| Kriegstagebuch März 1942 | |
| 1.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Die Bunker werden allmählich fertig. Sie werden wunderbar groß, hell, dicht und fest, mit Bettstellen. Bunkeröfen, Fenstern. Wir freuen uns alle darauf. |
| 2.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Die Tage sind schön, sonnig und warm. Wir atmen alle auf. Das Lied: „Die linden Lüfte sind erwacht“ geht mir immer durch den Sinn. „Nun muss sich alles wenden ist mein tiefer Gedanke.“ |
| 3.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Dass wir auch im kommenden Sommer wieder dabei sind, wird uns zur Gewissheit. Alles deutet darauf hin. Die Division bekommt neue Panzer, Fahrzeugabholkommandos für Protzen und LKW. Sind schon unterwegs. Also wieder Kampf. Aber ohne Kampf kein Sieg, ohne Sieg kein Friede. |
| 4.3.1942 | |
| 5.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Gerücht: „Die Division kommt nach Nordfrankreich!“ Die Infanteristen, die am Tuslow zu unserer Verstärkung gekommen sind, sollen zu ihrer eigentlichen Division kommen (198 I.D.) Die Schreibstube hat schon alles vorbereitet. Das macht die Sache glaubhaft und wir sind alle fast übermütig. |
| 6.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Das Gerücht soll wahr sein. Der Uffz. von der Schreibstube, der prächtige Alfred Biermann, bestätigt es mir. Mein Wunsch ist so heiß wie ein Gebet. Hin, wo es hergeht. Nur raus aus dem fürchterlichen Land. |
| 7.3.1942 | |
| 8.3.1942 | |
| 9.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Das Essen ist ärmlicher als im Dezember. Hirsesuppe, Hirsesuppe, Kappes (Sauerkraut), Hirsesuppe, Hirsesuppe, Kappes! Tagelang, Wochenlang. Und Morgen- und Abendverpflegung reicht gerade für einen Tag statt für 4! An Schokolade ist nicht mehr zu denken. Das ist ja verständlich, wenn man hört, dass die Russen ein AVL (Armeenverpflegungslager) bei ihrem Einbruch zwischen Artemowsk und Charkow geschnappt haben sollen. Ein anderes Gerücht besagt, eine Fliegerbombe hätte es zerstört. Und ein Drittes: Sabotageakt der Partisanen. Ist auch egal, Hauptsache: Es gibt keine Schokolade; ausgerechnet jetzt, wo ich den feinen Genuss für einen Geburtstagsgruß an Rosel mir vorenthalten wollte. Pech! Auch die Ablösung ist Scheiße. Von Frankreich können wir träumen. |
| 10.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Pech ist auch, dass wir 3 Wochen lang unsere Bunker umsonst gebaut haben. Wir sollen 4 km S. Alexandrowka, bei Demidowka eingesetzt werden. |
| 11.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Panzerkampfabzeichen! Der Chef spricht gut. |
| 12.3.1942 | |
| 13.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Und wieder marschiert die „Karrendivision“. Auf unseren selbstgezimmerten Handkarren, dem schweißfordernden Ersatz für die ausgefallenen Fahrzeuge ist das MG-Gerät, Gasmaske, Packtasche u. a. Zeug (Lampen, Bratpfannen, Pickel, Beil) verladen. Mit einbrechender Nacht geht es in Alexandrowka, wo wir die Wochen der Schanzarbeit geschlafen hatten, los. Unmittelbar hinter dem großen Dorf geht der Weg den Hang hinauf. Auf halber Höhe geht er weiter nach S. „In einer Stunde sind wir dort“ sagte Kuchem. Der hat gut sagen. Er spaziert neben uns her, hat sogar noch seine „Knarre“ auf unsern Karren geworfen und kümmert sich wenig um uns. Das sind ein steiles Abfallen und wieder Ansteigen des Weges, da sind tiefe Rinnen, grundlose Stellen und tiefe Schneestellen. Wir schinden