6.Infanteriedivision
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Kriegstagebuch September 1942
10.9.1942 Einsatzbericht II./I.R.18
Die Ausfälle an Uffz. und Mannschaften waren sehr hoch. Bei allen in der HKL insbesondere bei den Mannschaften, machten sich die ständigen körperlichen und seelischen Anspannungen stark
bermerkbar sodaß, sie am Tage der Ablöse, am 11.9.42, ziemlich abgekämpft waren. Es wird bemerkt, daß das anfängliche öftere Versagen von Unterführern und Mannschaften im Laufe der
Gefechtshandlungen nicht mehr aufgetreten ist. Es kann daher die Erfahrung sowie eine vorherige gründliche Ausbildung und ein Vertrautmachen mit den Verhältnissen in den
Verteidigungshämpfen um Rshew nicht hoch genug bewertet werden. Zur Charakterisierung per Verhältnisse, wie sie während der ersten Gefechte bestanden haben, führt das Btl. folgendes
Beispiel an. Nach einen Feindeinbruch wurde durch Stoßtruppunternehmung die eigene HKL zurückerobert. Beim Aufrollen des Grabens wurde ein Mann mit verbundenem Kopf aus einem
Unterschlupf geholt; der Mann in deutscher Uhiforn kam dem Stoßtruppführer, da er nur gebrochen deutseh sprach, verdächtig vor, Papiere (Soldbuch) konnte er nicht vorzeigen, welcher
Kompanie er angehörte und wie sein Kp.-Chef hieß, wußte er nicht. Auf die Frage, wer ihn verbunden habe, antwortete der Mann in gebrochenem Deutsch "Kolega". Wo er seine Papiere habe,
antwortete er "Kamerad von rotes Armee hat genommen", und er zeigte seine leeren, offenstehenden Taschen. Der Stoßtruppführer schöpfte, wie das natürlich war, Verdacht und meldete dem
Btl., er habe einen Russen in deutscher Uniiorm gefangen und ob er ihn gleich erschießen solle. Der Btl.Kdr. verbot das und ließ sich den Mann vorführen. Alle an ihn gestellten Fragen
beantwortete er in gebrochenem Deutsch. Es kam hinzu, daß er durch die Kopfverletzung noch ziemlich verwirrt war. Leute der 5.Kp., denen er gegenübergestellt wurde, behaupteten, den
Mann nicht zu kennen. Der Btl.Kdr. war sich nach langem Hin-und Her nicht im Klaren, ob er es mit einem Mann seines Btl. zu tun habe oder ob es sich um einen Russen handle. Nur die
Nachforschung bei der Kp.Schreibstube, ob es in der Kp, einen Schützen namens Kosietzki gebe, brachte dann Klarheit, daß es sich um einen Mann der 5.Kp. handelte. Der Mann war
Oberschlesier und in Panewnik/Kattowitz geboren, sprach zwar perfekt polnisch aber nur gebrochen deutsch. Es muß erwähnt werden, daß seine näheren Kameraden, mit denen er im Graben
einige Tage gekämpft hatte und sein Gruppenführer ausgefallen waren. Dieser Fall wird aufgeführt, um die Verhältnisse zu beleuchten, die bei einem so zusammengesetzten Btl, tatsächlich
entstanden sind.
Im Btl. sind mehrere andere Fälle, wenn auch nicht in dieser Form, vorgekommen. Beim Identifizieren von Toten und Verwundeten, sowie der Vermißten sind erhebliche Schwierigkeiten
aufgetreten, vor allem dann, wenn die Leute entgegen den Befehlen weder Erkennungsmarke noch Soldbuch bei sich führten. Es ist vorgekommen, daß der Kp.-Chef die Angehörizen eines
Mannes über den Tod des Sohnes in Kenntnis gesetzt hat, dem es aber in Wirklichkeit gut ging, und der in einem Lazarett lag. Auch hier wie in allen anderen Fällen liegt die Schuld an
derartigen Vorkommnissen in den schwierigen Verhältnissen.
Das Btl. wurde in der Nacht vom 10./11.9.42 nach Tolstikowo verlegt.
11.9.1942 Einsatzbericht II./I.R.18
Das Btl. wurde in der Nacht vom 10./11.9.42 nach Tolstikowo verlegt. Das Etl. verblieb 5 Tage in Tolstowo und wurde in der Nacht vom 15./16,9. nach Rshew verlegt.
