| Kriegstagebuch November 1941 | |
| 1.11.1941 | |
| 2.11.1941 | |
| 3.11.1941 | |
| 4.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Weiter Richtung Rostow. Soll unser letztes Angriffsziel sein. Nachts in einem kleinen Dorf Angriff auf einen T.P. mit Panzern. Art.-Feuer hindert wenig. Russen abgejagt. Die Division wird durch die Lücke durchgeschleust. Abends weiter. Regen, Nässe, Schlamm. Nachts in deutschem Dorf „Liebental“, die Einwohner, nur Frauen, stark verängstigt. Sie glauben, wenn wir fort wären, kämen die Russen wieder und würden sich noch gemeiner betragen. Wir sagen ihnen, dass hinter uns noch viele, viele deutsche Truppen kämen und zu ihnen nie mehr der Russe. Da sind sie, allerdings nicht ganz, beruhigt. Sehr sauberes Haus u. Stube. |
| 5.11.1941 | |
| 6.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Fußmarsch, da die Protzen mit Mannschaft nicht durchkommen. Dorf 15 km entfernt, soll angegriffen werden. Wir versinken fast im Dreck. Ich tue, als alter Infanterist, mich noch verhältnismäßig leicht. Regen setzt ein. Da freuen wir uns auf den Angriff. Doch im Dorf schon alles bereinigt. Unsere Panzer! Viele Gefangene. Ich treffe alte Kameraden von 10/420. Doch die meisten sind tot oder verwundet, wie bei uns. Wir müssen stundenlang im Regen stehen, bis alles in die Quartiere eingewiesen werden kann. Das ganze Regiment im Dorf. Unsere Gruppe im leerstehenden Haus. Wir richten uns gemütlich ein, waschen uns tüchtig und braten. Angenehme Sicherung. Lange Aussprache mit Willi Busch, der mir immer lieber wird. Er erzählt mir sein Leben, seine Freundschaften, Enttäuschungen und seine Liebe. Unsere Jäger schießen Russen am laufenden Bande ab. |
| 7.11.1941 | |
| 8.11.1941 | |
| 9.11.1941 | 2./Pz.N.A.16:
Gefr.Dietwald Förster gefallen bei Tieffliegerangriff; |
| 10.11.1941 | |
| 11.11.1941 | |
| 12.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Weiter. Nachts in einem Dorf Sicherung, bitter kalt. Nette Leute. Ein nettes, keckes Russenmädel im Zuggefechtsstand. |
| 13.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ein Dorf soll angegriffen werden. I. Zug mit 6.Kompanie frontal, II. Zug mit 8.Kompanie (MTW) umgehen, um die flüchtigen Russen einzukassieren. Olt.Mur, der schneidige, draufgängerische Offizier soll uns führen. Doch unsere Fahrzeuge eingefroren. Also zu Fuß; von hinten ran an das Dorf, das von 6.Kompanie und unserem I.Zug schon genommen ist. Wir zu spät, da wir nicht motorisiert waren. Großer Teil der Russen entkommen. In Feldstellungen noch 35 gefangen genommen. Quartier in Privathäusern. Abwechslungsweise Sicherung 4 x 4 Stunden. Wir nun am östlichsten Punkt der ganzen Ostfront, über die Höhe von Rostow hinaus. Quartier bei 1 Frau und 5 Kindern, Mann Soldat seit 3 Monaten nicht mehr geschrieben. Wir schenken ihr Beuteleinwand zu Hemden für ihre Kinder. Sie ist zu Tränen gerührt. Wahrscheinlich hat sie sich die Deutschen anders vorgestellt. |
| 14.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. 14.-16.11.1941 Immer noch im Dorf (64). Unteroffizier Walter wird krank, ebenso Hutten + Weller. (Schützengrabenkrankheit durch Schmutz und Läuse, Kratzen); dafür Unteroffizier Simeth, einen „Zwölfender“. Eingebildeter Kerl, hält uns Vortrag über Kameradschaft, verbittet sich das „Du“ und weiß recht viel. Ich sage ihm kurz und bündig, dass ich die Leute um mich nach dem beurteile, was sie im Kampf an den Tag legen. Da wird er ruhig. Er kommt von der IG Kompanie und will schnell Feldwebel werden. |
| 15.11.1941 | |
| 16.11.1941 | |
