| Kriegstagebuch September 1939 | |
| 1.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Die Hauptkräfte der 3.Armee waren Ende August im westlichen Masuren zum Angriff in allgemeiner Richtung auf Warschau bereitgestellt: I.A.K. südlich Neidenburg gegenüber der befestigten Mlawa - Stellung, Korps Wodrig bei und westlich Willenberg. Zwischen den inneren Flügeln beider Korps (11.bzw.1.Division) bestand eine 25 km breite Lücke. Innerhalb des Korps Wodrig war die 1.Division rechts eingesetzt, rechter Flügel nördlich Janowo; sie war links an die 12.Division (Generalleutnant von der Leyen) angelehnt. Am 1.September 4,45 Uhr wurde der Grenzfluß Orschütz zum Angriff in Richtung Przasnysz überschritten. Vor der Front der 1.Division waren nur schwächere Truppen an den Brücken von Janowo beobachtet. Agentennachrichten ließen jedoch Feind aller Waffen auf den Höhen südlich des Orschütz vermuten. Der Grenzübertritt erfolgte daher in Gefechtsentwicklung unter Artillerieschutz. Die Agentennachrichten erwiesen sich als falsch. Nur an den beiden Brücken bei Janowo stand je 1 Zug. Die Brücke am Ort flog in die Luft, die 2 km westlich gelegene fiel unversehrt in unsere Hand. Der Übergang der Division über den kleinen, aber sumpfigen Orschütz kostete Zeit und Mühe, gegen Mittag aber war die Division in zwei Kolonnen im Vormarsch nach Süden und erreichte am Abend die Gegend nördlich von Krzynowloga-Mala, wo sie auf den ersten Widerstand mit Artillerie stieß. Bereits jetzt wurde der Vormarsch durch große Strassensprengungen und Minen erschwert. |
| 2.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Das I.A.K. war bei Mlawa nicht durchgekommen. Der Vormarsch des Korps Wodrig wurde daher am 2.9. nach Südwesten abgedreht. Der Feind räumte morgens Krzynowloga-Mala. Die Aufklärung hatte ergeben, daß sich halbwegs zwischen diesem Ort und Grudusk eine starke ausgebaute Stellung befand. Ihre Hauptbastion war der hart nördlich der Straße gelegene Bergkegel Gora - Kamienska. Er überragte das Vorgelände nach Norden und Osten um 60 m und gewährte dem Feind weiten Überblick. Er war mit Gräben, mehreren Reihen Flandernzäunen, Balkenunterständen und 6 Beton - Schartenständen für Flankierung verstärkt. Das Angriffsgelände war flachwellig, zum Teil völlig eben; günstig nur die Artillerie - B. - Stellungen und einige Waldstücke, die eine gedeckte Bereitstellung - durchschnittlich 2 km vor der Stellung - ermöglichten. Nach 3 - 4 stündiger Bereitstellung und Erkundung begann 15,00 Uhr der Angriff unter Zusammenfassung des ganzen Artilleriefeuers auf die Bergstellung. Der Angriff war zangenartig angesetzt: verst. J.R.1 von Norden über Dzierzgowo - Szumsk, J.R.43 u. 22 von Nordosten beiderseits der Straße Krzynowloga-Mala - Grudusk. 17,00 Uhr war das südlich der Straße angreifende III./J.R.22 in das Grabensystem eingedrungen und stieß 1 000 m darüber hinaus. Das ihm folgende II./J.R.22 rollte die Bergstellung auf und nahm 18,00 Uhr den Gipfel. Bei Einbruch der Dunkelheit war der Berg einschließlich der Orte Kamien und Zaboklik trotz starker, durch Artillerie und Panzerspähwagen unterstützter Gegenangriffe fest in der Hand der angreifenden Bataillone (III./43, II. und III./22). Artillerie und Reserven schlossen nach vorn auf. J.R.1 hatte inzwischen, über Szumsk vorgehend, den Feind in der ausgebauten Stellung am Waldrande südlich dieses Ortes beschäftigt. Der Feuerkampf an der Bergstellung dauerte in die Nacht hinein und flaute erst am Morgen ab. Die von der 1.Division angegriffene Stellung war vom polnischen J.R.76 und 6 - 7 Batterien verteidigt. Die Polen hatten bis auf nächste Entfernungen, in den Bunkern bis zum Tod durch