und III). Auf dem rechten Flügel des XXXV.A.K. kann die gestern gewonnene Stellung an der Eisenbahnbrücke gehalten und weiter verstärkt werden. Artillerie bekämpft
mit guter Wirkung im Punktfeuer den noch beiderseits der Bahn befindlichen Feind.
8.2.1944
KTB 9.Armee.
Hartnäckig und unter rücksichtslosem Einsatz seiner Verbände hält der Feind nn seiner Durchbruchsabsicht fest. Der Schwerpunkt Deiner Angriffe liegt wieder bei der 134.I.D. und
36.I.D. Nachdem in der vergangenen Nacht die Einbruchsstelle nördlich Korma abgeriegelt worden ist, berennt der Gegner mit starken, zusammengefaßten Kräften in immer neuen Wellen
die HKL. Die Kämpfe halten den ganzen Tag über an, sie enden wiederum mit einem stolzen Abwehrerfolg: Von einigen kleineren Einbrüchen abgesehen, die im sofortigen Gegenstoß
bereinigt werden, brechen alle Angriffe im Feuer der eigenen Waffen zusammen (Einzelheiten a. Anl. II und III; ferner s. Anl. IV 4). Der Feind hat wieder außerordentlich hohe
Verluste. Auch die etwa 40 Panzer, die er heute in den Kampf geworfen hat, haben den Durchbruch nicht erzwingen könnens 15 davon werden abgeschossen, 5 weitere liegen
bewegungsunfähig im Vorfeld. Sie gehören, wie durch Gefangenenaussagen festgestellt ist, zum I.Gde.Pz.K., dessen Vorhandensein vor, der Südflügel der Armee, z.Zt. vom Obkdo. der
Heeresgruppe bezweifelt, sich nun doch bestätigt. Zur Erhöhung der Panzerabwehrbereitschaft, um deren Herstellung das AOK schon seit einigen Tagen durch Zuführung zahlreicher
Panzerabwehrwaffen eingehend bemüht war, wird jetzt auch die Pz.-Zerzt.Kp. zum Einsatz frei gegeben (Ia/Ia XXXXI, 6.30 Uhr); um die Panzerabwehr unter einheitlicher Führung zu
höchster Wirksamkeit zu bringen- da mit Fortsetzung der Panzerangriffe gerechnet werden muß - wird ferner der Stab der Armee=Pz.=Jäg.=Abt. dem XXXXI.Pz.K. zur Organisierung der
gesamten Panzerabwehr im Abschnitt der 134.I.D. vorübergehend unterstellt (s. Anl. IV 1).
Unter Einbeziehung und in Erweiterung der bisher gegebenen befehle faßt der Ober Befehlshaber die für die Abwehrschlacht südlich der Beresina gültigen Führungsgrundsätze noch
einmal in einer allgemeinen Kampfanweisung zusammen (Anl. IV 2). Es wird darin erneut betont, daß in Hinnblick auf das Ziel dieser Schlacht, den feindlichen Durchbruch auf
Bobruisk mit allen Mitteln zu verhindern,
der Verteidigung auch ungünstiger Linien entscheidende Bedeutung für den Gesamterfolg zukomme. Der Widerstand an diesen Stellen zwinge auch den Feind zum Kampf im ungünstigen
Gelände, er bedeute infolgedessen eine laufende Schwächung des Angreifers und müsse nicht zuletzt als ein Kampf um Zeitgewinn angesehen werden, um durch planmäßigen Ausbau
rückwärtiger Stellungen die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Durchstehen der Abwehr auf lange Sicht und bei noch zu erwartenden verstärkten Angriffen des Gegners zu schaffen.
Durch elastische, rechtzeitige Verschiebung der eigenen Kräfte aus nicht unmittelbar vom Kampf betroffenen Abschnitten an die Abwehrbrennpunkte müsse vermieden werden, daß dort
erfolgende Einbrüche die Zurücknahme anderer Abschnitte erzwangen, die ausgebaut und nicht angegriffen seien. Auch das AOK handle nach dem Grundsatz einer symmetrischen
Kräfteverteilung, indem es seine Reserven jeweils aus nicht im feindlichen Angriffsschwerpunkt liegenden Abschnitten herausziehe. Im äußersten Falle werde man an denjenigen
Stellen eine Frontverdünnung befehlen, wo selbst größere Einbrüche und in deren Folge Stellungszurücknahmen ertragen werden könnten bzw. müßten; entscheidend sei bei allem, die
zusammenhängende Gesamtverteidigung der Armee aufrechtzuerhalten. Nochmals wird darauf verwiesen, daß ein Ausweichen ohne höhere Genehmigung in keinem Fall in Frage komme.
Um aber die Fortsetzung des Abwehrkampfes auch bei weiteren überlegenen Angriffen zu gewährleisten, sei der Ausbau des befohlenen rückwärtigen Stellungssystems beschleunigt
fortzusetzen. Als gelände-und witterungsmäßig einwandfreie Rückhaltstellung für beide Korps soll die in allg. Linie Lutschizy - Ruschitschi - Ssekiritschi -südl. Pesstschanaja
Rudnja - nördl. Prudok verlaufende Stellung ausgebaut werden; als Zwischenstellung ist die in allg. Linie Kolki - Ruschitschi - Ospino - Gorochowischtschi - jetzige HKL
verlaufende Stellung vorgesehen, d.h. also eine Begradigung des vorspringenden Frontbogens vor Mitte und linkem Flügel des LVI.Pz.A. (c dazu Anl. LV 3).
Am rechten Flügel des LVI.Pz.K. schiebt sich der Feind nach einem vergeblichen Versuch, die Brückenstelle Kolki durch einen Angriff in Stärke von zwei Kpn. zu öffnen, mit
schwachen Kräften südl. Kolki über die Tremlja. Infolge der ungünstigen Sumpfverhältnisse gelingt es nicht, ihn zurückzuwerfen (s. Anl.II u. III).
In der Frage der Ablösung der 4.Pz.Div. hat die Heeresgruppe einer Verlegung des Ablösungstermins auf den 12.2. zugestanden (Armeebefehl zur Herauslösung: Anl. IV 13).
Dieser Termin gilt auch für die Herauslösung der zur 2.Armee abzugebenden Einheiten, von denen laut Entscheid der Heeresgruppe etwa die Hälfte der von AOK 2 angeforderten
abgegeben werden müssen. (Ia H.Gr./Ia, 11.15 Uhr, s. im einzeinen Anl. V 2). Da der Befehl zur Verlegung der ganzen 4.Pz.Div. nach erfolgter Herauslösung weiterhin
aufrechterhalten bleibt, denkt das AOK in Erwartung weiterer Angriffe am rechten Armeeflügel daran; in einem neuerlichen Antrag an die Heeresgruppe wenigstens um die Belassung
der Artillerie der Division zu bitten (Vorschlag Harko in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr).
Während es beim XXXV.A.K. nur zu einem vergeblichen örtlichen Angriff mit schwächeren Kräften kommt, tritt der Gegner erstmalig nach langer Kampfpause auch wieder im Abschnitt
des LV.A.K. zu einem .Angriff auf den Nordabschnitt des Dnjepr=Brückenkopfes bei Tursk und Mal. Koslowitschi an, bei dem еs sich jedoch anscheinend nur um einen
esselungsangriff handelt, da ein Heranführen von Kräften aus der Tiefe nicht zu erkennen ist. Der verhältnismäßig starke Kräfteeinsatz allerdings (s.Anl. VII 1) läßt vermuten,
daß der Gegner gleichzeitig örtliche Ziele verfolgt. Ein Einbruch bei Turk kann nach schwerem Gefecht, verengt werden., um eine endgültige Bereinigung sind noch weitere erbitterte
Kämpfe im Gange. Vom AOK ist die Verschiebung einer Mrs.-Bttr. vom XXXV. zum LV.A.K befohlen worden (s. Anl. IV 14). Auch einige Sturmgeschütze sind unterwegs. Gegen Abend
verschärft sich die Lage infolge eines weiteren erfolgreichen Feindangriffs (Chef LV/ Ia, 21.45 Uhr), Das Gen.Kdo. hat alle nur irgend verfügbaren Reserven aus dem gesamten
Korpsbereich herangezogen, u.a. ein Btl. der 31.I.D. Im Hinblick auf die dadurch erfolgte Schwächung des äußersten linken Armeeflügels richtet das AOK die Bitte an die Heeresgruppe,
die Bereitstellung einer Eingreifreserve am rechten Flügel der 4.Armee zu veranlassen (Chef/Ia H.Gr., 23.45 Uhr).
Nach Abschluß des ersten größeren Bandenunternehmens im rückwärtigen Gebiet des LVI.Pz.K. (Unterneimen ''Eisblume"), dessen Ziel, die dort befindlichen Banden nach Westen zu
vertreiben und einen Versorgungsweg nach Glusk freizukämpfen, voll erreicht wurde (vgl. dazu Anl. IV 6), hat die Heeresgruppe die Durchführung einer zweiten Aktion gegen die im
Sumpfgebiet Sshawkowitschi - Ljutan zusammengedrängten angeblich insgesamt etwa 10 000 - 12 000 Mann starken Banden befohlen, an der sich auch Kräfte der 2.Armee und des
Befehlshabers Weißruthenien beteiligen werden. Ziel des Unternehmens ist ein weiteres Zurückwerfen der Banden nach Süden; zu einer Einkesselung und Vernichtung dürften ebenso wie
bei dem ersten Unternehmen die eigenen Kräfte zu gering sein. Die Leitung des Ganzen wird dem Korück übertragen (Einzelheiten s. den Armeebefehl Anl. IV 5).
9.2.1944
KTB 9.Armee.
Trotz wirkungsvoller Bekämpfung feindlicher Ansammlungen und Bereitstellungen vor dem XXXXI.Pz.K. während der Nacht tritt der Gegner, wieder von zahlreichen Panzern begleitet,
schon vor Morgengrauen zur Fortsetzung seiner Durchbruchsversuche an. Auch heute scheitern sie an der zähen Abwehr der unerschütterlich kämpfenden Truppe. Im Abschnitt der
134.I.D., bei Gorochowischtschi und südwestl.Korma, wo der Feind einen Einbruch erzielt hat, kommt es zu schweren Gefechten, die den ganzen Tag über andauern um in deren Verlauf die
Einbruchsstelle im Gegenangriff verengt werden kann; Wieder erleidet der Feind hohe personelle und materielle Verluste, 20 Panzer werden vernichtet (die Pz.-Zerst.-Kp. verzeichnet
heute ihre ersten "Ofenrohr"-Abschüsse), 4 bewegungsunfähig geschossen. Im Abschnitt der 36.I.D;, deren rechten Flügel der Feind, unterstützt, von einzelnen Panzern, ebenfalls mit
stärkeren Kräften angreift, und auch bei der 253.I.D. werden alle Angriffe angewiesen (Einzelheiten s. Anl. II und III). Im ganzen gesehen ist die Wucht der feindlichen Angriffe
heute merklich geringer gewesen, und es scheint, als ob die Angriffskraft des Feindes nun doch allmählich nachließe. Grund zu dieser Vermutung gibt die Kenntnis des feindlichen
Grundsatzes, die Panzer im allgemeinen so lange zurückzuhalten, bis der Infanterie der Durchbruch gelungen ist. Wenn der Feind sie jetzt, ohne daß dies der Fall ist, vorzeitig in
den Kampf wirft, so könnte man annehmen, daß seineinfanterieverbände inzwischen so schwach geworden sind, daß der taktisch unzweckmäßige Einsatz nichts anderes als einen Versuch
der letzten zur Verfügung stehenden stärkeren Kräfte darstellt, den Durchbruch doch noch zu erzwingen (Ia in der Chefbesprrechung, 18.00 Uhr).
Beim LV.A.K. sind, immer noch harte Kämpfe um die Einbruchsstelle bei Tursk im Gange. In wechselvollem Ringen gelingt die Wiederherstellung der HKL infolge erneuter Feindangriffe
auch heute nicht (s.Anl. II und III). Das AOK hat dem LV.A.K. die.6.I.D. unterstellt, um dem Gen.Kde, die Gewinnung weiterer Reserven zum Einsatz an der Einbruchsstelle aus dem
Abschnitt dieser Division zu ermöglichen (c.Anl. IV 1). Auf den gestrigen Antrag des AOK auf Bereitstellung einer Eingreifreserve am Südflügel der 4.Armee teilt die Heeresgruppe mit,
daß sich am rechten Flügel der 267.I.D. eine verst.Kp. und eine Stu.Gesch.Bttr. befinde, die im Falle eines Feindvorstoßes auf die 31.I.D. zur Verfügung stehe. Zur Bereitstellung
weiterer Reserven sei AOK 4 zur Zeit nicht in der Lage (Ia H.Gr./Ia, 11.05 Uhr).
Die Heeresgruppe hat in Abänderung ihres bisherigen Befehls die Verlegung der 4.Pz.Div. nicht in den Raum Pinsk - Luniniec, sondern in den Raum um Minsk ngeordnet. Die Maßnahme
entspricht zwar nicht dem Antrag des AOK, das um Belassung der Division im frontnrhen Raum der Armee gebeten hatte, sie birgt aber immerhin den Vorteil in sich daß im Falle eines
etwa notwendig werdenden Einsatzes der Div. südlich der Beresina ihr Antransport angesichts der günstigen Bahnverbindungen weit schneller vor sich gehen könnte.