| 17.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Der Angriff auf Rostow beginnt. Die 14.Pz.Division und die Adolf-Hitlerleibstandarte greifen die Stadt direkt an, wir, die 16.Pz.Div. haben abzuschirmen. Dazu Scheinangriff, um die Russen wegen der Angriffsrichtung zu täuschen und die russ. Artillerie auf uns zu ziehen. Mit Protzen in den Bereitstellungsraum hinter einer Höhe. Unsere Ari haut schon feste rein. Unsere Kompanie am weitesten links, unser Zug links, I.Zug rechts. Vor uns starke Stellungen der Russen; auch links von uns, wo unsere Flanke offen. Wir kommen nur langsam vor. (Flankenfeuer). Doch wir müssen ran, Anschluss am 1.Zug behalten, der schon bedeutend weiter vorn ist. Ofw. Wüst: „II. Zug, Auf, Marsch, Marsch!“ Nur ich springe, mit dem Zugführer und meinem Schützen 2 und 3 (H. Funkenberg und Fritz Schmidt) Uffz. Simeth kommt nach. Alles andere bleibt liegen!! Dabei ist das russ. Feuer gar nicht so schlimm. Ich laufe, was ich kann, gewinne schnell 100 m und lege mich hin; halte mit dem MG die Russen nieder, streue nach vorne und links. Unsere Ari schießt haargenau. 2 Russen springen auf einen Einschlag weg. Ich fasse sie blitzschnell mit dem MG, dann springe ich nochmals, da vorne ist noch bessere Deckung. Fritz Schmidt ist zurück geblieben. Der Laufschützer nimmt ihm den Atem fort. Helmut ist bei mir. Im Hinlegen höre ich ihn aufschreien. Ich frage zurück: „Helmut?“ Da ist er schon tot. Ich schieße. Fritzchen kommt nach. Ich verständige ihn. Wir liegen allein auf weiter Flur. Endlich kommt der Zug nach; Gottseidank. Das ist bei Gott kein angenehmes Gefühl, so weit vorne zu liegen; allein und nicht zu wissen, ob nicht ganz nahe Russen sind, die dich „holen.“ I.Zug hat leicht nach rechts geschwenkt. Wir müssen ran. Querbewegung! Nichts zu machen. Keiner will als Erster springen. Da tu ich es. Das ist in solchen Fall gar nicht so ohne. Da sind die Russen noch nicht im Bild. Ich laufe wieder, was ich kann. Ich kann auch mit dem MG richtig spurten, obwohl auch meine Beine offen sind und so geschwollen, dass ich in die Stiefel gar nicht hineingekommen bin. Leicht hätte ich wie Hutten und Weller beim Tross bleiben können, aber schließlich will ich auch ein anderer Kerl als diese sein. Das sMG, das den Feuerschutz übernommen hat, schießt spärlich. Dafür unsere Ari fabelhaft, zwingt die Russen in Deckung. Sonst wäre die Querbewegung den Russen ein Fressen geworden. Und verhältnismäßig schnell ist der Zug am richtigen Platz. Noch ein Sprung, dann bin ich beim Chef. Hülsemann, Herzschuß, tot. Die letzte Etappe der Einbruch. Da kommt Olt.Mur mit zwei Panzern u. zwei MTW. Sie schickt der Himmel!“ sagte der Chef. Die gepanzerten Fahrzeuge rollen vor, wir nach. Ran an die Löcher! Die Russen kommen nicht raus. Also Handgranaten oder Gewehrkolben! I.Zug viele Ausfälle. Beim Kampf durch das tiefgegliederte Verteidigungssystem fällt Hensler durch Bauchschuss, verblutet ganz rasch. Ein russ. Art. Aufklärer über uns. Gleich wird die russ. Art. anfangen. Da stoßen wir noch 500 m vor, gehen in Stellung. Da fängt das Heulen durch die Luft schon an. Einschläge hinter uns, wo uns der Aufklärer festgestellt hat. Art.Beobachtung von der Erde aus fast unmöglich, da starker Nebel. Unser Glück! Viele Blindgänger 17 hintereinander!! In der Ferne rollen Panzer, die 14.Pz.Division rollt nach Rostow. Der Weg ist frei. In der Nacht Sicherung in einem Dorf, in dem die 6.Kompanie gelegen hatte, nicht zurück in „unser“ Dorf (64) wie vorgesehen war. Gegen 24 Uhr erhalte ich von Ofw.Wüst den Befehl, die Gruppe Schmidt, die als Nachhut im Angriffsgelände geblieben war, zurückzuholen. Stockdunkle Nacht, also Marschkompass. Wir kommen hin, finden aber Uffz.Schmidt und seine Leute nicht. Ob ihn die Russen kassiert haben? Doch am Morgen kommen sie zurück. Wahrscheinlich haben sie den sturen Befehl des Bat.Kdrs. selbst geändert und sind irgendwo an einer warmen Stelle verkrümelt. |