uns rechtschaffen. Das Wasser läuft in Bächen, das Gewehr drückt und erschwert das Atmen, die Beine werden schlapp, als ob wir nach 6-wöchigem Krankenlager zum 1.Mal wieder einen Spaziergang machen. Und immer noch ist das Dorf nicht erreicht. Da, schemenhaft zwei Häuser! Wir schöpfen Hoffnung. Scheiße! Da liegt erst die Sechste! Also weiter. Nun geht’s doppelt schwer. Endlich! Da sind wir. Ich höre schwäbische Laute. Ich weiß, es sind Leute der Wieseldivision. Ich frage nach Regiment, Kompanie. Es ist die 5./420 die Kompanie in der Gerhard Baier Leutnant war. Er ist in der Heimat: verwundet. Da kommt Albert Schreiber und sagt: „Rudolf, Lt. Reuschle ist Kompaniechef.“ Da bin ich nicht mehr müde. Schnell bin ich bei ihm: „Mensch, du lebst noch“. Das ist fast das einzige, was uns auf die Zunge will. Doch ich kann nicht lange bei ihm bleiben, wir werden eingewiesen. Wir geben uns die Feldpostnummer und versprechen, einander zu schreiben. Die Tage des Infanterievormarsches werden in meinem Innern wieder lebendig. Wie oft hat mir Hermann Reuschle, damals Batallionsadjudant im III./420 im Vorbeireiten eine Zigarre oder 1 Schluck Kaffee gegeben, er, der mir schon in Esslingen mit Bert Sumser der liebste der Heilbronner war. |
| 14.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ideale Stellung unserer Kompanie! In den Häusern sind die MG-Stellungen eingebaut, daneben Schlafstellen. Eine Stube richten wir uns zum Wohnen säuberlich her. Wir bürsten die schwarzen Wände ab, mauern den Ofen auf, hängen Bilder an die Wand und gehen, Holz zu suchen. |
| 15.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Viel los ist nicht. Ab und zu schießt russische Artillerie, ob sie nochmals einen Angriff wagen? Kurz bevor wir ablösten, griff ein Bataillon die Infanteristen an. Etwa 50 – 60 Tote liegen noch jetzt im Minenfeld. Doch dieser russische Angriff war nicht der Hauptangriff. Der erfolgte zur gleichen Stunde südlicher, auf unsere alte Stellung bei Stefanowskji. Welle u. Welle, 10-12 mal hintereinander soll er dort angegriffen haben. Die letzten Wellen nahmen die Gewehre der Gefallenen und griffen an, immer wieder, bis dem III/419 die Munition ausging und der Einbruch gelang. Doch nach ein paar Stunden hatten Panzer der 13.Pz.Div. die Russen wieder hinaus gejagt. Ein russ. Regiment war verblutet, um nichts. Matrosen der Stalingarde sollen es gewesen sein, die den Durchbruch nach Taganrog erzwingen wollten. |
| 16.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Wir haben uns sogar einen Fußboden gelegt, die Fenster geputzt. Ein Gewehrständer gezimmert und alles säuberlich eingeteilt. „Gut gewohnt ist halb gelebt.“ gilt auch bei uns in Russland, wo es möglich ist. Am Abend ist es so gemütlich, dass wir nur eine Sorge haben: Soviel Schönheit kann nicht lange dauern. Aber wir sind trotz allem keine Privatleute, wir stehen Tag und Nacht Horchposten, vorn am Mius 800 m vor der HKL Der Plan ist fein durchdacht, er garantiert volle Sicherheit und schont Kraft und Gesundheit der Landser. Auch ein Alarmposten ist eingerichtet. Und so ist die Sicherung gedacht: Jeder Zug stellt 2 Horchposten (Doppelposten) am Mius. Vor jeder MG-Stellung ein Alarm-Posten. Hat der Horchposten vorn einen Angriff erkannt, alarmiert er die Alarmposten durch Schüsse. Der weckt die schlafenden Kameraden, die umgeschnallt liegen und nur in ihre Stellung laufen brauchen. In dieser Zeit laufen die Horchposten zurück und das Feuer kann eröffnet werden. Da kann gar nichts passieren, wenn der Horchposten auf Draht ist. Bei Tag fällt der Alarmposten weg, weil da sowieso alles wach ist. Drahtverhaue werden gebaut. Schussfeld durch Niedertreten des hohen Riedgrases verbessert. |
