16.Panzerdivision
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Kriegstagebuch Juli 1942
1.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64. -21.7.1942
Selbst drei Wochen in der Etappe, Ruhe in Nowo Tschaikien, zwischen Stalino und Makejewska, den großen Industriestädten des Donezbeckens.
Überall Schächte, riesige Fabrikanlagen, z. T. schon wieder in Betrieb.
Dienstmäßige Ausbildung mit Nachersatz. Fein ist die saubere Unterkunft, das Loswerden der Läuse, das Waschen, das Baden. Stalino schöne Stadt, seit
deutscher Besetzung sehr sauber. Man spürt das deutsche Planen. Oper „La Traviata“ gesehen, gesungen von russ. Künstlern. Sonst nicht oft ausgegangen,
höchstens abends ins Varieté. Was soll ich im Buff!! Da genügen die 90% der Kompanie! Mit Albert Schreiber und Artur Reiser, Heinz Nölle u. Georg
Schneider viel zusammen.
Wir spielen Skat, lesen und reden viel über alle Fragen und sehen zu, was andere treiben. Uns ist das zu wenig, den andern allerdings auch nur ein
Übergang. Die letzten Tage bauen wir unsere LKW gut aus mit Bänken, Tornisterkästen. Schade, dass wir keine Protzen bekommen haben.
2.7.1942  
3.7.1942  
4.7.1942  
5.7.1942  
6.7.1942  
7.7.1942  
8.7.1942  
9.7.1942  
10.7.1942  
11.7.1942  
12.7.1942  
13.7.1942  
14.7.1942  
15.7.1942  
16.7.1942  
17.7.1942  
18.7.1942  
19.7.1942  
20.7.1942  
21.7.1942  
22.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Der Abmarsch wird Wirklichkeit. Unsere Fahrzeuge sind beladen. Ich führe die 1.Gruppe des II.Zugs. Erkes und Zorn Schützen 1, Zorn, Fritz Schmidt,
Karl Strubb, der am Tuslow verwundet wurde und nun wieder da ist, gute alte Kameraden, dazu vier Leute vom Feld Ersatzbataillon. Zugführer ist
wieder Hans Stadtfeld, Zugtruppenführer Ofw.Haidt. Die Division ist schon abmarschiert, vermutlich Richtung Stalingrad. Wir hoffen, bald in der
Wolga baden zu können.
23.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Um 3 Uhr Abmarsch über Stalino, Iassinowotaja, Gerlowka, Artemansk, Lissitschansk, etwa 215 km über Stock und Stein, über den Donez mit unheimlich
tief und breit vorhandenen Ufern. Franz Envers, der Fahrer meiner Gruppe, fährt tadellos. Im Dunkeln erreichen wir das Tagesziel, ein kleines Dorf.
Schlaf im Straßengraben.
24.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Weiter nach O. Katastrophale Wegeverhältnisse. Marschweg Starobelsk-Bjelowodzk, Tjaranikowka-Wolas. Chino-Millerowo?, etwa 175 km.
25.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Wir bleiben liegen. Grund unbekannt. Herrlicher Sonnenschein, wir faulenzen, lesen Schmöker und spielen Skat, trinken viel Milch und machen uns aus
neuen Kartoffeln ein feines Abendessen. Öl und Eier werden organisiert. Kirschbaum abgeplündert.
26.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Noch ein Tag im Dorf. Ausbildung an der leichten Pak, mein Fall, dazu Albert Schreiber; dann könnte der Laden stimmen. Mittags mit der Gruppe beim Baden.
Mit Handgranaten fangen wir 100 kleine Fische. Das Ausnehmen ist eine langwierige Arbeit. Aber es lohnt sich. Am Abend viel Post für mich.
27.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Fahrtstrecke: Kaschary, Kiewokoje-Shalajewsky-Krassnokiewsky-Tschinsjakoffka- Tscherutschewskowka, 207 km.
28.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Durch baumlose Steppe. 12 Uhr mittags sehen wir den Don, biegen ab. Nachts Sicherung des Stabs des Armeekorps. In W-Richtung sollen ein Regiment
Russen und 12 Panzer eingeschlossen sein. Die andere Kompanie des Bataillons soll schon am Kessel beteiligt sein. Generalleutnant Hube fährt vorbei.