10.2.1944
KTB 9.Armee.
Die Annahme, daß die am 16.1. begonnene Abwehrschlacht südlich der Beresina ihren Höhepunkt nunmehr überschritten habe, scheint sich zu bestätigen. Zwar hat der Feind nach heftiger
Art.-und Gr.W.-Feuervorbereitung während der Nacht seine starken, von Panzern unterstützten Angriffe wiederholt; nachdem jedoch auch diese Angriffe, wieder unter erheblichen
Feindverlusten, abgeschlagen worden sind, seine Durchbruchsversuche nicht mehr fortgesetzt.-Verstärkungen, die er z.T. unter Anwendung künstlichen Nebels, tagsüber in den
Einbruchsraum nachführt, werden laufend durch eigene Artillerie unter Feuer genommen. Der vom XXXXI.Pz.K.zur Bereinigung des Einbruchs eingesetzte planmäßige Gegenangriff, der am
Abend beginnt, kommt gut voran und führt noch im Laufe der Nacht zum Erfolg: es gelingt, die alte HKL fast ganz wieder in die Hand zu bekommen (O1/Chef, 11.2., 0.45 Uhr; s.a.
Anlage II und III v. 11.2.44). Die feinlilichen Panzerverluste von gestern haben sich auf 50 abgeschossene und 2 bewegungsunfähige Panzer erhöht; auch heute sind wieder 5 Panzer
vernichtet worden. Damit dürfte ein immerhin erheblicher ?eil des Pnzerbestandes des I.Gde.Pz.K., das offenbar die letzte Stoßreserve des Gegners darstellte, außer Gefecht gesetzt
sein - man kann deshalb damit rechnen,- daß der Feind nunmehr zunächst zu einer Unterbrechung seiner Angriffe gezwungen sein wird. Auch bei der 36.I.D. haben nur schwächere,
erfolglose Angriffe stattgefunden.
Der Oberbefehlshaber hat heute in Bobruisk eine Zusammenkunft mit dem Feldmarschall, Gegenstand der Besprechung sind Fragen der Kampfführung südlich der Beresina, insbesondere die
bevorstehende Ablösung der 4.Pz.Div. durch die 129.I.D. Auf Antrag des Oberbefehlshabers gibt der Feldmarschall sein Einverständnis, daß ein verst.Rgt. der 4.Pz.Div. nach erfolgter
Ablösung einstweilen im Raum Psritschi belassen wird (s. Anl. V 5), weiterhin, daß das Art.Rgt. der 4.Pz.Div. auch nach Eintreffen der 129.І.D.vorläufig noch im Einsatz bleibt.
Der Oberbefehlshaber weist ferner darauf hin, daß die derzeitige HKL der 35. und 110.I.D. gelände- und ausbaumäßig sehr ungünstig sei, und daher übermäßig an den Kräften der Truppe
zehre. Er bittet deshalb um die Erlaubnis zur Begradigung der Korpsfront auf die allgemeine Linie Ruschitschi - Ospino - Gorochowischtschi, sobald diese fertig ausgebaut sei (dies
kann in etwa 8 Tagen der Fall sein; Chef LVI/ Ia, 23.50 Uhr). Der Feldmarschall steht dem Vorschlag an sich nicht ablehnend gegenüber, wünscht jedoch zunächst noch eine kartenmäßig
belegte schriftliche Vorlage, da er die Genehmigung des OKH herbeiführen will. Vom AOK ergeht daraufhin der Befehl an das LVI. und XXXXI.Pz.K (letzteres wäre an seinem äußersten
rechten Flügel ebenfalls an der Frontzurücknahme beteiligt), die angegebene Linie (im einzelnen s. Anl. I op.) beschleunigt auszubauen. Um schon jetzt dem XXXXI.Pz.K. die Möglichkeit
zu geben, einzelne Btlne. zur kurzfrisrigen Auffrischung aus der Front zu ziehen, ist die Üernahme eines Btl.Abschnittes an der Korpsnaht durch das LVI.Pz.K. engeordnet worden.
Zum Ausgleich der immerhin erheblichen Abgaben des LVI.Pz.K. an die 2.Armee, die ab 12.2. erfolgen sollen (darunter Stu.Gesch.Abt.909), wird die Verschiebung der Stu.Gesch.Abt.909
vom XXXXI.Pz.K. zum LVI.Pz.K. befohlen (s.dazu Anl. IV 8, IV 2 und IV 1).
Beim LV.A.K. ist an der Einbruchsstelle Tursk die Lage ziemlich unverändert geblieben. Nachdem ein Vorstoß des Gegners in der vergangenen Nacht abgewiesen worden ist, haben tagsüber
keine weiteren Angriffe stattgefunden. Eigene Artillerie und schwere Infanterie-Waffen bekämpfen laufend den Feind in der Einbruchsstelle. Am Abend wird ein erneuter Vorstoß
abgeschlagen. Das Gen.Kdo.LV.A.K. beabsichtigt, unter Unterstellung des gesamten Kampfabschnittes Turek unter die 296.I.D., die Wiederinbesitznahme der alten HKL zunächst durch
planmäßiges Zermürbungsfeuer vorzubereiten.
11.2.1944
KTB 9.Armee.
Der Feind hat seine Angriffe südlich der Beresina eingestellt. An der gesamten Front der beiden Südkorps kommt es, abgesehen von einem im sofortigen Gegenstoß bereinigten nächtlichen
Einbruch bei Ssossnowka, nur noch hier und da zu kleineren örtlichen Gefechten. Feindliche Ansammlungen im alten Schwerpunktabschnitt werden teils von eigener Artillerie unter Feuer
genommen, teils von Stukas wirkungsvoll mit Bomben belegt.
Die Frage, ob damit die Abwehrschlacht südlich der Beresina bereits ihr Ende gefunden hat, läßt sich allerdings wohl kaum bejahen. Ihre erste Phase ist zu Ende, angesichts der in
diesem Raum immer noch vorhandenen feindlichen Kräftemassierung muß jedoch damit gerechnet werden, daß der Gegner nach Umgruppierung, Auffrischung und Munitionierung seiner Verbände
erneut zum Durchbruchsversuch ansetzen wird. Immerhin dürfte eine Kampfpause eintreten.
Mit Stolz kann die Armee auf den Erfolg der 26=tägigen Abwehrschlacht zurückblicken. Den 6 Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K., verstärkt durch 6 Bataillone des LV. und XXXV.A.K.
sowie durch Sicherungs- und Alarmeinheiten, standen auf sowjetischer Seite 29 S.D., 1 S.Brig., 1 Pz.K., 2 selbst.Pz.Rgter., 1 Art.Div. und Teile von 2 Flak-Divn. gegenüber; sie
vermochten jedoch im Endergebnis nicht mehr als einen durchschnittlich, etwa 10 km tiefen Geländestreifen zu gewinnen - der erstrebte Durchbruch blieb ihnen versagt. Die Kämpfe fanden
unter schwersten Bedingungen statt. Bei Witterungs- und Geländeverhältnissen, die es den Grenadieren infolge des Wasserstandes in weiten Abschnitten kaum möglich machten, sich
hinzulegen geschweige denn sich einzugraben, die bei Temperaturen um 0 Grad den Kämpfer oft knietief im Sümpf einsinken ließen, haben die Divisionen des LVI. und XXXXI.Pz.K, in
erbitterter. Ringen unter heldenhaftem Einsatz jedes einzelnen Soldaten und gehalten von einen unbeugsamen willen aller Führer dem Feind in Abwehr und Gegenangriff hohe Verluste
zugefügt und ihn endlich zur Einstellung seiner Angriffe gezwungen. Im südlichen Abschnitt trugen die 4.Pz.Div, und die 35.I.D., im nördlichen Abschnitt die 134. und 36.I.D. die
Hauptlast des Kampfes.
Gegenüber 7100 eigenen blutigen Verlusten und starken Ausfällen durch Erkältungskrankheiten büßte der Feind nach vorsichtiger Schätzung insgesamt über 50 000 Mann ein, davon etwa
16 000 geschätzte Tote (5635 gezählte Tote), außerdem 630 Gefangene und Überläufer. An Material verlor er 111 Panzer, 74 Geschütze, 652 MG, 545 MPi, 124 Pz.B. und 37 Gr.W.
Die Feststellung der Feindverluste ist, infolge der Unübersichtlichkeit des Geländes, allerdings, nur als Teilmeldung zu werten, ebenso stellen die Materialverluste nur einen
Bruchteil des wirklichen Erfolgs dar, da von der Zählung nur die in eigene Hand gefallenen Waffen erfaßt wurden. Die wirklichen Verluste müssen als wesentlich höher angenommen werden.
An der Front des XXXV. und LV.A.K. kommt es heute nur zu örtlichen Kampfhandlungen (s.Anl. II und III).
12.2.1944
KTB 9.Armee.
Die Kampfpause hält an. Von einigen nächtlichen Vorstößen im Abschnitt der 134 und 36.I.D. abgesehen, Verzeichnet die Front, tagsüber keine besonderen Kampfhandlungen. Leider läßt
die Wetterlage einen näheren Einblick ins feindliche Hintergelände nicht zu, so daß nicht ersichtlich ist, ob dort größere Ablösungs- oder Umgruppierungsbewegungen stattfinden.
Erneutes Auftreten zweier erst vor wenigen Tages zur Auffrischung aus der Front gezogenen -Divisionen (s. Ic=Meldungen) läßt auf die Absicht des Gegners schließen, vor der
Angriffsfront die abgekämpften Verbände möglichst bald zu ersetzen. Anzeichen für eine neue Schwerpunktbildung liegen noch nicht vor.
Heute ist die g.Kdos.-Chefsache (Anl. IX) beim AOK eingegangen. Weitergabe erfolgt mündlich.
13.2.1944
KTB 9.Armee.
Während an der gesamten Armeefront auch heute wieder fast völlige Kampfruhe herrscht, bestätigen erste, zunächst noch unsichere Nachrichten die Annahme, daß der Feind bereits wieder
begonnen hat, neue Angriffe im Kampfraum südlich der Beresina vorzubereiten. Es scheint, als ob sich ein Kräfteschwerpunkt auch am linken Flügel des LVI.Pz.K. bilde: nach V-Mann-
Aussagen befinden sich die seit längerer Zeit in Front nicht mehr bestätigte 37. und 75.Gde. S.D. mit einer Anzahl von Heerestruppen im Raum Mechowschtschina; nach s.Qu. werden
Pionierkräfte der 48. sowj. Armee in den Raum Karmowitschi verlegt. Es scheint deshalb nicht ausgeschlossen, daß der Gegner seine Angriffe auch im Zuge der Straße Karmowitschi —
Prushinischtsche wieder aufzunehmen gedenkt. Der auf der Straße Osaritschi - Lessez seit mehreren Tagen beobachtete lebhafte Verkehr von mot.- und Bespannfahrzeugen in nördlicher
Richtung würde zu dieser Vermutung passen. Andererseits sind jedoch Anzeichen für eine Auflockerung des bisherigen feindlichen Schwerpunkts nordwestl. Kobylschtschino noch nicht
vorhanden, so daß, unter Ausdehnung der Angriffe auf die Front südwestl. und westl. Kobylschtschina, der Hauptstoß nach wie vor an dieser Stelle erwartet werden muß. Der bereits am
10.2. dem Feldmarschall vom Oberbefehlshaber mündlich vorgetragene Antrag auf Genehmigung der Frontzurücknahme bei der 35. und 110.I.D. geht heute in schriftlicher Formulierung an
die Heeresgruppe. Es wird darin nochmals betont und eingehend begründet, daß die dortige HKL in ihrem derzeitigen Verlauf.auf Grund der Geländegestaltung und des Kräfteeinsatzes
nicht die Gewähr biete, starke Feindangriffe auf die Dauer erfolgreich, abzuweisen. Infolge des sumpfigen Untergrundes sei in der jetzigen Stellung nur der Bau von aufgesetzten
notdürftige Unterkünften möglich gewesen. Die neue HKL verfüge demgegenüber, sobald ihr Ausbau - etwa am 17.2.,- beendet sei, nicht nur über zahlreiche Kampfanlagen und heizbare
Unterkünfte, sondern besitze auch ein gutes Schußfeld und werde außerdem die Herauslösung wenigstens einen Bataillons gestatten, das als Reserve auf der Naht LVI./XXXXI.Pz.K.
bereitzustellen wäre. Im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit des baldigen Wiederauflebens der Kämpfe und unter Berücksichtigung der infolge der hohen Verluste immer noch geringen
eigenen Gefechtsstärken betont das AOK ferner, daß es darüber hinaus die Bereitstellung einer verst. Rgt.Gruppe der 4.Pz.Div. als Eingreifreserve hinter dem voraussichtlichen
Schwerpunktabschnitt wenigstens so lange für erforderlich halte, bis die im Gang befindliche kurzfristige Auffrischung der eigenen Verbände beendet sei - was noch etwa 10 Tage dauern
werde, (s. dazu im einzelnen Anl. V 1).
14.2.1944
KTB 9.Armee.
