16.Panzerdivision
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Kriegstagebuch Januar 1942
1.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Der Winter hat nun scheinbar erst begonnen. Schnee liegt. Eisiger Wind bläst in die Löcher. Schweigsam tragen wir das Schwere, werfen
den Schnee aus den Löchern, den es hereinweht, schützen uns, so gut es geht, vor dem Wind. Manche Landser sind schon ganz teilnahmslos
geworden. Von unserer Kompanie ist einer zu den Russen übergelaufen. Von der 6.Kompanie einer auf Posten erfroren. Wahrscheinlich hat
er sich hingelegt, vor Müdigkeit eingeschlafen und die Ablösung hat ihn nicht gefunden.
2.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Wir können nur noch eine Stunde Wache stehen. Zwei Stunden hält niemand mehr aus.
3.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Die Läuse! Es ist zum wahnsinnig werden.
4.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Uffz. Roelfink ist Feldwebel geworden. Wie ich mich freue.
5.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Ich sehe schon wieder so herabgekommen aus. Aber was tut's. Ich bin ja nur einer von Vielen.
6.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
An Ablösung wagt keiner mehr zu denken. Der Divisionskommandeur hat das Eichenlaub erhalten!
7.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Man tut seinen Dienst. Aber mit der Zeit wird man stumpfsinnig. Jeder denkt: „Ist egal, ob ich so verrecke“. An die gemütliche
Stube zuhause mag keiner denken.
8.1.1942  
9.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Ich bin wieder im Zuggefechtsstand, Melder bei Fw.Roelfink. Seine beiden Melder liegen im Lazarett mit Erfrierungen. Deshalb
hat man den Granatwerfertrupp aufgelöst. Aber gemütlich ist es nicht mehr, fast kälter als im Erdloch.
10.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Die Verpflegung ist mit einem Male fabelhaft. Es gibt Schinken, Käse (sogar zweierlei) Wurst, Butter, Schmalz, Honig,
Marmelade, Schokolade, Zigaretten. Phantastisch, einfach kaum zu glauben.
11.1.1942  
12.1.1942  
13.1.1942  
14.1.1942  
15.1.1942  
16.1.1942  
17.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Wir werden abgelöst, heute noch! Es gibt noch Wunder.
18.1.1942  
19.1.1942  
20.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Wie glücklich sind wir! Wir liegen in Jekaterinowka. Meine alte „Wieseldivision“ hat uns abgelöst. Wir liegen gruppenweise
in warmen Häusern. Wir waschen uns, haben frische Wäsche, sind entlaust, schlafen, lesen und freuen uns auf Deutschland.
Die Iger(?) sollen schon am Verladen sein.
21.1.1942  
22.1.1942  
23.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.
Ich bin gebrochen. Wir müssen wieder nach vorn. Ich kann nichts mehr sagen. Das ist meine größte Enttäuschung in meinem Leben.
24.1.1942 privates Tagebuch 7./Schtz.Rgt.64.-14.2.1942
Ich habe wieder Oberwasser. Das verdammte deutsche Pflichtgefühl hat gesiegt. Und nun habe ich schon wieder die Kraft, anderen
zur gleichen Haltung zu helfen. Der Russe hat zwischen Stalino und Charkow hereingedrückt. Das darf nicht sein. Also!
Wir sind Stoßreserve; liegen 2 – 3 km hinter der HKL. In einem Kolchos und hätten die Aufgabe, den Russen, falls er durchbrechen
sollte, abzuriegeln. Wir liegen in der Mius Stellung, nördlich unserer alten Stellung zwischen Alexanrowka an der Grimko und
Uspenskajo, dem wichtigen Ausladebahnhof zwischen Stalino und dem Schwarzen Meer.
Abends Ankunft im Kolchos, der bei den Russen ein Pferdestall war. Furchtbar kalt, ungemütlich. Wir frieren die ganze Nacht,
an Schlaf ist nicht zu denken. Die Hände regen sich. Bettstellen entstehen, 3 übereinander, 4 nebeneinander.
Jeder Zug teilt sich seinen Raum so gut wie möglich ein. Ich bin als Truppführer zum II.Zug gekommen, den Fw.Trappe führte,
doch der ist im Lazarett, StFw.Simeth (mit Fw. Roelfink befördert). Gruppenführer ist Uffz.Kuchem, seit Weihnachten in Russland.
Kameraden Albert Schreiber und Sepp Hämmerle im Lazarett. Wir bekommen Bunkeröfen, Holz ist genügend da, Kohle kommt mit
Schlittengespannen. Langsam wird’s wohnlich. In wenigen Tagen haben wir aus einem russischen Pferdestall wohnliche Räume gestaltet.
Sonderbar! Wir würden unseren Tieren in Deutschland bessere Ställe geben als die Wohnräume der Russen. Und wir alle sind stolz auf
unsere Tatkraft, Planung und Ausdauer.
Fast friedensmäßiger Dienst: „Unterricht z.B. Verhalten gegen Vorgesetzte“! Waffenausbildung, politische Tagesfragen werden behandelt.
Alles schön und gut, wenn ich nicht im II.Zug wäre. Beim Fw.Simeth muss man so kommen: „Ich bitte Herrn Fw. vorbeigehen zu dürfen.“
Und der Uffz.Kuchem glaubt, er sei in der Kaserne in Wuppertal, lässt sich Waschwasser besorgen, waschen, Mantel ausklopfen usw. usw.
Das ist im I. und II.Zug ganz anders. Wenn wenigstens Fw.Trappe da wäre. Da wäre es auf einmal aus, solche Spunde. Nur gutes Essen,
viel Schlaf. Sonderverpflegung: Mehl und Öl. Ich backe an einem Nachmittag 55 Pfannkuchen für die Gruppe. Albert Schreiber wird mein
bester Kamerad, wir teilen alles. Doch schon nach einer Woche kommt er ins Lazarett, er kann nicht mehr sprechen. Der Fw. und der
Gruppenführer treiben es immer bunter. Ich merke, dass es ein großer Unterschied ist, Unteroffizier zu spielen oder Gruppenführer zu
sein. Zum Können muss Takt und Charakter kommen. Mich plagen rheumatische Schmerzen, dass ich wahnsinnig werden könnte. Mit einem
Mal waren sie da. Ich kann nicht mehr schlafen, gehen, stehen, bewege mich wie ein Greis. Wir bauen kleine Karren für unsere Waffen
und Munition; denn die Fahrzeuge sind alle vollends „am Arsch“. Wir sind eine Panzerdivision gewesen, „Schubkarrendivision“ geworden.
Doch unsere Zeichen Y haben wir überall draufgebrannt.
25.1.1942  
26.1.1942  
27.1.1942  
28.1.1942  
29.1.1942  
30.1.1942  
   
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