die Handgranate, Widerstand geleistet. Der Angriff über die freie Ebene gegen eine normal besetzte und stark befestigte Stellung war eine Ruhmestat der Infanterie, besonders des J.R.22. Das Artilleriefeuer hatte die Polen in der Bergstellung erschüttert und niedergehalten. Die schweren Infanteriewaffen aber mußten voll zu seiner Ergänzung mitwirken; an der Einbruchstelle südlich des Berges hatten sie das Niederhalten des Frontalfeindes allein auf sich nehmen müssen. Unsere infanteristische Bewaffnung hat sich glänzend bewährt; auch Angriffsverfahren und Ausbildung erwiesen sich als richtig. Daß ein durchschlagender Erfolg nur im schnellen Angriff erzielt wird, bestätigte sich aufs Neue. Das II./J.R.22 z.B. legte einen 3 km langen Angriffsweg mit Bunkerkampf in knapp zwei Stunden zurück. Die Verluste (7 Offiziere, 124 Unteroffiziere und Mannschaften) waren im Verhältnis zur Schwere des Angriffs gering geblieben, ein Erfolg von Führung und Ausbildung. Auf den Angriffsschwung in den kommenden Gefechten hat sich das sehr günstig ausgewirkt. 9./I.R.43: Obschtz.Engler Josef, bei Kamionka schwer verwundet, I.G.Becken - am 30.9.39 im Kriegslaz.2./509 verstorben; |
| 3.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Die Division sollte am 3.9. erst weiter angreifen, wenn die noch abhängende 12.Division in gleiche Höhe gekommen war. Als sich jedoch herausstellte, daß der Feind seine Stellungen geräumt hatte, wurde sofort die Verfolgung in Richtung Grudusk angetreten. Hierbei machte das Heranziehen des J.R.1 Schwierigkeiten es war auf besonders starke Minenfelder gestoßen, deren Beseitigung einen ganzen Tag kostete. Die polnischen Minen kosteten der Division vom 1. – 3. September 8 Tote und 25 Verwundete, unter letzteren war der Kommandeur der Div.Aufkl.Abt.1, Oberstleutnant Frhr. von Lüttwitz. Während sich die Truppen zum Vormarsch sammelten, landete der Oberbefehlshaber der 3.Armee, General d.Art. von Küchler, neben der Marschstraße mit einem Fieseler Storch. Er gab der Verfolgung der Division die Richtung nach Südwesten, also in die tiefe Flanke des bei Mlawa haltenden Feindes, der zu gleicher Zeit vom I.A.K. erneut angegriffen werden sollte. Die Division trat in 2mKolonnen auf Stupsk und Konopki (an der Straße Mlawa –mCiechanow) an, während die Radf.-Esk. mit einer Batteriemvon Grudusk auf der Straße auf Mlawa vorstoßen sollte. Der Vormarsch stieß am Nachmittag in Linie Borowo (Radfahrer) – Pieglowo auf Feind, augenscheinlich eine Flankendeckung des Mlawa – Gegners. Aus dem Südwestvormarsch heraus entwickelten sich beide Kolonnen zum Angriff in westlicher Richtung. Der Südflügel drang am Abend über Tyski – Brzegendi hinaus. Die schwere Artillerie nahm aus Gegend Kluszewo das Feuer auf Mlawa auf und setzte es die ganze Nacht hindurch fort. Die 12.Division war südostwärts Grudusk auf einen von Ciechanow vorgetragenen Angriff einer polnischen Division gestoßen. Die Brände dieses Kampfes loderten im Rücken der 1.Division. Der Angriff des I.A.K. war auch am 3.9. nicht durchgedrungen. Infolgedessen wurde von der Division für den 4.9. Fortsetzung des Angriffs in Richtung Mlawa befohlen. Kaum war er angetreten, als lange Feindkolonnen im Marsch von Mlawa nach Süden beobachtet wurden. In kürzester Frist waren die Truppen von der Nordwestrichtung nach Westsüdwest herumgeworfen. Es gelang, über Wyszyny – Koscielne (J.R.22) – Dabek – Dunaj (J.R.43) und Fw.Feliksowo (Div.Aufkl.Abt.1) vorstoßend, zahlreiche Kolonnen unter Artillerie- und M.G.Feuer zu nehmen. |