Nachts lange Unterhaltung mit Hans Stadtfeldt.
29.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Sicherung der Brigade. Wieder lange Unterhaltung mit Hans Stadtfeldt. Er gibt mir recht, als ich behaupte, dass Albert Schreiber als erster der
Kompanie einen Panzer erledigt.
30.7.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Beim Hellwerden im Karacho zu neuem Einsatz. Mein Fahrzeug fällt aus; auf die anderen Fahrzeuge Leute verteilt. Nach ½ Stunde absitzen.
Wir sollen eine Artillerie-Stellung gegen angreifende russische Infanterie verteidigen. Die Artillerie-Geschütze beschießen russischen Panzer
durch direkten Beschuss. Im Kornfeld 300m vor, langsam. Die Hunde schießen viel und überall, auch die Panzer. Wir erkennen eine ganze Anzahl.
Ein Panzer rollt nahe an uns heran. Ich habe eine Tellermine. Ich fasse schnell einen Plan: Ich will den Panzer (Christi-Panzer) knacken! Ich will
den Zugführer verständigen, krieche zu ihm hin. Wir sehen, dass die Ari Mücke gemacht hat, dass die andern russischen Panzer uns links umfassen
wollen. Also zurück, denn die Ari braucht ja nicht mehr verteidigt werden. Wo blieb Befehl vom Kompaniechef? Plötzlich schwerer Schlag in der
rechten Brustseite. Verwundet?! Ich spucke aus – Blut! Also Lungenschuss. „Hans, ich bin kaputt“, rufe ich dem Zugführer zu, der neben mir ist.
„Ach was, so rasch geht es nicht!“ sagt der, nachdem er sich von der Überraschung erholt hat. Und da sind schon Albert Schreiber, Sepp Hämmerle
und Artur Reiser. Wir sehen nach, finden keinen Ein- und Ausschuss. Endlich am rechten Oberarm Einschuss, stark blutend. Ich sehe die Kameraden
müssen zurück, sonst fangen sie die Panzer. Man hört sie schon ganz nahe. „Lasst mich liegen, schreibt meiner Frau und meinen Eltern.“
Die Drei lehnen ab. Entweder wir alle oder keiner“, sagt Albert und ich merke, dass es allen dreien ehrlicher Ernst ist. „Hat keinen Wert mehr
mit mir, da seht!“ Ich spucke aus und weise auf das Blut. „Aus, lasst mich liegen.“ Aber Sepp hat schon meine Zeltbahn ausgebreitet, sie legen
mich drauf und tragen mich durch das Gewehrfeuer der russischen Infanteristen und die Einschläge der Panzersprenggranaten nach hinten, aufrecht
laufend, um mich schnell zum Verbandsplatz zu bringen. Wir wissen allerdings nicht wohin. Kein Mensch hat eine Ahnung. Hinter der ehemaligen
Ari-Stellung großes Glück. Ein Sani-MTW mit einem Assistenzarzt steht da. Dort erste Hilfe und Abschied von den Kameraden.
Hauptverbandsplatz: Russischer Tieffliegerangriff. Eine MG-Garbe durch meinen Sani-Wagen, in dem ich liege! Tetanusspritze. Ich werde 5 Mal
ohnmächtig; werde frisch verbunden, habe etwas viel Blut verloren. Wir können nicht zum Hauptverbandsplatz kommen, eingeschlossen!
Gegen Mittag geht’s doch ab (um 7 Uhr morgens geschah der Schuss durch ein Panzer-MG). Unsere Panzer haben den russischen Ring gesprengt.
Abends im Feldlazarett 654. Hier erfahre ich: Oberarmdurchschuss und Bruststeckschuß.
Das Geschoß wird sofort entfernt. In einem Zimmer mit Oblt.Becker, Oblt.Münzer und Ofw.Buchmeister, K. Vogel (Freund von Ernst), u. a.
alles überfüllt. Schreckliche Bilder.
31.7.1942  
   
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