| Kriegstagebuch März 1944 | |
| 2.3.1944 | KTB 9.Armee. Die Niederlage, die der Feind bei seinem gestrigen Gewaltstoß auf die Drut=Front erlitten hat, wirkt sich heute in einer fast völligen Kampfruhe beim LV.A.K. aus. Der einzige btl.-starke Vorstoß, den der Gegner im Abschnitt der 5.Pz.Div. unternimmt, bleibt im zusammengefaßten Abwehrfeuer aller Waffen schon vor der HKL liegen. Stukas werfen mit guter Wirkung Bomben auf Bol. und Mal. Konopliza. Wie weit allerdings der Abwehrerfolg des Vortages von nachhaltiger Wirkung auf die weitere Entwicklung der Lage in diesem Abschnitt sein wird, läßt sich nicht eindeutig sagen; nach s.Qu. gruppiert der Feind um und bereitet den Einsatz von Panzern vor; da jedoch ein Nachführen von Kräften aus der Tiefe nicht erkennbar ist, dürfte bis auf weiteres höchstens mit starken Teilangriffen zu rechnen sein (s.d.Ic=Meldungen). Gegen den Südflügel der 4.Armee ist der Gegner heute wieder mit starken, z.T. neu zugeführten Kräften zum Eingriff angetreten (s. Anl. V 2). Dies hat insofern Rückwirkungen auf die 9.Armee, als die Heeresgruppe nunmehr entscheidet, daß die 31.I.D. endgültig bei der 4.Armee verbleiben soll; es ist dort an ihren Austausch mit der 260.1.D. gedacht. Zwangsläufig ergibt sich daraus, daß die noch beim LV.A.K. eingesetzten Teile der 31.I.D. demnächst zum AOK 4 werden abgegeben werden müssen (Ia H.Gr./Ia, 9.10 Uhr; s.a. Anl. V 1). Dies wird, vor allem hinsichtlich der abzugehenden Infanterie, leider zu einer spürbaren und unangenehmen Schwächung der Abwehr an der Drut=Front führen. Mit größter Aufmerksamkeit verfolgt das AOK die Entwicklung der Feindlage im Abschnitt des XXXV.A.K. Hier bringt der Tag neben zahlreichen örtlichen Gefechten die Feststellung einer neuen feindlichen Schtz.Div, bei Korotkowitschi, wo der Gegner nunmehr insgesamt vier Divisionen auf verhältnismäßig engem Raum zusammengezogen hat. Man wird hier in Kürze mit dem Beginn stärkerer Angriffe rechnen müssen. Daß der Feind von hier aus unmittelbar zu einem neuen Durchbruchsversuch in Richtung Bobruisk anzutreten beabsichtigt, ist allerdings kaum anzunehmen, da die in nordwestlicher Richtung über Schtschedrin führenden Wege (es wären dieselben, die der Feind sich bei seinem Großangriff im Dezember des vergangenen Jahres vergeblich zu öffnen versuchte) mit einsetzender Schlammzeit nahezu unpassierbar werden dürften. Näherliegend scheint die Absicht eines Vorstoßes über Plessowitschi nach Norden, mit dem Ziel, zunächst den Frontvorsprung südlich Shlobin zum Einsturz zu bringen (um damit den Verbindungsbahnhof der von Südwesten und Südosten nach Shlobin führenden Eisenbahnstrecken in die Hand zu bekommen), und erst dann wieder im Zuge der Bahn und der Straßen auf Bobruisk anzutreten. Die nicht leichte Frage, die sich aus dieser neuen feindlichen Schwerpunktbildung für die Armeeführung ergibt, ist die, inwieweit man zur Bildung eines entsprechenden Abwehrschwerpunktes beim XXXV.A.K. auf die in den bisherigen beiden Brennpunktabschnitten stehenden Kräfte zurückgreifen darf, da andere Reserven und Verstärkungen nicht zur Verfügung stehen. Daß die Angriffe dort nachgelassen haben - auch das XXXXI.Pz.K. meldet heute keine Kampfhandlungen - ist noch kein Beweis für eine Auflockerung der alten feindlichen Angriffsschwerpunkte. Dennoch hat sich der Oberbefehlshaber entschlossen, dem XXXV.A.K. unter Schwächung sowohl des LV.A.K. als auch des XXXXI.Pz.K. unverzüglich weitere Kräfte zuzuführen. Es sind dies in erster Linie die z.Zt. vom XXXV.A.K. den beiden anderen