| Kriegstagebuch Januar 1943 | |
| 18.1.1943 | Bericht: Die
3.Panzerarmee in der Zeit v.21.1.-5.3.43: Am 18.1. wird für Pz.A.O.K.3 eine neue Aufgabe befohlen: "Übernahme von Truppen und Gebiet der "Gruppe Chevallerie", im Abschnitt Welish - Wel.Luki - nördl.Nasswa eingesetzt die Abwehrkämpfe bei und den Entsetzungsangriff auf Wel.Luki geführt hat. Die Breite des Abschnitts und die hohe Zahl der grossen Verbände (8 und 1 Luftwaffen-Feldkorps mit 3 Div.) verlangen den Einsatz einer übergeordneten Kommandobehörde. Darüber hinaus ist der Abschnitt von ausschlaggebender Bedeutung für die gesamte Heeresgruppe: Setzt der Feind seine Angriffe mit starken Krften nach Südwesten fort, so stösst er in die lebenswichtigen Verbindungen der Heeresgruppe in einer für ih ausserordentliche günstigen operativen Richtung über Polozk - Witebsk auf Minsk. Schon im vorigen Jahr hat sich gezeigt, dass die in dieser Richtung liegenden Geländeschwierigkeiten den Gegner nicht entscheidend in seinem Vorgehen aufhalten können. So ist die neue Aufgabe wichtig genug. Ihr entspricht die vorgefundene Lage der Gruppe Chevallerie in keiner Weise: Die Masse der Divisionen is stark abgekämpft und trotz des Verlustes von Wel.Luki auf den schmalen ehemaligen Angriffsraum zusammengedrängt, die Verbände sind völlig durcheinander-gewürfelt, der Stellungsbau in den ersten Anfängen. Das Luftwaffen Feldkorps steht in einer "Stützpunktlinie" (eine Div. mit 4 Btlen. hat z.B. 47 km Breite) mit nur sehr wenig geschulten Truppen, den neuen "Luftwaffenfeld-Divisionen", und auf dem äussersten Nordflügel bilden unzuverlässige Landeseigene und Trosse der 8.Pz.Div. die "HKL". Je mehr Einzelheiten bekennt werden, um so erschütternder wird des Bild. Dazu hat sich hinter der Front eine Bandentätigkeit entwickelt, die Strassen-und Streckensprengungen und Uberfälle jeder Art zur Regelmässigkeit gemacht hat und das Betreten weiter Gebiete hinter der Front völlig ausschliesst. Nach kurzer Zeit ist die Aufgabe in ihrer Grösse völlig klar. Hier muss von vorn angefangen und mit grossen Mitteln geholfen werdene umd das Ziel: Bildung einer verteidigungsfähigen Front zu erreichen. Zeit darf nicht verloren gehen, denn es ist möglioh, dass der Feind seine Angriffe, die sich in dieser ersten Zeit auf die Richtung Wel.Luki noch vorspringende "Nase" (dem ehemaligen "Angriffsfinger") beschränken, nach nur kurzer Atempuase wieder aufnimmt. Diese Auffassung wird vom Obkde.H.Gr.Mitte geteilt, das den Abschnitt dar Armee zum wichtigsten im Bereich der H.Gr. Mitte erklärt und volle Hilfe zusagt. So beginnen Wochen intensiver Arbeit sur Hebung der Kampfkraft, u.a. a) Die Verbände und der gesamte Versorgungsapparat, werden in mühevoller Kleinarbeit geordnet. b) Materialinstandsetzung und Ersatzzuführung werden eingeleitet und durchgeführt. c) Beim II.Lw.F.K. wird unter starker Mithilfe der Heerestruppenteile eine vermehrte Ausbildung begonnen. d) Durch planmässige Zurücknahme der "Nase" werden Kräfte für Verdichtung anderer Fronten und Bildung von Reserven gewonnen. e) Die Massierung an der ehemaligen Angriffsfront wird durch Herausziehen von Verbänden aufgelockert und hierdurch die Möglichkeit geschaffen, die Verteidigung in bisher vernachlässigten Abschnitten zu organisieren und z.B. die über 100 verschiedenen Einzelteile ("Alarmeinheiten") im Abschnitt Nowosokoiniki abzulösen. Die Absichten des Feindes bleiben unklar. Wenn auch feststeht, dass durch die mannhafte Verteidigung von Wel.Luki die Mehrzahl seiner grossen VeeLände sehr stark mitgenommen ist, so bleibt doch die Möglichkeit weiter bestehen, dass er seine Angriffe fortsetzt, zumal er Nowosokolniki bereits vor der Befehlsübernahme durch Pz.A.O.K.3 einmal eingeschlossen hat. Ob Nowosokolniki oder, was gefährlicher und deshalb wahrscheinlicher erscheint, Newel seine zukünftige Angriffsrichtung sein werden, kann nicht geklärt werden. Mit der Zurücknahme der "Nase" tritt vorerst eine weitere Beruhigung ein. Die Durehführung der von der Heereegrupe geforderten und vom Pz.A.O.K.3 selbst für sehr erwünscht gehaltenen Vorverlegung der H.K.L. ostwärts Nowosokolniki scheitert an den Tatsachen: Die Truppe hat vielleicht bei Einsetz aller Reserven die Kraft, den Angriff zu führen, kaum aber dazu, das Gewonnene zu behaupten. Noch viel weniger aber — und das ist entscheidend — kann die inzwischen herangeführte 12.Pz.Div. als einzige wesentliche Armeereserve zu dieser nicht ausschlaggebenden Aufgabe angesichts der ungeklärten Feindlage und mangelhaften Abwehrkraft des Gesamtabschnittes an einer Stelle festegelegt werden. An Verstärkungen werden 263.Inf.Div. und 2.Lw.F.D. ab Ende Januar mit letzten Teilen bie Mitte bezw. Ende Februar sowie Gen.Kdo.XXXXIII.A.K. und Pz.Jäg.Abt.252 zugeführt. Dem steht u.a. die Abgabe aller Werfer (84 15 u. 28 cm) und 1 Pz.Abt. gegenüber. |
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