| Befehle I.Armeekorps Juli 1939 |
| Generalkommando
Königsberg (Pr),den 18.7.1939 I.Armeekorps (Wehrkreiskommando I) Ia Nr.35/39 g.K.Chef Betr.: "Fall Weiß". Bezug: H.Gru.Kdo.1 Ia Nr.56/39 g.K.Ch.v.1.7.39 Zu Ziffer 4 meldet das Generalkommando: Die 3.Armee überschreitet am Y-Tag X-Uhr im Angriff die polnische Grenze. Das verst.XXI.A.K.nimmt Graudenz, um durch Besitznahme dieser Festung und Bildung eines Brückenkopfes auf dem Westufer der Weichsel den Angriff der 4.Armee durch den Korridor zu erleichtern. Die Masse der Armee, verst.I.A.K., greift übder die Linie Mlawa - Chorzele an und setzt sich in Besitz der Narew - Strecke Pultusk - Rozan, um hierdurch günstige Voraussetzungen für eine gemeinsame Operation der 4.und 3.Armee auf und ostwärts Warschau zu schaffen. Durch ein Sonderunternehmen der Gruppe Medem ist beabsichtigt die Brücken bei Dirschau unversehrt in die Hand zu bekommen. Die Grenze ostwärts Willenberg wird durch verst.Festungsbesatzung Lötzen gesichert. (Gliederung der 3.Armee s.Anl.1 u.Karte 1:300000 Anl.2) Aufträge an die Korps und größeren selbständigen Abteilungen. Gruppe Medem. Gruppe Medem nimmt die Dirschauer Brücken durch Handstreich und verhindert ihre Zerstörung durch den Gegner. Zeitpunkt: Y-Tag X-Stunde (zugleich mit der Grenzüberschreitung der anderen Truppen der 3.Armee). Vorbedingungen: Ausheben der polnischen Zollinspektoren in Kalthof. Absperren des Bhf.Marienburg, der Nogatbrücken und Entfernen der dortigen polnischen Eisenbahnbeamten. Unterbrechung jeder Fernsprech- und Telegrafen-Verbindung in den Freistaat Danzig (einschl.der Eisenbahnbetriebsleitungen der Polen). Unterstützung durch die Luftwaffe: Luftangriff von Teilen des Flieger-Kampfgeschwaders 3 auf den Bhf.Dirschau Y-Tag X-Stunde. Verst.XXI.A.K. 1.) XXI.A.K.greift Y-Tag X-Uhr aus der Bereitstellung in Linie Garnsee - Freystadt über die poln.Grenze an und nimmt Graudenz. Bei Graudenz ist ein Brückenkopf auf dem Westufer der Weichsel zu bilden. Ostwärts der Weichsel ist der Angriff auf Graudenz in Linie Schöneich (an der Weichsel) - - Melno See zu sichern. 2.) Aufklärung bis zur Linie Culm - Gollub - Rypin - Zuromin. Durch die unterstellte A.A.mot.1 ist festzustellen, ob die Orte Neumark, Strasburg und Lautenburg vom Feind besetzt sind. Besondere Beachtung verdient die Gegend um Strasburg und das Waldgebiet nördlich. 3.) Die Masse des Fliegerkampfgeschwaders 3 unterstützt durch Angriff auf die Befestigungen von Graudenz den Kampf des XXI.A.K., Zeitpunkt und Ziele der Angriffe sind mit Fliegerkampfgeschwader 3 unmittelbar zu vereinbaren. Der Einsatz von Luftlandetruppen dicht westl.Graudenz ist beantragt.Befehl hierüber folgt. 4.) Grenzen rechts zu Gruppe Medem Montauer Spitze (a.d.Weichsel), Christburg (Orte zu XXI.A.K.) links zu 61.Div. Alt-Christburg, Saalfeld (61.), Löbau, Lautenburg (61.), Zuromin (Orte zu XXI.A.K.). 5.) Die im Abschnitt des XXI.A.K.eingesetzten Grenzwacht-Truppen werden dem XXI.A.K.unterstellt. Die an der Weichselstrecke Montauer Spitze - Nebrau (ostw.Neuenburg) sichernde Grenzwacht ist bis an das Ostufer der Weichsel vorzuschieben. Die Schleusenanlagen an der Montauer Spitze sind vom Y-Tag X-Uhr zu besetzen und zu sichern. Gegenüber Mewe und Neuenburg ist die Sicherung zu verstärken. 6.) Gruppe Medem nimmt Y-Tag X-Stunde durch Handstreich Dirschau. 61.Division. 