Korps zugeführten Teileinheiten, die, soweit das nicht schon geschehen ist, nunmehr beschleunigt zurückgeführt werden, ferner Artillerie, Stürmgeschütze, Nebelwerfer und s.Granatwerfer. (Im einzelnen s.Anl. II und III v. 2. u, 3.3.44, Ziff. 3 und 4). Darüber hinaus wird dem XXXXI.Pz.K. die Abgabe zweier Sicherungsbataillone befohlen, die beim XXXV.A.K. in einer rückwärtigen Stellung zur Verteidigung des Hauptkampffeldes im voraussichtlichen Angriffsabschnitt eingesetzt werden sollen (s. Anl. IV 2). Der Tatsache, daß beim XXXXI.Pz.K. und beim LV.A.K. die Möglichkeit neuer Feindangriffe fortbesteht, tragen weitere Befehle Rechnung, in denen beiden Korps aufgegeben wird, außer den schon bereitgestellten Reserven noch andere Inf.= und Pz.=Teile kurzfristig alarmbereit und verschiebungsfähig zu halten (s.Anl. IV 1 und 2). Das AOK hofft, mit dienen Maßnahmen einerseits die Abwehrkraft des XXXV.A.K. soweit zu stärken, daß es nicht allzu starke Angriffe mit eigenen Mitteln abwehren und stärkere wenigstens so lange aufhalten kann, bis die beweglichen Reserven heran sind. Im übrigen denkt der Oberbefehlshaber daran, falls sich die z.Zt. erst vermutete erheblichere Auflockerung des Angriffsschwerpunkts beim XXXXI.Pz.K. als Tatsache erweisen sollte, die 4.Pz.Div., dort herauszulösen und ebenfalls, wenigstens mit Teilen, zum XXXV.A.K. zu verschieben (Ia/Ia XXXXI, 19.45 Uhr). |
| 3.3.1944 | KTB 9.Armee. Mit einem verhältnismäßig heftigen Vorstoß leitet der Feind den erwarteten Angriff auf das XXXV.A.K. ein. Nach starker Art.-Vorbereitung greift er die inneren Flügel, der 45. und 383.I.D. insgesamt 11 mal an, von etwa 12 - 15 Panzern und zahlreichen Schlachtfliegerkräften unterstützt. Ein Erfolg bleibt ihm jedoch versagt; alle Angriffe werden abgewiesen, 9 Panzer abgeschossen (Einzelheiten s.Anl. III). Obwohl diese Angriffe z.T. in Rgt.Stärke geführt worden sind, wird man sie - wie üblich - nur als Einleitung einer größeren Angriffsunternehmung ansehen dürfen, wobei es möglich erscheint, daß die bevorstehende Schlechtwetterperiode, den Gegner zu beschleunigtem Beginn seiner Angriffe veranlaßt hat. An Feindverbänden sind bisher 6 Schtz.Divn. und Teile des I.Gde.Pz.K. aufgetreten. Wesentlich dabei ist, daß diese Verbände zum Teil bisher bei den Angriffen auf das XXXXI.Pz.K. beteiligt waren, so daß nunmehr die Vermutung einer Auflockerung des dortigen Schwerpunktes und einer Verlagerung von Kräften auf das Nordufer der Beresina ihre erste deutliche Bestätigung findet. Es scheint, als ob sich der Feind nach dem Scheitern seiner Durchbruchsversuche südlich der Beresina und am Drut nunmehr ein kürzeres Ziel gesetzt, habe; das Auftreten eines noch ungedeuteten Schtz.K. nördlich Shlobin (nach s.Qu.) läßt eine gemeinsame Angriffsplanung zum Herausbrechen des linken Flügels des XXXV.A.K. durchaus naheliegend erscheinen. Denkbar ist aber auch, daß die derzeitigen, an der gesamten Heeresgruppenfront verhältnismäßig rasch sich verlagernden Schwerpunktbildungen einem weit größeren Zweck dienen: Das Auftreten einer bisher vor dem Südflügel der 9. Armee stehenden . Schtz.Div. vor der Front der 2.Armee, die Auflockerung der Kräftemassierung vor dem. XXXXI.Pz.K. zugunsten des neuen Angriffs beim XXXV.