| 18.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. 18.-22.11.1941 Das Regiment geht zurück. Wir wissen nicht warum. Es ist kalt. Lt.Wiese, am Anfang d. Russlandfeldzugs verwundet, kommt zur Kompanie. zurück. Er soll ein toller Draufgänger sein. Ich kenne ihn noch nicht. Doch schon am 1.Tag lerne ich seine Art. Unsere Gruppe fährt mit ihm Spähtrupp. Wir stellen die Russen fest, Stärke, Art, alles genau. Der Auftrag ist erfüllt. Wir denken: Nun geht’s zurück. Da will er absolut noch Russen kassieren. Sein Befehl „MG frei. Folgen!“ Doch die Russen haben auch uns bemerkt. Schon haut eine Panzersprenggranate bei uns ein. Wir liegen flach. Granaten setzt uns der Russe vor die Nase. Der Lt. wird am Auge leicht verwundet. Und geht nicht zurück! In einer leichten Mulde pirschen wir seitwärts und dann wieder vor. Doch es ist nichts zu machen. Die Russen jagen uns wieder. Da bequemt er sich zur Umkehr. Sicherung und Ruhe. 6 x 6 Stunden. Es ist unheimlich kalt. In der Nacht nichts Besonderes. In der 2.Nacht mache ich Pendelverkehr zwischen den MG-Stellungen; die weit (200 m) auseinanderliegen. Stockdunkle Nacht, eisiger Wind. Ich bin, als ich aus einem Loch steige, nicht ganz vorsichtig und gehe in der ungefähren Richtung auf die nächste Stellung zu, zum 2.Trupp unserer Gruppe, den Ernst Graunhorst führt. Ich gehe und gehe. Donnerwetter, ich müsste längst da sein. Ich bleibe stehen, horche, Nichts! Ich rufe, rufe lauter. Nichts zurück! Ich will an mein Loch. Ich finde es auch nicht mehr; tappe hin und her. Nichts. Kein Stern hilft. Eiswind! Da sage ich mir: „Weiteres Suchen ist sinnlos. Du verläufst Dich nur. Also hinlegen, abwarten.“ Einen Kummer macht mir die Sache: Wir werden um 24 Uhr abgelöst. Nun muss ich, wenn ich bei der Ablösung nichts merke, bis zum Morgen aushalten. Das ist saudumm, aber nicht zu ändern. Ich suche mir ein Restchen Stroh, schnalle die Zeltbahnen ab und versuche zu schlafen. Ich rolle mich zusammen wie eine Katze. Ich werde nicht warm. Da träbble ich um mein Lager, halbe Stunde lang, lege mich 10 Minuten hin. Da bin ich wieder kalt und friere. Die Ablösung merke ich nicht. Als ich wieder einmal eben etwas „döse“,höre ich Motorengeräusch. „Es muss eine Protze sein“, denke ich und gehe hoch. Es wird langsam etwas hell. Und in der Ferne sehe ich den Schatten eines Fahrzeugs. Drauf zu. Die sehen mich, winken und halten. Es ist Lt.Wiese und Fw.Wüst, die einen Spähtrupp fahren. Ich melde mich zurück und berichte, wie's gegangen ist. Sie freuen sich und Lt.Wiese erzählt, dass es ihm in der vorletzten Nacht fast ebenso ergangen ist. Sie wollen mich heimschicken: Ich soll ausschlafen. Da knallt's! Russen vor uns. Schnell auseinander und angegriffen. Ich schnappe mir von der Protze 1 Knarre. Doch die Russen hauen wieder ab. Es war wohl ein Spähtrupp. Wir fahren ihnen nach. Da sehe ich, dass sie keine 30 Schritt von meinem nächtlichen Lager waren und ich selbst statt nach rechts von meinem Loch genau feindwärts gegangen war. Mich haben die Russen nicht geschnappt, dagegen wahrscheinlich den prächtigen Uffz.Willi Busch, den „ollen“ Emden, Appel und von