16.Panzerdivision
Übersicht    Kriegstagebuch    Befehle    Gliederungen    Zustandsmeldungen   Stellenbesetzungen   Ersatz/Verluste   Material/Ausrüstung


Kriegstagebuch Dezember 1941
1.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Es geht nochmals zurück, auf die endgültige Verteidigungslinie. Die Protzen sind fast alle kaputt, es wird zu Fuß marschiert.
Nachts wird die Tuslow-Stellung lautlos geräumt. Am andern Tag Ruhe in einem Dorf.
2.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Abends 9 Uhr marschiert die Kompanie ab. Unsere Gruppe stellt die Nachhut, sichert im Dorf bis zum andern Morgen, rückt dann die
Kompanie nach. Im Morgengrauen nähern sich russische Panzer dem Dorf. Starkes Schneetreiben. Wir mit Karacho ab. Unterwegs viele
Russen auf dem Weg, die all mit den deutschen Truppen zurück wollen. Sie müssen von den Bolschewiken ordentlich die Nase voll
haben. Unterwegs kurze Pause in ganz verlassenem Dorf. Nur noch zwei Mädchen da, die uns Milch geben und Bratkartoffeln braten.
Anscheinend mitgeschleifte Huren von Bessarabien, von den Russen bei ihrem Rückzug mitgeschleift. So ähnlich erzählen sie. Was
ihr Hauptberuf war, sagen sie nicht. Das fühlen wir aber. Gegen Mittag in Matjow Kurgan, größere Stadt. Eine Stunde später bei
der Kompanie.Die ist schon am Schanzen. Nachts Sicherung, Schanzen wird eingestellt, da die Kompanie am anderen Tag weiter nach
links geschoben wird.
3.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Unsere endgültige Stellung rechts vom Mius, Matjew Kurgan gegenüber. Der Abschnitt unserer Kompanie verläuft vor einem ganz kleinen
verlassenen Dorf Stefanowskji. Weite 3 – 4 km breite Ebene zwischen uns und der Stellung der Russen, Fluss dazwischen. Da sollen
sie nur kommen! Unsere schweren Waffen am Hang direkt hinter uns. Unsere Stellung (die des Btls.) ein Sack, wenn er da reinläuft,
erhält er von 2 Seiten Flankenfeuer.
4.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Wir schanzen uns unsere MG Stellungen. Immer 4 Mann etwa 1 Loch. Der Boden ist hart gefroren. Man kommt fast nicht hinein.
Mit Sprengladungen geht es endlich. Ein Glück, dass wir auch am Tag arbeiten können. Der Russe schießt nur mit Artillerie
und die stört uns wenig. Mühseliges Arbeiten. Aber man wird wenigstens warm. Bei Nacht stellen wir Horchposten. Vorsicht
ist geboten. Das ganze Gelände ist vermint. (Das taten die Russen im Herbst, bei unserem Vorstoß auf Rostow). Es wird
immer kälter. Nicht jeder von uns hat Handschuhe! Wir geben sie einander für das Graben. Endlich sind wenigstens die
MG-Stellungen fertig. Nun versucht jeder Trupp, sich noch einen Unterstand zu bauen. Mühsamste Arbeit, auch für primitivste
Ergebnisse.
5.12.1941  
6.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64. - 14.12.41
Ich liege im Revier. Linker Fuß erfroren. Glücklicherweise habe ich es zeitig gemerkt. Die Zehen ganz vereitert. Ich kann
mich wenigstens waschen, den Seemann-Schnauzerbart abmachen. Im Spiegel kenn ich mich nicht wieder. Ich sehe fürchterlich
mager und schlecht aus. Langsam sickert durch, dass Rostow wieder geräumt werden musste. Unser Vorstoß bis zum Don ist
missglückt. Der Chef, der Heeresgruppe Süd Generalfeldmarschall von Rundstedt, soll abgesetzt sein. Der Russe soll 16
frische Divisionen hereingeworfen haben. Solange ich im Revier liege, erhalte ich ein prächtiges Bild meines Jungen.
Unsagbares Gefühl.
7.12.1941  
8.12.1941  
9.12.1941  
10.12.1941  
11.12.1941  
12.12.1941  
13.12.1941  
14.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Wieder bei der Kompanie, die nun Lt. Becker, mein Zugführer bis Nicolajew, führt. Solange ich im Revier lag, fiel
Günthert auf Gefechtsvorposten, wurden der Chef, Lt.Gutsche u. Lt.Wiese durch Ari-Volltreffer schwer verwundet. Ich komme
zur Gruppe Sohnius, Zugführer der fabelhafte Fw.Trappe. Fritz Schmidt ist wieder mein Schütze 2, E. Graunhorst der andere
Schütze. Die anderen sind neue Leute von einem Marschbataillon, das uns am Tuslow mit Ju 52 zugeworfen wurde, um die paar
alten Schwänze des Bataillons zu verstärken. Sie sind den Kampf und das wortlose Zupacken noch nicht gewöhnt. Doch wir
werden sie schon hinbiegen.