| 4.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Der Angriff des I.A.K. war auch am 3.9. nicht durchgedrungen. Infolgedessen wurde von der Division für den 4.9. Fortsetzung des Angriffs in Richtung Mlawa befohlen. Kaum war er angetreten, als lange Feindkolonnen im Marsch von Mlawa nach Süden beobachtet wurden. In kürzester Frist waren die Truppen von der Nordwestrichtung nach Westsüdwest herumgeworfen. Es gelang, über Wyszyny – Koscielne (J.R.22) – Dabek – Dunaj (J.R.43) und Fw.Feliksowo (Div.Aufkl.Abt.1) vorstoßend, zahlreiche Kolonnen unter Artillerie- und M.G.Feuer zu nehmen. Zwei Batterien wurden erbeutet. Die Verluste der Division am 3. und 4. September betrugen 26 Tote (dabei 1 Offizier), 53 Verwundete. Der Vorstoß der 1.Division auf Mlawa hatte den Feind zum Aufgeben der erfolgreich verteidigten, sehr starken Mlawa - Stellung veranlaßt und dem I.A.K. den Weg nach Süden zum Vormarsch freigemacht. Das polnische Stellungssystem an der Grenze war zerbrochen. Der Weg zu neuen Operationen war frei. Das Ziel des neuen Feldzugsabschnittes war der Narew-Übergang. In sehr langen, anstrengenden Märschen gelangte die Division am 4.9. in Gegend westlich Przasnysz, am 5.9. mit vorgeschobenen Teilen bis Makow. A.K.z.b.V. an I.A.K., 4.9.39, 6.55 Uhr: 6.30 Uhr: Die Polen gehen in langen Kolonnen von Mlawa nach Süden zurück. 1.Div.greift in genau westl.Richtung an (Stupsk und nördl.). ... |
| 5.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) In sehr langen, anstrengenden Märschen gelangte die Division am 4.9. in Gegend westlich Przasnysz, am 5.9. mit vorgeschobenen Teilen bis Makow. Hier war die Brücke über den etwa 25 m breiten Orschütz verbrannt. Noch am 5.9. wurde eine Kriegsbrücke hergestellt, gleichzeitig der Bau einer Behelfsbrücke begonnen. Bis zum 6. abends wurde sie fertig, das Brückengerät für den Narew-Übergang frei. |
| 6.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Am 6. früh wurde das verst. J.R.1 zeitig in Richtung Rozan vorgezogen, wo es – zunächst unter Befehl des Generals v.d.Leyen – den befestigten Brückenkopf Rozan angreifen sollte. Der Rest der Division überschritt den Orschütz und erreichte die Wälder ostwärts Makow. Es zeigte sich, daß ein Übergang über Kriegsbrücken auch bei ungestörtem Fließen Zeitverlust kostet. Die gebotene Vorsicht mit schweren Fahrzeugen vergrößert die Fahrzeugabstände und damit – da die Marschkolonne zum ganz überwiegenden Teil aus solchen zusammengesetzt ist – die Marschlängen. Zudem war die Marschstraße teilweise von Kolonnen der 12.Division und der 1.Kavallerie=Brigade belegt. Ein Feldzug in einem so unwegsamen Lande konzentriert sich zwangsläufig um die Straßen, denn Sandwege wie die polnischen haben Einbuße an Menschenkraft, Pferden, Treibstoff und Kraftfahrzeugen zur Folge. Das Zusammendrängen von Fahrzeugkolonnen mehrerer Divisionen auf einer Straße war vielfach unvermeidlich, erschwerte aber die Marschbewegungen über Narew und Bug außerordentlich. Der Brückenkopf von Rozan wurde gegen Mittag geräumt gemeldet. Der Angriff des J.R.1 war aber weit südlich ausholend angesetzt, sodaß die brennende Stadt erst kurz vor Dunkelwerden erreicht wurde. Auf die entscheidende Wichtigkeit des Narewüberganges durch persönliches Erscheinen aller Vorgesetzten hingewiesen, schritt das Regiment trotz lebhaften Feuers unverzüglich aus der Bewegung heraus zum Angriff über den Fluß. Wegen der überhöhenden Lage der Stadt hatten sich die Polen bei Tage vom Ufer abgesetzt. Der Angriff bei Abenddämmerung ließ ihnen keine Zeit, sich näher an das Ufer heranzuschieben. So gelang es dem Regiment, mit II. und III.Btl. in den ersten Nachtstunden über den Fluß zu gehen. Die Brücke brannte, das Feuer hatte aber nur ein Stück Oberbau am jenseitigen Ufer zerstört. Gleichzeitig hatten 10 km südlich das Reiter - Regiment 2, 5 km nördlich Teile der 12.Division das andere Ufer erkämpft. In der Nacht wurde der Rest der Division nachgezogen. |