Bei weiter andauernder Kampfruhe verfolgt des AOK mit größter Aufmerksamkeit die Entwicklung des Feindbildes vor der Armeefront, da es entscheidend darauf ankommt, die feindlichen
Absichten rechtzeitig zu erkennen, um ebenso rechtzeitig die erforderlichen Gegenmaßnahmen zu treffen. Leider erlaubt das diesige Wetter, das schon in den vergangenen Tagen und
Wochen einen Einsatz der Luftwaffe zum Kampf oder zur Aufklärung nur in verschwindend geringem Umfang zuließ, auch heute, nur einen kurzfristigen Einblick in das feindliche
Hintergelände, so daß die Aufklärung -- vorwiegend auf Erdbeobachtung, s.Qu., V-Mann-Meldungen und Gefangenenausssagen beschränkt, wieder nur recht magere Ergebnisse erringt.
Las Hauptinteresse gilt der Feindlage südlich der Beresina. Hier deutet manches darauf hin, daß die Vorbereitungen des Gegners für eine Fortsetzung seiner Angriffe bereits wieder
kurz vor dem Abschluß stehen, und zwar beiderseits der Korpsnaht LVI./XXXXI.Pz.K. Nach.s.Qu. ist hier morgen weiteres Einschießen der feindlichen Artillerie im Raum Dubrowa (134.
und 36.I.D.) befohlen; starke Ansammlungen im Abschnitt Lessez - Kbylschtschina und dort zu beobachtender lebhafter Verkehr lassen auch gegen den linken Flügel des LVI.Pz.K.
baldige Angriffe erwarten (s. dazu die Ic=Meldungen).
Zur vorbeugenden Verstärkung der Abwehr in diesem voraussichtlichen Schwerpunktabschnitt befiehlt das AOK, die erste herauszulösende Rgt.Gruppe der 4.Pz.Div., die an sich nach
Paritschi verlegt werden sollte, nur bis hinter den linken Flügel.des LVI.Pz.K. in den Raum Mikul Gorodok zu verschieben. Ferner, wird dem LVI.Pz.K. aufgegeben, für den Fall eines
starken feindlichen Angriffs gegen den linken Korpsflüge1 das kurzfristige Herauslösen mindestens eines kampfstarken Btl. aus dem übrigen Abschnitt kalendermäßig vorzubereiten
(s.Anl. IV 1 und 2; s.a.Anl. X, OB/ KG LVI, 20,10 Uhr).
Am späten Abend treffen allerdings Luftaufklärungsergebnisse ein, die eine Änderung der bisherigen Lagebeurteilung geboten erscheinen lassen. Auswertung heute erflogener Luftbilder
hat im artilleristischen Feindbild eine Verschiebung zahlreicher Batterien aus dem Abschnitt vor dem linken Flügel der 110.I.D. in den Raum Dubrowa ergeben (Harko/Chef, 15.2.,
0.40 Uhr). Danach sieht es so aus, als ob sich der Hauptstoß doch gegen, die 134. und 36.I.D. richten würde; eine Vermutung, mit der die erdbeobachteten NordBewegungen vor dem linken
Flügel des LVI.Pz.K. im Einklang stehen. Zur sofortigen Bildung eines artilleristischen Abwehrschwerpunktes auf der Naht 134./36.I.D. werden deshalb Teile-des Art.Rgt. der 4.Pz.Div.,
bisher beim LVI.Pz.K., beschleunigt heranbefohlen (s.Anl. VII 5 und 7), ferner wird die Verschiebung einer Mrs.Abt. vom XXXV.A.K. und die Heranziehung einer Abt. des A.R.zum XXXXI.Pz.K.
angeordnet (Chef/Harko, 15.2., 0.50 Uhr; OB/ Chef, 15.2., 0.55 Uhr; s.Anl. VII 4 und 6).
Beim LV.A.K. sind vor der Brückenkopffront ebenfalls Feindbewegungen in nördlicher Richtung zu beobachten. Neue Druckpunkte scheinen sich bei Schaptschizy, wo die Bewegungen besonders
lebhaft sind, ferner bei Sswershen abzuzeichnen, wo das Feindverhalten (nach s.Qu.) auf eine örtliche Schwerpunktbildung hindeutet, die weiterer Beobachtung bedürfen wird,
15.2.1944
KTB 9.Armee.
Die Umrisse des Feindbildes werden allmählich deutlicher. Die vermutete Kräfte Verschiebung aus dem Abschnitt des LVI.Pz.K. nach Norden wird durch zahlreiche Einzelaufklärungsergebnisse
bestätigt, insbesondere durch die endgültige Feststellung einer bisher vor der Mitte des LVI.Pz.K. stehenden Division im Raum ostwärts Prushinischtsche (s. Anl. VII,1).
Die Heranziehung zweier anderer ebenfalls bisher vor dem LVI.Pz.K. befindlichen Divisionen vor dem rechten Flügel des XXXXI.Pz.K, ist wahrscheinlich (s. Ic=Zwischenmeldung).
Vermehrter Art.Einsatz und Einschießen der Feindartillerie lassen jedenfalls erkennen, daß in diesem Abschnitt eine erhebliche Zusammenballung gegnerischer Kräfte erfolgt ist.
Die Maßnahmen, mit denen das AOK die Bildung des neuen Schwerpunktes beantwortet, sind wesentlich bestimmt durch die z.Zt. im Gang befindliche Ablösung der 4.Pz.Div. durch die 129.I.D.
und durch den von der Heeresgruppe noch immer aufrechterhaltenen Befehl, die 4.Pz.Div. zur Auffrischung in den Raum Minsk zu verlegen. Erste Teile der Versorgungstruppen befinden sich
bereits im Marsch zum Verladebahnhof Bobruisk, das Pz.Gren.Rgt.12 dagegen, das man innerhalb der Grenzen des vorgesehenen Zeitplans noch möglichst lange zur Verfügung haben will und das
heute auf Grund der gestrigen Weisung den Raum Mikul Gorodok (hinter linkem Flügel LVI.Pz.K.) erreicht, erhält - mit Genehmigung der Heeresgruppe - den Befehl zum Weitermarsch nach Wjashny
(hinter rechtem Flügel XXXXI.Pz.K.); auch die Pz.A.A.4 soll nach erfolgter Ablösung zunächst in den Bereich des XXXXI.Pz.K. verlegt werden (s.Anl. IV 3). Das XXXXI.Pz.K., dem beide Verbände
als Armeereserve unterstellt werden, hat Befehl, sie so bereitzustellen, daß ihr schneller Einsatz zum planmäßigen Gegenangriff oder zur Abriegelung von Einbrüchen im Abschnitt der 134 und
36.I.D. sowie am Nordflügel der 110.I.D. jederzeit gewährleistet ist.
Im Hinblick аuf die Auflockerung der Feindkräfte am rechten Armeeflügel beabsichtigt das AOK gegebenenfalls sogar noch eine weitere Verstärkung des XXXXI.Pz.K. auf Kosten des LVI.Pz.K.
vorzunehmen, und zwar durch Herauslösung auch des zweiten Rgt. der 4.Pz.Div. (Pz.G.R.33) ohne Zuführung des zweiten Rgt. der 129.I.D. (G.R. 428); sein Abschnitt soll durch Streckung der
übrigen Teile des LVI.Pz.K. übernommen werden. Eine Entscheidung über diesen Plan, der (auf Grund einer abweichenden Feindbeurteilung) auf lebhaften Widerstand des LVI.Pz.K.' stößt, ist
jedoch noch nicht gefallen, es soll auch zunächst der Entscheid über den endgültigen Auffrischungsraum der 4.Pz.Div. abgewartet werden, der voraussichtlich morgen eintreffen wird (
Ia H.Gr./ Ia, 16.2.; 0.20 Uhr).
An weiteren Maßnahmen zur Verdichtung des Abwehrschwerpunktes wird die Verlegung der s.Pz.Jg.Abt. 665 in die Nähe der Korpsgrenze undd die Zuführung einer s.Kan.Bttr. sowie einer weiteren
Mrs.Bttr. vom LV.A.K. befohlen (s.,Anl. IV 1, VII 1, VII 4). Zur Sicherstellung der einheitlichen artilleristischen Führung beiderseits der Naht LVI/XXXXI.PZ.K. wird ab morgen der
Höh.Art.Kdr.307 eingesetzt werden (s. Anl. IV 2), während das XXXXI.Pz.K. Befehl erhält, seinen Art.Kdr. zur einheitlichen Leitung des Art.Feuers an der Naht 134./36.I.D. einzusetzen
(Chef/Ia XXXXI., 16.2., 0.10 Uhr). Da das AOK Sorgen hat, bei einem feindlichen Großangriff nicht über genügend le.F.H.Mun., die infolge der schweren Kämpfe beim Pz.AOK 3 nicht mehr in
ausreichendem Maße zugeführt worden ist, zu verfügen, und da ferner eine wirksame Bekämpfung der feindlichen Artillerie vor Beginn des Angriffs dringend geboten erscheint, ist die
Heeresgruppe um Zuführung entweder von zwei s.F.H.-Abteilungen (für die mehr Munition vorhanden ist) oder um eine erhöhte Munitionszuweisung für le.F.H. gebeten worden (Chef/Ia H.Gr.,
12.05 Uhr). Die Heeresgruppe erklärt zu der ersten Bitte, sie allenfalls nach Abklingen der Kämpfe bei der 3.Pz.Armee erfüllen zu können, dem Antrag auf Munitionszuführung dagegen wird durch
Zuweisung eines an sich für die 4.Armee bestimmten le.F.H.-Zuges versprochen, wodurch, das AOK in den Stand gesetzt wird, beiden Südkorps gewisse Kontingente zur Art.Bekämpfung freizugeben
(s.Anl. VII 3 und 5;- ferner Anl. X, OB/Chef, 16.2., 1.10 Uhr).
Der Antrag des AOK auf Genehmigung einer freiwilligen Zurücknahme der Front im mittleren und linken Abschnitt des LVI.Pz.K. ist vom Feldmarschall vorläufig abgelehnt worden. Der Feldmarschall
hält den hierbei zu erzielenden Vorteil der Gewinnung nur eines Reservebataillons für zu gering, um die Zurücknahme zu rechtfertigen, da sie beim Feind sofort ebenfalls Kräfte freimache, und
zwar umso mehr, als das Ausweichen, hinter den Sumpfabschnitt dem Gegner allzu deutlich die eigene Nur-Verteidigungs-Absicht ersichtlich machen würde. Er erkennt allerdings an, daß mit dem
Eintritt der Schlammperiode die Zurücknahme wohl notwendig und zweckmäßig sein würde (FM/OB, 20.10 Uhr). Der Ausbau der rückwärtigen Stellung soll infolgedessen fortgesetzt werden.
Beim LV.A.K. nehmen die Anzeichen für das Bevorstehen eines feindlichen Angriffs ebenfalls allmählich zu. Luftaufklärung beobachtet stärkeren Kfz.Verkehr und Truppenansammlungen im Raum Dowsk.
16.2.1944
KTB 9.Armee.
Des Feindbild іш Abschnitt südlich der Beresina bestätigt sich. Bei infanteristisch ruhigem Tagesverlauf schießt sich die sowjetische Artillerie mit Kaliber bis zu 15 cm auf den linken Flügel
der 110.I.D. und den rechten Flügel der 36.I.D. ein. Aus dem Abschnitt der 134.I.D. wird lebhafteres Granatwerferfeuer im Raum Goroowischtschi gemeldet. Die zur Verdichtung des
voraussichtlichen Abwehrbrennpunktes heranbefohlcnen eigenen Vеrstärkungen treffen ein.
Im Abschnitt des XXXV.A.K. ist der Feind an einzelnen Stellen unruhiger geworden (s.Аnl. III). Die Möglichkeit eines örtlichen Fesselungsangriffs erscheint nicht ausgeschlossen. Angesichts
der geringen Frontdichte befiehlt das AOK, die Verschiebung einer Bttr. der Stu.Gesch.Brig.185 vom XXXXI.Pz.K. zum XXXV.A.K. (s.Anl. IV 1). Als Ausgleich wird eine weitere Bttr. der
Armee-Pz.Jäg.-Abt.743 dem XXXXl.Pz.K. unterstellt, so daß das Korps jetzt über den Stab und zwei Bttr. verfügt; eine Bttr. bleibt weiterhin Armeereserve.
An der Dnjepr=Front sind wieder besonders auffällige Bewegungen im Abschnitt der 110.I.D. zu beobachten. Einzelne Panzer sind bei Schaptschiry aufgetaucht, südwestl. Sswershen baut der Gegner
nach Meldungen der Luftaufklärung drei Brücken und zwei Stege. All das bestätigt die vermuteten feindl. Angriffsabsichten. leider muß die Luftaufklärung wegen starker feindl. Luftabwehr im
Laufe des Tages abgebrochen werden.
17.2.1944
KTB 9.Armee.
Die Kampfpause hält an. An der Front südlich der Beresina sind außer lebhafterem feindlichen Störungsfeuer nur zwei kp.-starke, erfolglose Erkundungsvorstöße das Gegners im Abschnitt der
110.I.D. und 253.I.D. (südostw. Prushinischtsche und in der Waldbrücke ostw. Jaswin) zu verzeichnen. Eigene Artillerie nimmt durch Luftaufklärung gemeldete Feindansammlungen wirksam unter Feuer.
