16.Panzerdivision
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Kriegstagebuch Oktober 1941
1.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
SS löst uns ab. Wir stoßen weiter. Nachts Sicherung des Regiments. Irgendwo kurze Schießerei.
2.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Angriff des Regiments über große Strecke. Lange Zeit kein Schwanz zu sehen. Hügelauf, hügelab. Als wir in einer Mulde sind, russisches
Gewehrfeuer. Sofort Eröffnung des Feuerkampfes. Unsere Gruppe muss nach links, offene Flanke decken. Russische Panzer, erst 4, dann
noch 12! Rollen direkt auf uns zu. Die 9.Kompanie geht zurück, Hals über Kopf; dann auch Teile von uns. Doch die Panzer gehen nicht
weiter. Sie könnten das ganze Bataillon „in Arsch wichsen“, doch sie zaudern; rollen aber dann geschlossen an. Ich liege noch als
einziger der Gruppe da, kein Gr.-führer, kein Munischütze. Was soll ich allein mit dem MG? „Ich mache auch Mücke tieflinks.“
(gehe zurück). Die Panzer nun in vollem Angriff auf unsere lächerliche 3,7cm Pak u. IG? (7 G)? deren Geschosse vollständig wirkungslos.
Panzer überfahren die Geschütze, 1 LKW, 1 MTW wird platt gedrückt. Ich bin noch 2-mal liegengeblieben. Aber was soll das?
Ich weiß allerdings, dass noch andere Kameraden vorn liegen. Aber ich hatte keinen Anschluss. Also vollends zurück. Btl. Kommandeur
fängt uns auf. Hinten finde ich die Gruppe, erfahre, dass der Herr Uffz. auf einem Meldekrad als erster nach hinten stiften ging.
Der Chef, Lt.Balleer und Fw. Wüst sind noch vorne, kommen als letzte, melden, dass die Panzer wieder abgehauen seien. Alle Achtung
vor dem Chef und den beiden andern erhärten sich noch. Abends weiter. Wir schmuggeln uns durch die russ. Linien weit ab der Straßen
nur im Gelände. Unsere Panzer fahren Spitze nach Marschkompass und rollen die Äcker platt als Straße.
Das Durchpirschen macht mir mächtigen Spaß, erinnert an die Jugendzeit, schlechtes Gewissen, weckt prickelnde Gefühle. Angst?
Der Div. Kommandeur wird schon wissen, was er macht und wenn – das wäre nicht das 1. Mal, dass wir abgeschnitten wären.
3.10.1941  
4.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Sicherung des Regiments von den Protzen aus. Bildung eines „Igels“. Beim Morgengrauen fährt Lt.Balleer mit 2 Protzen Spähtrupp
(Suhrmann und Lörks) angeschossen, Reifen kaputt, glücklich zurück! Am Abend wollen Panzer die erkannten russischen Stellungen aufrollen.
Lt.Balleer auf einem Panzer mit; offen dasitzend, will die Russen auffordern, sich gefangen zugeben. Da schießt ihn ein Bolschewist durch
den Kopf. Sein Opfer war nicht nötig, in diesem Falle. Er war Vater von 4 Kindern, fabelhafter Kamerad und unerschrockener Draufgänger.
Vorsicht ist nicht Feigheit.
5.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Weiter durch nach Marschkompass. Gänse gefangen, im Fahren gerupft.
6.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Alexjejewka (?) erreicht. Stadt nahe dem Asow'schen Meer. Von Panzern, MTW und I. Bat. angegriffen und genommen. Beute: 1 ½ Ztr. Butter
(Lörks und ich) Zucker, Brot, Keks, Tee. Fette Tage! Nachts Ruhe im Haus. Sicherung hat 6.Kompanie übernommen.