| 7.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Bei Tagesanbruch setzte J.R.1 seinen Angriff fort. Es durchstieß den großen Wald ostwärts Rozan und erbeutete an seinem Ostrand eine Batterie. Währenddessen setzten die übrigen Teile der Division in breiter Front über. Die Pioniere stellten die verbrannte Brücke wieder her, die am Abend dem Verkehr übergeben wurde. Übergangsstellen und Bereitstellungsräume waren stundenlang Ziel von 3 - 4 polnischen Bombenfliegern. Zu ihrer Bekämpfung standen nur acht 2 cm Flak zur Verfügung, deren Einsatz wenigstens den Erfolg hatte, die Flugzeuge in Höhen über 2 000 m zu verscheuchen. Einzelne polnische Flugzeuge hatten die Division seit dem 2.9. täglich mit Bomben beworfen. Erst am 8. erfolgte der letzte Angriff. Die Gesamtverluste durch Flieger betrugen 6 Tote und 35 Verwundete, mehrere Fahrzeuge und Pferde. Trotz Behinderung durch die Flieger stand die Division an Abend auf dem Ostufer, die Narewlinie war endgültig gefallen. |
| 8.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Dem weiteren Vormarsch wurde die Richtung auf Brok am Bug gegeben. Der Versuch, die dortige Brücke durch die vorausgesandte Div.Aufkl.Abt.1 zu nehmen, mußte schon am Vormittag des 8.9. als gescheitert angesehen werden; Flieger meldeten die Brücke brennend. Die Division erreichte, zum Teil auf schlimmen Sandwegen, die Straße Ostrow - Wyszkow nördlich von Brok mit dem Auftrage, am 9.9. den Bugübergang zu erzwingen. Ebenso wie am Narew wurde ein planmäßiger Angriff über den Fluß befehlsmäßig vorbereitet, gleichzeitig aber versucht, dem Feinde zuvorzukommen. Die Div.Aufkl.Abt.1 sollte bei Tagesanbruch den Uferwechsel versuchen und einen Brückenkopf bilden. Der Versuch gelang. Bei Brok war kein Feind, stattdessen die Radf.-Abt.1 (1.Kav.Brig.), die gleichzeitig übersetzte und eine willkommene Verstärkung des Brückenkopfes bildete. Die vordersten Teile der Infanterie begannen sofort mit dem Übersetzen, das Pion.-Btl.1 – verstärkt durch Pion.-Btl.12 – mit dem Bau einer 16 to. Kriegsbrücke. Als die vordersten Schwadronen sich in dem unübersichtlichen Buschgelände etwa 4 km jenseits des Flusses eingenistet hatten, wurden sie durch einen von Süden vormarschierenden Feind – Infanterie und Artillerie – angegriffen. Ihre Lage war schon recht schwierig geworden, als das II./J.R.22 eintraf und den Feind, unterstützt von Teilen der Artillerie, zurückwarf. |
| 9.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Ebenso wie am Narew wurde ein planmäßiger Angriff über den Fluß befehlsmäßig vorbereitet, gleichzeitig aber versucht, dem Feinde zuvorzukommen. Die Div.Aufkl.Abt.1 sollte bei Tagesanbruch den Uferwechsel versuchen und einen Brückenkopf bilden. Der Versuch gelang. Bei Brok war kein Feind, stattdessen die Radf.-Abt.1 (1.Kav.Brig.), die gleichzeitig übersetzte und eine willkommene Verstärkung des Brückenkopfes bildete. Die vordersten Teile der Infanterie begannen sofort mit dem Übersetzen, das Pion.-Btl.1 – verstärkt durch Pion.-Btl.12 – mit dem Bau einer 16 to. Kriegsbrücke. Als die vordersten Schwadronen sich in dem unübersichtlichen Buschgelände etwa 4 km jenseits des Flusses eingenistet hatten, wurden sie durch einen von Süden vormarschierenden Feind – Infanterie und Artillerie – angegriffen. Ihre Lage war schon recht schwierig geworden, als das II./J.R.22 eintraf und den Feind, unterstützt von Teilen der Artillerie, zurückwarf. Am Abend versuchte der Feind, auch auf dem Nordufer den Übergang zu stören. Eine polnische Schwadron mit 2 Geschützen hatte von Osten her den Weg durch die Sicherungen der 12.Division zu finden gewußt und beschoß Brok und die Übergangsstellen von Osten her aus der Flanke. Durch tatkräftiges Eingreifen von Offizieren gelang es, drohende Verwirrung zu meistern und den Feind zurückzuwerfen. Brok ging in Flammen auf. Vom Abend an rollten die Fahrzeuge der Division über die Kriegsbrücke. Damit hatte die Division in 4 Tagen 3 Flüsse mit zerstörten Brücken überwunden, zwei davon mit Kampf. |