Nach V-Mann=Meldungen und s. Qu. hat der Feind weitere Verbände in den Schwerpunktraum Kobylschtschina verlegt; offenbar ist er bemüht, diesmal den Erfolg seiner bisher vergeblichen
Durchbruchsversuche durch einen möglichst starken Aufmarsch sicherzustellen.
Die Heerestruppe, die noch gestern auf ihrem Befehl, die 4.Pz.Div. zur Auffrischung in den Raum Minsk zu verlegen, ausdrücklich bestanden hat - woraufhin die ersten zwei Züge bereits abgerollt
sind -, teilt mit, daß auf Grund der inzwischen eingetretenen Entspannung der Lage bei der 3.Pz.Armee. dem Antrag des AOK, die Division als Armeereserve im frontnahen Raum zu belassen, nunmehr
doch entsprochen werden könne (Ia H.Gr./Ia, 10.25 Uhr). Als Auffrischungsraum wird das Gebiet um Bobruisk befohlen, wobei die Heeresgruppe damit einverstanden ist (da die Division kaum
Personalersatz erhalten, ihre Auffrischung vielmehr vorwiegend in einer Generalüberholung der Kfz. bestehen wird), daß unter Abschub der instandsetzungsbedürftigen Kfz. in die Bobruisker und
Minsker Werkstätten die Kampfteile der Division im Raum südlich Paritschi verbleiben. Vom AOK wird diese Entscheidung außerordentlich begrüßt, da sie der Front des XXXXI.Pz.K. und LVI.Pz.K.,
die einem neuen sowjetischen Großangriff entgegensieht, einen erfreulichen Rückhalt gibt. Falls ein weiteres Andauern der Kampfpause die Herauslösung des zweiten, jetzt noch beim LVI.Pz.K,
eingesetzten Pz.Gren.Rgts . gestatten sollte, ist die Zusammenziehung der gesamten Divisicn hinter dem XXXXI.Pz.K. beabsichtigt (Chef/ Chef XXXXI, 20.55 UHr), um sie im Falle eines Einbruchs
beim XXXXI.Pz.K. oder auf dem linken Flügel des LVI.Pz.K. geschlossen zum Abriegeln oder zum Gegenangriff ansetzen zu können (s. Anl. IV 3).
Von der Heeresgruppe ist ferner die Zuführung einer s.Art. Abt. vom Pz.AOK 3 in Aussicht gestellt worden (OB/Chef, 18.2., 00.50 Uhr). I .
Beim LV.A.K. liegen weitere Anzeichen feindlicher Angriffsvorbereitungen an der Dnjepr=Front vor (s.d. Ic=Meldungen). Wie weit die Vorarbeiten schon gediehen sind, ist noch nicht zu übersehen.
Möglich, daß sie schon verhältnismäßig weit fortgeschritten und lediglich wegen der Undurchführbarkeit eigener Luftaufklärung in der letzten Zeit noch nicht in vollem Umfang erkannt sind;
möglich aber auch, daß der feindliche Aufmarsch jetzt erst anfängt - denkbar, daß es sich vorerst nur um einen Versorgungsaufmarsch handelt (Chef/Chef LV, -23.55 Uhr).
Seit dem Aufhören des Großkampfs südlich der Beresina ist das AOK um die Rückführung der im Verlauf der Abwehrschlacht den beiden Südkorps zugeführten Verstärkungen zu ihren Stammdivisionen
bemüht. Die angestrebte Ordnung der Verbände ist zwar angesichts des bevorstehenden Feindangriffs schwierig, soll aber im Hinblick auf die beim LV.A.K. ebenfalls gespannte Lage wenigstens
teilweise durchgeführt werden. Das Div.Füs.Btl. ist bereits heute wieder beim LV.A.K. eingetroffen (s. dazu Anl. IV 3 v. 14.2.44); nunmehr wird auch die Rückführung des III./521 zum LV.A.K.
befohlen (i.Anl. IV 1). Das zum XXXV.A.К. gehörige III./533 soll - als Armcereserve - zunächst in seinem jetzigen Raum verbleiben und dort eine gewisse Auffrischung erfahren (s.Anl. IV 2).
Der Oberbefehlshaber befindet sich heute zu einer Armeeführerbesprechung beim Oberbefehlshaber der Heeresgruppe in Minsk.
18.2.1944
KTB 9.Armee.
Nach Gefangenaussagen und s.Qu. hat der Feind sеine Angriffsvorbereitungen im Schwerpunktraum Kobylschtschina-Dubrowа nunmehr abgeschlossen, Angriffsvorzeichen werden jetzt auch am Südflügel
des LVI.Pz.K. erkennbar. Aus dem Auftreten neuer Feindverbände am rechten Korpsflügel kann eine Verlegung der Grenze zwischen der 61. und 65. sowj. Armee und die Bildung eines neuen
Schwerpunktes im Raum vor der 129.I.D., möglicherweise mit Stoßriechtung in den Rücken der 2.Armee, vermutet werden; V=Mann=Nachrichten zufolge soll der Gegner dorthin auch; schon Panzer und
Salvengeschütze herengezogen haben (s.d. Ic-Meldungen).
Das Bild ist im einzelnen noch unklar; es erscheint jedoch geraten, mit Rücksicht auf diese-neue Bedrohung der Südfront die geplante Herauslösung des Pz.Gren.Rgt.33 vorerst zu unterlassen
(OB/Chef, 19.00 Uhr). Die angestrebte Wiedervereinigung sowohl der 129.I.D. als auch der 4.Pz.Div. ist allerdings damit vorläufig unterbunden, da das noch heim XXXXI.Pz.K., befindliche
zweite Rgt. der 129.I.D. (G.R.428) ebenfalls zunächst dort bleiben muß. Zur weiteren Erhöhung der Abwehrbereitschaft erhält das LVI.Pz.K. den Befehl, hinter seinem linken Flügel noch zwei
Bataillone als Reserven bereitzustellen (OB/KG LVI, 21.00 Uhr;s.Anl. IV 1).
Eine zusätzliche Sorge erwächst dem AOK aus den fortdauernden feindlichen Angriffsvorbereitungen an der Dnjepr=Front. Auch hier muß in nicht allzu langer Zeit mit einem feindlichen Angriff
gerechnet werden. Mit Nachdruck betreibt der Gegner seine Brückenbauarbeiten weiter. Obwohl es heute nacht gelungen ist, mit Hilfe eines von einem Stoßtrupp mitgenommenen Artilleriebeobachters
die in der Dnjepr=Schleife bei Sswershen befindliche Brückenstelle zwei Stunden lang erfolgreich unter Art.Feuer zu nehmen, weiß man аus s.Qu., daß die Pioniere des Feindes Befehl haben, ohne
Rücksicht auf Verluste und Schäden weiterzubauen.
Die Vermutung liegt nahe, daß der Gegner den Beginn seiner Angriffe südlich der Beresina nur deshalb hinauszögert, um die Angriffsplanung gegen die Front des LV.A.K. unter Beschleunigung der
Brückenbauarbeiten und Heranführung neuer Kräfte zeitlich . darauf abzustimmen und eine gemeinsame Operation mit zentraler Stoßrichtung Bobruisk durchzuführen. Da zur Abwehr eines derartigen
Doppelangriffs die Kräfte der Armee bei weitem nicht ausreichen würden - sie sind ja in der Masse südlich der Beresina gebunden -, hat die Heeresgruppe ihrerseits Maßnahmen zur Stützung der
Abwehr an der Dnjepr-Front eingeleitet. Die 5.Pz.Div., die in diesen Tagen bei der 2. Armee zur Auffrischung aus der Front herausgelöst wird, soll nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in den
Raum Pinsk, sondern in den Raum um Bobruisk verlegt werden, außerdem ist die Verschiebung der z.Zt. noch bei der 3.Pz.Armee befindlichen 20.Pz.Div. hinter den rechten Flügel der 4.Armee
angeordnet. Die Verbände der Luftflotte, die bisher schwerpunktmäßig beim Pz.AOK 3 eingesetzt waren, werden baldigst weiter südlich gelegene Absprunghäfen, die ein Wirksamwerden vor der
gesamten Front der 9.Armee gestatten, beziehen und endlich wird noch eine Stu.Gesch.Brigade (600) von der 4.Armee dem LV.A.K. zugeführt werden (Ia H.Gr./Ia, 19.05 Uhr).
Von V=Leuten ist auf das Vorhandensein sowjetischer Fallschirm- und Luftlandetruppen vor der Armeefront aufmerksam gemacht worden. Um gegebenenfalls einem überraschenden Einsatz dieser Verbände
sofort mit geeigneten Maßnahmen angriffsweise entgegentreten zu können, wird dem Korück befohlen, die Möglichkeiten feindlicher Luftlandeunternehmen im rückwärtigen Armeegebiet zu prüfen und
durch Einrichtung eines dichten Beobachtungs- und Meldenetzes sowie durch Vorbereitung des Einsatzes von Alarmeinheiten die sofortige Bekämpfung derartiger feindlicher Unternehmen sicherzustellen
(s. Anl. IV 2).
19.2.1944
KTB 9.Armee.
Die zweite Phase der Abwehrschlacht südlich der Beresina hat begonnen. Nach einstündigem Trommelfeuer tritt der Feind mit etwa 6 - 8 Schtz.Div., unterstützt von einzelnen Panzergruppen und
anfangs auch von starken Schlachtfliegerkräften, gegen den linken Flügel des LVI.Pz.K. und fast die gesamte Front des XXXXI.Pz.K. zu dem erwarteten Großangriff an. Der Hauptstoß richtet sich
dabei wie vorausgesehen auf die inneren Flügel der beiden Korps; er ist von einem mit etwa zwei Divisionen geführten Nebenangriff auf den Südflügel der Armee begleitet.
Über den Kampfverlauf im einzelnen s.d. Meldungen Anl. II und III. Im Abschnitt der 129.I.D. ist nach anfänglichen Erfolgen des Gegners die alte HKL am Abend wieder in eigener Hand; Feindteile,
die sich noch auf dem Westufer der Tremlja halten, haben keinen weiteren Boden gewinnen können. Mit Rücksicht darauf, daß der Nordflügel der 2.Armee nicht angegriffen und sogar eine bisher dort
eingesetzte feindl. Schtz.Div. heute vor der 129.I.D. aufgetreten ist, hat das AOK auf Antrag des LVI.Pz.K. die Heeresgruppe gebeten, zur Verstärkung der artilleristischen Abwehr die Verschiebung
einer Art.Abt. der 2.Armee an die Armeenaht zu veranlassen; was auch geschieht (KG LVI/Chef, 13,30 Uhr; Chef/OB, 15,45 Uhr; Chef/Ia H.Gr., 13.50 Uhr; Chef/Chef LVI, 20.55 Uhr).
Bei der 110.I.D. und 134.I.D. bleiben die z.T. sehr starken Angriffe des Feindes ebenfalls im wesentlichen erfolglos. Der Gegner kann zwar im Laufe des Tages an mehreren Stellen vorübergehend
Einbrüche bis zu 2 km Tiefe erzielen, wird jedoch im Gegenstoß der nahe herangehaltenen und rasch angesetzten örtlichen Reserven bis auf einen kleinen Einbruch nördl. Korma, der noch bestehen
bleibt, überall wieder auf seine Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Vielfach kommt es zu erbitterten Nahkämpfen.
Kritisch gestaltet sich dagegen die Lage bei der 36.I.D. und am rechten Flügel der 253.I.D. Obwohl hier zweifellos nicht der sowjetische Angriffsschwerpunkt liegt, gelingt es dem Feind, mit
stärkeren Kräften die eigenen Stellungen an den inneren Flügeln der beiden Divisionen in 3 km Breite zu durchbrechen und in nordwestlicher und nördlicher Richtung bis zu 5 km in die Tiefe
vorzustoßen. Unter Heranziehung aller greifbaren Reserven auch die beim XXXXI.Рz.K. befindlichen Teile der 4.Pz.Div. müssen eingesetzt werden - kann der Stoß abgefangen und der Einbruch im
Gegenangriff unter schweren Waldkämpfen wieder verengt werden. Um die Lücke zu schließen, wird versucht, etwa in der Linie Michailowka - Ssossnowka eine neue Verteidigungsfront aufzubauen.
In dem unübersichtlichen Waldgelände ist der Kampf der sich zäh verteidigenden eigenen Truppe naturgemäß außerordentlich schwierig. Da der Feind, der laufend Verstärkungen heranbringt, morgen
wahrscheinlich versuchen wird, in Ausnutzung seines heutigen Erfolges den Einbruchsraum auszuweiten, entschließt sich das AOK zur sofortigen Heranführung weiterer Verstärkungen. Das XXXV.A.K.
erhält Befehl, noch heute Nacht ein Gren.Btl. im Lkw=Transport nach Paritschi heranzubringen (Ia/Ia XXXV, 20,40. Uhr), ferner wird dem Korück aufgegeben, dem XXXXI.Pz.K. mit größter Beschleunigung
zwei Sich.Btlne. zuzuführen (Іа/Chef Korück, 21.00 und 21.30 Uhr). Diese Sich.Btlne., die bisher bei dem - jetzt im wesentlichen beendeten - Bandenunternehmen eingesetzt waren, werden morgen
zusammen mit dem Pi-Btl. der 4.Pz.Div. (s. dazu Anl. VII 3) die Art.-Schutzstellung hinter der Einbruchsstelle - etwa in Höhe Poganzy - besetzen, die im Falle eines weiteren Feinddurchstoßes als
Auffanglinie gedacht ist, um unter allen Umständen ein Aufbrechen der Front und damit eine Abschnürung der Straße Tschirkowitschi - Paritschi zu verhindern.