Tyll, dazu unsere Protze im Dorf (64). Das war so: Am 17.11. Scheinangriff (s.o.) vom Dorf 64 aus. Abends sollte unsere Kompanie ins Dorf zurückkommen. Da aber bei dem Angriff die 6.Kompanie zu viele Ausfälle hatte, hatte der Btl. Kdr. unsere Kompanie in das Dorf der 6.Kompanie zur Sicherung befohlen. Der Tross und Btl. Stab war im Dorf 64 geblieben ebenso die Verwundetensammelstelle und unsere Kranken (in Quartier der Gruppen). Doch hatte sie der Spieß für die Zeit des Angriffs zu sich befohlen, um ihnen die Dorfsicherung zu übertragen. Da alle ja nur fußkrank waren, außer Willi Busch, der Grippe hatte. Doch die Kerle hatten sich beim Spieß nicht gemeldet und dieser nahm an, sie würden den Angriff mitmachen. Nun hatte der Tross und der Stab in der Nacht zum 18.11. den Befehl zum Abrücken bekommen und waren im Morgengrauen auch zum neu befohlenen Ziel aufgebrochen. Der Spieß, keine Ahnung von den „Krankfeiernden“, konnte natürlich auch diesem Befehl nicht weiterleiten. Unser Fahrer, der bis in die Nacht Verwundete gefahren hatte, stand morgens 6 Uhr schon wieder an seiner Protze, um sie aufzutauen. Da sehen ihn Leute des Bataillonstabs, die als letztes Fahrzeug das Dorf verließen, schon die Russen im Nacken, die am anderen Ende des Dorfes einrückten. Sie konnten Willi Goedecker, unseren Fahrer, noch rasch verständigen und dieser wiederum die zwei Kranken unserer Gruppe, Hutten und Weller. Unsere Protze sprang nicht an und so mussten sich die drei auf dem Fahrzeug des Bataillons in Sicherheit bringen. Die Leute um Willi Busch, Appel, Emden und vom Tyll konnten nicht mehr verständigt werden. Sie waren mit der Protze verloren. Scheußliches Schicksal! Unsere Gruppe alles verloren. Wäsche, Beute, mein peinlich geführtes Tagebuch. |
| 19.11.1941 | |
| 20.11.1941 | |
| 21.11.1941 | |
| 22.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Nochmals zurück. Nachts in einer kleinen Hütte. Am andern Morgen wird Uffz. Schmidt, der bei der leichten Flak steht, durch MG-Garbe eines Flugzeugs schwer verwundet. |
| 23.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Weiter zurück bis an den Tuslow. Wir verstehen nichts mehr. Einmal zwingt uns der Russe nicht, aber wir merken auch nichts von einem Kessel. Wir vermuten, dass das Donezbecken von den Russen vollends freigemacht werden soll |
| 24.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Noch einmal zurück, Tuslow wird erreicht; bei Dorf Sowjet (?). Der Russe ist uns doch auf den Fersen. Seither stellten wir die Nachhuten nicht. Deshalb merkten wir nichts davon. Jetzt I.Zug mit Lt.Wiese Nachhut. Jenseits des Flusses Höhenzug. Dort soll die endgültige Verteidigungsstellung gebaut werden. Winterstellung? Das wäre heiter. Der Chef: „Das kommt für uns nur einige Tage in Betracht. Dann löst Infanterie uns ab.“ An der Brücke, die über den Fluss führt, bereiten unsere Pioniere eine Sprengung vor. Andere Teile dieser Pioniere verminen die Straße. Der Chef, Lt.Gutsche, befiehlt meinem MG-Trupp mit Uffz. Simeth, an dieser Brücke einen Gefechtsvorposten zu bilden. Räumung nur, wenn der Russe gegen Abend erwartet wird, stark angreifen sollte. Die Sprengung der Brücke erfolgt erst, wenn Lt.Wiese mit Nachhut zurück sei. Unsere MG-Stellung müsse vom 2.Trupp, den nun Uffz.Sohnius führt, angelegt werden, damit wir, wenn wir als Gefechtsvorposten zurück müssten,unser Loch fertig vorfänden. Wir maulen, natürlich, aber da ist nichts zu machen. Besonders die Tatsache, dass wir 5 Schwänze die ganze Nacht 1 km vor der HKL liegen sollen, hängt