| Kriegstagebuch Mai 1944 | |
| 3.5.1944 | KTB 9.Armee. Die feindliche Unruhe vor der Armeefront hält an. Abgesehen von einem etwa kp.-starken Vorstoß im Abschnitt des XXXXI.Pz.K. der schon vor der HKL im zusammengefaßten Abwehrfeuer zum Stehen gebracht wird, macht sie sich vor allem wieder im Abschnitt des XXXV.A.K. bemerkbar (Einzelheiten s. Anl. II und III), wo sich u.a. das feindliche Art.- und Gr.W.-Feuer auf die inneren Flügel der 45. und 383.I.D. heute fühlbar verstärkt hat. Dies veranlaßt das AOK, die 2./Sturmgeschütz-Brigade 244 als Armeereserve in den Raum nordostw. Plessowitschi (lk.Flügel 45.I.D.) vorzuziehen, um sie für alle Fälle als wirksame Gegenstoßreserve sofort zur Hand zu haben (s.Anl. IV 4). Vom AOK ergeht heute auf Grund des bereits festgelegten Zeitplans der endgültige Befehl über die Herauslösung der 110.I.D. und ihre Bereitstellung als Armeereserve im Raum Protassy - Paritschi. Dem XXXXI.Pz.K. wird, um die Herauslösung der Division zu erleichtern, vom Korück das I./87 und der G.Rgt.Stab 118 am 7.5. wieder zugeführt und das D.F.B.45 bis zum Eintreffen des G.R.727 belassen werden; für. den Fall, daß auch das Art.Rgt. der 110.I.D. sollte herausgezogen werden müssen, ist an die Zuführung des z.Zt. beim XXXV.A.K, eingesetzten A.R.36 gedacht (s.Anl. IV 1 und IV 2, ferner Anl. VII 3 vom 4.5.44). Es wird ferner befohlen, daß das für eine Sonderverwendung abzugebende Btl. von der 110.I.D. gestellt und am 4.5. mit Ziel Konstanza (rumän.- Schwarzmeerhafen) verladen werden soll (s.Anl. IV 3). Die unter Ausnutzung der ruhigen Kampflage an der Front im rückwärtigen Gebiet in verstärktem Umfang durchgeführten Bandenaktionen zeitigen erfreuliche Erfolge. Die Unternehmen "Maiglöckchen" (XXXV.A.K.A.K.) und "Wirbelwind I und II" (Korück) sind mit dem heutigen Tage abgeschlossen worden. Insbesondere "Wirbelwind" hat ein beachtliches Ergebnis gebracht: mehrere hundert Feindtote, zahlreiche Gefangene und größere Beute an Waffen. Vieh und Nahrungsmitteln (Einzelheiten s.Anl. II und VII 2 v.4.5.44). General der Infanterie Wiese, Komm.Gen. des XXXV.A.K., der die stellvertretende Führung der Armee bis zum Eintreffen des neuen Oberbefehlshabers übernimmt, trifft um 11.30 Uhr im A.H.Qu. ein und meldet um 15.20 Uhr die erfolgte Befehlsübernahme an die Heeresgruppe. General Oberst Harpe wird die Führung über die 1.Pz.Armee am 20.5. übernehmen; mit Wirkung vom gleichen Tage ist Gen.d.Inf.Jordan, Komm.Gen. des VI.A.K. (Pz.AOK 3), mit der Führung der 9.Armee beauftragt (s.Anl. VII 4). |
| 9.5.1944 | KTB 9.Armee. An der gesamten Armeefront kommt es zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen. Hinsichtlich der Beurteilung der Feindabsichten gegenüber der Südfront des XXXV. A.K. ergeben sich keine neuen Gesichtspunkte. Mit einem feindlichen Angriff rechnet das Gen.Kdo.XXXV.A.K. im Augenblick noch nicht; es hat mehr den Anschein, als ob der Gegner noch warten wolle, möglicherweise um eine zeitliche Übereinstimmung mit dem Raum Kowel (Südflügel der Heeresgruppe) vorbereiteten Großangriff zu erzielen. Zur Bekämpfung einwandfrei aufgeklärter Feindbatterien bei Mormal und im Nordabschnitt des Korps, vornehmlich am Brut-Brückenkopf, erhält das Gen.Kdo. XXXV. A.K. eine einmalige Sonderzuweisung von 2500 Schuß s.F.H.-Munition. Die Herauslösung der 110.1.D. und ihre Bereitstellung im vorgesehenen Raum als Armeereserve ist beendet; heute um 7.00 Uhr haben die 35. und 36.I.D. anteilig den Befehl im bisherigen Abschnitt der 110.ID. übernommen. Im rückwärtigen Gebiet nähert sich das Unternehmen "Wirbelwind" mit dem Beginn der vierten und letzten Teilunternehmung seinem Abschluß. Sie gilt der Säuberung der Waldgebiete südlich Tscherwen (30 km nordostw. Marina Gorka). Da es angesichts der verschlechterten Wegeverhältnisse nicht mehr zweckmäßig erscheint, das II./Pz.Gr.Rgt.59 (SPW-Btl. der 20.Pz.Div.) weiter im Einsatz zu belassen, wird seine Rückkehr in den Raum Bobruisk befohlen, wo es dem XXXV.A.K. als Armeereserve wieder unterstellt werden wird. |