| 10.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Von den ersten Morgenstunden des 10.September an wurde der Uferwechsel der Division auf Befehl des Korps für 10 Stunden zugunsten der Pz.-Division Kempff unterbrochen. Die beweglichen Truppen sollten in vorderster Welle vorgehen, um den von Warschau nach Osten abziehenden Polen den Rückmarsch zu verlegen. Das Durchziehen der Pz.-Division dauerte jedoch erheblich länger. Bei Sadowne mußten Teile der Radf.Abt.1 sowie der J.R.22 und 43 einen Feind angreifen, der sich noch immer im Buschgelände hielt. |
| 11.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Erst am 11.September konnte der Vormarsch der Division fortgesetzt werden, immer noch behindert durch nachziehende oder steckengebliebene Teile der Pz.-Div. Kempff und 1.Kav.-Brig. Mit vordersten Teilen wurde die Judenstadt Wegrow erreicht. Am 12.September sollte die Division die Straße Warschau - Siedlce in Gegend südwestlich Mokobody sper- ren. Auf dem Wege dorthin wurde sie jedoch nach Siedlce abgedreht, da bereits mot.Truppen bei Kaluszyn eingetrof- fen waren. |
| 12.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Am 12.September sollte die Division die Straße Warschau - Siedlce in Gegend südwestlich Mokobody sperren. Auf dem Wege dorthin wurde sie jedoch nach Siedlce abgedreht, da bereits mot.Truppen bei Kaluszyn eingetroffen waren. Siedlce, das mit Div.Stab und J.R.43 erreicht wurde, enthielt ungeheure Beute. Infolge der Bahnzerstörungen durch deutsche Bombenwürfe staute sich Kilometer lang ein Zug hinter den anderen, darunter der Sonderzug des polnischen Staatspräsidenten, das militärgeographische Institut, ein Lazarettzug. Es fand sich Treibstoff und Mehl, genug für einen weiten Vormarsch. Die Truppen waren an der Grenze des Kartenbereichs angelangt; nur durch polnische Beute wurden sie in die Lage versetzt, in gewohnter Weise mit der Karte zu arbeiten. Die Kraftwageninstandsetzung lebte in den kommenden Wochen nur noch vom „Ausschlachten“ liegengebliebener Wagen beider Parteien. Das Abdrehen nach Südosten hatte die Einleitung einer neuen Operation bezweckt. Das Korps Wodrig sollte in Richtung Kowel vormarschieren. Das Sperren der Warschauer Straßen sollte anderen Kräften übertragen werden. Es kam anders. |
| 13.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Die Pz.Div.Kempff war mit Masse nach Zelechow vorgestoßen und hatte Teile bei Seroczyn und Stoczek belassen. Zunehmender Druck gegen Seroczyn hatte das Korps veranlaßt, die 1.Division am 13. morgens in und südostwärts Siedlce so zu versammeln, daß sie sowohl nach Südosten wie nach Südwesten weitermarschieren konnte. Gegen Mittag funkte die Pz.-Div., daß ihr Nordflügel bei Seroczyn stark angegriffen würde. Später meldete sie, daß der Feind von Nordwesten her in Richtung Wolynie gegen die Straße Siedlce – Seroczyn vorgehe. Ein Durchbruchsversuch aus Richtung Warschau zeichnete sich ab, zu dessen Abwehr die weit auseinandergezogenen Kräfte der Pz.