А.K., das Aufhören der Feindangriffe beim LV.A.K. und ihr Wiederbeginn am Südflügel der 4.Armee, die bevorstehende Neubildung eines Schwerpunktes an der Smolensker Autobahn unter gleichzeitigem Nachlassen der Angriffe auf den rechten Flügel der 3.Pz.Armee und ihre Wiederaufnahme an der Lutschessa=Front (s. Anl. V l) - all das könnte auch den Versuch einer operativen Fesselung darstellen, mit der der Gegner die eigenen Kräfte in Schach zu halten bestrebt ist, um ein Abfließen von Divisionen aus dem Heeresgruppenbereich Mitte zur Heeresgruppe Süd, wo eine neue sowjetische Großoffensive unmittelbar bevorsteht, zu verhindern. Die Verstärkungen, deren Zuführung zum XXXV.A.К. ja schon gestern bzw. vorgestern rechtzeitig angeordnet worden ist, treffen im Laufe des Tages dort ein. In Übereinstimmung mit dem Gen.Kdo. hält das AOK vorerst eine weitere Heranziehung von Kräften nicht für erforderlich (Chef/Chef XXXV, 9.15 Uhr); auch die beweglich gehaltenen Reserven sind nicht in Marsch gesetzt worden. Die erfolgreiche Abwehr der heutigen Feindangriffe bestätigt die Richtigkeit dieses Entschlusses. Lediglich eine Verstärkung des Luftschutzes der eigenen Artillerie, die heute stark unter den Angriffen feindlicher Schlachtflieger zu leiden hatte, erscheint geboten; deshalb werden noch Flak-Kräfte zum Einsatz in den Artillerieräumen herangezogen (s.Ziff. 3 und 4, Anl. ІІІ).. An der übrigen Armeefront hat der Feind sich heute wieder ruhig verhalten. Nach wie vor dürfte er jedoch sowohl beim LV.A.K. als auch beim XXXXI.Pz.K.. zur Bildung örtlicher Schwerpunkte in der Lage sein. Die Frage einer weiteren Auflockerung der eigenen Abwehrschwerpunkt.e am Drut und südlich der Beresina kann deshalb noch nicht als spruchreif angesehen werden. Zunächst hat wieder einmal die Aufklärung, insbesondere die Luftaufklärung, das Wort. |
| 4.3.1944 | KTB 9.Armee. Von der gesamtem Armeefront werden keine Kampfhandlungen gemeldet. Auch im gestrigen Angriffsraum beim XXXV.A.K. herrscht Ruhe; das Gen.Kdo. rechnet auch damit, daß diese Ruhe noch einige Tage andauern wird, bevor neue Angriffe einsetzen (Chef XXXV/Chef, 11.00 Uhr). Eigene Artillerie bekämpft Ansammlungen und Bewegungen im feindlichen Hintergelände. Die Luftwaffe fliegt mehrere erfolgreiche Stuka=Einsätze im Abschnitt des XXXV. und LV.A.K. (Einzelheiten des Tagesverlaufs s. Anl. II und III), und zahlreiche Aufklärer sind mit dem besonderen Auftrag unterwegs, zu versuchen, Näheres über die Auflockerung des feindlichen Schwerpunktes beim XXXXI.Pz.K. zugunsten der Angriffsgruppe nördlich der Beresina festzustellen (OB/Chef, 11.10 Uhr). Das heute ausnahmsweise wolkenlose Wetter begünstigt die Durchführung der Aufklärung sehr; man wird deshalb morgen, wenn die Luftbilder fertiggestellt sind, mit klaren Auswertungsergebnissen rechnen dürfen. Das AOK benutzt die eingetretene Kampfpause zur weiteren Ordnung der Verbände. Um die 129.I.D. wieder zu vereinigen, wird dem XXXXI.Pz.K. befohlen, das G.R.428 nunmehr herauszulösen und dem LVI.Pz.K. zu zuführen. Als Ausgleich wird das LVI.Pz.K. die drei südlichen Btl.-Abschnitte des ХXXXI.Pz.E. übernehmen, wobei ihm als Ersatz für die dort bisher eingesetzte Art.- der 134.I.D. eine RSO-Abteilung unterstellt wird (s. Anl. IV 1). |
| 5.3.1944 | KTB 9.Armee. Die Luftbildaufklärung des gestrigen Tages hat ergeben, daß tatsächlich eine erhebliche Auflockerung des feindlichen Schwerpunkts im Raum Kobylschtschina - Dubrowa (XXXXI.Pz.K.) zugunsten der Angriffskräfte vor dem XXXV.A.K. eingetreten ist. während dort 70 Batteriestellungen als geräumt festgestellt werden, zeigen die Aufnahmen vor der Front des XXXV.A.K. zahlreiche neue Feuerstellungen vorwärts der Naht 45./383.I.D. Daraufhin wird dem XXXXI.Pz.K. befohlen, die 4.Pz.Div. bis zum 9.3. zur Verfügung der Armee herauszulösen, und zwar soll das erste Pz.Gren.Rgt. bereits zum 7.3. aus der Front genommen, im Raum Paritschi untergebracht und so bereitgehalten werden, daß seine kurzfristige Verschiebung im mot=Marsch jederzeit erfolgen kann. Schon jetzt ist für den Fall eines Einsatzes dieses Regiments beim XXХѴ.