7.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Sicherung am Stadtrand von Alexjejewka nach S.W. Tiefe Löcher. Kalt und nass! Wir frieren jämmerlich. Mir tut alles weh, hauptsächlich die
Leisten und die Knie. Ich kann mich kaum regen. Nachts stehe ich freiwillig für Hutten Wache. Ich kann sowieso nicht schlafen. Unterhalte
mich lange mit Uffz. Willi Busch, lerne ihn ausgiebig kennen und schätzen. Prima Kerl; will aktiver Offizier werden. Das wird einer!
Walter dagegen, die Schnauze hat er, aber den Charakter?
8.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Säuberungsaktion um Alexjajawka beginnt. Die Schlacht am Asow'schen Meer ist erzwungen, der Kessel gebildet. Nun kommt die Aufreibung.
Auf Protzen wird Angriff gefahren. Alles in bester Kampfesstimmung, denn die Protzen sind unsere Heimat geworden, da fühlen wir uns sicher.
Doch bald kommt: „Absitzen“, zu Fuß weiter, Hügel um Hügel. Plötzlich Befehl „Am I.P. da vorn, Stellung, Marsch, Marsch.“ Im Laufschritt
trotz der Müdigkeit hin. Ich mit meinem MG links von I.P., der Zug rechts. Vor uns in einer breiten, flachen Mulde russische Kolonne.
Das ist ein Fressen! Visier 1400! Trotzdem! Ich habe viele Leuchtspurmunition, das ist gut. „Hinein, immer hinein.!“ Das MG arbeitet
fabelhaft. Und so wie ich schießen alle MG der Kompanie! Die Russen geraten ins Hasten. Pferde gehen durch, Soldaten laufen hin und her.
Sie flüchten alle nach rechts, eine ungeheure Menge. Doch dort stehen die MTW der 8.Kompanie und hauen hinein. Die Russen drehen um,
wieder in den von uns bestrichenen Raum. Nun schießen auch unsere Pak und IG (direkter Beschuss) Pferde fliegen hoch, LKW und PKW der
Russen brennen, bleiben liegen. Alles läuft durcheinander. Die Russen sind in Verzweiflung geraten. Aber keine weiße Fahne! In solchem
Feuer könnte man wahnsinnig werden. Nun wagen sie ein Letztes: Sie bringen ein Geschütz in Stellung und erwidern das Feuer.
Sie setzen mit dem 1.Schuss 1 Inf.Geschütz von uns außer Gefecht. 3 Tote 20 m links von mir. 2.Schuss, 5 m rechts von mir. Glück!
Dann geht es wieder weiter mit dem Schießen. Das MG ist ganz heiß. Die Hülsen sind ein Berg geworden. Da rollen von links unsere Panzer
an. Der Kessel wird jedem Landser klar, die Russen werden auf engstem Raum zusammengedrängt. Sie können nicht mehr anders, als sich zu
ergeben. Sie hätten das vor 2 Stunden schon tun können, hätten vielen Tausenden Tod und Verwundung ersparen können. Doch was fragen die
Kommissare nach dem Einzelnen. Bei solchen Menschenmassen kommt es ihnen auf einige Tausende nicht an. - In der Nacht Sicherung an der
Vormarschstraße. Russen versuchen bei der 6.Kompanie. durchzubrechen. MTW hauen alle in Arsch.
9.8.1941  
10.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
In einer Mulde viele tote Russen und große, zahlreiche Geschütze. Werk unserer Panzer. Wir im Angriff weiter vor. Hartnäckiger Widerstand
russischer Gewehrschützen. Nur mit Handgranaten sind sie zu bezwingen. Ein russ. Kommissar stellt sich tot. Gegen Abend haben wir aber
doch reinen Tisch gemacht. Unsere Panzer weiter vor. In der Nacht nichts Neues. Die Knochen tun mir mächtig weh. Ich möchte schlafen,
einschlafen! denn ich bin fürchterlich müde.
