| Kriegstagebuch Juni 1942 | |
| 1.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ruhetag am Donez. Wir baden und schwimmen, waschen unsere Wäsche. Ich schwimme mit Sepp durch den Fluss. Am anderen Ende finden wir in einem kleinen Wald Maiglöckchen. Abends schwimme ich auf schwarzem Hengst nochmals durch das Wasser. |
| 2.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. 25 km weiter. Halbwegs holen uns unsere Leute mit LKW ab; die Munition und Gerät schon ans Marschziel gebracht haben. Zeltlager. Baden. Pudding verkorkt. |
| 3.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Wie am 2.6.1942: Unterwegs an großem Feldflughafen vorbei. Zeltlager. |
| 4.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ruhetag. Pudding. Skat. |
| 5.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Waffenpflege. Eine Stunde Exerzieren. Sonst Ruhe! Ein neuer Panzer steht neben unseren Zelten. Wir betrachten ihn genau. Jeden Abend gegen 5 Uhr greifen russische Bomber und amerikanische Schlachtflieger den Bereitstellungsraum und den Feldflughafen an. Sie müssen ihre Bomben planlos fallen lassen; denn unsere Jäger sind schnell hoch. Jeden Tag stürzen einige der Russen ab. Ein deutscher Jäger schießt in 10 Minuten 5 russische Flugzeuge ab. Einer will sich durch Fallschirmabsprung retten, reißt die Maschine hoch. Doch es reicht ihm nicht mehr. |
| 6.6.1942 | |
| 7.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Unternehmen „Wilhelm“ nochmals verschoben. Schlechtwetter. |
| 8.6.1942 | |
| 9.6.1942 | |
| 10.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Um 2.45 Uhr wecken. Infanterie durchstößt die Winterstellung der Russen. Unsere Panzerdivision stößt dann weiter, in NO-Richtung. Nach SO kommt von unten eine Infanterie-Division. Beide Divisionen sollen sich vereinigen und einen kleinen Kessel bilden. Auftrag für unser Btl. mit dem Rücken zum Kessel nach O zu sichern und eine neue HKL herstellen, diese halten, bis uns Infanterie ablöst. So wird uns der Plan bekannt gegeben. Alles geht planmäßig. Doch scheint der Russe etwas gemerkt zu haben und stiften gegangen zu sein. Gegen Abend in starkem Regen Angriff auf ein Dorf. Am Dorfrand nichts los. Auch im Dorf keine Russen. Sicherung des Dorfrandes bis zum Morgen. |
| 11.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Morgens Spähtruppauftrag. Ich soll mit zwei MG-Trupps feststellen, ob in der Mulde (etwa 600 m vor uns) Russen sind. Ohne viel Vorsicht direkt vor, an den Rand der Mulde. Schreiber und ich voraus. In der Mulde ein einziger Russe. Ich rufe ihn an. Er will sich verkrümeln. Ich schieße ihm nach, fehle, nochmals, da fällt er um. Doch da kriegen wir MG-Feuer, legen uns hin. Ich gebe schnell dem MG-Trupp Adams (v. Gruppe Andreas zum Spähtrupp befohlen) den Befehl sich 50 m zurückzuziehen und dann den Feuerschutz zu übernehmen. Solange bleiben wir liegen. Hämmerle streut den Hang ab. Die MG-Stellung haben wir noch nicht erkannt. Da, Albert Schreiber hat den Bunker gefunden; schießt Leuchtspur hin und Hämmerle mit dem MG ganz genau. Das feindliche MG schweigt. Adams schießt nun auch. Nun springen wir. Und ohne Verlust kommen wir zurück. Ich mache Meldung und dann schnappen wir eine Gans und lassen sie fertig machen. Gegen 8 Uhr schicken die Russen einen starken Stoßtrupp gegen den SW-Rand des Dorfes. Wir liegen mit unseren beiden