А.К. die Entsendung von Einweisungskommandos zur 45.I.D. befohlen. Die Artillerie der Division wird zunächst noch eingesetzt bleiben; um jedoch auch hier eine etwa notwendige Herauslösung rasch vornehmen zu können, erhält das XXXXI.Pz.K. Anweisung, durch eine entsprechende Gesamtgruppierung seiner Artillerie bereits jetzt dafür zu sorgen, daß diese Herauslösung jederzeit und ohne umfangreiche Verschiebung der verbleibenden Artillerie erfolgen kann (s.Anl. IV 1). Von der Heeresgruppe ist gestern der Befehl zur Abgabe der noch beim LV.A.K. befindlichen Teile der 31.I.D. zur 4.Armee eingegangen (s. Anl. V 1 v. 4.3.44). Dieser Befehl trifft, obwohl er an sich vorauszusehen war, das LV.A.K. insofern sehr hart, als dadurch die für die vom Gen.Kdo. geplante Bereinigung des Brückenkopfes bei und südlich Bolschaja Konopliza zur Verfügung stehenden Kräfte nunmehr zu gering werden, um das Unternehmen noch mit Aussicht auf Erfolg durchführen zu können. Das AOK richtet deshalb die Bitte an die Heeresgruppe, als Ausgleich für diese Abgabe einer der Stärke der abzugebenden Teile entsprechenden Abschnitt am Nordflügel des LV.A.K. von der 4.Armee übernehmen zu lassen, Gleichzeitig wird um Rückführung der noch bei der "Nahtgruppe Chomitschi" befindlichen, zu Verbänden der 9.Armee gehörigen Teileinheiten gebeten (s. Anl. V 1). An der Front ist es heute wieder zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen gekommen. |
| 6.3.1944 | KTB 9.Armee. Den Auftakt des Tages bildet ein am frühen Morgen nach halbstündiger Art.=Vorbereitung gegen die Front der 253.I.D. (XXXXI.Pz.K.) vorgetragener Feindangriff, der in seinem Schwerpunkt (zwischen der Straße Tschirkowitschi, Paritschi und der Beresina) auch zu einem Einbruch in den vordersten Graben führt. Den unter dem Eindruck dieses Angriffs gestellten Antrag des XXXXI.Pz.K. auf vorläufige Verschiebung des Termins zur Herauslösung des ersten Pz.Gren.Rgt. der 4.Pz.Div. (Chef ХXXXI/Iа, 9.20 Uhr), lehnt das AOK allerdings ab, in der Überzeugung, daß es sich hier um nichts anderes als um einen Fesselungsangriff handele und daß man deshalb durch eine längere Belassung des Rgt. in der Front lediglich den Feindabsichten dienen würde (Chef/Chef XXXXI, 9^35 Uhr). Kurz darauf meldet das Gen.Kdo. auch schon die erfolgte Bereinigung der Einbruchsstelle /Іа XXXXI/Iа, 11.55 Uhr). In den Mittagstunden wird ein weiterer, btl.-starker Vorstoß des Gegners gemeldet, diesmal vom linken Flügel der 45.I.D. Hier dürfte es sich aber nicht um einen Ablenkungs-, sondern um einen Erkundungsvorstoß handeln, denn auch sonst weisen in diesem Abschnitt zahlreiche Anzeichen darauf hin, daß nunmehr binnen kurzem mit dem Beginn des erwarteten Großangriffs aus dem neugebildeten Feindschwerpunkt zu rechnen ist (s. Anl. III). Der Oberbefehlshaber hat sich deshalb entschlossen, das Pz.Gren.Rgt.33 nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in den Raum Paritschi zu stellen, sondern bereits jetzt dicht hinter die Naht 45./383.I.D. heranzuziehen. Das Gen.Kdo. XXXV.А.