11.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Rumänen lösen uns ab. Zurück nach Alexjajawka. An der Vormarschstraße ein Bild größter Vernichtung. Russe an Russe, haufenweise, tot.
Viele Weiber dabei. Arbeit unserer MTW (Nacht von 10./11.10. s.o.) Unter den Toten der Befehlshaber der 18.russ. Armee, einfaches Soldatengrab,
seine Mütze drauf. In Alexejajaweka zwei Gefangenenlager unserer Division, etwa 8 – 10 000 Mann. Schlacht am Asow'schen Meer beendet.
Hauptfront fast ohne jeden Verlust. Der Krieg bald aus, die Russen am Ende. Das glauben wir alle und sind glücklich. Ruhe, Bad und frische
Wäsche. Sonntags gefrühstückt. Schlaf, Marketenderwaren: etwa 40 Zigaretten, 35 Zigarren, Virginias, Schokolade, Likör, Schnaps.
Dazu feinste Küche! Wir brutzeln uns selbst etwas als Zukost (Leber + Bratkartoffeln.) Gemütlicher Abend der Gruppe. Thema: „Glaube.
“Bei solchem Essen und Trinken unvorstellbar, aber schön!
12.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Weitermarsch etwa 80 km.
13.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
90 km Marsch. Halt in einem Bergdorf. Kleiner feindlicher Widerstand, rasch gebrochen. Wir stehen 80 km vor Mariupol. Eis- und Schneeregen.
Wir fahren mit Uffz.Stadtfeld Spähtrupp. 2 MTW dabei. 35 Gefangene aus Strohhaufen. Sie sind ganz erstarrt vor Kälte; ergeben sich ohne
weiteres. Alle haben nagelneue Schnellfeuerwaffen mit Zielfernrohr. Ich nehme mir ein Zielfernrohr mit. Das soll Julius einmal für sein
Jagdgewehr bekommen. 6 Gefangene nehmen wir auf unserer Protze mit. Ich gebe jedem eine Zigarette. Die Gesichter! Sie können sich vor
Freude nicht mehr. Ganz durchnässt. Die Nacht ist kalt. Jeder flucht. Nach dem Spähtrupp während des ganzen Mittags hat jeder auf Ruhe
gewartet. Scheiße! Nachts klappern die Zähne. Wenn wir wenigstens trocken wären! Doch was wollten wir gegen den Befehl tun? Wie lang solche
Nacht ist. Zum Schlafen lassen uns die Nässe und die Kälte nicht kommen.
14.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Sicherung im Bergdorf. Der Chef hat, entgegen dem Befehl des Bat.Kdrs. (seit einigen Tagen Major Mund(?) wechselseitige Sicherung angesetzt.
6 Std. Sicherung, 6 Std. Ruhe. In dieser Zeit wärmen wir uns in den Häusern, bei den Zivilisten, auf. So ist die Kälte zu ertragen.
15.10.1941  
16.10.1941  
17.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Weiter Richtung Stalino. Überall brennen Lagerhäuser. Die russischen Kommissare kennen keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Sie schonen
kein Getreide, nichts, gar nichts. In einem Dorf Sicherung und Ruhe im Wechsel 6 x 6 Stunden. In der Freizeit waschen wir uns, schlachten
und braten uns allerlei Getier.
18.10.1941  
19.10.1941  
20.10.1941  
21.10.1941  
22.10.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.22.-30.10.41
Die Kompanie wird als „Straßenbaukommando“ abgestellt. Ein kleiner Rest der Kampftruppe bleibt beim Tross in dem letzten Dorf.
Auftrag für uns: Die durch Regen verschlammten Wege auszubessern und die hängengebliebenen Fahrzeuge frei zu machen. Schon am 1. Tag
nehmen uns die Sonne und der Wind die ganze Arbeit ab.
Der Kompanie.-Trupp liegt in Thälmannsdorf, wir, der II.Zug mit Fw.Wüst in Rosenfeld. Beide Dörfer sind deutsche Siedlungen, die