MG's gerade da. Ich lasse (H. Geurtz ist gerade beim Braten) auf 800 m das Feuer eröffnen, da die Russen sonst die Mulde erreichen und bis auf Einbruchsentfernung ungesehen herankommen könnten. Gleich nach uns eröffnet auch eine MG der Gruppe Lerch und eines der Gruppe Andreas das Feuer und nun hauen 4 MG in die Russen hinein, dass es eine Pracht ist. Die Russen machen in der Verwirrung den größten Fehler, sie legen sich hin, anstatt mit einem Sprung die Mulde zu erreichen. So liegen sie Zielscheibe und wir haben Ausdauer im Schießen. Nach ½ Stunde regt sich keiner mehr. Es regnet. Nebel umhüllt die Gestalten. Nun versuchen die, die unverwundet oder bewegungsfähig geblieben sind, zu entkommen. Wir nehmen das Feuer nochmals auf. Als es wieder heller wird, erkennen wir etwa 15 Tote mit dem Glas. Mittags soll I. und III.Zug die Höhe angreifen. Wir bleiben zur Flankensicherung im Dorf liegen. Die Russen, im Getreidefeld gut getarnt, lassen die Kameraden nahe herankommen und hauen dann mit allen Waffen hinein. Stundenlang können sich die Unseren nicht rühren. Erst in der Nacht zurück. Viele Ausfälle, 6 Tote, darunter Günther Lang. |
| 12.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Statt unserer Angriffe trägt Infanterie einen solchen vor. Fabelhaft arbeiten die Teile zusammen. In kurzer Zeit Höhe und die Bunker genommen. Ein MG mit unheimlich schneller Schussfolge dabei, ebenso deutsche Schnellfeuergewehre. Wir liegen noch eine Weile im Dorf, Stalinorgel haut her. Adams schwer verwundet. Dann rücken wir ab, in unsere befohlene Stellung, zur Sicherung nach O. Unterwegs Stalinorgel-Granaten, zwei Verwundete. Im Dunkeln rücken wir ein, nehmen Verbindung mit der Infanterie, die links von uns liegt, auf, finden fabelhafte Stellungen der Russen vor, mustergültig. Unterstände und freuen uns mächtig, dass die Nacht nicht durch Schanzen futsch geht. |
| 13.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Nichts Besonderes. Vor uns ein Fluss, dann versumpfte Fläche, am jenseitigem Hang die Gefechtsvorposten der Russen. Wir schießen nicht, um uns nicht zu verraten. Was nützte hier die Schießerei viel!? Entfernung mindestens 1500 m. Und hat er uns erkannt, haut er mit Granatwerfern her. Das ist wohl bei solchen Unterständen nicht gefährlich, aber auch unnötig. Wir sehen genau, dass sich die Russen morgens und abends um 5 Uhr ablösen, mittags zwei Essenträger kommen. Sie verhalten sich ziemlich vorsichtig. Ihre Bunker gut getarnt. |
| 14.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. -15.6.42 Nichts Besonderes. Nölle schießt auf ein russisches MG-Nest. Seither können wir nicht mehr so unbekümmert hausen. Dauernd zischen Gewehrgeschosse über uns weg. Mit schweren Granatwerfern decken sie uns zu. Eine Granate direkt auf unsere Deckung. Nicht durchschlagen. Stalinorgel sendet ihren Segen auch her. Der verdammte Nölle! Ein prima Kerl, zuverlässig, kameradschaftlich, Vater zweier Kinder, schon zweimal verwundet. |
| 15.6.1942 | |
| 16.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Unternehmen „Michael“ beendet. Zurück in ein Dorf, wo der Tross liegt. Der Plan des beendeten Unternehmens wird bekanntgegeben. |
| 17.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Zeltlager beim Tross. Waffen- und Körperpflege. Wir besuchen die Gräber der gefallenen Kameraden. Wittenberg vom III. Zug schießt sich selbst durch den Oberschenkel. Selbstverstümmelung?! Ich glaube es. |