16.9.1942 Einsatzbericht II./I.R.18
Das Etl. verblieb 5 Tage in Tolstowo und wurde in der Nacht vom 15./16,9. nach Rshew verlegt, dem Standortkommandantenant von Rshew für Schanzarbeiten unterstellt, und, war im übrigen
Stoßreserve der Division. Das Btl.hat sich genau wie in Tolstowo, neben anderen Arbeiten mit dem Ausbau der eigenen Unterkünfte beschäftigt. Für Ausbildung, intensive Erziehungsarbeiten,
gründliche Überholung von Mann und Waffe genügte die Freizeit nicht.
21.9.1942 Einsatzbericht II./I.R.18
Am 21.9.42 erfolgte ein Feindeinbruch am Nordostrand von Rshew. Das Btl. wurde zur Bereinigung der Lage eigesetzt. Die Einbruchstelle wurde zunächst abgeriegelt und der Feind im Gegenstoß
bis zum Nordrand der Stadt zurückgeworfen. Der Einsatz einer verstärkten Kompanie zum Flankzenstoß zur Widergewinnung der HKL im Stadtwald konnte bis zur Waldschneise C vorgetragen werden.
Die Kämpfe für das Btl.waren sehr hart und due Verluste sehr hoch.
22.9.1942 Einsatzbericht II./I.R.18
Am 22.9. wurde mit 1 Pi.Kp. des Pi.Btl.6 die Einbruchstelle abgeriegelt und das Stoß-Btl. zur Gewinnung der Waldschneise C durch Flankenstoß von rechts eingesetzt. Es erwies sich, daß das
Btl. dazu zu schwach und und für Angriffsaufgaben nicht mehr geeignet war. Das Btl. hatte bei diesen Kämpfen allein an Offisiesverlusten: 4? Offiziere gefallen, 1 Offz. verwundet. Die Uffz.
und MannschaftsverIuste waren sehr hoch. Der Rest des Btl. blieb bis zum. 25.9.42 in der Waldstellung und riegelte nach Westen ab. Die 3 von Norwegen dem Btl. zugeführten Offiziere sind bei
ihrem ersten Gefecht gefallen.
25.9.1942 Einsatzbericht II./I.R.18
Bei der Ablösung am 25.9.42 verfügte das Btl. noch über eine Einsatzstärke vön 4 Offz., 12 Uffz, und 70 Mannschaften (einschl.Stab).
26.9.1942 Einsatzbericht II./I.R.18
In der Nacht voz_ 25./26.9. ka das Btl. nach Rshew Nord, Nordufer der Wolga.
27.9.1942  Einsatzbericht II./I.R.18
Das Btl. wird am 27.9.alarmiert und zur Verfügung dor Division zum Nordbahnhof verlegt.
28.9.1942  Einsatzbericht II./I.R.18
In der Nacht vom 27./28.9. marschiert das Btl. zur Auffrischung nach Tolstikowo. Es wurde erreicht, daß die Leute die aus dem Fronteinsatz kamen, in Häusern untergebracht werden konnten. Die
Freude über ein vorübergehendes trockenes Plätzchen war sehr groß, aber ehr wirkte noch die Tatsache, daß der Mann für seinen braven Einsatz über alle Schwierigkeiten hinweg die Fürsroge
seiner Vorgesetzten erkannte.
Das Btl. erhielt am 28.9.42 als Ersatz 3 Offiziere, 5 Unteroffiziere und 123 Mannschaften. Bei den Offizieren handelt es sich um einen Offizier mit Fronterfahrung, 2 Offiziere sind von der
Luftwaffe (Bodenpersenal) umgeschult, verfügen nur über geringe infanteristische Ausbildung und haben beide keinerlei Fronterfahrung. Die Unteoffi2iere haben a11e keine Fronterfahrung. Bei
den Mannschaften handelt es sich u Rü-Arbeiter mit 7 wöchiger Ausbildung und ohne Fronterfahrung. Ein großer Teil hatte noch keine scharfe Handgranate geworfen.
Beruf: Schlosser, Dreher und Bergleute. Alter: 50% 18 - 20 Jahre, 50% 30 - 33 Jahre. Am M.G. sind die Leute nur oberflächlich ausgebildet, von einer Durchbildung kann nicht gesprochen werden.
Gesamteindruck: Eine ausgesprochene Einsatzfreudigkeit ist nicht zu erkennen. Soldatische Grundhaltung, körperlich sowie auffassungsmäßig, fehlen bis auf einige Ausnahmen. Mehrere Leute
versuchten, sich durch Vorgabe eines körperlichen Gebrechens vor dem Einsatz zu drückcn. Ein Fall von Selbstverstümmelung wurde bekannt. Bei genügender Anleitung und mit Mischung von alten
Leuten verspricht das Gros aber brauchbare und gute Leistungen.
   
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