15.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Jeden zweiten Tag muss unsere Gruppe auf Gefechtsvorposten. Dafür den andern Tag Erleichterung im Postenstehen. Der
Zugführer geht mit. Morgens 4 Uhr Wecken. In der Dunkelheit durch die Minensperre unserer Pioniere, 2 km am halben Hang.
Ein Trampelpfad verhindert, dass wir auf russische Minen laufen. Ziel ist im zerschossenen Kolchos, näher bei der Stellung
der Russen als bei den unseren. 500 m vor dem Kolchos durch einen Bach. Wir sinken fast bis zu den Knien in das eiskalte
Wasser. Ich bin übel dran, denn ich habe keine Schaftstiefel. Und dann stehen wir bis zur Abenddämmerung in Wind und Kälte,
mit nassen Füßen und Beinen. Der Russe weiß längst, dass wir da sind und schießt mit Granatwerfern.
Dabei ist dieser Gefechtsvorposten der tollste Unsinn, aber vom Bataillonskommandeur befohlen. Fw.Trappe sagt ihm das auch.
Bei Nacht sind wir nicht dort, da die Gefahr des Geschnapptwerdens zu groß ist, bei Tag übersieht man das ganze Gelände
auch von der HKL aus. Aber was kümmert dies den Major. Er sitzt ja hinten, in der warmen Stube.
16.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Nasskalt und fürchterlich schlammig. Keine Verpflegung kommt nach vorn. Die Protzen kommen nicht durch, auch kein
Pferdegespann. Die Russenpferde sind entkräftet, die Wege grund- und bodenlos. Der Tross und die Feldküche liegen 18 km!
hinten, in Marxisk?. Das Mittagessen fällt ganz aus. Vier Mann erhalten täglich ein Brot; fast ohne Auflagen. Dabei schwerer
Dienst. Viele sind krank. In jeder MG-Stellung meist nur noch zwei Mann. Deshalb schwerer Dienst: 2 Stunden Ruhe, tagaus,
tagein. Und in den Ruhestunden sollen nun Laufgräben von Stellung zu Stellung gegraben werden.
17.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Läuse, fürchterlich viel Läuse. Ich fange jeden Tag zwischen 70 und 100 Stück.
18.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64. 18.-22.12.1941
Wahnsinnig Hunger. Die Landser streiten sich um einen Keks, die in einem zerschossenen Haus gefunden wurde, graben in den
Erdkellern nach irgendetwas zum Essen. Wir haben nun viele 20, 22jährige dabei. Sie finden eingesalzenes, stinkendes Fleisch.
Trotzdem wird es gekocht und gegessen.
19.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Eine kleine Erleichterung. Wir können täglich 2 Stunden in ein Haus, um uns zu wärmen und zu waschen. Der Dreck liegt dick auf
dem ganzen Körper. Wir hausen ja auch in primitivsten Erdhöhlen, klein, nicht abgedeckt, ohne warmen Boden. Aus alten Eimern
machen wir uns Öfen. Aber wir finden nur grünes Holz. Bis die Bäume bloß gefällt sind, mit wackeligen, schartigen Beilen, ohne
Säge, ohne Äxte. Die Russen schießen jeden Tag mit Artillerie. Sonst ist nicht viel los. Die Schützengrabenkrankheit nimmt
überhand, Läuse und Dreck, Kratzen die Ursache. Wie soll man sich gegen dies Ungeziefer bloß wehren. Wir ziehen die Pullover aus,
frieren lieber. Der Rauch in unseren Höhlen ist ungeheuer, manche Kameraden können nicht mehr sprechen, andere nicht mehr sehen.
Die Reihen werden immer lichter. Alle sind übermüdet, schlafen auf Posten stehend ein oder verbrennen sich am Eimer die Schuhe,
wenn sie zwei Stunden Ruhe haben.
20.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Die Lichttage nahen. Uns ist bange davor. Das wird eine schwere Prüfung für unser deutsches Gemüt werden. Ich habe mir schon seit
Tagen ausgedacht, wie ich meine Kameraden weihnachtliche Freude machen kann: meinen lieben, kleinen Adventskranz, den mir Rosel
geschickt hat, habe ich auf die Seite gelegt. Er soll uns den Tannenbaum ersetzen. Büchlein, die ich geschickt bekam, sollen
die nächsten Kameraden bekommen. Einige Päckchen will ich gar nicht öffnen. Die Kameraden, die am Tuslow zu uns kamen und noch
immer ohne Post sind, sollen dadurch wenigstens eine kleine Freude erleben.