20.2.1944
KTB 9.Armee.
Nachdem die Kämpfe südlich der Beresina in der Nacht nur an einigen Stellen weitergegangen sind, beginnt der Feind in den frühen Morgenstunden seine starken Angriffe mit den gleichen
Schwerpunkten wie gestern von neuem. Im Verhältnis zum Vortag hat ihre Wucht allerdings nachgelassen, vor allem ist das Feuer der gegnerischen Artillerie heute weniger stark.
Dem LVI.Pz.K., das wieder an beiden Flügeln angegriffen wird, gelingt es, unter Bereinigung örtlicher Einbrüche nach harten Gefechten bis zum Abend- aller Angriffe Herr zu werden.
Auch das XXXXI.Pz.K. kann an seinem rechten Flügel wiederholte starke Angriffe abwehren und einen Einbruch zwischen Gorochowischtschi und Korma im Gegenangriff, der bis in die Nacht hinein
fortdauert, bereinigen (s.Anl. II und III, dazu Morgenmeldung vom 21.2.44).
Im Einbruchsraum Jaswin dagegen ist die Lage nach wie vor gespannt. Dort erzielt der Gegner, dessen Angriffe einzelne Panzer unterstützten, zwei neue tiefe Einbrüche, die im Gegenangriff zwar
verengt, aber nicht bereinigt werden können. Zur Verstärkung der Panzerabwehr hat das XXXXI.Pz.K. die Freigabe der Pz.Jäg.Abt. der 4.Pz.Div. beantragt und genehmigt erhalten (Ia ХХХХІ/Ia,
9.15 Uhr; Ia/OB, 9.55 Uhr; Іа/Ia ХХХХІ, 9.45Uhr). Zwei Panzerabschüsse sind gemeldet. Neue starke Bereitstellungen des Gegners werden durch zusammengefaßtes Artilleriefeuer bekämpft.
Es hat den Anschein, als ob der Feind nach seinem gestrigen überraschenden Erfolg an den inneren Flügeln der 36. und 253.I.D. z.Zt. eine Umgruppierung seiner Kräfte und eine seiner ursprünglichen
Absicht entgegenstehende Verlagerung seines Schwerpunktes gegen die Südfront des XXXXI.Pz.K. vornähme. Darauf scheint auch das dort stärker gewordene Art.Feuer hinzudeuten, obwohl - infolge
fehlender Luftaufklärung - ein größerer Stellungswechsel der Schwerpunktartillerie noch nicht hat festgestellt werden können. Für morgen muß jedoch mit einer Fortsetzung der Angriffe in diesem
Аbschnitt gerechnet werden, zumal dem Feind zu ihrer weiteren Nährung noch namhafte infanteristische Kräfte sowie die Masse des I.Gde.Pz.K. zur Verfügung stehen.
An der Dnjepr=Front, wo die Brücken westl. Sswershen und eine neu festgestellte Brücke nordostw. Kisteni von eigener Artillerie z.T. im Fliegerschießen erfolgreich bekämpft werden und ein Stoßtrupp
der 31.I.D. sogar die Brücke nördlich Schaptschizy sprengen kann, ist die Lage immer noch unklar. Einerseits weisen das Auftreten einer Stu.Pi.Brigade und der Ausbau eines Korpsgefechtsstandes
(nach s. Qu.) auf die Fortsetzung der Angriffsvorbereitungen hin, ein anderer s.Qu.-Spruch, der die Einstellung von Brückenbauarbeiten befiehlt, spricht allerdings dagegen. Anzeichen für ein
unmittelbares Bevorstehen des Angriffs sind jedenfalls noch nicht zu erkennen.
21.2.1944
KTB 9.Armee.
Großkampf auf beiden Armeeflügeln!
Unter Fortsetzung der Angriffe südlich der Beresina tritt der Feind - in Zeitpunkt and Stärke überraschend - nach zweistündigem Trommelfeuer und von starken Luftwaffenkräften unterstützt,
im Abschnitt der 31.I.D. (LV.A.K.) zwischen Dnjepr=Knie und Koromka um 5.15 Uhr zum Angriff an und durchbricht im ersten Anlauf auf breiter Front die schwach besetzte HKL. Während es unter
Heranziehung aller verfügbaren Reserven in erbitterten Kämpfen gelingt, im Südteil des Einbruchsraums den Gegner zum Stehen zu bringen und alle auf Madory gerichteten Rgt.-starken Angriffe
unter Abschuß von 3 T 34 abzuschlagen, ist die Front nördlich Madory breit aufgerissen. Eine in Jelenowo eingeschlossene Kampfgruppe kann durch Angriff von Süden entsetzt werden, eine andere,
in Borowucha, muß sich nach Verschuß aller Munition und Sprengung der Geschütze nach Nordwesten zurückkämpfen. Am Abend hat der Feind die Waldränder nordwestl. Borowucha erreicht - 7 km tief
ist der Einbruch alsо schon -, beschießt Alexandrowka und Ossinowka und ist mit Teilen im Eindrehen nach Südwesten. Im Nordteil des Einbruchsraums sind wechselvolle Kämpfe westl. Korma im Gange,
durch des Waldgebiet nördlich davon ist der Gegner bis Nishn.Toschtzchiza vorgedrungen. Ein Gegenangriff mit Sturmgeschützen stößt auf starken Widerstand. Weiter ostw. sind feindl.
Übersetzversuche über den Dnjepr gescheitert.
Vom AOK wird als erstes die Alarmierung der AWS und des Alarmbtl. Bobruisk sowie deren sofortige Inmarschsetzung zur Sicherung der Drut =Brücken Blisnezy und Konopliza befohlen (Chef/Ia, 9.15 Uhr).
Mit der Führung aller im Drut-Abschnitt eingesetzten Kräfte wird der Kdr. der 4.Pz.Div. beauftragt (Chef/Ia 4.Pz.Div., 13,35 Uhr). Zur Verstärkung der Abwehr der 31.I.D., zu der das LV.A.K. die
eigenen Reserven beschleunigt heranführt, kann des AOK allerdings nicht allzu viel beisteuern, da der Abwehrkampf südlich der Beresina namhafte Kräfte bindet und auch die Front des XXXV.A.K. durch
zahlreiche Abgaben bereits erheblich geschwächt ist. Immerhin wird die sofortige Zuführung zweier le.Art.Art., einer s.FH= und einer Werfer=Bttr., einer Stu.Gesch.Bttr. und einer verst. Gren.Kp.
vom XXXV.A.K. zum LV.A.K. befohlen (s.Anl. IV 1). Auch den Behelfspanzerzug des Korück setzt das AOK zum LV.A.K. in Marsch (Ia/Ia Korück, 14.50 Uhr). Da jedoch angesichts der massierten Kräfte des
Feindes vor allem eine infanteristische Verdichtung der Abwehr notwendig ist, wird von der Heeresgruppe die Freigabe der 5.Pz.Piv. erbeten, die sich z.Zt. im Anmarsch auf Bobruisk befindet.
Die Genehmigung wird erteilt (FM/OB, 11,25 Uhr); erste Teile der Division werden allerdings erst im Laufe des Abends eintreffen. Sie sollen vorerst im Raum westl. Rogatschew zur Verfügung der Armee
bereitgehalten werden. Darüber hinaus, hat die Heeresgruppe die Zuführung einer s.Art.Abt., einer Stu.Gesch.Brig. und einer Flak-Kp. von der 4. Armee angeordnet, ferner die Übernahme zweier
Btl.Abschnitte der 31.I.D. (s.Anl. V 1) (Der letztgenannte Befehl dürfte allerdings wohl noch eine Minderung erfahren, da die beiden Bataillone heute statt zur Ablösung zum Gegenangriff bei
Nishn.Toschtschiza angesetzt werden mußten).
Die entscheidende Frage, vor die sich die Armeeführung angesichts dieser Lage gestellt sieht, ist die, ob man den Versuch machen kann, durch Gegenangriff aus den Flanken des Einbruchsraums die
entstandene Lücke im Rücken des Feindes zu schließen, oder ob die einzige Möglichkeit der Wiederherstellung einer, zusammenhängenden Front darin besteht, daß man sich den feindlichen
Angriffsspitzen vorlegt, um den Einbruch verteidigungsweise abzuriegeln. Zu gleichzeitiger Durchführung beider Aufgaben reichen die zur Verfügung stehenden Kräfte nicht aus, d.h. mißlingt die
angriffsweise Lösung, so können dem feindlichen Stoß vorerst keine nennenswerten Kräfte mehr entgegengestellt werden. Gelingt sie jedoch - und dies scheint trotz der Tatsache, daß die Stärke des
durchgebrochenen Feindes auf etwa 4 Divisionen geschätzt werden muß, insofern nicht ausgeschlossen zu sein, als ein unmittelbares Nachschieben stärkerer Kräfte aus der Tiefe bisher nicht erkennbar
war -, so besteht Aussicht, durch Abschneiden des Gegners von seinen rückwärtigen Verbindungen zu einem beachtlichen Erfolg zu kommen.
Voraussetzung des Gegenangriffs, der von Süden mit den im Laufe der Nacht erwarteten ersten Teilen der 5.Pz.Div. und inzwischen herangeführten weiteren Einheiten des LV.A.K., von Norden im
wesentlichen mit den von der 4.Armee herangeführten Verbänden zu führen wäre, ist allerdings, daß Madory als Ausgangsbasis des Südangriffs in eigener Hand bleibt. Unter dem Eindruck der erfolgreichen
Abwehr der Feindangriffe auf die Ortschaft im Laufe des Vormittags hat deshalb das AOK zunächst die angriffsweise Lösung ins Auge gefaßt (s.Anl. IV 1, takt. Zeit 13.00 Uhr). Im Laufe des Tages
jedoch verschärft sich die Lage bei Madory derart, daß das Gen.Kdo. LV.A.K. meldet, es erscheine höchst fraglich, ob der Ort bis zum nächsten Tag gehalten werden könne (Chef LV/Ia, 16.45 Uhr).
Diese Meldung wird vom Kommandierenden General LV.A.K. dem Oberbefehlshaber gegenüber um 19.50 Uhr noch einmal wiederholt, woraufhin sich der Feldmarschall, der sich heute beim AOK befindet, mit dem
Entschluß der Armee für die verteidigungsweise Lösung einverstanden erklärt (s. dazu Anl..IV 3). Der Komm. General hat gleichzeitig gemeldet, es sei jetzt auch mit einem weiteren unmittelbar
bevorstehenden Angriff aus dem Dnjepr=Knie nach Südwesten zu гechnen; ein Feindspähtrupp habe bereits durch die eigene dünn besetzte HKL 4 km tief bis an die Rollbahn ostw. Rogatschew vordrinnen
können und am Dnjepr seien starke Bereitstellungen zu beobachten. Er hat damit den Antrag verbunden, zwei Bataillone der 5.Pz.Div zum Einsatz auf dem Nordflügel des Brückenkopfes abdrehen zu dürfen,
damit der Feind nicht durch einen Vorstoß auf die Rollbahn den noch in der Brückenkopffront stehenden eigenen Teilen den Rückweg abschneide. Diesen Antrag lehnt der Oberbefehlshaber ab, mit der
Begründung, der Aufbau der Abwehrfront nördlich Rogatschev gehe jetzt allem anderen vor; notfalls müsse man sogar noch weitere Kräfte aus dem Brückenkopf abziehen, selbst auf die Gefahr hin, daß
dieser dann eingedrückt werde. Scharf zusamengefaßte Artillerieschläge seien des einzige, was man z.Zt. gegen die feindlichen Bereitstellungen unternehmen könne, eine infanteristische Verstärkung
komme nicht in Frage. Die vordersten Teile der 5. Pz.Piv. bleiben deshalb im Marsch nach Norden, wo die neue Front etwa in der Linie Oserischtsche - Bolschewik - Ossinowka - Nishne Toschtschiza
aufgebaut werden soll. Bis die Kampftruppe heran ist, um die Verbindung zur Nordhälfte der 31.I.D. wiederherzustellen, sind die Trosse angewiesen, die in oder westl. dieser Linie gelegenen
Ortschaften stützpunktartig zu verteidigen.
Im zweiten Brennpunkt des Abwehrkampfes, an der Front südlich der Beresina, setzt der Feind seine heftigen Angriffe fort. Ihr Schwergewicht hat sich nunmehr eindeutig in den Einbruchsraum nördlich
Jaswin verlagert, wo der Feind in die noch nicht
gefestigte Abriegelungsfront mit überlegenen Kräften erneut einbricht. Erst in der von den Sicherungsbataillonen besetzten Art.=Schutzstellung westlich Poganzy kann der Stoß wieder aufgefangen werden.
Gegen die inneren Flügel des LVI. und XXXXI.Pz.K. führt der Feind wiederum starke Angriffe, die jedoch unter Bereinigung örtlicher Einbrüche im wesentlichen überall abgeschlagen werden können.