-Division nicht ausreichten. Diese Meldungen gaben gegen 15,00 Uhr den Ausschlag für den Einsatz der Division. J.R.22 wurde auf der Straße Siedlce – Seroczyn, J.R.1 und 43 über Przywory – Domanice auf Rosy in Marsch gesetzt. Die Division war weder rechts noch links angelehnt. Die 12.Division, bisher links rückwärts vorgehend, war hinter die 1.Division geraten. Es handelte sich jetzt um eine Verfolgungslage. Der von Warschau kommende Feind hatte einen langen Rückzug hinter sich, er hatte seine Luftwaffe und seine Rüstungsindustrie verloren. Man konnte ihm gegenüber viel wagen. Die bis zum Abend eingehenden Meldungen ergaben das Bild, daß der Feind die Straße Seroczyn – Siedlce mit namhaften Teilen überschritten habe, daß der Stoß der Division ihn zwar treffen, aber nicht am Abzuge nach Süden verhindern würde. Diese Erwägungen führten zu dem Entschluß, die Hauptkolonne von Domanice nach Süden abzudrehen. Sie erreichte gegen Mitternacht mit Anfang die Straße Stoczek – Lukow in Gegend Zdzary. Damit war dem Feind der Rückzug verlegt. |
| 14.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Den Kessel nach innen zu schließen, war das Gefechtsziel für den 14.September. Der Kampf spielte sich in 2 Gruppen ab. J.R.22 war am Abend des 13.9. bereits bei Olszyc und Wola-Wodynska in die nach Südosten abmarschierenden Polen hineingestoßen. Bei III./J.R.22 in Wola-Wodynska kam es durch polnische Angriffe zu schweren Nahkämpfen, die sich am 14.9. früh wiederholten. Durch tatkräftiges Handeln aller Unterführer wurden die oft recht kritischen Lagen gemeistert. Die Polen verloren 300 Tote. Das übrige Regiment nächtigte bei Olesnica. Seine Artillerie feuerte zeitweise nach 3 Seiten, da Teile der Polen nördlich ausholend bei Ruda die Straße im Rücken des Regiments gewonnen hatten. Die Hauptkolonne der Division drehte aus der nächtlichen Sperraufstellung am Morgen des 14.9. nach Nordwesten ein. Zwischen Kopcie und dem Wege Zdzary–Rosy kam es zum Zusammenstoß mit dem Gegner, der den Durchbruch nach Südosten fortsetzen wollte. Brennpunkt des Kampfes war zunächst Domanice, wo ein polnischer Angriff bei Tagesanbruch bis 400 m an den Gefechtsstand der Division herankam. Nach Abwehr schritt das I./J.R.43 selbständig zum Gegenangriff, der die Vorwärtsbewegung ins Rollen brachte. Im Walde nordwestlich Zdzary brachte J.R.1 hunderte von Gefangenen ein, darunter den Kommandeur des polnischen J.R.5. Später hatte das I./J.R.1 bei Forsthaus Warkocz ein schweres Waldgefecht durch einen starken polnischen Gegenangriff zu bestehen. Die wechselvollen Kämpfe dieses Tages fanden mit Erreichen der Straße Ruda – Seroczyn – Stoczek ihren Abschluß. Aber die polnische Eigentümlichkeit, sich in den Wäldern zu verstecken, machte ein gründliches Durchkämmen des Kampfgeländes am 15.9. nötig. Erst jetzt ließ sich die Größe des Erfolges voll übersehen. Die 1.poln.Legionärs-Division aus Wilna – von polnischen Offizieren als beste ihres Heeres bezeichnet – war vernichtet. Nur Teile sind nach Süden entkommen, dabei anscheinend auch der Divisionsstab. Die Beute betrug 39 Geschütze und 5 200 Gefangene, dabei Versprengte von 8 Divisionen. Die Verluste der Division waren: Tot: 3 Offiziere, 86 Unteroffiziere und Mannschaften; Verwundet: 4 Offiziere, 96 Unteroffiziere und Mannschaften. Der auffallend große Anteil an Toten erklärt sich daraus, daß sich die Kämpfe zum großen Teil in Wäldern auf nächste Entfernungen abgespielt hatten. Funkspruch Pz.Div.Kempf an I.A.K. 14.9.39 10.40 Uhr. Inf.Rgt.22 bei Wodynia und Wola Wodynska hat keine Verbindung mit 1.Div. Straße nach Siedlce hinter Inf.Rgt.22 bei Ruda durch Feindkräfte gesperrt. ..unleserlich mit Inf.Rgt.22 Räumungsaktion. Standort ..unleserlich... Zelechow. |