Deutschen jedoch alle verschleppt, vertrieben oder sonst erledigt. Eine Frau, die uns Milch bringt, erzählt, dass die deutschen Frauen
und Kinder in einen Eisenbahnzug verladen wurden und als die deutschen Truppen zu schnell vorgestoßen seien, hätten russische
Kommissare den Zug gesprengt. Deutsche Flieger seien da und könnten Bomben werfen. Sie sei wie durch ein Wunder gerettet worden und
wieder nach Haus gekommen. Ihre Schwester und zwei Kinder seien auch tot.
Herrliche Tage. Fw.Wüst hat, nachdem die Straße wieder ordentlich abgetrocknet war, einen reitenden Streifenposten eingerichtet, der
aus zwei Mann besteht und die Strecke Thälmannsdorf einmal zu kontrollieren hat. Die Pferde laufen ja überall frei herum und wir fangen
uns einige gute Tiere ein. Sonst treiben wir Reitsport zum Vergnügen, waschen uns oft, braten + backen viel (Schweine laufen unheimlich
viel herrenlos herum) und trinken unheimlich viel Milch; schießen mit Pistolen und lesen in den Büchern einer deutschen Bücherei,
Lenins Werke , Stalins Reden, das Programm der Bolschewiken und Rechenschaftsberichte und zurechtgekämmte Tendenzromane.
Unmittelbar neben unserem Dorf ist ein Russendorf. Dort holen wir Milch in unheimlichen Mengen. Die Leute haben gar nichts mehr:
Kein Streichholz, keine Seife, nichts. Sie danken uns mit vielen Verbeugungen für eine Schachtel Zündholz und bringen Eier, Butter,
Kartoffeln. Die Russen haben bei ihrem Rückzug alles vernichtet. Deutsche Bauern kommen mit großen Herden zurück. Sie mussten mit der
bolschewistischen Truppe ostwärts ziehen, konnten aber wieder entweichen, als die Russen in den Kampf mit den Spitzen der deutschen
Divisionen verwickelt wurden. Sie sind überglücklich, schenken uns zwei Schafe, aber sie wissen nicht, was aus ihren Frauen geworden
ist, wo ihre Kinder sind.
Das Reiten macht mir Spaß, ohne Sattel, ohne Zaumzeug. Der Galopp hat mir's angetan. Da schwingt alles mit. Das ist eine herrliche Lust.
Und als einziger nie gestürzt!
Mit Willi Busch machen wir uns jeden Tag einen herrlichen Abend. Er führt die Gruppe; Walter ist beim Tross geblieben. Einmal singen
wir, dann erzählen wir uns aus unserem Leben, sprechen uns über „Glauben“ aus und glauben alle, dass wir in Russland nicht mehr
eingesetzt werden, dass der Krieg bald zu Ende ist.
Am 30. zurück zum Tross. Es geht doch nicht ohne uns! Am Abend im Regen weiter.
23.10.1941
 
24.10.1941
 
25.10.1941
 
26.10.1941
 
27.10.1941
 
28.10.1941
 
29.10.1941
 
30.10.1941
 
31.10.1941
privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Die Ölleitung ist erreicht. Wir liegen am Mius, sichern und ruhen abwechslungsweise. Tadelloses Quartier, sauber, freundlich.
Die Russin bringt uns zu unserem Essen Teller, Gabel + Messer; stiftet saure Milch. Ein Ficus schmückt das Zimmer.
Ich bin krank. Bei der Sicherung in der Nacht Schüttelfrost. Walter will mich ins Quartier schicken; dafür müsste ein anderer
raus. Das tue ich nicht. Und es geht auch so.
Luftkämpfe begeistern uns. Am 1.Tag sehen wir drei Russen abstürzen. Graunhorst EK.I., Chef und Willi Busch E.K.II. Wann ich?
   
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