Auch, am rechten Flügel des LVI.Pz.K. hat der Feind seine Vorstöße wiederholt - ebenfalls ohne Erfolg (Einzelheiten des Kampfverlaufs s. Anl. II und III).
Im Hinblick darauf, daß mit weiteren schweren Kämpfen, vor allem beim XXXXI.Pz.K., gerechnet werden muß, während der feindliche Druck auf den Südflügel der Armee etwas geringer zu werden scheint, hat
das AOK die Verschiebung einer Pz.Abt. und eines Gren.Btl., die als Reserven weiter südlich standen, hinter den mittleren Abschnitt des XXXXI.Pz.K. befohlen.
22.2.1944
KTB 9.Armee.
Der feindliche Doppelangriff, dessen gemeinsaes operatives Ziel - Bobruisk - klar ersichtlich ist, ist in vollem Gange.
Beim LV.A.K. gelingt es dem Feind, die Eintruchslücke nach beiden Seiten weiter aufzureißen und damit den Aufbau der geplanten neuen Verteidigungslinie zu verhindern. Die Divisionen des Gegners -
nach einer Beutekarte sind es sechs. - gehen in drei Stoßgruppen vor. Die südliche, die westlich Madory angreift (der Ort hat in der Kacht wegen drohender Umfassung aufgegeben werden müssen),
nimmt Schibrin und überschreitet sogar schon die Bahnlinie in Richtung auf Blisnezy, wird allerdings im Gegenstoß wieder bis zur Bahn zurückgeworfen. Die mittlere Angriffsgruppe durchbricht die
im Abschnitt Bolschewik - Ossinowka sich verteidigenden Bataillone der 5. Pz.Div., umfaßt sie und stößt über die Eisenbahn nach Westen weiter, so daß sich die eingeschlossenen Teile gegen harten
Feindwiderstand zurückkämpfen müssen. Gegen Abend nimmt der Gegner Stankoff und ist im weiteren Angriff auf Konopliza. Die rechte Gruppe, die durch die noch nicht geschlossene Lücke zwischen
5.Pz.Div. und 31.I.D. nach Norden auf Toschtschiza vorgeht, steht nach letzten Meldungen etwa 2 km südl. des Bahnhofs. Reste der 31.I.D. bilden noch eine dünne Sicherungskette zwischen Toschtschiza
und Nishne Toschtschiza. Weiter ostwärts über den Dnjepr gesetzte Feindteile haben im Gegenstoß bis auf geringe Reste zurückgeworfen werden können (Einzelheiten des Tagesverlaufs. Anl. II und III).
Die Luftwaffe hat auf beiden Seiten in erheblichem Maße in die Kämpfe eingegriffen.
Durch das Vordringen des Feindes über die Bahnlinie (-der Gen.d.T. hat inzwischen ihre Unterbrechung, leider nicht -entsprechend dem schon gestern gestellten Antrag des AOK -ihre nachhaltige
Zerstörung befohlen -) ist die Fernsprechverbindung zur 31.I.D. unterbrochen. Ihre Wiederherstellung von der Rollbahn Bobruisk - Mogilew her ist infolge der Bandengefährdung in den ostwärts der
Rollbahn liegenden Waldgebieten bisher noch nicht gelungen. Da auch die Versorgung der nördlich der Einbruchsstelle stehenden Teile der 31.I.D. von Süden her nur noch unter größten Schwierigkeiten
würde erfolgen können (Qu 1/ Ia, 11.50 Uhr) und die Division deshalb bereits im Laufe des Tages versorgungsgemäß der 4.Armee angeschlossen worden ist, erscheint ihre auch taktische Unterstellung
unter das AOK 4 zweckmäßig (OB/Chef H.Gr., 20.05 Uhr) und wird deshalb von der Heeresgruppe mit sofertiger Wirkung befohlen (FM/OВ, 20.55 Uhr: s. dazu Anl. IV 6). Als Armeegrenze wird die Linie
Galynowka — 1,5 km nördlich Chomitschi - Dedowo (zu 4.) - Toschtschiza (zu 4.) - Kalinin bestimmt (s. Anl. IV 13).
Im Vordergrund aller Erwägungen, die - unter dem Eindruck des Vordringens der gegnerischen Kräfte - in zahlreichen Ferngesprächen zwischen Heeresgruppe, AOK und LV.A.K. und in mehreren Besprechungen
des Oberbefehlshabers mit seinen Generalstabsoffizieren behandelt werden, steht die Frage nach der Wiederherstellung einer zusammenhängenden Abwehrfront, und zwar einerseits hinsichtlich der
Linienführung, andererseits hinsichtlich der beschleunigten Heranziehung ausreichender Kräfte, um diese Front zu besetzen.
Beim LV.A.K. kommt im Hinblick darauf, daß die gestern geplante Linie längs der Bahn durch die Entwicklung der Lage inzwischen überholt ist, nur noch die zu großen Teilen bereits ausgebaute
Drut=Stellung in Frage, und zwar, da die zunächst von der Heeresgruppe in Aussicht genommene Abschrägung zur 4.Armee über Blisnezy - Lushki - Ssinemora - 'Wyschgorod - Sselez -Toschtschiza -
Krassnyj Bereg - Komaritschi (Orte z.T. Karte 1 : 100 000) nicht nrr geländemäßig äußerst ungünstig, sondern auch bereits vom Feind überschritten ist, bis hinauf nach Chomitschi, von wo aus eine
einigermaßen brauchbare. Anschlußlinie über Jeswa zum Dnjepr von der 4.Armee hergestellt werden kann (s. Anl. I). Auf Antrag der AOK erteilt dann auch die Heeresgruppe die Genehmigung den Nordflügel
der Armee auf die ganze Drut=Stellung zurückzunehnnen, und zwar unter Festhalten von Rogatschew und unter Bildung eines Brückenkopfs bei Chomitschi (s. Anl. V 4). Von dem rechtzeitigen Besetzen
und Halten dieses Ortes, bei dem sich die in der feindlichen Nordwest=Stoßrichtung liegenden Waldwege vereinigen, wird es abhängen, ob der Anschluß zur 4. Armee in der vorgesehenen neuen
Verteidigungslinie hergestellt werden kann.
Für deren Aufbau aber fehlen vorläufig noch die Kräfte. Die von der Heeresgruppe heute befohlene Zuführung einer Inf.Div. (211.I.D.) vom Pz.AOK 3 und eines verstärkten Gren.Rgt. (G.R.62). von
AOK 2 zur 9.Armee (s. Anl. V 3) wird sich - trotz aller Beschleunigung - erst in einigen Tagen auswirken können. Die Masse der 20.Pz.Div. wird ebenfalls erst am 25.2. zur Verfügung stehen; die
ersten beiden Btlne. sollen morgen im Laufe des Tages eintreffen. Da es aber entscheidend darauf ankommt, daß der derzeitige "Wettlauf" zwischen dem Vordringen der feindlichen Angriffsdivisionen
und dem Herankommen der eigenen Verstärkungen nicht zu Gunsten des Feindes, endet - ein Durchbruch des Gegners über die Drut=Stellung hinaus würde sehr schwerwiegende Folgen haben -, bleibt keine
andere Möglichkeit als eine schleunige Heranziehung von Kräften aus unmittelbarer Nähe des Einbruchsraums, die nicht anders erfolgen kann als durch Zurücknahme des Doppelbrückenkopfes Shlobin -
Rogatschew hinter den Dnjepr in die Bärenstellung. Ohnehin verliert dieser Brückenkopf, wenn die Front nördlich Rogatschew hinter der- Drut steht, seinen taktischen Sinn, Rogatschew und die
Nord-Süd-Bahnlinie außerhalb des feindlichen Artilleriefeuerbereichs zu halten, zum erheblichen Teil; das AOK hat deshalb bei der Heeresgruppe um die Genehmigung zur Räumung des Brückenkopfs
gebeten (s.Anl. V. 10). Ferner ist der Antrag gestellt worden, die im Anmarsch vom Pz.AOK 3 befindliche. 20.Pz.Div. ohne vorherige Versammlung vom AOK 4 sofort weiterleiten zu lassen und sie
unverzüglich nach Chomitschi vorführen zu dürfen, was allerdings bis zur Öffnung des direkten. Weges (von der Rollbahn über Saretschje, Tschigirinka) vorerst nur südlich ausholend über Bobruisk
(Dg.VII, Tichinitschi, Oserane) geschehen kann. Beide Anträge werden genehmigt (s. Anl. V 6 und V 4). Das Аbsetzen soll bereits in der kommenden Nacht stattfinden (Chef LV/Chef, 23.50 Uhr),
wobei von seiten des AOK nochmals darauf hingewiesen wird, daß die Rückführung aller Waffen, allen Geräts und aller Vorräte ebenso wie die Zerstörung; aller kriegswichtigen Anlagen sichergestellt
sein müsse, was das Gen.Kdo. vorbereitet bestätigt. Lediglich Rogatschew selbst wird vorläufig noch nicht geräumt werden. Hier bedarf die planmäßige Zerstörung noch einer eingehendenVorbereitung;
allerdings soll auch der Ausbau der Drut=Stellung nordwestlich Rogatschew erst noch weiter gefördert werden. Die Armee behält sich daher den Räumungsbefehl für Rogatschew ausdrücklich vor
(s. Anl. IV 7; IV 8; IV 4).
Südlich der Beresina beschränkt sich der Feind beim LVI.Pz.V. auf schwächere Vorstöße. Auch westlich Kobylschtschina und Dubrowa hat die Wucht der feindlichen Angriffe nachgelassen,
Das Schwergewicht der Kämpfe liegt wieder im Einbruchsraum Jaswin (XXXXI.Pz.K.), wo der Gegner, von sehr starkem Art. - und Gr.W.-Feuer unterstützt, unter Einsatz von Panzern mit zusammengefaßten
Kräften die stark geschwächte Abwehrfront beiderseits Poganzy erneut zu durchbrechen versucht. Wieder kommt es zu harten, wechselvollen und für den Gegner z.T. sehr verlustreichen Kämpfen, bei
deren Abschluß jedoch die HKL fest in eigener Hand ist. Durchgebrochene Feindteile in Stärke von etwa 150 Mann gehen ihrer Vernichtung entgegen (Kampfverlauf im einzelnen: Anl. II und III).
23.2.1944
KTB 9.Armee.
Die befohlene Absetzbewegung des Südflügels des LV.A.K. in die Bärenstellung mit dem Brückenkopf Rogatschew ist planmäßig und ohne besondere Feindeinwirkung verlaufen. Gegen Mittag sind alle
Dnjepr=Brücken gesprengt, woraufhin die Nachtruppen zurückgenommen werden. Nur noch Spähtrupps befinden sich auf den Ostufer des Flusses. Feindangriffe in Btl.Stärke auf die HKL hart nördl.
Rogatschew werden abgewiesen; in der Stadt selbst nehmen die Zerstörungsarbeiten ihren planmäßigen Fortgang. Da das Gen.Kdo. meldet, daß die befohlenen Räumungsarbeiten noch heute zum Abschluß
kommen würden (Chef LV/Ia, 19.30 Uhr), erteilt das AOK den Befehl zur Räumung der Stadt für die kommende Nacht (s. Anl. IV 5).
Ostwärts des Drut sind die Kämpfe wählend der Nacht in unverminderter Heftigkeit weiter gegangen. Der Feind hat seine überlegenen Angriffe fortgesetzt, so daß sich die südlich der Durchbruchslücke
stehenden Teile der 5.Pz.Div. einer drohenden Umfassung von Norden nur durch die befehlsgemäß eingeleitete Аbsetzbewegung auf den Drut entziehen können. Die Brückenköpfe Blisnezy und Konopliza
werden nach Sprengung der Brücken in den Morgenstunden geräumt. Der Feind drängt rasch nach. Bereits am Vormittag treffen die ersten btl.-starken Angriffe seiner südlichen Stoßgruppe auf die neue
Abwehrfront. Sie können sämtlich abgeschlagen werden; auch ein erneuter, mit stärkeren Kräften geführter Angriff bleibt im zusammengefaßten Feuer aller Waffen liegen; es befinden sich allerdings
noch Feindteile auf dem Westufer des Flusses. Mit der mittleren feindlichen Angriffsgruppe, die auf Konopliza und Oserane vorgeht, kommt es außer durch Spähtrupps heute zu keiner Gefechtsberührung
über den Verbleib der nördlichen Gruppe, die kurz nach Mitternacht den Bhf. Toschtschiza genommen hat, lieger z.Zt. überhaupt keine Meldungen vor. Es scheint, als ob sie - lediglich zum Flankenschutz
der auf Bobruisk zielenden Hauptkräfte bestimmt - zunächst nicht weiter vorgegangen sei; von Chomitschi nach Osten vorgetriebene Aufklärung stellt gegen Mittag Dedowo feindfrei fest.
Dies ist insofern als besonder erfreulich zu bezeichnen, als das Herankommen der 20.Pz.Div. sich leider außerordentlich verzögert und bis zu ihrem Eintreffen nur einige Bau-Pi.=Kompanien, Teile der
AWS und ein Alarm-Btl. aus Bobruisk, unterstützt durch Pz.Spähwagen der 5.Pz.Div. und Sf=Pak, die Front von Oserane bis Chomitschi schwach besetzt halten. Auch die von der 4.Armee zur Herstellung
des Anschlusses bei Chomitschi heranbefohlenen Kräfte sind erst zum geringsten Teil in den vorgesehenen Räumen eingetroffen.