| 15.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Aber die polnische Eigentümlichkeit, sich in den Wäldern zu verstecken, machte ein gründliches Durchkämmen des Kampfgeländes am 15.9. nötig. Erst jetzt ließ sich die Größe des Erfolges voll übersehen. Die 1.poln.Legionärs-Division aus Wilna – von polnischen Offizieren als beste ihres Heeres bezeichnet – war vernichtet. Nur Teile sind nach Süden entkommen, dabei anscheinend auch der Divisionsstab. Die Beute betrug 39 Geschütze und 5 200 Gefangene, dabei Versprengte von 8 Divisionen. Die Verluste der Division waren: Tot: 3 Offiziere, 86 Unteroffiziere und Mannschaften; Verwundet: 4 Offiziere, 96 Unteroffiziere und Mannschaften. Der auffallend große Anteil an Toten erklärt sich daraus, daß sich die Kämpfe zum großen Teil in Wäldern auf nächste Entfernungen abgespielt hatten. |
| 16.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Am 16.9. früh wurde die Division in den Raum Zelechow – Stoczek vorgeschoben. Sie gewann damit Anschluß an die Pz.Div.Kempff, die den Raum zwischen Gonczyce und der Weichsel sperrte. Da die Pz.-Division jedoch vom 16.9. nachmittags an zu anderer Verwendung über Zelechow – Brok – Pultusk in Marsch gesetzt wurde, fiel der 1.Division allein die Aufgabe zu, mit den um Garwolin festgestellten Feindkräften aufzuräumen. Hierzu wurde der Vormarsch in 3 Kolonnen fortgesetzt in der Absicht, über die Linie Garwolin – Laskarzew am 17.9. die Weichsel zu erreichen. Diese Bewegung führte zu 6 Einzelgefechten. Zusammenhanglos, ohne höhere Führung, kämpften polnische Truppen, die wohl kaum Bataillonsstärke überschritten, da, wo unser Vormarsch sie erreichte. J.R.1, von Stoczek auf Garwolin vorgehend, vernichtete am 16.9. abends in schneidigem Vorhutangriff ein Bataillon und eine Batterie. |
| 17.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) J.R.1, von Stoczek auf Garwolin vorgehend, vernichtete am 16.9. abends in schneidigem Vorhutangriff ein Bataillon und eine Batterie. Am 17.9. erreichte es Garwolin. J.R.43, aus Gegend nördlich Zelechow gegen den Raum südwestlich Garwolin angesetzt, hatte am 17.9. drei Gefechte gegen Kavallerie. J.R.22, von Zelechow auf Laskarzew vorgehend, hatte am 16.9. abends einen Angriff auf seine Marschkolonne abzuwehren. Am 17.9. nahm sein I.Bataillon Laskarzew in schwerem Häuserkampf, an dem sich auch Polen in Zivil beteiligten. Das Regiment erreichte am Abend die Weichsel oberhalb von Wilga. Die Kämpfe am 16. und 17.9. brachten wiederum 2 000 Gefangene ein. Die Division verlor 35 Tote, 42 Verwundete. Der äußere Ring um Warschau war damit geschlossen, während gleichzeitig das I.A.K., über Wyszkow vormarschierend, einen inneren Einschließungsring um die Vorstadt Praga legte. |
| 18.9.1939 | Bericht die 1.Inf.Div.im Polenfeldzug:1) Die Tage vom 18. bis 20. brachten noch einige Säuberungsaktionen im Waldgelände ostwärts der Weichsel. Hierbei wurde die Standarte des polnischen Jäger-Regiments zu Pferde Nr.8 (Kulm) durch einen Offizier des J.R.1 im Reiterkampf erbeutet, eine von den Polen verlassene Artillerie-Abteilung aufgefunden und im Waldgelände ostwärts der Weichsel etwa 1 500 Gefangene eingebracht. J.R.43, A.R.1 (ohne II. und III. Abt.) und Pion.Btl.1 wurden für 3 Tage bei der Belagerung von Warschau eingesetzt. Sie nahmen an den Artillerie- und Vorfeldkämpfen teil. Die Unterkunftsräume der Division wurden währenddessen allmählich nach Norden in die Gegend südlich von Minsk-Mazowiecki verlegt. Der Feldzug in Polen war abgeschlossen. Er hatte die Division in 17 tägigem Vormarsch über 400 km von der ostpreußischen Grenze bis zur mittleren Weichsel geführt. In 6 Gefechten hatte sie den Feind geschlagen, den Kampf um Mlawa entschieden, Narew- und Bugübergang erzwungen, eine polnische Division vernichtet und etwa 9 000 Gefangene