36.Infanteriedivision
Übersicht    Kriegstagebuch    Befehle    Gliederungen    Zustandsmeldungen   Stellenbesetzungen   Ersatz/Verluste   Material/Ausrüstung

 

Kriegstagebuch April 1944
16.4.1944
KTB 9.Armee.
Die Kampfruhe der letzten Wochen wird durch einen überraschenden Vorstoß des Feindes beim XXXXI.Pz.K. unterbrochen, wo der Gegner nach starker Gr.W.Feuervorbereitung in den frühen
Morgenstunden mit etwa 5 Bataillonen die inneren Flügel der 110. und 36.I.D. angreift und auch einen örtlichen Einbruch erzielen kann. Sofortiger Gegenstoß dringt nicht durch, dagegen
führt ein planmäßig angesetzter Gegenangriff noch am Vormittag zur Wiederinbesitznahme der HKL. Erneute Bereitstellungen des Gegners werden durch Artillerie zerschlagen
(s.Anl. II und III).
Obwohl dieser Angriff kräftemäßig über das Maß eines normalen Erkundungsvorstoßes hinausging, dürfte man ihm dennoch als solchen zu werten haben. Der vermehrte Ansatz feindlicher Kräfte
verfolgte dabei anscheinend den Zweck, die gesamte eigene Abwehrkraft in diesen Abschnitt auszulösen und zu erproben. Die durch Gefangene festgestellte Anwesenheit von vier feindlichen
Divisionen macht jedoch auch eine erneute Schwerpunktbildung und ein Wiederaufleben von Angriffsabsichten unter Ausnutzung der Waldbrücke nördlich Jaswin nicht unwahrscheinlich, wenn
auch vorerst weitere Anzeichen dafür nicht vorliegen.
Überhaupt geben - im großen gesehen - die derzeitige Feindlage und die voll unter dem Zeichen der Frühjahrsschlammperiode stehenden Geländeverhältnisse keinen Anlaß, größere feindliche
Angriffsabsichten als nahe bevorstehend anzanehmen. Vom AOK ergeht deshalb heute der Befehl an die Generalkommandos, die Zeit voraussichtlicher Kampfruhe in vermehrtem Maße zur
Auflockerung der in vorderer Front eingesetzten Truppen nach der Tiefe und zu Auffrischungs- und Ausbildungszwecken auszunutzen, wozu bis ins einzelne gehende Richtlinien für alle
Waffengattungen gegeben werden (s. Anl IV 1).
   
25.4.1944
KTB 9.Armee.
Im Hinblick auf die fortdauernde feindliche Unruhe an der Pripjet-Front (LV. A.K.), wo es heute wieder zu örtlichen Gefechten gekommen ist, wird dem Gen.Kdo.LV.A.K. befohlen, sein
Reservebataillon im Raum Petrikoff alarmbereit zu halten; darüber hinaus ist beabsichtigt, dem Korps einige Tage nach Abschluß des Unternehmens "Moorexpreß" ein Btl. der 129.I.D. als
Verstärkung (Chef/Chef LV, 22.50 Uhr; s.Anl. IV 2) zuzuführen. Ferner erhält das XXXXI.Pz.K. Befehl, die 3./Sturmgesch.Brig.244 im E-Transport zum LV.A.K. zu verschieben, wobei allerdings
durch Belassung der sS - Wagen am Ausladebahnhof Muljarowka die Möglichkeit einer schnellen Rückverlegung sichergestellt bleiben soll (Chef/ Chef XXXXI., 23.05 Uhr; s.Anl. IV 1). Es handelt
sich bei diesen Befehlen, da die Ergebnisse der bisherigen Erdaufklärung und auch die Geländeverhältnisse gegen die Wahrscheinlichkeit eines stärkeren Feindvorstoßes sprechen, lediglich um
Vorsichtsmaßnahmen, die das AOK für notwendig hält, um jede Überraschung auszuschliessen.
Von der Heeresgruppe geht die Antwort auf die vorgestern vom AOK gegen die Abgabe einer weiteren Division erhobenen Bedenken ein (s.Anl. V 1). Der Feldmarschall betont darin, daß er sich des
Risikos voll bewußt sei, das man mit der Dehnung der Ostfront zugunsten des bedrohten rechten Flügels eingehe. Dieses Risiko müsse jedoch in Kauf genommen werden, um die Forderung des Führers,
die jetzigen Stellungen unbedingt zu halten, zu erfüllen. Er müsse deshalb auch im Gründe auf der Herauslösung einer weiteren Inf.-Div. bestehen, diese Division solle jedoch im frontnahen
Bereich der Armee als Armeereserve verbleiben, und ihre Verlegung werde nur bei einer weiteren erheblichen Abziehung von Feindkräften vor der Front der 9.Armee in Frage kommen. Überdies sei
mit einer Abgabe der 20.Pz.Div in allernächster Zeit nicht zu rechnen, und er sei deshalb damit einverstanden, wenn die z.Zt. eingesetzten Teile dieser Division vorläufig noch in der Front
verblieben. Mit dem Herauslösen der Inf.Div. allerdings müsse so begonnen werden, daß bis Anfang Mai wenigstens eine Regimentsgruppe verfügbar sei. -Der OB wird sich voraussichtlich für die
Herauslösung der 36. oder 45. I.D. entscheiden (OB/Chef, 23.50 Uhr).
Das Unternehmen "Moorexpreß" hat in den Morgenstunden begonnen. Die Bildung des Einschließungsrings und seine Verengung erfolgen zwar planmäßig, es scheint jedoch, als ob wenigstens Teile
der Bänden bereits nach Westen ausgewichen seien. Ausbruchsversuche der eingeschlossenen Banditen werden abgeschlagen.
 
<< März 1944                                                            Mai 1944 >>