| 18.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Noch immer da. Noch ein 3.Unternehmen steht bevor. |
| 19.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64.-21.6.42 Marsch in den neuen Bereitstellungsraum. Bis 21.6. Zeltlager an schönem See. Wir baden, waschen unsere Hemden, Unterhosen, Strümpfe u. a., fangen Fische, trinken Schnaps. Das Dorf, das einmal hier stand, wie weggewischt; vom Erdboden verschwunden. |
| 20.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Einsatzbefehl mittags 13 Uhr. Abends 20 Uhr auf LKW. Ab in Bereitstellungsraum. Kessel von Charkow. Das Panzer-Regiment mit zwei Bataillonen der 2 Schützen-Regimenter schon vor 4 Tagen abgerückt. |
| 21.6.1942 | |
| 22.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. In der Nacht vom 21./22.6. kurzer Marsch. Bereitstellung zum Angriff auf TP. Beim Hellwerden wird angetreten. II. Zug rechts, III.Zug links. Überall sitzen die russ. Gewehrschützen, in Getreidefeldern, Bunkern, fabelhaft getarnt. Nur ganz langsam vorwärts. III.Zug hält nicht Anschluss. Lücke. In dieser Lücke bleibt ein Bunker ungenommen. Uffz.Geurts wird verwundet, Schuss von hinten, aus dem Bunker. Ich übernehme die Gruppe. Wir kommen nicht weiter vor; bleiben liegen, warten auf III.Zug. Eigene Artillerie (Nebelwerfer) decken uns zu. Ungeheuer schnelle Feuerfolge. Unsere Schnauze war noch selten so tief im Boden. Das hört ja gar nicht auf. Am linken Zeigefinger leicht verwundet. Nach kurzer Pause nochmals, trotz weißer Leuchtkugeln. Noch näher bei uns. Sepp liegt bei mir. Wir stellen Munitionskästen um. Ich will gerade schlafen, da kommt Artur Reiser, der vorübergehend Kompanie-Melder ist und holt mich zum Kompanie-Gefechtsstand. Der Chef: „Kirschmer, nun müssen Sie nochmals auf Spähtrupp ins Dorf Bogodarowka. Es ist mir nicht recht, aber ich muss einen Mann wegschicken auf dessen Meldungen ich mich ganz verlassen kann“ und erzählt mir vom Widerspruch der Meldungen. Dann gibt mir Fw.Trappe, der Kompanie-Führer ist, genaue Anweisungen, zeigt mir die Karte und ermahnt zu größter Vorsicht, rät mir, viel Munition mitzunehmen. Ich, voller Wut über den gestörten Schlaf und den blöden, feigen „Spitz“ Lerch zur Gruppe, lasse fertigmachen und sage Lerch ins Gesicht, dass er gar nicht im Dorf war. Soweit kenne ich den. Dann gehen wir los. In einer Mulde, die ganz eng und tief ist, wird der Plan gemacht. Albert Schreiber und ich voraus. Die beiden Schützen, Hämmerle und Nölle, links und rechts rückwärts von uns. Die Gewehrschützen mit Munition hinter ihnen. Langsam tasten wir uns vor, durch die Mulde, suchen Bunker um Bunker ab. Alle sind verlassen. 500 m vor dem Dorf erkennen wir an dessen Rand zwei russische Landser. Näher ran! Es sieht nicht aus, als ob sie Posten ständen. Dazu sind sie zu unvorsichtig, zu zivilmäßig. Albert und ich 100 m vor dem Dorf, MG in Stellung. Wir rufen sie an. Sie kommen. Überläufer. Wir schicken H. Schlottmann in Deckung, gehen an die ersten Häuser ran. Ich lasse den nächsten Dorfteil absuchen, nichts. Unsere Hochachtung vor den Nebelwerfern steigt gewaltig. Die können bestimmt auch die Russen moralisch beeinflussen – wie uns!! Verbindung zwischen II. und III.Zug wird wieder hergestellt. III.Zug nimmt den Bunker, von dem Hein Geurtz