eingebracht, dabei 100 Offiziere und etwa 50 Geschütze. Die Gesamtverluste der Division betrugen: Tot : 7 Offiziere 213 Unteroffiziere und Mannsch. Verwundet : 17 """ 383 """ """ """ Zusammen : 24 Offiziere 596 Unteroffiziere und Mannsch., dazu 360 Krankenabgänge. Die blutigen Verluste betrugen 3,4 % der Ausrückestärke. Die höchsten Verluste hatte J.R.22 mit 7 %, danach J.R.1 mit 6 % der Sollstärke, Offizierverluste 7,4 %. Die Pferdeverluste betrugen an Toten 3,7 %, (davon 100 Pferde durch Schußwunden); Abgänge an Pferdelazarett: 397 = 5,5 %. Hiervon konnten etwa 2/3 wieder voll dienstfähig werden. Die Totalverluste an Kraftwagen betrugen: Pkw. 4,2 % Lkw. 4,4 % Kräder 11,7 % Ein Vergleich zeigt, daß Pferd und Motor die ungeheure Kraftprobe dieses Feldzuges mit ungefähr gleichen Verlusten überstanden haben. Beide sind zum Ziel gekommen. In den letzten Septembertagen wurde die Division in Ruhequartiere im Raum nördlich Rozan zurückgeführt. Nach 8 tägigem Einsatz an der Demarkationslinie südlich Ostrolenka – angesichts von sowjetrussischen Truppen – wurde sie in ostpreußische Quartiere (Neidenburg – Willenberg) verlegt. Anfang November wurde sie nach dem Westen abtransportiert: |
| 19.9.1939 | Ia
Meldung 19.9.39 5.50 Uhr 1.Division Keine besonderen Vorkommnisse. Nacht ruhig verlaufen bis auf kleine, wenige feindliche artilleristische Feuerüberfälle. |
| 21.9.1939 |
Morgenmeldung 61.Div. an I.A.K. 21.9.1939 5.55 Uhr 1.) Div.Stab Wesola Korps-Vermittlung 2.) I.R.43 Försterei Zabki Div.Verm. 3.) I.R.151 Park Grochow Div.Verm. 4.) I.R.162 Kaweszyn Div.Verm. 5.) A.R.161 Wesola Div.Verm. 6.) Pz.Abw.161 Wesola Melder 7.) A.A.161 Turow Funk 8.) N.161 Wesola Div.Verm. 9.) A.R.1 auf dem Marsche Div.Verm. 10.) Pi.-Batl.1: auf dem Marsche Div.Verm. 11.) I.R.176 Kasernen Zygmondow Melder |
| 22.9.1939 | KTB
I.A.K.: ..... Gegen 14.00 Uhr ist der Korpsstab wieder in Sulejowek, als ein Fernruf des Kdr.d.11.Div. eintrifft der besagt, daß unmittelbar nach der Abfahrt des Führers in der Nähe der Kirche Glinki von 3 Bombenflugzeugen etwa 20 Bomben abgeworfen seien. Eine Nachprüfung bestätigte nicht die Vermutung der 11.Div., daß es sich um feindl. Flugzeuge handelte, sondern es ergab sich klar aus mehreren Zeugenberichten, daß es sich um deutsche Do-17 gehandelt habe. Die Bomben lagen teilweise in den vorderen Bttr.-Stellungen der Korps-Artl. Um 16.30 Uhr rufen kurz nacheinander die Ia der 11.u.61.Div. an un melden, daß vor etwa einer halben Stunde wiederum ein Bombenangriff, diesmal klar als deutsche Flugzeuge erkannt, über den deutschen Linien stattgefunden habe. Hierbei habe eine besonders schwere Bombe, durch einen Sturzkampfflieger abgeworfen, beim I./I.R.2 erhebliche Verluste verursacht. Darauf werden durch einen dringenden Fernspruch an A.O.K.3, Koluft, weitere Bombenangriffe jeglicher Art angehalten. Einen Bericht über die Verluste hierbei enthält die Abendmeldung an A.O.K.3, die um 19.15 Uhr durchgegeben wird. Anl. 19.20 Uhr fernmdl.Befehl von A.O.K.3, daß Angriff auf Praga engestellt wird. Anl. 20.10 Uhr fernmdl.Befehl des A.O.K.3, der das Herauslösen der Teile 1.Div. aus dem Verbunde des I.A.K. anordnet. Anl.538 ..... |
| 23.9.1939 | |
| 24.9.1939 | 06.45 Uhr
Morgenmeldung I.A.K. an A.O.K.3 Anl.559 Vordere Linie unverändert. Keine Feindberührung während der Nacht. Ablösung I.R.43 durch I.R.176 durchgeführt. 11.Div. an A.O.K.3 24.9.1949 12.00 Uhr 11.Div. hat Verbindung mit 1.K.B.aufgenommen u.hält diese. Rf.Abtlg.1 beiderseits Karczew von Weichsel bis zur Bahn. |
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1) GermanDocsInRussia – Digitalisierte deutsche Originaldokumente aus russischen Archiven.