1.) 61.Division-der Armee unmitelbar unterstellt-greift am Y-Tag X-Uhr die Grenze überschreitend aus Gegend Leip - Ruhwalde in Richtung auf Löbau an, nimmt Löbau und stellt sich bereit, um ostw.des Forstes Kosten vorbei über Soldau auf Mlawa hinter dem rechten Flügel des I.A.K. zu folgen. 2.) Aufklärung über die Linie Lautenburg - Soldau bis zur Linie Zuromin - Mlawa und in der rechten Flanke bis zur Grenze zum XXI.A.K. 3.) Grenze rechts zu XXI.A.K.: Saalfeld (61.), Dt.Eylau (XXI.A.K.), Lautenburg (61.) Zuromin (XXI.A.K.) links zu I.A.K.: Osterode, Taulensee, Gilgenburg,Gr.Grieben,Usdau,Soldau,Mlawa,(Orte zu I.A.K.). 4.) Gegen die Städte Neumark, Strasburg und Lautenburg klärt die A.A.mot.1 (XXI.A.K.) auf. Übwer die Linie Rauschken - Gr.Schäfken geht die Panzer Div. auf Soldau vor. I.A.K. 1.) I.A.K. greift aus seinem Aufmarschraum am Y-Tag X-Uhr die Grenze überschreitend über die Linie Mlawa - Chorzele gegen die Linie Chiechanow - Crasnosielc an. Angriffsziel: Gewinnung der Narewübergänge in Linie Pultusk - Rozan. 2.) Aufklärung bis zur Linie Sierpc - Plonsk - Nasielsk - Wyskow - Ostrow. 3.) Auf Sicherung der Flanken wird hingewiesen. 4.) Hinter dem rechten Flügel des I.A.K. wird 61.Div. - dem A.O.K. unmittelbar unterstellt- von Löbau über Soldau auf Mlawa folgen. Links des I.A.K.geht 1.K.B. - dem A.O.K. unmittelbar unterstellt - am Y-Tag X-Uhr die Grenze südl Fridrichshof überschreitend auf Ostrolenka vor. 5.) Grenzen rechts zu 61.Div.: Osterode, Taulensee, Gilgenburg, Gr.Grieben, Usdau, Soldau, Mlawa (Orte zu I.A.K.), Lauf des Omulew bis Einmündung in den Narew, Ostrow (1.K.B.). 1.Kavallerie Brigade 1.) 1.Kavallerie Brigade - der Armee unmittelbar unterstellt - greift am Y-Tag X-Uhr aus ihrem Aufmarschraum bei Friedrichshof die Grenze überschreitend auf Ostrolenka an. 2.) Ausfklärung bis zur Grenze Ostrolenka - Lomza - Kolno. 3.) Grenzen rechts zu I.A.K.: Ortelsburg (I.A.K.) - Willenburg (I.A.K.) - Lauf des Omulew bis Einmünding in den NArew - Ostrow, links zu Festung Lötzen: Mucker See, Karpa, Nowogrod. 4.) I.A.K.greift mit linkem Flügel (12.Div.) am Y-Tag X-Uhr bei Chorzele die Grenze überschreitend in Richtung Krasnosielc an. Festung Lötzen sichert durch Grenzwacht und Festungstruppen die Grenze von Karpa nach Osten. Bei Angriff überlegener Feindkräfte ist der Kampf im Raum Grenze - H.K.L.der Festung Lötzen beweglich zu führen. Die Festung Lötzen wird verteidigt. 5.) Die Luftaufklärung im Raum ostwärts des Narew bis zur Bahnlinie Warschau - Bialystok wird durch die Armee durchgeführt. 6.) Zum Angriff auf Ostrolenka wird für Kav.Brig.Unterstützung durch Fliegerkräfte bereitgestellt. Kommandantur der Befestigungen LÖtzen. 1.) Kommandant der Bef.b.Lötzen sichert die Grenze Ostpreußens von Karpa bis Filipow (Orte zu Lötzen). 2.) Ab Y-Tag X-Uhr ist Aufklärung über die Grenze bis zur Straße Kolno - Szczuczyn - Grajewo - Augustow - Raczki - Filipow durchzuführen. 3.) Grenzen rechts zu 1.Kav.Brig.: Mucker See, Karpa, Nowogrod, links zu 206.Div.: Angerburg,Filipow (Orte zu Lötzen). 4.) Bei Feindangriffen über die Grenze ist der Kampf zwischen Grenze und H.K.L.der Festung beweglich zu führen. Eingedrungener Feind ist anzugreifen und zurückzuwerfen. Die Festung Lötzen ist gegen alle Feindangriffe zu verteidigen. 5.) Lötzen ist auch während Verwendung der Besatzung vor der Festung durch Sicherheitsbesatzungen zu sichern. 