uns am meisten im Magen. Gegen Abend Nachhut im Karacho über die Brücke. Russen sollen mit Panzern dichtauf folgen. Brücke wird gesprengt. Tatsächlich, da rollen die russischen Panzer und motorisierte Infanterie schon ins Dorf. Nun gilt doppelte Aufmerksamkeit. Fritzchen Schmidt und ich rechts am MG; Uffz. Simeth mit Brinker und Hinkelmann links der Straße. Kaum eine Schützenmulde haben wir fertig gebracht, so hart gefroren ist der Boden. Ein Melder kommt: „Der MG-Trupp bleibt auch während der Nacht auf Gefechtsvorposten. Ablösung voraussichtlich morgen Abend, nach Einbruch der Dämmerung. Verpflegung kommt heute Nacht durch einen Mann nach vorn. Falls die Russen zu stark drücken, sollten wir abhauen, rote Leuchtkugeln hochschießen! Unsere sMG würden dann unser Rückgehen decken.“ Wir machen ein blödes Gesicht und maulen. Es wird dunkel. Nun hat uns der Melder womöglich noch durch sein Kommen und Gehen verraten. Die Russen bewegen sich ungeniert im Dorf. Da! Fritz packt mich am Arm, deutet nach halbrechts. Erst kann ich nichts erkennen, dann sehe ich auf 400 m Entfernung 15 – 18 Mann vom Dorf aus vorgehen. Spähtrupp oder Stoßtrupp, um uns auszuheben?! Das wird kritisch. Ich spüre langsam Erregung, krieche zu Simeth und sage ihm unsere Beobachtung. Er mit mir zu Fritz. Nichts zu sehen. Er will uns schon anschnauzen. Da tauchen wieder einige Gestalten auf. Jetzt spinnt er: Es ist auch nicht zu leugnen, sie kommen in Richtung auf uns zu. Simeth will abhauen, geht auch mit Brinker und Hinkelmann. Ich schieße einen Gurt durch. Die Russen laufen zurück, zur Seite, ein paar schreien. Jetzt putzen auch Fritz und ich die Platte. Wir laufen, was wir können. Verdammt; zwei sMG schießen uns nach, ebenso Granatwerfer. Sprungweise zurück. Gut, dass es fast schon ganz dunkel ist. Halbwegs jage ich nochmals 50 Schuss durch. Ich streue eben das Gelände ab, Russen kann ich keine mehr sehen. Ihr Plan ist gescheitert, denn dass das ein durchdachtes Unternehmen war, bewiesen uns die sMG und Granatwerfer, die uns den Rückweg verlegen sollten. Atemlos beim Kompanie-Chef, der froh ist, dass es so gut noch abgelaufen ist. Er hat alles beobachtet und sich schon gesorgt. Simeth will uns Ruhe für die Nacht rausschinden. Nichts! „Eure Stellung ist noch nicht fertig. Der Boden ist zu hart. Morgen früh müsst ihr vom Boden verschwunden sein. Es darf sich niemand zeigen. Wir dürfen unsere Stellungen nicht verraten.“ Das sehen wir ein und schanzen, schanzen die ganze Nacht und sind froh, dass wir im Morgendämmern ein kümmerliches Loch fertig haben. Da stehen wir zu 4 drin. Keiner kann sitzen, viel weniger schlafen. |
| 25.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. In der Nacht sind wir durch die Arbeit mit Pickel und Schaufel warm geworden. Simeth hat natürlich keinen Stiel in die Hand genommen, maulte, als wir ihm sagen, für ihn sei noch kein Platz geschaffen. Er soll zu Trupp 2 gehen, wo er die Nacht geschlafen hat. Aber nun, am Tag ohne jede Bewegung wird’s kalt. Keine Mäntel, keine Handschuhe. Die kommen erst heute Nacht. Am Tag regt sich nicht viel. Doch wenn man zum Austreten raus will, pfeift's schon von drüben her. Mühsam graben wir von unserem Loch waagrecht eine Höhle in den Boden. Heidenarbeit nur mit dem kleinen Spaten. Doch langsam kommt es hin. Zwei legen sich dort hinein, zwei stehen Posten. Am Abend kommt Simeth doch zu uns ins Loch. Er muss ja wohl, denn drüben ist ja Uffz. Sohnius Truppführer. Es scheint ein Stellungskrieg nach Väter Art zu werden. Vielleich bauen