21.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Wir hungern noch mehr. Das Brot, das nach vorn kommt, ist vollständig verschimmelt. Jeder hat die Scheißerei, fürchterlich,
wie Wasser. Nur mein Magen ist noch halbwegs in Schuss. Die Kerle gehen schier drauf. Nur die Gerüchte um eine Ablösung halten
uns aufrecht.
22.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Als ich gestern Abend vom Gefechtsvorposten zurückkam, war eine Neuigkeit für mich da: Versetzt zum III.Zug, als
Granatwerfertruppführer. Das bringt mir Erleichterungen. Der Zugtrupp haust in einem Raum eines alten Hauses mit Ofen. Wir
stehen nur nachts auf Horchposten. Ich brauche nicht mehr auf Gefechtsvorposten. Der Zugführer, Uffz.Roelfink, ein fabelhafter,
kameradschaftlicher Kerl. Doch mir ist nicht ganz wohl. Ich möchte alles Schwere mit den Kameraden teilen.
23.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Die Versorgung versagt noch immer. Post und Verpflegung bleiben aus. Weihnachten möchten wir am liebsten gar nicht kommen sehen.
Ich halte den Kopf noch hoch. Ich weiß, dass der Mond nun zunimmt und dass er Frost bringen kann. Dann gefriert der Boden wieder
und die Verpflegung kommt mit der Post doch noch nach vorn.
24.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Ich habe Recht behalten. Es ist mit einem Male wieder jämmerlich kalt geworden. Post und Verpflegung ist da. Der Tatendrang ist
neu geweckt. Aus Papier schneiden wir Buchstaben und kleben sie auf eine Decke zu „Frohe Weihnacht“ zusammen, hängen sie an die
Wand. Tannenzweige kommen aus Paketen und schmücken die Wand. Kerzen bringen uns den Glanz und das Licht aus der Heimat. Zu den
Päckchen (sie sind in bescheidener Zahl gekommen, denn fast alle liegen auf dem Feldpostamt, da der kalte Frost ihr Holen nicht
mehr möglich machte) können Geschenke der Kompanie und des Generals: 2 Schokoladetafeln, 1 Kuchen, Zigaretten, Brötchen.
Auch Alkohol ist da, aber er wird erst nach Weihnachten ausgegeben, da man dem Russen böses zutraut. - Als es dunkelt, sitzen
wir beisammen, den Kranz, der Liebe flocht, in unserer Mitte. Wir erzählen, lesen dann und knabbern an guten Dingen. Vor dem
Singen haben wir heimliche Angst, es könnte uns weich machen. In einer Stunde vor dem Schlafen bin ich daheim. Die Gefühle!
25.12.1941  
26.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Es ist nun fürchterlich kalt geworden. Die Russen setzen uns Granaten zwischen die Häuser. Alle Fenster sind kaputt. Ein
Granatsplitter hat uns eine Cognacflasche zertrümmert, noch voll des wärmenden Tranks. Der Wind pfeift, der Schnee weht uns um
die Ohren. Wir stellen uns auf den Ofen. Post kommt wenigstens. Meine schönen Tage sind schon wieder zu Ende. Mit meinen zwei
Granatwerfern muss ich nun auch für unsere Waffe eine Stellung bauen. Wir arbeiten den ganzen Tag, nachts stehen wir Horchposten.
Und nun ist der Boden härter gefroren als je. Es dauert stundenlang, bis wir nur ein kleines Loch haben, um eine Sprengladung
anzubringen. Und die ist so knapp, dass wir nur den kleinsten Teil heraussprengen können.
27.12.1941  
28.12.1941  
29.12.1941  
30.12.1941  
31.12.1941 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Altjahrabend schön und still. Wir unterhalten uns im Zuggefechtsstand bis um Mitternacht. Der Leutnant geht die Stellungen ab,
lässt MG in die Luft schießen. Leuchtpatronen gehen hoch und trotz unsagbarsten Beschwerden herrscht Silvesterstimmung.
Wir wünschen uns durch Händedruck alles Gute und recht, recht viel Soldatenglück. Und dann hängt jeder seinen eigenen Gedanken
nach. Der Russe lässt uns in Ruhe. Er feiert auch. Wir hören sein Lärmen und Singen; seine Grammophonmusik. Er muss sich
besaufen. Anders kann er ja wohl nicht feiern.
   
<< November 1941                                                        Januar 1942 >>