6.) 1.K.B.geht am Y-Tag X-Uhr die Grenze bei Friedrichshof überschreitend gegen Ostrolenka vor. 206.Div. baut aus und sichert die Stellung Waldrand Rothebuder Forst - Goldap - Romintener Heide. Die Sicherung des Raumes zwischen Nordfront der Festung Lötzen und Stellung der 206.Div.(Nordrand Rothebuder Forst) ist Aufgabe der Festung Lötzen. Mit 1.K.B. und 206.Div.ist Verbindung zu halten. 7.) Die Luftaufklärung ostw.der Linie Kolno - Augustow - Sulwaki wird von der Armee durchgeführt. 206.Division 1.) 206.Division baut die Stellung Nordrand Rothebuder Forst - Goldap - Romintener Heide nach Vorarbeiten und Planungen des Kommandanten der Befestigungen bei Königsberg aus. Die Stellung ist gegen jeden Feindangriff zu verteidigen, durch vorgeschobene Abteilungen sind die Bauarbeiten zu sichern. 2.) Grenzen rechts zu Kommandant d.Bef.b.Lötzen: Angerburg - Filipow (Orte zu Kdant.d.B.Lötzen) links zu Grenzwachtabschnitt 51 Gumbinnen (ausschl.) - Wisztyniec. 3.) Mit der im Abschnitt eingesetzten Grenzwacht ist Verbindung zu halten. 4.) Aufklärung ist ab Y-Tag X-Uhr bis zur Linie Filipow - Wizajny vorzutreiben. Die Luftaufklärung ostwärts dieser Linie wird von 3.Armee durchgeführt. 5.) Kommandant der Bef.b.Lötzen sichert die Grenze südl.der Linie Angerburg - Filipowo mit Grenzwacht. Der Kampf zwischen Grenze und H.K.L. der Festung Lötzen wird beweglich geführt, die Festung Lötzen verteidigt. Mit Kdant.d.Bef.Lötzen ist Verbindung zu halten. 6.) Der Abtransport der 206.Div.,Fußtruppe und bespannte Teile; Einladung im Raum Goldap - Stadt Angerapp - Angerburg, der mot.Teile im Landmarsch in Richtung Heilsberg ist vorzubereiten. Auftrag für 217.Division 1.) 217.Div. - der Armee unmittelbar unterstellt - steht am Y-Tag X-Uhr marschbereit in ihrem Versammlungsraum. 2.) I.A.K.mit linkem Flügel (12.Div.) am Y-Tag X-Uhr die Grenze überschreitend gleichzeitig die Grenze bei Friedrichshof zum Angriff in Richtung Ostrolenka. 3.) 207.Div.bereitet Vormarsch über Chorzele hinter 12.Div. und über Friedrichshof hinter 1.K.B.vor. Mit 121.Div.und 1.K.B.ist Verbinsung zu halten. Auftrag für den Kommandanten der Befestigungen bei Königsberg Der Kommandant der Bef.b.Königsberg hält sich bereit mit dem Festungsregiment Königsberg die 206.Div.abzulösen und die Kampfführung im Osten der Provinz zu übernehmen. Pionierkräfte der 3.Armee Die Pionierkräfte der 3.Armee treffen alle Vorbereitungen um auf Befehl der Heeresgruppe 1 den Brückenschlag über die Weichsel beginnen zu können. Ergebnis der Vereinbarungen mit: A.Luftwaffenkommando in Ostpreußen 1.) Das Unternehmen Dirschau wird durch eine Staffel des Kampfgeschwaders 3 unterstützt durch Luftangriff auf Bahnhof Dirschau zur X-Stunde, nähere Vereinbarungen erfolgen unmittelbar zwischen Führer Gruppe Medem und Staffelführer. 2.) Der Angriff auf Graudenz etwa Y+1.Tag wird durch das Kampfgeschwader 3 durch unmittelbares Eingreifen in den Erdkampf unterstützt, nähere Vereinbarungen erfolgen unmittelbar zwischen Kommandierendem General XXI.A.K.und Kommandeur Kampfgeschwader 3. Der Ansatz von Fallschirmabspringern und Luftlandetruppen westl.Graudenz gegen die Graudenzer Weichselbrücken ist in Erwägung gezogen. Nähere Vereinbarungen sind vorgesehen zwischen Kommandeur XXI.A.K.und Führer der Luftlandetruppen. 