| 15.5.1944 | KTB 9.Armee. Die derzeitige Feindlage, vor der Armeefront, einmal in ihrer Gesamtheit betrachtet, steht in steigendem Maße unter dem Eindruck des nunmehr im wesentlichen abgeschlossenen sowjetischen Aufmarschs im Großraum Kowel in der tiefen Flanke der Heeresgruppe Mitte. Der Begin der feindlichen Offensive wird dabei anscheinend von der Gesamtkriegslage beeinflußt; die außerordentliche Funkbeschränkung, die der Gegner sich auferlegt, deutet jedoch an, wie weit seine Vorbereitungen schon gediehen sind. Vor der Armeefront ist - im Zusammenhang damit - mit Wahrscheinlichkeit eine Reihe von Begleitangriffen zur Fesselung deutscher Kräfte zu erwarten und zwar beim XXXXI.Pz.K. in erster Linie aus dem Raum westlich Poganzy (36.I.D.) über die Waldbrücke in Richtung Paritschi, beim XXXV.A.K. voraussichtlich an der Südfront zwischen Ola und Dnjepr mit Stoßrichtung auf Shlobin und westlich und an der Ostfront aus dem Drut-Brückenkopf nach Südwesten zur Unterbrechung der Rollbahn Rogatschew - Bobruisk. Daneben muß mit Versuchen des Feindes gerechnet werden, zur Sicherung und Abschirmung seiner großen Angriffsoperation nach Norden die Querbahn nördlich des Pripjet (LV.A.K.), die schnelle Kräfteverschiebungen an der Südfront der Armee ermöglicht, durch einen örtlichen Angriff zu unterbrechen und auszuschalten. Endlich sind auch beiderseits der nördlichen Armeenaht Beunruhigungs- und Fesselungsangriffe nicht unwahrscheinlich (Einzelheiten dazu siehe Anlage VII 1 vom 14.5.44). Das Maß der insgesamt zu erwartenden Feindangriffe kann vorläufig noch nicht beurteilt werden. Operative Reserven in der Tiefe des feindlichen Hintergeländes sind bisher nicht bekannt geworden. Die festgestellten Stellungsverbände (16 Schtz.Divn. und 3 Verteidigungsabschnitte) und die taktischen Reserven (14 Schtz.Divn.) reichen zwar aus, um bei straffer Zusammenfassung örtliche Erfolge zu erzwingen; für entscheidungsuchende Angriffe dagegen dürften sie nicht genügen. Der Beginn des Großangriffs bei und südlich Kowel steht vermutlich bald bevor und es ist denkbar, daß die Begleitangriffe gegen die Front der Armee vorweg im ersten Tempo geführt werden, wobei man die gestrigen Vorstöße beiderseits Poganzy (XXXXI.Pz.K.) als Anzeichen einer planmäßig zunehmenden Aktivität ansehen darf, die der Feind übrigens auch heute fortsetzt: diesmal führt er nach z.T. starker Artillerievorbereitung in den Morgenstunden mehrere kp.-starke Vorstöße gegen die inneren Flügel der 45.I.D. und 383.I.D., die unter hohen Verlusten für den Gegner abgeschlagen werden (s.Anl. II und III). Am Nordflügel des XXXV.A.K. hat heute um 6 Uhr unter Auflösung der Gruppe v. Kessel das Div.Kdo. 134.I.D. den Befehl über den. bisherigen Abschnitt der 20.Pz.Div. übernommen. Die Herauslösung der 20.Pz.Div. schreitet fort; die zur Übernahme ihres Abschnitts erforderlichen Ablösungen sind im Gange (s.Anl. II, Ziff. 3). |
| 16.5.1944 | KTB 9.Armee. Während die Kampfruhe an der Armeefront weiter andauert, haben die Anzeichen eines bevorstehenden Feindangriffs im Abschnitt des AOK 4 inzwischen derart zugenommen, daß die Heeresgruppe die vorbeugende Heranziehung stärkerer Reserven dorthin für notwendig hält. Sie gibt infolgedessen den Befehl zur sofortigen Abgabe der ganzen 110.I.D. zur 4.Armee (s.Anl. V 1). Mit dem ersten Transport wird bereits heute begonnen (s.Anl. IV 1). Für die Armee bedeutet diese Abgabe eine neue erhebliche Schwächung ihrer Kampfkraft, die im Verlauf der letzten zwei Monate nunmehr um insgesamt 5 Divn. und zahlreiche Heerestruppen vermindert worden ist. Die Herauslösung der Artillerie der 110.I.D., die sich noch in Stellung befindet, macht die bereits in Aussicht genommene Verschiebung des A.R.36 (ohne 1 le.Art.Abt.) vom XXXV. A.K. zum XXXXI.Pz.K. nunmehr notwendig (s.Anl.VII 1 und 2); als Ersatz für das Gren.Rgt. der Div., das zur Teilnahme am Unternehmen "Moorbad" vorgesehen war, wird das XXXXI.Pz.K. ein Reserve-Btl. und ein Alarmbtl. zur Verfügung stellen (Chef XXXXI/Chef, 16.00 Uhr), damit das Unternehmen zum vorgesehenen Zeitpunkt durchgeführt werden kann, wenn jetzt auch mit geringeren Kräften. |
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