Für morgen wird der Hauptstoß des Feindes, dessen Divisionen bis dahin im wesentlichen aufgeschlossen haben dürften, im südlichen Drut=Abschnitt (Kolossy - Konopliza) erwartet, während weiter nördlich
wohl erst später mit neuen Angriffen zu rechnen sein wird. Aus s.Qu. weiß man, daß der Feind die Absicht hat, westl. Lushki baldmöglichst eine starke Brücke über den Brut zu schlagen, um mit seinen
Panzern zum weiteren Durchstoß anzusetzen. Dem LV.A.K. wird deshalb befohlen, dort vor allem auf die Verhinderung von Panzer-Übergangsmöglichkeiten bedacht zu sein und zu diesem Zweck genügend starke
Kräfte dicht an den Fluß zu stellen, um die Übergangsstellen mit Inf.Waffen. beherrschen zu können. Im nördlichen Abschnitt soll, die Zeit bis zum Herankommen des Gegners dazu benutzt werden, starke
Gefechtsaufklärung in das Waldgebiet ostw. des Drut vorzutreiben, Schußfeld zu schaffen und hinter der Front den Ausbau des erforderlichen taktischen Wegenetzes zu fördern (s. Anl. IV 9).
Auf Grund der derzeitigen Kampflage, der Zuführung neuer Verbände zum LV.A.K. (s. Anl. IV 2, 3, 4, 7, 8) und im Hinblick auf die Zurücknahme des Dnjepr=Brückenkopfes erscheint es zweckmäßig, die
seinerzeit angeordnete Unterstellung der 6.I.D. unter das Gen.Kdo. LV.A.K. nunmehr wieder rückgängig zu machen. Die Rückunterstellung der Division unter das Gen.Kdo. XXXV.A.K. wird deshalb
(ab morgeen 10 Uhr) befohlen (s. Anl. IV 6).
In Kampfabschnitt südlich der Beresina zeigt sich immer eindeutiger die Verlagerung des feindlichen Schwerpunktes in den Einbrüchsraum nörrdlich Jaswin. Während es an der gesamten Südostfront des
LVI. und XXXXI.Pz.K. nur noch zu geringer Gefechtstätigkeit kommt, nimmt der Gegner an den inneren Flügeln der 36. und 253.I.D, seine von Panzern begleiteten Durchbruchsversuche auf breiter Front
wieder auf. In erbitterten, wechselvollen Kämpfen gelingt es zwar, bis auf einen Einbruch am rechten Flügel der 253.I.D. alle Angriffe, die durch gegenüber den Vortagen wesentlich verstärktes und bis
tief in das Hintergelände reichendes Art.-, Raketengeschütz- und Gr.W,-Feuer unterstützt werden, wieder einmal abzuschlagen; dennoch kann es keinem Zweifel unterliegen, daß mit einer zunehmenden
Verschärfung der Lage in diesem Abschnitt auch weiterhin gerechnet werden muß: durch Luftaufklärung ist festgestellt, daß der Feind schon wieder neue Kräfte heranführt. Damit rückt die Gefahr eines
Gelingens seiner Durchbruchsabsicht in immer größere Nähe, zumal die eigene Truppe durch den pausenlosen Kampf schon stark zusammengeschmolzen und erschöpft ist und ihr Verstärkungen angesichts des
Großkampfs beim LV.A.K. nicht mehr zugeführt werden können. Besonders gefährdet erscheint der noch am Südufer der Beresina festgehaltene, bis Tschirkowitschi reichende Frontvorsprung der 253.I.D.
(s. Anl. I).
Das AOK, das schon seit längerem die Frage der Begradigung dieses Vorsprungs erwogen hat, ist deshalb mit dem Antrag an die Heeresgruppe herangetreten, die HKL hier auf eine vorbereitete Stellung
zurücknehmen zu dürfen, um einer Abschnürung der 253.I.D. vorzubeugen. Da allerdings durch diese Frontzurücknahme, sofern der rechte Flügel des XXXV.A.K. in seiner bisherigen Stellung bliebe, dort
eine neue lange Front auf dem linken Ufer der Bегessina entstehen würde, zu deren ausreichender Besetzung die Kräfte fehlen, hat das AOK mit diesem Antrag den Vorschlag verbunden, auch den rechten
Flügel des XXXV.A.K. auf eine ausgebaute rückwärtige Stellung zurückzuklappen. Eine Entscheidung über den Antrag ist noch nicht gefallen.
25.2.1944
KTB 9.Armee.
Wie erwartet, ist das gestrige Nachlassen der Feindangriffe beim LV.A.K. nur eine Folge dess Ausweichens auf die Drut=Stellung und deshalb lediglich vorübergehender Natur gewesen. Schon die
nächtliche Räumung Rogatschews wird vom Gegner erheblich gestört. Die dabei entstandenen s.Pak-Verluste sind vermutlich auf Führungsfehler des Kampfkommandanten (Kdr. 707.1.D.) zurückzuführen
(so daß der Oberbefehlshaber eine Untersuchung anordnet). Gegen die Drut=Front tritt der Feind heute wieder - offenbar nach nur flüchtiger Bereitstellung - mit starken Kräften zum Angriff an.
Während es der 296.I.D. gelingt, alle Angriffe abzuweisen, überschreitet der Gegner ostw. Weritschew, Bol.Konopliza und Oserane (5.Pz.Div.) in breiter Front den Fluß, bricht in die HKL ein und
stößt mit Teiles sogar bis in die Gegend von Tichinitschi vor. Ein wechselvolles, äußerst hartes Ringen setzt ein; die eigenen Gegenangriffe, zu denen die mit hervorragender Zähigkeit, kämpfende
Truppe inner wieder ansetzt, gewinnen nur langsam Boden, erreichen aber doch, von gutliegendem Art.-Feuer und rollenden Stuka-Einsätzen wirksam unterstützt, an einigen Stellen wieder die HKL,
wenn auch, angesichts der z.T. zehnfachen feindl. Übermacht, nicht überall. Die Kämpfe gehen bis in die Dunkelheit, hinein weiter und sind am Abend noch in vollem Gange. Der Oberbefehlshaber hat
sich am Nachmittag noch einmal zur 5.Pz.Div. begeben, um sich wieder an Ort und Stelle in die Führung des Kampfes einsuschalten. (Zum Kampfverlauf im einzelnen s. Anl. II und III).
Weiter nördlich ist der Feinddruck auch heute wieder nur schwach gewesen - erfreulicherweise, da die Front noch keineswegs ausreichend gesichert ist. Im Abschnitt der 4.Pz.Div. wird ein Angriff
auf Rekta abgewiesen, am Nordflügel während der Nacht in Chomitschi eingebrochener Gegner geworfen. In das Waldgebiet ostwärts Chomitschi hat der Feind heute mit schwachen Kräften vorgefühlt,
Aufklärung stellt Jedoch am Abend Jeswa noch feindfrei fest (Ia LV/Ia, 21.15 Uhr).
Mit Nachdruck hat das АOK seine Maßnahmen zur Beschleunigung des Eintreffens der für den Aufbau der Abwehr am Nordflügel bestimmten Kräfte fortgesetzt. Dem G.R.62, dessen Antransport von der
2.Armee sich teils wegen der schlechten Straßen und des dadurch bedingten Ausfalls von Fahrzeugen, teils aus anderen Gründen erheblich verzögert, läßt der Oberbefehlshaber Leerzüge auf der
Bahnstrecke Bobruisk - Ratmirowitschi entgegenfahren, um gegebenenfalls bei weiteren, Ausfällen von Lkw den Marsch im E-Transport ohne Aufenthalt weitergehen zu lassen. Die 20.Pz.Div. trifft heute
mit der Masse ihrer Verbände ein; sie wird den bisher vom Stab der 4.Pz.Div. geführten Abschnitt übernehmen, ihre Panzer und Teile der Pz.Grenadiere allerdings sollen südlich des Waldgeländes im
Raum Tichinitschi als Armee-Researve verbleiben (s. Anl. IV 1), da dort einerseits das Gelände einen wirksameren Einsatz der Panzer gestattet und andererseits der feindliche Angriffsschwerpunkt
auch weiterhin im Abschnitt der 5.Pz.Div. erwartet wird. Das AOK beabsichtigt, nach Eintreffen der 211.I.D., deren an sich ja bereits am 22.2. befohlene Zuführung gestern noch einmal von der
Heeresgruppe angehaten (OB/ Chef, 25.2.44, 19.45 Uhr), nunmehr aber - und hoffentlich endgültig erneut befohlen worden ist (Chef H.Gr./Chef, 18.45 Uhr; s. Anl. V 1), die 20.Pz.Div. wieder aus der
Front, zu nehmen, um sie sich ganz als Armeereserve zur Verfügung zu stellen (siehe Anl. IV 1).
Am linken Flügel des XXXXI.Pz.K. sind ebenfalls wieder schwere Kämpfe im Gange. Dabei scheint es, als ob zugunsten der Durchbruchskräfte im Raum nördlich Jaswin eine gewisse Auflockerung der
bisher immer noch vorhandenen Artillerie-Massierung westl. Dubrova eingetreten sei (Harko und Ic in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Im Einbruchsraum an den inneren Flügeln der 36. und 253.I.D.
setzt der Gegner seine starken Angriffe fort und kann auch wieder einigen Geländegewinn erzielen; eine heißumkämpfte Ortschaft geht nach mehrfachem Besitzerwechsel endgültig verloren, die
 Bereinigung einzelner Einbrüche ist nicht gelungen. Der Feind hat erhebliche Verluste, aber auch die eigenen Ausfälle sind hoch.
Erstmalig nach längerer Zeit greift die feindliche Angriffstätigkeit auch wieder auf das Nordufer der Beresina über. Mit 200 Mann gelingt es dem Gegner, nordostw. Tschirkowitschi den Fluß zu
überschreiten und in des Waldgebiet auf dem rechten Flügel des ХХХV.A.K. einzudringen. Sofort einsetzende Gegenangriffe von Teilen der 45.I.D. werfen ihn, wobei er seine gesamten schweren Waffen
zurücklasssen muß. Bei und südwestl. Jaschtschizy geführte stärkere Feindangriffe können unter Bereinigung örtlicher Einbrüche abgewiesen werden.
Die durch das 'Übergreifen der Angriffe auf das Nordufer der Beresina noch verschärfte Lage in diesem Kampfraum drängt immer mehr zur Durchführung der beabsichtigten Frontbegradigung
(Chef/ Ia H.Gr., 8.10.Uhr) Das Auftauchen neuer Feindkräfte im Einbruchsraum nördlich Jaswin (s.d. Ic=Meldungen) bestätigt die unverändert vorhandene Durchbruchsabsicht des Gegners, wobei die
Angriffe beim ХХХV.A.K. entweder als Fesselungsangriffe oder als Versuch eines Herausbrechens des gesamten Frontvorsprungs beiderseits des Flusses zu werten sein dürften. Die Heeresgruppe hat
inzwischen den Antrag des AOK auf Zurücknahme der inneren Flügel des XXXXI.Pz.K. und XXXV.A.K. dem OKH vorgelegt und teilt dazu mit, daß man zwar mit einer Genehmigung rechne, die Entscheidung
jedoch heute wohl nicht mehr zu erwarten sei. Von seiten der beiden Korps sind alle erforderlichen Vorbereitungen bereits getroffen. Um dem XXXXI.Pz.K. die Möglichkeit zu geben, seinen Nordabschnitt,
dessen Kräfte durch die anhaltenden  schweren Kämpfe . erheblich zusammengeschmolzen sind, zu verstärken, ist das AOK mit der Bitte an di Heeresgruppe herangetreten, die Herauslösung eines Btl. des
LVI.Pz.K. durch Verlegung der Grenze zur 2. Armee (um eine Btl.-Breite bis zum Südrand Kolki) zu ermöglichen. Da jedoch das AOK 2 erklärt hat, eine solche Abschnittsübernahme sei aus
Versorgungsrücksichten%»1iter größten Schwierigkeitendurchführbar, hat die Heeresgruppe die Zuführung eines Вt1. der 2.Armee zum LVI.Pz.K. befohlen, das dem Gen.Kdo. unterstellt und am rechten
Armeeflügel eingesetzt werden wird. Das LVI.Pz.K. wird daraufhin ein Btl. des dort noch eingesetzten Pz.Gren.Rgt. 33 (4.Pz.Div.) herauslösen und zum XXXXI.Pz.K. verschieben, wo später die gesamte
4. Pz.Div. nach Rückkehr ihres Div.Kdos. vom LV.A.K. wieder in einem geschlossenen Abschnitt zusamengefaßt werden soll (s. dazu Anl. IV 1 vom 25.2.44).
26.2.1944
KTB 9.Armee.