angeschossen wurde. Stukas und Kampfflugzeuge unterstützen den Angriff. Ich sehe zum ersten Mal auch unsere Me 109 Bomben werfen. Unter dem Bombenhagel unserer Flieger kommen wir rasch vor. In der Mulde nehmen wir viele Kampfstände und Bunker, holen viele Russen heraus. Albert Schreiber rettet durch schnelle Entschlossenheit und kaltblütiges Draufgehen Uffz.Schöps vom III. Zug, der aus 2 m angeschossen wird, das Leben und hebt den Unterstand durch eine Handgranate aus. Der ganze III.Zug versagte und ließ sich von Albert beschämen. Auf der Höhe wird Stellung bezogen. Kurz vor dem Dunkelwerden muss ein Spähtrupp in ein vor uns liegendes großes Dorf, feststellen, ob noch Feind im Dorf. Bis wir ans Dorf kommen, ganz dunkel. Ich kehre um, melde dem Chef das Ergebnislose des Spähtrupps. Ich kann nicht 5 Kameraden in einen möglichen Hinterhalt der Russen führen. Er sieht es ein. |
| 23.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Im Morgendämmern muss „Spitz“ Lerch mit seiner Gruppe denselben Spähtrupp machen, kommt zurück und meldet: „Dorf feindfrei.“ Meldung vom Bataillon zum Regiment. Vom I.Bataillon kam dort folgende Meldung ein: „Dorf stark vom Feinde besetzt, von russischen MG stark beschossen.“ Das Regiment befiehlt neuen Spähtrupp, da sich die Meldungen widersprechen. Meldung mit den Überläufern zurück zur Kompanie. Dorf feindfrei. Ich nehme die Verbindung mit Infanterietruppen auf, die von N ins Dorf eindringen. Ich mit Albert durch Sumpfgelände ans andere Ende des Dorfes, um die Verbindung aufzunehmen. Der Rest soll organisieren. Bis wir zurück sind, stehen zwei Eimer Milch da, Brot, Butter, wunderfeine Dampfnudeln. Das schmeckt und versöhnt. Nach 3 Stunden beim Kompanie-Gefechtsstand, bringen Holzminen mit, auf die unser Minensuchgerät nicht anspricht und melde, dass alle Straßen und eine Brücke stark vermint sind. Starkes Lob des Chefs! Gleich darauf tritt das Bataillon an. Wir hundemüde. Gestern den ganzen Tag Angriff. Trotzdem gut gelaunt. Hölpert, von Gruppe Lerch, gesteht mir, dass sein Uffz. den Spähtrupp nicht ausgeführt hat, dass sie in guter Deckung eine Stunde geschlafen hätten. Solche Unverantwortlichkeit! Kein Feind. Abends kurz Halt in einem Dorf. Eine Russin küsst das Bild meines Buben; als ich es ihr zeige. Mit LKW vollends zu TP- Sicherung, um das Maß voll zu machen, muss ich gleich mit MG auf Horchposten. Der pflichtbewusste Nölle schläft ein. Dann muss er arg müd sein. Ich lasse ihn schlafen, horche für Zwei und lege mich an sein MG. Ablösung, zurück zu HKL. Ich baue kein Loch mehr, lege mich flach und penne fest. |
| 24.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Früh am Morgen weiter. In ein großes Dorf. Feldküche ist da. Welch ein Wunder. Essen wird ausgegeben: Sauer! Kein Kaffee bei solcher Hitze. Am Waldrand Ruhe. Zeltlager. |
| 25.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. - 31.6.42 Der Krieg ist aus. Es geht zurück nach Novo? Tschaikino. |
| 26.6.1942 | |
| 27.6.1942 | |
| 28.6.1942 | |
| 29.6.1942 | |
| 30.6.1942 | |
| 31.6.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Wir sind über Isjum nach Halriansk marschiert, dort auf die Eisenbahn verladen worden und bis Makejewska gefahren. In Haviansk deutlichen Einblick in das Leben hinter der Front, in die Etappe! Schwamm drüber! |
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