3.) Unterbrechung der Bahnverbindung Wilna - Warschau an mehreren Stellen durch Luftangriff, Schwerpunt in Gegend zwischen Warschau und Bialystok. 4.) Enger Austausch aller Erkundungsergebnisse zwischen Kdr.der Luftw.beim A.O.K.3 und Luftw.Kdo. 5.) Unterstützung der 1.K.B.durch Angriff auf Ostrolenka ist vorzubereiten. B. Marine-Gruppenkommando Ost. Die Vereinbarungen der Transportübung Stolpmünde bilden die Grundlage auch für dieses Unternehmen. Die einzelnen Fragen: a) Balkensperre in der Danziger Hafeneinfahrt, b) Ausschalten und Beseitigen der poln.Besatzung auf der Westerplatte, c) Unmittelbare Nachrichtenverbindung Seestreitkräfte General Eberhardt sind durch M.V.O.mit Festungskommandant Pillau General Eberhardt unmittelbar geregelt worden. Meldung über Übungen, Zeitfolge und sonstige Vorhaben: 1.) Die Übungsräume gehen aus anliegender Planpause hervor. Die Übungen werden durch die Div.Kommandeure geleitet. Gliederung siehe Anlage. Vom 31.8. bis 2.9. sind große Herbstübungen unter Leitung des Übungs-A.O.K.3 vorgesehen. 2.) Zeitfolge zeigt anliegende Übersicht. 3.) Schanzarbeiten werden in zwei Wellen durchgeführt. 1.Welle: a) Ausbau der Goldapstellung von Alt-Bodschwinken - bis Goldapsee durch 1.Div.vom 24.7. bis 9.8. Ausbau der Wodrigstellung beiderseits Garnsee und bei Dt.Eylau durch 21.Div. v.24.7.-12.8. Ausbau der Ortelsburger Waldstellung , besonders am Westflügel bei Gedwangen (Jedwabno) durch 11.Div. vom 8.8. bis 15.8. 2.Welle: Ausbau der Goldapstellung von Alt-Bodschwingen bis Goldapseee durch 206.Div. vom 22.8. bis 30.8. (Fortsetzung des Ausbau der 1.Div.) Ausbau der Befestigungen bei Lötzen (Teilausbau aus dem Armierungskalender) durch Bautruppen der Festung LÖtzen vom 19.8.bis 30.8. b) Ausbau von Vorpostenstellungen in Grenznähe vom 22.8. bis 30.8.durch je ein verst.Btl.an jeder Vormarschstraße. 21.Div.und 228.Div.im Abschnitt Garnsee - Freystadt. 61.Üb.Div. bei Leip und Ruhwalde. 11.Div.an den Straßen: Kl.Koslau, Soldau, Wolla Brodau, Napierken,Kuklin. 1.Div. bei Sawadden bei Kamerau (Dort Pionierkräfte zur Wiederherstellung der Brücke) bei Lomno 12.Div.bei Baranowen bei Flammberg (dort Pionierkräfte zur Wiederherstellung der Brücke bei Chorzele). 4.) Am Staatsakt Tannenberg sind 11.Div., 1.K.B., Teile der Armeetruppen, der Luftwaffe und Kriegsmarine beteiligt. 25.-29.8. Befehl für den Übergang aus den Übungsräumen in die Bereitstellung (ab Y-Tag - 2.Tag). 1.) Ab Y-Tag-2.Tag 0,00 Uhr tritt an Stelle der Übungsgliederung der 3.Armee die anliegende Gliederung (Anlage 1). 2.) 1.K.B.erreicht bis Y-1.Tag den Raum Ortelsburg - Puppen - Aweyden. 3.) Generalkommando I.A.K.verlegt in der Nacht Y-1.Tag zu Y-Tag seinen Gefechtsstand nach Neidenburg. 4.) Sämtliche Divisionen schließen in allgemein südlicher Richtung auf und erreichen in der Nacht Y-1. zum Y-Tag die Räume hinter den Vorpostenstellungen. 5.) 61.Div. macht am Y-2.Tagdie Straßen Osterode - Taulensee - Gilgenburg - Bergling - und Langgut - Hirschberg - Geierswalde - Frögenau - Tannenberg - Tahlheim - Wiersbau nach Westen frei für Panzer Div.Kempf. 6.) Panzer Division Kempf erreicht übder die von 61.Div.freigemachten Straßen am Y-1.Tag mit Anfängen die Linie Steffenswalde - Geierswalde und in der Nacht Y-1.Tag/Y-Tag die Grenze in Linie Gr.Grieben - Taubenhof zum Vormarsch Richtung auf Soldau. |
| August 1939 >> |