Unterstützt von starken Schlachtfliegerverbänden, tritt der Feind beim LV.A.K. nach trommelfeuerartiger Art.-Vorbereitung mit weit überlegenen Kräften zwischen Lutschin und Oserane zu dem erwarteten
Großangriff an. Mit Spannung verfolgt man beim AOK den Kampfverlauf, der die erste, vielleicht entscheidende Bewährungsprobe der neuen Verteidigungsfront am Drut darstellt. Der Schwerpunkt der
feindlichen Angriffe liegt im Abschnitt hart nordwestlich Rogatschew, wo der Gegner auch an mehreren Stellen Einbrüche erzielen kann. Erbitterte Nahkämpfe entbrennen, in denen es jedoch gelingt, den
Angreifer überall wieder zurückzuwerfen. Seine Verluste sind ungewöhnlich hoch: allein im Abschnitt zwischen Kolossy und Blisnezy liegen etwa 1600 gefallene oder schwerverwundete Sowjets im Vorfeld.
In Kostjazchowo eingedrungene starke Feindkräfte werden im sofortigen Gegenstoß über die HKL zurückgetrieben. Ebenso scheitern alle Angriffe des Gegners zwischen Werischew und Ozerane, auch gegen den
Brückenkopf Chomitschi gerichtete Vorstöße werden abgeschlagen.
Daß dieer beachtliche Abwehrerfolg des LV.A.K. nicht ohne Auswirkungen auf die weitere Angriffsführung des Feindes sein wird, ist zwar anzunehmen, dennoch muß damit gerechnet werden, daß der Gegner
seine Durchbruchsabsicht nicht aufgeben wird, zumal ihm noch weitre Verbände, deren Aufschließen er heute offenbar nicht abgewartet hat, zur Nahrung des Angriffs zur Verfügung stehen. Insbesondere ist
nunmehr auch mit dem Beginn größerer Kampfhendlungen im nördlichen Drut=Abschnitt zu rechen. Dort übernimmt heute der Stab der 20.Pz.Div. den Befehl über den bisherigen Abschnitt des Div.Kdo. 4.Pz.Div.
Die Heeresgruppe beabsichtigt, nachdem nunmehr auch am Südflügel der.4.Armee eine gewisse Festigung der neuen Front zwischen Drut und Dnjepr eingetreten ist, die noch beim XII.A.K. befindlichen Teile
der 31.I.B. der 9.Arme wieder zuzuführen. Als Endziel der Umgruppierung ist daran gedacht, nach erfolgter Ablösung der 20.Pz.Div. durch die 211.I.D. deren Nordflügel etwa bis Jeswa zu strecken und die
31.I.D. später entweder als Reserve hinter dem LV.A.K. bereitzuhalten oder zur Herauslösung der 5.Pz.Div. zu verwenden (s. dazu Anl. V 1).
Im Gegensatz zu dem erfolgreichen Abwehrkampf am linken Armeeflügel hat die Lage südlich der Beresina eine weitere, unangenehme Verschärfung erfahren. Auf dem rechten Flügel, der 253.I.D. kann der
Gegner, der wieder mit scharf zusammengefaßten Kräften, von starker Artillerie unterstützt, in mehreren Wellen angreift, den Einbruchsraum Jaswin um etwa 4 km Tiefe und Breite nach Nordosten erweitern,
so daß er nunmehr ganz dicht an der Straße nach Tschirkowitschi steht. Erneute Vorstöße des Gegners nördlich der Beresina haben wieder abgewehrt werden können.
Angesichts der immer näher heranrückenden Gefahr einer Abschnürung des linken Flügels der 253.I.D. erwartet das AOK mit Ungeduld das Eintreffen der Genehmigung zur Zurücknahme der HKL beiderseits des
Flusses. Endlich, im Laufe des Abends, trifft sie ein, woraufhin unverzüglich ein Vorbefehl an beide beteiligten Korps ergeht: Die Absetzbewegung soll bereits in der Nacht vom 26./27.2.44 begonnen
werden (s. Anl. 5 а und b).
Die Führungsabteilung des AOK hat heute ihren Gefechtsstand gewechselt. Das neue A.H.Qu. befindet sich im Waldlager 3 km westl. Bobruisk.
27.2.1944
KTB 9.Armee.
Der Absetzbewegung am rechten Flügel des ХXXV.А.К. ist der Feind nur mit schwachen Kräften gefolgt Südlich der Beresina . hat sich die 253.I.D., deren linker Flügel ja erst heute nacht zurückgenommen
werden soll, noch einmal heftiger Feindangriffe zu erwehren. Sie sind von starker Artillerie und mehreren Panzern unterstützt und richten sich vor allem gegen die HKL westl. Poganzy. Auch Rakschin und
den Frontvorsprung Tschirkowitschi greift der Gegner an. Alle Angriffe werden - unter Abschuß von fünf Feindpanzern - аbgeschlagen (s. Anl. II und III).
An der Drut=Front hat der neue Angriff noch nicht begonnen. Der Gegner streut wieder die HKL der 5.Pz.Div. mit. Art.- und Gr.W.-Störungsfeuer ab und schießt sich im Raum nördlich Weritschew ein.
Ein Angriff von drei Kompanien auf Chomitschi kann abgewiesen werden.
Seit einigen Tagen hat sich der feindliche Druck auf den nach Südwesten zurückgenommenen rechten. Flügel der 4.Pz.Armee verschärft. Zufluß neuer Feindkräfte auf das Westufer des Dnjepr läßt eine
Ausdehnung der feindlichen Angriffstätigkeit auf die Fгоnt bei Chomitschi wahrscheinlich werden. Um dadurch einheitliche Kampfführung beiderseits der Armeegrenze der Gefahr eines erneuten Aufreißens
der Naht zu begegnen, hat die Heeresgruppe mit Wirkung vom 28.2. mittags die Bildung einer "Nahtgruppe Chomitschi" befohlen, bestehend aus allen im Abschnitt der 31.I.D. und im nördlichen Abschnitt
der 20.Pz.Div eingesetzten Truppen, unter Führung des Kdr. der 20.Pz.Div. (später des Kdr. der 211.I.D.), Die Nahtgruppe wird, da ihr weitere Verstärkungen, vor allem Artillerie und Pz.Abwehrwaffen,
von der 4.Armee zugeführt werden sollen, dem AOK 4 unterstellt (s. Anl. V 1). Das LV.A.X. erhält daraufhin den Befehl, die südlich der rechten Nahtgruppengrenze stehenden Teile der 20.Pz.Div. vorerst
der 5.Pz.Div. zu unterstellen. (weitere Einzelheiten, der durch die neue Grenzziehung erforderlich werdenden Umgruppierungen s..Anl. IV 1).
28.2.1944
KTB 9.Armee.
Die weitere Absetzbewegung beiderseits der Beresina - das XXV.A.K. befindet sich jetzt bereits in der endgültigen Stellung .-ist wieder planmäßig verlaufen. Der Feind. ist nur zögernd und mit
schwächeren Kräften gefolgt; eigene Gefechtsvorposten stehen noch vorwärts der neuen HKL.
Im Einbruchsraun nördlich Jaswin verhält sich der Feind wider Erwarten ruhig. Dafür tritt er aus seinem alten Schwerpunkt vor den inneren Flügeln des LVI. und XXXXI.Pz.K. an mehreren Stellen erneut
zu Angriffen an, die jedoch, ohne nennenswerte Art,Vorbereitung geführt, der Geschlossenheit entbehren und zumeist schon im Abwehrfeuer zusammen brechen. Nur beiderseits Pruschinischtsche und bei Korma
kommt es zu erbitterten Nahkämpfen, in deren Verlauf es dem Gegner gelingt, einen örtlichen Einbruch zu erzielen, die allerdings unter Beteiligung von Surmgeschützen wieder bereinigt wird. Gegen Abend
kommt es auch nördlich Jaswin noch einmal zu einem Feindangriff in Stärke, von 2-3 Bataillonen gegen den rechten Flügel der 4.Pz.Div. Er bleibt schon vor der HKL im zusammengefaßten Feuer aller Waffen
liegen. Der linke Flügel des XXXXI.Pz.K. wird heute noch nicht zurückgenommen werden, sondern morgen, abend in der bisherigen Linie stehen bleiben, damit die endgültige Stellung, die erst in der Nacht
vom 29.2./1.3. bezogen werden soll, noch einen Tag länger ungestört vom Feind ausgebaut werden kann.
Im Gesamtbild der Lage südlich der Beresina scheinen sich nunmehr doch allmählich die hohen Verluste des Gegners bei seinen Tag für Tag wiederholten Angriffen bemerkbar zu machen und man darf wohl die
in der letzten Zeit besonders bemerkbare Bildung nur einzelner, scharf begrenzter Schwerpunkte als ein Zeichen dafür ansehen, wie sehr seine Angriffskraft durch Verluste gelitten hat. Es muß
allerdings angenommen werden, daß der Feind bald wieder Verstärkungen heranbringen und inzwischen, zu örtlicher Schwerpunktbildung nach wie vor in der Lage, noch mehrmals versuchen wird, wie heute in
überraschenden Einzelaktionen den Durchbruchserfolg, der ihm bisher versagt blieb, doch noch zu erringen.
Anders stellt sich das Feindbild am Nordflügel der Armee dar. Hier deuten - die Kampfpause hält auch heute noch an - das Auftreten eines vierten Schtz.Korps vor dem LV.A.K. und die durch
Nachtluftaufklärung festgestellten erheblichen mot=Zuführungen aus der Tiefe auf eine zunehmende feindliche Kräftekonzentrierung hin, die einen erneuten Großangriff erwarten läßt, und zwar möglicherweise
beiderseits Rogatschew bis zur linken Armeegrenze. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Feind das derzeitige unsichtige Wetter dazu benutzen wird, um überraschend zum Angriff anzutreten, deshalb läßt
der Oberbefehlshaber in einem Befehl noch einmal ausdrücklich auf größte Wachsamkeit der Grabenbesatzungen und höchste Alarmbereitschaft der im Hauptkampffeld eingesetzten Waffen, insbesondere der
Artillerie, hinweisen (s. Anl. IV 2.).
Für die weitere Durchführung der Umgruppierungen am linken Armeeflügel hat das AOK befohlen, daß die 20.Pz.Div. nach erfolgter Ablösung durch die 211.I.D. geschlossen am Nordflügel eingesetzt bleiben
soll, gleichzeitig ist die Herauslösung von noch beim LV.A.K. befindlichen Teilen des XXXV.A.K. und ihre Rückführung dorthin angeordnet werden. Dieser Befehl liegt im Zuge der Bemühungen des AOK um
eine allgemeine Wiederordnung der Verbände, die allerdings angesichts der im Laufe der vergangenen Kampfhandlungen so zahlreich erfolgten Verschiebungen einzelner Teileinheiten aus nicht angegriffenen
Abschnitten zu den Abwehrbrennpunkten auch weiterhin noch verhältnismäßig komplizierte Umgruppierungen erfordern wird. Die Wahrscheinlichkeit eines neuen sowjetischen Großangriffs beim LV.A.K. und die
immer noch angespannte Lage südlich der Beresina läßt es dabei geraten erscheinen, mit der Rückführung dieser Einheiten zu ihren Stammdivisionen nur sehr allmählich und vorsichtig zu Werke gehen, um
die Standfestigkeit der Abwehr nicht zu gefährden (s,dazu Anl. IV 1, ferner auch Anl. IV 3 und IV 10).
29.2.1944
KTB 9.Armee.
Im Abschnitt südlich der Beresina hat der Gegner seine gestern gescheiterten Angriffe heute nur in ganz bescheidenem Umfang wieder aufgenommen. Er beschränkt sich neben Gr.W.-Feuerüberfällen auf den
rechten Flügel der 36.І.D. auf schwächere Vorstöße gegen die 110.I.D., 4.Pz.Div. und 253.I.D., die sämtlich abgewiesen.werden (s. Anl. II und III).
Nördlich der Beresina schließt der Feind langsam gegen die neue Front des XXXV.A.K. auf. Bei der 383.I.D. führt, er mehrere Erkundungsvorstöße, am linken Flügel der 45.I.D. werden die Gefechtsvorposten
von überlegenen Feindkräften, darunter mehreren Panzern, auf die HKL zurückgeworfen. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß der Feind eine Angriffstätigkeit nunmehr in vermehrtem Maße auf das Nordufer
der Beresina ausdehnen wird, insbesondere dürfte mit einem Druckpunkt auf den linken Flügel der 45.I.D. zu rechnen sein, wo Einschießen der Feindartillerie und anhaltende Motoren-, und Kettengeräusche
im Waldgelände südlich Korotkowitschi deutlich auf feindliche Angriffsabsichten hinweisen (s.d. Ic=Meldungen). Zur Verstärkung der. Pz.-Abwehr befiehlt, das AOK die Zusammenziehung der bisher mit
Teilen beim XXXXI.Pz.K., mit der Masse beim LV.A.K. befindlichen H.Pz.Jäg.Abt. 561 zum XXXV.A.K. (s. Anl. IV 1).
Beim IV.A.K. ist der Tag - von stärkeren Feindbewegungen im Einbruchsraum abgesehen - wiederum ruhig verlaufen. Die Angriffs-Vorbereitungen des Gegners scheinen beendet zu sein. Eigene Artillerie schießt Feuerzusammenfassungen auf Rogatschew, Blisnezy und Lushki; für die Nacht hat das Gen.Kdo, verstärkte Aufklärungstätigkeit und erhöhte Alarmbereitschaft befohlen. Mit dem Losbrechen des neuen feindlichen
Durchbruchsangriffs muß nunmehr jederzeit gerechnet werden.
 
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