К., dem das Rgt. unterstellt wird, erhält Anweisung, für den Fall eines Feindeinbruchs sowohl den Ansatz einzelner Btlne. zum Gegenstoß als auch einen Gegenangriff des geschlossenen Regiments vorzubereiten (s. Anl. IV 1). Da der feindliche Angriff etwa an der Divisionsnaht erwartet wird, hat der Oberbefehlshaber noch einmal auf die Sicherstellung einer einheitlichen Befehlsführung vor allem auch bei der Artillerie verwiesen (OB/KG XXXV, 17.45 Uhr) und auf den Hinweis des Komm. Generals, daß ihm eine gewisse Knappheit an MG= Munition Sorge mache (diese Munition wird leider schon seit längerer Zeit allgemein unzureichend nachgeschoben), die sofortige Zuführung von 300 00(Schuß sS an das XXXV.A.K. befohlen (OB/KG XXXV, 17.55 Uhr). Die gestern vom AOK bei der Heeresgruppe beantragte Südverlegung der linken Ameegrenze ist - im Hinblick auf den Wiederbeginn schwerer Feindangriffe an der Rollbahn Orscha, Smolensk -vorläufig abgelehnt worden, mit dem Bemerken, daß die Frage der Gewinnung von Kräften zur Bereinigung des Brückenkopfes Bol. Konopliza aus den Verbänden der 9. und 4. Armee einer späteren Entscheidung Vorbehalten bleiben müsse. Die Rückführung der noch bei der "Nahtgruppe Chomitschi" befindlichen, zur 9.Armee gehörigen Restteile dagegen ist zugestanden worden (s. Anl. V 1). Daraufhin ordnet das AOK an, daß die Pz.Jäg.Abt. 49 (4.Pz.Div.), die zu diesen Teilen gehört, vom LV.A.K. unverzügli ch zum XXXV.A.K. weitergeleitet werdet, soll, um dort zur Verstärkung der Pz.Abwehr eingesetzt zu werden (s. Anl. IV 2). Von der Heeresgruppe ist die hocherfreuliche Mitteilung eingegangen, daß der 9.Armee im April drei personell volle Regimenter zugeführt werden. Es handelt sich um die Regimenter der zur Div. 23.Welle umgegliederten 390.Feldausb.-Div., die zur Auffüllung abgekämpfter Inf.Divn. aufgeteilt wird (s. Anl. V 4). Die 134., 45. und 129.I.D. sollen je eins dieser Regimenter erhalten. |
| 7.3.1944 | KTB 9.Armee. In den frühen Morgenstunden setzt der Angriff beim XXXV.A.K. mit voller Wucht ein. Er trifft, wie erwartet, auf die inneren Flügel der 45. und 383.I.D. zwischen Mormal und der Ola. Angesichts der überlegenen infanteristischen Kräfte, die der Gegner in den Kampf wirft, ist die verhältnismäßig sehr geringe artilleristische Unterstützung auffallend; nach den Ergebnissen der Artillerieaufklärung sind sogar weniger Batterien in den Feuerkampf getreten, als allein zu der Div.-Art. der beteiligten sechs Schtz.Divn. gehören würden (H.Arko in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Der Feind trifft auf eine wohlvorbereitete Abwehr, an der die Mehrrzahl der in Gruppen von jeweils mehreren hundert Mann vorgetragenen Angriffe scheitert; nur nordwestlich Mormal gelingt ihm ein Einbruch in die HKL und im weiteren Vorstoß die Inbesitznahme des Straßenkreuzes westl. Alexandroff (s. Anl.I). Der um 10 Uhr planmäßig begonnene Gegenangriff eines Btl. der Div.Reserve (383.I.D.) wirft den Gegner wieder über die alte HKL zurück, und nur ganz schwache Feindteile können sich in nochmaligem Vorstoß auf einer im Sumpf nordwestl. Mormal liegenden Höhe erneut festsetzen und halten. Im ganzen gesehen kann das Ergebnis des Kampfes als voller Abwehrerfolg angesprochen werden. Ziel des Feindangriffs war, wie die Aussage eines gefangenen Sowjet-Offiziers ergibt, der Durchstoß auf Shlobin. Der geringe Artillerie-Einsatz läßt sich vielleicht damit erklären, daß der Gegner in Ansehung des sich von Tag zu Tag mehr verschlechternden Wetters den Angriff doch noch verfrüht und unter vorläufigem Verzicht auf das vollständige Nachziehen seiner Artillerie begonnen hat. Mit ihrer weiteren Verstärkung kann deshalb gerechnet werden. Erneut erkannte Bereitstellungen auf der Feindseite - durch Jabos und eigene Artillerie wirksam bekämpft -, ferner