wir gar noch Unterstände?! Doch wir glauben an unsere Ablösung und haben gut Witze machen. Am Abend kommen Mäntel und Handschuhe. Unsere Fahrer besorgen sie von den Protzen. Warmes Essen kommt nachts um 4 Uhr. Es ist kalt bis es bei uns ist. Weiß der Teufel, wo der Troß wieder liegt. Viele Protzen sind ausgefallen, eingefroren. Es ist ja auch eisig kalt. Trotzdem greifen die Russen über die weite Fläche an. Aber sie kommen nicht ran. Das ist unmöglich. Sie gehen zurück. Gefährlich sind die Nächte. Stockdunkel immer noch. Wenn nur Vollmond wäre. Leuchtraketen erhellen für kurze Augenblicke die Ebene, Leuchtspurgeschosse schwimmen durch die Luft; drüben zaubert die Stalin-Orgel (ein Salvengeschütz) ….. an den nächtlichen Himmel. Doch der Segen ist nicht für uns bestimmt, geht weit nach rechts. Abend nochmals Angriff, herangetragen bis an unsere Stellung. Doch abgewehrt. |
| 26.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Es ist schrecklich kalt. Unsere Stellungen fürchterlich primitiv. Gut, dass wir wenigstens zu rauchen haben. Unsere Gruppe, die seither ganz rechts lag, nunmehr 24 Stunden in der Nähe des Zuggefechtsstandes, um in einem Haus aufzutauen. Immer zwei Mann 2 Stunden am MG, die andern beiden im Haus. Der Uffz. Simeth den ganzen Tag im Haus, Uffz. Sohnius steht mit Posten. Nach den 24 Stunden wieder in die Stellung rechts. |
| 27.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Dunkelheit noch weit und breit. Alles ist hellwach. Das Krachen der Handgranaten, die uns gestern Abend noch um die Ohren flogen, bezwingt nochmals innere Müdigkeit. Die Horchposten sind verstärkt. Von Zeit zu Zeit erhellt eine Leuchtpatrone die Ebene, die die Russen von uns trennt. „Wer da, Kennwort!“ ruft ein Horchposten in die Stille. „Germanski Hube(?)“ höhnt ein Russe und da bricht es los: „Verrat, Verrat.“ Handgranaten fliegen und krachen. Zweige knacken. Überall Gestalten, in ungeheurer Zahl. Da brechen die MG los; erst eins, da noch eins, jetzt 5, 8! Die Hölle ist los. Man versteht nichts mehr. Schießen, Schießen. Hinein in die Haufen. Stundenlang geht der Kampf. Verwundete schreien. Gewichen wird nicht. An einer Stelle sind die Russen durchgebrochen. Sie werden abgeriegelt; gefangen genommen. Doch da drängen immer mehr Russen durch die Lücke. Der Feldwebel von der Sand steht mit seinen Leuten auf schweren Posten, allein auf weiter Flur; denn auch unsere Sicherungskette ist schwach. Höchstens alle 100 m ein M.G. Doch diese Kerle wehren sich wie die Löwen; mit einem MG, mit Handgranaten und Gewehr. Als es hell wird, ist die Gefahr gebannt. Vor unseren Stellungen liegen schwarze Gestalten, tot oder schwer verwundet; unheimlich viel. Nur ein kleiner Teil konnte zurück. Der Rest ist gefangen. Die Säue stinken auf 100 m nach Schnaps. Stolzes Gefühl in uns. Das war ein hartes Stück Arbeit. Die Helden des Tages: Fw. von der Sand, Schreiber, Hämmerle, Gunthert, Söll. Doch leider auch viele Tote und Verwundete. Tot: Fw von der Sand, Eberle, andere unbekannte Kameraden, verwundet: Ofw.Wüst ganz schwer. In unserem Abschnitt ganz rechts nur wenig los. Dagegen bei der 9.Kompanie. Russen eingebrochen. Die 9. zurückgegangen, 3 Gefangene verloren. Ein Feldwebel, der nicht mitging, erschossen. Doch Gegenangriff der 9.Kompanie. Verbindung wieder hergestellt. |
| 28.11.1941 | |
| 29.11.1941 | |
| 30.11.1941 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. 1. Advent. All meine Gedanken kreisen um Heine und die Eltern. |
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