| 17.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Es ist schön und ruhig. Doch nachts kommt man kaum ans Schlafen. 2 Stunden Horchposten, 2 Stunden Schlaf, 2 Stunden Alarmposten oder Streifenposten, der die Alarmposten entlang den Stellungen kontrolliert. Ab 4 Uhr ist der Sicherungsdienst leichter. Aber dafür gibt es andere Arbeiten. |
| 18.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Essen sehr, sehr mager. Verpflegung schmählich zum Mittagessen, das abends kommt, gibt’s einen halben Trinkbecher Hirsesuppe. |
| 19.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ich habe für meine Satire 50 Zigaretten bekommen. |
| 20.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Krach des 2. MG-Trupps, vor allem Albert Schreiber mit Uffz. Kuchem. Dieser ein fürchterlich, rücksichtsloser Egoist. Genussmensch. Ich breche ihm bald das Genick, bin aber vorsichtiger als Albert. Der Kompaniechef wird Augen machen, wenn ich Stück um Stück seiner „Taten“ auftische. |
| 21.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Revier. Ich bin beim Ablösen des Horchpostens in der dunklen Nacht gestürzt und habe mir die Hand am eiskalten Boden aufgerissen. Hand ist genäht worden. Ich liege beim Tross, da das Revier voll ist in Alexandrowka. Mit dem Kompanieschneider, Heinz Bom, teile ich das Quartier bei einer alten Russin. |
| 22.3.1942 | |
| 23.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. E.K.II. Endlich! Ich kann mich nicht recht darüber freuen. Ich glaube, es schon im letzten Jahr verdient zu haben. Aber entscheidend ist ja das eigene Gewissen. |
| 24.3.1942 | |
| 25.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ich wasche mich viel, schlafe lange und esse wenig. (weil nichts da ist). Es gibt Marketenderware: Schnaps und Zigaretten. Ich qualme viel. Macht nichts, einen Tod muss der Mensch leiden und wenn die Zigaretten alle sind, hört's von selbst wieder auf. |
| 26.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ich schreibe viel nach Hause, auch kleine Berichte über „Meine Pfeife“ und „Auf Horchposten“, stichwortartig. |
| 27.3.1942 | |
| 28.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Die Hand heilt langsam. Ich schäme mich bald, dass ich noch nicht wieder bei der Kompanie. bin. |
| 29.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Der Kompanieschuster ist nun auch in unserem Quartier. Welch ein Gegensatz zwischen dem Meister der Nadel und dem der Ahle. Heinz ein gerader, einfacher und bescheidener Kerl, so ganz „mein Fall“. Der Schuster glatt, redet schön und ist ein Schwein. Er schreibt jeden Tag seiner Frau, abends gibt er sich mit Russinnen ab. |
| 30.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Es taut. Alles riesig überschwemmt. Ich führe meine Schilderungen aus: |
| 31.3.1942 | privates Tagebuch
7./Schtz.Rgt.64. Ich liege noch immer beim Tross. Angenehmes Leben, aber ohne Befriedigung. Ich habe den Oberarzt gebeten, mich gesund zu schreiben. „Was wollen Sie bei der Kompanie?! Dienst dürfen Sie doch nicht machen!“ Ich möchte eben bei den Kameraden sein. Man sieht und hört und spürt da hinten so manches, was einem nicht gefällt. |
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