in Gefangenenaussagen genannte Panzeransammlungen im Wald südwestl. Mormal machen ebenfalls eine Fortsetzung der Angriffe schon für morgen wahrscheinlich, trotz der empfindlich hohen Verluste, die der Feind heute erlitten hat (s. dazu Ic=Meldungen). Hart südlich der Beresina ist es heute erneut zu Kampfhandlungen gekommen. Im Morgengrauen erzielt der nahe der gestrigen Einbruchsstelle im Abschnitt der 253.I.D. mit 150 Mann angreifende Feind wiederum einen Einbruch, dessen Bereinigung erst nach erbittertem Kampf gelingt. Ein am Nachmittag nochmals vorgetragener Angriff gleicher Stärke bleibt allerdings schon vor der HKL im zusammengefaßten Feuer der schweren Waffen liegen. Obwohl diese Angriffe beim XXXXI.Pz.K. nach wie vor nur als Fesselungsvorstöße zu beurteilen sein dürften, ist die Bewertung der südlich der Beresina stehenden Feindkräfte eine im ganzen noch keineswegs geklärte Frage (Chef in der Chefbesprechung, 18.00 Uhr). Die nach s.Qu. anzunehmende weitere Nordverlegung der Grenze zwischen der 65. und 48. Sowjet. Armee etwa in die Gegend von Poganzy stimmt zwar zu der durch das Hinüberwechseln zahlreicher Verbände auf das linke Beresina=Ufer erfolgten nicht unbeträchtliclen Auflockerung des alten Schwerpunktes und der durch den heutigen Angriff klar bewiesenen neuen Schwerpunktbildung zwischen Beresina und Dnjepr, läßt aber die Möglichkeit, daß der Feind seine Durchbruchsabsichten südlich der Beresina nicht aufgegeben hat, durchaus noch offen. Daß diese Durchbruchsabsichten zum mindestens im Zuge der Süduferstraße weiterbestehen dürften, kann man vielleicht daraus entnehmen, daß trotz der Grenzänderung der Befehlsbereich, m.a.W. der Angriffsstreifen der jetzt erheblich verstärkten 48. Armee immer noch auf das Südufer des Flusses übergreift, andererseits dürfte dаher der taktische Zusammenhang eines Durchbruchsversuchs südlich und nördlich der Beresina mit Beginn der wärmeren Witterung geländemässig zerrissen werden, und zwar weniger durch das Aufbrechen der Beresina als durch die Unpassierbarkeit des Sumpfwaldes vor der 45.I.D. Da es jedoch bekannt ist, daß die sowjetische Führung ihre taktischen Grenzen oftmals ohne viel Rücksicht auf operative Absichten zieht, bleibt die Möglichkeit eines Fortbestehens der Durchbruchsabsicht auch im alten Schwerpunkt Kobylschtschina, d.h. also am rechten Flügel der 65.Armee, durchaus bestehen, ganz abgesehen davon, daß mit örtlichen Kräftezusammenziehungen südlich der Beresina ganz allgemein auch weiterhin jederzeit gerechnet werden muß. Auf Grund diese Feindbeurteilung - der Erwartung einer verstärkten Fortsetzung der Angriffe beim XXXV.A.K. und der Ungewißheit über das Feindbild südlich der Beresina entschließt sich der Oberbefehlshaber unter Beschleunigung der Herauslösung der 4.Pz.Div., deres Stab und Versorgungstruppen in den vorbereiteten Auffrischungsraum Bobruisk verlegt werden sollen, einerseits nun auch das Art.Rgt. der Division an der Front nördlich der Berezina einzusetzen, andererseits das zweite Pz.Gren.Rgt. (ohne II./12), verstärkt durch 1 Kp.Pz.Jäg., zur Verfügung der Armee nach Paritschi zu stellen und dem XXXXI.Pz.K. die Herauslösung zweier weiterer Gren.Btlne. als Armeereserve unter Sicherstellung kurzfristiger mot.-Abmarschbereitschaft zu befehlen (s.Anl. IV 1). Mit diesen Maßnahmen hofft das AOK sowohl der Lage beim XXXV.A.K. als auch beim XXXXI.Pz.K. gerecht zu werden und für alle Möglichkeiten ihrer Weiterentwicklung nach Kräften gerüstet zu sein. |
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